Die Erfindung betrifft einen Werkzeughalter mit einem lösbar
befestigten Schneideinsatz sowie einer Kühlschmiermittelzufuhr.
Kühlmitteln bzw. Kühlschmiermitteln kommt bei Zerspanungsprozessen
eine erhebliche Bedeutung zu. Beim Zerspanen, zu dem Drehen, Fräsen und Bohren
zählen, kommt es an der aktiven Schneidkante, welche den Span von dem Werkstück
abhebt, zu hohen Temperaturen, die den Verschleiß des Werkzeuges (Schneideinsatzes)
beschleunigen. Der Grund für die Temperaturerhöhung an der Werkzeugschneide
liegt darin, dass die spezifische Wärme sowie die Wärmeleitfähigkeit
des Schneideinsatzwerkstoffes nicht ausreichen, um die entstehende Reibungswärme
in hinreichendem Maße abzuführen. Bei der Zerspanung von Titanwerkstücken
kommt noch hinzu, dass der Werkstoff Titan dazu neigt, sich mit dem Werkzeug zu
verschweißen. Eine solche „Klebneigung" kann ebenfalls mit einem Kühlschmierstoff
– im Folgenden kurz als Kühlmittel bezeichnet – verhindert bzw.
minimiert werden. Um ein Kühlmittel in ausreichender Menge an den Zerspanungsort
zu bringen, sind bereits verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen worden.
So wird in der DE 37 40 814
A1 vorgeschlagen, dass der Werkzeughalter und der Schneideinsatz zur Kühlmittelbenetzung
des Schneiden- und Spanflächenbereiches des Schneideinsatzes mit innerhalb
der Anlageflächen dieser beiden Bauteile ineinander mündenden Kühlmittelkanälen
versehen wird und dass mindestens ein Kühlmittelkanal des Schneideinsatzes
in unmittelbarer Nähe der in Schneidstellung befindlichen Schneide in die Spanfläche
mündet. Um dies zu bewirken, wird vorgeschlagen, dass die Spanfläche des
Schneideinsatzes selbst mit Nuten versehen wird, über welche das Kühlmittel
vom Werkzeughalter in Richtung der aktiven Schneidkante geführt wird. Nach
einem alternativen Vorschlag in dieser Druckschrift sollen die Schneideinsätze
selbst Kühlmittelkanäle in Form von Bohrungen aufweisen, die in die Spanfläche
münden. Der Nachteil einer solchen Ausgestaltung liegt darin, dass durch solche
Kühlnuten die Spanflächengeometrie des Schneideinsatzes beeinträchtigt
und gegebenenfalls der Spanablauf, der zum Brechen relativ kurzer Späne führen
soll, gestört wird. Nuten wie Bohrungen im Schneideinsatz besitzen zudem den
Nachteil, dass der Schneideinsatzkörper selbst geschwächt wird. Schließlich
können solche Ausgestaltungen auch nicht gewährleisten, dass das Kühlmittel
in ausreichender Menge an den Zerspanungsort geführt wird.
Andere Lösungen, wie beispielsweise in der DE
930 790 C2 beschrieben, schlagen vor, dass der Strahl eines Mittels zum
Kühlen und Schmieren aus einem Düsenmundstück unter Druck und hoher
Geschwindigkeit in den Raum zwischen der Freifläche des Werkzeuges und dem
Werkstück an die Schneide gespritzt wird. Abgesehen davon, dass hiermit im
wesentlichen nur die Freifläche des Werkzeuges, nicht jedoch die Spanfläche
sowie die abgehobenen Späne mit einem Kühlmittel beaufschlagt werden,
besteht noch der Nachteil, dass diese Düse an einer separaten Haltevorrichtung
angeordnet ist, die ohne Verbindung zum Werkzeug bzw. Werkzeughalter steht und somit
schwer justierbar ist.
In der EP 1 073 535 B1
wird vorgeschlagen, die Verwendung des höchst möglichen Druckes eines
Kühlmittels möglich zu machen und es in Form von einem oder mehreren feinen
Strahlen hauptsächlich zu dem Schneideinsatz und den von dem Schneideinsatz
freigeschnittenen Späne zu richten. Je höher der Druck gewählt werde,
der in dem Fluidstrahl verwendet wird, umso größer sei die Möglichkeit,
den Fluidstrahl nicht nur für das reine Kühlen auszunutzen, sondern ebenso,
um die Späne, die von dem Werkstück freigeschnitten werden, mechanisch
zu beeinflussen, insbesondere mit dem Ziel, die Späne in kleinstmögliche
Teilchen zu brechen. Das Kühlmittel soll bei einem definiert hohen Druck auf
die Schnittstelle gerichtet werden, der oberhalb von 100 bar (107Pa)
liegt. Hierzu besitzt der Werkzeughalter einen Sitz für einen Schneideinsatz
sowie eine angeschraubte Platte, die mindestens eine Düse aufweist, die Teil
eines Düseneinsatzes ist, der um seine eigene Mittelachse gedreht werden kann
und derart in einer Position fixierbar sein soll, dass ein Fluidstrahl von dieser
Düse ausgehend auf die Spanfläche des Schneideinsatzes gerichtet wird.
Das Kühlmittel soll über ein oder mehrere Kanäle im Werkzeuggrundhalter
in eine Bohrung eines Polygonschaftes des Werkzeughalters und von dort zu der Düse
in der genannten Platte weitergeleitet werden. Über die Kühlmittelführung
wird im Einzelnen nichts ausgeführt. Soweit an den Austrittsstellen von Bohrungen
Dichtungsringe verwendet werden sollen, besteht nachteiliger Weise die Gefahr, dass
diese bei hohen Fluiddrücken oberhalb von 107Pa unzureichend dicht
sind. Im Übrigen ist die Einstellung der Düse relativ aufwendig und deren
Fixierung nicht hinreichend sicher, so dass sich insbesondere bei aufgegebenen hohen
Drücken die Strahlrichtung ändern kann.
In der US 5,340,242 wird ein
Werkzeughalter für einen Schneideinsatz vorgeschlagen, bei dem abseits von
dem Schneideinsatz ein Körper angeschraubt wird, der eine Durchgangsbohrung
für einen Kühlmittelstrom hat. Diese Durchgangsbohrung führt zum
einen in einen Werkzeughalterschaft mit einem Kühlmitteleinlass sowie zu einem
kleinen Kühlmittelauslass, durch den strahlkegelförmig Kühlmittel
in Richtung der aktiven Schneidkante des Schneideinsatzes gesprüht werden kann.
Um die Strahlkegelrichtung einstellen zu können, ist eine Justierschraube
mit einem Exzenterkopf vorgesehen. Auch hier besteht die Gefahr, dass sich die gewählte
Einstellung verändert, so dass offensichtlich das Kühlmittel nur bis zu
einem Druck von maximal 10 Bar aufgegeben wird. Insbesondere bei der Zerspanung
von Titan-Werkstoffen treten jedoch in Folge der hohen Temperaturen an der Schneidkante
Schweißeffekte zwischen dem Werkzeug (Schneideinsatz) und dem abgelösten
Span auf. Der heiße Span befindet sich über eine relativ lange Strecke
mit dem Werkzeug in Kontakt, wo es unter Umständen zunächst zu Ablagerungen
an der Schneidkante und später zu einem Abbrechen größerer Schneidkantenstücke
kommen kann. Insofern ist beim Zerspanen von Titan eine besonders gute Kühlung
bzw. Wärmeabfuhr erforderlich.
Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung einen Werkzeughalter der
eingangs genannten Art weiter zu entwickeln, der geeignet ist, einen Kühlmittelstrom
in optimaler Weise auf die jeweils beim Zerspanen aktive Schneidkante zu richten.
Insbesondere soll die Erfindung Vorteile bei der Zerspanung von Titan-Werkstoffen
haben.
Diese Aufgabe wird durch den Werkzeughalter nach Anspruch 1 gelöst,
der einen lösbar befestigten Klemmdeckel mit einer Kühlmitteleinlassöffnung
sowie mehrere hiermit unmittelbar oder mittelbar über kreuzweise angeordnete
Querbohrungen verbundene im Durchmesser kleinere Auslasskanäle besitzt, die
so gerichtet sind, dass die vordere Schneidkante des Schneideinsatzes, die bei einer
Werkstückbearbeitung zerspanend in das Werkstück eingreift, über
die gesamte Eingriffslänge der Zerspanung mit einem Kühlmittel bestrahlt
wird. Anstelle eines einzelnen Strahles werden somit mehrere feine Strahlen auf
den Zerspanungsort gerichtet, die nadelstichartig zur Schneidkante vordringen, so
dass weder umher fliegende Späne, noch am Zerspanungsort verdampfende Kühlflüssigkeit
zu einer verschlechterten Kühlung führen können. Es sind mindestens
zwei solcher Auslasskanäle, vorzugsweise drei oder vier Auslasskanäle
vorgesehen.
Nach einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung ist der Klemmdeckel
als Klemmpratze für den Schneideinsatz ausgebildet, der über einen in
eine Schneideinsatzspannmulde greifenden Klemmfinger auf dem Werkzeughalter fixiert
wird. Die Ausbildung der Klemmmulde sowie des Klemmfingers ist grundsätzlich
nach dem Stand der Technik ebenso wie die gegenseitige Anordnung bekannt, wobei
beim Festziehen der Klemmpratze der Klemmfinger mit seiner vorderen Spitze über
die Kontaktstelle in der Spannmulde den Schneideinsatz in den Werkzeugsitz des Werkzeughalters
hineinpresst. Der Klemmdeckel bzw. die Klemmpratze selbst wird mit einer oder mehreren
Klemmschrauben befestigt.
Die genannten Auslasskanäle haben Austrittsöffnungen mit
einem Durchmesser von 0,5 mm bis 2 mm, vorzugsweise 1 mm.
Weitere Ausführungsbeispiele sowie Vorteile der Erfindung werden
anhand der Zeichnungen erläutert. Es zeigen:
1 eine perspektivische Ansicht eines Werkzeuggrundhalters,
2a, b Teilschnittansichten durch den Werkzeuggrundhalter
mit Schnittebenen im Bereich einer Kühlmittelleitung,
3 eine teilgeschnittene Ansicht eines Werkzeughalters,
4a bis c jeweils Ansichten eines Werkzeughalters mit
befestigtem Klemmdeckel und
5a bis c jeweils eine Ansicht eines Werkzeughalters
in unterschiedlichen Darstellungen.
Der in 1 dargestellte Werkzeuggrundhalter
10 besitzt einen Halterungsschaft 11 sowie zwei Aufnahmebohrungen
12, 13, die zum Einschub für Werkzeugträgerschäfte
ausgestaltet sind. In Betracht kommen hier insbesondere Hohlschaftskegel, wie sie
den 3 bis 5 entnehmbar sind. An der
Oberseite besitzt der Schaft 11 eine Rasterprofilierung 14.
Wie teilweise aus 2b ersichtlich ist,
sind an der Rückseite des Werkzeuggrundhalters 10 zwei nebeneinander
liegende Öffnungen 15 vorgesehen, an denen von der Maschinenseite
her Hochdruckleitungen zur Kühlmittelzufuhr angeschlossen werden können.
Die Anschlüsse 15 sowie die nachfolgend beschriebene Kühlmittelzuführung
ist für Drücke > 100 Bar (107Pa) ausgelegt. Im Fortlauf
verkleinert sich der Durchmesser gegenüber der Eintrittsöffnung
15 zu einem geringeren Maß, wonach diese Bohrung 16 schließlich
in eine Querbohrung 17 mündet, die endseitig mit einem Stopfen
18 verschlossen ist. Die Querbohrung ist erforderlich, um den Kühlmittelstrom
seitwärts aus dem Bereich der Spannvorrichtung herauszuführen. Diese Querbohrung
17 mündet in einer Längsbohrung 20, welche durch einen
Kanister 22 führt, der auch eine Spannvorrichtung trägt, bei
der beispielsweise als Spannelemente Kugeln verwendet werden, die über Spannschrauben
25 unter Vermittlung eines kegelförmigen Abschnittes betätigbar
sind und dazu dienen, den Schaft 30 so zu spannen, dass die jeweiligen
Plananlageflächen rings um die Aufnahme 12, 13 des Werkzeuggrundhalters
und die ringförmige Plananlagefläche 31 des Werkzeughalters aneinander
liegen bzw. beim Spannen aneinander geführt werden.
Die Kühlmittelbohrung 20 ist endseitig mit einem Rohrkörper
24 verbunden, der über ein Außengewinde sowohl mit dem Werkzeuggrundhalter
10 als auch mit dem Kanister 22 verbunden ist. Der Rohrkörper
24 mündet in eine Bohrung 21, die wiederum in einen weiteren
Rohrkörper 26 mündet, der über ein Außengewinde verfügt,
das in betreffende Innengewinde der vorhandenen Bohrungen im Werkzeuggrundhalter
10 und Werkzeughalter 29 eingeschraubt wird. Auf diese Weise wird
bei der Kühlmittelleitung 20 am Übergang zum Kanister
22 bzw. vom Kanister 22 zum Werkzeughalter 29 der vorhandene
hohe Kühlmitteldruck abgefangen, so dass beispielsweise bei dem Kanister auf
handelsübliche Bauteile zurückgegriffen werden kann.
Der Werkzeuggrundhalter 10 besitzt jedoch zudem einen weiteren
Anschluss 27 für eine Niederdruck-Kühlmittelaufgabe, der in die
Kühlmittelführung 21 bzw. ein entsprechendes Rohrstück
24 über eine Querbohrung 32 mündet. Der Anschluss
27 ist über einen Stopfen verschließbar.
Die Kühlmitteleinlassöffnungen 15 können jeweils
separat mit einem entsprechenden Kühlmittel-Hochdruck beaufschlagt werden,
so dass der Kühlmitteldruck dem Bedarfszweck angepasst werden kann.
Der Verlauf der Kühlmittelführung 20,
21 einschließlich der Querführung ist im Wesentlichen dadurch
bestimmt, dass die nicht dargestellten Spannschrauben „umgangen" werden müssen.
Auf diese Art und Weise kann der Werkzeuggrundhalter kompakt gebaut werden.
Im Werkzeughalter 29 wird über die Kühlmittelleitung
28 sowie eine Querbohrung das Kühlmittel zu einem Auslass
34 geleitet, der unterhalb des Klemmdeckels 35 (siehe
4) oder einer Klemmpratze 36 mündet. Der Klemmdeckel
35 ist auf dem Werkzeugträger mit vier Spannschrauben 37
befestigt. Der Klemmkörper besitzt zwei sich kreuzende Bohrungen
38, 39, die sich an einem gemeinsamen Kreuzungspunkt schneiden,
wobei die Bohrungen in Verbindung mit der Austrittsöffnung 34 stehen,
so dass das dort austretende Kühlmittel in die Bohrungen 38 und
39 gelangen kann. Aus fertigungstechnischen Gründen sind die „blinden
Enden" der Bohrungen durch Stopfen 40 jeweils verschlossen. Von den Bohrungen
38 und 39 gehen schmale Kanäle 41 mit einem Durchmesser
von 1 mm ab, deren Längsachsen so gerichtet sind, dass die Verlängerung
im Bereich der Schneidecke eines Schneideinsatzes 42 so konvergieren, dass
die Schneidkante im Bereich der Schneidecke 43 an den aktiven Zerspanungsorten
gleichmäßig mit einer Kühlmittelflüssigkeit beaufschlagt wird.
Der Schneideinsatz 42 ist in bekannter Weise mittels einer Spannschraube
44 befestigt. Die Kühlmittelzufuhr gelangt somit in geschützter
Weise von der Werkzeugmaschine über den Werkzeuggrundhalter und den Werkzeughalter
zur Schneidecke 43 eines Schneideinsatzes 42, wo der Kühlmittelstrom
in drei durchmesserkleine Strahlen aufgeteilt wird. Diese Kühlmittelstrahlen
können sowohl zur Temperaturminimierung an der Schneidkante als auch zur Beeinflussung
des Spanablaufes bzw. dem Spanbruch dienen.
Die Ausführungsform nach den 5a,
b und c unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch, dass der Klemmdeckel als Klemmpratze
36 ausgestaltet ist. Die 5a zeigt den erfindungsgemäßen
Werkzeughalter 29 in einer Draufsicht. Die 5b
und 5c zeigen hingegen den Werkzeughalter
29 in einer Seitenansicht (vgl. 5b) bzw. perspektivisch
(vgl. 5c) in einer Explosivdarstellung. Bei dieser
Ausführungsform wird die Klemmpratze mittels einer Klemmschraube
45 auf dem Werkzeughalter befestigt, wobei die Klemmpratze 36
einen Klemmfinger 46 besitzt, der in eine Spannmulde eines Schneideinsatzes
48 eingreift und diesen in den Sitz für den Schneideinsatz presst.
Die sich kreuzenden Kanäle 38 und 39 münden zur Seite,
die dem Schneideinsatz 48, der im vorliegenden Fall eine kreisrunde Schneidkante
besitzt, zugewandt ist, in zwei Paare von Kanälen 49, 50,
die unter einem geringen Winkel zur Auslassöffnung leicht divergierend jeweils
auseinander laufen. Insgesamt werden über die vorderen Austrittsöffnungen
49, 50 an der Klemmpratze 36 vier Kühlmittelstrahlen
erzeugt, die einen bogenförmigen Bereich von ca. 90 bis 130° abdecken.
Die Ausrichtung der Kanäle 41 bzw. 49 und
50 wird jeweils so gewählt, dass die austretenden Kühlmittelstrahlen
in Abhängigkeit von der Geometrie des einzusetzenden Schneideinsatzes zielgerichtet
an den Ort der Spanbildung gelangen. Die Klemmpratze bzw. der Klemmdeckel sind fest
mit dem Werkzeughalter verbunden, so dass eine Fehlausrichtung der Kühlmittelstrahlen
ausgeschlossen ist.
Der Werkzeughalter 29 kann insbesondere so ausgebildet sein,
dass wahlweise entweder der Klemmkörper nach 4a
bis 4c oder die Klemmpratze 36 nach einem
der 5a bis c montiert werden kann.