Die Erfindung betrifft ein Verfahren nach dem Oberbegriff von Anspruch
1 und eine entsprechende Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
Derartige Verfahren werden in sog. SBR-Anlagen durchgeführt.
Diese arbeiten in sich wiederholenden Reinigungszyklen, also diskontinuierlich.
Das zu reinigende, mit Belebtschlamm versetzte Abwasser wird hierbei aus einer Vorklärkammer
bzw. aus einem Puffervolumen in ein Behandlungsbecken (SBR-Becken) eingeleitet.
Dort erfolgen die Durchmischung des zu behandelnden Wassers mit Belebtschlamm und
die eigentliche Behandlung mit einer anschließenden Absetzphase, in der der
Belebtschlamm sedimentiert. Der Klarwasserüberstand wird dann abgepumpt. Um
eine kontinuierlich steigende Ansammlung von Belebtschlamm im SBR-Becken im Laufe
mehrere Reinigungszyklen zu verhindern, wird bei jedem Reinigungszyklus ein Teil
des mit Belebtschlamm durchmischten Wassers in die Vorklärkammer zurückgeführt.
Zum Abzug von Klarwasser und zur Schlammrückführung müssen im SBR-Becken
Pumpaggregate installiert werden, was hohen apparativen Aufwand erfordert.
Ziel der Erfindung ist es daher, ein Verfahren und eine entsprechende
Vorrichtung anzugeben, die es ermöglichen, für die Schlammrückführung
und den Klarwasserabzug mit lediglich einem Pumpaggregat auszukommen.
Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 und eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 5. Weitere
vorteilhafte Ausführungsformen finden sich in den Unteransprüchen.
Erfindungsgemäß ist im SBR-Becken eine Pumpe zur Rückführung
von Schlamm sowie zum Abziehen von Klarwasser vorgesehen, welche über ein Ventil
mit einer Schlammrückführungsleitung und einer Klarwasserabzugsleitung
verbunden ist. Das Ventil öffnet je nach Wasserstand im SBR-Becken den Strömungsweg
von der Pumpe entweder zum Klarwasserabzug oder zur Schlammrückführung.
Hierzu weist das Ventil ein Auftriebselement auf, welches bei Überschreiten
eines Wasserstandes im SBR-Becken den Strömungsweg zum Klarwasserabzug öffnet.
Bei Unterschreiten eines Mindestwasserstandes wird dieser Strömungsweg geschlossen
und der zur Schlammrückführung geöffnet.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand der beiliegenden 1
bis 3C schematisch näher erläutert:
1 – zeigt eine Querschnittansicht einer Kläranlage
mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung,
2A und 2B – zeigen
eine Schnittansicht des erfindungsgemäßen Ventils in seinen beiden Schaltzuständen;
Schlammrückführung (2A) und Klarwasserabzug
(2B),
3A bis 3C – zeigen
schematisch Ansichten der Pumpe, des Niveauschalters und der Ventilstellung bei
verschiedenen Wasserständen; Minimalwasserstand: 3A;
Wasserstand nach der Schlammrückführung: 3B
und Wasserstand nach Beschicken: 3C.
In 1 ist eine erfindungsgemäß
ausgestaltete Kläranlage gezeigt. Diese weist in der Regel eine Vorklärkammer
bzw. ein Pufferbecken 1 mit einem Zulauf 1a auf. Über eine
Pumpe 9 kann das in der Vorklärkammer befindliche Abwasser in das
Behandlungsbecken (SBR-Becken) 2 eingeleitet werden. In diesem SBR-Becken
2 ist eine Tauchmotorpumpe 3 untergebracht, welche über ein
Ventil 4 mit einer Klarwasserabzugsleitung 6, die zu einem Auslaß
2a führt, und einer Schlammrückführungsleitung
7 verbunden ist. Weiter ist im SBR-Becken 2 eine Belüftungseinrichtung
5, vorzugsweise ein Tauchmotorbelüfter, vorgesehen, um im SBR-Becken
2 Belebtschlamm und Wasser zu verwirbeln bzw, zu belüften.
Das Ventil 4 und die Pumpe 3, die entweder direkt
oder über eine Schlauchleitung (nicht gezeigt) miteinander verbunden sein können,
arbeiten wasserstandsabhängig. Das Ventil 4 weist ein Auftriebselement
4a auf, welches bevorzugt die Form eines Ballons aufweist. Für das
Ventil 4 sind dabei zwei Schaltzustände vorgesehen, die in den
2A und 2B im Detail gezeigt
sind. 2A zeigt den Zustand zur Schlammrückführung:
hierbei wird das von der Pumpe 3 ankommende, durch die Öffnung
4f eintretende Wasser zum oberen Ausgang 4c in die Schlammrückführungsleitung
7 gepumpt. Wird im SBR-Becken ein bestimmter Wasserstand erreicht, so wird
das Auftriebselement 4a angehoben. Dieses ist mittels einer Stange
4d mit einem Verschlußkörper 4e verbunden, der eine
Bewegung des Auftriebselements 4a mitgeht. Im gezeigten Beispiel ist die
Ventilstellung UNTEN eingestellt, bei der der Verschlußkörper
4e die zur Klarwasserleitung 6 führende Öffnung
4g verschließt und die Öffnung 4f öffnet.
Wird das Auftriebselement 4a nach oben bewegt, so wird die
in 2B dargestellte Ventilstellung eingenommen. Der
Verschlußkörper 4e wird gegen einen oberen Anschlag gedrückt
und verschließt die Öffnung 4f und damit den Strömungsweg
zur Schlammrückführungsleitung 7, wobei gleichzeitig der Strömungsweg
zur Klarwasserabzugsleitung 6 geöffnet wird.
Ein Reinigungszyklus läuft bei der erfindungsgemäßen
Vorrichtung wie folgt ab (vgl. 1 sowie 3A
bis 3C):
Zunächst wird das zu reinigende Abwasser aus dem Pufferbecken
oder einer Vorkläreinrichtung 1 in das SBR-Becken 2 gepumpt.
Die Menge dieser Beschickung wird durch Niveauschalter in Vorklär- oder SBR-Becken
2 begrenzt oder durch eine zeitgesteuerte Funktion, welche die Oberfläche
der Abwasserkammern 1, 2 einbezieht. Das oben anhand der
2A und 2B beschriebene
Ventil 4 ist in Stellung OBEN (2B) und gibt
den Strömungsweg zum Klarwasserabzug 6 frei. Der Niveauschalter
3a der Pumpe 3 im SBR-Becken 2 muß aufgeschwommen
sein, so daß er an die Steuerung (nicht gezeigt) der Pumpe 3 ein Einschaltsignal
meldet. Vorteilhaft ist es, einen Energiesparmodus vorzusehen, in dem bei zu geringer
Menge an dem SBR-Becken 2 zugeleiteten Abwasser lediglich eine Belüftung
des Wasser-/Belebtschlammgemisches im SBR-Becken 2 jedoch keine weiteren
Pumpvorgänge erfolgen.
Ist genügend „frisches" (d. h. noch zu behandelndes) Abwasser
in das SBR-Becken 2 gelangt, wird das Wasser-/Belebtschlammgemisch mittels
intermittierenden Betriebs des Tauchmotorbelüfters 5 durchmischt.
Hierbei wird unter nur sehr geringer Luftzufuhr das frische Abwasser mit der Biologie
des SBR-Beckens 2 vermischt. In dieser Phase findet der biologische Vorgang
der Denitrifikation statt. Anschließend folgt eine längere Phase des Durchmischens
und Belüftens. Das biologische System im SBR-Becken 2 reinigt mittels
Zufuhr von Luftsauerstoff durch den Tauchmotorbelüfter 5 das Abwasser,
wodurch ein Nitrifikationsvorgang bewirkt wird.
Nach erfolgter Nitrifikation folgt eine Sedimentationsphase, in der
sich der Belebtschlamm im SBR-Becken 2 absetzen kann. Das System befindet
sich dabei etwa für den Zeitraum einer Stunde in Ruhe, so daß sich die
aufgewirbelten Schlammflocken im SBR-Becken 2 absetzen.
Nach dem Absetzvorgang und vor dem Einschalten der Pumpe
3 wird die Stellung des Niveauschalters 3a im SBR-Becken
2 überprüft. Ist dieser aufgeschwommen, befindet er sich in Stellung
„EIN" und nur dann wird Klarwasserüberstand über die Leitung
6 und den Ablauf 2a in das Grundwasser oder einen Vorfluter geleitet.
Der Niveauschalter 3a erkennt den Mindestwasserstand WS2 und
gibt der Steuerung das Signal „AUS" zum Abschalten der Pumpe 3.
Der unterhalb des Mindestwasserstandes WS2 befindliche Belebtschlamm
verbleibt im System.
Anschließend werden der Belebtschlamm und das restliche, im SBR-Becken
2 verbliebene Wasser durch den Tauchmotorbelüfter 5 durchmischt.
Das erfindungsgemäße Umschaltventil 4 befindet sich in der Stellung
UNTEN (2A), der Strömungsweg 7 zum Schlammabzug
ist geöffnet. Nun wird durch kurzes Einschalten der Pumpe 3 im SBR-Becken
2 ein kleiner Teil des durchmischten Wasser-/Belebtschlammgemisches in
das Vorklär- bzw. Pufferbecken 1 gefördert.
Die erfindungsgemäße Ansteuerung des Ventils 4
während des oben beschriebenen Reinigungszyklus erfolgt im folgenden anhand
der 3A bis 3C:
Als Startzustand (3A) wird der Mindestwasserstand WS2
nach dem Abpumpen des geklärten Abwassers am Ende des oben beschriebenen Reinigungszyklus
angenommen. Das Ventil 4 befindet sich am unteren Endanschlag, d.h. der
Strömungsweg 6 zum Ablauf 2a der Kläranlage ist versperrt
und der Strömungsweg 7 zum Vorklär- bzw. Pufferbecken
1 ist vollständig geöffnet. Die Hydraulik der Pumpe
3 befindet ausreichend unter Wasser, der Schwimmerschalter 3a,
welcher sich in einem festen räumlichen Verhältnis zu Pumpe
3 und Ventil 4 befindet, hat unmittelbar vorher in Stellung „AUS"
geschaltet.
Der Belebtschlamm befindet sich in abgesetztem Zustand. Nun wird der
Tauchmotorbelüfter 5 des Systems für einige Minuten aktiviert
und der abgesetzte Belebtschlamm aufgewirbelt, so daß eine homogene Phase entsteht.
Nach Abschalten des Tauchmotorbelüfters 5 wird die Pumpe
3 aktiviert und das Wasser/Belebtschlammgemisch wird durch das Ventil
4, welches sich in Stellung UNTEN (Schlammrückführung) befindet,
in das Vorklär- bzw. Pufferbecken 1 gepumpt. Dieser Vorgang ist zeitgesteuert
und dauert nur einige Sekunden. Nach Abschalten der Pumpe 3 ist das Ende
des Klärzyklus erreicht. Der Wasserstand im SBR-Becken ist auf das Niveau WS3
gesunken (vgl. 3B). Der Unterschied der Wasserstände
zu Beginn (WS2) und Ende (WS3) des geschilderten Schlammrückführungsvorgangs
beträgt je nach Abmessung der Anlage in der Regel nur wenige Millimeter.
Mit Beginn eines neuen Reinigungszyklus wird das SBR-Becken
2 über die Dosierpumpe 9 aufgefüllt. Der Wasserstand
WS1 steigt nun je nach tatsächlichen Zufluß oder der Bemessung
der Kläranlage mehr oder weniger stark an und das Auftriebselement
4a des Ventils 4 zieht die Stange 4d (vgl.
2B) mit nach oben, so daß die Ventilstellung OBEN
(Klarwasserabzug) erreicht ist. Diese Situation ist in 3C
dargestellt. Wird eine vorgegebene Schaltdifferenz des Niveauschalters
3a im SBR-Becken 2 nicht überschritten, so gibt dieser keinen
Signalwechsel an die Steuerung weiter und die Anlage befindet sich – wie
oben beschrieben – im Energiesparmodus, in welchem die Stellung des Umschaltventils
4 ohne Belang ist, weil lediglich ein intermittierendes Durchmischen und
kein Abpumpvorgang erfolgt.
Steigt der Wasserstand über das Einschaltniveau des Niveauschalters
3a, schaltet die Steuerung das System in den Normalmodus. Spätestens
mit Erreichen dieser Wasserstandsdifferenz ist das Ventil
4 im oberen Endanschlag angekommen (3C). Nach
erfolgter Belüftungs- und Absetzphase (s.o.) kann nun das geklärte Abwasser
durch das Ventil 4 und die Leitung 6 dem Ablauf 2a zugeführt
werden. Beim Abpumpen sinkt der Wasserspiegel wieder. Das Auftriebselement
4a am Ventil 4 bleibt jedoch unabhängig vom Wasserspiegel
im SBR-Becken 2 aufgrund des im Ventil 4 während des laufenden
Pumpvorgangs anliegenden Wasserdrucks in der Stellung OBEN. Erst mit Abschalten
der Pumpe 3 fällt das Auftriebselement infolge des nachlassenden Wasserdrucks
und der Schwerkraft ab und das Ventil 4 wechselt in die Stellung UNTEN
(Schlammrückführung).
Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. durch das erfindungsgemäße
Verfahren wird die Schlammrückführung und der Klarwasserabzug mit lediglich
einem Pumpaggregat im Behandlungsbecken realisiert.