Die Erfindung betrifft ein ein- oder mehrsitziges Polstermöbel
mit mindestens einem Sitzelement und einem gegenüber diesem relativ in der
Höhe verstellbaren Rückenlehnenelement, das am Rahmen des Sitzelementes
gelagert ist.
Ein ein- oder mehrsitziges Polstermöbel der gattungsgemäßen
Art ist aus der DE 203 11 609 U1
und aus der DE 20 2006 000 832 U1
bekannt. Durch Öffnen des Ventils der Gasdruckfeder z.B. über ein Bowdenzug
oder über ein anderes Betätigungselement wird die Gasdruckfeder freigegeben
und verschiebt dabei die Rückenlehne nach oben. Eine weitere Verstellmöglichkeit
weisen die Rückenlehnen in diesen Druckschriften nicht auf.
Ein höhenverstellbares Rückenlehnenelement bei einem Kraftfahrzeugsitz,
das mittels eines Zahnstangengetriebes in der Höhe verstellt werden kann, ist
aus der GB-PS-12 29 947 und der US 2004/01 00 135 A1 bekannt.
Des Weiteren ist es bekannt, die Rückenlehne bei Polstermöbeln
verschwenkbar auszuführen, zu welchem Zweck zwischen dem Träger der Rückenlehne
und dem Untergestell ein Schwenkbeschlag angebracht ist, dessen Schwenkachse unmittelbar
unterhalb der Rückenlehne im Untergestell verläuft. Der Schwenkradius
wird also durch die Länge der Rückenlehne bestimmt.
Ausgehend vom bekannten Stand der Technik liegt der vorliegenden Erfindung
die Aufgabe zugrunde, die höhenverstellbare Rückenlehne bei einem Polstermöbel
mit einer Neigungswinkelverstellung zu kombinieren, die zugleich auch eine komfortablere
Winkelverstellung unter Verwendung einfachster Mittel und eine kompakte Bauweise
ermöglicht.
Gelöst wird die Aufgabe durch Ausgestaltung des ein- oder mehrsitzigen
Polstermöbels gemäß der im Anspruch 1 angegebenen technischen Lehre,
wobei durch die Art der Verwendung der Mittel für die Rückenlehne die
Rückenlehne selbst höhenverstellbar ist und zugleich auch im Neigungswinkel
wahlweise verstellt werden kann und durch die Vorverlagerung der Schwenkachse eine
angenehmere Schrägstellung der Rückenlehne erreicht wird. Die Vorverlagerung
der Schwenkachse in dem Halterarm des L-förmigen Trägers bietet zugleich
auch die Voraussetzung, einen Betätigungsmechanismus unter geringerem Kraftaufwand
einsetzen zu können, um die Neigungswinkelverstellung vornehmen zu können.
Wenn die Rückenlehne auf dem Sitzpolster des Sitzelementes aufsteht,
muss der nach oben sich erstreckende Schenkel in einer schlitzförmigen Ausnehmung
im Sitzteil geführt sein, um die Schwenkbewegung einerseits vollziehen zu können
und andererseits den Innenraum verdeckt zu halten. Wenn Letzteres nicht gewünscht
ist, kann selbstverständlich der Hohlraum von der Rückseite sichtbar im
Sitzelement auch unverschlossen oder teilverschlossen ausgebildet sein. Wenn die
Rückenlehne jedoch hinter dem Polster in das Sitzelement hinein ragend oder
rückseitig überstehend ausgeführt ist, dann muss der Hohlraum im
Sitzelement so gestaltet sein, dass die Rückenlehne sowohl in der aufrechten
Stellung als auch in der Kippstellung, im nicht-ausgefahrenen Zustand, den Hohlraum
verdeckt. Im ausgefahrenen Zustand, also bei Höhenverstellung der Rückenlehne
kann der Hohlraum im Sitzelement soweit verdeckt sein, dass lediglich die Austrittsstellen
für den horizontalen Schenkel des L-Knies sichtbar sind und der sich daran
anschließende, nach oben erstreckende Schenkel. Die Achse zum Verschwenken
der Rückenlehne ist dann soweit vorverlagert, dass das Aus- und Einfahren der
Rückenlehne ungehindert vorgenommen werden kann.
Wenn als Verstellmechanismus für die Neigungswinkelverstellung
eine Gasdruckfeder verwendet wird, so kann diese an verschiedenen Punkten des horizontalen
Schenkels des L-förmigen Trägers angebracht sein und die Widerlager ebenfalls
im Sitzelement an unterschiedlichen Punkten befestigt sein. Dies hängt von
der Bauart der Gasdruckfeder, der Länge des Schubkolbens und dergleichen ab.
Als Betätigungsmechanismus können bekannte Handbetätigungsmittel
verwendet werden, wobei durch Kraftübertragungselemente, z.B. einen Kniehebel,
eine Kraft aufgewendet wird, die unmittelbar auf das L-Knie wirkt bzw. den Halteschenkel
untergreift. Ist der Haltesteg über die Achse verlängert, so kann dieses
Kraftübertragungselement auch im vorderen Bereich an der Verlängerung
angelenkt sein, um durch direkte Krafteinwirkung den doppelseitigen Haltesteg zu
verschwenken und damit über den nach oben führenden Schenkel die Rückenlehne.
Durch diese Ausgestaltung ist es auch möglich, Gasdruckfedern einzusetzen,
die durch eine Ventilsteuerung den Kolben ausfahren, worüber das entsprechende
Drehmoment auf den Halterarm ausgeübt wird, um die Rückenlehne nach hinten
zu verschwenken. Unabhängig davon ist aber auch die Höhenverstellung möglich,
so dass auch bei dicken Polstern ein Aufsetzen beim Verschwenken auf den hinteren
Rand des Polstermöbels vermieden wird.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
im Detail selbsterklärend angegeben.
Wenn die Rückenlehne relativ schmal ausgebildet ist und sich
gegenüber einem einsitzigen Element höhenverstellen lässt,
so reicht ein flacher L-förmiger gebogener Träger aus, um die Neigungswinkelverstellung
einerseits vornehmen zu können und andererseits auch die Höhenverstellung
der Rückenlehne, ohne dass seitliche Belastungen auf die Gelenke, insbesondere
auf die Schwenkachse, sich negativ auswirken. Wenn die Rückenlehne jedoch breiter
ausgestaltet ist, empfiehlt es sich beidseitig Träger vorzusehen, also ein
Paar L-förmiger Träger, die über Verbindungsstege miteinander verbunden
sind. Eine Gasdruckfeder greift in diesem Fall mittig an den Verbindungsstegen an,
um die gewünschte Schwenkbewegung hierüber sicherzustellen. Die Rückschwenkung
erfolgt durch unmittelbare Krafteinwirkung auf die Rückenlehne, so dass beim
Zurückschwenken die Gasdruckfeder wieder gespannt wird.
Wird die Rückenlehne in der Höhe angehoben, so ist der L-förmige
Träger teilweise sichtbar. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Oberfläche
des Trägers zu veredeln, z.B. zu verchromen. Der Träger ist in schlitzförmigen
Ausnehmungen in dem Sitzelement geführt oder durch einen solchen hindurch gesteckt.
Es ist aber auch möglich, praktisch einen größeren Spalt im hinteren
Eckenbereich vorzusehen, ohne dass die Funktion des Verschwenkens des L-förmigen
Trägers beeinträchtigt wird. Für die Höhenverstellung der Rückenlehne
kann ebenfalls eine Gasdruckfeder eingesetzt werden. Diese stützt sich an einem
Widerlager an dem sich nach oben erstreckenden Schenkel ab. Der Kolben ist innerhalb
eines Hohlraumes in der Rückenlehne ausfahrbar angelenkt. Wenn das Ventil geöffnet
wird, wird hierüber eine Schubkraft auf die Rückenlehne ausgeübt,
die sich dann nach oben bewegt. Soll die Rückenlehne wieder die Normalposition
einnehmen, so wird ein Druck auf die Oberseite der Rückenlehne ausgeübt,
wodurch die Feder sich spannt und die Rückenlehne wieder in die untere Position
zurückgeführt wird.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand des in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels ergänzend erläutert.
In der Zeichnung zeigen:
1 einen schematischen Schnitt durch ein Polstermöbelelement,
das gemäß der Erfindung ausgestattet ist,
2 das in 1 dargestellte
Polstermöbelelement mit schräg gestellter Rückenlehne,
3 das in 2 dargestellte
Ausführungsbeispiel einer schräg gestellten Rückenlehne in einer
höhenverstellten Position und
4 ein weiteres Ausführungsbeispiel eines Polstermöbels.
In den 1 bis 3
ist ein Polstermöbelelement dargestellt, das ein Sitzelement 1 aufweist,
das innenseitig einen Rahmen besitzt und eine Kammer 9 zur Aufnahme des
Halteschenkels des L-förmigen Trägers 3, dessen zweiter Schenkel
4 sich nach oben erstreckt, und zwar in einen Hohlraum 5 der Rückenlehne
2, in der entsprechende Führungen vorgesehen sind.
Der L-förmige Träger 3 ist verschwenkbar um die
Achse 8 in der Kammer 9 gelagert. An der Verlängerung
11 des Halteschenkels 7 ist ein Drehgelenk 12 vorgesehen,
an dem der Kolben eines Gasdruckzylinders 13 befestigt ist, der mit seinem
anderen Ende an einem Widerlager 14 im Untergestell des Sitzelementes sich
befindet. Durch diese Ausgestaltung ist ersichtlich, dass die aufzuwendende Kraft
für die Erzeugung des Drehmomentes nicht allzu groß ist, um den L-förmigen
Träger aus seiner Stellung in eine Schrägstellung des nach oben gerichteten
Schenkels zu verbringen. Diese Position ist in 2 dargestellt.
Zusätzlich zu der gewünschten Schrägstellung der Rückenlehne
2 ist nun auch vorgesehen, dass die Rückenlehne in der Höhe verstellbar
ist. Dazu ist eine weitere Gasdruckfeder 6 in dem Hohlraum 5 eingesetzt.
Dieser hat ein Widerlager 15 an dem sich nach oben erstreckenden Schenkel
und ist mit dem Kolben an einem Gelenk 16 angekoppelt. Die Länge des
Hohlraumes 5 bestimmt die maximale Ausfahrlänge der Rückenlehne.
Die Rückenlehne kann also nach oben verschoben werden, was aus 3
ersichtlich ist. Darüber hinaus ist der L-förmige Träger in der schlitzförmigen
Ausnehmung 10 des Sitzelementes 1 seitlich geführt, so dass
auch bei seitlichen Belastungen ein Verschieben nicht möglich ist. In dem Sitzmöbel
können entweder ein L-förmiger Träger mittig oder auch zwei L-förmige
Träger seitlich versetzt angeordnet sein. Dies hängt jeweils von der Baugröße
und Ausführung des Polstermöbels ab.
In 4 ist ein weiteres Ausführungsbeispiel
im schematischen Schnitt dargestellt. Dieses zeigt ein Sitzelement 1 und
eine hinter dem Sitzpolster verlaufende, bis in den unteren Bereich des Sitzelementes
hinein ragende, Rückenlehne 2. Diese Rückenlehne 2 ist,
wie auch in den vorhergehenden Beispielen dargestellt, mit Gleitmitteln in einem
Hohlraum 5 an einem im Wesentlichen nach oben verlaufenden Schenkel
4 eines L-förmigen Trägers 3 geführt und wird mittels
eines Verstellmechanismus 6 wahlweise nach oben ausgefahren und kann durch
Druck auf die Oberseite wieder nach unten verschoben werden. Als Verstellmechanismus
kann beispielsweise ein Gasdruckzylinder verwendet werden, der an einem ortsfesten
Lager innerhalb des Hohlraumes 5 in der Rückenlehne 2 an
einem Stützlager 15 schwenkbeweglich befestigt ist und dessen Kolben
an einem Lager 16 angelenkt ist. Die Darstellung zeigt, dass der
nach oben sich erstreckende Schenkel 4 in einem stumpfen Winkel zum unteren
Schenkel 7 und der damit gekoppelten Verlängerung 11 angeordnet
ist. Dieser untere Horizontalschenkel ist ebenfalls verschwenkbar über die
Achse 8 in dem Sitzelement 1 gelagert, so dass aus der dargestellten
Position der L-förmige Träger in eine Neigungsposition verbracht werden
kann. Zu diesem Zweck ist eine Gasdruckfeder 13 vorgesehen, die an dem
Lager 14 an der Verlängerung 11 angebracht ist und sich mit
dem Kolben an einem Widerlager 12 in dem Sitzelement abstützt. Die
Gelenke bewirken, dass bei der Bewegungstransformation der longitudinalen Bewegung
des Zylinders in eine Schwenkbewegung des L-förmigen Trägers ein Ausgleich
erfolgt. Wenn der Kolben von der Gasdruckfeder 13 eingezogen wird, schwenkt
die Rückenlehne 2 automatisch nach hinten.
Die Erfindung ist, wie die Abbildungen zeigen, sowohl für Einzel-Sitzelemente
als auch mehrsitzige Elemente anwendbar, bei denen die Rückenlehne auf das
Sitzpolster aufgestellt ist. Die Rückenlehne kann auch hinter dem Sitzpolster
verlaufend angeordnet sein. Dies kann im Extremfall sogar zu einer Ausführung
führen, bei der die Rückenlehne hinter dem Sitzelement angebracht ist,
auch dann ist das Prinzip anwendbar.