Stand der Technik
Aufgabe der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Dickenreduzierung von einstückigem
Walzgut, der im Oberbegriff des Patentanspruchs 1 genannten Art, sowie eine Walzeinrichtung
zur Durchführung des Verfahrens.
Aus Walzgut hergestellte Profile sind in verschiedenen Ausführungsformen
bekannt. Bei materialintensiven Profilen, wie sie beispielsweise C-förmige
Montageschienen darstellen, liegt der Anteil der Materialkosten gegenüber den
gesamten Herstellungskosten bei über 70%. Somit führen Einsparungen beim
Material zu einer wesentlichen Reduktion der Herstellungskosten.
Aus statischen Gründen muss ein Profil nicht zwingend über
seinen Umfang eine konstante Materialdicke beziehungsweise Materialstärke aufweisen.
So kann in den weniger belasteten Abschnitten eines Profils die Materialdicke partiell
reduziert werden.
Eine partielle Dickenreduktion durch ein einstufiges Abwalzen durch
Kaltwalzen an einem bandförmigen Walzgut, wie z. B. einem Blechstreifen, ist
nicht sinnvoll, da aufgrund der Reibung quer zur Walze und der Steifigkeit des flachen
Walzgutes die Dickenreduktion nur in eine Streckung in Längserstreckung beziehungsweise
Walzrichtung und eine Materialverfestigung umgewandelt wird. Dies führt zu
inneren Spannungen und starken Verwerfungen des bandförmigen Walzgutes.
Aus der DE 101 13 610 A1
ist ein Verfahren zum Ausbilden von dickenprofiliertem einstückigem Walzgut
bekannt, bei dem zur Ausbildung eines dickenreduzierten Bereichs das Ausgangsmaterial
mittels über die Walzgutbreite unterschiedlich tief in das Ausgangsmaterial
eindringenden Walzen in Breitenrichtung umgeformt wird.
Nachteilig an der bekannten Lösung ist, dass je nach Breite des
in der Dicke reduzierten Bereichs fünf oder mehr Umformstufen vorgesehen werden
müssen. Diese müssen aufgrund ihrer Grössenordnung vor einer Standardprofilieranlage
angeordnet werden oder die Abwalzungen muss in einem eigenen Abwalzvorgang getrennt
vorab hergestellt werden. Solche Massnahmen verteuern die Herstellkosten, so dass
der wirtschaftliche Nutzen trotz der geschaffenen Dickenreduktion nicht gegeben
ist.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Dickenreduktion von
einstückigem Walzgut zu schaffen, bei dem eine bereichsweise Dickenreduzierung
mit einem geringen zusätzlichen Aufwand in einer Profilieranlage für das
Walzgut erzielt werden kann.
Die Aufgabe ist durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs
gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sind in den Unteransprüchen dargelegt.
Gemäss der Erfindung wird in einem ersten Schritt das Walzgut
mit zumindest zwei, in einem Abstand zueinander parallel zur Längserstreckung
verlaufenden Abbiegungen versehen und in einem weiteren Schritt mittels zwei einander
gegenüberliegend angeordneten Walzen, die jeweils zumindest einen schräg
zur Rotationsachse der Walzen angeordneten Abprägebereich aufweisen, der Bereich
zwischen den Abbiegungen in der Dicke reduziert wird.
Die abgebogenen Abbiegebereiche des Walzgutes werden vorteilhaft in
einem Winkel zu dem Bereich zwischen den Abbiegebereichen von 15° bis 150°
abgebogen. Damit kann beim Reduzierwalzen zwischen den Abprägebereichen der
Walzen das verdrängte Material ohne grösseren Widerstand nach aussen fliessen,
ohne dass die bereichsweise Dickenreduktion zu inneren Spannungen und starken Verwerfungen
des Walzgutes führt.
Bevorzugt ist das Walzgut bandförmig ausgebildet, das anschliessend
in eine Vielzahl von Profilformen umformbar ist. Das bandförmige Walzgut bildet
beispielsweise einen Blechstreifen aus, der mittels des erfindungsgemässen
Verfahren mit zumindest einem dickenreduzierten Bereich versehen wird.
Vorzugsweise erfolgt die Dickenreduzierung am Walzgut gleichzeitig
mit einer Ausbildung einer Profilvorform, was eine wirtschaftliche Herstellung ermöglicht.
Die Ausbildung der Profilvorform wird durch das Abwalzen zur Dickenreduktion und
das daraus resultierende seitliche Fliessen des verdrängten Materialanteils
kaum behindert.
Vorzugsweise wird der dickenprofilierte Blechstreifen zu einer C-förmigen
Montageschiene umgeformt. C-förmige Montageschienen stellen ein materialintensives
Profil dar, so dass mittels des erfindungsgemässen Verfahrens die Herstellkosten
für ein solches Profil infolge der geschaffenen Dickenreduktion und der daraus
resultierenden Materialersparnis massgeblich gesenkt werden kann. Bei einer C-förmigen
Montageschiene können die Dicke des Bodenabschnitts zwischen in diesem angeordneten
Öffnungen und auch die Dicke der Seitenwände partiell reduziert werden,
wobei diese Dickenreduktionen auf das statische Verhalten der C-förmigen Montageschiene
nur unwesentlich beeinflusst wird.
Eine Walzeinrichtung zur Durchführung der Dickenreduzierung
weist zwei einander gegenüberliegend angeordneten Walzen auf), die jeweils
zumindest einen schräg zur Rotationsachse der Walzen angeordneten Abprägebereich
aufweisen, wobei die Abprägebereiche an den einander gegenüberliegend
angeordneten Walzen parallel zueinander ausgerichtet sind.
Aufgrund der schräg zur Rotationsachse der Walzen angeordneten
Abprägebereiche weisen diese Walzen entlang dieser Abprägebereiche unterschiedliche
Umfangsgeschwindigkeiten auf, was beim Abwalzen einen so genannten Längsschlupf
bewirkt. Dieser Längsschlupf hebt den Reibungswiderstand der Walze quer zur
Laufrichtung des Walzgutes auf, wobei die Dickenreduzierung durch eine Verbreiterung
des Walzgutes ausgeglichen wird.
Vorzugsweise weist jede Walze zumindest zwei schräg angeordnete
Abprägebereiche auf, wodurch zwei Bereiche des Walzgutes gleichzeitig reduziert
werden können.
Bevorzugt sind die zumindest zwei schräg angeordneten Abprägebereiche
einer Walze in einem Winkel zueinander angeordnet, wodurch zusätzlich allfällig
entstehende innere Spannungen oder auftretende Verwerfungen des Walzgutes verhindert
werden kann.
Vorzugsweise sind die Walzen Profilierungswalzen zum Erstellen einer
Profilvorform. Mittels der zumindest zwei, in einem Abstand zueinander parallel
zur Längserstreckung verlaufenden Abbiegungen kann das Walzgut in eine Profilvorform
umgeformt werden, das anschliessend zu dem gewünschten Profil umgeformt wird.
Die Ausbildung der Profilvorform wird durch das Abwalzen zur Dickenreduktion und
das daraus resultierende seitliche Fliessen des verdrängten Materialanteils
kaum behindert.
Die Erfindung wird nachstehend anhand zweier Ausführungsbeispiele
näher erläutert. Es zeigen:
1 Ein bandförmiges Walzgut vor der Dickenreduktion
mit einem erfindungsgemässen Walzverfahren in schematischer Darstellung;
2 das in 1 gezeigte bandförmige
Walzgut bei der Dickenreduzierung;
3 das bandförmige Walzgut nach dem in
2 dargestellten Abwalzvorgang;
4–5 zwei Verfahrensschritte
eines Verfahrens zum Herstellen einer C-förmigen Montageschiene in schematischen
Darstellungen.
Grundsätzlich sind in den Figuren gleiche Teile mit den gleichen
Bezugszeichen versehen.
In den 1 und 2
ist schematisch das Verfahren sowie eine erste Walzeinrichtung 11 gezeigt.
Die Walzeinrichtung 11 weist eine erste Walze 12 und eine gegenüberliegend
angeordnete zweite Walze 16 auf. Die erste Walze 12 weist einen
schräg zu deren Rotationsachse 13 angeordneten Abprägebereich
14 auf. Die zweite Walze 16 weist einen schräg zu deren Rotationsachse
17 angeordneten Abprägebereich 18 auf. Die Abprägebereiche
14 und 18 sind parallel zueinander ausgerichtet und schliessen
mit ihren jeweiligen Rotationsachsen 13 bzw. 17 einen Winkel A
bzw. B von etwa 45° ein.
Das Walzgut 21 ist bandförmig ausgebildet und weist
eine Dicke D auf. In einem ersten Schritt wird das Walzgut 21 vor der Dickenreduzierung
mit zwei, in einem Abstand zueinander parallel zur Längserstreckung verlaufenden
Abbiegungen 25 zur Ausbildung von zwei Abbiegebereichen 22 versehen.
Die Abbiegebereiche 22 wurden in einem Winkel von 80° zu dem zwischen
den Abbiegungen 25 liegenden Bereich 23 abgebogen.
Zwischen dem Abprägebereich 14 der Walze 12
und dem Abprägebereich 18 der Walze 16 wird der Bereich
23 zwischen den Abbiegebereichen 22 bis auf die Dicke E reduziert.
Aufgrund der unterschiedlichen Umfangsgeschwindigkeiten an den Walzen
12 und 16 im Bereich ihrer Abprägebereiche 14 bzw.
18 entsteht ein Längsschlupf, welcher den Reibungswiderstand der Walzen
12 und 16 quer zum bandförmigen Walzgut 21 aufhebt
und die Reduzierung der Dicke D durch eine Verbreiterung des Walzgutes
21 in Richtung der Pfeile 24 ausgleicht. Durch die zuvor abgebogenen
nicht in der Dicke D zu reduzierenden Abbiegebereiche 22 des Walzgutes
21 kann das verdrängte Material ohne grösseren Widerstand nach
aussen fliessen.
In den 4 und 5
ist schematisch ein Verfahren zum Herstellen einer C-förmigen Montageschiene
40 dargestellt. Das Walzgut 41 ist bandförmig ausgebildet
und mit mehreren Abbiegungen 44 versehen. Die Randbereiche 45
wurden vor der Dickenreduktion umgebogen. Der Bereich 46 des Walzgutes
41, der den Bodenabschnitt 47 der Montageschiene 40 ausbildet,
wurde vorgängig mit einer Sicke 48 versehen.
Die Walzeinrichtung 31 weist eine erste Walze 32
und eine gegenüberliegend angeordnete zweite Walze 36 auf. Die erste
Walze 32 weist zwei schräg zu deren Rotationsachse 33 angeordnete
Abprägebereiche 34 und 35 auf, die in einem stumpfen Winkel
zueinander angeordnet sind. Die zweite Walze 36 weist ebenfalls zwei schräg
zu deren Rotationsachse 37 angeordneten Abprägebereich 38
auf, die in einem stumpfen Winkel zueinander angeordnet sind. Die
Abprägebereiche 34 und 38 sind wie auch die Abprägebereiche
35 und 39 jeweils parallel zueinander ausgerichtet. Die Walzen
32 und 36 sind ein Teil von Profilierungswalzen zum Erstellen
einer Profilvorform, welche anschliessend zu der C-förmigen Montageschiene
40 umgeformt wird.
Zwischen den Abprägebereichen 34 und 35 der
Walze 32 und den Abprägebereichen 38 und 39 der
Walze 36 werden gleichzeitig zwei zwischen den Abbiegungen 44
und den Randbereichen 45 liegende Bereiche 43 an dem Walzgut
41 dickenreduziert, wobei das verdrängte Material das Walzgut
41 verbreitert.
Anschliessend wird mit einer Walzrolle 51 und einer Gegenrolle
52 die Sicke 48 im Bereich 46 des Blechstreifens
41 flachgewalzt, wobei die Wandabschnitte 49 der Montageschiene
40 gleichzeitig senkrecht zum Bodenabschnitt 47 ausgerichtet werden.
Alternativ kann die Walzrolle 51 als ein Stempel und die Gegenrolle
52 als Gegenstempel ausgebildet sein, wobei der Stempel zum Flachdrücken
der Sicke 48 in Richtung des Pfeils 53 bewegt wird. Weiter kann
auch der Gegenstempel oder der Stempel und der Gegenstempel gleichzeitig zum Flachdrücken
der Sicke 48 verfahren werden.