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Dokumentenidentifikation EP1834805 31.10.2007
EP-Veröffentlichungsnummer 0001834805
Titel Vorrichtung und Verfahren zum Anpressen eines Umschlages an einen bewegten Bedruckstoffblock
Anmelder Heidelberger Druckmaschinen AG, 69115 Heidelberg, DE
Erfinder Hampel, Klaus, 33739, Bielefeld, DE;
Fritsch, Stephan, 04229, Leipzig, DE;
Holtmeier, Thorsten, 32278, Kirchlengern, DE;
Sommerer, Frank, 04288, Leipzig, DE;
Steinert, Andreas, 04824, Beucha, DE
Vertragsstaaten AT, BE, BG, CH, CY, CZ, DE, DK, EE, ES, FI, FR, GB, GR, HU, IE, IS, IT, LI, LT, LU, LV, MC, NL, PL, PT, RO, SE, SI, SK, TR
Sprache des Dokument DE
EP-Anmeldetag 15.02.2007
EP-Aktenzeichen 071024822
EP-Offenlegungsdatum 19.09.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 31.10.2007
IPC-Hauptklasse B42C 11/04(2006.01)A, F, I, 20070821, B, H, EP

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Anpressen eines Umschlages an einen bewegten Bedruckstoffblock mit den Merkmalen des Oberbegriffs von Anspruch 1. Weiterhin betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zum Anpressen eines Umschlages an einen bewegten Bedruckstoffblock mit den Merkmalen des Oberbegriffs von Anspruch 8.

Klebebindemaschinen werden dazu verwendet, einen vorher zusammengetragenen Signaturenstapel unter Verwendung von Klebstoffen (z. B. Kaltleim oder Heißschmelzklebstoffe) zu verbinden. Wahlweise kann dabei vor dem Klebstoffauftrag eine spanende Rückenbearbeitung eingesetzt werden. Der Klebstoffauftrag kann an einem Buchblock oder an einem Umschlag vorgenommen werden. Neben der Beleimung des Blockrückens können zusätzlich auch die dem Blockrücken nahen Seitenbereiche des Buchblocks beleimt werden.

Aus der DE 102 27 950 A1 ist eine Umschlaganlege- und Umschlaganpresseinrichtung zum Anlegen und Anpressen eines Umschlags an einen kontinuierlich in Förderrichtung transportierten Buchblock mit folgenden Merkmalen bekannt:

  • eine zum Anpressen des Umschlags an den Rücken vertikal bewegbare, an einer Tragplatte befestigte Rückenanpressplatte;
  • an der Tragplatte horizontal verschiebbar gelagerte, zum Anpressen an rückennahen Seitenflächen von einer Betätigungseinrichtung gesteuert bewegte Seitenanpressschienen, wobei die Rückenanpressplatte und die Seitenanpressschienen in zyklischer Vor- und Rückbewegung beim Anpressen synchron zum Buchblocktransport vorbewegbar sind und bei der Rückbewegung mit Abstand zum Rücken geführt sind;
  • Koppelstangen, die in Gelenkpunkten außerhalb der vor- und zurückbewegten Tragplatte angelenkt sind und mit dem anderen Ende direkt oder über ein mit der Tragplatte mitbewegtes Zwischengetriebe mit den Seitenanpressschienen gelenkig verbunden sind, und dass die außerhalb liegenden Gelenkpunkte längs der Förderrichtung des Buchblocktransportsystems verschiebbar gesteuert sind. Weiterer Stand der Technik zu Umschlaganlegern ist in der DE 33 40 859 C1 , der DE 37 41 989 A1 , der CH 433 186 , der US 4,153,963 und der JP 2000-168264 A beschrieben.

Die mechanischen Elemente der mehrgliedrigen Kurven- und/oder Gelenkgetriebe sind toleranzbehaftet und nicht spielfrei und unterliegen auf Grund der starken Belastung dem Verschleiß.

Um die gewünschte Qualität in Hinsicht Positionsgenauigkeit des Umschlags zum Buchblock und Haltbarkeit der Klebebindung zu erreichen, müssen Bewegungsabläufe und Anpressdrücke sehr genau den technologischen Vorgaben entsprechen. Durch die zudem gesteigerte Anforderung, verschiedene Materialien (Hinterklebematerialien und Umschlagmaterialien) mit stark unterschiedlichen Eigenschaften (z. B. Biegesteifigkeit, Umformbarkeit) verarbeiten zu können, ist ein Anpassen der Prozessschritte "Anpressen an den Blockrücken" und "Anpressen an der Blockseite" notwendig geworden.

Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine gegenüber dem Stand der Technik verbesserte Vorrichtung zu schaffen, welche zumindest einen der aufgezeigten Nachteile des Standes der Technik überwindet und die gesteigerten Anforderungen an die zu erzielende Produktqualität befriedigt.

Es ist eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren zu schaffen, welches zumindest einen der aufgezeigten Nachteile des Standes der Technik überwindet und die gesteigerten Anforderungen an die zu erzielende Produktqualität befriedigt.

Diese Aufgaben werden erfindungsgemäß durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen von Anspruch 1 sowie durch ein Verfahren mit den Merkmalen von Anspruch 8 gelöst.

Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen sowie aus der folgenden Beschreibung und der zugehörigen Zeichnung.

Eine erfindungsgemäße Vorrichtung zum Anpressen eines Umschlages an einen in eine Transportrichtung bewegten Bedruckstoffblock, mit einem in einer ersten Richtung bewegbaren ersten Anpresselement und wenigstens einem in einer zur ersten Richtung im Wesentlichen transversalen zweiten Richtung bewegbaren zweiten Anpresselement, zeichnet sich dadurch aus, dass die Vorrichtung eine Antriebseinheit umfasst, welche über eine Verbindung zu einer Steuereinheit mit einem veränderbaren Steuerprofil beaufschlagbar oder beaufschlagt ist.

Durch das erfindungsgemäße Vorsehen einer Antriebseinheit, welche mit einem veränderbaren Steuerprofil beaufschlagbar ist, d. h. ein veränderbares bzw. austauschbares Steuerprofil wird der Antriebseinheit zur Verfügung gestellt, wird in vorteilhafter Weise erreicht, den Vorgang des Anpressens, insbesondere das Bewegungsprofil (vorzugsweise Bahnprofil der Bewegung und Geschwindigkeitsprofil der Bewegung sowie Kraftprofil bzw. Druckprofil während des Anpressens) des zweiten Anpresselements, an das zu verarbeitende bzw. herzustellende Produkt anzupassen. Dadurch können Produkte besserer Qualität hergestellt werden.

Eine vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann sich dadurch auszeichnen, dass die Antriebseinheit einen Servomotor, eine Spindel und ein verschiebbares Element, oder einen Linearservomotor umfasst.

Eine weitere vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann sich dadurch auszeichnen, dass die Antriebseinheit von einem Antrieb zum Bewegen des ersten Anpresselements und/oder von einem Antrieb zum Bewegen des Bedruckstoffblocks mechanisch entkoppelt ist.

Eine weitere vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann sich dadurch auszeichnen, dass die Vorrichtung eine Koppelstange umfasst, welche die von der Antriebseinheit erzeugte Bewegung auf das zweite Anpresselement überträgt.

Eine weitere vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann sich dadurch auszeichnen, dass die Antriebseinheit und/oder das zweite Anpresselement über die Verbindung eine Rückmeldung an die Steuereinheit zum Überprüfen, Anpassen und/oder Korrigieren des Steuerprofils sendet.

Eine weitere vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann sich dadurch auszeichnen, dass das erste Anpresselement ein in der vertikalen Ebene bewegbarer Anpresstisch ist, dass das zweite Anpresselement eine in der horizontalen Ebene bewegbare Anpressschiene ist, dass die Vorrichtung ein drittes Anpresselement umfasst, welches ebenfalls eine in der horizontalen Ebene bewegbare Anpressschiene ist, und dass zwei die beiden Anpressschienen antreibenden Antriebseinheiten einen jeweiligen mit einem veränderbaren Steuerprofil beaufschlagbaren Servomotor umfassen.

Im Rahmen der Erfindung ist auch eine Bedruckstoff verarbeitende Maschine, insbesondere ein Klebebinder oder eine Anpressstation eines Klebebinders zu sehen, welche sich durch wenigstens eine wie oben mit Bezug zur Erfindung beschriebene Vorrichtung auszeichnet.

Ein erfindungsgemäßes Verfahren zum Anpressen eines Umschlages an einen in eine Transportrichtung bewegten Bedruckstoffblock, wobei der Umschlag von einem in einer ersten Richtung bewegbaren ersten Anpresselement und von wenigstens einem in einer zur ersten Richtung im Wesentlichen transversalen zweiten Richtung bewegbaren zweiten Anpresselement an den Bedruckstoffblock angepresst wird, zeichnet sich dadurch aus, dass die Bewegung in der zweiten Richtung in Abhängigkeit von einem veränderbaren Steuerprofil erfolgt.

Bei Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ergeben sich Vorteile, wie sie bereits oben mit Bezug zur erfindungsgemäßen Vorrichtung beschrieben wurden.

Eine vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass das Anpressen mit dem zweiten Anpresselement mechanisch entkoppelt von dem Anpressen mit dem ersten Anpresselement erfolgt.

Eine weitere vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass das Steuerprofil in Abhängigkeit von einer Rückmeldung des zweiten Anpresselements oder einer ihm zugeordneten Antriebseinheit überprüft, angepasst und/oder korrigiert wird.

Die beschriebene Erfindung und die beschriebenen, vorteilhaften Weiterbildungen der Erfindung stellen auch in beliebiger Kombination miteinander vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung dar.

Die Erfindung sowie weitere, konstruktiv und funktionell vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung werden nachfolgend unter Bezug auf die zugehörige Zeichnung anhand wenigstens eines bevorzugten Ausführungsbeispiels näher beschrieben.

Die Zeichnung zeigt:

Figur 1:
Eine Perspektivansicht einer erfindungsgemäßen Vorrichtung.

In Figur 1 ist eine erfindungsgemäße Vorrichtung 1 gezeigt. Die Vorrichtung 1 wird bevorzugt in einer Klebebindemaschine 100, als deren Ausschnitt die Vorrichtung 1 beispielhaft gezeigt ist, zur Herstellung von Broschuren oder so genannten Softcover-Produkten eingesetzt. Die Vorrichtung 1 ist jedoch auch in anderen Maschinen, z. B. in Vorsatzbogenanklebemaschinen, zur Herstellung von Buchblocks für so genannte Hardcover-Produkte einsetzbar. Die Vorrichtung 1 kann auch als Teil einer Anpressstation 110 der Maschine 100 ausgeführt sein.

Ein aus zusammengetragenen Signaturen, z. B. Papierblättern, bestehender Bedruckstoffblock bzw. Buchblock 2 (im Folgenden als Block bezeichnet) wird in einer Transportzange 4 gehalten bzw. geklemmt und von der Zange 4 in Transportrichtung 6 entlang einer Geraden mit im Wesentlichen gleichförmiger Geschwindigkeit geführt bzw. gefördert.

An der Maschinenposition der Vorrichtung 1 wird ein Umschlag 8 bevorzugt von unten in vertikaler Richtung (nach oben) an den Block 2 angepresst bzw. angedrückt und dabei mit dem Rücken 10 des Blocks 2 verbunden, bevorzugt verklebt oder verleimt. Der Rücken 10 und/oder der Umschlag 8 wird zuvor, d. h. in einer vorgeordneten Station der Maschine 100, mit Klebstoff oder Leim, z. B. mit Heißschmelzklebstoff oder mit Kaltleim, durch Auftragen versehen. Unter dem Begriff "Umschlag" wird in dieser Anmeldung nicht nur ein Umschlag als solcher verstanden, sondern auch jeder andere flexible und flache Gegenstand, z. B. ein Vorsatzbogen, ein Fälzelmaterial oder ein sonstiges Hinterklebematerial.

Das Anpressen des Umschlags 8 erfolgt durch eine Vertikalbewegung 12 (Auf- und Abbewegung) eines Rahmens 13, der ein erstes Anpresselement (oder Anpressplatte) 16, insbesondere einen Anpresstisch 16, trägt, entlang der Schienen 14 der Vorrichtung 1, wodurch der notwendige Druck für die Verbindung von Umschlag 8 und Block 2 erzeugt wird.

Um der Transportbewegung des Blocks 2 während des Anpressens folgen zu können, ist der Anpresstisch 16 als Schlitten auf einer Schiene 18 des Rahmens 13 gelagert und bewegbar bzw. verschiebbar. Der Anpresstisch 16 vollführt während des Anpressens eine Horizontalbewegung 20 (Vor- und Rückbewegung), welche parallel zur Transportrichtung 6 und während der Vorwärtsbewegung mit gleichförmiger, der Transportgeschwindigkeit des Blocks 2 entsprechender Geschwindigkeit erfolgt. Das Anpressen geschieht somit während einer Gleichlaufphase zwischen dem transportierten Block 2 und dem bewegten Anpresstisch 16.

Da der Umschlag 8 außer im Bereich des Rückens 10 auch in dem Rücken nahen Seitenbereichen des Blocks 2 mit dem Block 2 verbunden wird, erfolgt der Auftrag des Klebstoffs oder Leims (in der vorgeordneten Station der Maschine 100) auch in diesen Seitenbereichen.

Das seitliche Anpressen des Umschlags 8 in den Seitenbereichen erfolgt durch eine Transversalbewegung 22 wenigstens eines zweiten Anpresselements 24, oder eines zweiten und dritten Anpresselements 24 (Aufeinanderzu- und Voneinanderwegbewegung), insbesondere von jeweiligen seitlichen Anpressschienen 24 auf jeder Seite der Vorrichtung 1 bzw. des Blocks 2. Hierzu sind die Anpressschienen 24 auf jeweiligen Schienen 30 des Anpresstischs 16 gelagert und bewegbar bzw. verschiebbar. Der Abstand der Anpressschienen 24 zueinander ist zunächst um ein gewünschtes Maß größer als die Blockdicke (Ausdehnung des Blocks 2 quer zur Transportrichtung 6). Diese so genannte "Einlaufbreite" (entspricht der Blockdicke zuzüglich zweimal dem seitlichen Einlaufabstand zwischen Block 2 und Anpressschiene 24) wird über einen bestimmten Verfahrweg des Anpresstischs 16 (in einer ersten Phase des seitlichen Anpressens) im Wesentlichen konstant gehalten. Danach (in einer zweiten Phase des seitlichen Anpressens) bewegen sich die im Gleichlauf mit dem Block 2 befindlichen Anpressschienen 24 aufeinander zu und pressen den Umschlag seitlich an.

Durch die Überlagerung der Vertikalbewegung 12 mit der Horizontalbewegung 20 vollführt der Anpresstisch 16 eine Bahnbewegung 26. Des Weiteren vollführen die Anpressschienen 24 durch die Überlagerung der Horizontalbewegung 20 mit der Transversalbewegung 22 jeweilige gegenläufige Bahnbewegungen 28, wobei die Bahnbewegungen 28 noch mit der Bahnbewegung 26 überlagert werden.

Die Erzeugung der Anpressbewegung (Transversalbewegung) der jeweiligen Anpressschienen 24 erfolgt bevorzugt durch eine jeweilige, vorzugsweise ortsfest angeordnete bzw. gestellfeste (in Bezug auf das Gestell 31 der Vorrichtung 1) Antriebseinheit 32 auf jeder Seite der Vorrichtung 1, d. h. jeder Anpressschiene 24 ist bevorzugt eine eigene Antriebseinheit 32 zugeordnet.

Die Antriebseinheit 32 umfasst einen bevorzugt separat ansteuerbaren Servomotor 34, welcher (z. B. über einen - zum Zweck der Übersichtlichkeit nicht dargestellten - Zahnriemen oder ein sonstiges Übertragungsmittel) eine drehbare Spindel 36 antreibt. Die von dem Servomotor 34 eingeleitete Drehbewegung der Spindel 36 wird (über eine - zum Zweck der Übersichtlichkeit nicht dargestellte - Spindelmutter im Innern eines verschiebbaren Elements 38) in eine steuerbare Transversalbewegung 22 des verschiebbaren Elements 38 übersetzt.

Alternativ zu der beschriebenen kostengünstigen Antriebseinheit 32 mit Servomotor 34 und Lineareinheit aus Spindel 36 und verschiebbarem Element 38 kann auch eine Antriebseinheit 32 mit einem Linearservomotor 34' eingesetzt werden.

An dem verschiebbaren Element 38 ist eine Koppelstange 40 an ihrem ersten, antriebseitigen Ende angelenkt, welche die Transversalbewegung 22 von der Antriebseinheit 32 bzw. von dem verschiebbaren Element 38 auf die ihr zugeordnete Anpressschiene 24 überträgt. Zu diesem Zweck ist die Koppelstange 40 weiterhin an ihrem zweiten, abtriebseitigen Ende an der ihr zugeordneten Anpressschiene 24 angelenkt. Der antriebseitige Gelenkpunkt 42 der Koppelstange 40 ist somit entsprechend der steuerbaren Transversalbewegung 22 des verschiebbaren Elements 38 gesteuert verschiebbar. Vorzugsweise liegt der antriebseitige Gelenkpunkt 42 in lateraler Richtung (quer zur Transportrichtung 6) außerhalb des Bereichs des horizontal bewegten (Vor- und Rückbewegung) Anpresstischs 16.

Eine elektronische Steuereinheit 120 steht mit den beiden Servomotoren 34 über eine Verbindung 124 in Kontakt, beispielsweise über Kabelverbindung (drahtgebunden) oder Funkverbindung (drahtlos), und beaufschlagt die Servomotoren 34 mit elektronischen Steuerprofilen 122, welche Bewegungsprofile der zugeordneten Anpressschienen 24 darstellen. Vorzugsweise werden die beiden Servomotoren 34 mit demselben Steuerprofil 122 beaufschlagt. Es ist jedoch auch möglich, den beiden Servomotoren 34 verschiedene Steuerprofile 122 zuzuordnen, z. B. falls die Blockdicke nicht symmetrisch zur Vorrichtung 1 aufbaut.

Die Steuerprofile 122 können vorbereitet in einem elektronischen Speicher abgelegt und vorgegebenen Verarbeitungsaufträgen zugeordnet sein. Zusätzlich oder alternativ können die Steuerprofile 122 in Abhängigkeit von vorgegebenen Verarbeitungsaufträgen, d. h. in Abhängigkeit bestimmter Parameter wie z. B. Bewegung bzw. Bewegungsprofil des Anpresstisches 16, Blockdicke, Versatz, Einlaufbreite, Anpressposition, Anpresslänge und/oder Anpresskraft bzw. Anpressdruck, individuell errechnet werden. Weiterhin kann jeder der beiden Servomotoren 34 eine eigene, vorzugsweise integrierte Steuereinheit 120 aufweisen.

Die Servomotoren 34 können über die bestehende Verbindung 124 Rückmeldungen zur Steuereinheit 120 abgeben, so dass die Steuerprofile 122 auch überprüft, angepasst und/oder korrigiert werden können. Die Verbindung 124 kann alternativ auch zwei getrennte Verbindungen für die Übertragung des Steuerprofils 122 und für die Rückmeldung umfassen.

Der erzielte Anpressdruck ist außer von den mechanischen Parametern der Vorrichtung 1 direkt abhängig von bestimmten Materialparametern, beispielsweise von der Gesamtdicke von Block 2 mit Umschlag (entspricht der Blockdicke zuzüglich zweimal der Umschlag dicke). Bei Schwankungen dieser Materialparameter während der Produktion ändert sich der durch die seitlichen Anpressschienen 24 tatsächlich erzielte Anpressdruck entsprechend. Durch Rückmeldung des tatsächlich erzielte Anpressdrucks, welcher z. B. über den Laststrom des Servomotors 34 ermittelt werden kann, an die Steuereinheit 120 können bereits während der laufenden Produktion Korrekturen am verwendeten Steuerprofil 122 vorgenommen werden.

Weiterhin kann die Steuereinheit 120 Signale oder Daten von Sensoren erhalten, die die Materialparameter, z. B. die Blockdicke oder die laterale Position des Blocks bzw. der Blockseiten, während der laufenden Produktion erfassen. Somit kann das aktuelle Steuerprofil 122 bereits während der laufenden Produktion, vorzugsweise in Echtzeit überprüft, angepasst und/oder korrigiert werden, so dass jeder einzelne Block 2 optimal mit einem Umschlag 8 versehen wird.

Die Bewegung der Anpressschienen 24 erfolgt unter Ansteuerung durch die Steuereinheit 120 derart, dass einer oder mehrere der folgenden Parameter berücksichtigt wird: Bewegung bzw. Bewegungsprofil des Anpresstisches 16, Blockdicke, Versatz, Einlaufbreite, Anpressposition, Anpresslänge und/oder Anpresskraft bzw. Anpressdruck.

Der Erfindung liegt auch der Gedanke zu Grunde, die im Stand der Technik bekannten Antriebe, z. B. Kurvenscheiben, für Anpressschienen und die ihnen zugeordneten mechanischen Stelleinrichtungen, z. B. Exzenter, zu vereinfachen und deren Funktionen (Antrieb und Verstellung) in einer Einheit zusammenzufassen. Durch das Zusammenfassen der Funktionen in einer Einheit, in diesem Ausführungsbeispiel in der Antriebseinheit 32, und durch das Vorsehen einer Steuerung der Einheit, in diesem Ausführungsbeispiel durch die Steuereinheit 120, wird es in vorteilhafter Weise möglich, die Anpressschienen auf einfache Weise und mit wenigen technischen Mitteln mit beliebigen Bewegungsprofilen zu beaufschlagen und somit in ihrer Bewegung gezielt zu steuern.

Der Erfindung liegt ferner auch der Gedanke zu Grunde, die im Stand der Technik vorgesehene mechanische Kopplung der Transversalbewegung der Anpressschienen an andere Bewegungen, z. B. an die Transportbewegung der Blocks oder an die Horizontalbewegung oder Vertikalbewegung des Anpresstischs, aufzuheben bzw. die Transversalbewegung zu entkoppeln.

Die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 und ihr Einsatz sowie das erfindungsgemäße Verfahren führen zu folgenden weiteren Vorteilen:

  • Gegebene Möglichkeit sowohl den Hub als auch den Hubverlauf der seitlichen Anpressschienen variabel einstellen zu können;
  • Gegebene Möglichkeit die zur Maschinengeschwindigkeit umgekehrt proportionalen, maximal nutzbaren Zeitfenster für den Anpressvorgang im Wesentlichen vollständig und optimal zu nutzen;
  • Gegebene Möglichkeit der Reduzierung der bewegten Massen und der Bauteileanzahl. Damit einhergehend Reduzierung von Spiel in den Übertragungsgliedern und somit höhere Genauigkeit der gewünschten Bewegung der seitlichen Anpressschienen;
  • Gegebene Möglichkeit der zusätzlichen Verlängerung der Prozesszeiten für das seitliche Anpressen bei Maschinengeschwindigkeiten unterhalb der Nenngeschwindigkeit durch veränderbare Steuerzeiten;
  • Gegebene Möglichkeit der Steigerung der Prozesssicherheit durch Einstellenmöglichkeit der Prozessgrößen Pressdruck und/oder Presskraft und damit einhergehende Verbesserung des Endproduktes; und/oder
  • Gegebene Möglichkeit der Verringerung der Bauteilbelastung durch Einstellen der Anpresskraft in Abhängigkeit von Materialeigenschaften und zu verpressender Klebefläche.

Bezugszeichenliste

1
Vorrichtung
2
Block
4
Zange
6
Transportrichtung
8
Umschlag
10
Rücken
12
Vertikalbewegung
13
Rahmen
14
Schienen
16
erstes Anpresselement/Anpresstisch
18
Schiene
20
Horizontalbewegung
22
Transversalbewegung
24
zweites und drittes Anpresselement/Anpressschienen
26
Bahnbewegung
28
Bahnbewegung
30
Schienen
31
Gestell
32
Antriebseinheiten
34
Servomotoren
34'
Linearservomotoren
36
Spindeln
38
verschiebbare Elemente
40
Koppelstangen
42
Gelenkpunkte
100
Klebebindemaschine
110
Pressstation
120
Steuereinheit
122
Steuerprofile
124
Verbindung/Verbindungen


Anspruch[de]
Vorrichtung zum Anpressen eines Umschlages (8) an einen in eine Transportrichtung (6) bewegten Bedruckstoffblock (2), mit einem in einer ersten Richtung (12) bewegbaren ersten Anpresselement (16) und wenigstens einem in einer zur ersten Richtung (12) im Wesentlichen transversalen zweiten Richtung (22) bewegbaren zweiten Anpresselement (24),

dadurch gekennzeichnet,

dass die Vorrichtung (1) eine Antriebseinheit (32) umfasst, welche über eine Verbindung (124) zu einer Steuereinheit (120) mit einem veränderbaren Steuerprofil (122) beaufschlagbar ist.
Vorrichtung nach Anspruch 1,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Antriebseinheit (32) - einen Servomotor (34), eine Spindel (36) und ein verschiebbares Element (38), oder - einen Linearservomotor (34') umfasst.
Vorrichtung nach Anspruch 1,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Antriebseinheit (32) von einem Antrieb zum Bewegen des ersten Anpresselements (16) und/oder von einem Antrieb zum Bewegen des Bedruckstoffblocks (2) mechanisch entkoppelt ist.
Vorrichtung nach Anspruch 1,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Vorrichtung (1) eine Koppelstange (40) umfasst, welche die von der Antriebseinheit (32) erzeugte Bewegung (22) auf das zweite Anpresselement (24) überträgt.
Vorrichtung nach Anspruch 1,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Antriebseinheit (32) und/oder das zweite Anpresselement (24) über die Verbindung (124) eine Rückmeldung an die Steuereinheit (120) zum Überprüfen, Anpassen und/oder Korrigieren des Steuerprofils (122) sendet.
Vorrichtung nach Anspruch 1,

dadurch gekennzeichnet, - dass das erste Anpresselement (16) ein in der vertikalen Ebene bewegbarer Anpresstisch (16) ist, - dass das zweite Anpresselement (24) eine in der horizontalen Ebene bewegbare Anpressschiene (24) ist, - dass die Vorrichtung (1) ein drittes Anpresselement (24) umfasst, welches ebenfalls eine in der horizontalen Ebene bewegbare Anpressschiene (24) ist, und - dass zwei die beiden Anpressschienen (24) antreibenden Antriebseinheiten (32) einen jeweiligen mit einem veränderbaren Steuerprofil (122) beaufschlagbaren Servomotor (34, 34') umfassen.
Bedruckstoff verarbeitende Maschine, insbesondere Klebebinder (100) oder Anpressstation (110) eines Klebebinders,

gekennzeichnet

durch eine Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6.
Verfahren zum Anpressen eines Umschlages (8) an einen in eine Transportrichtung (6) bewegten Bedruckstoffblock (2), wobei der Umschlag (8) von einem in einer ersten Richtung (12) bewegbaren ersten Anpresselement (16) und von wenigstens einem in einer zur ersten Richtung (12) im Wesentlichen transversalen zweiten Richtung (22) bewegbaren zweiten Anpresselement (24) an den Bedruckstoffblock (2) angepresst wird,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Bewegung in der zweiten Richtung (22) in Abhängigkeit von einem veränderbaren Steuerprofil (122) erfolgt.
Verfahren nach Anspruch 8,

dadurch gekennzeichnet,

dass das Anpressen mit dem zweiten Anpresselement (24) mechanisch entkoppelt von

dem Anpressen mit dem ersten Anpresselement (16) erfolgt.
Verfahren nach Anspruch 9,

dadurch gekennzeichnet,

dass das Steuerprofil (122) in Abhängigkeit von einer Rückmeldung des zweiten Anpresselements (24) oder einer ihm zugeordneten Antriebseinheit (32) überprüft, angepasst und/oder korrigiert wird.






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