Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Antrieb einer Magnetschwebebahn
mit wenigstens einer regelbaren Energieversorgungseinheit, die zum Speisen wenigstens
einer mehrphasigen Energieversorgungsleitung eingerichtet ist, und mit einem Langstator,
der sich in Schaltabschnitten des Langstators erstreckende Statorwicklungen aufweist,
wobei jeder Schaltabschnitt über einen zugeordneten Abschnittseinspeiseschalter
an wenigstens eine der Energieversorgungsleitungen anschließbar ist, und wobei
jeder Statorwicklung wenigstens ein Stromgeber zur Erfassung eines Stromes und eine
mit dem Stromgeber verbundene Auswerteeinheit zugeordnet ist.
Eine solche Vorrichtung ist aus dem Sonderdruck ZEV Glasers Annalen,
Sonderheft „Transrapid 2003" bereits bekannt. In dem besagten Sonderheft
ist eine Magnetschwebebahn mit einem Antrieb beschrieben, wobei der Antrieb einen
Linearmotor mit einem sich längs der Fahrbahn erstreckenden Stator aufweist,
der in Schaltabschnitte unterteilt ist. Zum Antrieb einer Magnetschwebebahn sind
die Schaltabschnitte zeitlich nacheinander mit einer elektrischen Energieversorgung
verbindbar. Hierzu sind den Schaltabschnitten Einspeiseschalter zugeordnet. Durch
Einschalten der Einspeiseschalter wird die Energieversorgung mit dem zugeordneten
Schaltabschnitt verbunden. Jeder Statorwicklung ist ferner wenigstens ein Stromgeber
zur Erfassung eines Stromes und eine mit dem Stromgeber verbundene Auswerteeinheit
zugeordnet. Die besagte Stromerfassung ist zur Erfassung eines Erdschlusses eingerichtet.
Aus diesem Grunde wird ein Summenstrom aus allen Phasenströmen der mehrphasigen
Energieversorgungsleitung erfasst. Im ungestörten Zustand ist der Summenstrom
auf Grund einer symmetrischen Belastung der Phasen der Energieversorgungsleitung
gleich Null. Im Erdschlussfall liegt jedoch eine unsymmetrische Stromverteilung
vor, mit einem von Null abweichenden Summenstrom im Gefolge. Übersteigt der
Summenstrom daher einen parametrisierbaren Schwellenwert, löst die Auswerteeinheit
den zugeordneten Einspeiseschalter aus, so dass die Energieversorgung vom fehlerhaften
Statorabschnitt getrennt wird.
Der Überstromschutz des Antriebs einer Magnetschwebebahn erfolgt
hingegen gemäß dem Stand der Technik durch Festlegen von Stromgrenzwerten
bei der Stromregelung. Die Motorsteuerungen und die Umrichtersteuerungen verfügen
daher über Stromschwellenwerten, die verschiedenen Randbedingungen zugeordnet
sind. Zunächst sind die Schwellenwerte von der jeweils verwendeten Umrichterleistungsklasse
abhängig. Darüber hinaus ergeben sich für den Schwellenwert Unterschiede
hinsichtlich der Umrichterbetriebsart. In der so genannten Direkttaktbetriebsart
und dem so genannten Trafobetrieb sind unterschiedlich große Ströme möglich,
so dass zusätzliche Schwellenwerte festgelegt werden müssen. Unterschiedliche
Speisebetriebsarten, wie beispielsweise Einfach- und Doppeleinspeisung, erhöhen
die Komplexität des Überstromschutzes noch weiter. In der Regel ergibt
sich daher eine relativ unübersichtliche Matrix von Schwellenwerten, auf die
in Abhängigkeit der Regelungsart von der Motor- und Umrichterregelung zugegriffen
wird. Aus der Komplexität des Überstromschutzes ergeben sich ungünstige
Konstellationen, wie beispielsweise ein relativ langer Anschlussfahrweg und eine
verringerte betrieblich nutzbaren Maximalgeschwindigkeit der Magnetschwebebahn.
Aufgabe der Erfindung ist es daher eine Vorrichtung der eingangs genannten
Art bereitzustellen, die sowohl einen einfachen als auch einen genauen Überstromschutz
ermöglicht.
Die Erfindung löst diese Aufgabe dadurch, dass jeder Stromgeber
zur Erfassung des Stromes in einer Phase der jeweils zugeordneten Statorwicklung
eingerichtet ist und die Auswerteeinheit bei Überschreiten des jeweils erfassten
Stromes eines zuvor festgelegten Schwellenwertes zum Abschalten des Abschnitteinspeiseschalters
eingerichtet ist.
Erfindungsgemäß wird der Überstrom nicht mehr in unmittelbarer
Umgebung der zu regelnden Energieversorgungseinheit erfasst. Vielmehr ist vorgesehen,
die Erfassung und Begrenzung der maximal möglichen Antriebsströme an jedem
Schaltabschnitt zu installieren. Erfindungsgemäß wird daher der in dem
gerade zugeschalteten Schaltabschnitt fließende Strom direkt erfasst, wobei
die zugeordnete Auswerteeinheit dafür sorgt, dass bei Überschreitung eines
Schwellenwertes der zugeordnete Abschnitteinspeiseschalter unabhängig von der
Regelung jeder Energieversorgungseinheit ausgeschaltet wird, so dass der fehlerhafte
Schaltabschnitt von der Energieversorgung abgekoppelt ist. Der Schwellenwert kann
daher dicht über den betrieblich maximal erforderlichen Statorstrom eingestellt
werden. Durch die Zuordnung zum jeweiligen Schaltabschnitt ergibt sich darüber
hinaus die Möglichkeit einer ortsabhängigen Parametrisierung. So kann
beispielsweise in Schaltabschnitten, in denen nur eine geringe betriebliche Beschleunigung
oder Verzögerung erforderlich ist, der Schwellenwert entsprechend herabgesetzt
werden.
Vorteilhafterweise umfassen die Stromgeber Einspeisestromgeber, die
in unmittelbarer Nähe des Abschnitteinspeiseschalters angeordnet sind. Die
Einspeisestromgeber sind somit in der Nähe der Fahrbahn, also des Stators,
der Magnetschwebebahn angeordnet. Auswerteeinheit und Abschnittseinspeiseschalter
sind somit räumlich nahe beieinander aufgestellt, längere
Kommunikationswege sind daher überflüssig geworden.
Gemäß einer weiteren zweckmäßigen Ausgestaltung
der Erfindung umfassen die Stromgeber Sternpunktstromgeber, die in unmittelbarer
Nähe des Sternpunktes der jeweils zugeordneten Statorwicklung angeordnet sind.
Sind neben den Sternpunktstromgebern auch Einspeisestromgeber vorgesehen, die ebenfalls
mit einer Auswerteeinheit zusammenwirken, ist eine redundante Überstromerfassung
bereitgestellt. In diesem Fall sind die Auswerteeinheiten beispielsweise miteinander
verbunden, wobei eine Auswerteeinheit als so genannte Masterauswerteeinheit im Normalbetrieb
den Überstromschutz übernimmt. Die andere Auswerteeinheit arbeitet als
so genannter Slave. Im Fehlerfall der Master-Auswerteeinheit schaltet diese oder
eine übergeordnete Steuerungsebene auf die Slave-Auswerteeinheit um, die dann
den Überstromschutz übernimmt.
Vorteilhafterweise weist die erfindungsgemäße Vorrichtung
Abschnittssternpunktschalter am Sternpunkt der Statorwicklung auf. Gemäß
dieser vorteilhaften Weiterentwicklung sind auch die Schalter redundant ausgelegt,
so dass beim Ausfall eines Schalters die Statorwicklung durch den noch intakten
Schalter sicher von der Energieversorgungsleitung getrennt werden kann.
Vorteilhafterweise weist die erfindungsgemäße Vorrichtung
eine erste Auswerteeinheit auf, welche zum Auslösen des Abschnitteinspeiseschalters
eingerichtet ist und eine zweite Auswerteeinheit zum Auslösen des Abschnittssternpunktschalters.
Die Zuverlässigkeit des Überstromschutzes wird noch weiter
erhöht, wenn die erfindungsgemäße Vorrichtung eine zweite Auswerteeinheit
aufweist, welche zum Auslösen des Abschnitteinspeiseschalters eines nachfolgenden
Schaltabschnittes eingerichtet ist.
Zweckmäßigerweise weist die erfindungsgemäße Vorrichtung
eine erste Auswerteeinheit eines nachfolgenden Schaltabschnittes auf, welche zum
Auslösen des Abschnittssternpunktschalters des vorausgehenden Schaltabschnittes
eingerichtet ist. Auch diese Weiterentwicklung erhöht die Zuverlässigkeit
des Überstromschutzes.
Vorteilhafterweise ist die Auswerteeinheit in ein Schutzgerät
zur Schaltabschnittsfortschaltung und/oder Erdschlusswiderstandsüberwachung
integriert. Gemäß dieser vorteilhaften Weiterentwicklung der Erfindung
werden die Kosten der Überstromüberwachung noch weiter reduziert.
Weitere zweckmäßige Ausgestaltungen und Vorteile der Erfindung
sind Gegenstand der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen der
Erfindung unter Bezug auf die Figur der Zeichnung, wobei die
Figur ein Ausführungsbeispiel der Erfindung in einer schematischen Darstellung
verdeutlicht.
Die Figur zeigt ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen
Vorrichtung 1, die einen figürlich nicht dargestellten Wechselrichter
als Energieversorgungseinheit aufweist. Der Wechselrichter ist über einen Gleichstromkreis
mit einem Gleichrichter verbunden, der wiederum über einen Transformator an
ein speisendes Energieversorgungsnetz angeschlossen ist. Der nicht gezeigte Wechselrichter
ist mit mehreren jeweils 3-phasigen Energieversorgungsleitungen 2 verbunden,
wobei in der Figur aus Gründen der Übersichtlichkeit jede Energieversorgungsleitung
mit nur einer Phase dargestellt ist.
Die Vorrichtung 1 umfasst weiterhin Statorwicklungen
3, die sich in Schaltabschnitten 4 eines Langstators erstrecken.
Die Statorwicklungen 3 jedes Schaltabschnittes 4 sind über
einen Abschnittseinspeiseschalter 5 mit der zugeordneten Energieversorgungsleitung
2 verbunden, wobei am Sternpunkt 6 der Statorwicklung
3 ein Abschnittssternpunktschalter 7 angeordnet ist.
Zum Erfassen eines über die Statorwicklung 3 fließenden
Stromes ist zwischen jedem Abschnittseinspeiseschalter 5 und der Statorwicklung
3 ein Einspeisestromgeber 8a vorgesehen. Der Einspeisestromgeber
8a ist über eine Kommunikationsleitung 9 mit einer Auswerteeinheit
10 verbunden, welche die von dem Einspeisestromgeber übermittelten
geeichten Stromsignale, die zu dem in der Statorwicklung fließenden Strom proportional
sind, unter Gewinnung von Abtastwerten abtastet und die Abtastwerte anschließend
unter Gewinnung von digitalen Stromwerten digitalisiert. Abweichend hiervon ist
der Stromgeber als Analogwertgeber direkt an die Auswerteeinheit angeschlossen.
Mittels einer in der Auswerteeinheit 10 abgelegten Logik werden die digitalen
Stromwerte mit einem vorgegebenen parametrisierten Schwellenwert verglichen. Übersteigen
die digitalen Stromwerte den Schwellenwert, veranlasst die Auswerteeinheit
10 das Öffnen des Abschnittseinspeiseschalters 5, so dass
die Statorwicklung 3 von der Energiezufuhr durch die Energieversorgungsleitung
2 abgeschaltet ist.
Um ein möglichst sicheres Abschalten zu gewährleisten, ist
am Sternpunkt 6 der Statorwicklung 3 ein Sternpunktstromgeber
11a vorgesehen, der mit einer weiteren Auswerteeinheit 12 zusammenwirkt,
wobei die Auswerteeinheit 12 zum Auslösen des Schnittsternpunktschalters
7 eingerichtet ist. Die Auswerteeinheit 12 ist der Auswerteeinheit
10 entsprechend aufgebaut und vergleicht die aus den Signalen des Sternpunktstromgebers
gewonnenen Strommesswerte mit einem parametrisierten Schwellenwert,
so dass es bei Überschreiten des Schwellenwertes zu einem Abschalten der Statorwicklung
3 durch den Abschnittssternpunktschalter 7 kommt. Es sei an dieser
Stelle darauf hingewiesen, dass die Auswerteeinheiten 10 und
12 auch in einer gemeinsamen Recheneinrichtung angeordnet sein können.
In 1 ist eine weitere Möglichkeit
zum redundanten Überstromüberschutz verdeutlicht. So ist es im Rahmen
der Erfindung beispielsweise möglich, am Sternpunkt 6 jeder Statorwicklung
3 einen weiteren Abschnittssternpunktschalter 11b anzuordnen,
der mit einer weiteren Auswerteeinheit 13 verbunden ist, wobei die Auswerteeinheit
13 mit dem Einspeisestromgeber 8a einer örtlich nachgeordneten
Statorwicklung 3 verbunden ist. Die bereits beschriebene und mit dem Sternpunktstromgeber
11a verbundene Auswerteeinheit 12 ist darüber hinaus mit
einem weiteren Stromgeber, nämlich dem Einspeisestromgeber 8b der
örtlich nachgeordneten Statorwicklung 3 verbunden. Dabei sind die
Auswerteeinheiten 12 und 13 jeweils sowohl zum Schalten des Abschnittssternpunktschalters
7 als auch des Abschnittseinspeiseschalters 5 der örtlich
nachgeordneten Statorwicklung 3 eingerichtet. Auf diese Weise ist jede
Auswerteinheit 12 beziehungsweise 13 in der Lage je nach dem,
in welcher Statorwicklung 3 ein Überstrom festgestellt wird, ein Abschalten
der fehlerbehafteten Statorwicklung 3 auszulösen. Durch diese redundante
Auslegung ist der Überstromschutz noch weiter erhöht.