Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf mikroporöse Polymermaterialien
(d. h. die eine hohe Porosität aufweisen und oft als Aerogele bezeichnet werden)
auf der Grundlage syndiotaktischen Polystyrols, die durch die Anwesenheit von Hohlräumen
mit Abmessungen im Nanometerbereich, die für die &dgr;-kristalline Form typisch
sind, gekennzeichnet sind, und auf Verfahren zu ihrer Herstellung. Diese Polymermaterialien
können flüchtige organische Verbindungen aus flüssigen oder gasförmigen
Phasen mit schneller Kinetik absorbieren, auch wenn derartige Komponenten in sehr
niedrigen Konzentrationen vorhanden sind.
Hintergrund der Erfindung
Die vorliegende Erfindung ist auf technisch-wissenschaftlichen Gebieten
der industriellen Chemie und Technik und genauer auf dem Gebiet der Molekülanalyse
und -trennung angesiedelt und sie stellt mögliche industrielle Verwendungen
zur Überwachung der Umweltverschmutzung bereit.
Es ist wohlbekannt, daß syndiotaktisches Polystyrol (s-PS) ein
thermoplastisches, halbkristallines Polymer ist, das einen komplizierten Polymorphismus
aufweist. Insbesondere können zwei kristalline Formen (&agr; und &bgr;),
die durch eine trans-planare Zickzackkettenkonformation gekennzeichnet sind, dadurch
erhalten werden, daß von Schmelzverfahren ausgegangen wird, während zwei
andere kristalline Formen (&ggr; und &dgr;), die durch eine helikale s(2/1)2-Kettenkonformation
gekennzeichnet sind, aus Lösungsverfahren erhalten werden. Es ist weiterhin
bekannt, daß die &dgr;-Form eine nanoporöse, kristalline Form ist, die
durch Entfernen von Gastmolekülen niedrigen Molekulargewichts aus kristallinen
Klathratformen erhalten werden kann. Eine derartige &dgr;-Form ist durch Röntgenbeugungsmuster,
die bei 2&thgr; (CuK&agr;) Reflexionen hoher Intensität bei ~8,4 °,
10,6 °, 13,6 °, 17,2 °, 20,8 ° und 23,6 ° zeigen, und durch
ein größeres Intensitätsverhältnis zwischen zwei Reflexionen,
die die Miller-Indizes (010) und
(210)
aufweisen, das heißt, I/(8,4 °)/I(10,6 °), als 5 gekennzeichnet.
Eine &dgr;-Phase enthaltende Proben können in kristalliner Phase leicht flüchtige
organische Verbindungen aus flüssigen oder gasförmigen Gemischen (d. h.
unter Bilden eines Klathrats) absorbieren, auch wenn diese Komponenten in niedrigen
Konzentrationen vorliegen.
Das italienische Patent IT-1228915 lehrt, daß Polymermaterialien
in der &dgr;-Form vorzugsweise aus halbkristallinen Klathraterzeugnissen in der
&dgr;-Form durch Entfernen des Gastes mit Lösungsmitteln oder durch einen
Gasstrom erhalten werden können; geeignete Lösungsmittel sind Aceton und
Methylethylketon.
In der italienischen Patentanmeldung Nr. SA98-A-000008 wird ein Verfahren
zum Erhalten und Regenerieren nanoporöser, halbkristalliner Polymermaterialien
auf der Grundlage syndiotaktischen Polystyrols beschrieben, das auf einem Extraktionsverfahren
mit flüssigem oder überkritischem Kohlendioxid beruht. Gemäß
der Lehre dieses Patents sind dieses Verfahren und die anderen in dem italienischen
Patent T-1228915 beschriebenen Verfahren wirkungsvoll, wenn sie auf halbkristalline
Klathratproben angewendet werden, bei denen der Lösungsmittelgehalt niedriger
als 100 Gew.-% des trockenen Polymers ist, d. h. wenn die Polymerkonzentration größer
als 50 Gew.-% ist.
Es ist ferner wohlbekannt, daß die Diffusionskinetik (Sorption
und Desorption) flüchtiger organischer Verbindungen stark von der Morphologie
der halbkristallinen Polymermaterialien abhängt. Insbesondere weisen feine
Pulver eine schnelle Sorptionskinetik auf, sind aber schwierig zu handhaben. Andererseits
sind Morphologien mit niedriger spezifischer Oberfläche (Film, Flächengebilde)
bei Molekültrennverfahren leichter zu handhaben, sie zeigen aber eine viel
langsamere Diffusionskinetik. Zum Beispiel können wie in der italienischen
Patentanmeldung Nr. SA2000-A-000023 beschrieben Polymerfilme als Nachweiselemente
zum Nachweis chemischer Substanzen (zum Beispiel in Resonanzsensoren) verwendet
werden, da sie den Vorteil zeigen, starr zu sein, und sie weisen gleichzeitig eine
höhere Empfindlichkeit und Selektivität als andere bisher verwendete polymere
Nachweisfilme auf. Derartige Filme weisen jedoch den Nachteil einer langsameren
Sorptionskinetik auf und auf diese Weise ist die Sensoransprechzeit in Bezug auf
Technologien auf der Grundlage der Absorption des Schadstoffs in amorphen Phasen
größer.
Es bestand daher ein Bedarf in der Technik, Polymermaterialien bereitzustellen,
die unter Erhalten einer guten Handhabbarkeit durch eine schnelle Sorptionskinetik
gekennzeichnet sind und die auch wirkungsvoll zu Molekültrennungen und zu Molekülsensoren
verwendet werden können.
Es ist nun überraschend gefunden worden, daß spezielle Polymermaterialien
auf der Grundlage syndiotaktischer Polystyrolhomopolymeren oder -copolymeren, die
eine nanoporöse &dgr;-Phase aufweisen, dieses Problem lösen können.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind daher mikroporöse
und nanoporöse Polymermaterialien auf der Grundlage syndiotaktischen Polystyrols
in der &dgr;-kristallinen Form mit einer scheinbaren Dichte von 0,001–0,8
g/cm3 und einem Prozentsatz an kristalliner Form zwischen 5–70
%, erhältlich gemäß dem Verfahren, das die folgenden Schritte umfaßt:
- a) Herstellung eines Gels auf der Grundlage syndiotaktischer
Homopolymeren oder Copolymeren von Styrol mit einer Polymerkonzentration zwischen
0,1 und 50 Gew.-% in einem Lösungsmittel oder einem Gemisch von Lösungsmitteln,
wovon wenigstens eines der Lösungsmittel ein geeigneter Gast einer kristallinen
Klathratphase syndiotaktischen Polystyrols ist, wobei die Copolymeren als Comonomeren
Olefine CH2=CH-R enthalten können, worin R ein Alkylaryl- oder ein
substituierter Arylrest mit 6–20 Kohlenstoffatomen ist,
- b) Entfernen des Lösungsmittels aus dem Gel durch ein bei Drücken
zwischen 50 und 350 bar und einer Temperatur zwischen 20 und 70 °C durchgeführtes
Extraktionsverfahren mit flüssigem oder überkritischem Kohlendioxid.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
Die vorliegende Beschreibung enthält sieben Zeichnungen, wobei
1 eine Rasterelektronenmikrophotographie eines Abschnitts
des gemäß Beispiel 1 hergestellten Erzeugnisses, das eine fibrilläre
Morphologie zeigt,
2 das Röntgenbeugungsmuster (CuK&agr;) eines
gemäß Beispiel 1 hergestellten Erzeugnisses,
3 einen Vergleich zwischen der Sorptionskinetik des
gemäß Beispiel 1 hergestellten mikroporösen Erzeugnisses und einem
Film von 8 &mgr;m Dicke (beide in der nanoporösen &dgr;-Phase) und einem
mikroporösen Erzeugnis gemäß dem Vergleichsbeispiel 1 (in der &bgr;-Phase),
4 die bei der Temperatur T = 35 °C und dem Druck
P = 2 Torr bei einem Erzeugnis gemäß Beispiel 1 erhaltene Chloroformsorptionskinetik,
5 eine Rasterelektronenmikrophotographie eines Abschnitts
eines gemäß Vergleichsbeispiel 1 hergestellten Erzeugnisses, das eine
lamellare Morphologie zeigt,
6 das Röntgenbeugungsmuster (CuK&agr;) des gemäß
Vergleichsbeispiel 1 hergestellten Erzeugnisses und
7 eine Rasterelektronenmikrophotographie eines Abschnitts
des gemäß Beispiel 2 hergestellten Erzeugnisses darstellt.
Die Polymermaterialien des Gegenstandes der vorliegenden Erfindung
sind mikroporös, da ihre scheinbare Dichte 0,8–0,001 g/cm3,
vorzugsweise 0,3–0,003 g/cm3 ist. Außerdem sind diese Polymermaterialien
halbkristallin und enthalten einen Prozentsatz an kristalliner &dgr;-Phase zwischen
5 und 70 %, vorzugsweise größer als 10 % und sind somit auch nanoporös,
da bekannt ist, daß die &dgr;-Phase syndiotaktischen Polystyrols nanoporös
ist. Der Hauptvorteil dieser neuen Polymermaterialien ist das Aufweisen einer viel
schnelleren Sorptionskinetik flüchtiger organischer Verbindungen als der von
Filmen und der feinen Pulvern ähnlich, wobei gleichzeitig eine gute Handhabbarkeit
aufrecht erhalten wird.
Innerhalb der vorliegenden Beschreibung wird unter Polymermaterialien
das gemäß der Erfindung erhaltene Polymermaterial auf der Grundlage syndiotaktischen
Polystyrols verstanden.
Unter syndiotaktischem Polystyrol (sPS) wird ein Polymer mit syndiotaktischen
Sequenzen der Polymerkette verstanden, die lang genug sind, die Polymerkristallisation
in der nanoporösen kristallinen Form zu erlauben. Dieses Polymer kann zum Beispiel
dadurch synthetisiert werden, indem man dem in dem europäischen Patent Nr.
0 271 875 – Himont Italia beschriebenen Verfahren folgt. Außer syndiotaktischen
Polystyrolhomopolymeren sind Styrolcopolymere mit Olefinen CH2=CH-R,
worin R ein Alkylaryl- oder ein substituierter Arylrest mit 6–20 Kohlenstoffatomen
ist, mit vorwiegend syndiotaktischer Mikrostruktur, die in der nanoporösen
kristallinen &dgr;-Form kristallisierbar sind, ebenfalls in der Definition der
Erzeugnisse auf der Grundlage syndiotaktischen Polystyrols eingeschlossen.
Die nanoporöse kristalline Form des sPS gemäß dem italienischen
Patent Nr. 127842 ist durch ein Röntgenbeugungsmuster, das bei 2&thgr; (CuK&agr;)
~8,4 °, 10,6 °, 13,6 °, 17,2 °, 20,8 ° und 23,6 °
Reflexionen hoher Intensität aufweist, und durch ein größeres Intensitätsverhältnis
zwischen zwei Reflexionen, die die Miller-Indizes (010) und
(210)
aufweisen, das heißt, I/(8,4 °)/I(10,6 °), als 5 gekennzeichnet.
Bei unorientierten Proben kann der Kristallinitätsindex leicht mittels des
klassischen Verfahrens von Hermans und Weidinger aus den Röntgenbeugungsmustern
bestimmt werden. Gemäß diesem Verfahren ist der Kristallinitätsindex
durch das Verhältnis der auf die kristalline Phase zurückzuführenden
Beugungsfläche und der gesamten Beugungsfläche gegeben.
Flüchtige organische Verbindungen, die sorbiert werden können,
sind alle die Verbindungen, die nach der Sorption in der nanoporösen kristallinen
&dgr;-Form zur Bildung kristalliner Klathratformen führen können, wobei
diese Verbindungen dadurch Gastmoleküle der Klathratstruktur werden. Unter
diesen Verbindungen können halogenierte Moleküle (wie z. B. Chloroform,
Methylenchlorid, Tetrachlorkohlenstoff, Dichlorethan, Trichlorethylen, Tetrachlorethylen,
Dibromethan, Methyleniodid usw.), aromatische Moleküle (wie z. B. Benzol, Toluol,
Styrol usw.) und cyclische Moleküle (wie z. B. Cyclohexan, Tetrahydrofuran
usw.) angeführt werden. Es ist erwähnenswert, daß die Erzeugnisse
gegenüber den in Industrieabfällen am häufigsten
vorhandenen flüchtigen organischen Verbindungen wie Benzol, Toluol, Chloroform,
Methylenchlorid, Tetrachlorethylen, Trichlorethylen, Chlorbenzole, Styrol und Xylole
empfindlich sind. Die flüssigen und gasförmigen Gemische, aus denen diese
Verbindungen sorbiert werden können, können auf Wasser oder Luft beruhen.
Die mikroporösen und nanoporösen Polymermaterialien werden
in der vorliegenden Erfindung durch Verfahren erhalten, die Extraktionen mit flüssigem
oder superkritischem Kohlendioxid umfassen. Diese Verfahren werden auf Gele angewendet,
die mit einem Lösungsmittel erzeugt wurden, das ein Gast einer kristallinen
Klathratphase syndiotaktischen Polystyrols sein kann, wobei die Gele ein Polymer
auf der Grundlage syndiotaktischen Polystyrols mit einer Polymerkonzentration zwischen
50 % und 0,1 Gew.-%, vorzugsweise zwischen 30 % und 0,5 Gew.-% enthalten.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren
zum Erhalten mikroporöser und nanoporöser Polymermaterialien auf der Grundlage
syndiotaktischen Polystyrols in der &dgr;-Form, das die folgenden Schritte umfaßt:
- a) Herstellung eines Gels, das Homopolymere oder Copolymere syndiotaktischen
Polystyrols in einer Polymerkonzentration zwischen 0,1 und 50 Gew.-% in einem Lösungsmittel
oder einem Gemisch von Lösungsmitteln enthält, wobei wenigstens eines
der Lösungsmittel ein geeigneter Gast einer Klathratphase syndiotaktischen
Polystyrols ist und die Copolymeren als Monomere Olefine CH2=CH-R enthalten,
worin R ein Alkylaryl- oder ein substituierter Arylrest mit 6–20 Kohlenstoffatomen
ist,
- b) Entfernen des Lösungsmittels aus dem Gel durch Extraktion mit flüssigem
oder überkritischem Kohlendioxid bei Betriebsdrücken zwischen 50 und 350
bar und Temperaturen zwischen 20 und 70 °C.
Lösungsmittel, die rein oder in Gemischen zur Herstellung der
in der Erfindung beschriebenen Gele verwendet werden können, schließen
Benzol, Toluol, Styrol, Decahydronaphthalin, Tetrahydrofuran, 1,2-Dichlorethan,
Chloroform, Trichlorethylen und Schwefelkohlenstoff ein.
Die vorstehend angeführten Gele können sowohl vom physikalischen
Typ, d. h. durch die Abwesenheit chemischer Vernetzungen zwischen den Polymerketten
gekennzeichnet sein, als auch vom chemischen Typ, aber nur mit einer kleinen Anzahl
chemischer Vernetzungen sein.
Physikalische Gele können während der Polymerisation in
einem flüssigen Monomer oder während der Polymerisation in einer Lösung
von Lösungsmitteln, die außer dem Lösen des Styrols auch geeignete
Gastmoleküle der &dgr;-Form syndiotaktischen Polystyrols sein können,
erhalten werden.
Gele können auch erhalten werden, indem man den herkömmlichen
Verfahren zum Erhalten physikalischer Gele folgt, die im Lösen des Polymers
in geeigneten Lösungsmitteln, gefolgt von einem raschen Abkühlen der Lösung
bestehen.
Chemische Gele, d. h. vernetzte Polymere enthaltende Gele, auf der
Grundlage syndiotaktischen Polystyrols können leicht während der Polymerisation
unter Verwenden von Vinylcomonomeren mit wenigstens zwei funktionellen Gruppen wie
etwa zum Beispiel p-Divinylbenzol, o-Divinylbenzol usw. erhalten werden. Zum Sicherstellen,
daß das vernetzte Polymer kristallisieren kann, ist es notwendig, daß
nur eine kleine Anzahl Vernetzungen vorhanden ist und dies kann durch Anwenden eines
niedrigen Molverhältnisses zwischen den wenigstens bifunktionellen Monomeren
und dem Styrol erreicht werden.
Insbesondere muß der Anteil der Comonomereinheiten, die sich
von den wenigstens bifunktionellen Monomeren ableiten, zwischen 20 und 0,1 Mol-%,
bevorzugter unter 10 Mol-% betragen.
Das wesentliche kennzeichnende Merkmal des Verfahrens gemäß
der vorliegenden Erfindung ist, daß das Entfernen des Lösungsmittels aus
dem Gel nicht nur zu Erzeugnissen führt, deren kristalline Phase die nanoporöse
&dgr;-Phase ist, sondern auch ohne irgendeine Veränderung der makroskopischen
Abmessungen der ursprünglichen Gele erfolgt. Dieses Merkmal ist sogar noch
überraschender, wenn man bedenkt, daß das Verfahren nicht nur auf chemische
Gele mit einem niedrigen Vernetzungsgrad; sondern auch auf physikalische Gele angewendet
werden kann. Im Hinblick auf die kleine Anzahl oder die völlige Abwesenheit
chemischer Vernetzungen, war der Zusammenbruch des Gels während des Entfernens
des die Hauptkomponente des Gels darstellenden Lösungsmittels zu erwarten.
Tatsächlich ist in der Technik bekannt, daß wenn das Lösungsmittel
verdampft, seine Oberflächenspannung auf die innere Struktur des Gels einwirkt
und seinen Zusammenbruch bewirkt. Dies geschieht bei dem Verfahren der Erfindung
nicht.
Im Fall chemischer Gele mit hohen Vernetzungsgraden wie etwa zum Beispiel
den aus wärmehärtenden Materialien wie Resorcin-Formaldehyd und Melamin-Formaldehyd
erhaltenen, erfordern herkömmliche Lösungsmittelentfernungsverfahren,
daß das Lösungsmittel auf seine überkritischen Bedingungen gebracht
wird oder das Lösungsmittel durch ein flüchtigeres Lösungsmittel
ausgetauscht wird, das wiederum überkritische Bedingungen erreichen muß.
Diese Extraktionsverfahren stellen die Beseitigung der Flüssigkeit-Dampf-Oberflächenspannung
und dadurch des begleitenden Kapillardrucks, der das Gelnetzwerk zusammenbrechen
läßt, sicher und erlauben auf diese Weise das Aufrechterhalten der dreidimensionalen
Gelstruktur. Derzeit verwendet die bevorzugte Technik zum Entfernen von Lösungsmitteln
aus hochvernetzten chemischen Gelen Kohlendioxid als überkritisches Trockenmittel,
was es gestattet, den Trocknungsschritt und milderen Bedingungen und verbesserter
Sicherheit auszuführen.
Bei der vorliegenden Erfindung wird das Verfahren des überkritischen
Trocknens durch Kohlendioxid auf physikalische Gele oder schwach vernetzte chemische
Gele auf der Grundlage syndiotaktischen Polystyrols angewendet und überraschenderweise
läßt dieses Verfahren die anfängliche makroskopische Größe
des Gels im wesentlichen unverändert, obschon der Anteil des entfernten Lösungsmittels
99 % hoch sein kann.
Bei der vorliegenden Erfindung werden unter schwach vernetzten chemischen
Gelen Gele verstanden, bei denen der Anteil der Comonomereinheiten, die sich von
den wenigstens bifunktionellen Monomeren (den Vernetzungseinheiten) ableiten, zwischen
0,1 und 20 Mol-%, vorzugsweise unter 10 Mol-% liegt.
Die Polymermaterialien gemäß der Erfindung werden durch
Verfahren erhalten, die eine Extraktion mit flüssigem oder überkritischem
Kohlendioxid bei Betriebsdrücken zwischen 50 und 350 bar und Betriebstemperaturen
zwischen 20 und 70 °C, bevorzugter zwischen 25 und 60 °C umfassen.
Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform werden die Gele
direkt während der syndiospezifischen Polymerisation von Styrolmonomeren (oder
möglicherweise mit den vorstehend angeführten Comonomeren) unter Anwenden
zum Beispiel des im europäischen Patent Nr. 0 271 875 beschriebenen Verfahrens,
wo die Polymerisationskatalyse im flüssigen Monomer stattfindet, erhalten.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher ein Verfahren, bei
dem die Herstellung des Gels auf der Grundlage eines syndiotaktischen Styrolhomopolymers
oder -copolymeren in situ durch eine syndiospezifische Polymerisation von Styrol,
das sowohl als Monomer als auch Reaktionslösungsmittel wirksam ist, stattfindet.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Vorrichtungen
und/oder Sensoren zum Nachweis flüchtiger organischer Verbindungen, die die
Polymermaterialien der vorliegenden Erfindung enthalten.
Die folgenden Beispiele werden zum Veranschaulichen der Erfindung
bereitgestellt, ohne deren Umfang einzuschränken.
Beispiel 1:
Das syndiotaktische Polystyrolhomopolymer wurde durch „DOW
Chemical" unter dem Warenzeichen Questra 101 geliefert. Das Polymer wurde in Chloroform
(10 gew.-%ige Lösung) bei 110 °C in einem luftdichten Reagenzglas gelöst.
Anschließend wurde die Lösung rasch auf Raumtemperatur abgekühlt
und in dem Reagenzglas wurde ein physikalisches Gel mit zylindrischer Form und den
Abmessungen 5 mm × 25 mm erhalten.
Das Gel wurde durch ein Extraktionsverfahren mit überkritischem
Kohlendioxid behandelt (T = 45 °C, P = 200 bar, Extraktionszeit t = 300 min).
Nach der Extraktion behalten die Polymermaterialien die Form und Abmessungen des
ursprünglichen Gels und weisen eine Lösungsmittelmolekülmenge unter
1 Gew.-% auf. Die scheinbare Dichte der Polymermaterialien ist 0,18 g/cm3
und wie in der in 1 mitgeteilten Rasterelektronenmikrophotographie
dargestellt, wird eine fibrilläre Morphologie mit einem Faserdurchmesser zwischen
50 und 100 nm erhalten. Das in 2 mitgeteilte Röntgenbeugungsmuster
(CuK&agr;) dieser Polymermaterialien zeigt starke, bei ca. 8,4 °, 10,6 °,
13,3 °, 16,8 °, 20,7 ° und 23,5 ° gelegene Reflexionen mit einem
größeren Verhältnis der beiden Reflexionen I(8,4 °)/I(10,6 °)
als 15. Dies zeigt, daß das nach dem Lösungsmittelextraktionsverfahren
erhaltene Polymermaterial durch die nanoporöse kristalline &dgr;-Phase gekennzeichnet
ist. Die aus dem Verhältnis der auf die kristalline Phase zurückzuführenden
Beugungsfläche und der gesamten Beugungsfläche bestimmte Kristallinität
entspricht 40 %.
Das Polymermaterial zeigt eine hohe Sorptionskinetik für flüchtige
organische Verbindungen. Als Beispiel wird in 3 die
bei P = 5 Torr und T = 56 °C bei diesem Polymermaterial und bei einem halbkristallinen
syndiotaktischen Polystyrolfilm in der &dgr;-Form, der eine Dicke von 8 &mgr;m
aufweist und gemäß der Lehre der italienischen Patentanmeldung Nr. SA00-A-00023
hergestellt wurde, erhaltene Chloroformsorptionskinetik verglichen. Aus
3 erweist sich, daß die Chloroformsorptionsgeschwindigkeit
bei P = 5 Torr und T = 56 °C beim Verwenden des neuen mikroporösen und
nanoporösen Polymermaterials anstatt des nanoporösen Films um den Faktor
15 ansteigt.
Die bei P = 2 Torr und T = 35 °C bei dem Polymermaterial erhaltene
Chloroformsorptionskinetik wird ebenfalls in 4 dargestellt.
Vergleichsbeispiel 1
Das syndiotaktische Polystyrolhomopolymer von Beispiel
1 wurde bei T = 220 °C in einem luftdichten Reagenzglas in Chlortetradecan
(10 gew.-%ige Lösung) gelöst. Anschließend wurde die Lösung
rasch auf Raumtemperatur abgekühlt und in dem Reagenzglas wurde ein physikalisches
Gel mit zylindrischer Form und den Abmessungen 5 mm × 25 mm erhalten.
Das Gel wurde durch ein Extraktionsverfahren mit überkritischem
Kohlendioxid (T = 45 °C, P = 180 bar, Extraktionszeit t = 280 min) behandelt.
Ähnlich Beispiel 1 behält das Polymermaterial nach dem Extraktionsverfahren
die Form und Abmessungen des ursprünglichen Gels mit einer Lösungsmittelmolekülmenge
unter 1 Gew.-%.
Die scheinbare Dichte des erhaltenen Polymermaterials ist 0,10 g/cm3
und wie in der in 5 mitgeteilten Rasterelektronenmikrophotographie
dargestellt, wird eine lamellare Morphologie erhalten.
Das in 6 mitgeteilte Röntgenbeugungsmuster
(CuK&agr;) zeigt starke, bei ca. 6,1 °, 10,4 °, 12,25 °C, 13,55
°, 18,50 ° und 20,20 ° befindliche Reflexionen. Dies zeigt, daß
das nach dem Lösungsmittelextraktionsverfahren erhaltene Polymermaterial durch
die kristalline &bgr;-Phase gekennzeichnet ist. Die aus dem Verhältnis der
auf die kristalline Phase zurückzuführenden Beugungsfläche und der
gesamten Beugungsfläche bestimmte Kristallinität entspricht 48 %.
Trotz einer niedrigeren scheinbaren Dichte als der des Polymermaterials
von Beispiel 1, zeigt das Polymermaterial dieses Vergleichsbeispiels ein viel niedrigeres
Sorptionsvermögen für flüchtige organische Verbindungen. Als Beispiel
wird die bei einem Druck P = 5 Torr und einer Temperatur T = 56 °C erhaltene
Chloroformsorptionskinetik in 3 mit der Sorptionskinetik
des in Beispiel 1 erhaltenen Polymermaterials verglichen.
Beispiel 2:
Das syndiotaktische Polystyrolhomopolymer von Beispiel 1 wurde in
1,2-Dichlorethan (2 gew.-%ige Lösung) bei 170 °C in einem luftdichten
Reagenzglas gelöst. Anschließend wurde die Lösung rasch auf Raumtemperatur
abgekühlt und ein physikalisches Gel mit einer zylindrischen Form und den Abmessungen
5 mm × 25 mm wurde in dem Reagenzglas erhalten. Das erhaltene Gel zeigt ein
viskoelastisches Verhalten mit den bei 1 rad/s gemessenen Schermoduln G' = 6,9 ×
103 Pa und G'' = 8,6 × 102 Pa.
Das Gel wurde durch ein Extraktionsverfahren mit überkritischem
Kohlendioxid (T = 40 °C, P = 230 bar, Extraktionszeit t = 220 min) behandelt.
Nach dem Extraktionsverfahren behält das Polymermaterial die Form und Abmessungen
des ursprünglichen Gels mit einer Lösungsmittelmolekülmenge unter
1 Gew.-%.
Die scheinbare Dichte des erhaltenen Polymermaterials ist 0,043 g/cm3
und wie in der in 7 mitgeteilten Rasterelektronenmikrophotographie
dargestellt, wird eine fibrilläre Morphologie mit einem Faserdurchmesser zwischen
50 und 100 nm erhalten.
Wie weiterhin durch das Röntgenbeugungsmuster (CuK&agr;) gezeigt
wird, ist das nach dem Lösungsmittelextraktionsverfahren erhaltene Polymermaterial
durch die nanoporöse kristalline &dgr;-Phase gekennzeichnet. Die aus dem
Verhältnis der auf die kristalline Phase zurückzuführende Beugungsfläche
und der gesamten Beugungsfläche bestimmte Kristallinität entspricht 44
%.
Beispiel 3:
Das syndiotaktische Polystyrolhomopolymer von Beispiel 1 wurde in
Toluol (1 gew.-%ige Lösung) bei 140 °C in einem luftdichten Reagenzglas
gelöst. Anschließend wurde die Lösung rasch auf Raumtemperatur abgekühlt
und ein physikalisches Gel mit einer zylindrischen Form und den Abmessungen 5 mm
× 25 mm wurde in dem Reagenzglas erhalten.
Das Gel wurde durch ein Extraktionsverfahren mit überkritischem
Kohlendioxid (T = 40 °C, P = 200 bar, Extraktionszeit t = 60 min) behandelt.
Nach dem Extraktionsverfahren behält das Polymermaterial die Form und Abmessungen
des ursprünglichen Gels mit einer Lösungsmittelmolekülmenge unter
1 Gew.-%.
Das erhaltene Polymermaterial weist eine scheinbare Dichte von 0,014
g/cm3 auf und ist durch eine fibrilläre Morphologie mit einem Faserdurchmesser
zwischen 40 und 70 nm gekennzeichnet. Weiterhin schließt das nach dem Extraktionsverfahren
erhaltene Polymermaterial die nanoporöse kristalline Form ein und weist eine
45 % entsprechende Kristallinität auf.
Beispiel 4:
Das syndiotaktische Polystyrolgel in Styrol wurde durch Polymerisation
von 40 ml Styrol in einem 100-ml-Kolben unter einer Stickstoffatmosphäre bei
50 °C durch Verwenden von 2 mg Cyclopentadienyltitantrichlorid (CpTiCl3)
und 290 mg Methylalumoxan (MAO) erhalten. Das Monomer wurde 48 h unter einer Wasserstoffatmosphäre
über Calciumhydrid getrocknet und vor Gebrauch unter verringertem Druck destilliert.
Die Gelbildung erfolgte bereits nach 3 Minuten Polymerisation.
Das Gel wurde durch ein Extraktionsverfahren mit
überkritischem Kohlendioxid (T = 40 °C, P = 200 bar, Extraktionszeit t
= 60 min) behandelt. Nach dem Extraktionsverfahren behält das Polymermaterial
die Form und Abmessungen des ursprünglichen Gels mit einer Lösungsmittelmolekülmenge
unter 1 Gew.-%.
Das erhaltene Polymermaterial weist eine scheinbare Dichte von 0,18
g/cm3 auf. Weiterhin schließt das nach dem Extraktionsverfahren
erhaltene Polymermaterial wie durch das Röntgenbeugungsmuster (CuK&agr;)
gezeigt die nanoporöse kristalline &dgr;-Phase ein. Die aus dem Verhältnis
der auf die kristalline Phase zurückzuführenden Beugungsfläche und
der gesamten Beugungsfläche bestimmte Kristallinität des Polymermaterials
entspricht 30 %.
Beispiel 5:
Dieses Beispiel bezieht sich auf ein Verfahren zum Entfernen des in
dem Gel vorhandenen Lösungsmittels unter Verwenden von Kohlendioxid.
Das Verfahren besteht aus dem Beladen des Gels in einem temperaturgesteuerten
Gefäß, das unter Druckbedingungen betrieben werden kann, und anschließend
dem Beaufschlagen des Gefäßes bei konstanter Temperatur mit flüssigem
oder überkritischem Kohlendioxid unter Druck bis zum gewählten Betriebsdruck.
Der Test umfaßt einen Schritt von 60 min ohne Kohlendioxiddurchfluß, anschließend
einen Schritt von 70 bis 150 min unter Durchfluß von Kohlendioxid zum Entfernen
des Gemischs aus Lösungsmittel und überkritischer Flüssigkeit und
schließlich 60 bis 120 Minuten eines langsamen Druckablassens aus dem Gefäß.