Stand der Technik, und deren Mängel
Im Betonbau werden in zunehmendem Maße Fasern aus Glas, Carbon
oder Aramid zur Aufnahme der Zugkräfte in belasteten Beton-Bauteilen eingesetzt.
Im Textilbetonbau werden Fasern (Filamente) gebündelt (Rovinge), miteinander
verwoben (Textile-Gelege) und gezielt in Betonbauteile eingelegt. Diese Textilien
weisen verschiedene Nachteile auf:
Allgemeine Nachteile der Textil-Gelege:
- – Eine Textilerzeugungsmaschine ist notwendig.
- – Filamentbrüche sind bei der Textilerzeugung unvermeidbar.
- – Faser-Ausrichtungen im Betonbauteil sind nur bedingt optimierbar, da
die Textil-Gewebe sehr flexibel sind und es zwangsläufig zu Welligkeiten kommt.
- – Sie haben geringe Scherfestigkeiten, bzw. einen sehr geringen Widerstand
gegen Rissuferbewegungen.
- – Die Anforderungen an den Beton sind hoch, um einen guten Verbund zu
gewährleisten.
- – Das Bewehrungsverhalten ist stark abhängig von der Betonwahl.
Spezielle Nachteile unbehandelter Textil-Gelege:
- – Die im Inneren eines Roving liegenden Filamente haben nur wenig Haftung
mit dem umgebenden Beton (schlechter innerer Verbund).
- – Die Handhabung bei der Fertigung ist schwierig, da diese sehr flexibel
sind und an den Rändern leicht „fransen" können.
- – Sie beeinflussen die Konsistenz des Frischbetons. Durch den Kappillareffekt
saugen die Rovinge Wasser in das Rovinginnere.
Spezielle Nachteile beschichteter/imprägnierter Textil-Gelege:
- – Die Beschichtungen aus Polymeren sind teuer.
- – Die Verbund-Eigenschaften sind stark temperaturabhängig (schlechter
Brandschutz).
Aufgabe der Erfindung
Der im Patentanspruch 1 angegeben Erfindung liegt das Problem zugrunde,
die oben beschriebenen Nachteile der im Textilbetonbau eingesetzten Textil-Gelege
zu beheben, indem die Erfindung eine alternative Bewehrungsform für den Betonbau
mit Fasern darstellt, welche im folgenden „Beton-Faser-Bewehrung" genannt
wird.
Darstellung der Erfindung
Das Problem wird, entsprechend Anspruch 1, vor allem dadurch gelöst,
dass der Prozess einer Textilherstellung umgangen wird. Die Rovinge (Fasern) werden
direkt mit einem mineralischem Bindemittel umschlossen und zu Bewehrungseinheiten
zusammengeführt. Die Menge und Art des Bindemittels bestimmt wesentlich den
Verbund zwischen den Rovingen (1) und den Verbund zwischen den Stegen (2)
und dem Umgebungsbeton des Bauteils.
Diese „Beton-Faser-Bewehrung" ist absolut frei in ihrer Formgebung.
Sie kann, entsprechend Anspruch 2, z.B. so gefertigt werden dass die Fasern den
Hauptspannungstrajektorien eines belasteten Bauteils folgen oder immer senkrecht
zu den erwarteten Rissen orientiert sind. So können die verminderten Tragfähigkeiten
der Fasern, wenn diese nicht genau senkrecht zur Rissrichtung stehen, weitestgehend
vermieden werden.
Neben der freien Formgebung der Stege (vgl. 2)
ist auch der Bewehrungsgrad innerhalb eines Steges variierbar. Die Anzahl der Rovinge
(1) in einem Steg (3) kann, entsprechend Anspruch 3, in Abhängigkeit
der Orientierung gewählt werden. Z.B. kann es sinnvoll sein, dass die Gesamt-Anzahl
der Rovinge einer einachsig gespannten Betonplatte in Querrichtung geringer ist.
Dies kann man entweder durch größere Abstände der Querstege untereinander
oder durch weniger Rovinge eines Quersteges gewährleisten. Auch ist es möglich,
die Querschnittsgeometrie der Querstege anders festzulegen.
Der Verbund zwischen dem Bewehrungselement und dem Bauteil-Beton wird
maßgeblich durch die Oberflächenbeschaffenheit der „Beton-Faser-Bewehrung"
bestimmt. Strukturen analog den Rippen der Betonstahlbewehrung sind ebenso möglich
wie eine rauhe Oberfläche durch leichtes Auswaschen des oberflächennahen
Zements. Sogar nachträgliche Beschichtungen sind problemlos möglich.
Die Nutzung von Rovingen mit einer geringen Filamentanzahl, entsprechend
Anspruch 5, bringt den Vorteil mit sich, dass bei solchen Rovingen die Bindemittelmatrix
leichter zu den innenliegenden Filamenten eines Rovings vordringen kann. Der Gesamtverbund
verbessert sich dadurch. Der Extremfall ist die Verarbeitung eines jeden einzelnen
Filamentes: einzelne Filamente werden mit einer Bindemittelmatrix umgeben und zu
den „Beton-Faser-Bewehrung"-Stegen zusammengeführt.
Die hier beschriebene „Beton-Faser-Bewehrung" zeichnet sich,
abhängig von der Querschnittsgeometrie und der Wahl des mineralischen Bindemittels,
durch eine hohe Eigensteifigkeit aus. Für dünne Bauteile wirkt dies sich,
entsprechend Anspruch 6, positiv auf das ungewollte Verformen eines
dünnwandigen Bauteils durch unterschiedliches Schwinden aus.
Entsprechend Anspruch 7 ist der Einbau von Beton-Einbauteilen ohne
weiteres möglich. Z.B. können die stabförmigen Stege eine Gewindehülse
umschließen, in welche zu einem späteren Zeitpunkt die Verankerung geschraubt
werden kann. Diese „Vormontage" von Einbauteilen in der Bewehrung kann den
Produktionsablauf des Bauteils verkürzen.
Darstellung der durch die Erfindung erzielten Vorteile Durch die hier
beschriebene Erfindung ergeben sich gegenüber dem herkömmlichen Textilbetonbau
folgende wesentliche Vorteile:
- 1) Es ist keine Textilerzeugung notwendig.
Dieser Arbeitsschritt fällt hier aus. Aus diesem Grund werden unvermeidbare
Filamentbrüche während der Umlenkungen in einer solchen Textil-Herstellungs-Maschine
umgangen.
- 2) Die Formgebung der „Beton-Faser-Bewehrung" ist absolut frei.
Damit kann bei der „Beton-Faser-Bewehrung" ein hoher Grad an Effektifität
der Fasern erreicht werden, da Querbeanspruchungen auf die Fasern weitestgehend
vermieden werden können (z.B. durch Ausrichtung in Richtung der Hauptspannungstrajektorien).
- 3) Unabhängig von der Wahl des Bauteilbetons sind die Charakteristika der
„Beton-Faser-Bewehrung" gleichbleibend.
Die Charakteristika der Bewehrung sind bei der „Beton-Faser-Bewehrung" nicht
so stark abhängig vom Bauteilbeton wie bei der Textilbetonbauweise. Die Rovinge
gehen mit dem mineralischen Bindemittel der „Beton-Faser-Bewehrung" einen
Verbund ein und nicht mit dem von der Anwendung abhängigen Bauteilbeton. Der
Verbund zwischen dem „Beton-Faser-Bewehrung"-Beton und dem Bauteilbeton ist
in erster Linie von der Oberflächenbeschaffenheit der „Beton-Faser-Bewehrung"
abhängig.
- 4) Die Handhabung ist einfacher.
Die im Vergleich zu Textil-Gelegen viel größere Eigensteifigkeit der „Beton-Faser-Bewehrung"
vereinfacht den Betonierprozess erheblich. Z.B. kann diese Bewehrung nachträglich
auf eine beliebige Tiefe gerüttelt werden. Die Bewehrungslage kann dabei genau
eingehalten werden (keine großen Welligkeiten wie bei Textilien). Desweiteren
wird die Konsistenz des Frischbetons nur gering beeinflusst, während die Textilien
das Wasser des Frischbetons aufsaugen.
- 5.) Rohrovinge sind einsetzbar.
Die Textilerzeugungsmaschinen haben aus techischen Gründen Anforderungen an
die Rovinge. Die hier beschriebene Erfindung stellt keine Anforderungen an die Rovinge.
- 6.) Dem frischen Bauteil wird mehr Steifigkeit verliehen.
- 7.) Eine Beschichtung der Rovinge mit Kunstharz ist überflüssig.
Ausführungsbeispiel
Als Beispiel für die Anwendung der „Beton-Faser-Bewehrung"
wird hier eine punktgelagerte Fassadenplatte beschrieben. Die Spannungsverläufe
einer solchen gleichflächig belasteten Platte (z.B. durch Wind) sind keineswegs
trivial. Die Spannungs-Beanspruchungen auf Ober- und Unterseite sehen sehr verschieden
aus. Aus diesem Grund werden hier zwei Bewehrungseinheiten gefertigt. Bei beiden
Bewehrungen verlaufen die Stege (3) entsprechend den Spannungstrajektorien.
In den Stegen, wo eine starke Rissbildung erwartet wird, wird in der Beton-Faser-Bewehrung
ein hoher Bewehrungsgrad, was einem hohen Fasergehalt entspricht, angeordnet. In
den stets überdrückten Bereichen, werden in den Stegen wenig Fasern eingelagert,
um einen möglichst homogenen Beton zu erhalten.
Wo die Punktlagerung liegen soll, wird in die Bewehrungseinheit, welche
der Verankerung näher liegt, eine Gewinde-Hülse von den Stegen umfasst.
Die Herstellung dieser sehr individuellen „Beton-Faser-Bewehrungen"
kann z.B. folgendermaßen verlaufen: In eine Wachsplatte wird die Negativform
der Bewehrung eingefräst. Dabei bestimmt die Form des Fräskopfes die Querschnittsform
der Bewehrungs-Stege. Anschließend wird ein Roving an einer Stelle fixiert
und mit einer dünnen mineralischen Bindemittelmatrix umhüllt und durch
das Bewehrungsnetz geführt. Dieser Prozess wird so oft wiederholt (oder in
„Endlosschleife"), bis so viele umhüllte Rovinge an- und übereinander
liegen, dass der eingefräste Querschnitt gefüllt ist. Die Kreuzungspunkte
der Stege sind bei dieser Bewehrung etwas abgerundet, so dass der hier überschüssige
Beton (durch die doppelte Anzahl von umhüllten, sich kreuzenden Rovingen) nicht
überquillt.
Die Herstellung der hier beschriebenen Beton-Fassadenplatte erfolgt
nach Erhärten der Bewehrungseinheiten in einem Betonierschritt. Nach dem Einfüllen
des Bauteil-Betons in die Schalung wird die „obere" Bewehrungeinheit bis
auf die gewünschte Lage eingerüttelt. Der Umgebungsbeton umschließt
die Bewehrung. Diese ist dann nicht mehr sichtbar. Anschließend wird die „untere"
Bewehrungseinheit, welche auch die Gewindehülsen enthält, eingerüttelt.
Die Lage der Gewindhülsen kann genau festgelegt werden. Nach kurzem Rütteln
ist die optimierte Fassadenplatte fertig. Die hier vorgestellte „Beton-Faser-Bewehrung"
ist für alle dünnwandigen Betonbauteile einsetzbar.
Für Betonfertigteile mit normalen Abmessungen
(z.B. Riegel L/B/H ~ 5m/25cm/40cm) kann die hier vorgestellte Bewehrung auch Verwendung
finden. Diese werden dann seitlich liegend betoniert. Die „Beton-Faser-Bewehrungen"
werden anschließend in den Beton eingerüttelt. Bei Verwendung mehrerer
Bewehrungseinheiten in Längsrichtung müssen diese in mehreren Lagen versetzt
angeordnet werden, so dass die Bewehrungen sich genügend übergreifen.
Es ist sinnvoll, die Bewehrungseineheiten am Auflager anders zu definieren als in
Feldmitte (Fasern immer möglichst in Richtung der Hauptspannungstrajektorien).