Nanofüllstoffe, Nanokomposite aus einem organischen Bindemittel und oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffen, Verfahren zu ihrer Herstellung und ihre Verwendung
Es wird ein Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen aus agglomeriert vorliegenden Nanopulvern und organischen Bindemitteln vorgestellt. Durch Oberflächenmodifikation der Nanofüllstoffe in einem organischen Medium gelingt es die Agglomerate dauerhaft soweit zu zerteilen, dass transparente Nanokomposite erhalten werden können. Das modifizierte Nanopulver wird bevorzugt als trockenes Zwischenprodukt isoliert. Die Herstellung der vorgestellten Nanokomposite ist einfacher als die Herstellung von Nanokompositen nach der Sol-Gel-Technik und ist zusätzlich flexibler und breiter einsetzbar. Eine wichtige Anwendung für die Nanokomposite sind kratzfeste Lacke.
Beschreibung[de]
Technisches Gebiet
Die Erfindung betrifft Nanofüllstoffe, Komposite aus oberflächenmodifizierten
Nanofüllstoffen und polymeren Bindemitteln, ein Verfahren zu deren Herstellung
und deren Verwendung.
Stand der Technik
Nach dem Stand der Technik werden Nanokomposite entweder mit Hilfe
des sogenannten Sol-Gel-Verfahrens oder durch mechanisches Einarbeiten von agglomerierten
Nanofüllstoffen erhalten.
Beim Sol-Gel-Verfahren werden Alkoxysilane hydrolysiert und die gebildeten
Silanole kondensieren unter der Abspaltung von Wasser langsam zu Partikeln mit Durchmessern
von einigen Nanometern. Wenn hierbei Tetraalkoxysilane eingesetzt werden, bilden
sich unfunktionalisierte Nanopartikel aus Siliciumdioxid. Die Synthese von Partikeln
erfolgt in erster Linie durch den Stöber Prozess (W. Stöber, J. Coll.
Interf. Sci. 26 (1968) 62). Beim Einsatz von Trialkoxysilanen mit einer weiteren
funktionellen Gruppe, tragen die entstehenden Nanopartikel die entsprechenden funktionellen
Gruppen. Diese Gruppen sind dann bei geeigneter Wahl in der Lage, mit einer organischen
Matrix zu reagieren. Bei geeigneter Wahl der Reaktionspartner ist es auch möglich,
die Synthese der Nanopartikel direkt in der organischen Matrix durchzuführen.
Hauptnachteile dieses Verfahrens zur Herstellung von Nanokompositen
sind die hohen Rohstoffkosten, da die gesamten Partikel aus dem teuren Silan hergestellt
werden, und die schwierige Prozessführung. Die resultierenden Partikel haben
dafür eine sehr einheitliche Größenverteilung, was bei den meisten
Anwendungen aber nicht von Bedeutung ist.
Auf der anderen Seite können Komposite aus agglomerierten Nanopartikeln
in einer organischen Matrix hergestellt werden. Der am häufigsten verwendete
agglomerierte Nanofüllstoff ist flammpyrolytisch hergestelltes Siliciumdioxid.
Es lassen sich aber aufgrund der großen Wechselwirkung der Teilchen untereinander
nur geringe Füllgrade erreichen und das Material hat einen großen Einfluss
auf das Fließverhalten der modifizierten organischen Matrix. Üblicherweise
wird das flammpyrolytisch hergestellte Siliciumdioxid daher als Thixotropiermittel
eingesetzt.
Die WO 2004/024811 A2 beschreibt, dass eine bessere Benetzung der
Oberfläche der agglomerierten Nanofüllstoffe erreicht werden kann, indem
eine Oberflächenbehandlung mit Silanen in Lösungsmittel erfolgt. Die
DE 198 46 660 A1 offenbart, dass
diese Reaktion in der Anwesenheit von Säure durchgeführt werden kann.
Beide Wege der Oberflächenmodifikation führen zu einer geringeren rheologischen
Aktivität der behandelten Nanofüllstoffe und zu einer Zerteilung der Agglomerate
im organischen Bindemittel. Bei der Modifikation der Nanopulver ohne Zusatz von
Säure werden strukturell andersartige Partikeloberflächen erhalten als
bei der Modifikation mit Säurekatalyse.
Basen wie Alkalihydroxide und Ammoniak sind in der Lage, die Hydrolyse
von Silanen und die Kondensation der entstehenden Silanole zu katalysieren. Bei
der Partikelmodifikation wurden Basen wie Amine, Tetraalkylammoniumhydroxide oder
Pyridin als Katalysatoren eingesetzt. Q. Liu et al. (J. Biomed. Mat. Res. 57 (2001)
384–393) untersuchten die Oberflächenmodifikation von pyrogener Kieselsäure
mit Methacryloxypropyltrimethoxysilan in Gegenwart von Triethylamin in Alkoholen
oder Aceton als Lösemittel. Insgesamt ist der Anteil stark gebundenen Silans
auf den Partikeloberflächen gering, d.h. bei der thermogravimetrischen Untersuchung
der modifizierten Partikel wird der größte Teil der Oberflächenmodifikation
bereits bei Temperaturen um 100°C abgespalten. Zudem wird festgestellt, dass
der zugesetzte Katalysator Triethylamin zu einer geringeren Silanbelegung der Partikel
führt als ohne Zusatz des Katalysators.
Bei der Verwendung von Aminosilanen sind Aminogruppen als intrinsisch
potenziell katalytisch wirksame Gruppen vorhanden. Es wird darüber spekuliert,
dass diese der Grund für die schnellere Reaktion der Aminosilane im Vergleich
zu anderen Silanen darstellen. Demzufolge wurden in der DE
43 44 577 A1 Alkylamine mit 3–6 Kohlenstoffatomen als Katalysator
für die Oberflächenmodifikation von Silica eingesetzt.
Es wurde aber auch gefunden, dass basische Bedingungen nachteilig
sein können, da im basischen die Kondensation der hydrolysierten Silane untereinander
gegenüber der Reaktion mit Partikeloberflächen bevorzugt abläuft
(L. Chu et al., Chem. Mat. 9, 1997, 2577–2582). Dies wurde am Beispiel des
Glycidoxypropyltrimethoxysilans untersucht.
Beschreibung der Erfindung
Der vorliegenden Erfindung liegt das technische Problem zugrunde,
die Nachteile des Stands der Technik zu überwinden und Nanokomposite aus Nanopartikeln
in einer organischen Matrix, die gegenüber dem Stand der Technik verbesserte
mechanische Eigenschaften aufweisen, und bevorzugt einen hohen Anteil fest auf der
Oberfläche gebundene funktionelle Gruppen tragen. Diese Gruppen sollten in
der Lage sein, chemische Bindungen oder starke Wechselwirkungen (z.B. van-der-Waals-Bindungen
oder Wasserstoffbrückenbindungen) mit der Bindemittel-Matrix einzugehen.
Diese Aufgabe wird gelöst durch die Nanokomposite gemäß
Anspruch 29 und das Verfahren zu deren Herstellung gemäß Anspruch 1 und
2. Die Aufgabe wird ferner gelöst durch die oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffe
gemäß Anspruch 31 und das Verfahren zu deren Herstellung gemäß
Anspruch 30. Anspruch 32 lehrt vorteilhafte Verwendungen der erfindungsgemäßen
Nanokomposite. Unteransprüche geben vorteilhafte Weiterbildungen an.
Zur Überwindung des Standes der Technik werden zur Herstellung
der erfindungsgemäßen Nanokomposite kommerziell erhältliche agglomerierte
Nanopulver in einem organischen Medium dispergiert und an der Oberfläche mit
einem Silan, Titanat und/oder Zirkonat organisch modifiziert. Für diese Reaktion
werden sehr starke Basen als Katalysatoren eingesetzt, die einen pkBH+-Wert in Acetonitril von größer 19 im Falle acyclischer und
größer 15 im Falle cyclischer Basen haben.
In den weiteren Schritten wird direkt die Dispersion der modifizierten
Nanopartikel in dem organischen Medium verwendet oder bevorzugt ein als organisches
Medium eingesetztes Lösemittel abgezogen und dann das trockene Nanopulver in
ein organisches Bindemittel eingearbeitet. Die bevorzugte Methode der Lösungsmittelentfernung
vor der Einarbeitung der Nanopulver in das organische Bindemittel ist die Trocknung
bei vermindertem Druck, z.B. am Rotationsverdampfer oder in einem Rührreaktor.
Durch diese Verfahrensweise hergestellte Nanopartikel weisen eine
organische Oberflächenbeschichtung auf, die hohe Anteile stark gebundener Moleküle
enthält. Üblicherweise sind mehr als 30 Gew.-%, bevorzugt mehr als 50
Gew.-% und besonders bevorzugt mehr als 70 Gew.-% des Silans, Titanats und/oder
Zirkonats so fest an die Oberfläche der Nanofüllstoffe gebunden, dass
sie bei der thermogravimetrischen Analyse erst bei Temperaturen über 150°C
abgespalten werden. Es wird davon ausgegangen, dass diese Anteile chemisorbiert
sind und kovalente Bindungen untereinander und mit der Partikeloberfläche eingehen.
Weiterhin werden bei der erfindungsgemäßen Oberflächenbehandlung
die Agglomerate der eingesetzten Nanofüllstoffe dauerhaft soweit zerkleinert,
dass transparente Nanokomposite herstellbar sind. Unter Nanokomposit werden erfindungsgemäß
Mischungen aus einem Bindemittel oder einer polymeren Matrix und organisch modifizierten
Nanofüllstoffen verstanden. Die üblicherweise von Nanofüllstoffen
gebildeten Agglomerate werden dabei soweit zerteilt, dass mindestens 60% bevorzugt
mindestens 80% der Agglomerate einen Teilchendurchmesser von kleiner 300 nm aufweisen.
In den meisten Fällen gelingt es sogar Einzelteilchen und Agglomerate mit Durchmessern
von kleiner 100 nm zu erzielen. Die mittlere Partikelgröße ist üblicherweise
kleiner oder gleich 250 nm, bevorzugt kleiner oder gleich 200 nm und besonders bevorzugt
kleiner oder gleich 180 nm.
Ferner wird durch die erfindungsgemäß eingesetzten Basen
erreicht, dass keine Reaktion der funktionellen Gruppen des zur Oberflächenmodifikation
verwendeten Silans, Titanats oder Zirkonats bei der Oberflächenmodifierungsreaktion
erfolgt. Erfindungsgemäß wird also ein ungewünschter Verlust reaktiver
Gruppen wie Epoxidgruppen nicht oder nur in geringem Ausmaß auftreten.
Erfindungsgemäß ist im Vergleich zu Nanopartikeln, die im
neutralen oder in saurer Lösung oberflächenmodifiziert wurden, der Anteil
fest an der Oberfläche gebundenen (also chemisorbierten) Modifizierungsreagenzes
höher als der von lediglich physisorbiertem Oberflächenmodifikationsreagenz.
Zudem werden die funktionellen Gruppen an der Oberfläche der Partikel nicht
beeinflusst und stehen für die Ausbildung von Bindungen mit dem Bindemittel
zur Verfügung. Überraschenderweise hat sich gezeigt, dass sich hierdurch
die Eigenschaften der polymeren Matrices in die die Partikel eingearbeitet werden
in höherem Maße verbessern lassen als dies mit Partikeln nach dem Stand
der Technik möglich ist.
Schließlich weisen gegenüber konventionell hergestellten
Kompositen aus Bindemitteln und Füllstoffen die erfindungsgemäßen
Systeme die mit Nanofüllstoffen einhergehenden Vorteile auf. Dies sind die
Möglichkeit transparente aber trotzdem gefüllte Komposite zur Verfügung
zu stellen und eine Verbesserung der mechanischen und thermischen
Eigenschaften. Auf der anderen Seite heben sich die erfindungsgemäßen
Komposite von den sogenannten Sol-Gel-Materialien durch eine vereinfachte Herstellung,
universellere Einsetzbarkeit und die Möglichkeit, trockene Nanofüllstoffe
zur Verfügung zu stellen, ab.
Überraschend hat sich gezeigt, dass die Anbindung der Silane
an die Füllstoffpartikel bei Wahl starker nicht ionischer Basen basenkatalysiert
ist. Der negativ dekadische Logarithmus der Säurekonstante der protonierten
Base (pkBH+) in Acetonitril muss größer oder gleich 19 im Falle acyclischer
Basen und größer oder gleich 15 im Falle anderer Basen sein. Unter einer
cyclischen Base wird hierbei eine Base verstanden, bei der das basische Zentrum
in einem Ring sitzt. Bei den zur Katalyse eingesetzten Basen handelt es sich insbesondere
um nichtionische, organische sterisch gehinderte Basen. Bevorzugt handelt es sich
um cyclische oder nicht cyclische Amidine, cyclische oder nicht cyclische Guanidine,
Aminoiminophosphorane und die sogenannten Schwesinger-Basen bzw. Phosphazenbasen.
Ferner sollte die nicht ionische Base bevorzugt einen pkBH+-Wert, der größer oder gleich 20 ist aufweisen und wird üblicherweise
einen pkBH+-Wert von 35 nicht übersteigen. Weiterhin geeignet sind auch aromatische,
cyclische, bicyclische oder polycyclische Amine, wobei tertiäre Amine bevorzugt
sind. Ganz besonders geeignete Basen sind DBU, TBD, DBN, TMG und/oder BEMP.
Durch die Menge des eingesetzten Silans, Titanats und/oder Zirkonats
bezogen auf den Füllstoff lässt sich die an die Partikeloberflächen
gebundene (chemisorbierte) Menge des Modifizierungsreagenzes einstellen. Wenn die
eingesetzte Menge des Modifizierungsreagenzes so klein ist, dass weniger als 0,5
g je 100 g unmodifiziertem Füllstoff gebunden sind, werden üblicherweise
keine vorteilhaften Veränderungen in dem späteren Komposit gefunden. Die
gebundene Organik sollte bevorzugt größer 5 g/100 g unmodifiziertes Nanopulver
und besonders bevorzugt ist eine Menge größer 20 g/100 g unmodifiziertes
Nanopulver sein. Auch durch die Menge des eingesetzten Katalysators lässt sich
die gebundene, insbesondere die chemisorbierte Silan-, Titanat- oder Zirkonatmenge
beeinflussen. Um eine ausreichende katalytische Wirkung zu erhalten sollten bevorzugt
mehr als 0,1 mol-% der erfindungsgemäßen nicht ionischen Base, besonders
bevorzugt mehr als 1 mol-% bezogen auf das Silan, Titanat bzw. Zirkonat eingesetzt
werden.
Bei den als Ausgangsstoff einzusetzenden agglomerierten Nanopulvern
handelt es sich bevorzugt um oxidische oder nitridische Verbindungen, welche insbesondere
flammpyrolytisch oder durch Fällen hergestellt wurden. Aber auch agglomerierte
Nanofüllstoffe auf anderer Basis, wie z.B. Bariumsulfat oder Bariumtitanat
sind geeignet. Bevorzugt werden Oxide und Silikate eingesetzt, ganz besonders bevorzugt
flammpyrolytisch hergestelltes oder gefälltes Siliciumdioxid. Besonders geeignet
sind weiterhin Nanofüllstoffe mit einer BET-Oberfläche von größer
15 m2/g, noch bevorzugter 20 m2/g, ganz besonders bevorzugt
50 m2/g.
Die organische Modifikation der Oberfläche in dem Lösemittel
erfolgt durch Behandeln mit einem Silan, Titanat oder Zirconat. Diese haben bevorzugt
die allgemeine Formel E(OR')nR4-n, wobei E das Element Si,
Ti oder Zr ist.
Hierbei ist n 1, 2 oder 3, bevorzugt ist n = 3.
Bei der über den Sauerstoff gebundenen Gruppe R' handelt es sich
um eine beliebige organische funktionelle Gruppe, bevorzugt eine verzweigte, unverzweigte
oder cyclische Alkylgruppe und besonders bevorzugt Methyl, Ethyl oder Isopropyl.
Diese Gruppen werden während der organischen Modifizierung in Form des Alkohols
zumindest teilweise abgespalten.
Das Modifizierungsreagenz der allgemeinen Formel E(OR')nR4-n,
kann genau eine Silan-, Titanat- und/oder Zirconat-Gruppe enthalten; in Einzelfällen
sind aber auch Modifizierungsreagenzien mit zwei oder mehreren derartigen Gruppen
denkbar.
Die Gruppe R ist eine beliebige organische Gruppe. Diese beliebige
organische Gruppe enthält bevorzugt mindestens eine funktionelle organische
Gruppe R'', die über einen Linker Z (der wiederum eine beliebige organischen
Gruppe ist) an das Zentralatom E (Si, Ti oder Zr) gebunden ist.
Die beliebige organische Gruppe R enthält dabei bevorzugt 2 bis
20 Kohlenstoffatome. Wenn n = 2 oder 3 ist, können die Gruppen R gleich oder
verschieden sein. R wird so ausgewählt, dass die funktionelle organische Gruppe
R'' mit dem zur Herstellung des Nanokomposits verwendeten Monomeren kovalente Bindungen,
Wasserstoffbrückenbindungen und/oder van-der-Waals-Bindungen eingehen kann.
Der Linker Z ist an das Zentralatom E gebunden; bevorzugt enthält
Z 1 bis 15 Kohlenstoffatome (besonders bevorzugt 2 bis 6 Kohlenstoffatome). Weiterhin
enthält Z bevorzugt eine verzweigte, unverzweigte oder cyclische
Alkyl-Gruppe und/oder eine aromatische und/oder olefinische Gruppe oder besteht
aus einer unverzweigten oder cyclischen Alkyl-Gruppe und/oder einer aromatischen
und/oder olefinischen Gruppe. Dieser Linker kann gegebenenfalls auch ein oder mehrere
Heteroatome enthalten (z.B. in Form von einer oder mehreren Ether-, Ester-, Amid-
oder Thioethergruppen oder heterocyclischen aromatischen Gruppen).
Die funktionelle organische Gruppe R'' wird bevorzugt ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Acrylaten, Methacrylaten, Epoxiden, Aminen, Carbonsäuren,
Thiolen, Alkoholen, Olefinen mit reaktiven Doppelbindungen, Isocyanaten, Trialkylsilylgruppen
und Gruppen, die van-der-Waals- oder Wasserstoffbrückenbindungen mit dem Bindemittel
eingehen können, insbesondere substituierten oder unsubstituierten Phenylgruppen.
Das erfindungsgemäß eingesetzte Bindemittel wird bevorzugt
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus acrylat- oder methacrylatbasierten
Bindemitteln, epoxidbasierten Bindemitteln, Bindemitteln, die Styrol oder einen
ungesättigten Polyester enthalten oder hieraus bestehen, Bindemitteln, die
Isocyanatgruppen enthalten und Bindemitteln, die Silikon enthalten oder hieraus
bestehen.
Um den Vernetzungsgrad der organischen Modifikation auf der Partikeloberfläche
zu erhöhen, kann das oberflächenmodifizierte Siloxan, Titanat oder Zirkonat
mit Tetraalkoxysilanen, -titanaten oder -zirkonaten kombiniert werden. Der molare
Anteil der letzteren Komponenten beträgt dabei bevorzugt weniger als 50 mol-%
des Oberflächenmodifikationsreagenzes.
Für die Herstellung von Nanokompositen auf der Basis von Acrylaten
oder Methacrylaten enthält R als funktionelle organische Gruppe R'' bevorzugt
eine Acrylat- oder Methacrylatgruppe. Besonders bevorzugt ist R eine Acrylat- oder
Methacrylatgruppe der Formeln -(CH2)3-S-(CH2)2-C(=O)O-(CH2)n-OC(=O)-CH=CH2
mit n = 1 bis 12 und/oder -(CH2)3-OC(=O)-C(CH3)=CH2.
Für die Herstellung von Nanokompositen auf der Basis von Epoxiden
enthält R als funktionelle organische Gruppe R'' bevorzugt eine Epoxidgruppe
oder eine Amino-, Carbonsäure-, Thiol- oder Alkoholgruppe die mit einer Epoxidgruppe
reagieren können. Besonders bevorzugt ist R 2-(3,4-Epoxycyclohexyl)ethyl, 3-Glycidoxypropyl,
3-Aminopropyl und/oder 3-Mercaptopropyl.
Bei der Herstellung von Nanokompositen auf der Basis ungesättigter
Polyester oder styrolhaltiger Harze enthält R als funktionelle organische Gruppe
R'' bevorzugt eine reaktive Doppelbindung. Besonders bevorzugt ist R bei dieser
Anwendung Vinyl, Styryl oder Phenyl oder enthält eine Vinyl-, Styryl- oder
Phenylgruppe. Phenyl ist hierbei ein Beispiel für eine nicht reaktive Gruppe
R''', die aber mit dem Bindemittel in Wechselwirkung treten kann.
Zur Herstellung von Nanokompositen auf der Basis von Urethanen, Polyharnstoffen
oder anderen auf Isocyanaten basierenden Polymersystemen enthält R als funktionelle
organische Gruppe R'' bevorzugt eine Isocyanat-, Amino-, Alkohol-, Thiol- oder Carbonsäuregruppe.
Besonders bevorzugt ist R in diesem Fall 3-Isocyanatopropyl-, 3-Aminopropyl und
3-Mercaptopropyl.
Zur Herstellung von Nanokompositen, die Silikon als Bindemittel enthalten,
enthält R als funktionelle organische Gruppe R'' eine hydrophobe Gruppierung,
insbesondere eine Methyl-, Dimethyl- oder Trimethylsilylgruppe. Bevorzugt werden
Nanofüllstoffe eingesetzt, an deren Oberfläche funktionelle Gruppen gebunden
sind, die eine chemische Reaktion mit dem Silikon eingehen können, also insbesondere
Si-H-Bindungen oder Doppelbindungen sowie funktionelle Gruppen, mit denen funktionelle
Gruppen des als Bindemittel eingesetzten Silikon reagieren können bzw. funktionelle
Gruppen, die mit den funktionellen Gruppen des als Bindemittel eingesetzten Silikon
identisch sind.
Bei dem organischen Medium in dem die Modifikation der Nanofüllstoffe
durchgeführt wird, handelt es sich bevorzugt um ein polar aprotisches Lösemittel,
insbesondere ein Keton, einen Ester oder einen Ether, und besonders bevorzugt um
Aceton, Butanon, Essigsäureethylester, Methylisobutylketon, Tetrahydrofuran,
Methyl-tert-butylether und Diisopropylether. In derartigen Lösungsmitteln tritt
eine stärkere Deagglomeration der oberflächenmodifizierten Nanopartikel
als beispielsweise in Alkoholen ein.
Weiterhin ist die direkte Modifikation in den zur Herstellung der
Nanokomposite zu verwendenden organischen Bindemitteln eine besonders bevorzugte
Verfahrensweise. In diesem Fall sind die zu polymerisierenden Monomere als Einzelkomponenten
oder als Formulierung das zu verwendende organische Medium.
Katalytische Mengen Wasser zwischen 0,01 Gew.-% und 5 Gew.-%, besonders
bevorzugt zwischen 0,01 Gew.-% und 1 Gew.-% sollten bei der organischen Modifikation
der Nanofüllstoffe bevorzugt anwesend sein. Hierdurch kann der Vernetzungsgrad
der Oberflächenmodifikation und damit die Partikeleigenschaften gesteuert werden.
Dieses Wasser ist an den Oberflächen der als Ausgangsstoff verwendeten agglomerierten
Nanofüllstoffe in der Regel bereits als Adsorbat vorhanden. Hinzu kommen die
Wasserspuren, die in dem bei der Modifikation verwendeten organischen Medium üblicherweise
enthalten sind. Zur Unterstützung der Reaktion kann weiteres Wasser zugegeben
werden, jedoch haben sich molare Mengen, die mehr als das 1,2-fache der in der Reaktionsmischung
enthaltenen Alkoxygruppen der Modifizierungsreagenzien E(OR')nR4-n
als ungünstig herausgestellt.
Um den Zerfall der Agglomerate bei der organischen Modifizierung in
dem organischen Medium, insbesondere dem organischen Lösemittel, zu beschleunigen,
kann vor oder während der Modifizierung ein zusätzlicher mechanischer
Energieeintrag mit den üblichen Methoden erfolgen. Dies kann z.B. durch Ultraschall,
einen Hochgeschwindigkeitsrührer, einem Dissolver, eine Perlmühle oder
einen Rotor-Stator-Mischer erfolgen. Bei der Verwendung höherviskoser organischer
Medien ist dies die bevorzugte Vorgehensweise, also besonders dann, wenn das organische
Bindemittel zur Herstellung der Nanokomposite direkt als organisches Medium verwendet
wird. Wenn das Bindemittel nicht als organisches Medium verwendet wird, kann das
zu verwendende Bindemittel direkt mit der Dispersion des organisch modifizierten
Nanofüllstoffes in dem organischen Lösemittel gefüllt werden. In
diesem Fall wird das Lösemittel nach der Herstellung der Mischung aus Bindemittel
und organisch modifiziertem Nanofüllstoff abgezogen oder erst bei der späteren
Anwendung des Nanokomposits aus Bindemittel und Nanofüllstoff. Letzteres ist
besonders bei lösemittelhaltigen Lacken auf der Basis der erfindungsgemäßen
Nanokomposite eine praktikable Vorgehensweise. Bevorzugt wird der organisch modifizierte
Nanofüllstoff aber von dem Lösemittel befreit und als trockenes Pulver
weiter verarbeitet. In diesem Fall wird dann das trockene organisch modifizierte
Nanopulver zu dem Bindemittel gegeben und unter mechanischem Energieeintrag eingearbeitet.
Die Einarbeitung kann z.B. durch Ultraschall, einen Hochgeschwindigkeitsrührer,
einen Dissolver, einer Perlmühle, einen Walzenstuhl oder einen Rotor-Stator-Mischer
erfolgen.
Bei der Herstellung von Nanokompositen mit Thermoplasten als Bindemittel
wird bevorzugt der organisch modifizierte Nanofüllstoff in die dem Thermoplasten
zugrunde liegenden Monomere eingearbeitet. Anschließend werden diese Monomere
konventionell polymerisiert, wobei die erfindungsgemäßen Nanokomposite
resultieren. Beispielsweise wird der organisch modifizierte Nanofüllstoff in
Methylmethacrylat eingearbeitet. Bei der anschließenden Polymerisation resultiert
ein gefülltes Polymethylmethacrylat. Im Gegensatz zu konventionell gefülltem
Polymethylmethacrylat ist dieses aber transparent und hat gegenüber dem ungefüllten
Material verbesserte mechanische Eigenschaften (beispielsweise Kratz-, Zug- und
Biegefestigkeit). Als weiteres Beispiel sei ein Nanokomposit auf der Basis von Polystyrol
als Bindemittel genannt. In diesem Fall wird der organisch modifizierte Nanofüllstoff
in Styrol eingearbeitet und dann konventionell polymerisiert. Wenn bei der Modifizierung
der Nanofüllstoffe ein Siloxan, Titanat oder Zirconat eingesetzt wird, bei
dem die Gruppe R mit dem Monomer zusammen polymerisieren kann, ist das gebildete
Nanokomposit vernetzt. Die organisch modifizierten Nanopartikel wirken in diesem
Fall als Vernetzerpartikel. Wenn die Gruppen R nicht mit dem Monomer reagieren können,
ist der gebildete Nanokomposit thermoplastisch. Die modifizierten Nanopartikel lassen
sich aber auch gut in die Schmelze von Thermoplasten einarbeiten. Dies geschieht
besonders effektiv mit einem Extruder bzw. Doppelschneckenextruder. So lässt
sich eine Polystyrolschmelze effektiv durch einextrudieren von mit Phenyltriethoxysilan
in Butanon unter Katalyse mit DBU behandelter pyrogener Kieselsäure modifizieren.
Für viele Anwendungen werden Polymerdispersionen benötigt.
Durch Einarbeiten der erfindungsgemäßen oberflächenmodifizierten
Nanofüllstoffe in das den Polymerdispersionen zugrunde liegende Monomer, Dispergieren
dieser Monomer/Nanofüllstoffmischung in Wasser unter Zusatz eines Tensids und
anschließende Dispersions- oder Emulsionspolymerisation lassen sich mit Nanofüllstoffen
modifizierte Polymerdispersionen herstellen. Die Oberflächenmodifikation des
Nanofüllstoffs erfolgt dabei bevorzugt direkt in dem Monomer bzw. Monomergemisch.
Bei der Verwendung eines Silans zur Oberflächenmodifikation, welches eine einpolymerisierbare
Gruppe enthält, lassen sich die Nanopartikel chemisch an das gebildete Polymer
binden. Selbstverständlich lassen sich hier beliebige Abstufungen zwischen
Silanen mit reaktiven und nicht reaktiven Gruppen vornehmen. Mit dem beschriebenen
Verfahren lässt sich z.B. mit Nanopartikeln modifiziertes Polystyrollatex oder
auch Polystyrol-co-butadienlatex durch Einarbeiten von pyrogener Kieselsäure
unter gleichzeitiger Oberflächenbehandlung mit Phenyltriethoxysilan in das
Monomer, Dispergieren des gefüllten Monomers in Wasser unter Zusatz eines Tensids
und anschließender thermischer Polymerisation mit Hilfe eines radikalischen
Initiators herstellen. Bei der Herstellung eines Latex aus Butylacrylat mit Nanopartikeln,
die reaktive Methacrylatgruppen enthalten, werden die Latexpartikel partiell vernetzt.
Der Vernetzungsgrad und damit die kohäsiven und adhäsiven Eigenschaften
dieser typischerweise als Haftklebstoff eingesetzten Latices lassen sich durch die
Nanofüllstoffmenge und den Anteil reaktiver Gruppen auf der Oberfläche
einstellen. Bei der Verwendung nicht reaktiver Silane als Oberflächenmodifikationsreagenz
würde entsprechend nicht vernetztes Latex entstehen, bei welchem die Eigenschaften
lediglich durch van-der-Waals- und Wasserstoffbrückenbindungen zwischen Partikeln
und Polymermatrix eingestellt werden.
Bei sekundären Dispersionen wird analog der erfindungsgemäße
Nanofüllstoff in das der Dispersion zugrunde liegende Polymer eingearbeitet
und anschließend wie mit dem nicht modifizierten Polymer die Dispersion hergestellt.
Mit Nanofüllstoffen modifizierte Dispersionen werden bevorzugt
für wasserbasierte Lacke, Beschichtungen und Klebstoffe – insbesondere
Kontakt- und Haftklebstoffe – eingesetzt. Für die gleichen Anwendungen
werden oftmals auch lösemittelbasierte Polymerzubereitungen benötigt.
Diese lassen sich entweder durch Einarbeiten der modifizierten Nanofüllstoffe
bzw. Modifikation der Nanofüllstoffe in der fertigen Polymerlösung zur
Verfügung stellen. Andererseits kann aber auch im Monomer oder der Monomer/Lösemittel-Mischung
modifiziert und erst anschließend polymerisiert werden.
Die erfindungsgemäßen organisch modifizierten Nanofüllstoffe
können bei der Herstellung der Nanokomposite alleine oder als Kombination stofflich
unterschiedlicher Nanofüllstoffe oder unterschiedlicher Partikelgrößenverteilung
eingesetzt werden. Um besonders hohe Füllgrade erreichen zu können, empfiehlt
es sich, Nanofüllstoffe unterschiedlicher Teilchengrößenverteilung
zu kombinieren und gegebenenfalls sogar Mikrofüllstoffe zuzusetzen. Des Weiteren
können die erfindungsgemäßen Nanokomposite die für polymere
Materialien üblichen Zusatzstoffe wie Antioxidanzien, Verlaufsmittel, Dispergierhilfsmittel,
Farbstoffe, Pigmente, weitere Füllstoffe oder Stabilisatoren enthalten.
Bei der Kombination der erfindungsgemäßen Partikel mit Partikeln
aus elastomeren Polymeren hat sich überraschenderweise eine starke synergistische
Wirkung bei der Verbesserung der mechanischen Eigenschaften der als Matrix verwendeten
Polymere gezeigt. Als Elastomere sind beispielsweise Partikel aus Polyisopren, Polybutadien
oder Polydimethylsiloxan geeignet. Bevorzugt haben diese Elastomerpartikel einen
mittleren Durchmesser von kleiner 10 &mgr;m und besonders bevorzugt von kleiner
0,5 &mgr;m. Ganz besonders bevorzugt weisen die Elastomerpartikel einen mittleren
Durchmesser zwischen 10 und 500 nm auf (Partikelgröße mittels dynamischer
Lichtstreuung ermittelt). Die synergistische Wirkung ist besonders groß, wenn
die Elastomerpartikel ebenso wie die erfindungsgemäßen Partikel an der
Oberfläche funktionelle Gruppen tragen, die mit dem polymeren Bindemittel chemische
Bindungen, bevorzugt kovalente Bindungen eingehen können. Geeignete funktionelle
Gruppen sind beispeilsweise die Gruppen, die oben bei den oberflächenmodifizierten
Nanofüllstoffen genannt wurden.
Die Härtung der Mischung aus organisch modifizierten Nanofüllstoffen
und organischem Bindemittel erfolgt mit den für das jeweilige Bindemittel üblichen
Methoden. Dies ist typischerweise eine thermische Reaktion bei Raumtemperatur oder
erhöhter Temperatur, Reaktion mit der Luftfeuchte oder eine UV- oder Elektronenstrahlhärtung.
Bei der Herstellung der erfindungsgemäßen Nanokomposite
werden – sofern ein Lösungsmittel als organisches Medium verwendet wird
– die oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffe als Zwischenprodukt
erhalten. Selbstverständlich sind alle vorteilhaften Ausgestaltungen des Verfahrens
zur Herstellung der Nanokomposite auch – jeweils einzeln oder in beliebiger
Kombination – vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens zur Herstellung
der oberflächenmodifizierten Nanokomposite.
Die erfindungsgemäßen Nanokomposite lassen sich besonders
vorteilhaft in Form von Klebstoffen, Vergussmassen, Lacken, Beschichtungen und Kunststoffformteilen
anwenden.
Bei der Anwendung als Lack ist der besondere Vorteil der erfindungsgemäßen
Nanokomposite die gegenüber den ungefüllten Lacken und Lacken, die Nanopartikel
nach dem Stand der Technik enthalten, verbesserte Kratz- und Abriebfestigkeit. Gleichzeitig
bleibt die Transparenz erhalten. Diese Eigenschaftskombination ist besonders beim
Einsatz von Decklacken z.B. für die Automobillackierung und bei Parkettlacken
gefragt. Ein anderer Einsatzfall ist das Lackieren transparenter Kunststoffe, insbesondere
Polymethylmethacrylat, Polycarbonat und Polystyrol, um die Kratzfestigkeit der Oberfläche
zu verbessern, ohne die Transparenz zu beeinträchtigen.
Bei der Anwendung der erfindungsgemäßen Nanokomposite als
kratzfester Lack ist ein Füllstoffgehalt zwischen 1 und 80 Gew.-%, bevorzugt
zwischen 5 und 50 Gew.-% und besonders bevorzugt zwischen 20 und 50
Gew.-%, geeignet. Derartige Lacke sind besonders dazu geeignet, Autoscheiben aus
Kunststoff, bevorzugt aus Polycarbonat, kratzfest auszurüsten. Eine weitere
bevorzugte Anwendung der erfindungsgemäßen Nanokomposite sind Parkettlacke.
Die Härtung der Lacke erfolgt bevorzugt thermisch induziert durch Polyaddition,
durch oxidative Trocknung oder durch UV induzierte Polymerisation. Zur Kratzfestausstattung
von Kunststoffteilen kann aber auch das gesamte Bauteil aus den erfindungsgemäßen
Nanokompositen bestehen oder schichtartig aus ungefülltem Kunststoff und dem
Nanokomposit aufgebaut sein.
Im Fall hydrophober weicher Beschichtungen, z.B. Silikonbeschichtungen
auf den unterschiedlichsten Substraten (z.B. Trägerpapiere, Folien, Kunststoffbauteile),
lassen sich durch die erfindungsgemäßen modifizierten Nanopartikel sowohl
die Oberflächenhaftung (z.B. gegenüber Verunreinigungen oder Haftklebstoffen),
als auch die mechanischen Eigenschaften (z.B. Abrieb, Festigkeit) modifizieren.
Dies hat insbesondere auch einen Einfluss auf die Haptik des Polymers und lässt
sich damit bevorzugt an Griffen und anderen mit den Händen berührten Gegenständen
anwenden. Um eine Einbindung der Nanopartikel in das Polymernetzwerk zu erreichen,
empfiehlt es sich, dass diese sowohl rein hydrophobe (insbesondere -Si(CH3)3),
als auch reaktive Gruppen tragen (z.B. Vinyl im Falle durch Hydrosilan Addition
an Doppelbindungen vernetzende Silikone).
Bei der Anwendung der erfindungsgemäßen Nanokomposits als
Vergussmassen und Klebstoffe ist insbesondere die Verbesserung der mechanischen
Eigenschaften wie Festigkeiten und Bruchdehnung von Bedeutung. Eine besondere Form
von Vergussmassen bzw. Klebstoffen werden im Dentalbereich benötigt. Sowohl
beim Füllen und Verblenden von Zähnen, als auch bei der Anfertigung von
Prothesen u.ä. werden besonders abrieb- und mechanisch belastbare polymere
Werkstoffe benötigt. Diese lassen sich mit den erfindungsgemäßen
Nanokompositen zur Verfügung stellen. Die bevorzugte Basis derartiger Materialien
sind die nach dem Stand der Technik bekannten reaktiven Materialien. Insbesondere
sind Methacrylate und Acrylate zu nennen. Die Härtung erfolgt bevorzugt photochemisch,
wozu geeignete Photoinitiatoren (z.B. Campherchinon) zugesetzt werden.
Die mechanischen, thermischen und thermomechanischen Eigenschaften
von Polymerschäumen lassen sich durch die erfindungsgemäßen oberflächenmodifizierten
Nanopartikel in hohem Maße einstellen. So lässt sich Sitzcomfort von Sitzen
aus Polyurethanschäumen ebenso einstellen wie die Impactfestigkeit von Leichtbaupanelen
die mit Phenolharzschäumen gefüllt sind.
Wenn die Partikel zum Oberflächenschutz, z.B. in Lacken eingesetzt
werden, kann eine Anreicherung der Partikel an der Lackoberfläche und damit
besonders große Wirksamkeit dadurch erzielt werden, dass neben den reaktiven
Gruppen solche Gruppen auf die Oberfläche der Partikel gebunden werden, die
zu einer niedrigen Oberflächenspannung führen. Der Segregationsgrad der
Partikel an die Oberfläche lässt sich durch den Anteil dieser Gruppen
auf der Partikeloberfläche einstellen. Beispielsweise können hierbei Verbindungen
der Formel Si(OR''')mR''''4-m, mit m = 1, 2 oder 3, eingesetzt
werden. Bei R''' handelt es sich um eine beliebige organische funktionelle Gruppe,
insbesondere eine Alkylgruppe wie Methyl, Ethyl oder Isopropyl. R'''' ist eine Fluoralkylgruppe
oder eine Alkylgruppe, z.B. Methyl.
Die erfindungsgemäßen Nanokomposite können weiterhin
vorteilhaft im Flugzeugbau, in der Elektronik, zur Automobillackierung und zum Lackieren
transparenter Kunststoffe (z.B. Autoscheiben aus Polycarbonat) eingesetzt werden.
Beispiele
Im Rahmen der vorliegenden Anmeldung werden folgende Messgrößen
verwendet:
– Basenstärke in Acetonitril
– Degradationstemperatur
– g chemisorbiertes Silan/Titanat/Zirconat pro 100 g Füllstoff (z.B.
SiO2)
– Gesamtmenge adsorbiertes Silan/Titanat/Zirconat pro 100 g Füllstoff
(z.B. SiO2) [g]
– mittlere Partikelgröße
– Relative Breite der Partikelgrößenverteilung
– Zug-Scher-Festigkeit [MPa], bestimmt in Anlehnung an DIN EN 1465
– Schälwiderstand [N/mm], bestimmt in Anlehnung an DIN EN 1464
– BET-Bestimmung, bestimmt gemäß DIN ISO 9277
Die Basenstärke in Acetonitril wurde gemäß I. Kaljurand
et al. in J. Org. Chem. 70, 2005, 1021 durch spektrophotometrische Titration bestimmt.
Degradationstemperatur, die Masse chemisorbierten Silans/Titanats/Zirconats
pro 100 g Füllstoff (in g) und die Gesamtmenge adsorbierten Silans/Titanats/Zirconats
pro 100 g Füllstoff (in g) wurden mittels Thermogravimetrischer Analyse (TGA)
bestimmt.
Hierbei wurde das thermische Abbauverhalten der unmodifizierten und
modifizierten Partikel und der Siliziumdioxidgehalt auf der Thermowaage TGA 2950
der Firma TA Instruments verfolgt. Es wurden Aluminiumtiegel verwendet. Die Messungen
wurden standardmäßig bei Raumluft durchgeführt. Die dynamischen Messungen
wurden mit einer Heizrate von 10 K/min in einem Temperaturbereich von 25–800°C
durchgeführt.
Die Degradationstemperatur ist das Peakmaximum des erhaltenen Spektrums
(Gew.-%/°C). Die Gesamtmenge adsorbierten Silans/Titanats/Zirconats kann aus
der Gesamtmenge abgespaltener Komponenten berechnet werden, wobei zu berücksichtigen
ist, dass (da das Oberflächenmodifikationsreagenz auch Si, Ti oder Zr enthält)
nicht die gesamte Oberflächenbelegung thermisch abgespalten wird, sondern nur
die organischen Komponenten.
Die Masse chemisorbierten Silans/Titanats/Zirconats wird erhalten
aus dem Masseverlust während der Messung. Üblicherweise liegt die Grenze
zwischen den beiden Maxima (also zwischen chemisorbiertem und nicht chemisorbiertem
Silan/Titanat/Zirconat) zwischen 150°C und 200°C. 1
zeigt das TGA-Diagramm von Aerosil 200, gemäß den nachfolgenden Beispielen
modifiziert mit GLYMO in Anwesenheit von DBU (50 g Aerosil 200, 24 g GLYMO, 3,6
mol-% DBU bezogen auf GLYMO).
Partikelgröße, Partikelgrößenverteilung und relative
Breite der Partikelgrößenverteilung wurden für die oberflächenmodifizierten
Nanofüllstoffe mittels dynamischer Lichtstreuung gemäß folgenden
Literaturstellen bestimmt: L.B. Aberle et al. in Phys. Chem. Chem. Phys. 1999, 1,
3917–3921; L.B. Aberle et al in. Applied Optics 1998, 37, 6511–6524.
In der vorliegenden Anmeldung werden folgende Abkürzungen verwendet:
Ohne Einschränkung der Allgemeinheit wird die Erfindung nachfolgend
anhand von mehreren Beispielen näher erläutert.
Beispiel 1Herstellen eines Nanokomposits aus einem Epoxidharz mit einem modifizierten
Nanofüllstoff:a) Organische Modifikation des Nanopulvers
Es werden zu 50 g Aerosil 200 500 g 2-Butanon hinzugefügt. Anschließend
wird 0,7 g DBU als Katalysator zugegeben. Nach Zugabe des Katalysators wird 15 Minuten
gewartet bis 30,3 g GLYMO über einen Tropftrichter zugetropft wird. Die dünnflüssige
Suspension wird insgesamt 48 h gerührt. Das 2-Butanon wird langsam (ca. 8 h)
am Rotationsverdampfer bei einer Badtemperatur von 35°C entfernt.
b) Herstellen eines Masterbatches in Epoxidharz
Es wird ein Masterbatch mit 25 Gew.-% des modifizierten Füllstoffes
in dem Epoxidharz Araldit GY 250 (Huntsman) hergestellt. 10 g des gemäß
a) modifizierten Nanopulvers werden unter Rühren mit dem Dispermaten CA 40
C bei 1–2 m/s in mehreren Portionen in 30 g des Epoxidharzes gegeben. Zwischen
den Zugaben wurde mit 8 m/s dispergiert. Insgesamt wurde der Ansatz 8,5 h mit einer
Umfanggeschwindigkeit von 8 m/s (125 ml Gefäß, 30 mm ∅ Dissolverscheibe)
dispergiert. Es resultiert ein transparentes Harzsystem, dass bei Bedarf
mit weiterem Harz auf die gewünschte Füllstoffkonzentration verdünnt
wird.
c) Thermische Härtung des Epoxidharzes
5 g des gemäß b) hergestellten Masterbatches wird mit 11,9
g des Epoxidharzes verdünnt und 8,17 g Polypox P 250 (UPPC) als aminisches
Härtungssystem zugefügt. Anschließend wird die Probe in einer Aluminiumschale
ausgegossen und 60 min bei 65°C gehärtet. Es resultiert ein transparentes
Polymer.
Beispiel 2Modifikation eines flammpyrolytisch hergestellten Siliziumdioxids mit verschiedenen
Basen als Katalysator:
Bei diesem Versuch wurde die katalytische Wirkung verschiedener starker
Basen verglichen. 50 g Aerosil 200 wurde in 500 g Butanon suspendiert, die Base
in der entsprechenden molaren Menge bezogen auf die eingesetzten 128 mmol GLYMO
zugesetzt, anschließend die 30,3 g GLYMO über einen Tropftrichter langsam
zugetropft und die Mischung 16 h gerührt. Danach wurde das Butanon am Rotationsverdampfer
vollständig abgezogen. Der Füllstoff fiel als poröse Klumpen an,
die sich mit einem Mörser leicht zerkleinern ließen.
Das Beispiel zeigt, dass das erfindungsgemäße Vorgehen zu
hohen Anteilen stark gebundenen Silans auf der Oberfläche führt. Diese
Anteile werden mit dem nach dem Stand der Technik bekannten Katalysator Triethylamin
(TEA) auch bei erhöhter Katalysatormenge nicht erreicht.
Beispiel 3Einfluss der Basenmenge und der Art des Katalysators auf die oberflächenmodifizierten
Partikel
Es wird wie in Beispiel 2 vorgegangen, jedoch werden unterschiedliche
Mengen des Katalysators DBU verwendet und es werden Vergleichsversuche ohne Katalysator
und mit Essigsäure als saurem Katalysator nach dem Stand der Technik durchgeführt.
Die Eigenschaften der erhaltenen Partikel sind in folgender Tabelle zusammen gefasst.
Der Versuch zeigt, dass sich die an der Partikeloberfläche angebundene
Silanmenge durch die Katalysatormenge einstellen lässt. Der chemisorbierte
Anteil ist höher als bei den Vergleichsvarianten und die Zersetzungstemperatur
ist bei den erfindungsgemäßen Partikeln höher. 1
zeigt das TGA-Diagramm von Aerosil 200 modifiziert mit GLYMO in Anwesenheit von
DBU (50 g Aerosil 200, 24 g GLYMO, 3,6 mol-% DBU bezogen auf GLYMO, hergestellt
analog Beispiel 2)
Beispiel 4Einfluss der Partikel auf Klebfestigkeitena) Präparation der Materialien und Klebstoffe
Aluminiumfügeteile aus AlMg3 wurde in folgender Weise nach dem
Stand der Technik vorbehandelt:
Bad 1: Tauchreinigen
In einem 1,5 l Becherglas wird 64,5 g P3-Upon 5800 und das Benetzungsmittel
3,6 g Ridosol 1561 eingewogen und auf 1500 g Gesamtmenge mit destilliertem Wasser
aufgefüllt. Die alkalische Lösung wird unter Rühren auf 60°C
erwärmt. Die Aluminiumfügeteile werden 180 Sekunden in die Lösung
getaucht und im Anschluss mit einer ausreichenden Menge destilliertem Wasser gespült.
Bad 2: Beizpassivieren
In einem 1,5 l Becherglas wird 35,7 g Alodine 2040 eingewogen und
auf 1500 g Gesamtmenge mit destilliertem Wasser aufgefüllt. Die saure Lösung
wird unter Rühren auf 40°C erwärmt. Die Aluminiumfügeteile werden
60 Sekunden in die Lösung getaucht und im Anschluss mit einer ausreichenden
Menge destilliertem Wasser gespült und bei 150°C für 300 Sekunden
im Umluftofen getrocknet.
Mit entsprechend vorbehandelten Blechen werden Zug-Scher-Versuche
in Anlehnung an DIN EN 1465 und Schälversuche in Anlehnung an DIN EN 1464 durchgeführt.
Epoxidklebstoff mit Härter Polyamidoamin
Die Referenzformulierung besteht anteilig aus 4,14 g Araldit GY 250
und 2,12 g Polypox P 250. Die jeweiligen Partikelzusätze werden als Masterbatch
(25 Gew.% Partikel, 75 Gew.% Araldit GY 250, Herstellung wie in Beispiel 1b) zugegeben
und die jeweilige Härtermenge dem Epoxidequivalent angepasst. Es werden Klebfilmdicken
von etwa 0,2 mm auf die Fügeteile aufgetragen und die Klebverbindungen bei
65°C eine Stunde im Umluftofen ausgehärtet.
b) Einfluss unterschiedlich modifizierter Partikel auf die Klebfestigkeit
Es wurden Klebstoffe mit jeweils 5 Gew.-% mit GLYMO modifizierter
Nanopartikel nach den jeweils angegebenen Beispielen präpariert und die Zug-Scher-Festigkeiten
gemessen:
Folgende Schälfestigkeiten wurden erhalten:
Die Ergebnisse zeigen, dass man mit Hilfe der erfindungsgemäßen
Partikel in der Klebstoffformulierung nicht nur die mechanischen Eigenschaften der
Klebverbindungen deutlich verbessern kann, sondern sogar einander normalerweise
entgegen laufende Eigenschaften wie die Schälfestigkeit und Zug-Scher-Festigkeit
gleichzeitig verbessern kann.
Beispiel 5Synergistische Wirkung mit Elastomerpartikeln
Es werden Klebstoffe und Fügeteile wie in Beispiel 4 vorbereitet.
Zusätzlich werden Klebstoffe mit 5 Gew.-% Genioperl M23A (Wacker) und die Kombination
aus 5 Gew.-% Genioperl M23A plus 5 Gew.-% modifizierte Nanopartikel nach Beispiel
3e präpariert. Es werden folgende Klebeigenschaften gemessen:
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche synergistische Wirkung zwischen
den beiden Partikelarten. Sowohl die Schälfestigkeit, als auch die Zug-Scher-Festigkeit
ist deutlich höher als bei einer der Partikelarten alleine. Es ist für
den Einzelfall das Konzentrationsoptimum zu ermitteln. Bei zu großem Partikelgehalt
gehen die Eigenschaften wieder zurück.
Beispiel 6Präparation von Partikeln mit Methacrylatgruppena) Nanofüllstoffsynthesen
Für die Katalyseversuche wurden die in der folgenden Tabelle
zusammengestellten Versuche durchgeführt. Dazu wurde Aerosil 200 (Degussa AG)
in einen 1 l Zweihalsrundkolben eingewogen, Lösungsmittel zugegeben und der
Kolben kräftig geschüttelt, um das Aerosil zu benetzen. Die zunächst
breiige Masse wurde solange mit einem IKA RW 20n (KPG-Rührer, Stufe 3–4)
gerührt, bis sich eine homogene flüssige Suspension bildete (ca. 5–10
min). Anschließend wurde das Methacryloxypropyltrimethoxysilan MEMO (ABCR GmbH
& Co.KG) mit einem Tropftrichter zugetropft (1 Tropfen pro Sekunde), danach wurde
der Katalysator zugegeben. Nach der Zugabe der Katalysatoren verdicken sich die
Suspensionen stark, konnten aber weiter gerührt werden. Nach 10 min bis zu
mehreren Stunden wurden die Suspensionen wieder dünnflüssig. Insgesamt
wurden die Suspensionen 48 h gerührt. Das Lösungsmittel wurde am Rotationsverdampfer
bei einer Badtemperatur von 35°C abgezogen. Nach dem Entfernen des Lösungsmittels
blieben weiße, lockere Pulver zurück. Die Pulver wurden im Umluftofen
bei 80°C 30 min nachgetrocknet und anschließend fein gemahlen.
Folgende Versuche wurden durchgeführt:
b) Thermogravimetrische Analyse TGA
Zur Beurteilung der Anbindung des Silans an die Füllstoffoberfläche
wurden die Füllstoffe thermogravimetrisch analysiert, dabei wird die Masseänderung
in Abhängigkeit von der Temperatur gemessen.
Typischerweise degradiert der organische Anteil des Füllstoffs
in mindestens zwei Stufen. Es wird definiert, das dass physikalisch adsorbierte
MEMO bis 200°C entweicht und das chemisch gebundene MEMO oberhalb von 200°C
thermisch zersetzt wird. In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse der TGA zusammengefasst.
Es ist Ziel einen hohen Gewichtsverlust der 2. Stufe im Vergleich zu der 1. Stufe
zu haben.
Die Ergebnisse zeigen, dass im Vergleich zu den Vergleichsversuchen
die erfindungsgemäßen Partikel stets einen höheren Anteil der fest
gebundenen Oberflächenmodifikation aufweisen und zudem auch die Temperatur
des 2. Peaks höher liegt.
Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen aus einem organischen Bindemittel
und oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffen, bei dem
Nanofüllstoffe in einem organischen Medium mit einem Silan, Titanat und/oder
Zirkonat unter Zusatz einer Base an der Oberfläche organisch modifiziert werden
und diese modifizierten Nanofüllstoffe anschließend in das organische
Bindemittel eingearbeitet werden,
wobei das organische Medium ein polares Lösungsmittel ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
als Base eine nicht ionische Base zugesetzt wird, die eine acyclische Base mit einem
in Acetonitril gemessenen pKBH+-Wert ≥ 19 oder eine cyclische
Base mit einem in Acetonitril gemessenen pKBH+-Wert ≥ 15 ist.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen aus einem organischen Bindemittel
und oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffen, bei dem
Nanofüllstoffe in einem organischen Medium mit einem Silan, Titanat und/oder
Zirkonat unter Zusatz einer Base an der Oberfläche organisch modifiziert werden,
wobei das organische Medium das organische Bindemittel ist,
dadurch gekennzeichnet, dass als Base eine nicht ionische Base zugesetzt wird, die eine acyclische
Base mit einem in Acetonitril gemessenen pKBH+-Wert ≥ 19 oder
eine cyclische Base mit einem in Acetonitril gemessenen pKBH+-Wert ≥
15 ist.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Silan, Titanat und/oder Zirkonat die allgemeinen Formeln E(OR')nR4-n
besitzt, wobei
– E = Si, Ti oder Zr ist,
– n = 1, 2 oder 3, und bevorzugt n = 3 ist,
– R' eine beliebige organische funktionelle Gruppen, bevorzugt eine Alkylgruppe
ist,
– und R eine beliebige organische Gruppe ist.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach Anspruch 3, dadurch
gekennzeichnet, dass R' eine Methyl-, Isopropyl- oder Ethyl-Gruppe ist.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet, dass das Silan, Titanat und/oder Zirkonat der allgemeinen
Formeln E(OR')nR4-n gleiche oder verschiedene Reste R enthält,
wobei einer, zwei oder drei der gleichen oder verschiedenen Reste R eine oder mehrere
funktionelle organische Gruppe R'' enthalten, die über einen organischen Linker
Z an das Zentralatom E gebunden sind.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach Anspruch 5, dadurch
gekennzeichnet, dass die funktionelle organische Gruppe R'' ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus Epoxiden, Aminen, Carbonsäuren, Mercaptanen, Alkoholen,
funktionellen Gruppen mit polymerisationsfähigen Doppelbindungen, Isocyanaten,
substituierten oder unsubstituierten Phenylgruppen.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das organische Bindemittel ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus acrylat- oder methacrylatbasierten Bindemitteln,
epoxidbasierten Bindemitteln, Bindemitteln, die Styrol oder einen ungesättigten
Polyester enthalten oder hieraus bestehen, Bindemitteln, die Isocyanatgruppen enthalten
und Bindemitteln, die Silikon enthalten oder hieraus bestehen.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die nicht ionische Base ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus cyclischen, bicyclischen und polycyclischen Amidinen,
Guanidinen, Aminoiminophosphoranen und Phosphazenbasen.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die nicht ionische Base einen pKBH+-Wert
≥ 20 besitzt.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach den Ansprüchen
8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass als nicht ionische Base 1,5-Diazabicyclo[4.3.0]non-5-en
und/oder 1,8-Diazabicyclo[5.4.0]undec-7-en zugesetzt wird.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die eingesetzten noch nicht modifizierten
Nanofüllstoffe eine BET-Oberfläche von größer 15 m2/g
besitzen.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die eingesetzten Nanofüllstoffe
Oxide oder Silikate sind.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Nanofüllstoff flammpyrolytisch
hergestelltes oder gefälltes Siliciumdioxid eingesetzt wird.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass während der Oberflächenmodifizierung
der Nanofüllstoffe in der Reaktionsmischung 0,01 bis 5 Gew.-% Wasser, bevorzugt
0,01–1 Gew.-% Wasser zugegen sind, mit der Maßgabe, dass bezogen auf
die Alkoxygruppen -OR' des Silans, Titanats und/oder Zirkonats maximal 1,2 Moläquivalente
Wasser zugegen sind.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der Ansprüche
1 oder 3 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass das organische Medium bei der Oberflächenmodifizierung
der Nanofüllstoffe ein polar aprotisches Lösungsmittel
ist.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach Anspruch 15, dadurch
gekennzeichnet, dass das polar aprotische Lösungsmittel ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus Ketonen, Ethern und Estern und bevorzugt ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus Aceton, Butanon, Methylisobutylketon, Tetrahydrofuran,
Essigsäureethylester, Methyl-tert-butylether und Diisopropylether.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass während der Modifizierung der
Nanofüllstoffe zusätzliche mechanische Energie eingebracht wird, bevorzugt
durch Ultraschall, einen Hochgeschwindigkeitsrührer, einen Dissolver, eine
Perlmühle oder einen Rotor-Stator-Mischer.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der Ansprüche
2 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Einarbeitung der oberflächenmodifizierten
Nanofüllstoffe in das organische Bindemittel mittels eines Hochgeschwindigkeitsrührers,
Ultraschall, eines Dissolvers, einer Perlmühle, eines Walzenstuhls und/oder
eines Rotor-Stator-Mischers erfolgt.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das organische Bindemittel ein zur
Herstellung von Thermoplasten verwendetes Monomeres ist und das Gemisch aus dem
organischen Bindemittel und den oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffen
nach dem Einarbeiten der oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffe in das
Bindemittel bzw. nach der Oberflächenmodifikation der Nanofüllstoffe im
Bindemittel polymerisiert wird.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der Ansprüche
2 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass die oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffe
in eine Schmelze von Thermoplasten eingearbeitet werden.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der Ansprüche
1 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass das organische Bindemittel ein Monomeres
ist und das Gemisch aus dem organischen Bindemittel und den oberflächenmodifizierten
Nanofüllstoffen nach dem Einarbeiten der oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffe
in das Bindemittel bzw. nach der Oberflächenmodifikation der Nanofüllstoffe
im Bindemittel in einer wässrigen Dispersion oder Emulsion erfolgt.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Nanokomposite bei Raumtemperatur
oder erhöhter Temperatur und/oder Reaktion mit der Luftfeuchte und/oder UV-
bzw. Elektronenstrahlung ausgehärtet werden.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Oberflächenmodifikation
der Nanofüllstoffe zusätzlich zu dem Silan, Titanat und/oder Zirkonat
der allgemeinen Formel E(OR')nR4-n ein Tetraalkoxysilan, -titanat
und/oder -zirkonat zugesetzt wird, wobei die molare Menge des Tetraalkoxysilans,
-titanats und/oder -zirkonats bevorzugt weniger als 50 mol-% des Silans, Titanats
und/oder Zirkonats der allgemeinen Formel E(OR')nR4-n beträgt.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass dem organischen Bindemittel zusätzlich
Elastomerpartikel zugegeben werden.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach Anspruch 24, dadurch
gekennzeichnet, dass die Elastomerpartikel Polydimethylsiloxan, Polybutadien und/oder
Polyisopren enthalten oder hieraus bestehen.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach Anspruch 24 oder 25,
dadurch gekennzeichnet, dass die Elastomerpartikel einen mittleren Durchmesser zwischen
10 und 500 nm aufweisen.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der Ansprüche
24 bis 26, dadurch gekennzeichnet, dass die Elastomerpartikel funktionelle organische
Gruppen auf der Oberfläche tragen, die in der Lage sind, kovalente Bindungen
mit dem organischen Bindemittel einzugehen.Verfahren zur Herstellung von Nanokompositen nach einem der vorhergehenden
Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
zusätzlich zu dem als Oberflächenmodifikationsreagenz eingesetzten Silan,
Titanat oder Zirkonat ein weiteres Oberflächenmodifikationsreagenz der Formel
Si(OR''')mR''''4-m, bei dem m = 1, 2 oder 3 ist, R''' eine beliebige organische funktionelle Gruppe ist,
und R'''' eine Fluoralkylgruppe oder eine Alkylgruppe ist.Nanokomposite, erhältlich mit dem Verfahren nach einem der Ansprüche
1 bis 28.Verfahren zur Herstellung von oberflächenmodifizierten Nanofüllstoffen,
bei dem
Nanofüllstoffe in einem organischen Medium mit einem Silan, Titanat und/oder
Zirkonat unter Zusatz einer Base an der Oberfläche organisch modifiziert,
wobei das organische Medium ein polares Lösungsmittel ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
als Base eine nicht ionische Base zugesetzt wird, die eine acyclische Base mit einem
pKBH+-Wert ≥ 19 oder eine cyclische Base mit einem pKBH+-Wert
≥ 15 ist.Oberflächenmodifizierte Nanofüllstoffe, erhältlich mit
dem Verfahren nach Anspruch 30.Verwendung der Nanokomposite nach Anspruch 29 als Lack, Klebstoff, Vergussmasse,
Beschichtung, Matrixharz für faserverstärkte Kunststoffe, Polymerschaum
oder Kunststoffformteil oder zur Herstellung derartiger Produkte.Verwendung nach Anspruch 32, dadurch gekennzeichnet, dass die Nanokomposite
im Flugzeugbau, in der Elektronik, zur Automobillackierung, zum Lackieren transparenter
Kunststoffe, als Parkettlack, als Dentalmaterial, zur Beschichtung optischer Gläser
oder als Basismaterial für optische Gläser eingesetzt werden.Verwendung nach Anspruch 33, dadurch gekennzeichnet, dass die Nanokomposite
zum Lackieren von Autoscheiben aus Polycarbonat oder als Beschichtung von Brillen
oder als Basismaterial für Brillengläser eingesetzt werden.