Die Erfindung betrifft eine Mischung auf der Basis von
Polyurethan für Mäntel von optischen oder elektrischen Kabeln.
Thermoplastisches Polyurethan (TPU) ist ein Werkstoff,
der wegen seiner ausgezeichneten mechanischen Eigenschaften gern als Material für
Mäntel von Kabeln und Leitungen, die hohen mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt
sind, verwendet wird. Thermoplastisches Polyurethan zeigt jedoch kein flammwidriges
Verhalten. Im Falle eines Brandes tropft das Polyurethan vom Kabel bzw. der Leitung
ab.
Durch Zusätze sogenannter Flammschutzmittel kann thermoplastisches
Polyurethan in Bezug auf die Flammfestigkeit so verbessert werden, daß die
damit hergestellten Kabel und Leitungen den gestellten Anforderungen genügen.
Als Flammschutzmittel für thermoplastische Polyurethane
sind halogenhaltige Substanzen in Verbindung mit Antimontrioxid, aber auch halogenfreie
Substanzen wie z. B. Phosphorsäureester oder eine Kombination solcher Ester
mit stickstoffhaltigen Verbindungen bekannt.
Halogenhaltige Substanzen haben den Nachteil, daß
im Brandfall Verbindungen entstehen, die sowohl toxisch sind als auch korrosive
Gase (z. B. Salzsäure) entwickeln. Compounds, die solche Flammschutzmittel
enthalten, bestehen deshalb nicht die Anforderungen bezüglich der Korrosivität
von Brandgasen (IEC 754-2) und Halogenfreiheit (VDE 0472/T.815).
Die halogenfreien Flammschutzmittel entwickeln zwar im
Brandfall keine korrosiven Gasen, sie haben aber den Nachteil, daß, wenn nur
Phosphorsäureester eingesetzt werden, die Flammwidrigkeit nicht ausreicht,
bzw. wenn zusätzlich stickstoffhaltige Substanzen verwendet werden, beträchtliche
Mengen an stickstoffhaltigen, toxischen Verbindungen wie Stickstoffoxide (NOx)
und Cyanwasserstoff (HCN Blausäure) freigesetzt werden.
Aus der
EP 0 537 013 B1
sind flammwidrige Silikonzusammensetzungen für Thermoplaste bekannt
geworden, bei denen den im Normalfall brennbaren Thermoplasten ein Flammschutzmittel
in Pulverform zugesetzt ist, welches aus Silikonöl, Silikonharz sowie Magnesiumhydroxid
jeweils in ganz bestimmtem Verhältnis zueinander besteht.
Der Thermoplast kann ein Polyethylen, Polypropylen, Polycarbonat,
Polystyren, Polyurethan, Polyamid oder ein anderer Thermoplast sein.
Der Mischung können ferner Salze der phosporigen Säure
sowie als Füllstoff u. a. Aluminiumoxidtrihydrat zugesetzt werden.
Der wesentliche Effekt hinsichtlich der Flammwidrigkeit
wird bei der
EP 0 537 013 B1
durch das Silikonöl, das in dem Silikonöl lösbare Silikonharz
und das Magnesiumhydroxid erreicht.
Aus der
EP 1 167 429 A1
ist eine Mischung auf der Basis von Polyurethan für Mäntel von
optischen oder elektrischen Kabeln bekannt, welcher als Flammschutzmittel ein Metallhydroxid
sowie zumindest ein Phosphorsäureester zugesetzt sind.
Aus der
DE 199 21 472 A1
ist eine flammgeschützte Polymerzusammensetzung bekannt, welche Metallhydroxide
sowie ein organisch interkaliertes Schichtsilikat enthält. Durch die Verwendung
eines Flammschutzmittels aus Metallhydroxiden und einem organischen interkalierten
Schichtsilikat soll auf die Verwendung von halogen- oder phosphororganischen Flammschutzmitteln
verzichtet werden.
Für ein Polymergemisch aus einem Polyethylen niedriger
Dichte und einem Ethylenvinylacetat-Copolymer wurde durch Zugabe des Flammschutzmittels
ein LOI von 29 bis 39 erreicht.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde,
eine Mischung auf der Basis von thermoplastischem Polyurethan bereitzustellen, die
weder halogenhaltige noch stickstoffhaltige Substanzen enthält und die Vorschriften
nach IEC 754-2 und VDE 0472/T.815 erfüllt. Darüberhinaus soll die Flammwidrigkeit
verbessert und das Freiwerden von toxischen Gasen weiter verringert werden.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Der wesentliche Vorteil der Erfindung ist darin zu sehen,
daß durch die gleichzeitige Anwesenheit von Phosphorsäureester und Bentonit
die Flammwidrigkeit eines Polyurethancompounds verbessert werden kann, ohne daß
der Anteil an Metallhydroxiden soweit erhöht werden muß, daß das
Polyurethancompound die geforderten mechanischen Werte verfehlt.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind
in den Unteransprüchen erfaßt.
Die Mischung nach der Lehre der Erfindung besteht die Anforderungen
bezüglich Flammwidrigkeit, Korrosivität und Halogenfreiheit und entwickelt
im Brandfall von den toxischen Substanzen NOx und NCN nur einen Bruchteil
dessen, was beim Einsatz der bekannten Produkte freigesetzt wird. Des weiteren ist
die im Brandfalle freiwerdende Energie und die Menge an entstehendem Ruß deutlich
niedriger als bei den bekannten Mischungen.
Die Erfindung ist anhand eines Ausführungsbeispiels
näher beschrieben.
Es wurden mehrere Mischungen nach der Rezeptur in Tabelle
1 hergestellt.
Tabelle 1
Beispiel
1
2
3
4
5
Polyetherurethan
100
100
100
100
100
Phosphorsäureester
19
19
19
14
-
Aluminiumhydroxid
67
67
50
50
89
Schichtsilikat
-
10
10
10
11
Heat release (peak) [kW/m2]
505
214
242
316
280
Time (peak) [sec]
155
270
265
235
110
Festigkeit [MPa]
25
24
26
27
10
Dehnung [%]
560
550
540
560
200
Mischung 1 ist nach den Vorgaben des Beispiels aus der
EP 1 167 429
hergestellt.
Mischung 5 entspricht Beispiel 5 aus der
DE 199 21 472
. Aus den Mischungen 3 und 7 der
DE 199 21 472
konnten wegen des höheren Anteils an Aluminiumhydroxid keine für
die Prüfung geeigneten Compounds mit Polyetherurethan hergestellt werden.
Die Beispiele 2, 3 und 4 sind Mischungen nach der Lehre
der Erfindung.
Die Compounds 1-5 wurden in einem Innen-Kneter hergestellt
und aus ihnen in einer beheizbaren Presse Platten hergestellt. Die Platten für
die Cone-Calorimeter-Messungen hatten eine Dicke von ca. 3 mm, die für die
Prüfung von Festigkeit und Dehnung ca. 0,8 mm. Die Cone-Calorimeter-Messungen
wurden mit einer Heizleistung von 50 kW/m2 durchgeführt.
Die Beispiele zeigen, daß
- durch Zugabe eines Schichtsilikates das Brandverhalten eines TPU-Compounds,
der Metallhydroxid und eine Phosphorverbindung enthält, wesentlich verbessert
werden kann.
- die Anwesenheit einer Phosporverbindung notwendig ist, da durch sie eine deutliche
Reduzierung des Anteils an Metallhydroxid möglich ist.
Besonders bei Polyurethan mit seinen hohen mechanischen
Eigenschaften ist es wichtig, den Anteil an Additiven niedrig zu halten, um nicht
zuviel an diesen Eigenschaften einzubüßen.
Werden TPU-Compounds für Kabel verwendet, so gibt
die Norm VDE 0282 Teil 10 eine Mindestfestigkeit von 25 Mpa und eine Reißdehnung
von mindestens 300 % vor. Diese Werte sind mit dem Compound nach Beispiel 5 nicht
zu erreichen.
Hinzu kommt noch, daß durch den höheren Anteil
an Metallhydroxid der Compound steifer wird und nicht mehr für flexible Kabel
verwendet werden kann.
Der in den Beispielen 2 bis 4 vorhandene Phosphorsäureester
bewirkt, daß die Flexibilität weitgehend erhalten bleibt.
Die Ergebnisse sind in den Diagrammen 1 bis 3 dokumentiert.