Die Erfindung betrifft eine Textilmaschine mit einer Antriebsanordnung,
enthaltend einen Elektromotor, der über eine Stromleitung mit einem Frequenzumrichter
(FU) verbunden ist, wobei die Stromleitung zwischen dem Ausgang des Frequenzumrichters
und dem Elektromotor durch eine Entstörungsdrossel geführt wird.
Elektromotoren in Textilmaschinen zum Antreiben von langen Walzen
oder Wellen werden zumeist mit Frequenzumrichtern (FU) betrieben. Durch die hohen
Taktfrequenzen können dabei die Motorstandzeiten reduziert werden. Eine wesentliche
Ursache für solche reduzierten Motorstandzeiten sind in den Motorlagern induzierte
Spannungen.
Überschreiten diese Spannungen einen gewissen Wert, so entstehen
hohe pulsartige Ströme, die zu Funkenerosion an Lagerschalen und Lagerkugeln
führen, welche mit der Zeit die Lager und damit den Motor zerstören. Hierdurch
können hohe Kosten verursacht werden. Auch bei Gleichstrommotoren zerstören
Funken an den Bürsten der Schleifer die Lagerflächen.
Zur Reduzierung des genannten Lagerverschleisses aufgrund der hohen
Taktfrequenzen ist es bekannt, Lagerstromdrosseln oder Sinus-Filter einzusetzen.
Der Einsatz derartiger Drosseln ist z. B. aus der WO 2004/066492 A1 bekannt, in
der auch die Mechanismen näher beschrieben sind, die zu der Schädigung
der Motorlager führen. Ferner wird auch empfohlen isolierte Lager einzusetzen.
Als Drosseln werden nach dem Stand der Technik solche mit Magnetkernen
aus Silizium-Eisen- oder Nickel-Eisen-Blechen eingesetzt. Derartige Drosseln haben
den Nachteil, dass sie sehr gross, schwer und teuer sind. Weiterhin verursachen
diese Drosseln auch hohe Verlustleistungen. Zudem ist die Störspannungsunterdrückung
für den Frequenzbereich um 1 MHz meist unbefriedigend.
Der Sinus-Filter ist ebenfalls eine platzraubende und teure Lösung
mit grosser Verlustleistung in Abhängigkeit von der Taktfrequenz.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine verbesserte Motoranordnung
mit einer effizienten aber trotzdem kostengünstigen Entstörungsdrossel
für Textilmaschinen vorzuschlagen, bei welcher Motorlagerschäden verhindert
bzw. weitgehend verringert werden. Weiterhin soll die Drossel kleine Abmessungen
sowie eine geringe Masse aufweisen, kostengünstig sein und geringe Verluste
aufweisen.
Die Aufgabe wird dadurch gelöst, dass die Entstörungsdrossel
wenigstens zwei Ringkerne von geeigneter Geometrie enthält, durch welche die
Stromleitung geführt ist, wobei wenigstens ein erster Ringkern einen weichmagnetischen,
nanokristallinen metallischen Werkstoff umfasst und wenigstens ein zweiter Ringkern
aus einem weichmagnetischen Ferrit besteht.
Die Stromleitung zwischen FU und Elektromotor ist bevorzugt für
einen Dreiphasenstrom ausgelegt und enthält drei Phasen, welche jeweils einem
Motorkabel entsprechen. Die drei Motorkabel sind gemeinsam durch die Ringkerne geführt.
Ein Motorkabel weist beispielsweise einen Leitungsdurchmesser von rund 5 bis 7 mm
bei einer Leistung von 40 kW und rund 8 bis 10 mm bei einer Leistung von 80 kW auf.
Das Motorkabel mit Isolation weist demzufolge einen Gesamtdurchmesser von 1 bis
2 cm auf.
Die Erfindung schlägt vor, für die Drossel eine spezielle
Kombination von wenigstens zwei Magnetkernmaterialien zu verwenden und von der geblechten
Ausführung auf einen Ringkern zu wechseln. Es wurde erkannt, dass nanokristalline
Eisenbasislegierungen mit ihrer erzielbaren hohen Permeabilität, einer hohen
Sättigungsinduktion, einem weiten Temperatureinsatzbereich, einer hohen mechanischen
Festigkeit und einem sehr guten Frequenzverhalten der Permeabilität bei geringen
Kernverlusten für den genannten Zweck hervorragend geeignet sind.
Da jedoch nanokristalline Ringkerne verhältnismässig teuer
in ihrer Anschaffung sind, wurden diese als Entstördrosseln in Elektromotoren
bisher nicht in Betracht gezogen. Es hat sich nun überraschend gezeigt, dass
die erfindungsgemässe Kombination verschiedener Ringkernen nicht nur eine optimale
Entstörung bewirkt, sondern auch eine insgesamt kostengünstige Lösung
darstellt.
Nanokristalline Eisenbasislegierungen sind als solche seit längerer
Zeit bekannt, beispielsweise aus der EP 0
271 657 B1, wurden bisher jedoch aus oben genannten Gründen zu anderen
Zwecken eingesetzt. Die besagten nanokristallinen Eisenbasislegierungen weisen vorzugsweise
neben Eisen Anteile von Kupfer, Niob, Silizium und Bor auf.
Die nanokristallinen Ringkerne sind in der Regel als Ringbandkerne
ausgebildet und enthalten bevorzugt isolierte Bandlagen. Die Isolationsschicht zwischen
den nanokristallinen, metallischen Bändern verhindert den flächigen elektrischen
Kontakt zwischen den Bändern, so dass sich keine Wirbelströme zwischen
den Bandlagen ausbilden können.
Weichmagnetische nano- bzw. feinkristalline Werkstoffe bestehen bis
zu 80% aus Fe.
Die EP 0 271 657 B1
und die DE 10 2005 021 060 A1
beschreiben solche weichmagnetischen nanokrostallinen Werkstoffe
bzw. die dazugehörigen Legierungen auf Eisenbasis sowie deren Herstellungsverfahren
und Verwendung.
Mit Ringbandkernen in Kombination mit Ferriten, insbesondere mit MnZn-Ferriten,
werden jedoch mit Abstand die besten Ergebnisse erzielt. Diese werden daher bevorzugt
verwendet.
Da die erfindungsgemässe Entstördrossel eine einfache Durchsteckdrossel
ist, können die Motorlagerströme auf einfachste Weise reduziert werden.
Die Ringkerne werden nämlich lediglich über die entsprechende Stromleitung,
insbesondere die drei Motorkabel, geschoben. Der Innendurchmesser der Ringkerne
ist dabei dem Durchmesser der durch diese hindurch zu führenden Stromleitung
angepasst.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung weist der Frequenzumrichter
einen über eine Netzzuleitung mit einem Versorgungsnetz verbundenen Gleichrichter
und einen über einen DC-Bus mit dem Gleichrichter verbundenen Wechselrichter
auf, wobei die vom Elektromotor kommende Stromleitung mit dem Wechselrichter verbunden
ist. Der DC-Bus weist bevorzugt auch eine Drossel auf.
Bei dem Elektromotor der Motoranordnung handelt es sich vorzugsweise
um einen, von einem Mehrphasennetz versorgten Hochleistungsmotor, insbesondere Asynchronmotor,
z. B mit einer Leistung von mehr als 40kW, insbesondere mehr als 50 kW. Bei derartigen
Hochleistungsmotoren in Textilmaschinen sind die erzielbaren Kostenvorteile durch
den reduzierten Motorlagerverschleiss besonders hoch, insbesondere im Vergleich
zu den Aufwendungen durch den erfindungsgemässen Einsatz einer Entstördrossel.
Erfindungsgemäss finden die Ringkerne Einsatz beim zentralen
Spindelmotor von Ringspinnmaschinen, welcher eine Tambourwelle und über diese
mittels Bandantrieb eine Vielzahl von Spindeln antreibt. Der besagte Motor kann
sämtliche Spindeln einer Spinnmaschine oder eine Gruppe von Spindeln einer
Spinnmaschine antreiben. Die Ringkerne können auch verwendet werden bei Streckwerksmotoren,
Ringrahmenmotoren oder Doffermotoren von Spinnmaschinen.
Der Aussendurchmesser der Ringkerne beträgt z. B. 110–160
mm. Der Innendurchmesser der Ringkerne beträgt z. B. 80–130 mm. Die
Höhe der Ringkerne beträgt z. B. 30 bis 150 mm.
Der Lagerstrom kann mit der erfindungsgemässen Anordnung abhängig
von der Motorfrequenz im Mittel um 50% reduziert werden.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels
und der 1 näher erläutert. 1
zeigt eine Antriebsanordnung 1, bei der ein Elektromotor 2, insbesondere
ein Asynchronmotor, über einen Frequenzumrichter 3 betrieben wird.
Der Frequenzumrichter 3 beinhaltet einen Gleichrichter 6 und einem
Wechselrichter 8. Der Gleichrichter 6 wird über Netzzuleitungen
5 aus einem Mehrphasennetz 4 mit einer Wechselspannung versorgt.
Im Gleichrichter 6 wird die Wechselspannung in eine Gleichspannung umgewandelt
und über die DC-Leitungen 7 dem Wechselrichter 8 zugeführt.
Die von dem Wechselrichter 8 erzeugte Spannung, inklusive variabler Motorfrequenz,
wird über eine dreiphasige 9a, 9b, 9c Stromleitung
9 dem Elektromotor 2 zugeführt.
Moderne Wechselrichter 3 können mit hohen Taktfrequenzen
betrieben werden. Hierbei können relativ hohe Spannungsgradienten erreicht
werden. Gelangen hierdurch erzeugte Spannungsspitzen bis zum Elektromotor
1, so können kapazitive Motorlagerströme auftreten, die zu einer
frühzeitigen Schädigung der Motorlager 12 führen. Zwar weisen
die Motorlager 12 einen Ölfilm auf, der auch isolierend wirkt. Dieser
Ölfilm ist jedoch sehr dünn und beträgt, abhängig von der Ölviskosität
meist nur wenige Moleküllagen. Der Ölfilm schlägt daher bereits bei
kleinen Feldstärken durch.
Zur Vermeidung oder zumindest Verringerung der Lagerströme wird
die Stromleitung 9 erfindungsgemäss durch einen ersten Ringkern
10 aus einem weichmagnetischen MnZn-Ferrit und durch einen nachfolgenden
zweiten Ringkern 11 aus einem weichmagnetischen, nanokristallinen metallischen
Werkstoff geführt. D.h. die Ringkerne sind über die zu einem Strang zusammengefassten
Motorkabel 9a, 9b, 9c geschoben.
Um bereits vom Gleichrichter 2 erzeugte Spannungsspitzen
zu eliminieren, können auch die DC-Leitungen 6 mit einer Drossel versehen
sein (nicht gezeigt).
Durch Einbringung einer erfindungsgemässen Entstördrossel
in eine Motoranordnung wie sie in 1 gezeigt ist, lässt
sich die auftretende Motorlagerspannung soweit reduzieren, dass schädliche
Motorlagerströme weitgehend vermieden oder zumindest stark reduziert werden.
Die vorhandene Ölschicht des Lagers wird nicht mehr durchschlagen.
Somit wird die Lebensdauer der Motorlager und somit des gesamten Motors
deutlich erhöht. Als Folge davon werden Ausfallzeiten durch den Austausch eines
Motorlagers deutlich reduziert.
Die geometrische Anpassung der Ringkerne an die Gegebenheiten der
Motoranordnung kann der Fachmann mit seinem Fachwissen ohne weiteres
durchführen.
Die Erfindung wurde in Zusammenhang mit einem Frequenzumrichter und
einem Asynchronmotor beschrieben. Jedoch können auch bei DC-Motoren in Textilmaschinen
durch Spannungsspitzen auftretende Motorlagerströme durch die erfindungsgemässe
Verwendung von Ringkernen entstört werden.