Forschungen haben ergeben, dass in der Urzeit das Wild vom Menschen
oft in mehrtätigen Hetzjagden erlegt wurde. Auch heute noch ist der Mensch
aufgrund der körperlichen Gegebenheiten zwar vielen Tieren in der Spitzengeschwindigkeit
unterlegen, aber in der Ausdauerleistung kann er mit vielen jagenswerten Tieren,
vor allem wegen der besonderen Art der Wärmeabfuhr, konkurrieren.
Laufen und Gehen sind somit genetisch dem Menschen in die Wiege gelegt.
Doch biologische Systeme, wie Tier und Mensch, erfordern im Gegensatz
zu technischen Systemen zu ihrer Erhaltung einen beständigen Reiz zu ihrer
natürlichen Erneuerung oder Weiterentwicklung.
So muss zum Beispiel ein Gelenk durch ständige Bewegung mit Nährstoffen
versorgt werden. Auch ein nicht gebrauchter Muskel, zum Beispiel in einem Gipsverband,
bildet sich zurück und verkümmert.
Im Sommer ist es verhältnismäßig leicht, diesen Gegebenheiten
Rechnung zu tragen und sich mehr oder weniger sinnvoll sportlich zu betätigen.
Doch im Winter, wenn einer sportlichen Aktivität durch Schnee
und Eis erhebliche Grenzen gesetzt sind, fordert der natürliche Bewegungsdrang
ebenso sein Recht.
Eine der wenigen Möglichkeiten Wintersport zu treiben ist der
Skilauf.
Wie alte skandinavische Legenden belegen, existiert das Skilaufen
schon seit sehr langer Zeit. So lässt sich zum Beispiel in einer russischen
Höhle die wahrscheinlich älteste Felszeichnung eines Skiläufers bewundern.
Forscher schätzen ihr Alter auf mehrere tausend Jahre. Aber auch schwedische
Geologen fanden bei Ausgrabungen uralte Ski, deren Alter mit ungefähr 4000
Jahren angegeben wurde. Schon im Jahr 770 n.Chr. bezeichnete der Mönch Paulus
Diaconus die Bewohner Lapplands als „Skridfinnen„ was in der Übersetzung
mit „gleitenden Finnen„ beschrieben wird. Somit wird der Ursprung
des Skilaufs in den skandinavischen Ländern gesehen.
Wenngleich das Skilaufen bereits mehrere Jahrtausende alt ist, wird
es als Sport erst seit relativ kurzer Zeit betrieben. Diese Entwicklung setzte im
Jahr 1850 im norwegischen Christiania, dem heutigen Oslo, ein. Hier fanden die ersten
Skirennen in Form des Langlaufs statt. Seinen großen Durchbruch hat das Skilaufen
nicht zuletzt auch der Leistung des Norwegers Fridtjof Nansen zu verdanken. Dem
grönländischen Forscher gelang es im Jahr 1888 diese Insel in 46 Tagen
von Küste zu Küste auf Skiern zu überqueren.
Die rasche Entwicklung des Skilaufens hin zu einer Sportdisziplin
zeigte sich ab dem Jahr 1870 auch in den Alpenländern. Im Jahr 1879 wurden
in Deutschland die ersten Skirennen ausgetragen, und im Jahr 1893 gründete
Christof Iselin den ersten Schweizer Skiverein. Die ersten nationalen Skiverbände
traten 1896 in Russland und 1903 in der Tschechoslowakei auf.
Erst Im Jahr 1905 gründete Deutschland einen nationalen Skiverband.
Im Jahr 1924, im Rahmen der internationalen Wintersportwoche, die
als erste Winterolympiade in die olympische Geschichte einging, beschlossen 14 Nationen
einen internationalen Verband, nämlich die „Federation International
de Ski„ kurz FIS genannt, ins Leben zu rufen.
Heute gehören der FIS 100 nationale Verbände an.
Wegen der großen Anzahl an Ski- und Snowboardfahrern und deren
unterschiedlichen Abfahrtsverhalten stellte die FIS ein allgemeinverbindliches Regelement
zur Verhaltensweise in Skigebieten und auf Skipisten auf.
Dies schafft zwar die Voraussetzungen, zumindest juristisch betrachtet,
zur Verhütung von Unfällen, jedoch ist ein Großteil vermeidbarer
Unfälle in jeder Saison nicht nur darauf zurückzuführen, dass dieses
Regelement missachtet wird, sondern auch darauf, dass die technische Ausrüstung
noch nicht optimal an die physischen Voraussetzungen der Skifahrer angepasst ist.
Das wichtigste Element in dem System, das ein Skifahrer in Verbindung
mit den Skiern, darstellt, ist das Verbindungselement zwischen diesen beiden Teilen.
Das ist, quasi als Interface, der Skischuh oder Skistiefel. Er stellt das wichtige
und manchmal kritische Verbindungsglied zwischen Mensch und Maschine dar.
Die gängige Vorstellung von der Funktion bzw. der Ausgestaltung
eines Skistiefels war lange Zeit die, dass dieser eine steife, oben zweigeteilte,
Schale zur Aufnahme eines Innenschuhs aufweist, der seinerseits den Fuß eines
Skifahrers aufnimmt, und dass diese steife Schale eine steife Sohle und ein die
Ferse umschließendes Fersenteil aufweist.
Des Weiteren war da ein Schaft zum Umschließen des unteren Teils
des Beins wobei dieser im Wesentlichen biegegelenkig mit der Schale verbunden
war.
Schließlich gab es noch diverse Mittel zum Umspannen und Halten
des Fußes in der Schale und zum Umschließen des Schafts.
Später ersann man zum leichteren Einstieg in den Skistiefel eine
Konstruktion die den Schaft nach hinten abklappbar machte und das Vorderteil des
Skistiefels wie bei einem Pantoffel zum Hineinschlüpfen ausformte. Das war
schon bequemer, aber der Skistiefel war in der Praxis immer noch schwer an die veränderlichen
Gegebenheiten eines lebenden Fußes anzupassen. Ein noch nicht vom Fuß
erwärmter steifer Innenschuh oder geschwollene Füße wollten sich
nicht immer mit den harten Konturen der Skistiefel vertragen.
Abgesehen davon stellte man im Laufe der Entwicklung fest, dass sich
die zweigeteilte, den Vorfuß aufnehmende, Schale mittels der üblichen
Spannvorrichtungen doch besser an die anatomischen Gegebenheiten anpassen ließ
als die fertig ausgeformte Schale der damaligen so genannten „Heckeinsteiger".
Abgesehen davon lebt der Umsatz von der Mode und die liebt bekanntlich die Abwechslung.
Heute gibt es kaum noch Heckeinsteiger-Skistiefel auf den Pisten zu sehen. Was blieb
war jedoch im Wesentlichen die feste konfektionierte Sohle. Das hat auch heute noch
zur Folge, dass neben der starren Sohle auch alle anderen Teile des Skistiefels
mehr oder weniger starr sein müssen. Doch der zu umschließende Fuß
ist alles andere als starr und kann sich nur in Grenzen oder nur beschränkte
Zeit mit Schmerzen den äußeren Gegebenheiten anpassen. Das wiederum hat
oft zur Folge, dass auch ein guter Fahrer manchmal unbewusst die Fußsohle verspannt
und sich wundert warum an manchen Tagen die Fahrleistungen zu wünschen übrig
lassen.
Bei diesem Stand der Technik brachte der in der WO 01/35780 A1 beschriebene
Wintersportschuh bzw. die Kombination aus einem Wintersportschuh und einem Ski eine
entscheidende Veränderung.
Dieser Wintersportschuh zeichnet sich dadurch aus, dass das Schuhvorderteil
des Außenschuhs mittels eines im metarsalen Bereich (Mittelfuß zwischen
Fußwurzel und Zehen) vorgesehenen flexiblen Übergangsbereichs kraftmäßig
vom rückwärtigen Teil des Außenschuhs weitgehend entkoppelt ist.
Dies ermöglicht ein Abrollen des Vorderfußes im Fußballenbereich
um eine Drehachse quer zur Längsachse des Skischuhs. Der Außenschuhschaft
und die angeformten Seitenteile bis zum metatarsalen Bereich sind im Wesentlichen
unnachgiebig ausgebildet, sodass mittels des Außenschuhschafts in diesen Bereich
der Sohle eine Biegekraft einleitbar ist.
Neben dem sofort ins Auge fallenden Vorteil, dass das beschwerliche
Gehen in Skistiefeln außerhalb der Skibindung durch das Abbiegen der Sohle
erheblich erleichtert wird, ergibt sich beim Skifahren selbst auch noch eine Entlastung
für die Kniegelenke. Denn bei einer unflexiblen Schuhsohle können während
der Fahrt unvermeidliche Verlagerungen des Körperschwerpunkts hauptsächlich
nur über eine Beugung des Knies und des oberen Sprunggelenks ausgeglichen werden.
Bei einer flexiblen Sohle dagegen kann die Lage des Körperschwerpunkts zusätzlich
noch mittels einer Beugung des Fußes im metatarsalen Bereich korrigiert werden.
Eine weitere Verbesserung dieses grundlegend neuen Konzepts stellt
der aus der WO 02/094047 A1 bekannte Skischuh dar. Hier finden sich im Wesentlichen
spezielle Ausgestaltungen der im metatarsalen Bereich flexiblen Sohle, wie sie schon
in der WO 01/35780 A1 beschrieben sind. Des Weiteren werden in dieser Druckschrift
für das Problem des flexibel zu gestaltenden Schalenteils im Vorfußbereich
unterschiedliche Lösungen aufgezeigt. Zusätzlich werden verschiedene neue
Formen, Konstruktionen und Design-Studien des Innenschuhs vorgestellt.
Ferner wird in der WO 01/35779 A1 eine Schalenbasis mit einem schwingungsdämpfenden
Rippenverbundteil vorgestellt, mit der eine bestimmte Entkopplung des vorderen und
des hinteren Schuhteils im Mittelbereich erreicht werden soll. Dieses Rippenverbundteil
ist von einem biegsteifen und torsionssteifen, sich in der Längsrichtung etwa
zwischen dem Fersenbereich und dem Vorderfussbereich sich erstreckenden, Profilelement
gebildet.
Diese beschriebene neue Konzeption der Konstruktion von Skischuhen
ermöglicht zwar eine wesentlich bessere Anpassung des Schuhs an die in der
Praxis auftretenden unterschiedlichen Fußformen, jedoch bleiben auch hier noch
Wünsche offen, vor allem die Berücksichtigung des Gewichts des Benutzers
des Skischuhs. Für eine optimale Kraftübertragung von dem das Schienbein
umschließenden Schaft auf die Schale eines Schuhs ist die relative Position
der Manschette gegenüber dem Schalenkörper von Bedeutung, Deshalb sind
Schischuhe auf dem Markt die eine diesbezügliche Anpassung der Manschette auf
die jeweilige Stellung der Beine zueinander vorzunehmen. Als Extreme hierzu sind
so genannte X-Beine oder O-Beine bekannt. Eine solche Anpassung wird auch als Canting
bezeichnet. Auch dies ist eine wünschenswerte Option für einen Skischuh.
Nicht zuletzt ist das leichte An- und Ausziehen bei Skischuhen eine
Eigenschaft, die schon bei der Anprobe über den späteren Ankauf entscheidet.
Oftmals kann es geschehen, dass an steilen Hängen die Außenkante
eines Skis nicht hält, der Fahrer abrutscht, und sich schlimme Verletzungen
ergeben. In solchen Fällen eine zusätzliche Sicherheit zu bieten, war
bisher von einem Skischuh nicht zu erwarten.
Der vorliegenden Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ausgehend
vom beschriebenen Stand der Technik, die Anpassung eines solchen Skischuhs an unterschiedliche
anatomische Gegebenheiten und Gewichte des Skifahrers zu ermöglichen, eine
dem Gelände angepasste Dämpfung der Sohle des Schuhs zu ermöglichen,
ein leichtes An- und Ausziehen des Skischuhs zuschaffen, und auch bei forcierter
Fahrweise eine zusätzliche Sicherheit zu bieten.
Diese Aufgabe wird bei einer Vorrichtung nach dem Oberbegriff der
Schutzansprüche 1 bis 3 durch deren Merkmale im Kennzeichen, bzw. die Schutzansprüche
4 bis 20 gelöst.
Der Kerngedanke der erfindungsgemäßen Schuhkonstruktionen
liegt im Wesentlichen darin, mittels bestimmter konstruktiver Maßnahmen sicherzustellen,
dass der Benutzer des Schuhs die Möglichkeit erhält, die subtilen vielfältigen
Möglichkeiten der Gewichtsverlagerung kontrolliert auf das jeweilige Sportgerät
zu übertragen.
Damit diese Möglichkeit für jeden Sportler unter Berücksichtigung
der vielfältigen körperlichen Unterschiede in vergleichbarer Weise geben
ist, ermöglicht es die erfindungsgemäße Schuhkonstruktion jeden Schuh
in spezieller Weise auf seinen Träger anzupassen.
Zu diesem Zweck wird im Prinzip der, aus dem Stand der Technik bekannte,
flexible Teil im metatarsalen Bereich des Schuhs durch verschiedene zusätzliche
Maßnahmen ergänzt.
Diese Maßnahmen ermöglichen dem Träger des Schuhs die
Steuerung der Skier in einer neuen Weise zu beeinflussen und dezidiert durch Verlagerung
des Gewichts in Teilbereichen der Fußfläche Feinkorrekturen vorzunehmen,
die vorher nicht möglich waren. Bei dem erfindungsgemäßen Schuh handelt
es sich demzufolge um eine Vorrichtung die normale Gewichtsverlagerungen in der
Form dezidierter Steuerbefehle zulässt. Der erfindungsgemäße Schuh
stellt somit eine Vorrichtung zur Übertragung von Steuerbefehlen dar und ist
in seinem Einsatz nicht nur auf Wintersportgeräte wie Skier oder Snowboards
beschränkt sondern für alle Sportgeräte geeignet, bei denen Steuerungsvorgänge
über unterschiedliche Druckverteilungen im Fußbereich eingeleitet werden,
zum Beispiel auch bei Wasser- Skiern.
In der ersten Version wird dies schon durch die besondere Form des
Heckeinstiegs und die durch die erfindungsgemäßen Zentralverschlüsse
verbesserte Möglichkeit der Anpassung des Schuhs an die jeweilige Fußform
erreicht. Die Sohle und die beiden Schalenhälften des Schuhs sind hierbei,
wie beim Stand der Technik flexibel.
In der zweiten Version kommt hierzu durch die erfindungsgemäßen
Spannelemente in der Sohle die zusätzliche Möglichkeit der Sohle eine
einstellbare Vorspannung zu geben.
In der dritten Version werden anstelle der Spannelemente in der zweiten
Version Elemente eingesetzt, die die Funktion eines Stoßdämpfers und eines
Spannelements in sich vereinigen. Sie bestehen aus im Wesentlichen längsverlaufenden
Dämpfungselementen in der Form von Ausnehmungen, die in der Härte einstellbare
Blattfedern aufweisen. Dies ermöglicht dem jeweiligen Benutzer des Schuhs sein
Gewicht dezidiert und auf subtilere Weise als beim Stand der Technik nach den Erfordernissen
der Fahrtechnik zu verlagern.
Zudem kann die einstellbare Härte dieser mit Blattfedern bestückten
Dämpfungselemente nicht nur manuell fest eingestellt werden, sondern auch nach
Wunsch automatisch jeweils nach den Erfordernissen des befahrenen Geländes.
Dies erfolgt durch piezoelektrische Aktoren, die ihre Steuerungssignale von einer
Gruppe von Sensoren erhalten, die, jeweils entsprechend dem bevorzugten Einsatzgebiet
des Skischuhs, angeordnet und/oder hinsichtlich ihrer Ansprechwerte einstellbar
sind.
Vergleichbar ist diese neue Möglichkeit, beim Skifahren, das
Gleichgewicht des Körpers auszubalancieren mit dem Verhalten eines Seiltänzers.
Auch ein Seiltänzer läuft über das Seil indem er seine
Fußsohle in einem bestimmten Bereich quasi um das schmale Seil windet. Natürlich
ist ein Abfahrtsski erheblich breiter als ein Drahtseil eines Artisten, aber die
Möglichkeit des Ausbalancierens des Körpergewichts ist mit dem erfindungsgemäßen
Schuh in ähnlicher Weise gegeben.
Dieses Beispiel mit dem Seiltänzer bietet sich an wenn man sich
in die Lage eines Skifahrers versetzt der kurzfristig lediglich auf einem Ski balancierend
seinen Kurs fährt. In eine solche Lage kommt man leicht wenn man bei einem
Ski eine Kante falsch einsetzt und einen Sturz vermeiden will. Bei hoher Fahrgeschwindigkeit
bleibt hier nur der Ausweg blitzartig das Körpergewicht auf den anderen Ski
zu verlagern, wie ein Seiltänzer den verkanteten Ski zu entlasten, und an den
Körper zu holen. In einem solchen Fall wird der erfindungsgemäße
Schuh die Chance einen Sturz zu vermeiden erheblich erhöhen.
Dieses geschilderte Szenario verdeutlicht beispielhaft die Möglichkeiten
des erfindungsgemäßen Schuhs beim Einsatz des Skifahrens im alpinen Bereich.
Esist ersichtlich, dass ein erfindungsgemäßer Schuh deshalb auch bei anderen
Sportarten enorme Sicherheitsreserven bietet.
Die Möglichkeit der Gleichgewichtsstabilisierung über die
Gewichtsverlagerung im metatarsalen Bereich des Fußes berührt auch die
Frage des Gewichts des betreffenden Benutzers des Schuhs, denn ein schwerer Mensch
wird ein bestimmtes Dämpfungselement stärker belasten als ein leichter.
Das bedeutet, dass ein solches Dämpfungselement, bzw. die darüber liegende
Sohle, an das Gewicht des Benutzers angepasst werden kann. In einem herkömmlichen
Skischuh, der keine derartige vermittelnde Funktion zwischen dem Skifahrer und dem
Sportgerät, zum Beispiel dem Abfahrtsski, aufweist, ist dies nicht möglich.
Um ein solches Anpassungsverhalten nicht nur bei einem speziell angepassten
Schuh, zum Beispiel beim Ankauf, zu erreichen, ist erfindungsgemäß die
Möglichkeit vorgesehen, das Dämpfungsverhalten der Sohlenkonstruktion
an den Benutzer des Schuhs auch im Gelände auf vielfältige Weise optimal
anzupassen. Hierbei wird nicht nur das Gesamtgewicht des Benutzers des Schuhs berücksichtigt,
sondern auch implizit die besondere Ausgestaltung des jeweiligen Fußgewölbes.
Da die sonst bei einem Skischuh starr oder leicht flexibel ausgebildete
Sohle bei dem erfindungsgemäßen Skischuh im Innenbereich stärker
flexibel ausgestaltet ist, muss auch die den Fuß umschließende Schale
des Schuhs diesem Umstand Rechnung tragen.
Zudem bietet der erfindungsgemäße Schuh die Möglichkeit
nicht nur das Oberteil des Skischuhs leichter, sondern auch den Einstieg wesentlich
bequemer zu gestalten.
Darüber hinaus ist an der Außenseite eines solchen Schuhs
eine zusätzliche stabile Kante angeformt die bei extremer Schräglage an
steilen Hängen zusätzlichen Halt im Schnee bietet und ein Abrutschen des
Skis verhindern kann.
Im Folgenden wird der erfindungsgemäße Skischuh im Einzelnen
näher beschrieben:
Es zeigen:
1: eine Seitenansicht des erfindungsgemäßen
Skischuhs.
2: eine zweite Bauform eines erfindungsgemäßen
Schuhs
3: eine Seitenansicht einer dritten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Skischuhs
4: eine Darstellung des Sohlenbereichs.
5. Wirkprinzip der Sturzsicherung
In 1 ist eine Seitenansicht einer Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Skischuhs gezeigt.
Er besteht in den wesentlichen Teilen aus der Zentralsohle (12),
die mit dem Schaft (11), bzw. dem aus zwei Schalenhälften bestehenden
Oberteil, verbunden ist. Das Material aus dem der Schaft (11), bzw. das
Schuhoberteil, gefertigt ist kann verhältnismäßig dünn und damit
leicht gehalten sein, da die notwendige Haltekraft für den Fuß durch einen
Verschluss gewährleistet ist, der diagonal von dem Ende der Zentralsohle (12)
über das Fußgelenk bis zum Spann des Fußes verläuft.
Dieser Verschluss besteht aus einem bandförmig gestalteten Halteelement
das über jeweils eine Verschluss-Schraube (13) an beiden Seiten der
Zentralsohle (12) befestigt ist und sich über den Zentralverschluss
(7) an der Deckzunge (6) abstützt. Die Zentralverschluss
(7) kann im einfachsten Fall aus einer Stellschraube bestehen, es kommen
aber auch andere geeignete Arten von Schnellverschlüssen zum Einsatz.
Diese Deckzunge (6) besteht bevorzugt aus einem geeigneten
vergleichsweise harten Material, während die darunter liegende Unterzunge (5)
aus verhältnismäßig weichem Material besteht um den Spann des Fußes
vor unerwünschten Druckbelastungen zu schützen.
Das bandförmig gestaltete Haltelement führt, wie in der
1 gezeigt, unter der Unterzunge (5) hindurch
und ist im Bereich des Zentralverschlusses (7) an der Deckzunge (6)
befestigt.
Der vordere Teil des erfindungsgemäßen Skischuhs weist im
oberen Bereich einen Gummibalg (8) auf, dem im unteren Bereich mehrere
Dehnelemente (9) entsprechen. Hierdurch ist gewährleistet, dass das
Oberteil des Schuhs den Bewegungen des Fußes, bzw. den Verformungen der Zentralsohle
(12), im metatarsalen Bereich folgen kann.
Da die erweiterte einstellbare Flexibilität der Zentralsohle
(12) eine entsprechende Flexibilität des Schuhoberteils erfordert,
sind erfindungsgemäß, wie in der 1 dargestellt,
spitzwinkelige Dehnelemente (9) vorgesehen. Diese Dehnelemente (9)
bestehen aus einem sehr flexiblen, erheblich weicheren Material als das des Schuhoberteils.
Die Ausgestaltung der jeweiligen Dehnelemente (9) variiert in In der Größe
in Abhängigkeit von ihrer Lage auf einer gedachten, Linie die vom Spann zur
Sohle (12) führt. Diese beschriebene Linie stellt die Biegelinie dar
die sich bei einer Durchbiegung des Schuhoberteils aus sehr weichem Material ergeben
würde. Es stellen die Dehnelement (9) somit gewissermaßen Falten
dar um das Durchbiegen des Schuhoberteils (1) zu ermöglichen.
Im oberen Bereich des Schuhs wird der Fuß durch das Vorderteil
des Schafts (11) und die Zentraleinstiegsklappe (1) über
das Rastenverschlußband (2) fixiert. Das Rastenverschlußband
(2) ist hierbei an der Zentraleinstiegsklappe (1) in der üblichen
Weise drehbar gehaltert und wird über den gängigen Rastenverschluß
grob eingestellt. Eine Feineinstellung erfolgt über den Zentralverschluss (4),
der sich an der Verschlußlasche (3) abstützt. Der Zentralverschluss
(4) kann im einfachsten Fall aus einer Stellschraube bestehen, es kommen
aber auch andere geeignete Arten von Schnellverschlüssen zum Einsatz.
Auch hier erfolgt die Übertragung der Haltekraft im Bereich der
Verschlußlasche (3) – ähnlich wie im Fall der Unterzunge
(5) und der Deckzunge (6) – über einen, in härterem
Material ausgeführten, eigentlichen Druckbereich und dann über den Zentralverschluss
(4). Die Zentraleinstiegsklappe (1) ist dabei über den Ferseneinstieg
(17) drehbar gelagert. Der üblicherweise aus einem weichen gummiartigen
Material gefertigte Innenschuh, der meist auch eine thermische Isolation bietet,
ist aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht gezeichnet.
Es wird darauf hingewiesen, dass die erfindungsgemäße Konzeption
eines solchen Schuhs unter Abwandlung der speziellen, für eine Skibindung konstruierten,
Zentralsohle auch für andere Sportarten geeignet ist.
Die in 2 gezeigte Ausführungsform
des in 1 dargestellten Grundmodells zeichnet sich durch
den zusätzlichen Einbau von unterschiedlich ausgeführten und ausgestalteten
Spannelementen (14) aus
Diese Spannelemente (14) stellen eine Möglichkeit dar,
die Zentralsohle (12) in eine Spannung zu versetzen die sie von der Wirkung
her wie ein Gewölbe aufspannt. Hierzu werden im vordern Teil der Zentralsohle
(12) und in deren hinterem Teil Spannelemente (14) verankert deren
wirksamer Zug über eine Änderung ihrer Länge einstellbar ist. In
der Seitenansicht nach der 2 sehen alle denkbaren Möglichkeiten
einer solchen Verspannung gleich aus. Die jeweilige Verankerung erfolgt über
durch Schrauben gesicherte Widerlager.
Neben dem Einsatz eines in der Längsachse des Schuhs verlaufenden
Spannelements (14) ermöglicht die Verwendung von jeweils zwei Spannelementen
(14) eine dezidiertere Einstellung der Sohlenspannung, Hierbei können
die Wirkungsachsen dieser Spannelemente (14) parallel und/oder schräg
zur Längsachse der Zentralsohle (12) laufen.
Die Möglichkeiten der Verankerung der betreffenden Spannelemente
(14) richten sich hierbei nicht nur nach den zu erwartenden Kräften
sondern auch nach der Wahl des betreffenden Materials für das jeweilige Sohlenplateau.
Es können jeweils nicht nur Einstellmittel für die Länge
eines bestimmten Spannelements auf einer Seite vorgesehen sein, sondern auch auf
beiden Seiten. Als einfachste Möglichkeit sind hierfür Schraubenmuttern
anzusehen, die sich auf Gewindestücken des jeweiligen Spannelements (14)
bewegen.
Neben den Möglichkeiten ein Spannelement (14) in der
Mitte der Sohle, links oder rechts, oder von vorne links nach hinten rechts, oder
von vorne rechts nach hinten links laufen zu lassen, ergeben sich für den Verlauf
von zwei Spannelementen (14) weitere Möglichkeiten.
Beide können parallel zur Längsachse oder parallel schräg
verlaufen, Beide können im spitzen Winkel aufeinander zulaufen, wobei sich
der spitze Winkel vorn am Schuh oder hinten öffnen kann. Es ist auch denkbar,
dass sich ein Spannelement (14) parallel zur Längsachse des Schuhs
erstreckt, das andere jedoch schräg.
Die in 3 gezeigte Ausführungsform
des in 1 dargestellten Grundmodells zeichnet sich durch
den zusätzlichen Einbau von unterschiedlich ausgeführten und ausgestalteten,
in einem Bauelement (15) vereinigten Stoßdämpfern und Spannelementen
aus
Hierbei erhalten diese Bauteile ihre Wirkung durch den erfindungsgemäßen
Einsatz von piezoelektrischen Elementen bzw. durch so genannte piezoelektrische
Aktoren.
Dabei besteht ein Aktor aus mehreren gestapelt angeordneten Piezoelementen.
Bei einem Piezoelement handelt es sich um ein elektrisches Bauteil bei dem der so
genannte piezoelektrische Effekt ausgenutzt wird. Piezoelektrika, wie zum Beispiel
Bleizirkonat-Titanat (PZT) reagieren auf ein elektrisches Feld mit einer Längenänderung,
die in erster Linie der angelegten elektrischen Feldstärke proportional ist.
Diese Längenänderungen sind zwar gering, lassen sich jedoch durch die
mechanische Anordnung in mehr oder weniger großen Stapeln (piezoelektrischer
Aktor) in Verbindung mit mechanischen, hintereinander geschalteten, Hebeln beachtlich
vergrößern. Im Gegensatz zu den erzielbaren Längenänderungen
sind die auftretenden Kräfte hierbei recht groß.
In der Umkehrung des piezoelektrischen Effekts erzeugt eine erzwungene
Längenänderung auf ein piezoelektrisches Element, beispielsweise ein Stoß,
eine elektrische Spannung. Ein bekanntes Beispiel hierfür stellt ein piezoelektrisches
Feuerzeug dar bei dem die translatorische, stoßartige Bewegung eines Hebels
über eine mechanische Umsetzung dieser Bewegung einen Spannungsstoß verursacht,
der zur Entzündung von Gas ausreicht.
Piezoelektrische Werkstoffe reagieren schon nach wenigen tausendstel
Sekunden auf eine angelegte elektrische Spannung mit Ausdehnung oder Kontraktion.
In neueren Forschungsarbeiten geht es insbesondere um den Einsatz
von PZT-Aktoren zur Dämpfung von Schall und anderen Schwingungen.
Auch in Skiern wurde dieses intelligente Werkstoffsystem bereits eingesetzt.
Die in 3 gezeigten Stoßdämpfer
und Spannelemente (15) befinden sich im metatarsalen Sohlenbereich.
Die Steuerung der aufgezeigten Stoßdämpfer und Spannelemente
erfolgt über einen, im Sohlenbereich, oder an anderen geeigneten, Stellen eingebauten
Mikroprozessor (16).
Durch das Element (15) lässt sich die gewünschte
Dämpfung und Vorspannung des metatarsalen Fußbereichs des Skifahrers auch
in Teilbereichen einstellen. Diese Einstellung kann man vor der Fahrt, wenn gewünscht
fest und unverändert, oder während der Fahrt über ein handliches
Steuergerät mit blue-tooth-Technik festlegen. Auf diese Art lässt sich
auch eine spezielle Grundcharakteristik einstellen, mit der festgelegt wird auf
welche Weise die elektronische Steuerung auf bestimmte Geländevorgaben reagieren
soll.
Die Erfassung dieser, aufgezwungenen und als Störgrößen
anzusehenden, Geländevorgaben erfolgt hierbei über weitere, in den Figuren
aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht gezeigte, entsprechende Sensoren.
Als weitere Ausbaustufe der erfindungsgemäßen Steuerelektronik
können noch zusätzliche Sensoren angebracht sein, die die Temperatur und
die Luftfeuchtigkeit erfassen und, wenn gewünscht, hieraus Rückschlüsse
über die Schneeverhältnisse ziehen. Dadurch sind zusätzliche einstellbare
Eingangsparameter für die Steuerelektronik zu gewinnen. Auch die Länge
der Fahrzeit und somit, in Verbindung mit Daten über die Geländebeschaffenheit,
die vermutete Ermüdung des Skifahrers können erfasst und für die
zweckmäßige Einstellung und Steuerung der aufgeführten Dämpfungselemente
(15), oder auch als Alarmsignal, herangezogen werden.
Die wichtigsten Parameter solcher Einstellungen lassen sich an der
Oberfläche des Schuhs an geeigneter Stelle über eine elektronische Darstellung
anzeigen.
In 4 ist im Detail eine zweckmäßige
Anordnung der Piezoelemente im Boden der Zentralsohle (12) aufgezeigt.
Hier sind beispielhaft die in Reihe geschalteten piezoelektrischen Teilelemente
(18) zu erkennen die in der entsprechenden Aussparung von jeweils einer
Blattfeder angeordnet sind. Die Enden einer Serie von in Reihe geschalteten piezoelektrischen
Teilelementen (18) sind aus mechanischen Gründen zusätzlich in
Carbon-Federn (19) gelagert. Es ist ersichtlich, dass sich die Steifigkeit
von jeder der gezeichneten Blattfedern stufenlos über die Längenausdehnung
der piezoelektrischen Teilelemente (18) einstellen lässt.
Die Anordnung der gezeigten Blattfedern ist nur beispielhaft, sowohl
was die Anzahl als auch die Anordnung angeht. Es sind im Rahmen der Erfindung auch
mehrere und/oder kürzere Blattfedern denkbar. Sollte der erzielte Dehnungsweg
der eingesetzten Aktoren im Einzelfall nicht ausreichen, ist dem Fachmann der zusätzliche
Einsatz entsprechender mechanischer Hebelsysteme bekannt, durch die Abhilfe geschaffen
werden kann.
Im Übrigen lassen sich die hier beschriebenen piezoelektrischen
Spannelemente in der Zentralsohle (12) in denselben Varianten anordnen,
wie bei der Aufzählung der Möglichkeiten für die Spannelemente (14)
in der 2 beschrieben ist.
Die Spannungsversorgung des elektrischen Gesamtsystems erfolgt über
entsprechend dimensionierte Batterien oder Akkumulatoren bzw. über den weiteren
Einsatz von piezoelektrischen Elementen. deren mechanische Aktivierung seinerseits
für die benötigten Spannungsspitzen sorgt.
Der 5 ist die Wirkungsweise des erfindungsgemäßen
Kanten-Spoilers zu entnehmen. Es hat sich in der Praxis herausgestellt, dass der
Beitrag dieses Bauteils zur gesamten Haltekraft der Skier bei starker Schräglage
trotz seiner relativ kleinen wirksamen Fläche enorm ist.
- 1
- Zentraleinstiegsklappe
- 2
- Rastenverschlußband
- 3
- weiche Verschlußlasche
- 4
- Zentralverschluss
- 5
- Unterzunge
- 6
- Deckzunge
- 7
- Zentralverschluss
- 8
- Gummibalg
- 9
- Dehnelement
- 10
- Kanten-Spoiler
- 11
- Schaft
- 12
- Zentralsohle
- 13
- Verschluss-Schraube
- 14
- Spannelement
- 15
- Stoßdämpfer und Spannelement (Piezoelement)
- 16
- Mikroprozessor
- 17
- Ferseneinstieg
- 18
- Piezoelemente
- 19
- Carbon-Federn