Technisches Gebiet
Nahtkonstruktion für ein Gewebe für einen OPW-Airbag, insbesondere
für Personenrückhaltesysteme.
Stand der Technik
An derzeit im Einsatz befindlichen One-Piece-Woven (OPW)-Luftsäcken
mit einlagigen und mehrlagigen Bereichen, auf die zur Abdichtung eine Auflage (z.B.
Folie) aufgebracht wird, besteht die Gefahr, dass in einlagigen Bereichen, die eine
für darin zusammengeführte mehrlagige Bereiche gleichsam eine nahtähnliche
Verbindung bilden, in der Gewebeebene Gas austritt, da die Auflage, die den Luftsack
abdichten soll, nur jeweils an den Oberflächen, sprich Ober- und Unterseite
aufgebracht ist, ein seitliches Entweichen von Gas jedoch nicht behindert.
In den einlagigen Bereichen liegt ein Übereinanderschichtung
von wengistens drei Schichten vor: Obere Auflage, einlagiger Gewebebereich und untere
Auflage. Das sich zwischen den Auflagen befindliche Gewebematerial hat eine gewisse
Dicke, ist naturgemäß nicht dicht und kann dadurch einen Gasdurchgang
durch das Gewebe zwischen den (Auflagen) Folien hindurch ermöglichen.
In der Folge können die heute geforderten Standzeiten von Airbags,
speziell Seiten- oder Kopfairbags schwerlich erreicht werden, oder durch Kompensieren
des Gasverlusts mittels sehr kostspieliger Generatoren, die z.B. durch mehrere Stufen
das entwichene Gas nachfördern oder durch eine größere Menge Treibmittel
den Verlust ausgleichen, erreicht werden.
Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass durch eben diese Leckagen
Gas in den Insassenraum gelangen kann, was bei den Fahrgästen Gesundheitsschäden
durch das Gas an sich oder durch dessen hohe Temperatur zur Folge haben könnte.
Aufgabe
Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Nahtkonstruktion vorzuschlagen,
wobei aus dem Stand der Technik bekannte Nachteile vermieden oder zumindest verringert
werden.
Lösung
Die Aufgabe wird gelöst durch eine Nahtkonstruktion gemäß
Anspruch 1, die gekennzeichnet ist durch eine Webnaht mit einem einlagigen Nahtbereich,
welcher von einem wenigstens zweilagigen Bereich umgeben ist, dessen einzelne Lagen
jeweils eine losere Gewebestruktur aufweisen als der einlagige Bereich. Durch die
erfindungsgemäß verbesserte Nahtkonstruktion wird das Erreichen einer
wesentlich höhere Dichtigkeit eines OPW-Luftsackes möglich, da die Menge
des durch Leckagen entweichenden Gas wesentlich reduziert werden kann, da Auflagen
oder Beschichtungen auf dem Gewebe im Nahtbereich sehr tief in das Gewebe eindringen
können und damit der Abstand der Beschichtungen voneinander minimiert wird.
Dadurch können die geforderten hohen Standzeiten sehr leicht erreicht werden.
In einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist die Nahtkonstruktion
dadurch gekennzeichnet, dass der zweilagige Bereich (6) die gleiche Fadenzahl
aufweist wie der einlagige Bereich. Dies gewährleistet vorteilhafterweise ein
ausgeglichenes Gewebe und minimiert Gewebeverzüge.
In einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist die Nahtkonstruktion
dadurch gekennzeichnet, dass der zweilagige Bereich eine obere Lage und eine untere
Lage aufweist, wobei die beiden Lagen unterschiedliche und jeweils losere Gewebestrukturen
aufweisen als der einlagige Bereich. Hierdurch kann die Eindringtiefe einer Beschichtung
oder Auflage auf beiden Seiten des Gewebes individuell ausgewählt werden. Dies
besonders bei Übergängen von zwei- auf vier- oder mehrlagige Luftsackgewebe
von Vorteil, wobei die „zur Druckseite zeigende" Gewebeseite eine andere
Gewebestrukturen haben soll, als die gegenüberliegende.
In einer anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist die
Nahtkonstruktion dadurch gekennzeichnet, dass die obere Lage in Leinwandbindung
L1/1 und die untere Lage in Panamabindung P 3/3 ausgebildet ist. Eine derartige
Konstruktion hat sich als sehr zweckmäßig erwiesen.
In einer anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist die
Nahtkonstruktion dadurch gekennzeichnet, dass die Webnaht mit einem einlagigen Nahtbereich,
welcher von einem dreilagigen Bereich umgeben ist. Damit lässt sich der Vorteil
der individuellen Gewebestruktur und des Eindringverhaltens von Auflagen noch steigern.
In einer anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist die
Nahtkonstruktion dadurch gekennzeichnet, dass der dreilagige Bereich die gleiche
Fadenzahl aufweist wie der einlagige Bereich.
In einer anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist die
Nahtkonstruktion dadurch gekennzeichnet, dass der dreilagige Bereich eine obere
Lage, eine mittlere Lage und eine untere Lage aufweist, wobei die Lagen jeweils
eine losere Gewebestruktur aufweisen als der einlagige Bereich. Auch hier
ist die individuellere Einsatzweise von Vorteil. Diese bringt daneben auflagenspezifisch
ein noch besseres Eindringen der Auflagen in die Gewebestruktur mit sich.
In noch einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist
die Nahtkonstruktion dadurch gekennzeichnet, dass die obere Lage und die untere
Lage stellenweise miteinander abgebunden sind, mit dem vorteilhaften Zweck, um ein
sich Trennen der Lagen und bei hohen Kammerdrücken im Luftsack, die sich durch
die Gewebestruktur zwischen den Auflagen der dichten Bereiche zwischen den Lagen
aufbauen zu erschweren.
Generell als neu zu betrachten ist, dass die erfindungsgemäße
Art der Nahtabdichtung nicht nur über eine einlagige Nahtbindung oder mit einer
loseren Gewebebindung, sondern mit einer mehrlagigen oder Kombinationen aus ein-
und mehrlagigen Bindungskonstruktionen erreicht wird.
Ausführungsbeispiel
Die Erfindung wird im folgenden anhand einiger Ausführungsbeispiele
unter Zuhilfenahme einer Zeichnung kurz beschrieben.
In den Figuren A bis D ist ein Ausschnitt einer Webnaht
1 eines OPW-Luftsackes mit daran anschließendem Teil eines Kammerbereichs
2 im Querschnitt dargestellt. Dünne Kreise sollen Schussfäden
S im Querschnitt darstellen. Dicke schwarze Linien sollen Kettfäden K darstellen.
Die Gewebekonstruktion kann jedoch auch ungekehrt ausgeführt werden, sodass
Schuss- und Kettfäden jeweils vertauscht sind.
Jeweils auf der Ober- und Unterseite aufliegend sind Auflagen
3, 3a, 3b, 3c, 4, 4a,
4b, 4c dargestellt. Die Auflagen 3, 3a,
3b, 3c, 4, 4a, 4b, 4c sind
jeweils nach außen mit durchgezogenen Linien begrenzt und in Richtung Gewebe
mit gepunkteten Linien angegeben. Die gepunkteten Linien zeigen damit auch die Eindringtiefe
der Auflage in das Gewebe.
In 1 ist eine aus dem Stand der Technik
bekannte Standardnaht abgebildet. Bedingt durch die Dichte dieser Naht können
die Beschichtungsauflagen 3, 4 nur leicht in die Gewebestruktur
eindringen. Dieses hat zur Folge, dass ein Abstand 5 zwischen den gegenüberliegenden
Auflagen bleibt. Dadurch kann durch die dazwischen liegende Gewebestruktur Gas aus
dem Kammerbereich I nach außen A entweichen.
In 2 ist ein Beispiel einer erfindungsgemäßen
Konstruktion einer Webnaht 1a gezeigt, bei der ein Teil der Naht
6 zweilagig ausgebildet ist, d.h. die untere Lage 7 ist z.B. in
Panama P3/3 und die obere Lage 8 ist z.B. in Leinwand L1/1 ausgebildet.
Bedingt durch die jetzt losere Gewebestruktur 6 können die Auflagen
in diesen Nahtbereich tiefer eindringen, d.h. der Abstand zwischen den sich gegenüberliegenden
Auflagen reduziert sich 9 mit der Folge, dass der oben beschriebene Gasverlust sich
ebenfalls reduziert.
3 entspricht im Wesentlichen der 2, jedoch ist
der lose Nahtbereich an der Position 10 noch einmal abgebunden, um ein
sich Trennen der Lagen 7a und 8a bei hohen Kammerdrücken,
die sich durch die Gewebestruktur zwischen den Auflagen der dichten Bereiche
11 zwischen den Lagen 7a und 8a aufbauen, zu erschweren
bzw. zu verhindern.
In 4 ist der lose Nahtbereich 6b durch eine
dreilagige Ausgestaltung 7b, 8b, 12 noch loser gestaltet,
dieses bringt auflagenspezifisch ein noch besseres Eindringen der Auflage in die
Gewebestruktur.