Die Erfindung betrifft einen Reaktor zur anaeroben Reinigung von Abwasser.
Derartige Reaktoren sind in unterschiedlichen Ausführungsformen
bekannt, wobei ein Reaktortyp als UASB-Reaktor (Upflow-Anaerobic-Sludge-Blanket-Reactor)
bezeichnet wird. Dieser Reaktortyp ist unter anderem aus dem Buch „Anaerobtechnik
Handbuch der anaeroben Behandlung von Abwasser und Schlamm" Springer Verlag, Prof.
Dr.-Ing. Dr.h.c. Dr. E.h. B. Böhnke, Prof. Dr.-Ing. W. Bischofsberger, Prof.
Dr.-Ing. C.F. Seyfried, Kap. 6.4.1, vorbekannt. Bei diesem UASB-Reaktor, dem ein
biologisches Verfahren zugrunde liegt, wird die Fähigkeit von biologischen
Bakterien ausgenutzt, organische Substanzen abzubauen und in niedermolekulare Substanzen
umzusetzen. Bei diesen Umsetzungsprozessen entsteht Biomasseschlamm, Biogas sowie
das gereinigte Wasser.
Der UASB-Reaktor besteht im wesentlichen aus einem geschlossenen Behälter,
der von unten nach oben mit dem zu reinigenden Abwasser durchströmt wird, wobei
sich im unteren Bereich des Behälters eine mit Mikroorganismen (Bakterien)
versetzte Schlammzone, das sogenannte Schlammbett, befindet. Im Kopfbereich des
Reaktors ist eine sogenannte Dreiphasen-Trenneinrichtung angeordnet, die eine Abtrennung
von Gas, dem gereinigten Abwasser und Schlammpartikeln bewirkt. Um eine gute Reinigungsleistung
des Reaktors zu erzielen und einen kontinuierlichen störungsfreien Betrieb
des Reaktors sicherzustellen, wird insbesondere die gleichmäßige Verteilung
des zugeführten zu reinigenden Abwassers als auch eine sichere Trennung von
Gas, Wasser und Schlammpartikeln in der Dreiphasen-Trenneinrichtung benötigt.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, einen UASB-Reaktor
derart weiterzubilden, dass eine gute Reinigungsleistung sowie ein kontinuierlicher
störungsfreier Betrieb und ein geringer Wartungsaufwand des Reaktors erzielt
wird.
Diese Aufgabe wird durch die im Patentanspruch 1 angegebenen Merkmale
gelöst.
Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Reaktors unter Bezugnahme auf die Figuren erläutert.
Es zeigen:
1: eine Darstellung einer Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Reaktors im Querschnitt;
2: einen Längsschnitt des in 1
dargestellten Reaktors;
3: eine Darstellung des Zulaufrohrsystems im Bereich
des Behälterbodens in Draufsicht;
4: eine vergrößerte Darstellung eines Querschnittes
durch ein Abscheidepaket gem. der Schnitt-Linie IV-IV in 1.
Der in 1 im Querschnitt dargestellte
Reaktor 1 zur anaeroben Abwasserbehandlung wird in der industriellen Abwasserbehandlung
eingesetzt.
Der Reaktor 1 besteht dabei im wesentlichen aus einem geschlossenen
im Querschnitt rechteckigen Behälterraum 2, einem Zulaufrohrsystem
3 für das zu behandelnde Abwasser im Bodenbereich des Behälterraums
2, einer Dreiphasen-Trenneinrichtung 4 im Kopfbereich des Behälterraums
2 sowie einer im oberen Endbereich mittig angeordneten horizontal längsverlaufenden
Wasserablaufrinne 5 und ebenfalls im oberen Endbereich angeordneten Gassammelbereichen
6 sogenannten Gasdomen mit Gasabführleitungen.
Im Bodenbereich des Behälterraums 2 befindet sich eine
mit Mikroorganismen versetzte Aktivschlammzone, in die eine Vielzahl von Zuführleitungen
für das zu behandelnde Abwasser mündet. Die konstruktive Ausgestaltung
des Zulaufrohrsystems 3 wird nachfolgend näher erläutert.
Wie es aus der Schnittdarstellung zur 3
zu ersehen ist, besteht das Zulaufrohrsystem 3 aus einer Vielzahl parallel
zueinander ausgerichteter Rohrleitungen 3', die sich im unteren Endbereich
des Behälterraums 2 in einer Höhe von ca. 100 – 250mm
horizontal beabstandet vom Behälterboden über die gesamte Breite des Behälterraums
2 erstrecken. Die Rohrleitungen 3' besitzen jeweils regelmäßig
beabstandet angeordnete Einströmdüsen 7, wobei das Einströmen
des zu behandelnden Abwassers in 3 durch die Pfeile
dargestellt ist. Diese Rohrleitungen sind mit einem entsprechenden Mess-Regelsystem
ausgestattet, so dass zum einen der Zulauf der einzelnen Rohrleitungen
3' individuell geregelt und zum anderen Störungen in Folge von Verstopfungen
sofort erkannt und beseitigt werden können. Die Rohrleitungen 3' sind
mit einem Spülanschluss versehen, so dass nach Bedarf die Rohrleitungen
3' gespült werden können.
Wie bereits zuvor beschrieben, erfolgt die Anströmung des Reaktors
über das Zulaufrohrsystem 3 gleichmäßig über die gesamte
Grundfläche des Reaktors 1. Durch diese Zuführung des Abwassers
und geeignete Steuerung der Anströmgeschwindigkeit verbleibt die aktive Biomasse
überwiegend im Höhenbereich bis maximal 2,5 m Reaktorhöhe über
dem Behälterboden. In diesem Bereich findet auch der wesentliche
anaerobe Umsatz der organischen Inhaltsstoffe in Gas statt.
Ein Teil der dabei gebildeten Gasblasen agglomerieren im Reaktor zu
immer größer werdenden Gasblasen, steigen auf und trennen sich in den
im oberen Endbereich jeweils an den Längsseiten des Behälterraumes
2 angeordneten Gassammelbereichen 6 von Wasser ab. Die Gassammelbereiche
6 sind jeweils mit Gasabführleitungen versehen und führen das
Biogas ab.
Durch die Strömungsführung gelangt das mit leichter Biomasse
gering beladene Abwasser in den oberen Behälterraum.
Im oberen Bereich des Behälterraums 2 in dessen Kopfbereich,
ist mittig eine sogenannte Dreiphasen-Trennvorrichtung 4 angeordnet, in
der eine Abtrennung von Restgas, Biomasseschlamm und gereinigtem Wasser erfolgt.
Die Dreiphasen-Trenneinrichtung 4 ist an einer mittig im
Behälterraum 2 angeordneten Stützkonstruktion 8 befestigt
und besteht im wesentlichen aus zwei parallel nebeneinander in Längsrichtung
des Reaktors angeordneten V-förmig ausgebildeten Rinnen 9, in die
jeweils ein sogenanntes Abscheidepaket 10 eingefügt ist.
Die Dreiphasen-Trenneinrichtung 4 bzw. die v-förmigen
Rinnenkonstruktionen 9 sind derart ausgestaltet, dass das Gas-Wasser-Schlamm-Gemisch
durch die eingebaute Konstruktion entweder über die rechts oder linksseitig
angeordneten Gassammelbereiche 6 geleitet werden und anschließend
durch eingebaute Schikanen 11 das Wasser-Schlamm-Gemisch nach unten umgelenkt
und dem Abscheidepaket 10 zugeführt wird. Durch die Umlenkung der
Wasserströmung erhält man eine Tauchung, wodurch ein Gasdurchtritt in
den Bereich der Dreiphasen-Trenneinrichtung verhindert wird.
Die Biomassen-Wasser-Trennung erfolgt hierbei in zwei parallel eingebauten
Abscheidepakten 10, welche in Längsrichtung horizontal verlaufend
im Reaktor 1 eingebaut sind. Die Abscheidepakete 10 liegen jeweils
mit ihrer einander zugewandten Seitenwand an der der Behältermitte zugewandten
Seitenwand der v-förmig ausgebildeten Rinne 9 an. Hierdurch erhält
man eine schräggestellte Anordnung der Abscheidepakete 10, die in
einem Winkel von 15° bis 45° variieren kann. Nähere konstruktive
Einzelheiten sind der Schnittdarstellung in 4 zu entnehmen.
Aus 4 ist ersichtlich, dass das Abscheidepaket aus
einer Vielzahl nebeneinanderliegend angeordneter röhrenförmiger Abschnitte
10' besteht, wobei diese im Querschnitt eine Wabenstruktur besitzen. Im
dargestellten Ausführungsbeispiel weist die Wabenstruktur ein Sechseckprofil
auf. Die röhrenförmige Abschnitte können auch einen anderen Querschnitt
beispielsweise einen kreisförmigen Querschnitt besitzen. Die Abscheidepaktete
10 sind vorzugsweise aus Kunststoffen hergestellt.
Wie bereits zuvor kurz beschrieben, wird das Wasser-Schlamm-Gemisch
über die Gassammelräume 6 durch eingebaute Schikanen
11 in der Richtung umgekehrt und komplett in der Durchflussrichtung von
unten nach oben durch die schräg eingebauten Abscheidepakete 10 zu
einer Ablaufrinne 5 geführt (dargestellt durch Pfeile in
1 und 2). Durch den Schrägeinbau
der Abscheidepakete 10 ist sichergestellt, dass das gesamte Wasser-Schlamm-Gemisch
durch die Abscheidepakete 10 geführt wird. Aufgrund der konstruktiven
Ausgestaltung der Abscheidepakete 10 und des oben genannten Einbaus wird
eine optimal große Abscheidefläche erreicht, wodurch eine effiziente Biomassen-Wasser-Trennung
erzielt werden kann. Aufgrund des Schrägeinbaus der Abscheidepakete
10 und der Wabenstruktur im Querschnitt wird eine gesamte horizontal projizierte
Oberfläche von ca. 25-60 m2/lfd. Meter Reaktorlänge erzielt.
Wie es aus den 1 und 2
ersichtlich ist, ist mittig im oberen Bereich der Dreiphasen-Trenneinrichtung
4 eine horizontal längs verlaufende Wasserablaufrinne 5 angeordnet,
die im wesentlichen einen rechteckigen Querschnitt besitzt und wobei die in Längsrichtung
verlaufenden oberen Kanten 12 ein Zackenprofil aufweisen. Das durch die
Abscheidepakete 10 geführte vom Biomassenschlamm getrennte Wasser
kann nachfolgend über die gezackten Einlaufkanten 12 in die Wasserablaufrinne
5 strömen und wird abgeführt. Die Wasserablaufrinne
5 ist höhenverstellbar ausgebildet. Durch die Ausbildung der Wasserablaufrinne
5 werden stark beruhigte Ablaufgeschwindigkeiten erreicht, wodurch ein
mitziehen von Feinstpartikeln verhindert wird. Eventuell gebildeter Schwimmschlamm
wird über eine beidseitig an der Reaktorstirnseite angebrachte nicht dargestellten
Überlauf abgezogen.
Der in den Abscheidepaketen 10 abgetrennte Schlamm wird aufgrund
der konstruktiven Ausgestaltung der v-förmigen Rinnen 9 nach unten
geleitet und gelangt über eine im unteren Bereich der v-förmigen Rinnen
9 angeordnete Austrittsöffnung 13 in den Behälterraum
2 zurück. Bedingt durch die im Wasser-Schlamm-Raum erhöhte Dichte
des Wassers und durch den zurücklaufenden Schlamm wird innerhalb des Abscheidepaketes
10 eine Gassperre aufgebaut, welche einen Gasdurchtritt von unten aus dem
Behälterraum 2 in den Abscheideraum der Dreiphasen-Trenneinrichtung
4 und damit in die Atmosphäre verhindert. Weiterhin ist im unteren
Bereich der v-förmigen Rinnen 9 jeweils eine Reinigungseinrichtung
14 vorgesehen, die eine Ablagerung von Schlammbrücken in dem Durchtrittsbereich
13 zum Behälterraum 2 entfernt. Die Reinigungsvorrichtung
14 ist hierzu als Schlammscraper ausgebildet, der angepasst an das Rinnenprofil
9 einen dreieckigen Querschnitt aufweist und über eine Seilkonstruktion
periodisch in Längsrichtung am Bodenbereich der v-förmigen Rinnen
9 entlang gezogen werden kann. Dies ist durch die Pfeile 15 angedeutet.
Im Bereich des Zu- und Ablaufes des Reaktors 1 ist weiterhin
eine Messeinrichtung zur elektrooptische Trübungsmessung zwecks Online-Überwachung
der Wasserqualität hinsichtlich der Trübstoffe installierbar. Mit dieser
Messeinrichtung wird die jeweilige Konzentration an partikulären und emulgierten
Trübstoffen wie z.B. Bioschlamm, emulgierten Fetten oder feinpartikulären
Lebensmittelresten durch den Einfluss auf die Lichtstreuung erfasst. Die Messsignale
der Trübungsmessung werden in dem Mess-Regelsystem ausgewertet und der Zulaufvolumenstroms
entsprechend der anlagenspezifischen Kennlinie geregelt. Durch diese Überwachungs-
und Mess-Regelungstechnik wird eine hohe Ablaufqualität mit geringer Trübstoffbelastung
erreicht und der Austrag von Bioschlamm vermieden. Die Trübungsmessung ermöglicht
neben der Onlineregelung auch eine Fernüberwachung der Reinigungsleistung des
Reaktors 1. Die entsprechende Messeinrichtung und das Mess-Regelsystem
ist zeichnerisch nicht dargestellt.