Technisches Gebiet
Die Erfindung betrifft eine Spinnvorrichtung zum Herstellen eines
Garnes, mit einer Vielzahl von Arbeitsstellen, in denen dem Garn mittels eines Falschdrallorgans
eine erste, hohe, falsche Drehung und mittels einer Ringspinnvorrichtung eine zweite,
geringere, echte Drehung erteilt und das Verhältnis der Drehungen zueinander
steuerbar ist.
Stand der Technik
In der US 2005/0268591 A1 ist eine Vorrichtung offenbart, mittels
deren ein Ringspinngarn mit verbesserter Qualität herstellbar ist. Die Vorrichtung
weist ein Streckwerk auf, das einen verstreckten Faserstrang an eine Ringspinnvorrichtung
mit Fadenführer, Spinnring, Spinnläufer und Spindel aufweist. Zwischen
dem Ausgang des Streckwerkes und dem Fadenführer ist ein Falschdrallorgan angeordnet,
das dem zugelieferten Faserstrang stromauf falsche Drehung erteilt. Stromab erteilt
die Ringspinnvorrichtung dem Faden echte Drehung. Im fertigen Garn entsteht aus
den beiden auf den Faden einwirkenden Drehungen ein Garn eigener Art, das sich durch
weichen, offenen Charakter auszeichnet und sich für viele Anwendungsfälle
als hervorragend geeignet erwiesen hat.
Die durch das Falschdrallorgan erteilte Drehung ist vielfach, bis
zu fünffach höher als die durch die Ringspinnvorrichtung erteilte Drehung.
Die die Drehzahlen der beiden Drehung erteilenden Organe sollen in bestimmtem, genau
einzuhaltenden Verhältnis gehalten werden. Dies ist nicht nur beim gemeinsamen
Anlauf und Auslauf aller Spindeln, sondern auch beim Anlauf einzelner Spindeln nach
Beheben eines Fadenbruches erforderlich. In der genannten US-PS ist daher zwischen
jeder einzelnen, den Antrieb stellenden Ringspinnvorrichtung und jeder ihr zugeordneten
Falschdrallvorrichtung eine mechanische Drehzahl-Übertragungsvorrichtung angeordnet,
die eine Übersetzung in der vorgesehenen Höhe aufweist. Die Übertragung
der erforderlichen hohen Drehzahl auf die vielen Falschdrallvorrichtungen mit der
Möglichkeit des Veränderns des Übersetzungsverhältnisses ist
jedoch aufwändig und mit Energieverlusten belastet.
Ringspinnmaschinen, die zwischen dem Ausgang des Streckwerkes und
den den Fadenballon nach oben begrenzenden Fadenführern Falschdrallorgane aufweisen,
sind bekannt:
DE 161 971; US-PS 2,838,903; GB
2 074 198 A; WO 97/32064.
Bei den Gegenständen dieser Druckschriften dient das Falschdrallorgan
in erster Linie dazu, dem aus dem Streckwerk auslaufenden Faserstrang und damit
dem sich an dieser Stelle bildenden Spinndreieck erhöhte Drehung zu erteilen.
Damit wird die Tendenz, dass an diesem Spinndreieck ein Fadenbruch auftritt, wesentlich
entgegen gewirkt, ohne dass die Drehung im Garn insgesamt erhöht werden müsste.
In manchen Fällen wird aber auch der Zweck verfolgt, die Zugspannung auf den
gebildeten Faden im fadenbruchträchtigen Spinndreieck zu vermindern. Auf diese
Weise soll drehungsarmes, sogenanntes Trikotgarn mit höherer Produktionsgeschwindigkeit
erzeugt werden können.
Der Antrieb der Falschdrallorgane erfolgt dabei ausgehend von einer
gemeinsamen Antriebsvorrichtung mittels Zuggliedern in Form von Schnüren oder
(Tangential-)Riemen. Die Drehzahl der Falschdrallorgane ist dabei unabhängig
von der Spindeldrehzahl und nicht spinnstellenindividuell veränderbar.
Allgemeine Beschreibung der Erfindung
Der Erfindung war bei Verwirklichung des ihr zu Grunde liegenden Spinnverfahrens
und der für dieses Verfahren vorgesehenen Vorrichtung die Aufgabe gestellt,
die Drehzahlübertragung auf die Falschdrallorgane und das Einhalten eines vorgesehenen
Drehzahlverhältnisses zwischen Ringspinnspindel und Falschdrallorgan zu vereinfachen.
Sie löst diese Aufgabe mit den im Kennzeichen des Hauptanspruches genannten
Merkmalen.
Mittels des drehzahlveränderbaren Antriebs und der elektronischen
Steuervorrichtung kann ein angestrebtes Verhältnis zwischen den Drehzahlen
insbesondere beim Anlauf der Maschine oder einzelner Spindeln der Maschine aufgebaut
und eingehalten oder auch verändert werden. Dabei ist die Veränderbarkeit
des Drehzahlverhältnisses insbesondere für den Anlauf der Spinnvorrichtung
von entscheidender Bedeutung.
Die Steuervorrichtung kann durch unterschiedliche Betriebsparameter
der Spinnvorrichtung beaufschlagt werden, insbesondere durch zur Liefergeschwindigkeit
des Fadens und/oder zur Drehzahl der Spinnspindel proportionale Signale.
Ein wesentlicher Vorteil ist, dass die Drehzahl der Falschdrallspindel
entlang einer beliebig und von der normaler Weise sehr steil verlaufenden Anfahr-Drehzahl/Zeit-Rampe
der Spinnspindel unabhängigen, flacheren Anfahr-Drehzahl/Zeit-Rampe auf die
Betriebsdrehzahl beschleunigt werden kann. Zweckmäßig ist auch, dass auch
der Auslauf einer Falschdrallspindel unter Material durch eine Auslauf-Drehzahl/Zeit-Rampe
verzögert werden kann.
Diese Drehzahl/Zeit-Rampen können kontinuierlich
verlaufen, sie können jedoch auch diskontinuierlich ausgelegt sein.
Für hoch drehende Falschdrallspindeln kann Antrieb durch eine
Luftturbine vorgesehen werden. Bevorzugt erfolgt der Antrieb aber durch einen drehzahlveränderbaren
Elektromotor. Dabei kann die Drehzahl des Elektromotors durch seine Speisespannung
oder/und durch seine Speisefrequenz geregelt werden.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Welle des Elektromotors hohl
ausgeführt ist und als die vom Faden durchlaufene Falschdrallspindel fungiert.
Es ist aber auch möglich, die Falschdrallspindel gesondert auszuführen
und sie über ein vorzugsweise übersetzendes Vorgelege durch den dann mit
geringerer Drehzahl laufenden Elektromotor anzutreiben.
Die Falschdrallspindel ist zweckmäßiger Weise mit einem
Fadenhaken versehen, der den Faden in deren Drehbewegung sicher mitnimmt.
Spezielle Beschreibung der Erfindung
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel einer Arbeitsstelle
der Erfindung schematisch dargestellt. Sie zeigt die hier wesentlichen Bauteile
zum Herstellen des genannten Garnes in Seitenansicht.
Die Spinnvorrichtung zum Herstellen des erfindungsgemäßen
Garnes geht von einer Ringspinnmaschine mit einer Vielzahl von Arbeitsstellen aus,
die jeweils ein Streckwerk 1 mit mehreren Walzenpaaren zum Verstrecken
von Faserbänden 2 und eine Ringspinnvorrichtung 3 mit Spinnring
4, Spinnläufer 5 und Spinnspindel 6 umfasst. Oberhalb
der Spinnspindel ist koaxial zu dieser ein den Faden 7 leitender Fadenführer
8 angeordnet. Das erzeugte Garn wird auf einen auf die Spinnspindel aufgesteckten
Kops 9 aufgewunden. Der geläufige Antrieb der Spinnspindel
6 durch Tangentialriemen 10 ist in der Spindelbank 11
untergebracht. Durch diese Ringspinnvorrichtung wird dem Garn die an Ringspinnmaschinen
übliche, echte Drehung erteilt.
Zwischen dem Ausgang des Streckwerkes 1 und dem Fadenführer
8 ist eine Falschdrallvorrichtung 12 angeordnet. Sie weist eine
vom Faden 7 durchlaufene, hülsenförmige Falschdrallspindel
13 auf, durch deren Drehung dem Faden eine im Vergleich zu der durch die
Ringspinnvorrichtung 3 erteilten echten Drehung hohe, falsche Drehung erteilt
wird. Die Falschdrallspindel weist einen Fadenhaken 14 auf, der die Mitnahme
des Fadens 7 in der Drehung der Falschdrallspindel bewirkt.
Die Falschdrallspindel 13 der Falschdrallvorrichtung
12 wird in aller Regel durch einen Elektromotor 15 angetrieben.
Bevorzugt ist vorgesehen, dass als Falschdrallspindel die hohl ausgeführte
Welle des Läufers des Elektromotors dient. Alternativ kann, wie nicht näher
dargestellt, die Falschdrallspindel auch über ein übersetzendes Vorgelege
mit dem Elektromotor verbunden sein. Sie weist dann eine eigene Lagerung auf. Dieses
Vorgelege kann als Riementrieb oder als Reibradtrieb ausgebildet sein.
Die Drehzahl der Falschdrallspindel 13 wird durch eine Steuervorrichtung
16 bestimmt, der die Solldrehzahl der Falschdrallspindeln vorgegeben wird.
Da die Drehzahl der Spinnspindeln 6 in aller Regel im Verlaufe des Hubspiels
der Ringbank verändert wird, kann der Steuervorrichtung ein der Drehzahl der
Spinnspindeln 6 der Ringspinnvorrichtung 3 entsprechendes Führungssignal
aufgegeben werden. Dadurch wird erreicht, dass die Drehzahl aller Falschdrallspindeln
13 in dem angestrebten Verhältnis zur veränderlichen Drehzahl
der Spinnspindeln 6 bleibt.
Die Drehzahl der Elektromotoren 15 kann über deren Speisespannung
oder über deren Speisefrequenz oder über eine Kombination dieser Kennwerte
bestimmt werden.
Die Steuervorrichtung 16 enthält daher einen ersten
Generator 17, der die Betriebs-Speisespannung oder/und Betriebs-Speisefrequenz
für die Elektromotoren 15 aller Falschdrallorgane 13 bereit
stellt und sie ihnen zuleitet. Die Steuervorrichtung lässt diesen Generator
17 die Betriebs-Speisespannung oder/und Betriebs-Speisefrequenz beim Anlauf
der Maschine entlang einer vorgegebenen Drehzahl/Zeit-Rampe hochfahren. Diese Drehzahl/Zeit-Rampe
ist so gestaltet, dass sie den Aufbau stabiler Laufverhältnisse des Fadens
7 in Abhängigkeit von den sich einstellenden falschen Drehungen durch
die Falschdrallorgane 13 und echten Drehungen durch die Ringspinnvorrichtungen
3 gewährleistet.
In der Regel ist die Drehzahl/Zeit-Rampe zum Hochfahren der Falschdrallorgane
13 flacher als die sich ergebende, sehr steile Drehzahl/Zeit-Rampe, entlang
der die Ringspinnvorrichtungen 3 beschleunigen. Die Drehzahl/Zeit-Rampe
der Falschdrallorgane ist im Übrigen in Abhängigkeit vom Fadenmaterial,
von den Drehungen, vom Verhältnis der Drehungen und anderen Parametern unterschiedlich
einstellbar. Daneben ist auch für das Stillsetzen der Maschine eine Abfahrrampe
vorgesehen.
Die Steuervorrichtung 16 kann einen Datenspeicher enthalten,
in dem erstellte Drehzahl/Zeit-Rampen gespeichert und bei Bedarf wieder aufgerufen
werden können.
Auch nach Beheben eines Fadenbruchs muss die betreffende Spinnstelle
gemäß dieser Anfahr-Drehzahl/Zeit-Rampe hochgefahren
werden. Die Steuervorrichtung 16 ist zu diesem Zweck mit einem zweiten
Generator 18 ausgestattet, der eine Hochfahr-Speisespannung oder/und eine
Hochfahr-Speisefrequenz bereitstellen kann.
Bei einem Fadenbruch werden Spinnspindel 6 und Falschdrallspindel
13 stillgesetzt. Zum Beheben des Fadenbruches wird die Spinnspindel wieder
mit ihrem Antrieb verbunden und der Elektromotor 15 der zugeordneten Falschdrallspindel
13 aus dem zweiten, dem Hochfahr-Generator 18 in der Steuervorrichtung
16 gespeist, der ihn an einer Hochlauf-Drehzahl/Zeit-Rampe auf die Betriebs-Drehzahl
der übrigen Falschdrallspindeln beschleunigt und ihn beim Erreichen des Synchronlaufes
wieder mit dem ersten, dem allgemeinen Betriebs-Generator 17 verbindet.
Die Steuervorrichtung 16 weist individuelle Zuleitungen
20 zu jedem der Falschdrallspindel-Elektromotoren 15 auf um deren
individuellen Hochlauf bewirken zu können.
Wenn die Drehzahl der Falschdrallspindeln 13 der lageabhängigen
Drehzahl der Spinnspindeln 6 nachgeführt werden sollen, kann dieses
drehzahlsteuernde Signal aus der Steuerung der Spinnspindel abgeleitet werden. Andernfalls
kann eine oder können mehrere Pilotspindeln mit einem Drehzahlgeber
19 versehen sein, der/die dieses Signal generierten. Da die Zulieferung
des Fadens 7 in aller Regel in festem Verhältnis zur Drehzahl der
Spinnspindel 6 steht, kann das Signal auch durch einen Drehzahlgeber an
einer der Walzen des Streckwerks angeordnet sein. Es sind dann auch Zuleitungen
21 von diesen Drehzahlgebern zur Steuervorrichtung 16 vorhanden.
Der Gegenstand der vorliegenden Erfindung ergibt sich nicht nur aus
dem Gegenstand der einzelnen Patentansprüche, sondern auch aus der Kombination
der einzelnen Patentansprüche untereinander.
Alle in den Unterlagen offenbarten Angaben und Merkmale, insbesondere
die in den Zeichnungen dargestellte räumliche Ausbildung, werden als erfindungswesentlich
beansprucht, soweit sie einzeln oder in Kombination gegenüber dem Stand der
Technik neu sind.
- 1
- Streckwerk
- 2
- Faserband
- 3
- Ringspinnvorrichtung
- 4
- Spinnring
- 5
- Spinnläufer
- 6
- Spinnspindel
- 7
- Faden
- 8
- Fadenführer
- 9
- Kops
- 10
- Tangentialriemen
- 11
- Spindelbank
- 12
- Falschdrallvorrichtung
- 13
- Falschdrallspindel
- 14
- Fadenhaken
- 15
- Elektromotor
- 16
- Steuervorrichtung
- 17
- erster Generator
- 18
- zweiter Generator
- 19
- Drehzahlgeber
- 20
- Zuleitungen zu den Elektromotoren 15
- 21
- Zuleitung zur Steuervorrichtung 16