Die vorliegende Erfindung betrifft ein Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion
gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Beim Barfußlaufen auf weichem Boden wie Sand oder Erde paßt
sich der Untergrund der naturgegebenen Fußplastik an. Beim Abrollvorgang drücken
sich Ferse und Mittelfußbereich in den Boden ein. Das Längs- und Quergewölbe
wird natürlich gestützt und die Muskulatur in diesen Bereichen wird trainiert
und gestärkt.
In unserer modernen urbanen Umwelt läuft der Mensch aber leider
nicht barfuß auf weichem Boden, sondern steht und geht üblicherweise in
Schuhen mit harten Brandsohlen auf harten nicht nachgebenden Böden. Ein natürliches
Abrollen ist nicht mehr gegeben.
Aufgrund der fehlenden Stütze und Anregung der Muskulatur in
den Gewölbebereichen kommt es nach Jahren zu einem schleichenden Erschlaffungsprozeß.
Es entsteht der Senk-, Platt- und/oder Spreizfuß.
Zudem führt das Tragen von falschem Schuhwerk mit viel zu hohen
Absätzen oftmals zu schmerzhaften Problemen an der Achillessehne. Auch die
altersbedingte oder durch Überbelastung entstandene Arthrose im Sprunggelenk,
bei der es sich um einen Knorpelverschleiß handelt, macht ein schmerzfreies
Abrollen des Fußes unmöglich.
Um all diesen Schäden vorzubeugen oder Beschwerden durch schon
vorhandene Schäden zu lindern, versuchen Schuhhersteller und Orthopäden
entweder mit Fußbettungen oder aber auch mit einem speziellen Schuhwerk mit
Abrollhilfe dem entgegenzuwirken.
Die industriell hergestellten Fußbetten besitzen üblicherweise
eine dem gesunden Fuß nachempfundene anatomische Ausformung, die das Längs-
und Quergewölbe stützt, oder weisen an den Hauptbelastungspunkten an der
Ferse und im Vorfußbereich dämpfende Polsterrungen auf. Möglich ist
auch eine speziell auf die Bedürfnisse des Trägers zugerichtetes Fußbett
durch einen Orthopädieschuhmacher. Solche Fußbetten sind unterseitig flach
und werden in einen dafür vorgesehenen Schuh eingelegt. Einen natürlichen
Abrollvorgang ermöglicht diese Lösung jedoch nicht.
Die zuvor erwähnten Abrollhilfen versuchen hier Abhilfe zu geben.
Dabei legt der Orthopädieschuhmacher unterseitig auf der Laufsohle im Mittelfußbereich
Material auf. Die Übergänge werden ausgeglichen, und es entsteht eine
Art Schaukeleffekt der das Abrollen beim Gehen unterstützt und erleichtert.
Diese Konstruktionen ermöglichen zwar auch eine zusätzliche Verwendung
eines Fußbettes. Dieses liegt aber auch unterseitig plan im Schuh und kann
lediglich der Schaukelbewegung beim Gehen folgen. Selbst wenn das Fußbett sehr
weich ist, wird hier ein natürliches Abrollverhalten, das dem Barfußgehen
vergleichbar ist, nicht realisiert.
So ist aus der WO 0115560 A1 ein Schuhwerk bekannt, das eine außen
angebrachte Mittelfußrolle aufweist und konstruktionsbedingt ein herausnehmbares
Fußbett aufnehmen könnte. Aufgrund der starren Brandsohlenkonstruktion
würde sich die Abrollhilfe trotzdem nur aus der Beschaffenheit der Laufsohle
ergeben.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher einen Schuh oder eine
sonstige Fußbekleidung mit herausnehmbaren Fußbett derart zu verbessern,
dass der Fuß beim Abrollvorgang die Möglichkeit hat, sich wie beim Barfußgehen
auf weichem Boden im Fersen- und Vorfußbereich so einzudrücken, daß
das Längs- und Quergewölbe natürlich gestützt wird. Dadurch
sollen Fehlstellungen des Fußes wie Senk-, Platt- und/oder Spreizfuß vermieden
werden.
Beschwerden durch schon vorhandene Fehlstellungen, aber auch Beschwerden
an den Sprunggelenken oder an der Achillessehne, die ein schmerzfreies Abrollen
verhindern, sollen gelindert werden.
Diese Aufgabe löst ein Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion
mit den Merkmalen des Anspruchs 1.
Die Lösung zeichnet sich dadurch aus, dass das Fußbett unterseitig
nicht plan ist sondern im Rück- und Vorfußbereich Ausformungen aufweist,
die einer jeweiligen Aussparung auf der Laufsohlen Oberseite genau angepaßt
ist, so dass sich zwei genau zueinander passende Module ergeben. Das Fußbett
läßt sich zwecks Entlüftung, spezieller Bearbeitung oder Erneuerung
herausnehmen. Der Oberschaft wird nicht über eine Brandsohle befestigt, sondern
ist durch Verkleben und Vernähen mit der Laufsohlenkonstruktion direkt verbunden.
Die spezielle Formgebung und Härteeinstellung der Laufsohle und
des Fußbettes ermöglichen einen Effekt wie beim Barfußlaufen auf
weichem Boden.
Bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den sich
an den Hauptanspruch anschließenden Unteransprüchen.
Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung
ergeben sich aus dem in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiel. Es
zeigen:
1: ein Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion in
perspektivischer Explosionsdarstellung gemäß einer Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung,
2: einen Längsschnitt einer Laufsohle mit eingelegtem
Fußbett für ein Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion,
3: einen Querschnitt einer Laufsohle mit eingelegtem
Fußbett für ein Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion in einem Ausschnitt
des Vorderfußbereiches,
4: einen Querschnitt einer Laufsohle mit eingelegtem
Fußbett für ein Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion in einem Ausschnitt
des Mittelfußbereiches,
5: einen Querschnitt einer Laufsohle mit eingelegtem
Fußbett für ein Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion in einem Abschnitt
des Rückfußbereiches,
6: eine Momentaufnahme beim Abrollvorgang mit einem
Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion,
7: eine andere Momentaufnahme beim Abrollvorgang mit
einem Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion und
8: eine dritte Momentaufnahme beim Abrollvorgang mit
einem Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion.
Ein erfindungsgemäßes Schuhwerk mit modularer Sohlenkonstruktion,
im folgenden Schuhwerk genannt, besteht wie in 1 dargestellt
aus einem Oberschaft 1, einem Fußbett 2 und einer Laufsohle
3.
Das Fußbett 2 weist, wie in 2
im Längsschnitt gezeigt, auf der Unterseite hinter einem Rand von etwa 6–8
mm Ausformungen, auf die im Vorfußbereich A und Rückfußbereich C
stärker ausgeprägt sind als im Mittelfußbereich B, wo sich beim menschlichen
Fuß das Längsgewölbe befindet.
In der Laufsohle 3 befindet sich eine den Ausformungen des
Fußbettes 2 angepaßte Aussparung, in der sich das Fußbett
2 als austauschbares Modul millimetergenau einfügt.
Die Laufsohle 3 und das Fußbett 2 bestehen
vorzugsweise aus einem PUR Schaum oder aus einem anderen in verschiedenen Härtegraden
einzustellenden dämpfenden Material.
Vor der Aussparung weist die Laufsohle 3 ringsherum ein Aufsitzkante
von etwa 6–8 mm Breite auf. Auf dieser Kante sitzt sowohl der Oberschaft
als auch der Rand des Fußbettes 2 auf.
Der Oberschaft 1 liegt vorzugsweise mindestens 8 mm tief
eingetaucht innen an der Laufsohle 3 an, und wird mit dieser durch Vernähen
und Verkleben direkt und dauerhaft verbunden. Das Fußbett 2 schließt
an dem Oberschaft 1 ringsherum bündig ab.
In 3, 4
und 5 ist im Querschnitt zu sehen wie sich das Fußbett
2 in die Aussparung der Laufsohle 3 im Vorfußbereich A, im
Mittelfußbereich B und im Rückfußbereich C einfügt. Die Höhe
des Fußbettes 2 beträgt am Scheitelpunkt der Ausformung gemessen
im Vorfußbereich A vorzugsweise mindestens 12 mm, im Mittelfußbereich
B vorzugsweise mindestens 10 mm und im Rückfußbereich C vorzugsweise mindestens
20 mm.
Grundsätzlich ist die anatomische Ausformung des Fußbettes
2 auf der Oberseite nach den Bedürfnissen des Trägers frei zu
gestallten. Die Materialstärke der Laufsohle 3, innerhalb der Aussparung
– in der Mitte gemessen – beträgt im Vorfußbereich A vorzugsweise
mindestens 6 mm und im Rückfußbereich C vorzugsweise mindestens 8 mm.
Im Mittelfußbereich B beträgt die Laufsohlenmaterialstärke
vorzugsweise mindestens 18 mm und ist, wie in 2 im
Längsschnitt zusehen, im oberen Verlauf dem Längsgewölbe eines gesunden
Fußes nachempfunden.
Die Laufsohle 3 und das Fußbett 2 sind in verschiedenen
Härtegraden eingestellt. Die Härte des Fußbettes 2 kann
nach dem Gewicht und den Bedürfnissen des Trägers eingestellt werden,
wobei es immer weicher ist als die Laufsohle 3.
In 6 wird dargestellt wie sich die Ferse
beim Gehen oder Laufen mit dem Schuhwerk in der ersten Phase des Abrollvorgangs
in das weiche Fußbett 2 im Rückfußbereich C eindrückt.
In der zweiten Phase (7) rollt der Fuß
über den in der Laufsohle 3 stark ausgeprägten und Längsgewölbe
stützenden Mittelfußbereich B ab, und tritt in der dritten Phase (8)
in den weichen Vorfußbereich A des Fußbettes 2.
Dabei wirkt die Laufsohle 3 beim gesamten Abrollvorgang im
Vorfußbereich A und Rückfußbereich C dämpfend und im Mittelfußbereich
B stützend.