Die vorliegende Erfindung betrifft eine umgebaute Kläranlage
mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs 1.
Alte Kläranlagen stammen häufig aus den 1950er oder 1960er
Jahren und müssen erneuert werden, um den aktuellen Richtlinien zu genügen.
Tropfkörperanlagen der Firma Schreiber wurden bereits in den 50er Jahren gebaut
und sind in Deutschland weit verbreitet. Diese Kompaktanlagen unterscheiden sich
von anderen Tropfkörperanlagen dadurch, dass sämtliche Komponenten (mit
Ausnahme von Rechen und Sandfang) in einem einzigen Bauwerk vereint sind. Die Vorteile
des Schreiber-Modells liegen im geringen Platzanspruch und der hydraulisch einwandfreien
Funktionalität. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass
das Funktionskonzept der Anlage stets gleich war. Das Schreiber-Klärwerk, wie
zum Beispiel der in Frauenau gebaute Typ K6000, war zur Zeit des Baus auf dem neusten
Stand der Technik und erzielten deutlich bessere Reinigungsergebnisse als zum damaligen
Zeitpunkt gefordert wurden.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind die Anforderungen an die Reinigungsleistung
bestehender Kläranlagen jedoch deutlich gestiegen. Alte Anlagen können
die vorgeschriebenen Reinigungswerte nicht mehr erreichen. Gründe dafür
sind beispielsweise die Änderung der Ablaufwerte durch den Gesetzgeber, ein
Anstieg der Bevölkerungszahl im Anschlussbereich, oder geänderten Bemessungsansätze
für Kläranlagen. Werden die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllt,
erhält der Anlagenbetreiber keine wasserrechtliche Genehmigung für diese
Anlage mehr. Aus diesem Grund müssen Altanlagen erneuert bzw. durch Neuanlagen
ersetzt werden. Durch den Ersatz des alten mineralischen Füllkörpermaterials
im Tropfkörper bestehender Anlagen gegen eine Kunststofffüllung kann die
Reinigungsleistung bereits deutlich gesteigert werden. Dies wird u. a. in einem
Artikel von La Motta E. J. und Jimenez J. A., im Journal of Environmental Engineering
Vol. 128 Seite 764 (2002) diskutiert. Sollten die vorher durchzuführenden Berechnungen
ergeben, dass trotz des Austausches des Tropfkörper-Füllmaterials die
Ablaufwerte nicht eingehalten werden können, steht der Anlagenbetreiber vor
der Entscheidung, die bestehende alte Tropfkörperanlage zu erweitern oder eine
völlig neue Kläranlage zu konzipieren. In den letzten Jahren wurde in
Deutschland überwiegend die Variante des Neubaus von so genannten Belebungsanlagen
praktiziert. Für den Kostenträger bedeutet dies eine hohe finanzielle
Belastung.
Ziel der vorliegenden Erfindung ist die kostengünstige Sanierung
bestehender Schreiber-Kläranlagen, um Abwasser gemäß den heutigen
gesetzlichen Anforderungen zu reinigen.
Dieses Ziel der Erfindung wird mit dem Gegenstand des Anspruchs 1
erreicht. Merkmale vorteilhafter Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus
den abhängigen Ansprüchen.
In der hier beschriebenen Erfindung werden bereits vorhandene Schreiber-Tropfkörperanlagen
kostengünstig umgebaut und erweitert. Eine Sanierung kommt dann in Frage, wenn
ein Gutachten der Bausubstanz einen ausreichend guten Zustand des Bauwerks bescheinigt.
Unter der Bezeichnung Schreiber-Anlage versteht man von Dr. August
Schreiber vertriebene Kläranlagen, wie sie beispielsweise in dessen Patentanmeldung
DE 11 93 439 A und weiteren Anmeldungen
dargestellt sind.
Die sich im Abwasser befindlichen groben bzw. leicht sedimentierbaren
Verschmutzungen werden mithilfe eines Rechens und Sandfangs abgetrennt. Dann wird
das Abwasser zuerst klassisch einer mechanischen Reinigung durch Grobentschlammung
in einer Emscherrinne mit anschließender Feinreinigung von sedimentierbaren
Stoffen in der Vorklärung unterzogen. Der dabei entfernte Schlamm wird in Schlammfaulräumen
gesammelt. Anschließend wird das vorgereinigte Abwasser über die bereits
vorhandenen Pumpen, die bei Bedarf ausgetauscht und erneuert werden, nach oben gepumpt
und auf den Tropfkörper geleitet. Von dort aus wird das Abwasser über
einen Drehsprenger auf dem Tropfkörper verregnet, um eine gleichmäßige
Verteilung zu erzielen. Das Wasser durchläuft dann den Tropfkörper und
wird durch die dort lokalisierte Biozönose biologisch gereinigt, indem organische
Komponenten im Biofilm absorbiert und metabolisiert werden. Viele Inhaltsstoffe
(freie Bakterien, Flocken und Kolloide, etc.) adsorbieren dabei an den Biofilm in
einem als Bioflockung bekannten Prozess. Dabei bilden sich Aggregate aus Bakterien
und anderen mikroskopischen Partikel mit Hilfe z.T. natürlicher, biologisch
gebildeter Flockungsmittel. Als solche Mittel wirken beispielsweise von den Mikroorganismen
hergestellte hochpolymere Verbindungen und andere Makromoleküle (beispielsweise
Komponenten aus der bakteriellen Zellwand), aufgrund der von Natur aus negativ geladenen
Flockenoberfläche aber auch Salze, die häufig in Form von Eisen(III)-
und Aluminiumverbindungen zugesetzt werden. Der natürliche Zersetzungsprozess
(sog. Häutung) des Biofilms führt dazu, dass die Bioflockungsprodukte
z.T. aus dem Tropfkörper ausgeschwemmt werden. Die Abtrennung der Bioflockungsprodukte
erfolgt durch Nachschalten einer Bioflockungsstufe, bei der durch Sedimentation
eine Trennung der Biomasse inklusive adsorbierter und absorbierter Abwasserkomponenten
vom gereinigten Abwasser erzielt wird.
Durch den Umbau des innerhalb der Schreiber-Anlage bestehenden Nachklärbeckens
zum Belebungsbecken und dem Neubau eines den heutigen Anforderungen entsprechenden
Nachklärbeckens, werden die Kosten bei der Sanierung im Vergleich zum kompletten
Neubau bei gleichzeitig erhöhter Reinigungsleistung drastisch reduziert. Die
bestehenden Schlammfaulräume können später als Mehrzweckbecken für
Regenüberlauf, Press- und Trübwasserspeicherung, Schlammräume und
anderem dienen. Ein Schlammsilo kann als externe Einheit aufgebaut werden.
Das Belebungsbecken macht sich die Fähigkeit von Mikroorganismen
(Bakterien, Proto- und Metazoen u. a.) zunutze, die im Abwasser gelösten organischen
und anorganischen Schmutzstoffe, dazu zählen auch Stickstoff- und Phosphorverbindungen,
unter Sauerstoffzufuhr für ihren Stoffwechsel zu verwerten und z.T. in ihren
Zellen zu akkumulieren. Durch den Eintrag mechanischer Energie findet außerdem
ein Flockenwachstum statt.
In dem abschließenden, neu gebauten Nachklärbecken erfolgt
die Sedimentation der in der Belebung gebildeten Flocken. Für eine hohe Effizienz
des Verfahrens ist die rasche und vollständige Sedimentation des Belebtschlamms
in dem neu gebauten Nachklärbecken erforderlich. Damit dies erreicht werden
kann, müssen sich die Belebtschlammflocken im Nachklärbecken zu größeren
Flockenverbänden vereinigen. Bei diesem Vorgang, der sog. Flockung, spielen
Mechanismen wie Massenanziehung, Wasserstoffbrückenbildung und elektrostatische
Anziehung eine Rolle.
Die dabei entstehenden Flockenpakete sollten einen möglichst
großen Durchmesser bei einer möglichst hohen Dichte haben. Auch sollte
ihre Oberfläche beim Absetzvorgang möglichst nur geringe Strömungswiderstände
erzeugen.
Der sich im Nachklärbecken absetzende Belebtschlamm wird beispielsweise
mithilfe einer kontinuierlich laufenden Räumerbrücke mit einem Bodenschild
oder einer ähnlichen Einrichtung in den Bereich des Schlammabzugs gebracht
und kann dann zur Aufrechterhaltung einer konstanten Biomasse zurück in das
Belebungsbecken gepumpt werden (Rücklaufschlamm oder Impfschlamm). Der entstehende
laufende Schlammzuwachs (Überschussschlamm) wird kontinuierlich aus dem System
entfernt und in einen Schlammspeicher (z.B. Schlammsilo) eingebracht.
Reine Belebungsbeckenanlagen sind leistungsfähiger als reine
Tropfkörperanlagen, weisen jedoch einen höheren Stromverbrauch auf. Durch
die Nachschaltung eines Belebungsbeckens hinter den Tropfkörper (Hochlaststufe),
erhält die umgebaute Schreiber-Tropfkörperanlage das Reinigungsniveau
einer Belebungsanlage, wobei deutlich weniger Strom (Belüftungsenergie) verbraucht
wird.
Die in den alten Schreiber-Tropfkörperanlagen verwendeten mineralischen
Füllstoff können zur Vergrößerung der aktiven biologischen Oberfläche
außerdem durch eine Kunststofffüllung ersetzt werden.
Weitere Merkmale, Ziele und Vorteile der vorliegenden Erfindung gehen
aus der nun folgenden detaillierten Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung hervor, die als nicht einschränkendes Beispiel dient und auf
die beigefügten Zeichnungen Bezug nimmt.
1 zeigt eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen
Kläranlage,
2 eine umgebaute Schreiber-Tropfkörperanlage mit
zusätzlicher Nachklärung
3 zeigt einen Vertikalschnitt durch eine umgebaute
Schreiber-Anlage,
4 zeigt einen Vertikalschnitt durch das zum Belebungsbecken
umgebaute Nachklärbecken der umgebauten Schreiber-Anlage,
5 zeigt einen Horizontalschnitt durch die umgebaute
Schreiber-Anlage und
6 zeigt eine andere Darstellung von 1
dar, bei der die umgebaute Schreiber-Anlage in Draufsicht dargestellt ist.
Eine mögliche Ausgestaltung einer erfindungsgemäßen
Gesamt-Kläranlage 10 wird in 1 gezeigt.
Das in Rechen und Sandfang vom Grobgut gereinigte Abwasser wird zuerst über
einen Zulauf 15 einem Vorklärbecken 20 zugeführt und
vorgereinigt. In diesem Vorklärbecken 20 setzen sich alle sedimentierenden
Bestandteile des Abwassers am Boden ab und können dann z. B. über ein
Räumer- oder Schiebersystem abgezogen werden.
Das von groben Verschmutzungen gereinigte Abwasser wird über
einen Pumpensumpf 22 in eine umgebaute Schreiber-Tropfkörperanlage
24 gepumpt. Dort wird es sowohl absorptiv als auch biologisch gereinigt
und zu dem zur Belebung umgebauten Nachklärbecken 44 weiter geleitet.
Das gereinigte Abwasser wird dann im Nachklärbecken 26 vom sedimentierten
Belebtschlamm abgetrennt. Ein Teil des Wassers gelangt über eineneinstellbaren
Rücklauf 16 zurück zum Pumpenschacht 22 und durchläuft
die Reinigung durch die umgebaute Schreiber-Anlage 24 und das Nachklärbecken
26 erneut. Der andere Teil wird über den Ablauf 17 der Anlage dem
Vorfluter zugeführt. Der sedimentierbare Schlammanteil wird teilweise der Belebung
44 oder einer anderen vorgeschalteten Einheit zugeführt (Rücklaufschlamm)
und teilweise zur weiteren Stabilisierung in entsprechenden Schlammräumen als
Überschussschlamm aus dem Kreis entfernt.
2 zeigt wiederum eine umgebaute Schreiber-Tropfkörperanlage
24 sowie die weitere Nachklärung des im Tropfkörper vorgereinigten
Abwassers.
Das Abwasser wird in Schreiberanlage 24 eingeleitet (a).
Dort erfolgt eine mechanische Vorreinigung im Vorklärbecken 20 durch
Sedimentationsprozesse (b). Das vorgereinigte Wasser wird über Pumpen nach
oben befördert (c) und auf dem Tropfkörper 40 bspw. durch Verregnung
verteilt (d). Das Wasser fließt dann zusammen und wird zuerst in das biologische
Belebungsbecken 12 (f) und danach in das zusätzlich gebaute neue Nachklärbecken
14 eingeleitet (g).
Bei dem biologischen Belebungsbecken 12 zur Stickstoff- und
Phosphorbeseitigung sowie Denitrifikation handelt es sich um ein altes, bereits
vorhandenes Nachklärbecken, welches entsprechend umgebaut wird. Das zusätzliche
Nachklärbecken 14 muss hingegen neu gebaut werden.
Die 3 bis 5
zeigen den detaillierten Aufbau der umgebauten Schreiber-Anlage. Das Abwasser wird
über den Zulauf 30 zunächst der Vorklärung 20 zugeführt,
wo es eine Feinentschlammung (Feinreinigung 46) durchläuft. Eine bestehende
Emscherrinne muss in ihrer Funktion nicht beibehalten werden. Der in der Vorklärung
sedimentierte Schlamm wird in den bestehenden Mehrzweckbecken 34 oder in
externen Schlammspeichern gesammelt.
Das Wasser wird dann über den Pumpenschacht 36 mithilfe
einer Druckleitung zu einem Verteiler 38 gepumpt, der das Wasser über
den Tropfkörpern 40 durch Verregnung verteilt. Der Tropfkörper
enthält normalerweise mineralisches Füllmaterial auf welchem sich der
Biofilm befindet. Gemäß einer weiteren Ausführung der Erfindung kann
es jedoch gegen Kunststoffmaterial mit einer größeren Oberfläche
und damit einer höheren Belastungskapazität ausgetauscht werden. Das Wasser
läuft von oben nach unten durch den Tropfkörper und wird dabei durch die
Mikroorganismen gereinigt, indem diese organische und/oder anorganische Bestandteile
des Abwassers absorbieren und für ihren Stoffwechsel verwenden oder aber zur
Ausflockung von Verschmutzungen in einem so genannten Bioflockungs-Prozess führen.
Das vollbiologisch gereinigte Abwasser wird anschließend in ein
Belebungsbecken 44 geleitet. Bei diesem handelt es sich um das frühere
Nachklärbecken, welches entsprechend umgebaut und mit einer Belüftungsanlage
nachgerüstet wurde. Im Belebungsbecken 44 wird das Abwasser noch einmal
von organischen und anorganischen Inhaltsstoffen gereinigt, indem die Mikroorganismen
diese Komponenten, dazu zählen vor allem Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen,
unter Sauerstoffzufuhr für ihren Stoffwechsel verwerten. Auch der Betrieb unter
anoxischen Bedingungen ist möglich. Des weiteren tragen adsorptive Prozesse
zur Reinigungsleistung bei.
Damit erhält die umgebaute Schreiber-Anlage das Reinigungsniveau
einer Belebungsbeckenanlage, wobei deutlich weniger Strom verbraucht wird und kein
arbeits- und kostenintensiver Abriss mit anschließendem Komplett-Neubau erfolgen
muss.
Das in zwei Stufen biologisch gereinigt Abwasser wird anschließend
in ein neu gebautes Nachklärbecken 26 geleitet, wo der Bioschlamm
sedimentiert und aufgrund der Trichterform gut abgetrennt werden kann. Ein Teil
des gereinigten Abwassers wird über einen Rücklauf 16 dem Reinigungskreislauf
über den Pumpenschacht 22 zugeführt. Es durchläuft die Reinigung
in der umgebauten Schreiber-Anlage 24 erneut, bevor es anschließend
vom Nachklärbecken 26 aus über einen Ablauf 17 wieder
dem Vorfluter zugeführt wird.
Der abgetrennte überschüssige Belebtschlamm wird in das
Vorklärbecken 20 zurückgeführt. Gemäß einer weiteren
Ausführung der Erfindung kann der überschüssige Schlamm auch komplett
dem Kreislauf entnommen werden und beispielsweise in einem separaten Faulturm gespeichert
und ausgefault werden.