Hintergrund der Erfindung
Technisches Gebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft die Herstellung von auf Kohlenstoff basierenden
Materialien und insbesondere ein Verfahren und ein System für die Endformherstellung
unter Verwendung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen.
Hintergrund der Erfindung
Zusätzlich zu den allgemeineren Allotropen des Kohlenstoffs,
nämlich Diamant und Graphit, besteht eine dritte Form, genannt Fullerene, die
ein Netz von Strukturen bildet. Das bekannteste, entdeckt 1985, wird Buckyball genannt
oder, um dessen technischen Namen zu nennen, Buckminsterfulleren. Eine Buckyball
Struktur ist ein reines Kohlenstoffmolekül, das genau sechzig Kohlenstoffatome
umfasst. Im Allgemeinen ist jedes Kohlenstoffatom an drei andere Kohlenstoffatome
in der Form einer kugelförmigen Struktur gebunden. Neueste Forschung hat einen
anderen Typ Fulleren identifiziert, das als hohle röhrenförmige Struktur
erscheint und als Nanoröhrchen bekannt ist. Das Kohlenstoff-Nanoröhrchen
erscheint als längliche Faser und dennoch ist es hohl und übernimmt die
Perfektion der Atomanordnung, die durch dessen Vorgänger, den Buckyball, berühmt
wurde. Kohlenstoff-Nanoröhrchen bestehen aus zweidimensionalen hexagonalen
Schichten, die zusammengefaltet und an beiden Enden durch eine Fullerenkappe verschlossen
sind. Ihre Länge kann millionenfach größer als ihr kleiner Durchmesser
sein. So sind Kohlenstoff-Nanoröhrchen gewissermaßen Buckyball Strukturen,
jedoch, anstatt kugelförmig, eher zu langen Fasern ausgedehnt.
Die Entwicklung des Kohlenstoffmolekül-Wachstums begann mit der
Herstellung von Kohlenstofffasern und, während diese herkömmlichen Kohlenstofffasern
leicht sehr lang hergestellt wurden, sind die Graphitschichten innerhalb der Kohlenstofffasern
entweder keine geschlossenen Röhrchen oder dehnen sich nicht ununterbrochen
entlang der Länge der Faser aus. Daraus resultiert scharf verringerte Zugfestigkeit,
elektrische Leitfähigkeit und chemische Widerstandsfähigkeit verglichen
mit einem Kohlenstoff-Nanoröhrchen. So fuhr die Entwicklung von Fullerenen,
wie Kohlenstoff-Nanoröhrchen, in der Bemühung fort, Materialien mit verbesserten
physikalischen Eigenschaften zu entwickeln.
Kohlenstoff-Nanoröhrchen weisen mechanische, elektronische und
magnetische Eigenschaften auf, welche durch Variation des Durchmessers, Anzahl der
konzentrischen Schalen und Orientierung der Fasern abstimmbar sind. Geeignete auf
Kohlenstoff basierende Materialien erfordern die Beseitigung von Defekten und anderen
Reaktionsprodukten, die Maximierung der Ausbeute der Nanoröhrchen und die synthetische
Kontrolle der Röhrchenlänge und der Orientierung. Zurzeit existieren drei
primäre Verfahren für die Herstellung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen.
Diese Verfahren schließen beispielsweise Lichtbogenentladung, Widerstandsbeheizung
und Laserabtragung ein.
Der Prozess der Lichtbogenentladung funktioniert durch die Verwendung
von zwei Kohlenstoff- (Graphit) Elektroden in einem Prozess vom Typ des Lichtbogenschweißens.
Zum Produzieren oder Züchten von Kohlenstoff-Nanoröhrchen wird der Schweißer
angestellt und die Enden der Stabelektroden in einer Argon-Atmosphäre werden
aneinander gehalten. Die Ausbeuterate von Kohlenstoff-Nanoröhrchen aus diesem
Prozess ist extrem gering und die Wachstumsausrichtung der Kohlenstoff-Nanoröhrchen
ist zufälliger Natur, so dass nur undefinierte Konfigurationen des Wachstumsmaterials
geliefert werden.
Bei Verfahren vom Typ der Widerstandsbeheizung werden die Fullerene
gebildet, wenn ein Kohlenstoffstab oder ein Kohlenstoff enthaltendes Gas durch Widerstandsbeheizung
unter einer kontrollierten Atmosphäre dissoziiert. Eine Widerstandsbeheizung
des Stabs verursacht die Emission einer matten grauweißen Abgasfahne mit rußartigem
Material, das Fullerene enthält. Die Fullerene sammeln sich auf Glasschalen,
welche den Kohlenstoffstab umgeben und müssen in einem anschließenden
Prozess von unerwünschten Komponenten separiert werden. Wiederum ist die Ausbeuterate
der Kohlenstoff-Nanoröhrchen extrem gering und deren Orientierung ist zufällig,
wodurch nur undefinierte Konfigurationen an gewachsenem Material erhalten werden.
Das Batchverfahren zur Laserabtragung funktioniert durch die Abtragung
eines Graphittargets, enthaltend eine kleine Metallpartikelkonzentration, mit einem
gepulsten Laser, während ein temperaturkontrollierter Raum für die Kohlenstoffatome
und den Kohlenstoffdampf zur Verfügung gestellt wird, um deren Verbindung und
Wachstum zu einer Fullerenstruktur, wie die eines Nanoröhrchens, zu ermöglichen.
Die Fullerenstruktur fällt als eine Art Kohlenstoffruß aus. Die gewünschte
Fullerenstruktur wird anschließend durch ein Säurerückfluss-Reinigungssystem
vom Ruß extrahiert. Obgleich das Verfahren der Laserabtragung eine erhöhte
Ertragsrate erfahren hat, ist dieses Batchverfahren im Vergleich zu den oben erwähnten
Prozessen unwirtschaftlich für eine industrielle Anwendung, weil zurzeit kein
Verfahren für die Kontrolle der Orientierung und der Formung der Kohlenstoff-Nanoröhrchen
existiert. Keine der oben genannten Batchverfahren werden für die Herstellung
von Kohlenstoff-Nanoröhrchen oder Kohlenstoff-Nanoröhrchen
des kristallinen Typs mit einer definierten Orientierung in einer Endformherstellung
in großem Maßstab verwendet.
Die oben genannten und andere Nachteile des Stands der Technik werden
durch die vorliegende Erfindung überwunden, beispielsweise durch die Bereitstellung
eines Verfahrens und eines Systems für die Endformherstellung unter Verwendung
von Kohlenstoff-Nanoröhrchen.
Zusammenfassung der Erfindung
Die vorliegende Erfindung erzielt ihre technischen Vorteile als ein
Verfahren und ein System zur Endformherstellung unter Verwendung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen.
Eine automatische Kontrolleinheit wird für die Platzierung von Reaktionseinheiten
in die geeignete Position verwendet, um ein Bauteil aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen
in einer vorbestimmten Form zu produzieren. Die Reaktionseinheiten beinhalten eine
Kohlenstoff-Abtragungseinheit, eine Kohlenstoff- und Katalysator- zufuhr-/einspritzeinheit
und eine Gasdruck/Temperatur kontrollierende Isolierungseinheit. Die Kohlenstoff-/Katalysator-
zufuhr-/einspritzeinheit betreibt vorteilhafterweise die Einspritzung von auf Kohlenstoff
basierendem Material (z.B. Graphitpulver, festes Graphit oder auf Kohlenstoff basierendes
Gas) in eine Reaktionszone zu einer vorbestimmten Rate, in der die Kohlenstoffverdampfungseinheit
Energie liefert, die geeignet ist, Kohlenstoffatome von dem injizierten auf Kohlenstoff
basierendem Material zu dissoziieren, um eine vorbestimmte Konzentration von Kohlenstoffdampf
innerhalb der Reaktionszone zu produzieren. Die Gasdruck und Temperatur kontrollierende
Isolierungseinheit betreibt die Kontrolle von Druck und Temperatur in der Reaktionszone,
um das Wachstum von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu unterstützen.
Zu den neuen Vorteilen der vorliegenden Erfindung gehören: Erstens,
bevorzugt ausgerichtete Kohlenstoff-Nanoröhrchen können wirtschaftlicher
zur Anfertigung von Bauteilen eingesetzt werden; Und, da bevorzugt ausgerichtete
Kohlenstoff-Nanoröhrchen sowohl höhere Beanspruchbarkeit als auch höhere
elektrische Leitfähigkeit besitzen, können stärker beanspruchte Materialien
zur Herstellung von Bauteilen eingesetzt werden, welche sowohl strukturelle Vorteile
als auch elektronische Verwendung besitzen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Für ein besseres Verständnis der vorliegenden Erfindung
wird Bezug genommen auf die folgende detaillierte Beschreibung im Zusammenhang mit
den beigefügten Zeichnungen, wobei:
1 ein Flussdiagramm von einem Verfahren für Endformherstellung
unter Verwendung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen gemäß der vorliegenden
Erfindung illustriert;
2 eine Ausführungsform von einer Systemarchitektur
illustriert, welche die vorliegende Erfindung ausdrückt; und
3 eine exemplarische Illustration eines Synthesekopfs
darstellt, welcher für die Ausführung der vorliegenden Erfindung verwendet
werden kann.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
Die zahlreichen innovativen Lehren der vorliegenden Anmeldung werden
mit besonderem Bezug zu den zurzeit bevorzugten exemplarischen Ausführungsformen
beschrieben. Jedoch sollte man verstehen, dass diese Klasse von Ausführungen
hierin nur einige Beispiele der vielen vorteilhaften Gebräuche von erfinderischen
Lehren liefert. Im Allgemeinen grenzen die Aussagen, die in der Beschreibung des
vorliegenden Antrags abgegeben werden, nicht notwendigerweise irgendwelche der verschiedenen
beanspruchten Erfindungen ein. Außerdem können einige Aussagen auf einige
erfinderische Eigenschaften aber nicht auf andere zutreffen.
Unter Bezugnahme auf die Zeichnungen, und insbesondere auf
1, wird ein Herstellungsverfahren unter Verwendung
von Kohlenstoff-Nanoröhrchen gemäß der vorliegenden Erfindung illustriert.
Der Prozess fängt mit einem Einspritzschritt 122 an. Im Einspritzschritt
122 wird auf Kohlenstoff basierendes Material für weitere durchzuführende
Operationen in eine Reaktionszone eingespritzt. Die Reaktionszone ist die Zone,
in der Kohlenstoff-Nanoröhrchen nukleieren oder wachsen. Das auf Kohlenstoff
basierende Material ist der Zufuhrvorrat für Kohlenstoffatome, die für
die Nukleierung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen notwendig sind. In einer bevorzugten
Ausführungsform ist das auf Kohlenstoff basierende Material ein reines Kohlenstoffmolekül.
Jedoch kann der Zufuhrvorrat eine Kombination aus Kohlenstoff und anderen Materialtypen
sein. Das auf Kohlenstoff basierende Material kann beispielsweise in Pulverform,
fester Form oder gasförmig vorliegen (wie Graphitpulver, feste Kohlenstoffstangen
oder Kohlenstoffgas).
Als nächstes werden in einem Dissoziierungsschritt
124 Kohlenstoffatome von dem auf Kohlenstoff basierenden Zufuhrvorrat,
der in die Reaktionszone eingespritzt wird, dissoziiert oder verdampft. Dissoziierung
wird durch Erhitzung des auf Kohlenstoff basierenden Zufuhrvorrats auf eine Temperatur
erreicht, die ausreichend ist, Kohlenstoffdampf zu bilden. Die Temperatur wird abhängig
sein von der Art des benutzten auf Kohlenstoff basierenden Zufuhrvorrats, jedoch
können die Temperaturen von 800°C bis 3000°C reichen.
Diese Temperaturen können durch den Gebrauch von beispielsweise Lichtbogen-Entladungselektroden,
Widerstandsbeheizungselementen, Lasern, Elektronen-strahlen oder anderen Arten von
Heizprozessen erreicht werden.
In einem Isolierungsschritt 126 wird die Reaktionszone unter
einem Profil mit kontrolliertem Druck und kontrollierter Temperatur aufrechterhalten.
Der kontrollierte Druck wird verwendet, um die Position der dissoziierten Kohlenstoffatome
in einem optimalen Abstand zu den nukleierenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu
halten. Der absolute Druck der Atmosphäre, die für die Bildung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen
gewählt wird, kann ein Minimum von 0,001 Torr sein und kann bis zu einem Maximum
von 20.000 Torr reichen. Geringerer Druck produziert Kohlenstoffdampf mit einer
geringeren Kohlenstoffkonzentration, was die Herstellung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen
mit vorbestimmter Orientierung erlaubt. Kohlenstoff-Nanoröhrchen mit einem
kleineren Durchmesser können bei höheren Drücken erhalten werden.
Auch, obgleich der dissoziierte Kohlenstoffdampf anfangs sehr hohe Temperaturen
haben wird, muss der Kohlenstoffdampf mit einer kontrollierten Rate abgekühlt
werden, um einen Energiezustand zu erreichen, der dem Dampf erlaubt, eine vorbestimmte
feste Nanoröhrchenstruktur zu bilden. Im Isolierungsschritt 126 kann
die druckkontrollierte Zone temperaturkontrolliert sein, um ein stufenweises Abkühlen
von der anfänglichen Temperatur zu erlauben, das für die Dissoziierung
der Kohlenstoffatome benötigt wird.
Schließlich werden in einem Kontrollschritt 128 die
oben genannten Reaktionskomponenten (z. B. Einspritzungsschritt 122, Dissoziierungsschritt
124 und Isolierungsschritt 126) präzise und akkurat an eine
Position platziert, die durch die Konfiguration eines herzustellenden Bauteils vorbestimmt
wird. Ein Bauteil wird durch das Stapeln multipler Querschnittsschichten aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen
hergestellt bis das Bauteil in einer vorbestimmten physischen Form vollendet ist.
So basiert dieser Typ von Kontrollsystem auf der Herstellung additiver Materialschichten.
Der Prozess kann computergestützt sein, indem zunächst die vorbestimmte
Form in sehr dünne Querschnittschichten zerlegt wird und anschließend
die Reaktionskomponenten in den korrekten Positionen platziert werden, um jede Querschnittschicht
aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen herzustellen. Nachfolgende Querschnittschichten
werden auf die vorhergehenden Querschnittschichten gestapelt. Das Wachstum der vorher
deponierten Kohlenstoff-Nanoröhrchen kann mit jeder nachfolgenden Querschnittschicht
fortgesetzt werden.
In einer anderen Ausführungsform kann ein Katalysator oder eine
Metallverbindung oder ein Metallmaterial mit dem auf Kohlenstoff basierenden Zufuhrvorrat
kombiniert werden, um die Nukleierung der Kohlenstoff-Nanoröhrchen mit vorbestimmten
physischen Eigenschaften zu kontrollieren. Der auf Kohlenstoff basierende Zufuhrvorrat
und das Metallmaterial werden vor dem Dissoziierungsschritt 124 kombiniert,
sofern sie benutzt werden. Die Kombination kann beispielsweise durch das Mischen
von Graphit mit dem Metallmaterial und dem anschließenden Verarbeiten der relativ
homogenen Mischung zu einer Stange gemäß den in der Technik bekannten
Verfahren vorgenommen werden. Die die Kombination von Kohlenstoff und Metallmaterial
enthaltende Stange wird dann im hier beschriebenen Dissoziierungsschritt
124 verwendet. Jedoch können ein auf Kohlenstoff basierender Zufuhrvorrat
und ein auf Metall basierender Zufuhrvorrat in getrennten Schritten dissoziiert
und anschließend in der Reaktionszone platziert werden. Zusätzlich können
die Art und die Konzentration des Metallmaterials während des Herstellungsprozesses
des Bauteils variiert werden, um weitere Varianz der physikalischen Eigenschaften
der Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu erlauben.
Beispielsweise funktioniert der Prozess durch Einspritzung von Methangas
in die Reaktionszone und der Dissoziierung des Methangases in ionisierte Wasserstoff-
und Kohlenstoffatome. Wenn dies in Anwesenheit eines metallischen Partikels durchgeführt
wird, bedecken die ionisierten Kohlenstoffatome die Oberfläche des metallischen
Partikels. Wenn die Kohlenstoffatome auf dem metallischen Partikel miteinander in
Kontakt kommen, formen sie kovalente Bindungen in der energetisch stabilsten Formation.
Durch Auswahl eines metallischen Partikels von vorbestimmter Form und Größe
entstehen Kohlenstoff-Nanoröhrchen mit definiertem Durchmesser und definierten
physikalischen Eigenschaften. Während ein Kohlenstoff-Nanoröhrchen entsteht
und sich vom metallischen Partikel trennt, wird der Kohlenstoff auf der Oberfläche
des metallischen Partikels durch weiteren ionisierten Kohlenstoff ausgetauscht.
So kann die Reaktion solange unendlich fortfahren bis eine der folgenden Möglichkeiten
eintritt: 1) der Kohlenstoffzufuhrvorrat wird der Reaktionszone vorenthalten; 2)
Die Bedingungen für die Reaktionsisolierung werden verändert, so dass
die Bildung der Kohlenstoff-Nanoröhrchen nicht mehr bevorzugt wird; oder 3)
die Konzentration der Metallpartikel wird erhöht, was den Metallpartikeln erlaubt,
miteinander in Kontakt zu kommen und zu einer Größe oder Form heranzuwachsen,
die kein weiteres Wachstum der Kohlenstoff-Nanoröhrchen erlauben. Auch kann
in situ Diagnostik verwendet werden, um den Wachstumsprozess der Kohlenstoff-Nanoröhrchen
auszuwerten. So kann die Nukleierung der Kohlenstoff-Nanoröhrchen variiert
werden, um ein Maßschneidern der physikalischen Eigenschaften in Echtzeit zu
erlauben. In situ Diagnostik ist der Prozess, chemische Reaktionen während
ihres Ablaufs auszuwerten, um die exakten Konditionen in Bezug auf deren Energie, chemischen
Reaktionspartnern, Wachstumsorientierung, usw. zu bestimmen.
2 illustriert ein System 200 für die
Endformherstellung unter Verwendung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen gemäß
der vorliegenden Erfindung. Das System 200 umfasst eine automatische Kontrolleinheit
210 und Reaktionseinheiten, welche eine Kohlenstoff- zufuhr-/einspritzeinheit
230, eine Kohlenstoffdissoziierungseinheit 220 und eine Isolationseinheit
240 für die Kontrolle von Gasdruck und Temperatur beinhaltet.
Die Kohlenstoff- zufuhr-/einspritzeinheit 230 wird für
die Einspritzung eines auf Kohlenstoff basierenden Materials in eine vorbestimmte
Zone für die anschließende weitere Ausführung von Operationen verwendet.
Das auf Kohlenstoff basierende Material ist der Zufuhrvorrat für Kohlenstoffatome
zur Nukleierung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Die Injektionsrate wird über
und durch die Kommunikation mit der automatischen Kontrolleinheit 210 kontrolliert.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist das auf Kohlenstoff basierende Material
ein reines Kohlenstoffmolekül. Jedoch kann der Zufuhrvorrat eine Kombination
aus Kohlenstoff und anderen Arten von Materialien sein. Das auf Kohlenstoff basierende
Material kann sich zum Beispiel in Pulverform, fester Form oder Gasform befinden
(z. B. Graphitpulver, feste Kohlenstoffstange oder Kohlenstoffgas). Die Kohlenstoff-
zufuhr-/einspritzeinheit 230 kann mit einer Art Aufgabebehälter ausgestattet
sein, was die kontinuierliche Einspritzung von Zufuhrvorrat erlaubt, ohne dass eine
Verlangsamung oder Pause des Herstellungssystems für das Wiederaufladen des
Zufuhrvorrats erforderlich ist.
Die Kohlenstoffdissoziierungseinheit 220 dissoziiert Kohlenstoffatome
vom Zufuhrvorrat, welcher in die vorbestimmte Zone eingespritzt wird. Dissoziierung
wird erreicht, indem der auf Kohlenstoff basierende Zufuhrvorrat auf eine Temperatur
erhitzt wird, die ausreichend ist, um einen Kohlenstoffdampf zu erzeugen. Die Kohlenstoffdissoziierungseinheit
220 ist fähig, genügend Energie für die Verdampfung des
Zufuhrvorrats in Kohlenstoffmoleküle zu liefern. Die Kohlenstoffdissoziierungseinheit
220 kann beispielsweise Lichtbogenentladungselektroden, Widerstandsbeheizungen,
Laser, Elektronenstrahlen oder andere Aufheizprozesse umfassen. Das ausgestoßene
Energieniveau der Kohlenstoffdissoziierungseinheit 220 wird über und
durch die Kommunikation mit der automatischen Kontrolleinheit 210 kontrolliert
und variiert.
Die Isolationseinheit 240 für die Kontrolle von Gasdruck
und Temperatur ist fähig, den Druck und die Temperatur einer vorbestimmten
Zone zu variieren. Das Variieren des Drucks wird durch die Evakuierung oder das
Pumpen eines Gases, vorzugsweise eines Inertgases, in die vorbestimmte Zone bewirkt.
Inertgase schließen zum Beispiel Helium, Argon und Xenon ein. Andere Gase,
welche in Gegenwart des Kohlenstoffdampfes nicht reaktiv sind, können verwendet
werden. Der Druck kann von etwa 0,001 Torr bis 20.000 Torr variiert werden. Druck
und Temperatur der Kontrolleinheit 240 für die Kontrolle von Gasdruck
und Temperatur werden durch Kommunikation mit der automatischen Kontrolleinheit
210 kontrolliert.
Obwohl der dissoziierte Kohlenstoffdampf zunächst bei sehr hohen
Temperaturen verbleibt, muss der Kohlenstoffdampf zu einer kontrollierten Rate abgekühlt
werden, um einen Energiezustand zu erreichen, der dem Dampf erlaubt, eine vorbestimmte
feste Nanoröhrchenstruktur zu bilden. Die Kontrolleinheit 240 zur
Kontrolle des Gasdrucks und der Temperatur umfasst ein Heizgerät (nicht gezeigt),
um die druckkontrollierte Zone auf Temperaturen aufzuheizen, die ein graduelles
Abkühlen von der Anfangstemperatur, die für die Dissoziierung von Kohlenstoffatomen
nötig ist, erlauben.
Schließlich platziert die automatische Kontrolleinheit
210 die oben genannten Reaktionseinheiten 220, 230,
240 präzise und akkurat in eine vorbestimmte Zone, um Kohlenstoff-Nanoröhrchen
in die Konfiguration eines Bauteils hinein zu nukleieren. Das Bauteil wird durch
das Stapeln multipler Querschnittschichten aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen hergestellt
bis das Bauteil in einer vorbestimmten physischen Form fertig gestellt ist. Die
automatische Kontrolleinheit 210 kann computergestützt sein, um die
Zerlegung der Konfiguration des Bauteils in sehr dünne Querschnittschichten
zu erlauben. Anschließend platziert die automatische Kontrolleinheit
210 die Reaktionseinheiten 220, 230, 240 in
einem Muster von Reaktionszonen, das durch die zerlegten Querschnittschichten bestimmt
wird. Kohlenstoff-Nanoröhrchen nukleieren in den multiplen Reaktionszonen,
um die Form eines jeden Musters von Querschnittschichten auszubilden. Jede der folgenden
Querschnitte wird auf die vorhergehende Querschnittsschicht gestapelt. So wird das
Bauteil durch multipel gestapelte Querschnittschichten aus nukleierenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen
hergestellt. Das Wachstum der zuvor deponierten Kohlenstoff-Nanoröhrchen kann
mittels Stapelung jeder darauffolgenden Querschnittschicht fortgesetzt werden, und
zusätzliche Schichten neu nukleiierter Kohlenstoff-Nanoröhrchen können
ebenso hinzugefügt werden.
Im Rahmen einer weiteren Ausführungsform kann das Endformherstellungssystem
200 ein Substrat (nicht gezeigt) zur Unterstützung nukleierender Kohlenstoff-Nanoröhrchen
umfassen. Schichten von Opfersubstraten können ebenso gleichzeitig aufgebaut
werden, um komplexere Bauteil-Konfigurationen zu unterstützen. Das Substrat
kann zur Unterstützung des Wachstums der Nanoröhrchen in Keimpartikel
eingebettet sein. Die Keimpartikel, so wie Kohlenstoff-Nanoröhrchen oder ausgewählte
Metallpartikel, sind in einem Muster angeordnet, das mit der vorbestimmten Konfiguration
des herzustellenden Bauteils in Einklang steht.
Die Beanspruchbarkeit des Bauteils kann durch Definition der Orientierung
der nukleierenden Nanoröhrchen verbessert werden. Wenn große Bündel
von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zusammenwachsen, bilden sie schließlich einen
makroskopischen Kristall. Jedoch wird nicht erwartet, dass dieser Kristalltyp im
Vergleich zu einzelnen Kohlenstoff-Nanoröhrchen gute mechanische Bulkfestigkeit
hat. Die Bindungen, die die individuellen Kohlenstoff-Nanoröhrchen in dem Bündel
zusammen halten, sind schwache Van der Waals Bindungen. Im Wesentlichen bilden diese
Lateralbindungen Gleitebenen, an welchen ein Versagen des Bulkmaterials auftreten
könnte. Die automatische Kontrolleinheit 210 ist fähig, die Reaktionseinheiten
220, 230, 240 so zu platzieren und zu kontrollieren,
dass helixartiges Wachstum von kurzen Kohlenstoff-Nanoröhrchen derart nukleiert
wird, dass jede darauffolgende Schicht der Helix die Gleitebenen der vorangehenden
Schicht blockiert. Zusätzlich zu der Technik des helixartigen Wachstums kann
der Wachstumsrichtungsvektor des Kristalls geändert werden (entweder in zufälliger
oder kontrollierter Weise), so dass die Fortpflanzung einer Verschiebung zwischen
individuellen Kohlenstoff-Nanoröhrchen innerhalb des Kristalls nicht erlaubt
wird. Entweder in der zufälligen oder der kontrollierten Weise werden die Wachstumseigenschaften
aufrechterhalten, um uniforme mechanische und elektrische Eigenschaften zu sichern.
So können die im Zusammenhang mit Gleitebenen auftretenden Probleme durch die
Benutzung des oben beschriebenen Systems zur Endformherstellung, um das Wachstum
des Kohlenstoff-Nanoröhrchens in einem Bauteil zu kontrollieren, reduziert
oder eliminiert werden. Zusätzlich kann die automatische Kontrolleinheit
210 zum Kontrollieren und Variieren der physikalischen Eigenschaften der
Kohlenstoff-Nanoröhrchen in situ Diagnosen verwenden, um das Wachstum der Kohlenstoff-Nanoröhrchen
in Echtzeit auszuwerten und während der Verarbeitung anzupassen,
3 illustriert ein Synthesekopf 300, welcher
bei der Endformherstellung unter Verwendung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen gemäß
der vorliegenden Erfindung verwendet werden kann. Ein Kontrollarm 310 ist
an die Reaktionseinheiten 220, 230, 240 gekoppelt. Der
Kontrollarm 310 kann beispielsweise ein um 5 oder 6 Achsen rotierender
Armtyp sein. Die Bewegung des Kontrollarms 310 wird mittels einer verkabelten
oder kabellosen Verbindung durch die automatische Kontrolleinheit 210 (2)
kontrolliert. Die automatische Kontrolleinheit 210 instruiert den Kontrollarm,
die Reaktionseinheiten 220, 230, 240 so zu platzieren,
dass die Nukleierung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen in der Reaktionszone
320 bewirkt wird. So kann die Reaktionszone 320 kontinuierlich
nach dem Muster bewegt werden, das durch die zerlegten Querschnittschichten bedingt
wird.
Bevorzugt gewachsene Kohlenstoff-Nanoröhrchen tragen zu enormen
Fähigkeiten und Funktionalitäten der Materialien und Systeme bei. Beispielsweise
zeigen Kohlenstoff-Nanoröhrchen zur Verwendung als Strukturmaterial ein Verhältnis
von Stärke zu Gewicht von bis zu 126:1 im Vergleich zu Titan und 142:1 im Vergleich
zu Aluminium. Wirtschaftliche Analysen zeigen, dass diese Gewichtseinsparungen in
Abhängigkeit von der Produktionsrate zu einer großen Reduzierung der Herstellungskosten
führen. Zusammen mit der Verwendung als Strukturmaterial haben Kohlenstoff-Nanoröhrchen
viele andere Attribute, die die Fähigkeiten von Materialien und Systemen erhöhen.
Zusätzlich können die Kohlenstoffbindungen der Kohlenstoff-Nanoröhrchen
in vielfältiger Weise angeordnet werden, die den Kohlenstoff-Nanoröhrchen
Leitfähigkeiten verleihen, die von einem Isolator über einen Halbleiter
bis hin zu einem metallischen Leiter reichen. Diese Spanne von Leitfähigkeit
liegt an der helikalen Symmetrie oder Chiralität der Nanoröhrchen. So
kann die vorliegende Erfindung verwendet werden, um zu gleicher Zeit oder innerhalb
des gleichen Bauteils charakteristische Vorteile in struktureller sowie elektronischer
Hinsicht zu integrieren. Während die Querschnittschichten hinzugefügt
werden, können physikalische Eigenschaften durch individuelle Kontrolle der
Reaktionseinheiten 220, 230, 240 variiert werden. Durch
Maßschneiderung physikalischer Eigenschaften individueller oder Gruppen von
Kohlenstoff-Nanoröhrchen kann Multifunktionalität für Anwendungen
wie Elektronik, elektrische Leitung, piezoelektrische Systeme und Energiespeichersysteme
erreicht werden. So können physische Strukturen, wie Flugzeugtragwerke, mit
eingebetteten Schaltkreisen elektronischer Art hergestellt werden. Unter der Annahme,
dass konventionelle Herstellungsverfahren verwendet werden, um diese Art Produkte
herzustellen, würden solche Verfahren jedoch höchstwahrscheinlich zusätzliche
zeitraubende Maßnahmen erforderlich machen, inklusive der Notwendigkeit für
speziell angefertigte Befestigungen und Werkzeuge, Verfahren zur Verbindung von
hochfesten Materialien und für komplexe Montageverfahren.
Obwohl eine bevorzugte Ausführungsform des Verfahrens und des
Systems der vorliegenden Erfindung in den beigefügten Abbildungen illustriert
wurde und in der zuvor gemachten detaillierten Beschreibung ausgeführt wurde,
wird es für selbstverständlich erachtet, dass die Erfindung nicht auf
die offengelegte Ausführungsform limitiert ist, dahingegen aber für zahlreiche
Änderungen, Modifizierungen und Substitutionen geeignet ist,
ohne vom Geist der Erfindung abzuweichen, wie sie durch die folgenden Ansprüche
festgelegt und definiert wird.