Die vorliegende Erfindung betrifft eine Bohrstange mit einem Schaftabschnitt
und einem Stangenkopf gemäß Anspruch 1, siehe zum Beispiel DE-A-23 29
234, ein Verfahren für die Herstellung einer Bohrstange gemäß Anspruch
4 und die Verwendung solch einer Bohrstange für die Dämpfung von Vibrationen
beim Innendrehen.
Gemäß DE-A-23 29 234 wird eine Bohrstange offenbart, die
einen Schaftabschnitt und einen Stangenkopf aufweist, der aus einem leichteren Material
als der Schaftabschnitt hergestellt ist, welcher seinerseits aus Stahl hergestellt
sein kann, während der Schaftkopf aus einer Aluminium- oder Titanlegierung
hergestellt sein kann.
Die DE 15 52 450 beschreibt
eine Klebeverbindung zwischen einem Stangenschaft und einem Schneidkopf. Die
DE 14 03 000 beschreibt eine Verbindung
zwischen einem Stangenteil und einem Scheidelement, welche zwei konische Vorsprünge
und entsprechende Aussparungen an ihren jeweiligen Verbindungsflächen aufweisen.
Drehtätigkeiten können in solche für das Außendrehen
und solche für das innere Drehen unterteilt werden, wobei das letztere normalerweise
Innendrehen genannt wird. Wie die Namen sagen, betreffen Außendrehtätigkeiten
das Drehen auf einer äußeren Drehfläche eines Werkstücks, während
das Innendrehen das Drehen auf einer inneren Drehfläche betrifft. Ein spezieller
Fall des Außendrehens ist das Stirnflächendrehen.
Beim Außendrehen wird die Ausladung bzw. der Überhang des
Werkzeugs durch die Länge des Werkstücks nicht beeinflußt, denn die
außendrehenden Flächen sind gewöhnlich offen und frei zugänglich.
Deshalb werden die Maße von Werkzeughaltern so ausgewählt, daß sie
den Kräften und Beanspruchungen, die auftreten, widerstehen.
Beim Innendrehen ist die Werkzeugwahl jedoch durch das Äußere
des Werkstücks beschränkt, denn diese Drehtätigkeit wird gewöhnlich
bei vorgebohrten Löchern oder Löchern in gegossenen, geschmiedeten oder
extrudierten Elementen angewendet. Beim Drehen in einem tiefen Loch ist deshalb
eine lange Bohrstange mit einer langen Ausladung erforderlich, die selbstverständlich
das Risiko der Durchbiegung oder Seitenabweichung und von Vibrationen erhöht,
was seinerseits zu einer schlechteren Oberflächenglattheit und störendem
Geräusch führt. Dieses Problem wird noch durch die Tatsache verstärkt,
daß Innendrehtätigkeiten hauptsächlich für Anwendungen bei hohen
Ansprüchen an Maßtoleranzen und Oberflächenglattheit verwendet werden.
Beim Innendrehen bestimmt deshalb die Tiefe des Loches die praktisch
kleinstmögliche Ausladung. Für einen größeren Bohrstangendurchmesser
(D) ist die Stabilität erhöht, aber auch hier sind die Möglichkeiten
durch die Tatsache beschränkt, daß der Raum, der von dem Lochdurchmesser
des Werkstücks angeboten wird, respektiert werden muß. Durch die speziellen
Umstände, die es bei den langen Ausladungen (L) und einem beschränkten
Stangendurchmesser gibt, beginnt die Stabilität gemäß Beschreibung
von dem Verhältnis L/D. Je kleiner das Verhältnis L/D ist, eine um so
bessere Stabilität wird erreicht.
Die Beschränkungen bezüglich der Stabilität für
das Innendrehen bringen es mit sich, daß man besondere Sorgfalt walten lassen
muß für die Produktion, Planung und Vorbereitung. Mit dem Wissen darüber,
wie die Scherkräfte durch die Werkzeuggeometrie und die ausgewählten Schneiddaten
beeinflußt werden, und wie unterschiedliche Arten von Bohrstangen und Werkzeugverbindungen
die Stabilität beeinflussen, können Durchbiegungen und Vibrationen zu
einem gewissen Grad minimiert werden. Es wäre jedoch wünschenswert, sie
weiter zu reduzieren.
Zum Beispiel in der SE.B-385 797 (& US-A-3,838,936) ist eine Dämpfungsanordnung
für unter anderem Bohrstangen beschrieben, die einen Dämpfungsabschnitt
aufweist, der bei einem axialen Bohren in der Bohrstange angeordnet ist und an dieselbe
über ein oder mehrere Federungselemente in der Form von zum Beispiel Platten
oder Umfangsringen aus einem federnd elastischen Material, wie zum Beispiel Gummi,
gekoppelt ist. Möglicherweise kann ein Fluid in den Raum zwischen dem Dämpfungsabschnitt
und der Bohrung eingeführt werden, um zu dem Dämpfungseffekt beizutragen.
Obwohl diese Konstruktion Vibrationen reduziert, ist sie doch kompliziert und raumaufwendig.
Deshalb ist es primär Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine
Bohrstange mit einer verringerten Neigung zu Vibrationen zu schaffen.
Eine zweite Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Herstellung
möglichst längerer Ausladungen, ohne die Neigung zu Vibrationen dadurch
zu erhöhen.
Eine weitere andere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist das Minimieren
des Risikos von Vibrationen in Bohrstangen mit dem einfachst möglichen Aufbau.
Diese und weitere Aufgaben werden in überraschender Weise dadurch
gelöst, daß man die Bohrstange mit einer Klebstoffverbindung gemäß
den kennzeichnenden Merkmalen versieht, die in Anspruch 1 bestimmt
sind.
Es ist an sich bekannt, einen Klebstoff für einige andere Anwendungen
für die Schneidbearbeitung zu verwenden. So beschreibt die DE-A-15 52 450,
wie ein Klebstoff für das Befestigen von Schneideinsätzen eines hochlegierten
Stahls oder eines Hochgeschwindigkeitsstahls in einem Halter verwendet werden kann
und wie auch der betrieblich obere Abschnitt eines Räumgeräts an eine
Welle angeklebt werden kann. Diese Werkzeuge sind aber keineswegs zwecks Vibrationsdämpfung
konstruiert, sondern nur für die Vereinfachung des Austauschs betrieblicher
Schneidteile.
Weiterhin sind in zwei Teile aufgeteilte Bohrstangen bekannt mit einem
hinteren Schaftabschnitt und einem vorderen Stangenkopf, welcher dann auf den Schaftabschnitt
aufgeschraubt wird. Eine solche Schraubenverbindung ist starr und erlaubt keineswegs
Vibrationsdämpfungseffekte.
Zur Illustration, aber nicht zwecks Beschränkung, wird die Erfindung
nun weiter unter Bezugnahme auf die anliegenden Zeichnungen beschrieben. Diese werden
hier kurz vorgestellt:
1 zeigt eine zusammengeklebte Bohrstange gemäß der vorliegenden
Erfindung perspektivisch schräg von oben.
2 zeigt dieselbe Bohrstange wie 1, wobei aber
die zwei zusammengeklebten Teile voneinander getrennt sind.
3 zeigt einen Mittelachsenquerschnitt der demontierten Bohrstange
gemäß 2.
4 zeigt eine andere Ausführungsform der Bohrstange gemäß
der Erfindung in einer Projektion schräg von oben.
In der allgemeinen Darstellung in 1 weist eine Bohrstange
1 einen Schaftabschnitt 2 und einen Stangenkopf 3 auf.
Der hintere Teil des Schaftes wird in an sich bekannter Weise in einen Halter eingeführt,
wonach die notwendige Klemmkraft durch eine Schraubenverbindung oder eine hydraulische
Hülse erhalten wird. Der Schaftabschnitt kann in einer Anzahl unterschiedlicher
Arten gebildet werden je nachdem, welche Eigenschaften erwünscht sind, und
ist nicht wesentliches Merkmal der Erfindung. Auf dem Stangenkopf 3 ist
ein geeigneter Schneideinsatz 4 aus einem harten Material geklemmt, wie
zum Beispiel Sinterkarbid. Der Schneideinsatz ist in seinem Einsatzsitz durch eine
Sicherungsschraube, eine Klemmeinrichtung oder dergleichen befestigt.
Gemäß der vorliegenden Erfindung ist der Schaftabschnitt
aus Werkzeugstahl oder Federstahl hergestellt, wie z. B. SS 2230. Allgemein ist
eine große Anzahl von Materialien sowohl für den Schaftabschnitt als auch
den Stangenkopf möglich, solange diese die Erfordernisse bezüglich Festigkeit
und Funktion erfüllen. Um ferner das Gewicht zu reduzieren und die natürliche
Frequenz zu erhöhen, ist der Stangenkopf auch aus einem leichteren Material
hergestellt, wie zum Beispiel Aluminium oder Magnesium oder einer Legierung, die
auf einem oder beiden dieser zwei Metalle basiert.
In 2 sind der Schaftabschnitt und der Stangenkopf
voneinander getrennt, wodurch man sehen kann, wie der Schaftabschnitt eine im wesentlichen
konische Ausnehmung 5 und der Stangenkopf einen im wesentlichen konischen
Vorsprung 6 hat, wobei letzterer vorgesehen ist, um in die konische Ausnehmung
5 zu passen. Gemäß dem wesentlichen Merkmal der vorliegenden
Erfindung sind die einander zugewandten Oberflächen des Teils 6 und
der Ausnehmung 5 durch eine Klebstoffverbindung aneinander befestigt. Außer
der Tatsache, daß eine solche Klebeverbindung eine vollständig ausreichende
Festigkeit hat und in der Praxis schnell und einfach zu realisieren ist, hat sich
herausgestellt, daß sie betont vibrationsdämpfend ist. Der Scheitelwinkel
&agr; der Klebeverbindung beträgt in zweckmäßiger Weise zwischen
2 und 50°, vorzugsweise zwischen 5 und 30°. Die Verbindungslänge
d beträgt zweckmäßigerweise zwischen 10 und 200 mm, vorzugsweise
zwischen 25 und 120 mm.
Wie man in den 2 und 3 sehen kann,
kann der Schaftabschnitt und in gewissem Grad auch der Stangenkopf hohl sein, zweckmäßigerweise
in der Form einer Mittelbohrung 7 bzw. 7'. Dies trägt auch
zur Verringerung des Gesamtgewichts der Stange bei auf Kosten einer vernachlässigbar
kleinen Schwächung. Der Durchmesser des Hohlraums kann entweder im wesentlichen
konstant sein oder in axialer Richtung variieren. Dadurch wird es möglich,
die natürliche Frequenz und Durchbiegung der Stange im Vergleich zu einer massiven
Stange zu ändern. Somit kann der Durchmesser der Bohrung 7 in der
Richtung des Stangenkopfes entweder zu- oder abnehmen. Außerdem kann der zentrale
Hohlraum 7, 7' verwendet werden, um irgendein mögliches Schneidefluid
zur Nachbarschaft des (nicht gezeigten) Betriebsschneidpunktes zu transportieren.
Die konische Klebeverbindung gemäß den 1
bis 3 stellt eine bevorzugte Ausführungsform dar.
Eine Vielzahl von Klebstoffarten hat man für die vorliegende
Erfindung für geeignet gefunden. Somit sind in vorteilhafter Weise Klebstofftypen
einsetzbar wie Epoxyklebstoff, Acrylatklebstoff, Polyurethanklebstoffe, ein Phenol-Vinylklebstoff,
eine Nitrilklebstoff, Klebstoffe aus Natur- und/oder Chloropren-Kautschuk,
Phenol-/Nitrilklebstoff, Acrylatkautschukklebstoff, Polyamidklebstoff oder Polyesterklebstoff
und möglicherweise auch Phenoxyklebstoff. Diese können vom Einkomponenten-
oder Zweikomponententyp sein und können mit oder ohne Wärmeaushärtung
und einem Primer verwendet werden. In zweckmäßiger Weise sind sie anärobisch.
Ein Beispiel eines zweckmäßigen Typs von Epoxyklebstoffen ist in der DE-A-11
07 400 beschrieben. Ein Beispiel eines zweckmäßigen Acrylatklebstoffs
ist Araldit AV 118 (registrierte Marke), mittels deren eine Zugfestigkeit von mindestens
25 N/mm2 nach einer Härtung bei 150°C während 30 Minuten
erhalten wird. Ein anderer geeigneter Klebstoff ist Loctite (registrierte Marke).
Ferner kann die Dicke der Klebstoffverbindung in relativ breiten Grenzen variieren.
Bei ein und demselben Klebstofftyp gibt eine dickere Klebstoffverbindung einen verbesserten
Dämpfungseffekt. Auf der anderen Seite wird die Festigkeit der Klebstoffverbindung
beeinträchtigt, wenn die Klebstoffverbindung zu dick ist. Eine zweckmäßige
Dicke der Klebstoffverbindung für die konischen Teile 5 und
6 kann zwischen 0,05 und 0,8 mm, vorzugsweise zwischen 0,1 und 0,5 mm liegen.
In überraschender Weise ist auch gezeigt worden, daß im Prinzip die Klebstoffverbindung
gleich fest wird, wenn die Verbindungsoberflächen schwarz-oxidiert oder „strahlbehandelt"
(„jetalized") sind.
Um einen weiter verbesserten Vibrationsdämpfungseffekt zu erhalten,
kann der Schaftteil gemäß 4 ausgestaltet sein. Derselbe
kann also einen äußeren rohr- oder hülsenartigen Teil 9
aufweisen, der einen Kern 10 einschließt, welcher zu dem Teil
9 konzentrisch ist. Dieser Kern kann entweder aus einer massiven Stange
bzw. einem Stab bestehen oder kann eine zentrische Bohrung 11 haben. Zwischen
dem Hülsenteil 9 und dem Kern 10 gibt es eine zweite Klebeverbindung
12, die auf eine vibrationsdämpfende Weise funktioniert. Die Dicke
dieser Klebeverbindung kann zweckmäßig zwischen 0,05 und 1,5 mm sein und
kann aus den oben erwähnten Klebstofftypen bestehen, in zweckmäßiger
Weise einem solchen, der eine größere Belastbarkeit, Zähigkeit bzw.
Festigkeit und eine größere Fähigkeit hat, Energie aufzunehmen. Der
Hülsenteil und der Kern können sehr gut aus unterschiedlichen Materialien
bestehen.
Obwohl einige der Klebstofftypen sowohl für den Stangenkopf als
auch die Verbindung in dem Schaftabschnitt gemäß 4 verwendet
werden können, gibt es einige Unterschiede. So sind Acrylatklebstoff, Epoxyklebstoffe
und Phenoxyklebstoffe besonders nützlich für die Verbindung mit dem Stangenkopf,
während für ein optimales Dämpfen Nitrilkautschukklebstoffe, Acrylkautschukklebstoffe,
Chloropren-Kautschukklebstoffe und Naturkautschukklebstoffe für den Schaftabschnitt
zweckmäßig sind. Wenn man in erster Linie nicht eine vibrationsdämpfende
Stange zu haben wünscht, sondern eine Stange mit geringst möglicher Durchbiegung,
kann man ein härteres Material und einen festeren Klebstoff auch in dem Schaftabschnitt
verwenden.
Vergleichstests wurden durchgeführt zwischen massiven Stangen
mit 25 mm Durchmesser aus Federstahl einerseits integral in einem einzigen Stück
und andererseits mit einer konischen Klebeverbindung. Die Klebeflächen waren
in der Form eines Konus mit einem Winkel &agr; von 12°. Der verwendete Klebstofftyp
war Araldit AV 118 (registrierte Marke), und die Dicke der Klebstoffverbindung betrug
≤ 0,2 mm. Eine merklich verbesserte Dämpfung wurde erhalten. Außerdem
war die nützliche Lebensdauer extrem gut: alle Stangen widerstanden > 2·106
Belastungszyklen von 3,4 kN ± 0,34 kN in einer Ermüdungstestmaschine (Dauerschwingversuch,
Umlaufbiegeversuch). Außerdem kann die Klebstoffverbindung einer maximalen
Belastung von mindestens 6,0 kN am Schneidpunkt widerstehen, welches ein beachtlich
höherer Belastungsgrad ist als der, der bei normalem Bearbeiten auftritt.