Die Erfindung betrifft einen Sitz mit einer einen Sitzteil und eine
daran angeformte Lehne umfassenden Schale aus Kunststoff, sowie ein Verfahren zur
Herstellung eines derartigen Sitzes.
Derartige Sitzschalen werden bislang üblicherweise aus Vollmaterial
mit einer Kunststoffkomponente hergestellt. Dazu kann als Schalenmaterial beispielsweise
Polyamid verwendet werden, mit dem eher dickwandige und sehr steife Sitzschalen
gefertigt werden können, die nahezu keine Elastizität aufweisen. Sollen
Sitzschalen mit verbesserter Elastizität geschaffen werden, so wird bislang
als Werkstoff für die Sitzschalen Polypropylen verwendet. Dadurch ergeben sich
sehr weiche Sitzschalen, die zur Versteifung an ihrer Rückseite mit engmaschigen
und hohen Versteifungsrippen ausgestattet sein müssen. Derartige Sitzschalen
eignen sich aufgrund ihrer schlechten Reinigungsmöglichkeit allerdings kaum
für einen rauen Alltagsbetrieb, wie beispielsweise im Schulbetrieb bzw. weisen
eine nicht unerhebliche Größe und somit auch Platzbedarf, insbesondere
beim Stapeln, auf.
Des Weiteren können derartige Sitze bzw. Sitzschalen durch ein
Blasformen geformt werden, wozu ein Kunststoffrohling, beispielsweise ein Zylinder
oder dgl., in eine geöffnete Hohlform eingelegt und anschließend die Sitzform
durch Einblasen von Luft oder dgl. in den erwärmten Kunststoffrohling bei geschlossener
Form ausgeformt und ausgehärtet wird. Dabei kommt als Schalenmaterial meist
Polypropylen zum Einsatz und ergibt sich für die Schale naturgemäß
ein Hohlraum, wodurch derartige Schalen wiederum einen verhältnismäßig
großen Platzbedarf haben und aufgrund der Konstruktion verhältnismäßig
steif sind, wobei die Freiheit bei der Oberflächengestaltbarkeit zudem eingeschränkt
ist.
Ausgehend von einem Stand der Technik der eingangs geschilderten Art
liegt der Erfindung die Aufgabe zu Grunde einen Sitz zu schaffen, der eine möglichst
dünnwandige flexible Sitzschale mit möglichst glatter Oberfläche
und ausreichender Festigkeit aufweist.
Die Erfindung löst diese Aufgabe dadurch, dass die Schale einen
Verbundkörper aus einem Schalenmantel und einem mit dem Schalenmantel schubfest
verbundenen, faserverstärkten Kunststoffkern bildet.
Mit der Erfindung wird auf einfache Weise die Möglichkeit geschaffen,
einen elastischen, sehr dünnwandigen Sitz zu fertigen, der ohne Versteifungsrippen
auskommt und dabei durch den faserverstärkten Kunststoffkern eine ausreichende
Festigkeit aufweist. Dazu kann der Schalenmantel aus einem verhältnismäßig
weichen Kunststoff gefertigt werden, mit dem eine glatte, leicht zu reinigenden
Oberfläche erzielbar ist. Ebenso ist sichergestellt, dass ein faserfreier,
nur wenig Verschleiß an Kleidung verursachender Kunststoff die Außenhaut
der Schale bildet. Die gewünschte Festigkeit bzw. Steifigkeit der Schale wird
durch den faserverstärkten Kunststoffkern bestimmt. Durch eine entsprechende
Wahl des Kunststoffkernes, insbesondere auch der Dicke, kann die Flexibilität
der Schale somit über weite Bereiche eingestellt werden. Mit der Erfindung
wird eine Schale aus Kunststoff geschaffen, deren Lehnenbereich elastisch verformbar
ist, somit ein dynamisches Sitzverhalten ermöglicht und dabei dennoch eine
ausreichende Bruchsicherheit bietet.
Um eine ausreichende Festigkeit des Sitzes bei hoher Standzeit zu
gewährleisten empfiehlt es sich, wenn der Kunststoffkern und der Schalenmantel
aus demselben Kunststoff oder aus gleichartigen Kunststoffen bestehen und der Kunststoffkern
vorzugsweise mit Glasfasern verstärkt ist. Sind Kunststoffkern und Schalenmantel
aus demselben Kunststoff, ist bei entsprechender Fertigung gewährleistet, dass
Schalenmantel und Kunststoffkern beispielsweise durch einen fließenden Übergang
im Kunststoff schubfest miteinander verbunden sind. Werden für den Schalenmantel
und den Kunststoffkern nicht die gleichen Kunststoffe verwendet so ist darauf zu
achten, dass beispielsweise durch Aufschmelzen miteinander verklebbare Kunststoffe
Verwendung finden, wobei für diesen Fall vorzugsweise annähernd gleich
hohe Schmelzpunkte für beide Kunststoffe zu fordern sind.
Zur Lösung der erfindungsgemäßen Aufgabe hat es sich
als besonders vorteilhaft herausgestellt, wenn sowohl der Kunststoffkern als auch
der Kunststoffmantel aus Polypropylen bestehen, dies insbesondere da das Polypropylen
an sich sehr weich ist und sich damit eine sehr angenehm zu nutzende Sitzschale
ausbilden lässt. Diese Weichheit hat allerdings auch den Vorteil, dass das
faserverstärkte Polypropylen für den Kern eine hohe Festigkeit bei geringer
Sprödbruchneigung und somit eine entsprechend hohe Flexibilität der Sitzschale,
insbesondere der Sitzlehne, gewährleistet. Damit kann eine besonders dünnwandige,
flexible Sitzschale mit entsprechender Festigkeit geschaffen werden kann.
Werden an den Sitz besonders hohe Festigkeitsansprüche gestellt,
kann der Kunststoff für den Schalenmantel ebenfalls faserverstärkt sein,
wobei wiederum Glasfasern oder besonders bevorzugt weichere Fasern wie Textilfasern,
Kohlefasern, Naturfasern od. dgl. Verwendung finden können.
Ein erfindungsgemäßer Sitz kann besonders kostengünstig
und vorteilhaft im Spritzgussverfahren in einer Spritzgussform gefertigt werden,
wobei sich ein Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemäßen
Sitzes insbesondere dadurch auszeichnet, dass zunächst der Kunststoff für
den Schalenmantel in eine Spritzgussform für die Schale eingebracht und dann
der glasverstärkte Kunststoff für den Kern in die Spritzgussform eingespritzt
wird, bevor der Kunststoff des Schalenmantels vollständig erstarrt. Der Kunststoff
für den Schalenmantel und der Kunststoff für den Kunststoffkern werden
dabei vorzugsweise unmittelbar nacheinander in die Spritzgussform eingebracht. Der
Kunststoff für den Schalenmantel wird dabei zuerst in die Schale derart eingebracht,
dass er in seinem Kernbereich noch aufgeschmolzen bleibt. Anschließend wird
der glasfaserverstärkte Kunststoffkern unter Verdrängung des Kunststoffes
für den Schalenmantel in die Form eingespritzt wird, bis die Spritzgussform
vollständig aufgefüllt ist. Dadurch dass der Kunststoff für den Schalenmantel
beim Einspritzen des Kernkunststoffes vor dem Kernkunststoff hergeschoben wird und
dabei an der Spritzgussformschale entsprechend abkühlt und auch anhaftet bzw.
aushärtet ist gewährleistet, dass der Sitz nach einem fertigen Ausformen
aus der Spritzgussform einen einwandfreien Schalenmantel aus faserfreiem Kunststoff
aufweist, der den faserverstärkten Kunststoffkern sauber umschließt.
Die Erfindung ist in der Zeichnung anhand eines Ausführungsbeispieles
schematisch dargestellt. Es zeigen
1 eine erfindungsgemäße Sitzschale im Querschnitt
und
2 und 3 eine Spritzgussform
im Querschnitt zur Verdeutlichung der Produktionsschritte zur Herstellung eines
erfindungsgemäßen Sitzes.
Ein erfindungsgemäßer Sitz 1 aus einer Schale aus
Kunststoff umfasst einen Sitzteil 2 und eine daran angeformte Lehne
3. Um eine möglichst dünnwandige flexible Sitzschale mit möglichst
glatter Oberfläche und ausreichender Festigkeit zu schaffen, bildet die Schale
4 einen Verbundkörper aus einem Schalenmantel 5 und einem
mit dem Schalenmantel 5 schubfest verbundenen, faserverstärkten Kunststoffkern
6. Im dargestellten Ausführungsbeispiel bestehen der Schalenmantel
5 und der faserverstärkte Kunststoffkern 6 aus Polypropylen
und ist der Kunststoffkern 6 mit Glasfasern verstärkt.
2 und 3 zeigen schematisch
eine Spritzgussform 7 mit zwei die Sitzschalenform zwischen sich ausbildenden
Spritzgussformhälften 8, 9, die einer nicht näher dargestellten
Spritzgießmaschine zugehören und in üblicher Weise zueinander verspannbar
bzw. zur Entformung des gefertigten Sitzes voneinander lösbar sind. Zur Fertigung
eines erfindungsgemäßen Sitzes wird zunächst der Kunststoff
10 für den Schalenmantel 5 in die Spritzgussform
7 für die Schale 4eingebracht (siehe 2),
wonach der glasfaserverstärkte Kunststoff 11 für den faserverstärkten
Kunststoffkern 6 in die Spritzgussform 7 eingespritzt wird, bevor
der Kunststoff des Schalenmantels 5 vollständig erstarrt (3).
Beim Einspritzen des Kunststoffes 11 für den Kern in die Spritzgussform
7 wird der Kunststoff 10 für den Schalenmantel
5 vor dem Kunststoff 11 für den Kern hergeschoben, legt sich
an die Schalenoberfläche an, wo er anhaftet und zumindest auszuhärten
beginnt, wodurch gewährleistet ist, dass der Schalenmantel 5 eine
saubere durchgängige Oberfläche bildet, welche den Kern vollflächig
umschließt. Durch eine Steuerung von Einspritzgeschwindigkeit, Spritzgußformtemperatur
u. dgl. lässt sich die Dicke von Kern und Schalenmantel einstellen.