Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ermittlung der Masse eines
Kraftfahrzeugs, das in Verbindung mit einer Schaltung eines automatisierten Schaltgetriebes
von einem Lastgang in einen Zielgang durchgeführt wird, wobei zur Bestimmung
eines Massewertes Kraft- und Bewegungsgrößen teils vor oder nach der Schaltung
und teils während der Schaltung ermittelt werden.
Die Kenntnis der Masse eines Kraftfahrzeugs ist von elementarer Bedeutung,
um das Schaltverhalten eines automatisierten Schaltgetriebes optimal steuern zu
können. So wird die Masse zur Berechnung des Fahrwiderstands benötigt,
dessen genaue Ermittlung für die Bestimmung der Schaltdrehzahl, bei welcher
der aktuell eingelegte Lastgang durch eine Schaltung verlassen wird, und für
die Bestimmung des Zielgangs, in den durch die Schaltung gewechselt wird, erforderlich
ist. Beispielsweise bei Nutzfahrzeugen, deren Masse sich durch Beladungs- und Entladungsvorgänge
stark ändern kann, dient die Masse des Kraftfahrzeugs auch zur Bestimmung des
Anfahrgangs.
Ein Verfahren zur Ermittlung der Masse bzw. des Gesamtgewichts eines
Kraftfahrzeugs ist aus der EP 0 695 930 A1
bekannt. Dieses bekannte Verfahren bezieht sich auf ein Kraftfahrzeug, dessen Antriebsstrang
einen mit einer elektronischen Steuerung versehenen Verbrennungsmotor als Antriebsmotor
und ein manuelles Schaltgetriebe aufweist. Zur Ermittlung des Gesamtgewichts des
Kraftfahrzeugs ist vorgesehen, dass zu zwei in Beziehung zu einem Hochschaltvorgang
stehenden Zeitpunkten jeweils das Drehmoment des Antriebsmotors und die Längsbeschleunigung
des Kraftfahrzeugs ermittelt werden und daraus das Fahrzeuggewicht berechnet wird.
Die ersten Werte werden bevorzugt unmittelbar vor dem Schließen der Motorkupplung
und dem Aufbau des Motormomentes und die zweiten Werte nach dem vollständigen
Schließen der Motorkupplung und dem Aufbau des Motormomentes ermittelt. Zur
Verbesserung der Genauigkeit des derart bestimmten Gesamtgewichtes ist eine Mittelwertbildung
aus mehreren Gewichtswerten vorgesehen, die jeweils aus denselben ersten Werten
und aus zu verschiedenen Zeiten ermittelten zweiten Werten berechnet werden. Da
insbesondere der Zeitpunkt der Ermittlung der ersten Werte wegen der in Gang befindlichen
Synchronisierung und des Einlegens des Zielgangs ungünstig gewählt ist,
weist der derart ermittelte Gewichtswert jedoch eine relativ große Ungenauigkeit
auf.
Ein weiteres Verfahren zur Ermittlung der Masse eines Kraftfahrzeugs
ist Gegenstand der WO 00/11439. Dieses Verfahren bezieht sich auf ein Kraftfahrzeug
mit einem automatisierten Schaltgetriebe, bei dem die Zugkraft während einer
Gangschaltung unterbrochen ist. Das Verfahren sieht vor, dass in einem Zeitfenster
unmittelbar vor oder nach der Gangschaltung mehrere Zugkraftwerte, also Kraftgrößen,
und in der zugkraftfreien Phase während der Schaltung mindestens zwei Geschwindigkeitswerte,
demnach Bewegungsgrößen, ermittelt werden und daraus ein Massewert berechnet
wird. Da auch der mit diesem Verfahren ermittelte Massewert vergleichsweise große
Ungenauigkeit aufweisen kann, ist eine Mittelwertbildung aus mehreren in einem Fahrzyklus
ermittelten Massewerten vorgesehen.
Nachteilig an beiden bekannten Verfahren ist außer der Ungenauigkeit
der ermittelten Gewichts- bzw. Massewerte auch der Umstand, dass pro Schaltung nur
ein Massewert ermittelt werden kann, so dass für eine Mittelwertbildung relativ
viele Schaltungen und ein entsprechend langer Zeitraum eines Fahrzyklus erforderlich
sind.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren vorzustellen,
mit dem die Ermittlung der Masse eines Kraftfahrzeugs schneller und mit höherer
Genauigkeit als bisher möglich ist.
Zur Lösung dieser Aufgabe geht die Erfindung aus von einem Verfahren
zur Ermittlung der Masse eines Kraftfahrzeugs, das in Verbindung mit einer Schaltung
eines automatisierten Schaltgetriebes von einem Lastgang in einen Zielgang durchgeführt
wird, wobei zur Bestimmung eines Massewertes Kraft- und Bewegungsgrößen
teils vor oder nach der Schaltung und teils während der Schaltung ermittelt
werden.
Dieses Verfahren sieht außerdem vor, dass die auf die Antriebsräder
bezogene Zugkraft des Antriebsmotors vor und nach der Schaltung F_zug_vor bzw. F_zug_nach
und die Längsbeschleunigung des Kraftfahrzeugs vor und nach der Schaltung a_zug_vor
bzw. a_zug_nach sowie in der zugkraftfreien Phase (Rollphase) während der Schaltung
die Beschleunigung in Rollphase a_roll ermittelt werden, und dass daraus nach der
Formel m = F_zug/(a_zug – a_roll) ein erster Massewert m_vor = F_zug_vor/(a_zug_vor
– a_roll) für den Beginn der Schaltung und ein zweiter Massewert m_nach
= F_zug_nach/(a_zug_nach – a_roll) für das Ende der Schaltung berechnet
wird.
Nach der allgemein bekannten Fahrwiderstandsgleichung
F_zug = F_steig + F_roll + F_luft + F_träg = F_fw + F_träg
steht die auf die Antriebsräder des Kraftfahrzeugs bezogene Zugkraft F_zug
des Antriebsmotors in Beziehung zu dem Fahrwiderstand F_fw, der
sich aus der Summe des Steigungswiderstands F_steig, des Rollwiderstands F_roll
und des Luftwiderstands F_luft zusammensetzt, und zu der Massenträgheitskraft
F_träg des Kraftfahrzeugs. Da sich die Massenträgheitskraft F_träg
aus dem Produkt der aktuellen Fahrzeugmasse m und der aktuellen Fahrzeugbeschleunigung
a zu F_träg = m·a ergibt, kann der Fahrwiderstand F_fw in der Form
F_fw = F_zug – m·a
angegeben werden. Unter der Annahme, dass sich der Fahrwiderstand F_fw unmittelbar
vor und während einer Schaltung bzw. während und unmittelbar nach einer
Schaltung nicht wesentlich ändert, und wegen des in der zugkraftfreien Phase
der Schaltung geöffneten Antriebsstrangs (F_zug_roll = 0) gilt:
F_fw_vor = F_zug_vor – m·a_zug_vor = F_fw_roll = – m·a_roll
und
F_fw_roll = – m·a_roll = F_fw_nach = F_zug_nach – m·a_zug_nach
Daraus folgt jeweils für zwei Massewerte pro Schaltung:
m_vor = F_zug_vor/a_zug_vor – a_roll)
und
m_nach = F_zug_nach/(a_zug_nach – a_roll)
Somit werden durch das erfindungsgemäße Verfahren jeweils
zwei Massewerte pro Schaltung ermittelt, wobei der erste Massewert m_vor zeitlich
dem Beginn der Schaltung und der zweite Massewert m_nach dem Ende der Schaltung
zuzuordnen ist. Die Genauigkeit der beiden Massewerte m_vor, m_nach richtet sich
nach dem jeweiligen Zeitpunkt der Ermittlung der Zugkraftwerte und der Beschleunigungswerte
sowie der konkreten Vorgehensweise dabei, und ist zumindest nicht schlechter als
die Genauigkeit der Gewichts- oder Massewerte der bekannten Verfahren.
Hinsichtlich der Genauigkeit besonders kritisch ist die Ermittlung
der Beschleunigung a_roll in der zugkraftfreien Phase der Schaltung zwischen dem
Öffnen und Schließen der Motorkupplung, da in dieser Phase weitgehend
unbekannte und nur schwer messbare Kräfte bzw. Drehmomente auf den abtriebsseitigen
Antriebsstrang einwirken können. So ist es weitgehend unbekannt, wie schnell
der Antriebsmotor während einer Schaltung sein Drehmoment abbaut und wieder
aufbaut, welcher Drehmomentanteil über die Synchronisierung des Zielgangs verloren
geht, und wie sich Drehschwingungen, die durch den Schaltvorgang, wie durch das
Öffnen und Schließen der Motorkupplung, durch das Auslegen des Lastgangs
und durch das Synchronisieren und Einlegen des Zielgangs, oder durch Fahrbahnunebenheiten
angeregt werden können, auf die Fahrdynamik des Kraftfahrzeugs, also auf die
aktuelle Beschleunigung des Kraftfahrzeugs, auswirken.
Daher ist vorgesehen, dass die Beschleunigung a_roll in der Rollphase
der Schaltung bevorzugt derart ermittelt wird, dass über eine Zeitspanne &Dgr;t,
welche die zugkraftfreie Phase der Schaltung beinhaltet, mehrere diskrete Werte
a_i der aktuellen Beschleunigung a des Kraftfahrzeugs erfasst werden, aus diesen
Beschleunigungswerten a_i bei einer Zugschaltung das Beschleunigungsminimum a_min
und bei einer Schubschaltung das Beschleunigungsmaximum a_max bestimmt wird, und
dieser Extremwert der Beschleunigung (a_min oder a_max) nachfolgend als Beschleunigung
a_roll in der zugkraftfreien Rollphase verwendet wird.
Durch diese Vorgehensweise wird die Beschleunigung a_roll erfahrungsgemäß
verfahrenssicher und mit hoher Genauigkeit ermittelt, so dass damit auch die daraus
abgeleiteten Massewerte m_vor bzw. m_nach relativ genau bestimmt werden.
Zur Verbesserung der Genauigkeit bei der Ermittlung der Beschleunigung
a_roll in der zugkraftfreien Phase und damit der Massewerte m_vor bzw. m_nach ist
zweckmäßig vorgesehen, dass die Beschleunigungswerte a_i zur Erfassung
eines optimalen Extremwertes (a_min oder a_max) jeweils in einem zeitlichen Abstand
von maximal 10 ms ermittelt werden. In dieser Hinsicht ist es ebenfalls vorteilhaft,
wenn die Beschleunigungswerte a_i zur Eliminierung von Messfehlern und Störungen
vor der Bestimmung des Extremwertes der Beschleunigung (a_min oder a_max) gefiltert
werden, wozu allgemein bekannte numerische Verfahren zur Verfügung stehen.
Da die bei einem einzigen Schaltvorgang wie zuvor beschrieben ermittelten
Massewerte m_vor bzw. m_nach dennoch für Steuerungszwecke, wie der Ermittlung
der jeweiligen Schaltdrehzahl und des betreffenden Zielgangs zukünftiger Schaltungen,
zu ungenau sein können, werden zweckmäßig die über mehrere Schaltungen
ermittelten Massewerte m_i gemittelt. Konkret ist hierzu vorgesehen, dass nach dem
Start der Ermittlung von Massewerten diejenigen Massewerte m_i, die vorab festgelegte
Mindestbedingungen erfüllen, für die Bildung eines für Steuerungszwecke
vorgesehenen ersten Massemittelwertes m_m1 aufsummiert werden, bis eine vorab festgelegte
Mindestanzahl n von Massewerten m_i erreicht ist, und dass anschließend der
erste Massemittelwert m_m1 durch arithmetische Mittelwertbildung m_m1 = 1/n·&Sgr;m_i,
(i = 1, n) berechnet wird und dieser Massemittelwert m_m1 zunächst
für Steuerungszwecke verwendet wird.
Eine Mindestbedingung kann darin bestehen, dass die Beschleunigungsdifferenz
a_zug – a_roll größer als ein vorab festgelegter unterer Grenzwert
der Beschleunigungsdifferenz &Dgr;a_min ist (a_zug – a_roll > &Dgr;a_min).
Eine weitere Mindestbedingung kann darin bestehen, dass die Zugkraft F_zug bei einer
Zugschaltung größer als ein vorab festgelegter unterer Grenzwert F_Zmin
der Zugkraft (F_zug > F_Zmin) und bei einer Schubschaltung kleiner als ein vorab
festgelegter oberer Grenzwert F_Smax der Schubkraft (F_zug < F_Smax) sein soll.
Als Mindestanzahl n der Massewerte m_i zur Bestimmung eines hinreichend
genauen Massemittelwertes m_m1 hat sich in praktischen Versuchen eine Größenordnung
von 10 bis 20 Werten als ausreichend erwiesen.
Auf diese Art und Weise wird also in relativ kurzer Zeit, also unter
günstigen Bedingungen schon nach 5 Schaltungen, ein relativ genauer erster
Massemittelwert m_m1 ermittelt, der nachfolgend für Steuerungszwecke verwendet
werden kann.
Bis dieser erste Massemittelwert m_m1 zur Verfügung steht, ist
zweckmäßig vorgesehen, dass ein Defaultwert der Masse m_Def, bei dem es
sich z.B. um einen Mittelwert zwischen der Leermasse und der maximal zulässigen
Gesamtmasse handeln kann, oder ein Schätzwert der Masse m_Sch, bei dem es sich
z.B. um den im letzten Fahrzyklus zuletzt ermittelten Massemittelwert handeln kann,
für Steuerungszwecke verwendet wird.
Zur Ermittlung eines genaueren Massemittelwertes ist vorteilhaft vorgesehen,
dass nach dem Erreichen der Mindestanzahl n von Massewerten m_i und dem Berechnen
des ersten Massemittelwertes m_m1 zusätzliche Massewerte m_i ermittelt werden,
die vorab festgelegte Bedingungen für gute Massewerte m_gut_i erfüllen,
und dass der erste Massemittelwert m_m1 mittels der zusätzlichen guten Massewerte
m_gut_i korrigiert wird.
Diese Korrektur könnte durch den sukzessiven Austausch der in
die Summe des ersten Massemittelwertes m_m1 eingegangenen schlechten Massewerte
m_schlecht_i durch die zusätzlich ermittelten guten Massewerte m_gut_i erfolgen.
Dies wäre allerdings nachteilig mit einer aufwändigen Indizierung der
schlechten Massewerte m_schlecht_i und mit einem insgesamt hohen Rechenaufwand verbunden.
Daher wird vorliegend eine Vorgehensweise zur Korrektur des ersten
Massemittelwertes m_m1 favorisiert, bei der schon während des Aufsummierens
der Massewerte m_i zur Bildung des ersten Massemittelwertes m_m1 diejenigen Massewerte
m_i, welche die Bedingungen für gute Massewerte nicht erfüllen, zu einer
Schlechtsumme &Sgr; m_schlecht_i, (i = 1, n_schlecht) aufsummiert werden, die
zusätzlichen guten Massewerte m_gut_i solange ermittelt und zu einer Gutsumme
&Sgr; m_gut_i, (i = 1, n_gut) aufsummiert werden, bis deren Anzahl n_gut gleich
der Anzahl n_schlecht der zuvor aufsummierten schlechten Massewerte m_schlecht_i
ist, und dass nachfolgend durch den Ersatz der Schlechtsumme &Sgr; m_schlecht_i
durch die Gutsumme &Sgr; m_gut_i in der Gesamtsumme &Sgr; m_i der Massewerte
m_i ein exakterer zweiter Massemittelwert m_m2 berechnet wird, der nachfolgend für
Steuerungszwecke verwendet wird.
Bei den Bedingungen für gute Massewerte m_gut_i handelt es sich
um gegenüber den Mindestbedingungen verschärfte Anforderungen, durch die
der Einfluss von Messfehlern und Störgrößen auf die Ermittlung der
Massewerte vermieden oder zumindest deutlich reduziert wird und somit relativ genaue
Massewerte m_gut_i erzielt werden.
Gemäß einer Ausgestaltung des Verfahrens gemäß
der Erfindung ist vorgesehen, dass eine Bedingung für gute Massewerte zu Beginn
der Schaltung m_vor_gut darin besteht, dass die Steigungsdifferenz der Fahrbahn
zwischen der Auslösung der Schaltung &agr;_vor und der Rollphase &agr;_roll
kleiner als ein vorab festgelegter Grenzwert &Dgr;&agr;_max1 sein soll (|&agr;_vor
– &agr;_roll| < &Dgr;&agr;_max1).
Eine andere Bedingung für gute Massewerte zu Beginn der Schaltung
m_vor_gut kann auch darin besteht, dass die Zugkraft vor der Schaltung F_zug_vor
bei einer Zugschaltung größer als ein vorab festgelegter Grenzwert F_zug_Zmin1
(F_zug_vor > F_zug_Zmin1) und bei einer Schubschaltung kleiner als ein vorab
festgelegter Grenzwert F_zug_Smax1 (F_zug_vor < F_zug_Smax1) sein soll.
Des Weiteren kann vorgesehen sein, dass eine Bedingung für gute
Massewerte zum Ende der Schaltung m_nach_gut darin besteht, dass die Steigungsdifferenz
zwischen der Auslösung der Schaltung &agr;_vor und der Berechnung des zweiten
Massewertes &agr;_nach kleiner als ein vorab festgelegter Grenzwert &Dgr;_max2
sein soll (|&agr;_vor – &agr;_nach| < &Dgr;&agr;_max2).
Eine weitere Bedingung für gute Massewerte zum Ende der Schaltung
m_nach_gut besteht darin, dass die Zugkraft zum Zeitpunkt der Berechnung des zweiten
Massewertes m_nach bei einer Zugschaltung größer als ein vorab festgelegter
Grenzwert F_zug_Zmin2 (F_zug_nach > F_zug_Zmin2) und bei einer Schubschaltung
kleiner als ein vorab festgelegter Grenzwert F_zug_Smax2 (F_zug_vor
< F_zug_Smax2) sein soll.
Zudem ist eine Bedingung für gute Massewerte zum Ende der Schaltung
m_nach_gut, dass die Drehmomentdifferenz des Antriebsmotors vor und nach der Schaltung
M_zug vor bzw. M_zug_nach kleiner als ein vorab festgelegter Grenzwert &Dgr;M_max
sein soll (|M_zug_vor – M_zug_nach| < &Dgr;M_max).
Eine andere Bedingung für gute Massewerte m_vor_gut bzw. m_nach_gut
besteht darin, dass die Betriebstemperatur des Antriebsmotors t_M größer
als ein vorab festgelegter Grenzwert t_M_min sein soll (t_M > t_M_min).
Außerdem sieht die Erfindung vor, dass eine Bedingung für
gute Massewerte m_vor_gut bzw. m_nach_gut darin besteht, dass die vor der Schaltung
eingelegte Gangstufe (Lastgang G_L) größer ist als ein kleinster Gang
G_min und kleiner als ein größter Gang G_max sein soll (G_L > G_min,
G_L < G_max).
Da sich insbesondere bei einem Nutzfahrzeug die Gesamtmasse eines
Kraftfahrzeugs auch während der Fahrt durch Beladungs- und Entladungsvorgänge
ändern und somit von dem zuvor ermittelten Massemittelwert (m_m1 oder m_m2)
abweichen kann, ist zweckmäßig vorgesehen, dass eine Änderung der
Fahrzeugmasse m gegenüber dem aktuellen Massemittelwert (m_m1 oder m_m2) ermittelt
wird, und dass bei Überschreitung eines vorab festgelegten Änderungsgrenzwertes
&Dgr;m_max die Ermittlung eines neuen Massemittelwertes (m_m1, m_m2) gestartet
wird.
Hierzu wird bevorzugt permanent, also parallel und unabhängig
zu der Ermittlung der Massemittelwerte m_m1, m_m2, ein gleitender Mittelwert m_mgl
aus Massewerten m_i berechnet, welche die Bedingungen für gute Massewerte m_vor_gut
bzw. m_nach_gut erfüllen, und die Ermittlung neuer Massemittelwerte m_m1 bzw.
m_m2 gestartet, wenn die Differenz zwischen dem gleitenden Mittelwert m_mgl und
dem zuletzt ermittelten Massemittelwert (m_m1 oder m_m2) einen vorab festgelegten
Grenzwert &Dgr;m_m_max überschreitet (|m_mgl – m_m1| > &Dgr;m_m_max
beziehungsweise |m_mgl – m_m2| > &Dgr;m_m_max).
Zur Verdeutlichung der Erfindung ist der Beschreibung eine Zeichnung
beigefügt.
In dieser zeigt:
1 ein Ablaufschema des erfindungsgemäßen
Verfahrens,
2 einen gemessenen Zeitverlauf der Fahrzeugbeschleunigung
a über mehrere Zugschaltungen und
3 die vereinfachten Zeitverläufe der Zugkraft
F_zug und der Beschleunigung a bei einer einzigen Zug-Hochschaltung.
In dem Ablaufschema von 1 ist in vereinfachter
Form der zeitliche Ablauf des erfindungsgemäßen Verfahrens veranschaulicht.
Mit der Inbetriebnahme des Kraftfahrzeugs wird das Verfahren zur Ermittlung der
Masse des Kraftfahrzeugs gestartet, und nach der Initialisierung in Schritt S1 wird
in Schritt S2 während des Anfahrens ein erster, relativ ungenauer Massewert
ermittelt. Im nachfolgenden Schritt S3 erfolgt jeweils die Ermittlung von zwei Massewerten
über eine Schaltung. In Schritt S4 geschieht die Aufsummierung zu gegebenenfalls
schon vorhandenen Massewerten und die Berechnung eines ersten Massemittelwertes
m_m1 daraus. Im nachfolgenden Schritt S5 werden diejenigen Massewerte m_i, welche
die Bedingungen für gute Massewerte nicht erfüllen und damit als schlecht
klassifiziert werden, zu einer Schlechtsumme &Sgr; m_schlecht_i aufsummiert.
Anschließend wird in Schritt S6 geprüft, ob die erforderliche
Mindestanzahl n von Massewerten m_i für die Bildung des ersten Massemittelwertes
m_m1 schon erreicht ist. Falls nicht, werden die Schritte S3 bis S6 wiederholt solange
durchlaufen, bis die Mindestanzahl n von Massewerten m_i erreicht ist.
Danach wird der erste Massemittelwert m_m1 in Schritt S7 als Initialisierungswert
für zukünftige Fahrzyklen abgespeichert. Im nachfolgenden Schritt S8 werden
zusätzlich ermittelte und als gut klassifizierte Massewerte m_gut_i aufsummiert.
Anschließend wird in Schritt S9 geprüft, ob die Anzahl n_gut
der als gut klassifizierten zusätzlichen Massewerte m_gut_i die Anzahl n_schlecht
der als schlecht klassifizierten ersten Massewerte m_schlecht_i erreicht hat. Falls
nicht, werden die Schritte S8 und S9 wiederholt solange durchlaufen, bis die Anzahl
n_gut der guten Massewerte m_gut_i die Anzahl n_schlecht der schlechten Massewerte
m_schlecht_i erreicht hat.
Danach erfolgt in Schritt S10 die Korrektur des ersten Massemittelwertes
m_m1 durch den Austausch der darin enthaltenen Summe der schlechten Massewerte &Sgr;
m_schlecht_i durch die soeben ermittelte Summe der guten Massewerte &Sgr; m_gut_i,
wodurch der wesentlich genauere zweite Massemittelwert m_m2 gebildet wird.
Anhand hier nicht ausführlich genannter Kriterien, wie z.B. der
Abweichung eines gleitenden Durchschnittswertes m_mgl der weiterhin laufend ermittelten
Massewerte m_gut_i von dem zuletzt ermittelten Massemittelwert m_m2, wird danach
in Schritt S11 geprüft, ob die Ermittlung der Masse m durch die Berechnung
der Massemittelwerte m_m1, m_m2 neu gestartet werden muss. In diesem Fall wird vor
den Schritt S3 zurück verzweigt.
Falls nicht, wird in dem nachfolgenden Schritt S12 geprüft, ob
das Fahrzeug hinreichend lange steht oder der Antriebsmotor abgestellt wurde, was
durch einen Rücksprung vor den Schritt S1 zu einem kompletten Neustart des
Verfahrens führt. Im negativen Fall wird dagegen vor den Schritt S11 zurück
verzweigt, so dass dann die Schritte S11 und S12 kontinuierlich solange durchlaufen
werden, bis eine der beiden Bedingungen erfüllt ist und dann entsprechend rückverzweigt
wird.
Da die Ermittlung besonders der guten Massewerte m_gut_i auf der exakten
Erfassung der Beschleunigung a_roll des Kraftfahrzeugs in der zugkraftfreien Phase
der Schaltung beruht, ist die Ermittlung dieses Beschleunigungswertes a_roll beispielhaft
in dem Diagramm von 2 veranschaulicht. Darin ist der
Zeitverlauf der Beschleunigung a eines Kraftfahrzeugs über mehrere mit einer
Unterbrechung der Zugkraft verbundene Schaltungen dargestellt. Dabei gibt die durchgezogene
Linie die gefilterten Werte a_fzg_filt kontinuierlich, also in einem festgelegten
Zeitintervall von etwa 10–20 ms, ermittelter Beschleunigungswerte a_i wieder.
Bei den Schaltungen handelt es sich jeweils um eine Zugschaltung. Demzufolge führt
jede der Schaltungen zu einem Einbruch der Beschleunigung a, die während der
Schaltungen jeweils negative Werte annimmt. Das Kraftfahrzeug wird also jeweils
während der Schaltung durch den wirksamen Fahrwiderstand F_fw abgebremst, da
der Triebstrang zeitweise geöffnet ist und dann kein Antriebsmoment in Form
einer Zugkraft auf die Antriebsräder übertragen wird (F_zug = 0).
Zur Ermittlung der Beschleunigung a in der zugkraftfreien Phase der
Schaltung wird nun bei jeder der Schaltungen jeweils in einer Zeitspanne &Dgr;t,
welche die zugkraftfreie Phase beinhaltet, ein Extremwert der in diesem Zeitraum
erfassten Beschleunigungswerte a_i ermittelt. Da es sich vorliegend um Zugschaltungen
handelt, wird jeweils das Beschleunigungsminimum a_min bestimmt. Der Verlauf dieses
Extremwertes a_roll_peak ist in 2 jeweils durch die
unterbrochene Linie dargestellt.
Hierdurch wird deutlich, dass durch das Verfahren trotz starker Störungen
zu Beginn und zum Ende der jeweiligen Schaltung das jeweilige Beschleunigungsminimum
a_min sicher ermittelt wird. Diesem Beschleunigungsminimum a_min ist jeweils der
momentane Fahrwiderstand F_fw eindeutig zuzuordnen, so dass hiermit eine relativ
genaue Berechnung der beiden Massewerte m_vor bzw. m_nach über die jeweilige
Schaltung möglich ist.
Zur weiteren Veranschaulichung des Verfahrens ist in 3
eine Zug-Hochschaltung mit vereinfachten Zeitverläufen der Beschleunigung a
und der auf die Antriebsräder bezogenen Zugkraft F_zug des Antriebsmotors mit
größerer zeitlicher Auflösung dargestellt. Die Schaltung beginnt
zum Zeitpunkt t1 und endet zum Zeitpunkt t4. Zwischen dem Zeitpunkt t1 und t2 wird
die Motorkupplung geöffnet und das Drehmoment des Antriebsmotors abgebaut,
gegebenenfalls auch schon der eingelegte Lastgang ausgelegt.
Unmittelbar vor dem Zeitpunkt t3 wird der einzulegende Zielgang synchronisiert
und nachfolgend eingelegt. Das Schließen der Motorkupplung und der Aufbau des
Drehmomentes des Antriebsmotors erfolgt zwischen dem Zeitpunkt t3 und dem Zeitpunkt
t4.
Die zugkraftfreie Phase der Schaltung erstreckt sich somit in etwa
zwischen dem Zeitpunkt t2 und dem Zeitpunkt t3, wobei aber zu Beginn und zum Ende
dieses Zeitraums bekanntlich noch starke Störungseinflüsse wirksam sein
können. In der Mitte der zugkraftfreien Phase ist die Beschleunigung a jedoch
weitgehend störungsfrei und entspricht dem gesuchten Minimalwert a_min bzw.
a_roll.
Zur Ermittlung des ersten Massewertes m_vor = F-zug_vor/(a_zug vor
– a_roll) werden die Zugkraft F_zug_vor und die Beschleunigung a_zug vor
unmittelbar vor Beginn der Schaltung, also vor dem Zeitpunkt t1 ermittelt. Ebenso
werden zur Ermittlung des zweiten Massewertes m_nach = F_zug_nach/(a_zug nach –
a_roll) die Zugkraft F_zug nach und die Beschleunigung a_zug nach unmittelbar nach
dem Ende der Schaltung, also nach dem Zeitpunkt t4 bestimmt. Die Ermittlung der
Beschleunigung a_roll ist dagegen für beide Massewerte m_vor bzw. m_nach identisch
und erfolgt wie zuvor beschrieben durch die Bestimmung des Beschleunigungsminimums
a_min in der zugkraftfreien Phase der Schaltung.
Zur sicheren Ermittlung dieses Beschleunigungsminimums a_min wird
die Zeitspanne &Dgr;t, in der aus den aktuellen Beschleunigungswerten a_i bzw.
a_fzg_filt das Beschleunigungsminimum a_min bestimmt wird, so gewählt, dass
die zugkraftfreie Phase sicher enthalten ist. Die Zeitspanne &Dgr;t kann sich
beispielsweise, wie in dem oberen Teil von 3 eingezeichnet,
von dem Zeitpunkt t1 bis zum Zeitpunkt t4 oder, wie in dem unteren Teil von
3 eingezeichnet, von dem Zeitpunkt t2 bis zum Zeitpunkt
t3 erstrecken.
- a
- Beschleunigung, Längsbeschleunigung
- a_fzg_filt
- gefilterter Beschleunigungswert
- a_i
- diskreter Beschleunigungswert
- a_max
- Maximalwert von a_i, Beschleunigungsmaximum
- a_min
- Minimalwert von a_i, Beschleunigungsminimum
- a_roll
- Beschleunigung in Rollphase
- a_roll_peak
- Extremwert der Beschleunigung
- a_zug_nach
- Beschleunigung nach Schaltung
- a_zug_vor
- Beschleunigung vor Schaltung
- F_fw
- Fahrwiderstand
- F_luft
- Luftwiderstand
- F_roll
- Rollwiderstand
- F_steig
- Steigungswiderstand
- F_träg
- Massenträgheitskraft
- F_zug
- Zugkraft
- F_zug_vor
- Zugkraft vor Schaltung
- F_zug_nach
- Zugkraft nach Schaltung
- F_zug_Zmin1
- Grenzwert der Zugkraft vor einer Zugschaltung
- F_zug_Zmin2
- Grenzwert der Zugkraft bei einer Zugschaltung
- G_L
- Gangstufe Lastgang
- G_min
- kleinster Gang
- G_max
- größter Gang
- m
- Masse, Gesamtmasse
- m_gut_i
- als gut klassifizierter Massewert
- m_i
- Massewert
- m_m1
- erster Massemittelwert
- m_m2
- zweiter Massemittelwert
- m_mgl
- gleitender Durchschnitt von Massewerten
- m_nach
- zweiter Massewert
- m_Def
- Defaultwert der Masse
- m_Sch
- Schätzwert der Masse
- m_schlecht_i
- als schlecht klassifizierter Massewert
- m_vor
- erster Massewert
- m_gut_vor
- guter Massewert zu Beginn der Schaltung
- m_gut_nach
- guter Massewert zum Ende der Schaltung
- &Dgr;m_m_max
- Grenzwert des Massemittelwertes
- M_zug_vor
- Drehmoment des Antriebsmotors vor Schaltung
- M_zug_nach
- Drehmoment des Antriebsmotors nach Schaltung
- &Dgr;M_max
- Grenzwert der Drehmomentdifferenz
- n
- Mindestanzahl der Massewerte
- n_gut
- Anzahl der als gut klassifizierten Massewerte
- n_schlecht
- Anzahl der als schlecht klassifizierten Massewerte
- S1–S12
- Verfahrensschritte
- t
- Zeit
- t1
- Zeitpunkt
- t2
- Zeitpunkt
- t3
- Zeitpunkt
- t4
- Zeitpunkt
- &Dgr;t
- Zeitspanne
- t_M
- Betriebstemperatur des Antriebsmotors
- t_M_min
- Grenzwert der Betriebstemperatur Antriebsmotor
- a_vor
- Steigung der Fahrbahn vor der Schaltung
- a_roll
- Steigung der Fahrbahn während der Rollphase
- a_nach
- Steigung der Fahrbahn nach der Schaltung
- &Dgr;&agr;_max1
- Grenzwert der Steigungsdifferenz
- &Dgr;&agr;_max2
- Grenzwert der Steigungsdifferenz