Sitzmöbel mit waagrechter Sitzfläche verleiten den Benutzer
dazu, das Becken nach hinten kippen zu lassen. Diese Fehlhaltung kann auf Dauer
zu Bandscheibenschäden führen. Die gesunde Alternative dazu bieten Kniehocker,
deren nach vorne abfallende Sitzfläche und die Knie- bzw. Unterschenkelauflagen
bewirken, dass nahezu jeder Benutzer sofort eine aufrechte Sitzhaltung einnimmt,
bei der auf dem geraden Becken die Wirbel in natürlicher Weise beinahe senkrecht
übereinander liegen und daher die Bandscheiben gleichmässig belastet werden.
Es werden viele Bauarten von Kniehockern auf dem Markt angeboten,
und noch mehr Varianten sind in Patentschriften zu finden, wie z.B. von Mengshoel
in EP 0 017 450 B1; Horaczek stellt
in der Gebrauchsmusterschrift DE 20
2004 011 224 U1 2004.10.28 einen Rollwagen für Bodenleger vor, der
eine Abart eines Kniehockers für diesen besonderen Einsatzzweck darstellt.
Trotz der eindeutigen gesundheitlichen Vorteile gegenüber Stühlen
und Hockern ist der Marktanteil der Kniehocker relativ gering. Dies dürfte
nicht zuletzt daran liegen, dass das Platznehmen auf einem Kniehocker eine gewisse
Übung und Geschicklichkeit erfordert und es bei häufigem Setzen und Aufstehen
sich zu einem Zeitverlust und zu einer Unbequemlichkeit summiert. Der Bewegungsablauf
ist asymmetrisch und erfolgt in mehreren Schritten. In der Sitzposition muss sich
der Benutzer noch zurechtrücken, bevor er schliesslich angenehm sitzt. Die
erforderliche Beweglichkeit macht es vor allem älteren Menschen schwer, einen
Kniehocker zu benutzen. Eine Handstütze wäre erwünscht, aber sie
wäre beim Platznehmen im Weg.
Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass bei allen Modellen von Kniehockern
wegen der notwendigen Abstützung beim Platznehmen und Aufstehen die Fussspitzen
des Benutzers immer Bodenkontakt haben müssen. Ständiger Bodenkontakt
der Füsse beim herkömmlichen Kniesitz heisst aber, dass die Zehengrundgelenke
immer in Streckung sind. Das ist auf Dauer durchaus unangenehm.
Es stellt sich daher die Aufgabe, den herkömmlichen Kniehocker
so zu verändern, dass er mindestens so einfach zu benutzen ist wie ein Stuhl;
es sollte darüber hinaus erreicht werden, dass im Unterschied zum Stuhl, der
nach dem Platznehmen z.B. zum Essen oder zur Arbeit gewöhnlich erst noch an
den Tisch herangerückt werden muss, der veränderte Kniehocker schon in
der richtigen Position zum Tisch steht. Es soll ein weiterer Gewinn an Bequemlichkeit
erreicht werden, indem die Füsse keinen Bodenkontakt mehr haben müssen.
Die Aufgabe wird durch die im Hauptanspruch aufgeführten Merkmale
gelöst
Das Prinzip des erfindungsgemässen Kniehockers besteht darin,
dass die Sitzfläche im unbesetzten Zustand zur Seite weggeschwenkt ist und
so die Sitzposition von der Rückseite des erfindungsgemässen Kniehockers
zugänglich ist; während des Platznehmens schwenkt die Sitzfläche
unter das Gesäss des Benutzers, bevor dieser sich, schon auf den Knien bzw.
auf den Unterschenkeln abstützend, zurücksetzt. Die Sitzfläche besteht
aus zwei Sitzflügeln, die symmetrisch zu beiden Seiten wegschwenken. Sie werden
durch angeformte Mitnehmernasen betätigt, die beim Platznehmen von Knie bzw.
Unterschenkel in der Vorwärtsbewegung mitgenommen werden so dass sich die Sitzflügel
nach innen drehen. Umgekehrt streifen beim Aufstehen die Kniekehlen bzw. die Waden
die Sitzflügel wieder nach aussen, wo sie z.B. durch Magnete in dieser Lage
leicht gehalten werden. Die Sitzfläche könnte auch einteilig konstruiert
sein und zu einer Seite nach aussen wegschwenken, und die Betätigung könnte
auch mittels verschiedener mechanischer Lösungen, z.B. Seilzüge in Verbindung
mit der Knieauflage erfolgen. In der weiteren Beschreibung wird aber nur auf die
eindeutig vorteilhafte Teilung der Sitzfläche und der Betätigung durch
Mitnehmernasen eingegangen
Weil eine seitliche Zugänglichkeit nicht mehr gebraucht wird,
können seitlich Handstützbügel angebaut werden, die es dem Benutzer
erlauben, beim Setzen und Aufstehen einen Teil des Körpergewichts mit den Armen
zu übernehmen. Dadurch werden die Knie und der Rücken entlastet und der
Benutzer schwingt sich mit einer geraden und gleichmässigen Bewegung in die
Sitzposition. Anstatt der Füsse sind die Hände entscheidend in der letzten
Phase des Platznehmens und in der ersten Phase des Aufstehens. So ist es möglich,
die Unterschenkelauflagen so anzuordnen, dass die Fussspitzen etwas über dem
Boden frei beweglich sind.
Am erfindungsgemässen Kniehocker können zu beiden Seiten
Anbauten montiert werden die z.B. als am Arbeitstisch anschliessende Arbeitsflächen
oder als Ablage für Arbeitsgeräte usw. genutzt werden können.
Weil bei dem erfindungsgemässen Kniehocker auch die Zugänglichkeit
von vorne nicht benötigt wird, lässt sich hier eine in Höhe und Neigung
einstellbare Oberkörperstütze montieren, an die sich der Benutzer nach
vorne abstützen kann, wenn er vorwiegend in vorgeneigter Haltung arbeiten muss,
wie etwa ein Zahnarzt.
Für den Einsatz in besonderen Arbeitsumgebungen, etwa Labors
oder feinmechanischen Werkstätten wird der erfindungsgemässe Kniehocker
so ausgerüstet, dass er in alle Richtungen mit Motorkraft
verfahrbar ist. Dabei weisen vier Fahrrollen quer zur Blickrichtung des Benutzers,
von denen zwei Rollen mittels eines Lenkhebels und eines Lenkgestänges lenkbar
sind. In der Mittelstellung rastet der Lenkhebel in einer Geradeaus-Stellung ein.
Eine starre Rolle dieses Rollensatzes wird durch einen Elektromotor, vorzugsweise
aus einem Akkumulator gespeist, angetrieben. Über einen Motorsteuerhebel zwischen
den frei beweglichen Fussspitzen des Benutzers, der auf eine Steuerelektronik mit
Microcontroller wirkt, wird Links- oder Rechtslauf des Motors sowie die Drehzahl
bestimmt. Dabei bedeutet ein Drücken des Motorsteuerhebel z.B. nach rechts
Fahrtrichtung rechts, und je weiter das Motorsteuerhebel nach rechts gedrückt
wird, umso höher dreht der Motor und umso schneller ist die Fahrt.
Auf einem zweiten Rollensatz kann der erfindungsgemässe Kniehocker
nach vorwärts und rückwärts fahren. Diese längslaufenden Rollen
sind klappbar am Rahmen befestigt und in der Normalstellung berühren sie den
Boden nicht.
Mit den Handstützbügeln, die für diesen Fall als Hebel
dienen, werden die längslaufenden Rollen über ein Hebegestänge untergeschaltet,
das heisst, dieser zuvor eingefahrene Rollensatz wird unter den Rahmen des erfindungsgemässen
Kniehockers gedrückt bzw. gezogen, so dass sich der Rahmen leicht anhebt und
so die querlaufenden Rollen vom Boden abgehoben werden. Über ein Winkelgetriebe
und einer flexiblen Antriebswelle wird eine der längslaufenden Rollen angetrieben.
Die längslaufende und die querlaufende Antriebsrolle drehen sich bei betätigtem
Motorsteuerhebel gleichzeitig, aber nur diejenige Antriebsrolle leistet Vortrieb,
die gerade am Boden greift.
Auf eine besondere Bauart speziell für Boden- und Fliesenleger
soll hier noch eingegangen werden. Der Unterschied zum weiter oben beschriebenen
erfindungsgemässen Kniehocker besteht darin, dass die Knie- bzw. Unterschenkelauflage
der notwendigen Körperhaltung bei der Arbeit entsprechend tief positioniert
ist und dass die Oberkörperstütze nicht als Stütze nach vorne sondern
als Stütze nach unten ausgelegt ist. Diese in der Höhe verstellbare Oberkörperstütze
ist seitlich in alle Richtungen beweglich; sie folgt dem darauf gestützten
Oberkörper innerhalb des Arbeitsradius, sodass sich der sonst mögliche
Arbeitsradius sogar vergrössert.
Auch die übrigen bereits weiter oben beschriebenen Merkmale der
Erfindung kommen hier besonders zur Geltung: die ergonomisch optimal angeleitete
und unterstütze Körperhaltung schützt Gelenke und Muskulatur vor
einseitiger Überlastung, das mühelose und schnelle Hinsetzen und Aufstehen
mit Unterstützung der Arme schont die Kniegelenke, die seitlich aufsteckbaren
Ablageflächen erleichtern die Arbeit durch ständig griffbereites Material
und Werkzeug, und die besondere Weise der Verfahrbarkeit und ihrer Steuerung ermöglicht
eine schnelle und fein dosierbare Positionsänderung während der Arbeit.
Dieser erfindungsgemässe Kniehocker speziell für Bodenleger
kann daher Knie- und Rückenschäden als die bekannten Berufskrankheiten
dieser Berufsgruppe vermeiden, und gleichzeitig die Produktivität bei geringerer
körperlicher Anstrengung erheblich verbessern.
Insgesamt lässt sich sagen, dass der vorgestellte erfindungsgemässe
Kniehocker ein neues Sitzkonzept darstellt, der die Nachteile der bekannten Kniehocker
eliminiert und so einer gesünderen Art zu sitzen zu einer allgemeinen Verbreitung
verhelfen kann.
Zeichnungsbeschreibung
1 zeigt die wesentlichen Elemente des erfindungsgemässen
Kniehockers halb von vorne, während der Benutzer kurz davor ist, sich hinein
zu setzen. Dabei ergreift der Benutzer die Handstützbügel 5 mit
beiden Händen und tritt an die Unterschenkelauflage 6 heran. Er stützt
einen Teil seines Körpergewichts an den Handstützbügeln
5 ab, die Knie bzw. die Schienbeine berühren leicht die an den Sitzflügeln
1 angeformten Mitnehmernasen 2; in der weiteren Bewegung des Platznehmens
stossen die Knie des Benutzers die Mitnehmernasen 2 nach vorne an, so dass
zu beiden Seiten die Einheiten aus Sitzflügel 1 und Mitnehmernase
2 sich in ihren Drehlagern 4 passend unter das Gesäss des
Benutzers drehen.
2 zeigt den erfindungsgemässen Kniehocker ohne
Benutzer, mit den Sitzflügeln 1 in dieser definierten Sitzposition.
Zum Vergleich sind die Sitzflügel 1 im geöffneten Zustand gestrichelt
dargestellt. Wenn der Benutzer vom Sitz aufsteht, schiebt er in der Rückwärtsbewegung
mit den Kniekehlen bzw. den Waden die Mitnehmernasen 2 in der umgekehrten
Richtung an und die Sitzflügel 1 schwingen wieder nach aussen
3 zeigt den erfindungsgemässen Kniehocker von der
Seite gesehen mit dem Benutzer darin sitzend. Die Unterschenkel des Benutzers liegen
auf der Unterschenkelauflage 6 auf, während die Fussspitzen des Benutzers
den Boden nicht berühren. Im Sitzflügel 1 ist das integrierte
Drehlager 4 auf der Drehachse 3 gestrichelt dargestellt. Die Oberkörperstütze
(nach vorne) 7 für vorgebeugtes Arbeiten ist in diesem Ausführungsbeispiel
als Fortsatz der Unterschenkelauflage 6 ausgebildet.
4 zeigt die Seitenansicht eines Ausführungsbeispiels
eines verfahrbaren erfindungsgemässen Kniehockers als Arbeitsgerät für
Boden- und Fliesenleger. Für diesen Zweck ist die Unterschenkelauflage
6 nach vorne abfallend ausgeführt, die Sitzflügel 1
sind ebenfalls weiter nach unten verlegt, so dass sie sich knapp über den Fersen
des Benutzers schliessen und die Oberkörperstütze (nach unten)
8 ist so verändert, dass sie den Oberkörper des Benutzers in
der fast waagrechten Arbeitsstellung von unten her stützt. Dieses Ausführungsbeispiel
des erfindungsgemässen Kniehockers ist mit vier querlaufenden Rollen bestückt,
von denen in 4 die querlaufenden lenkbaren Rollen
13 zu sehen sind. Sie werden mittels des Lenkhebels 9 über
das Lenkgestänge 10 geführt. Ausserdem sind vier längslaufende
klappbare Rollen 14 unter dem erfindungsgemässen Kniehocker montiert,
von denen in dieser Seitenansicht ebenfalls zwei in zurückgeklappter Lage zu
sehen sind. Jedes seitliche Paar von längslaufenden klappbaren Rollen
14 ist durch das Hebegestänge 17 mit dem unteren Teil des
jeweiligen Handstützbügels 5 verbunden. Der Handstützbügel
5 ist in der Handstützbügellagerung 15 drehbar gelagert.
Eine weitere Besonderheit des Handstützbügels 5 in diesem Ausführungsbeispiel
ist der Hebehandgriff 16 als waagrechter Fortsatz des Handstützbügels
5, der in der Handstützbügelverriegelung 18 abgestützt
und in der hier gezeigten Arbeitsposition gehalten wird. Schliesslich ist der Motorsteuerhebel
11 zwischen den Fussspitzen des Benutzers zu sehen.
5 zeigt den erfindungsgemässen Kniehocker in der
Ausführung für Boden- und Fliesenleger perspektivisch von halbvorne, mit
geöffneten Sitzflügeln 1. Es ist eine querlaufende lenkbare Rolle
13 zu sehen sowie die beiden querlaufenden starren Rollen 12.
Der Motor 19 ist nahe an der einen querlaufenden starren Rolle
12 montiert und treibt diese an.
6 zeigt das selbe Ausführungsbeispiel in der Ansicht
von unten. Es sind die zwei querlaufenden starren Rollen 12 zu sehen, von
denen eine durch die Antriebswelle für Querfahrt 24 vom Motor
19 angetrieben wird. Die beiden querlaufenden lenkbaren Rollen
13 sind durch das Lenkgestänge 10 mit dem Lenkhebel
9 gelenkig verbunden, sodass beim Betätigen des Lenkhebels die querlaufenden
lenkbaren Rollen 13 in die gewünschte Richtung einschlagen. Auf beiden
Seiten sind je zwei längslaufende klappbare Rollen 14 mit dem Hebegestänge
17 gelenkig verbunden. Eine der längslaufenden klappbaren Rollen
14 wird über die flexible Antriebswelle für Längsfahrt
26 und das Winkelgetriebe 25 vom Motor 19 angetrieben.
Neben dem Motor 19 ist der Akkumulator 22 montiert. Über
die Spannungsversorgung 23 wird die Steuerelektronik 20 mit dem
Arbeitsstrom und dem Prozessstrom versorgt. Wenn der Motorsteuerhebel
11 in dem dargestellten Pendelbereich betätigt wird, wird ein dem
Ausschlag und der Richtung des Auschlags des Motorsteuerhebels 11 entsprechend
konditionierter Strom über die Steuerleitung 21 zum Motor
19 geleitet, der in der entsprechenden Drehzahl und der entsprechenden
Richtung die eine kraftschlüssig verbundene querlaufende starre Rolle
12 und die eine kraftschlüssig verbundene längslaufende klappbare
Rolle 14 antreibt.
7 zeigt den erfindungsgemässen Kniehocker in der
Ausführung für Boden- und Fliesenleger etwas vergrössert von der
Seite in Arbeitsposition. Das heisst, das Gerät ruht auf den vier querlaufenden
Rollen, hier sichtbar die beiden querlaufenden lenkbaren Rollen 13. Der
Handstützbügel 5 ist in der Handstützbügelverriegelung
18 in Arbeitspostion gehalten; dadurch sind die längslaufenden klappbaren
Rollen 14 mittels des Hebegestänges 17 in eingeklappter Lage
knapp über dem Boden gehalten. Bei eingeschaltetem Antrieb fährt das Gerät
quer zur Blickrichtung des Benutzers.
8 zeigt die selbe Ansicht, nur ruht in diesem Zustand
das Gerät auf den längslaufenden klappbaren Rollen 14. Wenn der
Benutzer aus der Querfahrt in die Längsfahrt wechseln möchte, ergreift
er die Hebehandgriffe 16 des Handstützbügels 5 und zieht
nach oben. Der Handstützbügel 5 dreht sich um die Handstützbügellagerung
15 und schiebt bzw. zieht mit seinem unteren Teil über das Hebegestänge
17 die längslaufenden klappbaren Rollen 14 so unter das Gerät,
dass es leicht angehoben wird und die querlaufenden lenkbaren Rollen 13
sowie die in dieser Ansicht nicht sichtbaren querlaufenden starren Rollen
12 vom Boden abgehoben werden. Bei eingeschaltetem Antrieb fährt das
Gerät in Blickrichtung des Benutzers.
- 1
- Sitzflügel
- 2
- Mitnehmernase
- 3
- Drehachse
- 4
- Drehlager
- 5
- Handstützbügel
- 6
- Unterschenkelauflage
- 7
- Oberkörperstütze (nach vorne)
- 8
- Oberkörperstütze (nach unten)
- 9
- Lenkhebel
- 10
- Lenkgestänge
- 11
- Motorsteuerhebel
- 12
- querlaufende starre Rollen
- 13
- querlaufende lenkbare Rollen
- 14
- längslaufende klappbare Rollen
- 15
- Handstützbügellagerung
- 16
- Hebehandgriff
- 17
- Hebegestänge
- 18
- Handstützbügelverriegelung
- 19
- Motor
- 20
- Steuerelektronik
- 21
- Steuerleitung
- 22
- Akkumulator
- 23
- Spannungsversorgung
- 24
- Antriebswelle für Querfahrt
- 25
- Winkelgetriebe
- 26
- flexible Antriebswelle für Längsfahrt