Die Erfindung betrifft optisch transparente Leichtbauelemente, die
für Überdachungen oder auch schützende Seitenwände eingesetzt
werden können. Dabei können sie ähnlich wie Folienkissen ausgebildet
sein. Ein besonderer Aspekt ist die Möglichkeit der Einflussnahme auf optische
Eigenschaften, wobei eine unterschiedliche Einfärbung und wieder Entfärbung
möglich ist, so dass die Transparenz temporär verändert werden kann.
Hierfür sind aus WO 96/15348 A1 oder auch EP
1 421 437 B1 sowie aus „Gasochromic windows", V. Wittwer, M. Datz,
J. Ell, A. Georg, W. Graf, G. Walze, Solar Energy Materials & Solar Cells 84 (2004)
305–314, Lösungen bekannt, bei denen z.B. gasochrome Stoffe auf Glas
oder Dicke Polymersubstrate als Schicht aufgebracht werden sollen. Diese Stoffe
haben die Eigenschaft unter dem Einfluss bestimmter in einem Gas enthaltenen Materialien
wie z.B. Wasser- und Sauerstoff oder auch andere reduzierende und oxidierende Gase,
ihre optischen Eigenschaften reversibel zu verändern, wobei evtl. ein zusätzliches
katalytisches Material für befriedigend kurze Reaktionszeiten notwendig sein
kann. Geeignete gasochrome Stoffe sind in diesem Stand der Technik offenbart und
können auch bei der Erfindung in analoger Form eingesetzt werden. Dies trifft
auch im Wesentlichen auf die Einleitung der Farbänderung der mit gasochromen
Stoffen gebildeten Schichten zu.
Bei den bekannten Lösungen werden solche Schichten aber auf Substraten
ausgebildet, die für Wasser dicht sind, so dass ein Eindringen von Feuchtigkeit
aus einer Umgebungsatmosphäre nicht möglich ist.
In EP 1 421 437 B1
ist auch auf das Problem der Empfindlichkeit gasochromer Stoffe gegenüber Feuchtigkeit
eingegangen worden und es sind auch Lösungsansätze vorgeschlagen. Diese
sind aber bei flexiblen Elementen, die mit Folien hergestellt worden sind, nicht
oder nur mit begrenzter Wirkung einsetzbar.
Es ist daher Aufgabe der Erfindung optisch transparente Leichtbauelemente,
die mit einer im Inneren mindestens einer Kammer ausgebildeten Beschichtung mit
einem gasochromen Stoff, versehen sind, zur Verfügung zu stellen, deren Lebensdauer
infolge eines reduzierten Feuchtigkeitseinflusses, verlängert werden kann.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe mit einem Leichtbauelement,
das die Merkmale des Anspruchs 1 aufweist, gelöst. Geeignete Verwendungen sind
im Anspruch 14 benannt.
Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung können
mit in den untergeordneten Ansprüchen bezeichneten Merkmalen erreicht werden.
Erfindungsgemäße Leichtbauelemente können für
die Herstellung von Gebäuden oder auch Teilen von Gebäuden eingesetzt
werden. Auch der Einsatz im Fahrzeug ist denkbar, dabei kann neben dem Leichtbauaspekt
auch ein gezielter Einfluss auf die Transmission oder Reflexion elektromagnetischer
Strahlung genommen werden.
Hierfür werden die Eigenschaften gasochromer Stoffe, wie beispielsweise
hierfür bekannte Metalloxide (z.B. WO3) oder auch andere Verbindungen,
die im vorab genannten Stand der Technik bereits beispielhaft genannt worden sind,
eingesetzt werden. Diese können gemeinsam mit ebenfalls bekannten katalytisch
wirkenden Komponenten eingesetzt werden, um die optische Transparenz zu beeinflussen.
Dabei wird eine Beschichtung mit einem gasochromen Stoff auf eine
Innenwand einer Kammer, zumindest auf Bereichen der Oberfläche ausgebildet.
Durch die Kammer kann ein Gas geführt werden, dass eine Komponente enthält,
die zu einer Änderung der optischen Eigenschaften, z.B. der Transmission oder
Reflexion, innerhalb eines Spektralbereichs elektromagnetischer Wellen führt.
Dies kann in bevorzugter Form Wasserstoff sein, der mit geringem Anteil in einem
bevorzugt inerten Gas enthalten ist.
Soll die Änderung der optischen Eigenschaften wieder umgekehrt
werden, also beispielsweise bei WO3 als gasochromes Material eine Entfärbung
der Beschichtung erfolgen, wird ein anderes Gas durch bzw. in die Kammer geführt.
Dies kann ein Sauerstoff enthaltendes Gas, beispielsweise Luft, sein.
Da bei einem erfindungsgemäßen Leichtbauelement die Wandungen
der mindestens einen Kammer mit der Beschichtung eine sehr geringe Dicke im Vergleich
zu den bekannten Verglasungselementen aufweisen und bevorzugt flexibel verformbar
sind, ist eine solche Kammer von mindestens einer weiteren Kammer mittels einer
für Wasser permeablen Membran getrennt. Durch von außen in die mit Beschichtung
versehene Kammer eindringendes Wasser oder auch darin gebildetes Wasser kann so
durch die Membran in die weitere Kammer gelangen, so dass der unerwünschte
Feuchtigkeitseinfluss und eine Kondensation vermieden, zumindest jedoch erheblich
reduziert werden können. Dabei soll zumindest temporär in der weiteren
Kammer eine Gasatmosphäre vorhanden sein, die einen kleineren Wasseranteil
enthält, dadurch kann das durch die Membran gelangende Wasser aufgenommen und
mit dem Gas abgeführt werden.
So kann durch eine oder auch mehrere weitere Kammer(n) Luft mit reduziertem
Wassergehalt geführt werden, die das Wasser aufnehmen kann. Eine Wasseraufnahme
und ggf. auch eine Wasserabfuhr sollte in bestimmten Zeitintervallen und/oder immer
nach einem zur Ein- oder Entfärbung führenden Vorgang aus weiteren Kammern
durchgeführt werden.
Mit dem Gas/Gasgemisch, dass in den Kammern enthalten ist oder hindurch
geführt wird, kann bei ausreichend großem Innendruck die erforderliche
Stabilität eines in Form von Folienkissen/Luftkissen ausgebildeten Leichtbauelementes
erreicht werden.
Bevorzugt sind die Wände von Kammern aus für elektromagnetische
Strahlung, zumindest teilweise lichtdurchlässige, flexiblen Folien, gebildet.
Hierfür kommen geeignete Polymerfolien in Frage. Die Transparenz muss nicht
im gesamten Spektralbereich des sichtbaren Lichts gegeben sein. Es sollte aber der
Spektralbereich einer solchen Polymerfolie transparent sein, der vom jeweiligen
gasochromen Stoff beeinflusst werden kann.
Zur zusätzlichen Reduzierung der Permeation von Wasserdampf,
Sauerstoff und/oder Wasserstoff können zusätzliche Beschichtungen auf
die Kammerwände und/oder die Membran vorgenommen werden. Insbesondere die Reduzierung
der Permeation von Wasserstoff und/oder Sauerstoff ist für das gasochrome System
vorteilhaft, wenn es diese Gase als reaktive Gase verwendet. Dadurch kann ein zu
schnelles Entweichen dieser Gase zusätzlich zu der Barrierewirkung der Wände
bzw. Membran gegenüber diesen Gasen weiter unterdrückt werden.
Insbesondere kann die gasochrome Beschichtung selbst so gestaltet
werden, dass sie die Permeation der Gase Wasser, Wasserstoff und/oder Sauerstoff
reduziert. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn die gasochrome Beschichtung
auf einer nach außen weisenden Wand aufgebracht wird, da sie so von außen
eindringendes Wasser zusätzlich abhält.
Zur weiteren Reduktion der Permeation der Gase Wasser, Wasserstoff
und/oder Sauerstoff kann die gasochrome Beschichtung um eine zusätzliche Barriereschicht
erweitert werden, z.B. aus Siliciumoxid und/oder Aluminiumoxid. Diese kann beim
Beschichtungsprozess leicht integriert werden.
In einer Ausführungsform kann ein Leichtbauelement auch mit mehreren
Kammern, als Kammersystem ausgebildet sein. So können mehrere voneinander getrennte
eine gasochrome Beschichtung aufweisende Kammern mittels einer permeablen Membran
von mindestens einer weiteren Kammer getrennt sein. Damit kann ein erfindungsgemäß
gewünschter Feuchtigkeitsschutz und falls gewünscht auch eine Ein- oder
Entfärbung an ausgewählten Kammern initiiert werden. Umgekehrt können
auch mehrere voneinander getrennte Kammern über mehrere Membranen mit einer
gasochromen Beschichtung aufweisende Kammern verbunden sein.
Die Wandungen von Kammern sollten eine deutlich reduzierte Durchlässigkeit
(oder genauer Massen-Stromdichte) für Wasser aufweisen, als die trennenden
Membranen. Dies kann durch geeignete Polymerauswahl und/oder größere Dicken
von Polymerfolien erreicht werden.
Je nach gewünschter Festigkeit und Stabilität von Leichtbauelementen
werden erfindungsgemäß Polymerfolien im Dickenbereich 0,05 bis 0,5 mm,
bevorzugt im Bereich 0,1 bis 0,3 mm eingesetzt.
Geeignete Polymere sind beispielsweise fluorierte Polymere, Polyamid,
Polycarbonat, Polyester, Polysulfon, Polyethylen und Polypropylen.
Als bevorzugte fluorierte Polymere können Ethylen-Chlorotri-Fluoroethylen
(ETCFE), Ethylen-Tetrafluoroethylen (ETFE), fluoriertes Ethylen-Popylen (FEP), Polychlorotrifluorethylen
(PCTFE), Polytetrafluoroethylen (PTFE), Polyvinlyfluorid (PVF) oder Polyvinylidenfluorid
(PVDF) eingesetzt werden.
So weist beispielsweise Ethylen-Tetrafluoroethylen eine Permeabilität
für Wasser bei 25°C von typischerweise 0,1 g·mm/(m2·Tag) bis
0,8 g·mm/(m2·Tag) auf. Die Permeabilität einiger typischer polymeren
Folienmaterialien liegen in einer Bandbreite von 0,005 g·mm/(m2·Tag) bis
100 g·mm/(m2·Tag).
Die Wandungen der Kammern und auch Membranen können in herkömmlicher
Form stoffschlüssig miteinander verbunden und dabei auch gegenüber der
Umgebungsatmosphäre sowie untereinander abgedichtet sein.
Innerhalb von Kammern können auch Abstandshalter vorhanden sein,
mit denen bestimmte Abstände der Wände, eine Konturgebung und Stabilitätserhöhung
erreichbar sind. Abstandshalter können mit Schweißpunkten, Schweißlinien
oder eingeschweißten Folien erhalten werden.
Einfluss kann aber auch über die Einstellung des Innendruckes
in verschiedenen Kammern genommen werden, der auch in den Kammern eines Leichtbauelements
unterschiedlich groß sein kann.
Es kann auch Einfluss auf die geometrische Gestaltung erfindungsgemäßer
Leichtbauelemente und damit auch auf die damit hergestellten Gebäude
oder Gebäudeteile genommen werden.
Erfindungsgemäße Leichtbauelemente können vorteilhaft
auch so ausgebildet werden, dass das Innenvolumen eine oder mehrerer Kammer(n) mit
gasochromer Beschichtung kleiner als das Innenvolumen mindestens einer weiteren
Kammer, die von mit Beschichtung versehenen Kammer(n) mittels Membran getrennt ist/sind.
Dadurch kann auch ein größeres Gasvolumen für die Aufnahme von Wasser
aus beschichteten Kammern zur Verfügung gestellt werden.
Für die Gasführung in Leichtbauelementen können geschlossene
aber auch offene Systeme eingesetzt werden. So können geeignete Gase oder Gasgemische
aus Gasspeicherelementen, wie z.B. Druckgasbehälter in beschichtete Kammern
eingeleitet und dann wieder abgelassenen werden.
Es kann aber auch ein inertes Gas im Kreislauf durch beschichtete
Kammern geführt und das jeweilige Reaktivgas bei Bedarf dann zugemischt werden.
So kann ein teilgeschlossenes System erhalten werden.
Es besteht aber auch die Möglichkeit ein teilgeschlossenes System
mit einem Elektrolyseur in dem die Reaktivgase freigesetzt werden, einzusetzen,
wobei eine gesteuerte Einleitung des jeweils gewünschten Reaktivgases mit einem
Trägergas in beschichtete Kammern möglich ist.
Nachfolgend soll die Erfindung beispielhaft näher erläutert
werden.
Dabei zeigt: 1
- – mehrere Beispiele für Ausführungsformen erfindungsgemäßer
Leichtbauelemente, die nachfolgend ausgehend von links nach rechts beschrieben werden
sollen.
So ist in der ganz linken Darstellung ein Leichtbauelement mit zwei
Kammern 1 und 2 gezeigt. Beide Kammern sind aus einer ETFE-Folie
mit einer Dicke von 0,3 mm hergestellt und miteinander verbunden worden. Sie sind
mittels der Membran 3 voneinander getrennt.
Die Membran 3 ist ebenfalls aus einer ETFE-Folie mit einer
Dicke von 0,1 mm gebildet und daher für Wasser aus der Kammer 1 permeabel
ist.
Die Wand der Kammer 1 ist innen mit einer Beschichtung aus
WO3 versehen worden, in der noch eine katalytisch wirkende Komponente
enthalten sein kann oder auf der eine katalytisch wirkende Überbeschichtung,
wie z.B. Platin, ausgebildet worden ist (nicht dargestellt). Die Gaszufuhr und Ableitung
für die Einfärbung/Entfärbung erfolgt über die gezeigten Anschlüsse.
Durch die Kammer 2 kann hier über oben und unten angeordnete
Anschlüsse getrocknete Luft zu- und abgeführt werden. Der Anteil an Wasser
in der getrockneten Luft ist zumindest temporär kleiner als der Wasseranteil
der in der Kammer 1 enthalten ist und von außen in die Kammer
1 eingedrungen oder reaktiv darin gebildet worden ist. Dadurch kann Wasser
aus der Kammer 1 durch die Membran 3 in die Kammer 2
gelangen, von der Luft mit reduziertem Wassergehalt aufgenommen und damit abgeführt
werden, so dass ein Wasseranteilgradient zwischen den Kammern 1 und
2 aufrecht erhalten werden kann.
In der nächsten weiter rechts angeordneten Darstellung von
1 wird angedeutet, dass eine Veränderung der Innendruckverhältnisse
in den Kammern 1 und 2 zu veränderten Volumenverhältnissen
dieser unterschiedlichen Kammern 1 und 2 führen kann.
2 zeigt weiterhin, dass durch Einbringen einer weiteren Folie
5 eine bessere Wärmedämmung erzielt werden kann. Dies ist deshalb
vorteilhaft, weil die gefärbte gasochrome Folie bei Sonnenschein warm wird,
so dass auch durch die weitere Folie 5 verhindert wird, dass Wärme
in das Innere gelangt.
Mit der rechts nachfolgenden Darstellung in 1
ist ein Beispiel gezeigt, bei dem jeweils außen zwei Kammern 2 angeordnet
sind, in die bzw. durch die Luft mit reduziertem Wassergehalt für Aufnahme
und ggf. Abfuhr von Wasser aus mehreren Kammern 1, die mit einer gasochromen
Beschichtung versehen sind, geführt ist. Die Kammern 1 sind hier zumindest
nahezu in der Mitte der beiden Kammern 2 angeordnet und jeweils mit Membranen
von diesen getrennt. Der Vorteil dieser Ausführungsform ist darin zu sehen,
dass durch zwei Membrane eine effizientere Trocknung erreicht werden kann. Die zweite
Membran hat den zusätzlichen Effekt, dass von außen eindringendes Wasser
besser abgehalten wird.
In der ganz rechten Darstellung ist ein Beispiel eines Leichtbauelementes
gezeigt, bei dem mehrere Kammern 1 mit Beschichtung quasi eine Reihenanordnung
bilden und über Membranen 3 hier von einer Kammer 2 getrennt
sind, in die Wasser durch Membranen 3 aus den Kammern 1 gelangen
und ebenfalls von Luft mit reduziertem Wassergehalt aufgenommen werden kann. Im
Gegensatz zur vorstehenden Ausführungsform, bei der eingesetzten Folienstücke
verwendet werden, werden bei diesem Beispiel Punkt- bzw. Linienschweißung eingesetzt,
die den Zweck haben, den Abstand der Wände der gasochromen Kammer definiert
klein zu halten.
Für die Änderung der optischen Eigenschaften
der gasochromen Beschichtungen und demzufolge auch die Änderung der Transmission
oder Reflexion kann ein Gas mit jeweils geeigneter Zusammensetzung in eine oder
mehrere der Kammern 1 eingeführt und darin gehalten bzw. auch hindurch
geführt werden, bis eine Zustandsänderung gewünscht und hierfür
die jeweils andere Gaszusammensetzung in Kammer(n) 1 zugeführt wird.
Systemtechnisch stehen drei Betriebsweisen zur Wahl, ein vollständig
offenes System, ein teilgeschlossenes System mit Flaschengas und ein teilgeschlossenes
System mit Elektrolyseur.
1. Vollständig offenes System
Bei diesem System wird das Gas für die Änderung der optischen
Eigenschaft der gasochromen Kammer vollständig aus Gasflaschen zur Verfügung
gestellt und an die Umgebung abgelassen. Das Gas setzt sich immer aus einem inerten
Trägergas (z.B. N2 oder Ar) und einem Reaktivgas (H2
oder O2) zusammen. Konzentrationen der Reaktivgase von ca. 1% sind ausreichend.
2. Teilgeschlossenes System mit Reaktivgas aus Flasche
Bei diesem System wird das Gas in der gasochromen Kammer im Kreislauf
gehalten und nur das jeweilige Reaktivgas (100% H2 oder 100% O2
oder Luft) zugesetzt. Dies reduziert den Gasverbrauch erheblich, steigert aber den
Aufwand durch den geschlossenen Gaskreislauf.
3. Teilgeschlossenes System mit Elektrolyseur
Bei diesem System wird das Gas im Kreislauf geführt, wie zuvor.
Jedoch werden die Reaktivgase durch einen Elektrolyseur erzeugt.