Die vorliegende Erfindung betrifft amorphe Kieselsäuren, die
speziell als Putzkörper in oralen Zusammensetzungen verwendet werden. Genauer
gesagt, betrifft die Erfindung amorphe, gefällte Kieselsäuren mit guten
Reinigungseigenschaften, die mit niedrigen Abriebeigenschaften assoziiert sind,
die für orale Zusammensetzungen mit einem niedrigen Brechungsindex geeignet
sind. Die vorliegende Erfindung betrifft außerdem orale Zusammensetzungen,
die derartige Kieselsäuren enthalten.
Hintergrund der Erfindung
Zahnpasten-Zusammensetzungen sind in der Literatur gut charakterisiert,
und viele Zusammensetzungen werden in Patentbeschreibungen und anderen Literaturquellen
beschrieben. Zahnpasten-Zusammensetzungen enthalten eine Anzahl von spezifischen
Bestandteilen, beispielsweise Putzkörper, Fluoridquellen, Bindemittel, Konservierungsmittel,
Feuchthaltemittel, Anti-Plaque-Mittel, Färbemittel, Wasser, Geschmacksstoffe
und weitere fakultative Zutaten.
Von diesen Bestandteilen werden Putzkörper dazu benötigt,
eine geeignete Reinigung und Plaque-Entfernung zu gewährleisten, ohne dabei
den Zahn selbst einem exzessiven Abrieb auszusetzen. Typischerweise enthält
eine Zahnpasten-Zusammensetzung von etwa 5 Gew.-% bis etwa 50 Gew.-%, vorzugsweise
bis zu etwa 30 Gew.-%, Putzkörper. Üblicherweise verwendete Putzkörper
sind Aluminiumoxide, Calciumcarbonate und Calciumphosphat. In jüngerer Zeit
wurden synthetische Kieselsäuren eingeführt, und zwar aufgrund ihrer wirksamen
Reinigung, ihrer Verträglichkeit mit anderen Bestandteilen und ihrer physikalischen
Eigenschaften.
Eine wichtige Eigenschaft einer Kieselsäure für eine Verwendung
in Zahnpasten-Formulierungen ist ihre Ölabsorptions-Kapazität. Im Hinblick
auf ein Material mit der gleichen Teilchengröße steht diese Eigenschaft
direkt mit dem Verdickungseffekt in Beziehung, der erhalten wird, wenn man die Kieselsäure
einer Zahnpasten-Formulierung zugibt; je höher die Ölabsorptionskapazität
ist, desto höher ist der beobachtete Verdickungseffekt. Je höher daher
die Ölabsorptionskapazität ist, umso niedriger ist das Kieselsäurevolumen,
das in die Zahnpastenzusammensetzung eingearbeitet werden kann.
Eine weitere wichtige Eigenschaft einer Kieselsäure für
die Verwendung in Zahnpastenformulierungen ist deren Fähigkeit, die geeignete
Reinigung und Plaque-Entfernung zu gewährleisten, ohne den Zahn selbst einem
übermäßigen Abrieb auszusetzen, d.h., ohne das Dentin oder den Zahnschmelz
zu schädigen. Normalerweise ist die Reinigungsfähigkeit mit den Abriebeigenschaften
korreliert.
Eine weitere wichtige Eigenschaft einer Kieselsäure für
eine Verwendung in transparenten Zahnpastenformulierungen ist ihr scheinbarer Brechungsindex.
Jede transparente Zahnpaste kann durch ihren Brechungsindex charakterisiert werden.
Wenn man ein Putzmaterial in eine transparente Zahnpaste einarbeitet, ist es wichtig,
daß dieses Putzmaterial unsichtbar bleibt, d.h., daß die Klarheit der
Zahnpaste die gleiche bleibt. Das wird nur erreicht, wenn der Putzkörper einen
scheinbaren Brechungsindex aufweist, der zu dem Brechungsindex der Zahnpaste paßt.
Zahnpasten können nunmehr Brechungsindizes von 1,430 bis 1,470 aufweisen. Ein
Brechungsindex von unterhalb 1,445 wird im allgemeinen als niedriger Brechungsindex
betrachtet.
Es besteht ein Marktbedürfnis für Zahnpasten in Form klarer
Gele, die absolut wasserhell sind. Das Verfahren zur Bewertung der Klarheit umfaßt
in dieser Erfindung die Verwendung einer Standardkarte, die aus schwarzen Symbolen,
die sich in ihrer Größe unterscheiden, vor einem weißen Hintergrund
besteht. Dabei handelt es sich um das "RIT Alphanumeric Resolution Test Objekt,
RT 4-74", hergestellt durch das Graphic Arts Research Center, Rochester Institute
of Technology. Die Fähigkeit, die Symbole klar durch eine Probe des Produkts
einer Standarddicke (1 cm) zu unterscheiden, wird gemessen. Die Symbole sind durch
Zahlen von –12 bis +13 gekennzeichnet. Je höher und stärker positiv
die Zahl ist, desto größer ist die Klarheit. Gemäß der vorliegenden
Erfindung wird eine Zahl von 0 oder darüber als charakteristisch für eine
visuell klare Zahnpaste angesehen.
In US-A-5,225,l77 wird eine amorphe Kieselsäure beansprucht,
die einen Feuchtigkeitsgehalt von 10%, einen 5%-igen pH von 7, eine Ölabsorption
von weniger als 125 cm3/100 g, und einen Brechungsindex von 1,45 aufweist.
Es wird darüber hinaus angegeben, daß die gefällten Kieselsäuren
gemäß diesem Dokument einen RDA-Wert von wenigstens 40, vorzugsweise 70
bis 120, aufweisen. Eine detaillierte Beschreibung des Verfahrens,
das zur Messung des RDA-Werts verwendet wird, wird gegeben, und unter "E. Testlauf"
ergibt sich klar, daß der RDA-Wert, der angegeben ist, nicht der RDA-Wert der
Kieselsäure ist, sondern der RDA-Wert einer Zahnpaste, die diese Kieselsäure
enthält. Darüber hinaus wird in Spalte 11, unter "Berechnungen" klar gemacht,
daß die RDA-Werte "für eine spezielle Paste" angegeben werden. Es wird
nunmehr jedoch nicht offenbart, was die Natur der Zahnpaste ist, und, was wichtiger
ist, es wird die Beladung der Zahnpaste mit Kieselsäure nicht offenbart (gemäß
Spalte 5, Zeile 25 beträgt sie 6% bis 35%). Die RDA-Werte betreffen daher die
Abrasionseigenschaft einer unbekannten Zahnpaste, die eine unbekannte Menge einer
spezifischen amorphen Kieselsäure enthält, und es ist nicht möglich,
auf der Basis von US-A-5,225,177 festzustellen, was der RDA-Wert der Kieselsäure
ist.
Der Anmelder von US-A-5,225,177 vermarktet nunmehr ein Produkt, das
Zeodent 115 genannt wird, (mittlere Teilchengröße 9,3 &mgr;m, Brechungsindex
1,45, Ölabsorption 110 cm3/100 g), von dem angenommen wird, daß
es sich dabei um die in US-A-5,225,177 beschriebene Kieselsäure handelt. Der
RDA-Wert dieser Kieselsäure beträgt 97, was als Kieselsäure mit einem
niedrigen bis mittleren Abrieb anzusehen ist.
Kommerziell erhältliche Kieselsäuren können dann in
einem weiten Sinne als solche mit einem niedrigen Abrieb bezeichnet werden, wenn
der RDA geringer als 90 ist, und als solche mit einem mittleren Abrieb, wenn der
RDA zwischen 110 bis 150 liegt. Beispiele für kommerziell erhältliche
Zahnpasten-Kieselsäuren wurden den Missouri Analytical Laboratories vorgelegt,
und es wurde der RDA-Wert der Kieselsäure mit den folgenden Ergebnissen bestimmt:
(NB: Zeodent, Tixosil, Sident und Sorbosil sind eingetragene Marken von Huber, Rhone
Poulenc, Degussa bzw. Crosfield).
Anhand der Daten ist zu erkennen, daß selbst die gegenwärtigen
Kieselsäuren mit niedrigem Abrieb relativ hohe RDA-Werte aufweisen, und daß
daher ein Bedarf nach einer amorphen Kieselsäure mit einem sehr viel geringeren
RDA-Wert besteht, die, wenn sie in eine orale Zusammensetzung eingearbeitet wird,
gute Reinigungseigenschaften zeigt. Es besteht auch ein Bedarf nach einer solchen
amorphen Kieselsäure, die die Klarheit der Zahnpastenzusammensetzung, der sie
zugegeben wird, nicht verändert.
Was orale Zusammensetzungen mit einer guten Klarheit angeht, ist es
nunmehr so, daß der Trend in der Industrie in Richtung von Formulierungen mit
niedrigen Brechungsindizes geht, um die Kosten zu verbessern. Der Grund dafür
ist, daß der Brechungsindex einer Zahnpaste hauptsächlich von ihrem Feuchthaltemittel/Wasser-Verhältnis
bestimmt wird, wobei höhere Verhältnisse höhere Brechungsindizes
liefern. Das Feuchthaltemittel, beispielsweise Sorbit, ist ein teurer Bestandteil
mit einem hohen Brechungsindex (> 1,46), wo hingegen Wasser einen niedrigeren
Brechungsindex aufweist und billig ist.
Es besteht daher ein Bedürfnis nach kostengünstigeren oralen
Zusammensetzungen, die bei einem Brechungsindex von weniger als 1,445 transparent
sind, um die Menge an Feuchthaltemittel so gering wie möglich zu halten.
Tests und Definitionen
i) Ölabsorption
Die Ölabsorption wird nach dem ASTM-Spatel-Verfahren bestimmt (American Society
Of Test Material Standards D, 281).
Der Test beruht auf dem Prinzip der Mischung von Leinöl mit einer Kieselsäure
durch Ausstreichen mit einem Spatel auf einer glatten Oberfläche, bis sich
eine steife, kittartige Paste gebildet hat, die nicht zerbricht oder zerfällt,
wenn sie mit einem Spatel geschnitten wird. Das verwendete Ölvolumen wird dann
in die folgende Gleichung eingesetzt:
ii) Gewichtsmittlere Teilchengröße
Die gewichtsmittlere Teilchengröße der Kieselsäure wird unter Verwendung
eines Malvern-Mastersizer-Model X mit einer 45 mm Linse und einer MS-5-Probenpräsentationseinheit
bestimmt. Dieses Instrument, das von Malvern Instruments, Malvern, Worcestershire
hergestellt wird, nutzt das Prinzip der Fraunhoffer-Brechung, unter Anwendung eines
He/Ne-Lasers niedriger Energie. Vor der Messung wird die Probe unter Anwendung von
Ultraschall für 7 Minuten in Wasser dispergiert, um eine wäßrige
Dispersion zu bilden.
Der Malvern Mastersizer mißt die gewichtsbezogene Teilchengrößenverteilung
der Kieselsäure. Die gewichtsmittlere Teilchengröße (d50)
oder 50-Percentile, die 10-Percentile (d10) und die 90 Percentile (d90)
werden auf einfache Weise aus den von dem Instrument erzeugten Daten erhalten.
iii) Lockere Rohdichte
Die lockere Rohdichte wird bestimmt, indem man etwa 180 cm3 (ml) Kieselsäure
in einen trocknen 250 cm3 (ml) Meßzylinder einwiegt, den Zylinder
zehn Mal umdreht, um Lufttaschen zu entfernen, und das Endvolumen nach dem Absetzen
abliest.
iv) Elektrolytgehalte
Sulfat wird gravimetrisch durch Heißwasserextraktion der Kieselsäure,
gefolgt von einer Fällung als Bariumsulfat, bestimmt. Chlorid wird durch Heißwasserextrakt
der Kieselsäure, gefolgt von einer Titration mit einer Standardsilbernitratlösung,
unter Verwendung von Kaliumchromat als Indikator (Mohr's Verfahren) bestimmt.
v) Feuchtigkeitsverlust bei 105°C
Der Feuchtigkeitsverlust wird bestimmt als Gewichtsverlust einer Kieselsäure,
wenn sie in einem elektrischen Ofen bei 105°C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet
wird.
vi) Brennverlust bei 1000°C
Der Brennverlust wird bestimmt als der Gewichtsverlust einer Kieselsäure, wenn
sie in einem Ofen bei 1000°C bis zur Gewichtskonstanz gebrannt wird.
vii) Strukturwassergehalt
Der Strukturwassergehalt ist definiert als der Unterschied zwischen dem Brennverlust
bei 1000°C und dem Feuchtigkeitsverlust bei 105°C.
viii) pH
Diese Messung erfolgt an einer 5%-igen Suspension der Kieselsäure in gekochtem
entmineralisiertem Wasser (CO2-frei).
ix) BET-Oberfläche
Die Oberfläche wird unter Anwendung der Standard-Stickstoff-Adsorptionsverfahren
von Brunauer, Emmett und Teller (BET) bestimmt, unter Anwendung eines Einzelpunktverfahrens
mit einem Sorpty 1750-Gerät, das von der Carlo Erba Company aus Italien geliefert
wird. Die Probe wurde vor der Messung unter Vakuum bei 270°C für eine
Stunde entgast.
x) RDA-Test (Radioaktive Dentine Abrasion Test)
Die Vorgehensweise entspricht dem Verfahren zur Bestimmung der Zahnputzmittel-Abrasivität,
das von der American Dental Association empfohlen wird (Journal of Dental Research
55 (4) 563, 1976). Bei dieser Arbeitsweise werden gezogene menschliche Zähne
mit einem Neutronenstrom bestrahlt und einer Standard-Putzprozedur unterzogen. Das
aus dem Dentin in den Wurzeln entfernte radioaktive Phosphor wird als Index für
die Abrasivität des getesteten Zahnputzmittels verwendet. Eine Bezugsaufschlämmung,
die 10 g Calciumpyrophosphat in 50 cm3 (ml) einer 0,5%-igen wäßrigen
Lösung von Natriumcarboxymethylcellulose enthält, wird
ebenfalls gemessen und der RDA dieser Mischung wird willkürlich gleich 100
gesetzt. Die zu testende gefällte Kieselsäure wird als Suspension von
6,25 g in 50 cm3 (ml) einer 0,5%-igen wäßrigen Lösung
von Natriumcarboxymethylcellulose hergestellt und in die gleiche Putzprozedur eingesetzt.
Wenn man Pasten testet, werden 25 g des Pasten-Zahnputzmittels zu 50 cm3
(ml) Wasser zugegeben.
xi) Brechungsindex (RI)/Durchlässigkeit
Die Probe der Kieselsäure wird in einem Bereich von Sorbitsyrup (70% Sorbit)/Wasser-Mischungen
dispergiert. Nach einer Entlüftung, üblicherweise von 1 Stunde, wird die
Durchlässigkeit der Dispersionen unter Verwendung eines Spektrometers bei 589
nm bestimmt; Wasser wird dabei als Null-Probe verwendet. Der Brechungsindex von
jeder Dispersion wird auch noch unter Verwendung eines Abbe-Refraktometers gemessen.
Eine graphische Darstellung der Durchlässigkeit, aufgetragen gegen den Brechungsindex,
ermöglicht es, den Bereich von Brechungsindizes, in dem die Durchlässigkeit
70% überschreitet, zu bestimmten. Die maximale Durchlässigkeit der Probe
und der scheinbare Brechungsindex der Kieselsäure, bei dem diese erhalten wird,
kann ebenfalls aus diesem Graphen abgeschätzt werden.
Allgemeine Beschreibung der Erfindung
Es ist eine erste Aufgabe der Erfindung, eine amorphe Kieselsäure
zu schaffen, die gekennzeichnet ist durch:
– einen RDA-Wert von zwischen 40 und 70, vorzugsweise zwischen 50 und
60,
– eine Lichtdurchlässigkeit von mehr als 70% bei einem Brechungsindex
unterhalb 1,445, vorzugsweise zwischen 1,430 und 1,444, besonders bevorzugt zwischen
1,436 und 1,444,
– eine Ölabsorptionskapazität zwischen 90 und 145 cm3/100
g, vorzugsweise zwischen 100 und 125 cm3/100 g,
– und eine BET-Oberfläche von bis zu 350 m2/g.
Vorzugsweise zeigt die amorphe Kieselsäure der Erfindung einen
Peak der Lichtdurchlässigkeit im Brechungsindexbereich von 1,430 bis 1,444,
besonders bevorzugt zwischen 1,436 bis 1,444. Das ermöglicht es, die Kieselsäure
in transparente orale Zusammensetzungen mit niedrigen Brechungsindizes einzuarbeiten.
Die amorphe Kieselsäure der vorliegenden Erfindung zeigt einen
Strukturwassergehalt zwischen 3,5 und 5,0%, vorzugsweise zwischen 4,0 und 4,5%,
eine BET-Oberfläche von 50 bis 350 m2/g, vorzugsweise zwischen 50
und 250 m2/g, einen pH einer 5-%igen Lösung zwischen 6 und 7,5 und
eine lockere Schüttdichte zwischen 180 und 300 mg/cm3 (g/l).
Es ist eine zweite Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine orale
Zusammensetzung zu schaffen, die eine amorphe Kieselsäure enthält, wobei
die amorphe Kieselsäure aufweist:
– einen RDA-Wert zwischen 40 und 70, vorzugsweise zwischen 50 und 60,
– eine Lichtdurchlässigkeit von mehr als 70% bei einem Brechungsindex
von unter 1,445,
– und eine BET-Oberfläche von bis zu 350 m2/g.
Vorzugsweise ist die amorphe Kieselsäure eine gefällte Kieselsäure
mit einer Ölabsorptionkapazität von zwischen 90 und 145 cm3/100
g, vorzugsweise zwischen 100 und 125 cm3/100 g.
Es ist eine dritte Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine visuell
klare orale Zusammensetzung mit einem Brechungsindex unterhalb 1,445, vorzugsweise
zwischen 1,430 bis 1,444, besonders bevorzugt zwischen 1,436 bis 1,444 zu schaffen,
die 5 bis 25 Gew.-, vorzugsweise 10 bis 25 Gew.-%, einer amorphen Kieselsäure
enthält, wobei die genannte Zahnpastenzusammensetzung einen RDA von weniger
als 60, vorzugsweise weniger als 50, vorzugsweise von mehr als 35 aufweist.
Die amorphe Kieselsäure ist die amorphe Kieselsäure der
vorliegenden Erfindung.
Diese Zahnpastenzusammensetzung ist in der Lage, menschliche Zähne
zu reinigen und zu polieren, ohne diese Zähne zu schädigen.
In den oralen Zusammensetzungen der vorliegenden Erfindung kann der
Anteil der amorphen Kieselsäure in einem weiten Bereich liegen, und zwar beispielsweise
in Abhängigkeit von der physikalischen Form des gewünschten Endprodukts.
Besonders bevorzugte orale Zusammensetzungen der Erfindung liegen
vor in Form von Pasten, Gelen, Cremes und Flüssigkeiten, wobei
die genauen physikalischen Eigenschaften davon beispielsweise durch eine geeignete
Einstellung des Verhältnisses von Feststoff zur Flüssigkeit und/oder der
Viskosität der flüssigen Phase kontrolliert werden können, beispielsweise
durch eine Auswahl von geeigneten Gehalten von Hilfsbestandteilen, wie weiter unten
beschrieben wird.
Bei bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung liegt die amorphe
Kieselsäure der vorliegenden Erfindung in der Zusammensetzung in einer Menge
von etwa 1 bis 99 Gew.-%, stärker bevorzugt von etwa 2 bis 60 Gew.-%, und noch
stärker bevorzugt von 3 bis etwa 40 Gew.-% vor. In flüssigen oder Pastenzusammensetzungen
der Erfindung liegt die amorphe Kieselsäure der Erfindung vorzugsweise in einer
Menge von etwa 1 bis etwa 30 Gew.-%, stärker bevorzugt von etwa 5 bis etwa
25 Gew.-% vor.
Die oralen Zusammensetzungen der Erfindung können einen oder
mehrere zusätzliche Bestandteile enthalten, wie nunmehr beschrieben wird.
Orale Zusammensetzungen der Erfindung weisen vorzugsweise eines oder
mehrere Tenside auf, die vorzugsweise ausgewählt sind aus anionischen, nichtionischen,
amphoteren und zwitterionischen Tensiden und Mischungen davon, wobei alle für
eine Verwendung im dentalen und/oder oralen Bereich geeignet sind.
Geeignete anionische Tenside können einschließen Seifen,
Alkylsulfate, Alkylethersulfate, Alkarylsulfonate, Alkanoylisethionate, Alkanoyltaurate,
Alkylsuccinate, Alkylsulfosuccinate, N-Alkoylsarcosinate, Alkylphosphate, Alkyletherphosphate,
Alkylethercarboxylate und alpha-Olefinsulfonate, insbesondere deren Natrium-, Magnesiumammonium-
und Mono-, Di- und Triethanolaminsalze. Die Alkyl- und Acyl-Gruppen enthalten im
allgemeinen von 8 bis 18 Kohlenstoffatome und können ungesättigt sein.
Die Alkylethersulfate, Alkyletherphosphate und Alkylethercarboxylate können
von einer bis 10 Ethylenoxid- oder Propylenoxid-Einheiten pro Moleküle enthalten,
und enthalten vorzugsweise 2 bis 3 Ethylenoxid-einheiten pro Molekül.
Beispiele bevorzugter anionischer Tenside können einschließen
Natriumlaurylsulfat, Natriumdodecylbenzolsulfonat, Natriumlauroylsarcosinat und
Natriumkokosnußmonoglyceridsulfonat.
Nichtionische Tenside, die für eine Verwendung in einer erfindungsgemäßen
Zusammensetzung geeignet sein können, schließen ein Sorbitan- und Polyglycerinester
von Fettsäuren, sowie Ethylenoxid/Propylenoxid-Blockcopolymere.
Amphotere Tenside, die in Zusammensetzungen der Erfindung geeignet
sein können, schließen beispielsweise ein Betaine, wie beispielsweise
Cocamidopropylbetain, und Sulfobetaine.
Das oder die Tensid(e) können in der erfindungsgemäßen
oralen Zusammensetzung in einer Gesamtmenge von etwa 0,1 bis etwa 3 Gew.-% vorhanden
sein.
Wasser ist ein weiterer bevorzugter Bestandteil der oralen Zusammensetzungen
der Erfindung und kann in einer Menge von etwa 1 bis etwa 90 Gew.-%, vorzugsweise
von etwa 10 bis etwa 60 Gew.-%, stärker bevorzugt von etwa 15 bis etwa 50 Gew.-%
und besonders bevorzugt im Falle von klaren Pasten von etwa 1 bis 20 Gew.-% vorhanden
sein.
Zahnpasten und Cremes dieser Erfindung können auch Feuchthaltemittel
enthalten, beispielsweise Polyole wie Glycerin, Sorbitsyrup, Polyethylenglycol,
Lactit, Xylit und hydrierten Maissirup. Die Gesamtmenge an Feuchthaltemittel, wenn
es vorhanden ist, kann beispielsweise im Bereich von etwa 10 bis etwa 85 Gew.-%
der Zusammensetzung liegen.
In den oralen Zusammensetzungen der vorliegenden Erfindung ist es
besonders bevorzugt, daß eines oder mehrere Verdickungsmittel und/oder Dispergiermittel
enthalten sind, um der Zusammensetzung die gewünschten physikalischen Eigenschaften
(z.B. als Paste, Creme oder Flüssigkeit) zu verleihen und um die amorphe Kieselsäure
der Erfindung stabil innerhalb der Zusammensetzung dispergiert zu halten.
Eine bevorzugte Maßnahme zur Verdickung der oralen Zusammensetzungen
der Erfindung besteht in der Einarbeitung von herkömmlichen Verdickungsmaterialien
wie verdickenden Kieselsäuren, wobei Beispiele für diese bereits weiter
oben erwähnt wurden.
Andere geeignete Suspendier-/Verdickungs-Mittel sind dem Fachmann
gut bekannt und schließen beispielsweise ein Polyacrylsäure, Copolymere
und vernetzte Polymere von Acrylsäure, Copolymere von Acrylsäure
mit einem hydrophoben Monomer, Copolymere von Carboxylsäure-haltigen Monomeren
und Acrylestern, vernetzte Copolymere von Acrylsäure und Acrylatestern, Ester
von Ethylenglycol oder Ester von Polyethylenglycol (z.B. Fettsäureester davon),
Heteropolysaccharidgummen wie Xanthan- und Guar-Gummen, und Cellulosederivate wie
beispielsweise Natriumcarboxymethylcellulose.
Besonders geeignete Verdickungsmittel sind Xanthangummi und Natriumcarboxymethylcellulose.
Das Verdickungsmittel und/oder das Suspendiermittel (die einzeln oder
als Mischungen von zwei oder mehr derartigen Materialien verwendet werden können)
können in der Zusammensetzung in einer Gesamtmenge von etwa 0,1 bis etwa 50
Gew.-% vorliegen, vorzugsweise von etwa 0 bis etwa 15 Gew.-%, stärker bevorzugt
von etwa 1 bis etwa 10 Gew.-% im Falle von Kieselsäure-Verdickungsmitteln,
und vorzugsweise von etwa 0,12 bis etwa 5 Gew.-% im Falle polymerer Suspendiermittel.
Die Zusammensetzungen der Erfindung können einen oder mehrere
andere Bestandteile enthalten, die man herkömmlich in oralen Zusammensetzungen
findet. Geeignete zusätzliche Bestandteile schließen ein: Geschmackssubstanzen,
beispielsweise Pfefferminz, Spearmint; künstliche Süßungsmittel;
Parfüms oder atemerfrischende Substanzen; Perlglanzmittel; Peroxyverbindungen,
z.B. Wasserstoffperoxid oder Peressigsäure, Opakmacher; Pigmente und Färbemittel;
Konservierungsmittel; Befeuchtungsmittel, fluoridhaltige Verbindungen; Antikariesmittel;
Antiplaquemittel; therapeutische Mittel wie beispielsweise Zinkcitrat, Triclosan
(von Ciba Geigy); Proteine; Salze; pH-Reguliermittel.
Zusammensetzungen gemäß der vorliegenden Erfindung können
nach herkömmlichen Verfahren zur Herstellung von oralen Zusammensetzungen hergestellt
werden. Pasten und Cremes können nach herkömmlichen Techniken hergestellt
werden, beispielsweise unter Verwendung von Mischsystemen, bei denen eine hohe Scherung
unter Vakuum angewandt wird.
Genauere Beschreibung der Erfindung
Die Erfindung wird nachfolgend in den Beispielen unter Bezugnahme
auf 1 beschrieben, die das "RIT Alphanumeric Resolution
Test Object, RT 4-74", hergestellt von Graphic Arts Research Center, Rochester Institute
of Technology, zeigt.
Beispiel 1:
Für die Silicat/Säurereaktion wurde ein erhitzter gerührter
Reaktionsbehälter verwendet.
Mischen ist ein wichtiges Merkmal der Reaktion von Silicat und Schwefelsäure.
Folglich wurden feste Spezifizierungen, die aufgeführt werden in Chemineer
Inc. Chem. Eng., 26. April 1976, Seiten 102–110, angewandt, um den mit Stromumlenker
versehenen erhitzten gerührten Reaktionsbehälter zu konstruieren. Während
die Turbinenauslegung im Hinblick auf die Mischgeometrie fakultativ ist, wurde eine
mit 6 Blättern unter einer Neigung von 30° versehene Einheit für
die Versuche verwendet, um einen maximalen Mischwirkungsgrad bei minimaler Scherung
sicherzustellen.
Die in dem Verfahren verwendeten Lösungen waren wie folgt:
a) Natriumsilicat-Lösungen mit einem SiO2:Na2O-Molverhältnis
im Bereich von 2,2 bis 2,7:1 und einem Feststoffgehalt im Bereich von 9,0 bis 21,5
Gew.-%.
b) Eine Schwefelsäurelösung mit einem spezifischen Gewicht von 1,07
(11 Gew.-%ige Lösung) bis 1,14 (20 Gew.-%ige Lösung).
Bei der Herstellung der gefällten Kieselsäuren wurde die
folgende Vorgehensweise angewandt. Die Werte für die Reaktantenkonzentrationen,
Volumina, Temperaturen und Alterungsstufen sind in Tabelle 1 angegeben.
(A) dm3 (Liter) Wasser wurden in den Behälter mit (C) dm3
(Liter) Natriumsilicatlösung und (B) Gramm Electrolyt gegeben. Diese Mischung
wurde dann gerührt und auf eine Temperatur von (H) °C erhitzt.
(D) dm3 (Liter) Natriumsilicat und (F) dm3 (Liter) Schwefelsäure
wurden dann gleichzeitig über (G) Minuten bei (H) °C zugegeben. Die Fließgeschwindigkeiten
der Silicat- und Säurelösungen waren während der ganzen Zugabezeit
gleichmäßig, um sicherzustellen, daß in dem Behälter ein konstanter
pH im Bereich von 9,0 bis 11,5 aufrechterhalten wurde.
Schwefelsäurelösung wurde dann innerhalb eines Zeitraums
von (J) Minuten bis zum End-pH des Ansatz (K) zugesetzt.
Die erhaltene Aufschlämmung wurde dann filtriert und mit Wasser
gewaschen, um überschüssigen Elektrolyten zu entfernen. Für eine
Zahnpastenanwendung beträgt der restliche Elektrolytgehalt typischerweise weniger
als 2% auf einer Trockengewichtsbasis. Nach dem Waschen wurde der Filterkuchen in
jedem Beispiel entspannungsgetrocknet, um das Wasser rasch aus der Kieselsäure
zu entfernen, so daß die Struktur erhalten bleibt, und es wurde auf den gewünschten
Teilchengrößenbereich gemahlen.
Die erhaltenen gefällten Kieselsäuren haben die Eigenschaften,
ausgedrückt auf einer Trockengewichtsbasis, die in Tabelle 2 aufgelistet sind.
TABELLE 1
Beispiel 2
Beispiele 2 und 3:
Die amorphe Kieselsäure, die, wie in Beispiel 1 beschrieben ist,
hergestellt wurde, wurde mit einer 8- und 10%-igen Beladung formuliert, um transparente
Zahnpastenformulierungen herzustellen.
Die allgemeinen Formulierungen waren wie folgt:
Die RDA-Werte für diese Zahnpasten betrugen weniger als 60.
(*) Sorbosil TC15 ist eine verdickende Kieselsäure, hergestellt von Crosfield
Ltd.
Diese Formulierungen lieferten visuell klare Pasten, insbesondere
Beispiel 3, das eine herausragende Klarheit zeigte.
Anspruch[de]
Amorphe Kieselsäure mit:
einem RDA-Wert zwischen 40 und 70,
einer Lichtdurchlässigkeit von mehr als 70% bei einem Brechungsindex von weniger
als 1,445, einem Ölabsorptionsvermögen von zwischen 90 und 145
cm3/100 g,
einer BET-Oberfläche von 50 bis 350 m2/g, und
einem Maximum der Lichtdurchlässigkeit im Brechungsindexbereich von 1,430 bis
1,444.Amorphe Kieselsäure nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
sie einen RDA zwischen 50 und 60 aufweist.Amorphe Kieselsäure nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß sie eine Lichtdurchlässigkeit von mehr als 70% bei einem Brechungsindex
zwischen 1,436 und 1,444 aufweist.Amorphe Kieselsäure nach irgendeinem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß sie ein Ölabsorptionsvermögen zwischen
100 und 125 cm3/100 g aufweist.Amorphe Kieselsäure nach irgendeinem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß sie einen Strukturwassergehalt von zwischen 3,5%
und 5,0%, einen pH in einer 5%-igen Suspension zwischen 6 und 7,5 und eine lockere
Schüttdichte zwischen 180 und 300 mg/cm3 aufweist.Orale Zusammensetzung, die eine amorphe Kieselsäure umfaßt,
dadurch gekennzeichnet, daß die genannte Kieselsäure zeigt:
einen RDA-Wert zwischen 40 und 70,
eine Lichtdurchlässigkeit von mehr als 70% bei einem Brechungsindex von weniger
als 1,445,
eine BET-Oberfläche von 50 bis 350 m2/g, und
ein Maximum der Lichtdurchlässigkeit im Brechungsindexbereich von 1,430 bis
1,444.Visuell klare orale Zusammensetzung mit einem Brechungsindex von weniger
als 1,445, die 5 bis 25 Gew.-% einer amorphen Kieselsäure umfaßt, wobei
die orale Zusammensetzung einen RDA von weniger als 60 aufweist und die Kieselsäure
aufweist
einen RDA-Wert zwischen 40 und 70,
eine Lichtdurchlässigkeit von mehr als 70% bei einem Brechungsindex von weniger
als 1,445,
ein Ölabsorptionsvermögen von zwischen 90 und 145 cm3/100 g,
eine BET-Oberfläche von 50 bis 350 m2/g, und
ein Maximum der Lichtdurchlässigkeit im Brechungsindexbereich von 1,430 bis
1,444.Visuell klare orale Zusammensetzung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet,
daß sie einen Brechungsindex zwischen 1,436 und 1,444 und einen RDA von weniger
als 50 und mehr als 35 aufweist.Amorphe Kieselsäure nach Anspruch 1 oder Zusammensetzung nach Anspruch
7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Kieselsäure eine BET-Oberfläche
bis zu 250 m2/g aufweist.