Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Überlastschutz elektrischer Bauelemente, insbesondere bei flüssigkeitsgekühlten elektrischen Bauelementen, wobei in einem Kühlmittelkanal, der einen Kühlmitteleingang und mindestens einen Kühlmittelausgang umfasst und der mindestens eine Verlustleistungsquelle tangiert, ein Kühlmittelvolumenstrom erzeugt ist. Es ist vorgesehen, dass eine Ist-Temperatur (T1) an der wenigstens einen Verlustleistungsquelle (12) gemessen wird, eine Ist-Temperatur (T2) eines Kühlmittels an dem Kühlmitteleingang (20) gemessen wird, eine Temperaturdifferenz (dT) zwischen der wenigstens einen Ist-Temperatur (T1) und der Ist-Temperatur (T2) ermittelt wird und aus der Temperaturdifferenz (dT) der Ist-Kühlmittelvolumenstrom (dV/dt) ermittelt wird und dieser Ist-Kühlmittelvolumenstrom (dV/dt) bei der Ermittlung der momentanen Grenztemperatur (Tj) an der Verlustleistungsquelle (12) einfließt.
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Überlastschutz elektrischer
Bauelemente, insbesondere bei flüssigkeitsgekühlten elektrischen Bauelementen.
Es ist bekannt, dass elektrische Bauelemente, beispielsweise Leistungshalbleiter
in Frequenzumrichtern, gekühlt werden müssen. Hierbei muss die während
des Betriebes der elektrischen Bauelemente anfallende Verlustleistungswärme
abgeführt werden. Bekannt ist, die elektrischen Bauelemente auf, an beziehungsweise
in Kühlkörpern anzuordnen. Zum Abführen der Verlustleistungswärme
werden die Kühlkörper mit einem Kühlmittel, beispielsweise Luft oder
ein Fluid (Wasser), beaufschlagt.
Bekannt ist, die Kühlung aktiv zu beeinflussen, indem der Nähe
des die Verlustleistungswärme erzeugenden elektrischen Bauelementes eine Ist-Temperatur
gemessen wird und in Abhängigkeit dieser Ist-Temperatur ein Kühlmittelvolumenstrom
beeinflusst, beispielsweise erhöht wird. So ist beispielsweise aus
DE 100 48 704 A1 ein Verfahren
für eine Vorrichtung mit Leistungshalbleitern bekannt, bei dem eine Temperatur
wenigstens einer Komponente der Vorrichtung und/oder der Umgebung und/oder der Zuluft
direkt oder indirekt ermittelt wird und bei dem Aktionen gestartet werden, wenn
die Temperatur einen vorgebbaren oder vorgegebenen Schwellwert überschreitet,
und bei dem ein Temperaturmodell verwendet wird, das zumindest die Temperatur der
Umgebung des Kühlkörpers und/oder Zuluft für den Kühlkörper,
einen Betriebsparameter und einen Geräteparameter berücksichtigt und Temperaturdifferenzen
und/oder Temperaturen errechnet. Es werden berechnete Soll-Temperaturen mit gemessenen
Ist-Temperaturen verglichen. Hierbei ist nachteilig, dass die berechneten Soll-Temperaturen
ausschließlich aus während der Konstruktion, der Fertigung und/oder der
Montage der elektrischen Bauelemente sich ergebenen Parametern bestimmt werden.
Es sind somit lediglich statische Ausgangsparameter berücksichtigt.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der gattungsgemäßen
Art anzugeben, mittels dem in einfacher und effizienter Weise ein Schutz von elektrischen
Bauelementen möglich ist.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit
den im Anspruch 1 genannten Merkmalen gelöst. Dadurch, dass eine Ist-Temperatur
an wenigstens einer Verlustleistungsquelle gemessen wird, eine Ist-Temperatur eines
Kühlmittels an einem Kühlmitteleingang gemessen wird, eine Temperaturdifferenz
zwischen der wenigstens einen Ist-Temperatur an der Verlustleistungsquelle und der
Ist-Temperatur an dem Kühlmitteleingang ermittelt wird, aus der Temperaturdifferenz
der Ist-Kühlmittelvolumenstrom ermittelt wird und dieser Ist-Kühlmittelvolumenstrom
bei der Ermittlung der momentanen Grenztemperatur an der Verlustleistungsquelle
einfließt, ist vorteilhaft möglich, einen sicheren Überlastschutz
der elektrischen Bauelemente zu gewährleisten, wobei die momentanen, in die
Verlustleistung einfließenden Parameter dynamisch berechnet werden. Hierdurch
ist quasi eine adaptive Anpassung der Kühlung der elektrischen Bauelemente
an die gegebene Betriebssituation möglich. So ergibt sich eine bessere Betriebsführung
der elektrischen Bauelemente, da ein Eingreifen in die Betriebsführung, bei
Überlastung der elektrischen Bauelemente, nur im wirklich notwendigen Fall
erfolgt. Gegenüber der bekannten statischen Herangehensweise ergibt sich hierdurch
ein betriebsabhängiger Spielraum, in dem die Bauelemente noch mit ihrer momentanen
maximalen Leistung gefahren werden können, ohne dass ein Schaden zu befürchten
ist. Ein zu frühzeitiges Drosseln der Leistung, wie beim Stand der Technik,
kann somit vermieden werden.
Es wird somit nur dann eine Überlastschutzreaktion, beispielsweise
ein Warnsignal, ein Abschaltsignal, ein Leistungsdrosselungssignal oder dergleichen,
generiert, wenn der Ist-Kühlmittelvolumenstrom unterhalb eines Wertes liegt,
der für die gerade vorhandene Verlustleistung benötigt wird.
Weitere bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus
den übrigen, in Unteransprüchen genannten Merkmalen.
Die Erfindung wird nachfolgend in einem Ausführungsbeispiel anhand
der zugehörigen Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
1 ein Blockschaltbild eines Verfahrens zum Überlastschutz
elektrischer Bauelemente;
2 in einem Diagramm den Verlauf eines Wärmewiderstandes
in Abhängigkeit eines Kühlmittelvolumenstromes und
3 in einem Diagramm die Abhängigkeit des Wärmewiderstandes
eines Kühlkörpers von einer Temperaturdifferenz.
1 zeigt eine insgesamt mit 10 bezeichnete
Anordnung zum Überlastschutz eines elektrischen Gerätes, beispielsweise
eines Frequenzumrichters. Die Anordnung 10 umfasst im Einzelnen nicht dargestellte
Leistungshalbleiter 12, die an einem Kühlkörper angeordnet sind.
Der Kühlkörper besitzt einen Kühlmittelkanal 14, durch den
ein Kühlmittel, beispielsweise Wasser, förderbar ist. Die Kühlmittelmenge
und damit der Kühlmittelvolumenstrom sind durch eine ansteuerbare Verdrängereinheit
einstellbar.
Mittels eines Temperatursensors 16 wird eine Ist-Temperatur
T1 in unmittelbarer Nähe des Leistungshalbleiters 12 beziehungsweise
des Leistungshalbleiters 12 selber gemessen. Mittels eines weiteren Temperatursensors
18 wird eine Ist-Temperatur T2 eines Kühlmittels an einem Kühlmitteleingang
20 des Kühlmittelkanals 14 gemessen.
Mittels einer Routine 22 wird die Temperaturdifferenz dT
zwischen der Ist-Temperatur T1 und der Ist-Temperatur T2 ermittelt.
Für einen Wärmewiderstand Rth gilt allgemein:
Rth = dT/P = f (dV/dT),
wobei P die Verlustleistung des elektrischen Bauelementes 12 ist. Dies
heißt, je größer der Kühlmittelvolumenstrom dV/dt ist, um so
geringer ist die Temperaturerhöhung des Kühlmittels, also auch die Temperatur
des Kühlkörpers an der Position des die Verlustwärme erzeugenden
elektrischen Bauteiles 12. Die Temperaturdifferenz dT fällt somit
geringer aus. Bei konstanter Verlustleistung P ergeben sich somit dem Volumenstrom
dV proportionale Temperaturerhöhungen. Entsprechend der Anordnung
10 ist die Bezugsgröße für die Temperaturerhöhung dT
die Ist-Temperatur T2 des Kühlmittels am Kühlmittelkanaleingang
20, das heißt ohne Eintrag einer Verlustleistung P.
Während des bestimmungsgemäßen Einsatzes der Anordnung
10 herrschen jedoch keine stationären Bedingungen. Dadurch, dass die
Verlustleistung P schwankt, ändert sich die Ist-Temperatur T1 am Leistungshalbleiter
12 und somit die Temperaturdifferenz dT zwischen der Ist-Temperatur T1
und der Ist-Temperatur T2, die im Wesentlichen konstant ist.
Hiermit ergeben sich also transiente, das heißt kurzzeitig von
der Verlustleistung P und dem Kühlmittelvolumenstrom dV/dt abhängige Wärmewiderstände
Zth.
Bei der Ermittlung dieser transienten Wärmewiderstände werden
feste, konstruktiv bedingte Parameter berücksichtigt, die den Kühlmittelkanal
14 und den den Leistungshalbleiter 12 tragenden Kühlkörper
betreffen. Die Kühlkörper sind eindeutig durch Messgrößen charakterisiert,
die die Abhängigkeit des Wärmewiderstandes Rth als Funktion des Kühlmittelvolumenstromes
dV/dt zeigen. 2 zeigt beispielhaft eine derartige Kennlinie.
Darüber hinaus sind die Kühlkörper eindeutig charakterisiert durch
Messgrößen, die die Abhängigkeit des Wärmewiderstandes Rth als
Funktion der Temperaturdifferenz dT zeigen. In 3 ist
beispielhaft eine derartige Kennlinie für einen Kühlkörper gezeigt.
Aufgrund dieser bekannten Parameter des Kühlkörpers, der
bekannten Temperaturdifferenz dT des bekannten Kühlmittelvolumenstromes dV/dt
lässt sich der momentane transiente Wärmewiderstand Zth ermitteln.
Diese transienten Wärmewiderstandswerte Zth werden über
eine Adaption 24 einem thermischen Modell 26 zugeführt. Mittels
des thermischen Modells 26 wird die Sperrschicht-Hotspot-Temperatur Tj
des Leistungshalbleiters 12 berechnet. Diese Temperatur Tj stellt
die momentane Belastungstemperatur des Leistungshalbleiters 12 dar. Tj
berechnet sich nach folgender Beziehung:
Hierbei werden die korrekten momentanen transienten Wärmewiderstände
Zth berücksichtigt. Der transiente Wärmewiderstand Zth wird in Form einer
Matrix Zth,i,j berücksichtigt, wobei i für den Leistungshalbleiter
12 steht und j den verwendeten Index für den aktuell vorliegenden
Volumenstrom darstellt. Diese Matrix Zth ist theoretisch unendlich groß. Praktischerweise
werden jedoch drei bis fünf Elemente für i und drei Elemente für
j berücksichtigt. Bei diesem Beispiel wäre dann also der Kühlkörper
mit drei verschiedenen Kühlvolumenströmen zu vermessen, um die jeweiligen
transienten Wärmewiderstände Zth,i zu bestimmen.
Die mit dem thermischen Modell 26 berechnete Sperrschicht-Hotspot-Temperatur
Tj wird in Abhängigkeit des gegebenen transienten thermischen Widerstandes
Zth und der Verlustleistung P anhand der gemessenen momentanen Temperaturdifferenz
dTIST berechnet. Dieser im Modul 28 berechnete Ist-Wert Tj,IST
wird in einem Vergleicher 30 mit einem, von dem eingesetzten Leistungshalbleiter
12 abhängigen Grenzwert Tj,GRENZ verglichen. Ergibt der
Vergleich, dass Tj,IST ≤ dem Grenzwert Tj,GRENZ ist,
wird über einen Regler 32 die Anordnung 10 mit einem neuen
Wert für die Sperrschicht-Hotspot-Temperatur Tj beziehungsweise
die Verlustleistung P gefahren. Hierzu wird der Kühlmittelvolumenstrom dV/dt
innerhalb der Anordnung 10 verändert, beispielsweise erhöht.
Ergibt der Vergleich 30, dass die Temperatur Tj,IST
größer ist als der Grenzwert Tj,GRENZ, wird eine Aktion
34 ausgelöst, die beispielsweise ein Warnsignal, ein Drosseln der
Leistungszufuhr zu den Leistungshalbleitern 12 oder eine Abschaltung der
Anordnung 10 beinhalten kann.
Anhand der vorstehenden Erläuterung wird deutlich, dass durch
das gefundene Verfahren ein inhärent sicheres Verhalten der Anordnung
10 gegeben ist. Denn durch die Abhängigkeit der berechneten Sperrschicht-Hotspot-Temperatur
Tj,IST ist die Differenz zwischen dem Ist-Wert Tj,IST und
dem Grenzwert Tj,GRENZ bei kleinerer Verlustleistung auch kleiner. Damit
der Grenzwert Tj,GRENZ erreicht wird, muss sich der Kühlmittelvolumenstrom
dV/dt stark ändern. Ist die Verlustleistung P hoch, erreicht die Temperatur
Tj,IST den Grenzwert Tj,GRENZ bei entsprechend größerem
Kühlmittelvolumenstrom dV/dt bei dem Grenzvolumenstrom, der mindestens vorhanden
sein muss. Überschreitet die Verlustleistung den Nominalwert, wird der Grenzwert
Tj,GRENZ durch den Ist-Wert Tj,IST sofort erreicht. Somit
wird die Aktion 34 nur ausgelöst, wenn der Kühlmittelvolumenstrom
dV/dt unterhalb des Wertes liegt, der für die gerade vorhandene (zugeschaltete)
Verlustleistung P benötigt wird. Mit zunehmender Verlustleistung P wird die
Aktion 34zunehmend schneller ausgelöst, so dass die Anordnung
10 inhärent sicher ist.
Anspruch[de]
Verfahren zum Überlastschutz elektrischer Bauelemente, insbesondere
bei flüssigkeitsgekühlten elektrischen Bauelementen, wobei in einem Kühlmittelkanal,
der einen Kühlmitteleingang und mindestens einen Kühlmittelausgang umfasst
und der mindestens eine Verlustleistungsquelle tangiert, ein Kühlmittelvolumenstrom
erzeugt ist, dadurch gekennzeichnet, dass eine Ist-Temperatur (T1) an der
wenigstens einen Verlustleistungsquelle (12) gemessen wird, eine Ist-Temperatur
(T2) eines Kühlmittels an dem Kühlmitteleingang (20) gemessen
wird, eine Temperaturdifferenz (dT) zwischen der wenigstens einen Ist-Temperatur
(T1) und der Ist-Temperatur (T2) ermittelt wird und aus der Temperaturdifferenz
(dT) der Ist-Kühlmittelvolumenstrom (dV/dt) ermittelt wird und dieser Ist-Kühlmittelvolumenstrom
(dV/dt) bei der Ermittlung der momentanen Grenztemperatur (Tj) an der
Verlustleistungsquelle (12) einfließt.Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der momentane
transiente Wärmewiderstand (Zth) aus dem Ist-Kühlmittelvolumenstrom (dV/dt)
ermittelt wird und in die Ermittlung einer Sperrschicht-Hotspot-Temperatur (Tj)
einfließt.Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass der transiente Wärmewiderstand (Zth) in Form einer Matrix einem thermischen
Modell (26) zugeführt wird, mittels der die Sperrschicht-Hotspot-Temperatur
(Tj) ermittelt wird.Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass die Sperrschicht-Hotspot-Temperatur (Tj,IST) mit einer Grenztemperatur
(Tj,GRENZ) verglichen wird.Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass bei Überschreiten
der Grenztemperatur (Tj,GRENZ) durch die Sperrschicht-Hotspot-Temperatur
(Tj,IST) der Ist-Kühlmittelvolumenstrom (dV/dt) verändert wird,
so dass sich eine veränderte Sperrschicht-Hotspot-Temperatur (Tj)
einstellt.Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass bei Überschreiten
der Grenztemperatur (Tj,GRENZ) durch die Sperrschicht-Hotspot-Temperatur
(Tj,IST) eine Überlastschutz-Aktion (34) ausgelöst
wird.