PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE60125794T2 31.10.2007
EP-Veröffentlichungsnummer 0001322176
Titel VERWENDUNG VON CARNITIN ZUR ERHÖHUNG TRAINING-INDUZIERTER BRADYKARDIE
Anmelder Lonza AG, Basel, CH
Erfinder HARMEYER, Johein, 30974 Wennigsen 1, DE;
SPORLEDER, Hans-Peter, D-88524 Dieterskirch/Uttenweiler, DE;
WEDEMEYER, Ulrike, D-20255 Hamburg, DE;
CHROBOK, Cornelia, 45473 Mülheim/Ruhr, DE;
COENEN, Manfred, 30559 Hannover, DE;
VERVUERT, Ingrid, 30173 Hannover, DE
Vertreter Spott, Weinmiller & Böhm, 80336 München
DE-Aktenzeichen 60125794
Vertragsstaaten AT, BE, CH, CY, DE, DK, ES, FI, FR, GB, GR, IE, IT, LI, LU, MC, NL, PT, SE, TR
Sprache des Dokument EN
EP-Anmeldetag 18.09.2001
EP-Aktenzeichen 019823095
WO-Anmeldetag 18.09.2001
PCT-Aktenzeichen PCT/EP01/10773
WO-Veröffentlichungsnummer 2002021934
WO-Veröffentlichungsdatum 21.03.2002
EP-Offenlegungsdatum 02.07.2003
EP date of grant 03.01.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 31.10.2007
IPC-Hauptklasse A23K 1/16(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, EP
IPC-Nebenklasse A23K 1/18(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, EP   A23L 1/305(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, EP   A61K 31/205(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, EP   A61P 9/00(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, EP   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft die nicht-therapeutische Verwendung von Carnitin zur Verbesserung oder Erzielung von trainingsinduzierter Bradykardie bei einem Säugetier, vorzugsweise einem Pferd oder einem Menschen.

Bei verschiedenen Säugetierarten, insbesondere beim Menschen, führt körperliche Betätigung, die der Erhöhung der Körpertauglichkeit dienen soll, zu einer verbesserten Herzleistung. Längerdauernde körperliche Betätigung führt zu einem Ansteigen der Herzgröße und zur Vergrößerung des Herzschlagvolumens. Aufgrund dieser Anpassungen kontrahiert das trainierte und gestärkte Herz bei derselben Arbeitsbelastung weniger häufig, obwohl es dieselbe Menge Arterienblut, das zu den Geweben transportiert wird, ausstößt wie vor dem Trainingsbeginn. Das Herzminutenvolumen (MV), das das Produkt aus Herzschlagvolumen (SV) und Herzfrequenz (HF) ist, ist üblicherweise bei einer gleich bleibenden Ausmaß an körperlicher Betätigung vor und nach einer Trainingsperiode unverändert. Während den Ruhepausen und bei fehlender körperlicher Beanspruchung ist die HF nach einem Zeitraum körperlicher Betätigung deutlich erniedrigt, während das SV gleichzeitig erhöht ist, wodurch das MV im Wesentlichen gleich bleibt: SV × HF = MV. Die Erniedrigung der HF während einer Ruhepause und während körperlicher Betätigung wird als trainingsinduzierte Bradykardie bezeichnet. Sie wird durch eine Vergrößerung des Herzens beim Training verursacht, wobei diese Vergrößerung auf einem Ansteigen des Volumens der einzelnen Herzmuskelfasern beruht. Gleichzeitig werden das Füllvolumen des Herzens und das Herzschlagvolumen erhöht (Scheuer, J. et al., Cardiovascular adaptations to physical training. Ann. Rev. Physiol. 1977, 39: 221).

Die trainingsinduzierte Bradykardie wird von einer erhöhten Widerstandskraft gegen Ermüdung und besserer Leistungsfähigkeit des Herzens bei maximaler körperlicher Anstrengung im Vergleich zum untrainierten Herzen begleitet. Dieses Phänomen ist seit den frühen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt und wurde seitdem in zahlreichen Studien bestätigt. Das Herz von trainierten Individuen wird auch bei stufenweiser mäßiger körperlicher Anstrengung langsamer schlagen als das Herz eines untrainierten Individuums (Schaible, T. et al., Effects of physical training by running or swimming on ventricular performance of rat hearts, J. Appl. Physiol. 1979, 46: 854; Pechar, G. et al., Specificity of cardiorespiratory adaptation to bicycle and treadmill training, J. Appl. Physiol. 1974, 36: 753). Die herzfrequenzreduzierende Wirkung wurde für Menschen und Tiere nachgewiesen und ist während der ersten zwei bis drei Trainingswochen am stärksten ausgeprägt. Danach wird nur eine mäßige weitere Reduktion erreicht, die nach drei bis vier Monaten kontinuierlichem Training beinahe zum Stillstand kommt. Zu diesem Zeitpunkt kann die trainingsinduzierte Bradykardie als maximal betrachtet werden (Tipton, C., Training and bradycardia in rats. Am. J. Physiol. 1965, 209: 1089; Scheuer J. et al., Cardiovascular adaptations to physical training. Ann. Rev. Physiol. 1977, 39: 221).

Obwohl die trainingsinduzierte Bradykardie beim Menschen am stärksten ausgeprägt ist, ist sie nicht auf den Menschen beschränkt. Das Phänomen ist wiederholt beim Hund und bei der Ratte beschrieben worden (Wyatt, H. et al., Influences of physical training on the heart of dogs. Circ. Res. 1974, 35: 883; Tipton, C., Training and bradycardia in rats, Am. J. Physiol. 1965, 209: 1089, Codini, M. et al., Cardiac responses to moderate training in rats, J. Appl. Physiol. 1977, 42: 262).

Ganz im Gegensatz dazu ist die trainingsinduzierte Bradykardie bis jetzt beim Pferd praktisch unbekannt gewesen. Obwohl sie bei Rennpferden (Traberpferden) höchst erwünscht wäre, wurde danach in zahlreichen Forschungsprojekten vergeblich gesucht (Bayly, W. et al., Am. J. Vet. Res. 1983, 44: 544; Skarda, R. et al., Am. J. Vet. Res. 1976, 37: 1485; Fregin, G. und Thomas D. P., in: Equine Exercise Physiology. Hrsg. Snow, D. H. et al., Burlington Press Ltd./Cambridge 1983, 76; Persson, S. G. B. et al., in: Equine Exercise Physiology. Hrsg. Snow, D. H. et al., Burlington Press Ltd./Cambridge 1983, 458; Rose, R. J. et al., 1983, Vet. Rec. 113: 612; Miller, P. A: und Lawrence L. M., in: J., Equine Exercise Physiology II, Hrsg. Gillespie, J. R. und Robinson, N. E., ICEEP Publications, San Diego, 1987, 476). Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Pferde sich evolutionsmäßig optimal für körperliche Leistungsfähigkeit und Ausdauer beim Laufen entwickelt haben. Im Vergleich zu anderen Tierarten ist vermutlich der Einfluss des parasympathischen Nervs auf das Pferdeherz höher. Dieser stärkere Einfluss des autonomen Nervensystems scheint teilweise für die relativ niedrige Herzfrequenz von Pferden während Ruhepausen und während mäßig intensiver körperlicher Betätigung verantwortlich zu sein. Eine verstärkte Kontrolle des Pferdeherzens durch den parasympathischen Nerv beruht vermutlich auf genetischen Faktoren, die das Organ auf ein relativ hohes Normalmaß an körperlicher Leistung programmieren.

Bei L-Carnitin handelt es sich um ein Aminosäurederivat, das für die Fettsäureoxidation und die wirksame Glucoseoxidation essentiell ist. L-Carnitin ist für den Transport von langkettigen Fettsäuren durch die Mitochondrienmembran und für den anschließenden Fettabbau essentiell. Ein Carnitinmangel wurde bei verschiedenen genetisch bestimmten Stoffwechselanomalien beobachtet, wo er mit dem Entstehen von Kardiomyopathie und von Skelettmuskeldysfunktion assoziiert ist.

Die WO 98/43617 beschreibt einen Nahrungsmittelzusatz, der L-Carnitin, Coenzym Q10 und Taurin enthält und der sich für die Korrektur der Anomalie der Mitochondrienenergetik, wie sie bei Herzinfarkt und gewissen anderen Erkrankungen auftritt, eignet.

Die EP 0 680 945 A2 beschreibt einen Komplex aus Carnitin und Glycin sowie Zusammensetzungen, die diesen Komplex und Magnesiumchlorid und/oder L-Arginin enthalten. Abgesehen von ihrer Auswirkung auf die Förderung der Energieproduktion haben sich diese Zusammensetzungen auch als wirksam für die Vorbeugung und Behandlung von Ascites beim Huhn und bei der Verringerung der Mortalitätsrate von Straußküken erwiesen. Außerdem wurde gefunden, dass diese Zusammensetzungen ihre Immunität gegen Infektionen verbessern, ihre Herzfunktion verbessern und gegen Hypoglykämie vorbeugen.

Die EP 0 972 451 A1 beschreibt einen flüssigen Tierfutterzusatzstoff in Form einer Wasser-in-Öl-Emulsion, die L-Carnitin sowie ein oder mehrere pflanzliche Öle umfasst. Das Flüssigfutter kann Tieren, die einer Langzeitbelastung ausgesetzt sind, wie Tieren, die an einem Rennen teilnehmen, verabreicht werden.

Die DE 200 03 795 UI beschreibt ein festes Formpräparat, das L-Carnitin enthält, zur Verabreichung an Pferde. Das Präparat wird zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Pferds, zum Beispiel bei einem Pferderennen, verwendet, wobei es die Stresstoleranz erhöht und ihre Regenerationsphase verkürzt.

Die DE 297 09 820 U1 beschreibt eine Spezial-Nahrungsmittelsupplementierung, die L-Carnitin, L-Arginin, L-Glycin und Pyridoxin enthält. Die Supplementierung kann zur Vorbeugung gegen Herzkrankheiten, zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zur Unterstützung der Herztätigkeit verwendet werden. Die Supplementierung unterstützt auch die Erniedrigung der Herzfrequenz nach anstrengender körperlicher Leistung.

Ein Ziel der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine trainingsinduzierte Adaptionswirkung des Herzens eines Säugetiers, insbesondere des Pferdeherzens, zu erzielen oder zu fördern, was zu einer gesteigerten Ausdauer und verbesserter Leistungsfähigkeit führt. Dieses Ziel wird durch die nicht-therapeutische Verwendung von Carnitin zur Verbesserung oder Erzielung von trainingsinduzierter Bradykardie bei einem Säugetier oder einem Menschen erreicht. Das Carnitin wird dem Säugetier gleichzeitig mit körperlichem Training gegeben. Es folgen nun bevorzugte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung, die genauer anhand der beigelegten Zeichnungen erläutert werden, in denen die Abbildungen Folgendes bedeuten:

: Auswirkung von körperlicher Betätigung und Carnitinsupplementierung auf den trainingsinduzierten Lactatkonzentrationsanstieg im Blut von Pferden.

: trainingsinduziertes Ansteigen der Herzfrequenz (HF) bei Pferden mit und ohne Carnitinsupplementierung bei Trainingstest.

: Herzfrequenz (HF) von Pferden während körperlicher Betätigung unterschiedlicher Art sowie unterschiedlicher Intensität.

Mit dem carnitinhaltigen Präparat wird die trainingsinduzierte Bradykardie bei einem Säugetier verbessert oder erzielt. Das Säugetier kann ein beliebiges Tier sein, wie zum Beispiel Pferde, Hunde, Katzen, Ratten. Vorzugsweise handelt es sich bei dem Säugetier um ein Pferd, stärker bevorzugt um ein Traberpferd oder ein Rennpferd. Das Carnitin kann in racemischer Form oder vorzugsweise im Wesentlichen in Form von reinem L-Carnitin (Carnitin) oder in Form eines entsprechenden Alkanoylcarnitins wie z. B. Acetylcarnitin oder Propionylcarnitin oder eines geeigneten, vorzugsweise nicht hygroskopischen, Salzes von solchen Verbindungen wie z. B. L-Carnitintartrat, L-Carnitinmagnesiumcitrat, Acetyl-L-Carnitintartrat, Acetyl-L-Carnitinmagnesiumcitrat oder einer beliebigen Mischung der oben genannten Verbindungen vorliegen. Unter Bradykardie versteht man erfindungsgemäß eine beliebige Reduktion der Herzschlagfrequenz, ausgedrückt als Schläge oder Pulse pro Minute, nach einer körperlichen Trainingsdauer im Vergleich zur Pulsfrequenz des untrainierten Individuums vor Beginn des Trainings. Sie bezieht sich auf die Ruhepulsfrequenz, d. h. die Pulsfrequenz des Individuums im Ruhezustand ohne körperliche Beanspruchung, kann jedoch auch dadurch beobachtet werden, dass man die Herzfrequenz bei körperlicher Betätigung mit niedriger und mäßiger Intensität verfolgt. Die trainingsinduzierte Bradykardie kann mit traditionellen Mitteln zur Bestimmung der Herzfrequenz (HF) gemessen werden. Eine erniedrigte Pulsfrequenz führt zu einer erhöhten Ausdauer und verbesserten Maximalleistung bei progressiver Arbeitsbelastung.

Der Begriff "trainingsinduziert" bezieht sich auf einen Zeitraum mit wiederholter körperlicher Betätigung, die das Individuum durchführt, wobei dieser Zeitraum durch wiederholte Verabreichung des carnitinhaltigen Präparats an das Indiviuum während dieses Zeitraums begleitet wird. Vorzugsweise handelt es sich bei dem Training um ein Ausdauertraining, das der Verbesserung der körperlichen Fitness dient, wie jede Art des Laufens von bzw. Rennen über längere Strecken. Es ist gut bekannt, dass nur während dieser Art der Betätigung der Stoffwechsel von der ursprünglichen Glycolyse (die durch den Abbau von Glycogen erzielt wird) auf die Fettsäureoxidation umschaltet. Dieser letztgenannte Vorgang ist es, wo Carnitin eine wichtige Stoffwechselfunktion ausübt und vermutlich zu den Veränderungen in der Struktur und Größe des Herzens führt, die zu Bradykardie führen.

Weiterhin wird bevorzugt, dass die Trainingsdauer insgesamt mindestens eine bis zwei Wochen andauert, stärker bevorzugt mindestens zwei Wochen; darunter versteht man, dass die körperliche Betätigung, wie z. B. ein Ausdauertraining, regelmäßig oder beinahe regelmäßig erfolgt, am stärksten bevorzugt jeden Tag oder alle zwei Tage im Verlauf dieses Zeitraums. Bei Pferden wird die trainingsinduzierte Bradykardie, die durch Verabreichung von Carnitin erzielt wird, quantitativ niedriger als bei anderen Arten sein, da die trainingsinduzierte Bradykardie beim Pferd bis jetzt praktisch unbekannt war. Der Carnitineffekt ist daher beim Pferd insofern bemerkenwerter, als die Herzfunktion eines Tiers, das genetisch auf eine maximale körperliche Leistung optimiert ist, überraschenderweise durch Carnitinsupplementierung noch weiter verstärkt werden kann. Beim Pferd wird die stärkste Auswirkung auf das Herz nach vier Trainingswochen beobachtbar. Vorzugsweise handelt es sich bei den Pferden gemäß der Erfindung, um jüngere, untrainierte Pferde im Alter von bis zu drei Jahren, stärker bevorzugt bis zu zwei Jahren; bei diesen Pferden ist der Bradykardie-Effekt gemäß der vorliegenden Erfindung am stärksten ausgeprägt. Beim Pferd kann die verbesserte körperliche Leistung, die auf der trainingsinduzierten Bradykardie beruht, in Form einer Erhöhung des V200-Werts beobachtet werden (Persson, S. G. B. in: Equine Exercise Physiology, Hrsg. Snow, D. H. et al., Burlington Press Ltd./Cambridge 1983, 441), d. h. der Laufgeschwindigkeit eines Pferds, bei der seine Herzfrequenz auf 200 Schläge pro Minute ansteigt. Eine carnitinbedingte Bradykardie wird zu einer Erhöhung des V200-Werts führen, was eine höhere Renngeschwindigkeit (im Bereich von 600–730 Meter/Minute) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von Pferden, denen nicht Carnitin beigefüttert wird, bedeutet.

Die Carnitinsupplementierung gemäß der vorliegenden Erfindung kann dadurch erfolgen, dass man Carnitin zu den üblicherweise verwendeten Futtermischungen zugibt oder dass man Carnitin zu dem Trinkwasser oder zu pharmazeutisch unbedenklichen Flüssigpräparaten oder Lösungen zugibt. Die pharmazeutisch unbedenklichen Flüssigpräparate können injiziert oder infundiert werden, und zwar entweder intravenös oder subkutan. Die bevorzugte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist die orale Aufnahme des carnitinhaltigen Präparats als Nährstoffergänzung.

Die bevorzugten Dosierungen, die für den Trainingseffekt gemäß der vorliegenden Erfindung erforderlich sind, liegen im Bereich von 0,01 g bis 30 g Carnitin pro Tag, und zwar für alle Tierarten. Insbesondere bei Rennpferden können die Dosierungen jedoch bis zu 150 g Carnitin pro Tag oder noch mehr betragen, ohne dass es zu toxischen Effekten kommt. Vorzugsweise nimmt das Individuum eine Tagesdosis von 0,001 bis 0,2 g Carnitin pro kg Körpergewicht auf.

In anderen Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung kann man auch das Futter mit anderen nutzbringenden Substanzen ergänzen, von denen berichtet wurde, dass sie gemeinsam mit Carnitin die Herzfunktion verbessern, z. B. Coenzym Q oder insbesondere Coenzym Q10.

Eine trainingsinduzierte Bradykardie, genauer ausgedrückt, eine Erhöhung der trainingsinduzierten Bradykardie, wurde auch durch Verabreichung von Carnitin bei Versuchen an Ratten und Schweinen erzielt. Da beide Tiere dem Menschen stärker ähneln, wird eine Nahrungsergänzung durch Aufnahme von Carnitin während Trainingsperioden die trainingsinduzierte Bradykardie beim Menschen verbessern oder erzielen, was zu einer erhöhten Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung und zu einer verbesserten Leistung bei maximaler Intensität körperlicher Betätigung führt.

Ein weiteres Ziel der vorliegenden Erfindung besteht in der Verwendung von Carnitin zur Herstellung eines pharmazeutischen Präparats oder Ernährungspräparats für die Verbesserung der trainingsinduzierten Bradykardie beim Menschen bei körperlichem Training, das gleichzeitig mit der Aufnahme dieses Präparats erfolgt. Die bevorzugte Carnitinmenge für solch ein Präparat liegt im Bereich von 0,01 g bis 8 g Carnitin, vorzugsweise im Bereich von 0,05 g bis 4 g Carnitin. Die oben beschriebenen Aspekte der Erfindung treffen auch hier zu.

Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung von Carnitin zur Stärkung des Pferdeherzens und/oder Verbesserung der Herzleistung. Gemeinsam mit dem oben Gesagten führt die trainingsinduzierte Bradykardie zu einer verbesserten V200-Leistung und wird auf Zellebene durch das Wachstum der Herzmuskelfasern erzielt, wodurch das Volumen dieser Fasern erhöht wird (Scheuer, J. et al., ibd.; Ekblom, B. et al., Effect of training on circulatory response, J. Appl. Physiol. 1968,24:518) und daher die Ventrikelvolumina erhöht werden. Die oben beschriebenen Aspekte der Erfindung treffen auch hier zu.

Beispiel 1 Futtermittel für Pferde

Eine Menge von 20 g Carniking® wird mit 1 bis 5 kg quetschhaferhaltigem Konzentrat ("Reformhafer®" Fa. Höveler. 40764 Langenfeld) vermischt und einem Pferd in zwei oder drei Portionen pro Tag über Zeiträume von vier Wochen angeboten. Carniking® enthält 50% L-Carnitin, das auf ein Silicat absorbiert wurde, welches als inerte Trägermatrix dient. Je nach der Größe des Pferdes und seiner täglichen Arbeitsbelastung können dem Tier 3 bis 7 kg Heu in guter Qualität, 0,1 bis 0,3 kg einer Mineralstoffmischung, die die wesentlichen Makromineralien und Mikronährstoffe, darunter Spurenelemente und Vitamine, enthält, als Ration gegeben werden. Dem Tier kann auch eine Tagesmenge von 0,1 bis 0,3 kg Pflanzenöl, vorzugsweise Leinsamenöl, angeboten werden, und es kann Lecksalz ad libitum aufnehmen. Wasser muss immer zur Verfügung stehen.

Beispiel 2 Nahrungsmittelsupplementierunq für den Menschen

Eine Hartgelatinekapsel wird mit ungefähr 500 mg einer fein gemahlenen Pulvermischung gefüllt. Die Pulvermischung wird in einer traditionellen Knetmaschine hergestellt. Die Zusammensetzung besteht aus folgenden: L-Carnitin 430 mg Natriumstearat 1,5 mg mikrokristalline Cellulose 20 mg Polyvinylpyrrolidon 20 mg

Es werden drei Kapseln pro Tag über eine 2–3 Wochen lange Trainingsperiode aufgenommen, wobei das Training aus dreimal wöchentlich Joggen über 10 km besteht.

Beispiel 3 Auswertung der Wirkung von oraler L-LC (LC)-Supplementierung während des Lauftrainings

LC wurde als L-Carnitin-Handelsware (Carniking® von Lonza Ltd.) bezogen. Nach einem ersten standardisierten Lauftest (SLT) wurde während der gesamten Versuchsperiode (5 Wochen Training, 15 Wochen Erholung) einer Gruppe von vier Traberpferden 10 g LC pro Tag verabreicht, und zwar wurde dieses gemeinsam mit Kraftfutter in zwei Rationen pro Tag wie im Wesentlichen in Beispiel 1 beschrieben verabreicht, während eine Gruppe von vier Traberpferden als Kontrollen ohne Supplementierung dienten. Alle Pferde waren zwei Jahre alt und stammten von demselben Hengst ab. Das Laufband-Trainingsprogramm bestand aus acht aerobischen statischen Laufphasen (15 min Aufwärmen, 60 min Laufen auf einem Intensitätsniveau, das eine Blutlactatkonzentration von 2,0 mmol/l (VLA 2,0) aufrechterhielt) und acht anaeroben Laufphasen (15 min Aufwärmen und anschließend 15 Schritte von stufenweisen Laufintensitäten mit einer Dauer von jeweils einer Minute, beginnend bei VLA 4,0). Während der dynamischen Laufübungen wurde die Laufgeschwindigkeit jede Minute um 0,3 m/s gesteigert, sie reichte von ungefähr 5 m/s bis 14 m/s. Die Pferde führten die aeroben und die anaeroben Laufübungen im Wechsel mit zweitägigen Abständen durch, wobei dazwischen ein Ruhetag lag. Das SLT wurde am Ende der 5-wöchigen Trainingsperiode mit sieben Pferden wiederholt (zweiter Test). zeigt die Auswirkungen des Trainings und der Carnitin-Supplementierung auf den lauftätigkeitsinduzierten Anstieg der Blutlactatkonzentration.

Zu Beginn (1. SLT) sowie am Ende des Trainings (2. SLT) sowie am Beginn und Ende der ersten (Trainingsbeginn) und achten (Trainingsende) statischen und dynamischen Laufübung sowie nach fünf und zehn Wochen Erholung wurden Muskelbiopsien des M. gluteus med. und Venenblutproben entnommen. Außerdem wurden Venenblutproben während der beiden SLTs bei jeder schrittweisen Geschwindigkeitssteigerung entnommen. Die Herzfrequenzen wurden während der Übungen kontinuierlich mit einem Herzfrequenztester der Fa. Polar verfolgt.

Die LC-Supplementierung erhöhte die LC-Konzentration im M. glutaeus med. während 5-wöchiger Supplementierung um ungefähr 50% (von 3,2 bis 4,6 mol/kg TM). Die LC-Konzentration im Muskel blieb während der gesamten Erholungsperiode auf diesem hohen Niveau. Neben anderen Auswirkungen erhöhte die LC-Supplementierung signifikant die Plasmaglucosekonzentrationen während des zweiten SLTs, also am Ende des Trainings (ANOVA, wiederholte Messungen). Die Pferde mit LC-Supplementierung wiesen im Vergleich mit den Werten aus dem ersten SLT niedrigere Plasmaglucosekonzentrationen während der Laufübungen auf. Bei der Pferdegruppe ohne Supplementierung wurden keine solchen Veränderungen beobachtet. Die durch die Laufübungen induzierte Erhöhung des Blutlactatspiegels war bei den Pferden mit LC-Supplementierung ebenfalls niedriger, .

Am wesentlichsten ist, dass die Pferdegruppe mit L-Carnitin-Supplementierung am Ende der Übungstrainingsperiode im Vergleich zum Beginn der Trainingsperiode eine signifikante (p < 0,001) Reduktion der Herzfrequenz bei ansteigenden Arbeitsbelastungen (Laufbandgeschwindigkeit von 5 auf 9 m/s erhöht) aufwies (

). Bei der Kontrollpferdegruppe wurde keine solche Verringerung beobachtet. Die Herzfrequenz nach dem Training hatte bei den Pferden mit Carnitin-Supplementierung bei äquivalenter Arbeitsbelastung wie zu Beginn des Trainings sogar um 7 Schläge/Minute abgenommen (
). Bei der Kontrollpferdegruppe bleib die lauftrainingsbedingte Herzfrequenz vor und nach dem Training im Wesentlichen unverändert. Bei
wäre anzumerken, dass die Herzfrequenz erniedrigende Wirkung bei dynamischen Laufübungen unter verschiedensten Submaximalbedingungen zu beobachten war. Der Effekt wird bei Rennpferden den höchsten Nutzen bringen.

Bei Pferden ist die Herzfrequenz bei einer gegebenen Lauftätigkeit ein nützlicher Indikator für die Auswertung des Ausmaßes der physikalischen Belastung, der das Tier ausgesetzt ist. Dies geht aus

hervor. Die Herzfrequenz von Pferden mit unterschiedlichen Arten von Lauftätigkeit (SLT oder anaerobes Training) liegen bei einem gegebenen Intensitätsniveau alle innerhalb desselben Bereichs.

Die zeigt die Auswirkung von Training und Carnitin-Supplementierung auf die lauftätigkeitsinduzierte Erhöhung der Lactatkonzentration im Blut von Pferden. Blutproben vom Trainingsbeginn (grün), Blutproben vom Trainingsende (rot). Vier Pferde erhielten eine Supplementierung von 10 g L-Carnitin über einen Zeitraum von fünf Wochen (links). Drei Kontrollpferde erhielten kein L-Carnitin (rechts).

Die

zeigt die lauftätigkeitsinduzierte Erhöhung der HF während des ersten und zweiten SLTs von vier Pferden mit L-Carnitin-Supplementierung (links, 1) sowie von drei Kontrollpferden (rechts, 2) als Mittelwert ± SD. Schraffierte Balken: nach dem Training. Nicht schraffierte Balken: vor dem Training. Die Mittelwerte der Herzfrequenzen wurden aus zwölf Einzelmessungen für jede Laufbandgeschwindigkeit berechnet. y-Achse: (oben) HF (min–1) und (unten) &Dgr;HR (min–1), x-Achse: Laufbandgeschwindigkeit (m/s). In der unteren Hälfte des Diagramms ist der Unterschied zwischen den Herzfrequenzen (&Dgr;HF-Mittel ± SD) zwischen dem ersten und dem zweiten SLT in Form von Balken angegeben. Signifikante Unterschiede (p-Werte) von äquivalenten Arbeitsbelastungen zwischen der Supplementierungsgruppe und der Kontrollgruppe sind im unteren Abschnitt des Diagramms dargestellt.

Die

zeigt die HF von Pferden während unterschiedlicher Arten (SLT oder anaerobes Training) und unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade (Laufbandgeschwindigkeit) von körperlicher Tätigkeit. Vier Tiere (links) erhielten fünf Wochen lang 10 g L-Carnitin pro Tag als Supplementierung, während drei Kontrollpferde (rechts) kein L-Carnitin erhielten. Die Herzfrequenzen wurden gegen den Intensitätsgrad der Lauftätigkeit (Laufbandgeschwindigkeit) zu Beginn der Trainingsperiode (obere Hälfte) sowie am Ende der Trainingsperiode (untere Hälfte) aufgetragen. Es sind die arithmetischen Mittelwerte mit den Standardabweichungen (SD) und dem 95%-Confidenceintervall des Mittelwerts angegeben. Die Herzfrequenzen, die bei den Pferden bei einem bestimmten Intensitätsgrad der Lauftätigkeit auftreten, sind ein reproduzierbarer Indikator für die körperliche Belastung, der das Tier ausgesetzt ist.

Die Tabelle 1 zeigt die Herzfrequenzen vor und nach dem Training (HF-Schläge/Minute) – oben: bei aerober mittelschwerer Lauftätigkeit sowie – unten: zu Beginn sowie zu Ende von schrittweise gesteigerten anaeroben Lauftätigkeitsübungen bei Pferden mit L-Carnitin-Supplementierung (N = 4) sowie bei Kontrolltieren (N = 3). Die Lauftätigkeit mit aerober Intensität beinhaltete eine Aufwärmperiode von 15 Minuten und anschließend 60 Minuten Traben auf einem Laufband bei einer konstanten Blutlactatkonzentration von 2,0 mmol/l (VLA 2,0). Die hochintensive anaerobe Lauftätigkeit beinhaltete eine Aufwärmperiode von 15 Minuten und anschließend 15 Minuten stufenweise Lauftätigkeitsintensitäten (schrittweise angehoben um 15 Schritte Trab oder Galopp, jeweils mit einer Dauer von einer Minute). Diese Periode begann mit einer Lauftätigkeitsintensität, die 4,0 mmol/l Blutlactat (VLA 4,0) betrug. Die Geschwindigkeit des Laufbands wurde jede Minute (15-mal) schrittweise um 0,3 m/s angehoben.

Die Trainingsperiode betrug fünf Wochen. Die Werte sind als Mittelwerte mit der Standardabweichung angegeben; sie wurden aus zwölf aufeinander folgenden HF-Messungen berechnet. Der VLA-2,0-Wert und der VLA-4,0-Wert sind Einzelmessungen.


Anspruch[de]
Nicht-therapeutische Verwendung von Carnitin zur Verbesserung oder Erzielung von trainingsinduzierter Bradykardie bei einem Säugetier oder einem Menschen. Verwendung von Carnitin nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass seine Verabreichung an das Säugetier gleichzeitig mit einem körperlichen Training erfolgt. Verwendung von Carnitin nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es oral aufgenommen wird. Verwendung von Carnitin nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Säugetier eine tägliche Dosis von 0.001–0.2 g Carnitin pro kg Körpergewicht aufnimmt. Verwendung von Carnitin nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Carnitin um L-Carnitin, ein Alkanoyl-L-Carnitin oder ein Salz davon oder ein Gemisch dieser Verbindungen handelt. Verwendung von Carnitin nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Training ein Ausdauertraining oder insbesondere ein Dauerlauf- oder Lauftraining ist. Verwendung von Carnitin nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Dauer des Trainings über mindestens zwei Wochen erstreckt, umfassend eine körperliche Betätigung alle ein bis zwei Tage und die Verabreichung einer täglichen Carnitin-Dosis während der gesamten Trainingsdauer. Verwendung von Carnitin nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Säugetier ein Pferd oder ein Traberpferd ist. Verwendung von Carnitin nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Pferd zur gleichen Zeit an einem Trab- oder Renntraining teilnimmt.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com