Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Wasserentsalzung und eine
Wasserentsalzungsanlage mit einem Sonnenkollektor, einem plattenförmigen Verdampfer
und einem Kondensator.
Die Erfindung nutzt die unerschöpfliche Energiequelle der Sonne
um aus Salzwasser Süßwasser zu gewinnen. In einigen Entwicklungsländern,
insbesondere im Nahen Osten, wird das nur in sehr begrenztem Umfang vorhandene Wasser
dringend für die weitere Industrialisierung, den Bau neuer Tourismus-Zentren
bei gleichzeitiger Bevölkerungsexplosion benötigt. So ist es zwingend,
das Meerwasser zur Gewinnung von Süßwasser zu nutzen.
Es sind mehrere Verfahren zur Süßwassergewinnung aus Salzwasser
bekannt, aber nur wenige sind wirtschaftlich einsetzbar. Thermaler Druck, überhitzter
Dampf und mehrstufige Verdampfer sind für diesen Zweck kaum wirtschaftlich
einzusetzen, da für sie große Mengen an fossiler Energie benötigt
werden. Elektrolyseverfahren, wie etwa in dem Patent US
6,279,321 beschrieben, benötigen große Mengen an elektrischer
Energie.
Das Umkehrosmoseverfahren wird Dank seines großen Wirkungsgrades
breit eingesetzt. Anlagen mit einem solchen Verfahren setzen eine Hochtechnologie
voraus, die sich nur wenige Entwicklungsländer leisten können. Auch ist
die Versorgung mit Ersatzteilen und deren Kosten ein Problem. Die hohen Kosten für
Wartung und Betrieb gehören weiter zu den Nachteilen der Umkehrosmose.
Im Mittleren Osten erscheint die Nutzung der Solarenergie für
die Gewinnung von Süßwasser attraktiv. Der geringe Ertrag von Wärmekollektoren
führt dazu, Verfahren zu entwickeln, die einen besseren Wirkungsgrad besitzen.
Die bisher bekannten Wasserentsalzungsanlagen optimieren jeweils einen oder zwei
Verfahrensschritte, ohne eine optimale Gesamtlösung anzugeben. Mittel zur Verbesserung
des Wirkungsgrades sind die Verdampfung des Wassers bei Unterdruck und das Vorheizen
des der Anlage zugeführten Salzwassers, wie sie in dem Patent US
5,645,693 beschrieben sind.
Die dort beschriebene Anlage nutzt aber sehr große parabolische
Sonnenkollektoren und mehrstufige Verdampfer. Solche Komponenten sind für dezentral
einsetzbare, kostengünstige Anlagen nicht zu vertreten.
Das Patent US 4,135,985 beschreibt
eine Wasserentsalzungsanlage, bei der das Salzwasser an einer schrägen transparenten
Fläche kondensiert, die gleichzeitig als Vorheizflähe dient. Diese Anlage
erfordert erhebliche Aufwendungen, um die vorgeschlagenen Betonwannen für das
Wasser zu bauen.
Das Patent US 5,672,250 beschreibt
eine Wasserentsalzunganlage, die mit mehreren, auf unterschiedlichen Niveaus angeordneten
Tanks und einem komplizierten Rohrsystem arbeitet.
Es ist die Aufgabe der Erfindung, eine kostengünstige, dezentral
einsetzbare Wasserentsalzungsanlage anzugeben, die aus einfachen Komponenten aufgebaut
ist.
Diese Aufgabe wird mit den Mitteln des Anspruchs 1 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
angegeben.
Ein einfacher, aber wirksamer Sonnenkollektor ist aus einem ebenen,
flachen äußeren Behälter gebildet, in dessen Innern sich ein weiterer
dünner, flacher Behälter befindet. Der innere Behälter ist aus einem
gut wärmeleitenden Metall, etwa Kupfer gefertigt und mit einem schwarzen, wärmeleitenden
Überzug versehen. Dieser innere Behälter ist in dem äußeren
Behälter untergebracht und die gesamte Einheit unter einem vorbestimmten Winkel
zum mittleren Sonnenstand hin aufgestellt. Dabei besitzt der äußere Behälter
zur Sonne hin eine transparente Oberfläche mit hoher Lichtdurchlässigkeit
und einem geringen Reflektionsfaktor. Der äußere Behälter ist sehr
gut nach außen isoliert, um die gewonnene Wärme nicht zu verlieren und
besitzt in Innern nahezu ein Vakuum, um die Verluste durch Wärmestrahlung und
Konvektion im Sonnenkollektor zu minimieren. Um das Vakuum über lange Zeit
zu halten, ist der äußere Behälter sehr gut abgedichtet. Ein Sonnenkollektor
mit diesen Merkmalen besitzt trotz seines sehr einfachen Aufbaus einen guten Wirkungsgrad.
Anstelle eines solchen Sonnenkollektors kann aber auch ein Kollektor mit Vakuum-Glasrohren
oder mit Kupferrohrschlangen eingesetzt werden.
Durch den Sonnenkollektor fließt ein Wärmetransportmittel,
das dem Verdampfer zugeführt wird und damit einen geschlossenen Kreislauf bildet.
Der Verdampfer der Wasserentsalzungsanlage ist ähnlich wie der
beschriebene Sonnenkollektor aufgebaut. Auch er besteht aus einem äußeren
Behälter, in dem sich ein ebener, flacher Metallbehälter mit einem schwarzen,
wärmeleitenden Überzug befindet. Der innere Behälter wird vom Wärmetransportmittel
vom Sonnen kollektor durchflossen und fungiert selbst auch als Sonnenkollektor.
Dabei kann der Kreislauf des Wärmetransportmittels über natürliche
Konvektion vom warmen zum kälteren Bereich des Kreislaufs oder durch eine Umlaufpumpe
aufrecht erhalten sein. Auf der Oberfläche des inneren Behälters wird
das Salzwasser aufgebracht und verdampft dort. Der erzeugte Dampf
wird über eine Öffnung im äußeren Behälter dem Kondensator
zugeführt.
Wasser verdampft sehr viel leichter, wenn der Verdampfungsprozess
bei niedrigem Druck erfolgt. So geht das Wasser bei einem Druck von 0,1 bar schon
bei 50°C in die Dampfphase über. Wenn der Verdampfer nun bei einem solchen
Druck betrieben wird, steigt der Wirkungsgrad erheblich gegenüber einem Betrieb
bei Normaldruck. Vorteilhafterweise wird der Unterdruck im Verdampfer über
eine Saugpumpe hergestellt. Der Wirkungsgrad wird weiter gesteigert, wenn die Verdampfung
in einer dünnen Schicht von Wasser erfolgt.
Das Salzwasser wird dem Verdampfer vorteilhafterweise am oberen Ende
über eine Schlitzdüse zugeführt, die sich über die Breite der
Verdampferoberfläche erstreckt, und somit das Wasser über die gesamte
Breite der Verdampferoberfläche rinnt. Dabei ist die Menge des zugeführten
Wassers über die Breite des Schlitzes gesteuert.
Die Breite des Schlitzes ist vorteilhafterweise abhängig von
der Temperatur des zugeführten Wärmetransportmittels gesteuert, so dass
bei einer hohen Temperatur mehr Salzwasser zum Verdampfen zugeführt wird als
bei einer niedrigen.
Als steuerbare Schlitzdüse ist eine Konstruktion aus zwei geschlitzten
Rohren geeignet, wobei das innere Rohr am Verdampfer befestigt und das äußere
Rohr drehbar gelagert ist und sich die beiden Schlitze mehr oder minder überlappen.
Der Drehwinkel des äußeren Rohres wird nun von der Temperatur gesteuert
und es ergibt sich eine entsprechende effektive Breite des Schlitzes. Vorteilhafterweise
kann die Breite des Schlitzes auch manuell eingestellt werden. Dies wird genutzt,
um die Verdampferoberfläche zu spülen, wenn die Anlage nicht in Betrieb
ist.
Der Kondensator ist vorteilhafterweise ebenfalls als Wärmetauscher
ausgeführt, der dem Dampf die Wärme entzieht und damit zu Süßwasser
kondensiert. Das kondensierte Wasser wird aufgefangen und bis zu einer vorbestimmten
Höhe gesammelt. Das darüber hinaus gewonnene Wasser wird der Nutzung zugeführt.
Der Kondensator kann als mehrstufiger Plattenwärmetauscher oder
als Wellenplatte mit unabhängigen Kammern ausgebildet sein. Vorteilhaft ist
es, wenn der Wärmetauscher nach dem Gegenstromprinzip arbeitet und somit seine
Wärme weitgehend an ein Kühlmittel abgibt. Dabei sind die Wärmetauscherplatten
vorteilhafterweise ähnlich wie die flachen Behälter in dem Sonnenkollektor
aufgebaut.
Vorteilhafterweise wird als Kühlmittel das frische Salzwasser
genutzt, das verdampft werden soll. Es wird auf diese Weise vorgeheizt und die zum
Verdampfen benötigte Wärmemenge verringert. Das vorgeheizte Salzwasser
wird in einem Vorheiztank gesammelt, von wo aus es dem Verdampfer wie oben beschrieben
gesteuert zugeführ wird.
Im Verdampfer wird dem Salzwasser sehr viel Wärme zugeführt,
aber nicht restlos alles verdampft. Die Wärme des nicht verdampften heißen
Restwassers wird über einen Wärmetauscher wieder dem Vorheiztank zugeführt
und somit das Wasser darin weiter erwärmt. Das Restwasser wird in das Meer
abgelassen.
Die Wasserentsalzungsanlage ist vorteilhafterweise in Modulen aufgebaut,
wobei der Sonnenkollektor, der Verdampfer und der Kondensator jeweils in etwa gleicher
Größe ausgeführ sind. Der Sonnenkollektor und der Verdampfer sind
nebeneinander angeordnet und zusammen unter dem vorbestimmten Winkel aufgestellt.
Der Kondensator ist direkt unter dem Verdampfer angebracht. Hinter dem Sonnenkollektor
und dem Verdampfer ist der Vorheiztank aufgestellt. Dieser besitzt günstigerweise
ebenfalls eine schwarze Oberfläche und somit wird das Wasser im Vorheiztank
durch die Sonne weiter erwärmt.
In einer vorteilhaften Ausführung wird der im Verdampfer erzeugte
Dampf auch als Energiequelle zum Betreiben eines Motors genutzt. Dabei ist es günstig,
diesen Motor zum Antrieb der Saugpumpe für den Unterdruck zu benutzen.
In einer anderen Ausführung wird Energie über Photovoltaik
gewonnen und damit die Pumpen betrieben.
Insgesamt ist mit dieser Wasserentsalzungsanlage ein System offenbart,
dass aus einfachen, gleichartigen Komponenten aufgebaut ist und mit einem hohen
Wirkungsgrad mittels der in großen Mengen verfügbaren Energie der Sonne
aus Salzwasser Süßwasser gewinnt. Die Herstellkosten solcher Komponenten,
die auch in Entwicklungsländern lokal hergestellt werden können, sind
gering. Es sind einfache, isolierte Kästen, in denen sich flache Kupferbehälter
befinden. Die Komponenten können einfach an Orten in der Nähe von Salzwasser
aufgebaut werden. Die Wartungs- und Betriebskosten können auf einem Minimum
gehalten werden. Auch ist das vorgeschlagene System aus ökologischer Sicht
wertvoll, da es keinerlei Umweltverschmutzung vervorruft.
Mit dem beschriebenen Verfahren zur Verdampfung von Wasser in dünnen
Schichten unter reduziertem Druck können verschiedene Formen des Salzwassers,
wie Meerwasser, Brackwasser oder salzhaltiges Grundwasser, zu Süßwasser
verarbeitet werden. Die Energie der Sonne wird optimal ausgenutzt
und Wärmeverluste werden durch die kompakte Bauart weitgehend vermieden.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den 1
bis 5 beispielhaft dargestellt:
1 zeigt das Schema der Wasserentsalzungsanlage
2 zeigt den Aufbau der Anlage
3 zeigt einen Sonnenkollektor
4 zeigt eine Schlitzdüse
5 zeigt einen Kondensator
In 1 ist das Schema der Wasserentsalzungsanlage
dargestellt. Die Sonne heizt den Sonnenkollektor 2 auf, der an einen Kreislauf
des Wärmetransportmittels angeschlossen ist. Dadurch wird das Wärmetransportmittel
dem Verdampfer 4 zugeführt und bei Bedarf über die Pumpe
8 umgepumpt.
Das Salzwasser befindet sich im Vorratsbehälter 10 und
wird durch den Kondensator 5 als warmes Salzwasser dem Vorheiztank
11 zugeführt. Aus diesem Behälter gelangt das Salzwasser über
die Schlitzdüse 6 auf den Verdampfer 4. Dadurch wird der
Dampf gebildet, hier als Pfeil dargestellt, der zum Kondensator 5 gelangt
und dort zu Süßwasser kondensiert. An dem Kondensator befindet sich die
Saugpumpe 9, die den Unterdruck in der Anlage herstellt. Der Unterdruckbereich
ist hier mit einer gestrichelten Linie dargestellt. Am Süßwasserablauf
30 befindet sich ein Absperrventil 28, das dort den Druckausgleich
verhindert und das gewonnene Süßwasser entnehmen lässt.
Das Salzwasser wird über den Salzwasserzulauf 34 durch
den Kondensator 5 geführt und kühlt diesen. Gleichzeitig wird
dabei das Salzwasser aufgeheizt. Dieses wird dann über den Anschluss
35 dem Vorheiztank 11 zugeführt und dort gespeichert. Dieser
ist auch der Sonnenenergie ausgesetzt und damit wird das Salzwasser noch weiter
erwärmt. Das vorgewärmte Wasser wird über die Düse
6 auf die Verdampferfläche gebracht und somit verdampft. Die Wärme
des überschüssigen nicht verdampften heißen Salzwassers wird über
einen Wärmetauscher 3 auch dem Vorheiztank 11 zugeführt
und erhöht damit auch dessen Wärme. Das nicht verdampfte Wasser wird über
den Wasserauslauf 33 abgelassen.
2 zeigt schematisch die Aufstellung der Wasserentsalzungsanlage
1. Sonnenkollektor 2 und Verdampfer 4 sind nebeneinander
gestellt und gemeinsam unter einem vorbestimmten Winkel zum Sonnenstand hin ausgerichtet.
Der Kondensator 5 ist unter dem Verdampfer 4 angeordnet und somit
legt der Dampf nur einen kurzen Weg zurück. Unter dem Kollektor 2
ist der Vorratstank 10 angeordnet. Hinter diesen Aggregaten ist der Vorheiztank
11 angeordnet, in dem das warme Salzwasser gespeichert ist. Sonnenkollektor
2, Verdampfer 4 und Vorheiztank 11 sind unter dem gleichen
Winkel zur Sonne aufgestellt und besitzen Oberflächen, die Sonnenenergie aufnehmen.
Dies ist hier durch eine Punktrasterung dargestellt.
In 3 ist eine Ausführungsform des
Sonnenkollektors 2 dargestellt. Der äußere Behälter
12 ist gegen Wärmeverlust isoliert und über den Anschluss
18 wird ein Vakuum im Inneren hergestellt. Im Inneren ist der innere Behälter
13 angeordnet, auf dem sich die Kollektorfläche 14 befindet.
Das Wärmetransportmittel wird über den Anschluss 16 zugeführt
und an dem Anschluss 17 wieder abgenommen. Der Behälter
12 ist durch die transparente Oberfläche 14 geschlossen,
die eine gute Lichtdurchlässigkeit und einen niedrigen Reflektionsfaktor besitzt.
In 4 ist ein Teil des Verdampfers
4 mit der Düse 6 dargestellt. Die Düse 6 besteht
aus zwei geschlitzten Rohren 19 und 20, wovon das innere Rohr
19 fest mit dem Wärmetauscher 31 verbunden ist. Das äußere
Rohr 19 ist im inneren Rohr 20 drehbar gelagert. Durch die Drehung
ist die Breite des Schlitzes 22 einstellbar. Damit wird die Menge des Wassers,
die durch den Anschluss 23 zuläuft und dann auf der Verdampferoberfläche
32 verdampft gesteuert. Über den Steuerhebel 21 wird die
Drehung, abhängig von der Temperatur des Wärmetransportmittels, gesteuert.
Über diesen ist auch eine manuelle Einstellung möglich, um beispielsweise
die Oberfläche des Verdampfers zu spülen.
In 5 ist ein Kondensator 5 schematisch
dargestellt. Der Dampf tritt am Anschluss 24 in den Kondensator
5 ein und durchwandert diesen in den durch die Wärmetauscherplatten
29 gebildeten Kammern. Dabei wird der Dampf abgekühlt, kondensiert
und wird als Kondenswasser 27 gesammelt. Über den Anschluss
25 wird der Unterdruck im System hergestellt. Über das Absperrventil
28 kann das Wasser am Wasserablauf 30 abgenommen werden. Dabei
wird darauf geachtet, dass der Pegel des Kondenswassers nicht unter die Mindesthöhe
26 fällt, damit der Unterdruck nicht beeinträchtigt wird.
Das Kalte Salzwasser wird am Salzwasserzulauf 34 den Wärmetauscherplatten
29 zugeführt und als aufgeheiztes Salzwasser am Anschluss
35 abgenommen.
- 1
- Entsalzungsanlage
- 2
- Kollektor
- 3
- Wärmetauscher
- 4
- Verdampfer
- 5
- Kondensator
- 6
- Düse
- 7
- Regler
- 8
- Umlaufpumpe
- 9
- Unterdruckpumpe
- 10
- Salzwasservorratsbehälter
- 11
- Vorheizbecken
- 12
- isolierter Behälter
- 13
- innerer Behälter
- 14
- Kollektorfläche
- 15
- Transparente Oberfläche
- 16
- Zufluss Wärmetransportmittel
- 17
- Abfluss Wärmetransportmittel
- 18
- Anschluss Vakuumpumpe
- 19
- Äußeres Rohr
- 20
- Inneres Rohr
- 21
- Steuerhebel
- 22
- Schlitz
- 23
- Wasserzulauf
- 24
- Dampf
- 25
- Vakuum
- 26
- Mindesthöhe
- 27
- Kondenswasser
- 28
- Absperrventil
- 29
- Wärmetauscherplatte
- 30
- Süßwasserablauf
- 31
- Wärmetauscher
- 32
- Verdampferoberfläche
- 33
- Salzwasserauslauf
- 34
- Salzwasserzulauf
- 35
- warmes Salzwasser