Die vorliegende Erfindung betrifft eine bei variabler Temperatur härtbare
Zusammensetzung, das Verfahren zur Herstellung davon, ein Verfahren zum Härten
davon, ein gehärtetes reines Harz, ein Pre-preg, ein Composite und einen geformten
Artikel, und ein Verfahren zum Auswählen eines Temperatur-Zeit-Profils zum
Härten einer bei variabler Temperatur härtbaren Zusammensetzung. Insbesondere
betrifft die vorliegende Erfindung eine bei niedriger Temperatur oder eine bei variabler
Temperatur rasch-härtende härtbare Harzzusammensetzung, umfassend ein
reaktives Thermoplast-Harz und einen reaktiven Katalysator, das gehärtete Harz,
Pre-preg, Composite, geformte Produkt, und ein Verfahren zur Herstellung, zum Vor-Härten
und Nach-Härten davon, und ein Verfahren zum Auswählen eines Temperatur-Zeit-Profils
zum Härten einer bei variabler Temperatur härtbaren Zusammensetzung.
Für die Herstellung technischer Materialien (engineering grade
materials), wie etwa Composites und Adhäsive, gekennzeichnet durch anspruchsvolle
mechanische Eigenschaften, werden härtbare Harzzusammensetzungen, umfassend
eine Thermoplast-Komponente und eine wärmehärtbare Komponente in Kombination,
typischerweise in einem Autoklaven bei erhöhter Temperatur und erhöhtem
Druck, während eines ausreichenden Zeitraums gehärtet, um zu ermöglichen,
dass die Reaktion zu einer Zunahme von Molekulargewicht und Glasübergangstemperatur
(Tg) führt. Das Härten muss während eines ausreichenden Zeitraums
ausgeführt werden, damit sich diese und andere mechanische Eigenschaften entwickeln
können.
Es gibt zwei wichtige Möglichkeiten bei der Anwendung von Härten
bei niedriger Temperatur (LTC, low temperature curing), zuerst die Verwendung von
kostengünstigen Werkzeugmaterialien, welche ein geringes Gewicht aufweisen,
d.h. Ersetzen von Stahl durch Aluminium. Dies ist möglich, da LTC bedeutet,
dass Unterschiede der thermischen Ausdehnungskoeffizienten zwischen dem Composite
und Aluminium nicht so kritisch wie bei hoher Temperatur sind. Zweitens sind Toleranzen
im Hinblick auf kleinere Dimensionen erzielbar, was sehr wichtig für das Konstruieren
von Mehrkomponentenstrukturen hoher Qualität und für das Zusammenfügen
von Komponententeilen ist, wobei Spannungen vermieden werden, aber gutes Zusammenpassen
bereitgestellt wird.
Härten bei niedriger Temperatur erfordert jedoch verlängerte
(extended) Zeiträume zum Härten. In Fällen, in denen Härten
in einem Autoklav durchgeführt wird, oder bei der Produktion von gehärteten
Teilen bei einer hohen Turnover-Rate, können die verlängerten Zeiträume,
welche zum Härten erforderlich sind, nicht akzeptierbar sein. In einem solchen
Fall, kann es lediglich eine Frage des Erhöhens der Härttemperatur sein,
dies ist jedoch nicht in allen Fällen möglich, oder es ist mit einigen
Katalysatoren nicht wirksam.
Es besteht ein Bedarf an einer Thermoplast-Harz-enthaltenden Zusammensetzung,
welche bei niedrigen Temperaturen gehärtet werden kann. Eine Anzahl von Katalysatoren
zur Härtung bei niedriger Temperatur sind zweckmässig in anderen Systemen,
wie etwa Imidazol- und Harnstoff-basierte Härtungs-Katalysatoren bei niedriger
Temperatur. Jedoch wurde beim Testen dieser in der vorliegenden Zusammensetzung
gefunden, dass diese schlechtere Eigenschaften ergeben, und selbst bei verlängertem
Nach-Härten die Glasübergangstemperatur nicht ausreichend entwickelten.
Es besteht ebenfalls ein Bedarf an einem Katalysator, welcher für rasches Härten
wirksam ist.
Wir haben nun überraschend gefunden, dass eine Thermoplast-wärmehärtbare
Harz-enthaltende Zusammensetzung bereitgestellt werden kann, welche bei variablen
Temperaturen und während variabler Härtungszeiträume härtbar
ist und gehärtete Produkte mit akzeptierbaren Eigenschaften bereitstellt. Die
Zusammensetzung der Erfindung ist beispielsweise bei niedriger Temperatur härtbar,
bei welcher noch stärker überraschend gefunden wurde, dass das gehärtete
Produkt vergleichbare oder bessere Eigenschaften im Vergleich zu herkömmlichen
gehärteten Zusammensetzungen, aufweist. Darüberhinaus wurde gefunden,
dass die Verwendung der Härtung bei niedriger Temperatur in einem neuen Verfahren,
umfassend ein Vor-Härten und ein Nach-Härten zu weiteren Vorteilen im
Hinblick auf Processing und Eigenschaften führt. Wir haben darüberhinaus
gefunden, dass die Verwendung einer Härtung bei hoher Temperatur in einem einzigen
Schritt (stage) zu erwünschtem raschen Härten und erwünschtem Turnover
führt.
Gemäss einem breitesten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird
ein Verfahren zum Herstellen und Vor-Härten einer härtbaren Zusammensetzung
bereitgestellt, welche wenigstens eine polyaromatische Verbindung mit reaktiven
Endgruppen, wenigstens ein wärmehärtbares Harz und einen reaktiven Katalysator
umfasst, wobei der Katalysator eine Lewis-Säure mit Aminfunktionalität
umfasst, welche die reaktiven Endgruppen des Thermoplasten mit dem wärmehärtbaren
Harz bei einer Vor-Härtungs-Temperatur im Bereich von 60 bis 150°C koordiniert,
und wobei das wenigstens eine wärmehärtbare Harz ein Epoxy-Harz
ist, und
wobei die wenigstens eine polyaromatische Verbindung wenigstens ein Polyarylsulfon
umfasst, welches über Etherbindungen verknüpfte, sich wiederholende Einheiten
umfasst, und optional zusätzlich über Thioether-Bindungen verknüpfte,
sich wiederholende Einheiten umfasst, wobei die Einheiten ausgewählt sind aus
der Gruppe bestehend aus
-(PhSO2Ph)n
und optional zusätzlich
-(Ph)a
wobei Ph gleich Phenylen ist und n = 1 bis 2 ist und eine gebrochene Zahl sein kann,
a = 1 bis 3 ist und eine gebrochene Zahl sein kann, und wenn a über 1 ist,
die Phenylene linear durch eine einzelne chemische Bindung oder eine andere bivalente
Gruppe als -SO2- verbunden sind, oder sie miteinander verschmolzen sind,
vorausgesetzt, dass die sich wiederholende Einheit -(PhSO2Ph)n-
in dem wenigstens einen Polyarylsulfon immer in einem solchen Anteil vorliegt, dass
durchschnittlich wenigstens zwei der Einheiten -(PhSO2Ph)n-
in einer Sequenz in jeder Polymerkette vorhanden sind,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren umfasst:
Vermischen der entsprechenden reaktiven polyaromatischen Komponente und der wärmehärtbaren
Komponente wie hierin zuvor definiert, optional in Gegenwart von Lösungsmittel,
Entfernen von verbleibendem Lösungsmittel durch Verdampfung bei 50 bis 200°C
und anschliessend Zumischen des Katalysators und Vor-Härten in einem ersten
Schritt durch Erwärmen der Zusammensetzung in einem ersten Temperaturschritt
im Bereich von 60 bis 150°C unter Verwendung von erhöhtem Druck von bis
zu 10 bar, um Verformungseffekte entweichender Gase zu beschränken oder um
Hohlraumbildung zu beschränken.
Vorzugsweise umfasst das Verfahren zusätzlich Nach-Härten
in einem zweiten Schritt durch Erwärmen der vorgehärteten Zusammensetzung
auf eine Temperatur im Bereich von 150 bis 200°C bei atmospärischem Druck,
um die Glasübergangstemperatur des Produkts zu verbessern. Vorzugsweise handelt
es sich um ein solches Verfahren, bei welchem Nach-Härten ohne Verwendung eines
Autoklaven oder Formen oder Werkzeugen durchgeführt wird, welche bei der Vor-Härtungs-Reaktion
eingesetzt wurden.
Vorzugsweise hat der Katalysator die Formel:
LXn·R,
wobei LXn eine Lewis-Säure und R ein Amin ist. Vorzugsweise ist L ausgewählt
aus Gruppen IIb, IIIb, VIII des Periodensystems der Elemente, und X ist Halogen.
Bevorzugte Katalysatoren umfassen BF3, AlF3,
FeF3, ZnF2 als Lewis-Säure-Komponente und primäres
oder sekundäres aliphatisches oder aromatisches Amin, wie etwa Monoethylamin
(mea), Dimethylamin (dma), Benzylamin (bea) oder Piperidin.
Es wird angenommen, dass der Lewis-Säure-Katalysator als Komplex
oder als äquivalente Form vorliegt, welcher imstande ist die reaktiven Endgruppen
des Thermoplast-Harzes mit einem wärmehärtbaren Harz zu koordinieren.
Es wurde gefunden, dass die bestimmten Lewis-Säure-Komplexe der Erfindung sowohl
eine reaktive Funktion als auch eine moderierende (moderating) Funktion aufweisen,
wobei die Vor-Härtungs-Reaktion die erforderliche Selektivität aufweist.
Ohne an diese Theorie gebunden zu sein, wird angenommen, dass zwei mögliche
Reaktionen in der härtbaren Zusammensetzung ablaufen können – die
Reaktion zwischen reaktiven Gruppen der entsprechenden Thermoplasten und den wärmehärtbaren
Harz-Komponenten, und die Reaktion zwischen entsprechenden Gruppen von nur einem
von diesen, beispielsweise die Reaktion zwischen Amingruppe und einer Epoxy-Gruppe,
oder die Reaktion zwischen einer Epoxy-Gruppe und einer Hydroxyl-Gruppe, abgeleitet
von der ringöffnenden-Reaktion einer anderen Epoxy-Gruppe. Die Reaktion zwischen
Thermoplast und wärmehärtbarem Harz würde Kettenwachstum genannt
werden, während die Selbstreaktion, beispielsweise des wärmehärtbaren
Harzes einfach eine Mono-Phasenreaktion sein würde, in diesem Fall Veretherung.
Es wird angenommen, dass Kettenwachstum die katalytischen Reaktionen
in der Zusammensetzung der vorliegenden Erfindung dominiert und fördert die
Kettenverlängerungsreaktion zwischen Anteilen mit niedrigem Molekulargewicht
des Thermoplast-Polymers. Als Ergebnis käme ein kontrollierter Aufbau der Gesamtverteilung
des Molekulargewichts des Polymers heraus, was zu Phasentrennung führen würde.
Die Zusammensetzung kann zusätzliche Komponenten, welche auf
dem technischen Gebiet herkömmlich sind, umfassen. Vorzugsweise
umfasst die Zusammensetzung einen oder mehrere zusätzliche Katalysatoren oder
Härtungsmittel.
Das zusätzliche Härtungsmittel wird geeigneterweise aus
jeglichen bekannten Härtungsmitteln gewählt, beispielsweise wie in EP-A-0
311 349, EP-A-486 197 (EP-A-913 101 67.1), EP-A-0 365 168 oder in WO-A-95/33785
(PCT/GB95/01303) offenbart, wie etwa eine Aminoverbindung mit einem Molekulargewicht
von bis zu 500 pro Aminogruppe, beispielsweise ein aromatisches Amin oder ein Guanidin-Derivat.
Besondere Beispiele sind 3,3'- und 4-,4'-Diaminodiphenylsulfon (erhältlich
als "DDS" von kommerziellen Quellen), Methylendianilin,bis(4-amino-3,5-dimethylphenyl)-1,4-diisopropylbenzol
(erhältlich als EPON 1062 von Shell Chemical Co); Bis(4-aminophenyl)-1,4-diisopropylbenzol
(erhältlich als EPON 1061 von Shell Chemical Co); 4-Chlorophenyl-N,N-dimethylharnstoff,
z. B. Monuron; 3,4-Dichlorophenyl-N,N-dimethylharnstoff, z. B. Diuron und Dicyandiamid
(erhältlich als "Amicure CG 1200" von Pacific Anchor Chemical). Andere Standard-Epoxy-Härtungsmittel,
wie etwa aliphatische Diamine, Amide, Carbonsäureanhydride, Carbonsäuren
und Phenole können – falls gewünscht – verwendet werden.
Es wird beispielsweise in WO-A-99/43731 (PCT/GB99/00540) angegeben,
und wie in EP-A-0 311 349 oder in WO-A-95/33785 (PCT/GB95/01303) beschrieben, dass
für die Reaktion von Epoxy-Harz-Komponente/Härtungsmittel auch ein Katalysator,
typischerweise eine Lewis-Säure oder eine Lewis-Base, verwendet werden kann.
Die vorliegende Erfindung unterscheidet sowohl nach der Auswahl der Lewis-Säure,
eine moderierende Komplex-Funktion aufweisend, wie oben beschrieben, als auch nach
der Wahl von reaktiver polyaromatischer Komponente.
Vorzugsweise umfasst die polyaromatische Verbindung Polyethersulfon,
stärker bevorzugt eine Kombination aus Polyethersulfon und Polyethersulfon-verknüpften
sich wiederholenden Einheiten, in welchen die Phenylengruppe meta- oder para- ist
und vorzugsweise para ist, und wobei die Phenylene linear durch eine einzige chemische
Bindung oder eine bivalente Gruppe, die nicht Sulfon ist, verknüpft sind oder
miteinander verschmolzen (fused together) sind. Unter "gebrochene Zahl" wird der
Durchschnittswert für eine bestimmte Polymerkette verstanden, die Einheiten
mit verschiedenen Werten für n oder a enthält.
Zusätzlich sind – wie ebenfalls diskutiert – in
dem wenigstens einen Polyarylsulfon die relativen Anteile der sich wiederholenden
Einheiten derart, dass im Durchschnitt wenigstens zwei Einheiten (PhSO2Ph)n
in unmittelbar wechselseitiger Reihenfolge in jeder Polymerkette vorhanden sind,
und vorzugsweise im Bereich 1:99 bis 99:1, insbesondere 10:90 bis 90:10 entsprechend.
Das Verhältnis liegt typischerweise im Bereich 25 bis 50 (Ph)3,
Balance (PhSO2Ph)n. In bevorzugten Polyarylsulfonen sind die
Einheiten:
I X Ph SO2Ph X Ph SO2Ph ("PES") und
II X (Ph)a X Ph SO2Ph ("PES")
wobei X gleich O oder S ist und sich von Einheit zu Einheit unterscheiden kann;
das Verhältnis ist I zu II, vorzugsweise zwischen 10:90 und 80:20 liegt, insbesondere
zwischen 10:90 und 55:45.
Die bevorzugten relativen Anteile der sich wiederholenden Einheiten
des Polyarylsulfons können als Gewichtsprozent SO2-Gehalt, definiert
als hundert mal (Gewicht von SO2)/(Gewicht der durchschnittlichen sich
wiederholenden Einheit), ausgedrückt werden. Der bevorzugte SO2-Gehalt
ist wenigstens 22%, vorzugsweise 23% bis 25%. Wenn a = 1, entspricht dies dem PES/PEES-Verhältnis
von wenigstens 20:80, vorzugsweise im Bereich 35:65 bis 65:35.
Die obengenannten Anteile beziehen sich nur auf die genannten Einheiten.
Zusätzlich zu solchen Einheiten kann das Polyarylsulfon bis zu 50, insbesondere
bis zu 25 Mol-% anderer sich wiederholender Einheiten enthalten: die bevorzugten
Bereiche des SO2-Gehalts (falls verwendet) gelten dann für das gesamte
Polymer. Solche Einheiten können beispielsweise die Formel:
R-Ph-A-Ph-R
haben, wie hier zuvor definiert, in welcher A eine direkte Verknüpfung, Sauerstoff,
Schwefel, -CO- oder ein zweiwertiges Kohlenwasserstoffradikal ist. Wenn das Polyarylsulfon
das Produkt einer nukleophilen Synthese ist, können seine Einheiten beispielsweise
von einem oder mehreren Bisphenolen und/oder entsprechenden Bisthiolen oder Phenol-thiolen
abgeleitet werden, ausgewählt aus Hydrochinon, 4,4'-Dihydroxybiphenyl, Resorcinol,
Dihydroxynaphthalin (2,6 und andere Isomere), 4,4'-Dihydroxybenzophenon, 2,2'-Di-(4-hydroxyphenyl)propan
und -methan.
Wenn ein Bis-thiol verwendet wird, kann es in situ gebildet werden,
das heisst, ein Dihalid, wie beispielsweise weiter unten beschrieben, kann mit einem
Alkalisulfid oder einem Polysulfid oder Thiosulfat zur Reaktion gebracht werden.
Andere Beispiele für solche zusätzlichen Einheiten haben
die Formel:
-Ph-Q(Ar-Q')n-Ph
in welcher Q und Q', welche gleich oder verschieden sein können, CO oder SO2
sind; Ar ein zweiwertiges aromatisches Radikal ist; und n gleich 0, 1, 2 oder 3
ist, vorausgesetzt, dass n nicht Null ist, wenn Q gleich SO2 ist. Ar
ist vorzugsweise wenigstens ein zweiwertiges aromatisches Radikal, ausgewählt
aus Phenylen, Biphenylen oder Terphenylen. Besondere Einheiten haben die Formel:
-Ph-Q-[-(-Ph-)m-Q'-]n-Ph
wobei m gleich 1, 2 oder 3 ist. Wenn das Polymer das Produkt einer nukleophilen
Synthese ist, können solche Einheiten von einem oder mehreren Dihaliden abgeleitet
sein, beispielsweise ausgewählt aus 4,4'-Dihalobenzophenon, 4,4'-Bis(4-Chlorophenyl-sulfonyl)biphenyl,
1,4,Bis(4-halobenzoyl)benzol und 4,4'-Bis(4-halobenzoyl)biphenyl.
Sie können selbstverständlich teilweise von den entsprechenden
Bisphenolen abgeleitet sein.
Die polyaromatisch Verbindung kann das Produkt einer nukleophilen
Synthese von Halophenolen und/oder Halothiophenolen sein. In jeder nukleophilen
Synthese kann das Halogen, wenn es Chlor oder Brom ist, durch die Gegenwart eines
Kupferkatalysators aktiviert sein.
Eine solche Aktivierung ist häufig nicht erforderlich, wenn das
Halogen durch eine Elektronenabziehende Gruppe aktiviert ist. In jedem Fall ist
Fluorid für gewöhnlich stärker aktiv als Chlorid. Jede nukleophile
Synthese der polyaromatischen Verbindung wird vorzugsweise in Gegenwart eines oder
mehrerer Alkalimetallsalze, wie etwa KOH, NaOH oder K2CO3,
in bis zu 10% molarem Überschuss über der Stöchiometrie ausgeführt.
Wie zuvor erwähnt, enthält die wenigstens eine polyaromatische
Verbindung reaktive Endgruppen und/-oder Seitengruppen. Endgruppen können durch
eine Reaktion von Monomeren oder durch nachfolgende Umwandlung von Produktpolymeren
vor oder nach Isolierung erhalten werden. Vorzugsweise haben die Gruppen die Formel
-A'-Y, wobei A' eine zweiwertige Kohlenwasserstoffgruppe, vorzugsweise aromatisch
ist, und Y eine Gruppe ist, die mit Epoxidgruppen oder mit Härtungsmittel oder
mit ähnlichen Gruppen an anderen Polymermolekülen reaktionsfähig
ist. Beispiele für Y sind Gruppen, die aktiven Wasserstoff bereitstellen, insbesondere
OH, NH2, NHR' oder -SH, wobei R' eine Kohlenwasserstoffgruppe ist, enthaltend
bis zu 8 Kohlenstoffatome, oder eine andere Vernetzungsreaktivität bereitstellen,
insbesondere Epoxy, (Meth)acrylat, Cyanat, Isocyanat, Acetylen oder Ethylen, wie
in Vinyl, Allyl oder Maleimid, Anhydrid, Oxazolin und Monomeren, enthaltend eine
Sättigung. Bevorzugte Endgruppen umfassen Amin und Hydroxyl.
Das anzahlgemittelte Molekulargewicht der polyaromatischen Verbindung
liegt geeigneterweise im Bereich von 2 000 bis 60 000. Ein zweckmässiger Unterbereich
ist über 9 000, insbesondere über 10 000, beispielsweise 11 000 bis 25
000, oder ist unter 9 000, insbesondere im Bereich von 3 000 bis 11 000, beispielsweise
3 000 bis 9 000, [..] und strukturell, sowie durch chemische Wechselwirkung erhöht
Zähigkeit durch Vergleich mit der des wärmehärtbaren Harzes allein
durch Bereitstellen von Zonen des zähen Thermoplasten zwischen vernetzten wärmehärtbaren
Zonen.
Das wärmehärtbare Polymer ist vorzugsweise ein Epoxy-Harz,
welches abgeleitet ist von dem Mono- oder Poly-Glycidyl-Derivat von einer oder mehreren
der Gruppe von Verbindungen, bestehend aus aromatischen Diaminen, aromatischen monoprimären
Aminen, Aminophenolen, mehrwertigen Phenolen, mehrwertigen Alkoholen, Polycarbonsäuren
und dergleichen, oder einem Gemisch von diesen.
Vorzugsweise umfasst das wärmehärtbare Polymer wenigstens
einen Epoxy-Harz-Precursor, der bei Umgebungstemperatur flüssig ist, wie beispielsweise
in EP-A-0 311 349, EP-A-0 365 168, EP-A-486197 (EP-A-91310167.1) oder in WO-A-95/33785
(PCT/GB95/01303) offenbart.
Ein Epoxy-Harz kann ausgewählt werden aus N,N,N',N'-Tetraglycidyl-diaminodiphenylmethan
(z.B. "MY 9663", "MY 720" oder "MY 721", das von Ciba-Geigy vertrieben wird), mit
einer Viskosität von 10 bis 20 Pa s bei 50°C; (MY 721 ist eine Version
mit geringerer Viskosität als MY 720 und ist für höhere Verwendungstemperaturen
bestimmt); N,N,N',N'-Tetraglycidyl-bis-(4-aminophenyl)-1,4-diisopropylbenzol (z.B.
Epon 1071, vertrieben von Shell Chemical Co.), Viskosität 18 bis 22 Poise bei
110°C; N,N,N',N'-Tetraglycidyl-bis-(4-amino-3,5-dimethylphenyl)-1,4-diisopropylbenzol,
(z.B. Epon 1072, vertrieben von Shell Chemical Co.), Viskosität 30 bis 40 Poise
bei 110°C; Triglycidylether von p-Aminophenol (z.B. "MY 0510", vertrieben von
Ciba-Geigy), Viskosität 0,55 bis 0,85 Pa s bei 25°C; vorzugsweise mit
einer Viskosität von 8 bis 20 Pa s bei 25°C; vorzugsweise bildet dies
wenigstens 25% der verwendeten Epoxy-Komponenten; Diglycidylether von Materialien
auf der Basis von Bisphenol A, wie etwa 2,2-Bis(4,4'-dihydoxyphenyl)propan (z.B.
"DE R 661, vertrieben von Dow, oder "Epikote 828", vertrieben von Shell), und Novolak-Harze,
mit einer Viskosität von vorzugsweise 8 bis 20 Pa s bei 25°C; Glycidylether
von Phenol-Novolak-Harzen (z.B. "DEN 431" oder "DEN 438", vertrieben von Dow),
von welchen Variationen in der niederen Viskositätsklasse in der Herstellung
von Zusammensetzungen gemäss der Erfindung bevorzugt sind; Diglycidyl-1,2-phthalat,
z.B. GLY CEL A-100; Diglycidylderivat von Dihydroxydiphenylmethan (Bisphenol F),
(z.B. "PY 306", vertrieben von Ciba-Geigy), das zur niederen Viskositätsklasse
gehört. Andere Epoxy-Harz-Precursor umfassen cycloaliphatische Verbindungen,
wie etwa 3',4'-Epoxycyclohexyl-3,-4-epoxycyclohexancarboxylat (z.B. "CY 179", vertrieben
von Ciba Geigy) und jene im "Bakelit"-Bereich von Union Carbide Corporation.
Das wärmehärtbare Polymer ist geeigneterweise das Produkt
von wenigstens teilweisem Härten eines Harz-Precursors unter Verwendung eines
Härtungsmittels und optional eines Katalysators.
Der Gewichtsanteil von Thermoplast-Komponente in der Zusammensetzung
liegt typischerweise im Bereich von 5 bis 100%, vorzugsweise 5 bis 90%, insbesondere
5 bis 50%, beispielsweise 5 bis 40%. In einer besonders vorteilhaften Ausführungsform
der Erfindung kann der Gewichtsanteil von Thermoplast-Komponente im Bereich von
10 bis 30%, für eine gewünschte Haftmenge, in der endgültigen Zusammensetzung
ausgewählt werden.
Die entsprechenden Komponenten können in jeglichen Mengen vorhanden
sein, welche für die Reaktion davon geeignet sind. Vorzugsweise sind die wärmehärtbare
Komponente und die Thermoplast-Harz-Komponente in Mengen vorhanden, jeweils 15 bis
75 Gewichtsteile und in geeigneter Stöchiometrie.
Vorzugsweise sind das Thermoplast-Harz oder das Thermoplast-Harz und
die zusätzliche reaktive Amin-enthaltende Komponente (DDS) in einer Menge von
35 bis 55 Gewichtsteile, stärker bevorzugt 40 bis 50 Gewichtsteile vorhanden,
und die Epoxy-Komponente ist in einer Menge von 45 bis 75 Gewichtsteile, vorzugsweise
50 bis 60 Gewichtsteile vorhanden.
Der Lewis-Säure-Katalysator ist in einer katalytisch wirksamen
Menge im Bereich von 0,1 bis 5,0 Gewichtsteilen vorhanden, in Abhängigkeit
von der Wahl des Katalysators. Stärker bevorzugt ist der Katalysator in einer
Menge von 0,2 bis 3,0 Gewichtsteilen vorhanden.
Eine Harzzusammensetzung ist besonders geeignet zur Fabrikation von
Strukturen, umfassend tragende (loadbearing) oder schlagfeste (impact resistant)
Strukturen. Zu diesem Zweck kann sie ein Verstärkungsmittel, wie etwa Fasern
enthalten. Fasern können als kurze oder geschnittene (chopped) Fasern, typischerweise
mit einer mittleren Faserlänge von nicht mehr als 2 cm, beispielsweise etwa
6 mm, zugegeben werden. Alternativ und vorzugsweise sind die Fasern kontinuierlich
und können beispielsweise unidirektional-abgelegte Fasern oder ein Gewebe sein,
d.h., das Compositematerial umfasst ein Prepreg. Kombinationen aus sowohl kurzen
und/oder geschnittenen Fasern wie auch kontinuierlichen Fasern können verwendet
werden. Die Fasern können beschlichtet oder unbeschlichtet sein. Fasern können
typischerweise mit einer Konzentration von 5 bis 35 Gewichtsprozent, vorzugsweise
wenigstens 20 Gewichtsprozent zugegeben werden. Für strukturelle Anwendungen
ist bevorzugt, eine kontinuierliche Faser, beispielsweise Glas oder Carbon, mit
insbesondere 30 bis 70 Volumenprozent, stärker bevorzugt 50 bis 70 Volumenprozent
zu verwenden.
Die Faser kann organisch sein, insbesondere aus steifen Polymeren
sein, wie etwa Polyparaphenylenterephthalamid, oder anorganisch sein. Von anorganischen
Fasern können Glasfasern, wie etwa "E" oder "S" verwendet werden, oder Aluminiumoxid,
Zirkonoxid, Siliziumcarbid, andere Verbindungen Keramiken (compound ceramics) oder
Metalle. Eine sehr geeignete Verstärkungsfaser ist Kohlenstofffaser, insbesondere
als Graphitfaser. Graphitfasern, die sich als besonders zweckmässig in der
Erfindung erwiesen haben, sind jene, die von Amoco unter der Handelsbezeichnung
T650-35, T650-42 und T300 geliefert werden; jene, die von Toray unter der Handelsbezeichnung
T800-HB geliefert werden; und jene, die von Hercules unter der Handelsbezeichnung
AS4, AU4, IM8 und IM7 geliefert werden.
Organische Fasern oder Kohlenstofffasern sind vorzugsweise unbeschlichtet
oder mit einem Material beschlichtet, das mit der Zusammensetzung gemäss der
Erfindung in dem Sinne kompatibel ist, dass es in der flüssigen Precursor-Zusammensetzung
löslich ist, ohne nachteilige Reaktion oder Bindung sowohl an die Faser als
auch an die wärmehärtbare/thermoplastische Zusammensetzung gemäss
der Erfindung. Insbesondere Kohlenstoff- oder Graphitfasern, die unbeschlichtet
sind, oder mit einem Epoxy-Harz-Precursor oder einem Thermoplast, wie etwa Polyarylsulfon,
beschlichtet sind, sind bevorzugt. Anorganische Fasern sind vorzugsweise mit einem
Material beschlichtet, das sowohl an die Faser als auch an die Polymerzusammensetzung
bindet; Beispiele sind die Organo-Silan-Kupplungsmittel, die bei Glasfasern angewendet
werden.
Die Zusammensetzung kann beispielsweise herkömmliche Zähigkeit
verbessernde Mittel enthalten, wie etwa flüssige Gummen/Kautschuke
mit reaktiven Gruppen, Aggregate wie etwa Glasperlen, Gummi/Kautschukpartikel und
mit Gummi/Kautschuk beschichtete Glasperlen, Füllmittel, wie etwa Polytetrafluorethylen,
Silica, Graphit, Bornitrid, Mika, Talk und Vermiculit, Pigmente, Keimbildungsmittel
und Stabilisatoren wie etwa Phosphate. Die Gesamtheit solcher Materialien und eines
jeglichen Faserverstärkungsmittels in der Zusammensetzung sollte wenigstens
20 Volumenprozent betragen, als ein Prozentsatz des Gesamtvolumens des Gemischs
polyaromatische Verbindung/wärmehärtbares Harz. Die Prozentsätze
von Fasern und solcher anderer Materialien werden berechnet auf der Basis der gesamten
Zusammensetzung nach Härtung bei den hier weiter unten definierten Temperaturen.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren zur Herstellung
einer Zusammensetzung, wie hierin zuvor definiert, bereitgestellt, umfassend Vermischen
der entsprechenden polyaromatischen Komponente und der wärmehärtbaren
Komponente, wie hierin zuvor definiert, und anschliessend Zumischen des Katalysators.
Vorzugsweise wird die Zusammensetzung in der Form einer härtbaren
Harzzusammensetzung, wie hierin zuvor definiert, verwendet, hergestellt durch Vermischen
der polyaromatischen Verbindung, des wärmehärtbaren Precursors und (in
irgendeinem Schritt) irgendein Faserverstärkungsmittel und andere Materialien.
Ein Lösungsmittel kann vorhanden sein. Das Lösungsmittel und der Anteil
davon werden gewählt, so dass das Gemisch aus polyaromatischer Verbindung und
wärmehärtbarem Harz-Precursor wenigstens eine stabile Emulsion bilden,
vorzugsweise eine stabile, scheinbar einphasige Lösung. Das Gewichtsverhältnis
Lösungsmittel zu polyaromatische Verbindung liegt geeigneterweise im Bereich
von 5:1 bis 20:1. Vorzugsweise wird ein Gemisch von Lösungsmitteln verwendet,
beispielsweise eines aus einem halogenierten Kohlenwasserstoff und einem Alkohol,
in einem Verhältnis geeigneterweise im Bereich von 99:1 bis 85:15. Geeigneterweise
sollten die Lösungsmittel in einem solchen Gemisch unterhalb von 100°C
bei einem Druck von 1 atm sieden und sollten in den verwendeten Anteilen wechselseitig
mischbar sein. Als Alternativ können die polyaromatische Verbindung und das
wärmehärtbare Harz oder der Precursor durch Heissschmelzen und/oder Hochschermischen
(high shear mixing) zusammengebracht werden.
Das Gemisch wird gerührt, bis es ausreichend homogen ist. Danach
wird jegliches Lösungsmittel durch Verdampfung entfernt, um eine Harzzusammensetzung
zu erhalten. Verdampfung erfolgt geeigneterweise bei 50 bis 200°C, und wenigstens
am Ende (final stages) kann sie unterhalb von Atmosphärendruck erfolgen, beispielsweise
im Bereich von 13,33 Pa bis 1333 Pa (0,1 bis 10 mm Hg). Die Harzzusammensetzung
enthält vorzugsweise bis zu 5 Gewichtsprozent flüchtiges Lösungsmittel,
um Fliessen zu unterstützen, bei Verwendung um Fasern zu imprägnieren.
Das restliche Lösungsmittel wird bei Kontakt mit den warmen Walzen der Imprägniermaschine
entfernt.
Nach Entfernung von restlichem Lösungsmittel wird der reaktive
Katalysator eine kurze Zeit vor Giessen und Härten oder unmittelbar vor Giessen
und Härten zugegeben.
Die Harzzusammensetzung, welche möglicherweise bereits vorhandenes
oder neu-hinzugefügtes, flüchtiges Lösungsmittel enthält, kann
beispielsweise als ein Adhäsiv oder zur Beschichtung von Oberflächen oder
zum Herstellen fester Strukturen durch Giessen, möglicherweise in einem geschäumten
Zustand, verwendet werden. Eine Verstärkung auf der Basis kurzer Fasern kann
in die Zusammensetzung vor Härten davon eingearbeitet werden. Vorzugsweise
wird eine faserverstärkte Zusammensetzung hergestellt durch in Kontakt bringen
von im Wesentlichen kontinuierlicher Faser mit einer solchen Harzzusammensetzung.
Das resultierende imprägnierte Faserverstärkungsmittel kann allein oder
zusammen mit anderen Materialien, beispielsweise einer weiteren Menge desselben
Polymers oder eines anderen Polymers oder Harz-Precursors oder eines Gemisches,
verwendet werden, um einen geformten Artikel zu bilden. Diese Technik wird weiter
ausführlich in EP-A-56703, 102158 und 102159 beschrieben.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren zum Härten
einer härtbaren Zusammensetzung, wie hierin zuvor definiert, bereitgestellt.
Die härtbare Harzzusammensetzung der Erfindung kann auf bekannte
Weise gehärtet werden. Geeigneterweise wird die Zusammensetzung in Form einer
Harzlösung oder einer stabilen -emulsion, wie hierin zuvor beschrieben, auf
eine geeignete Form oder ein geeignetes Werkzeug zur Herstellung einer Platte, eines
Prepregs oder dergleichen, übertragen, wobei die Form oder das Werkzeug auf
eine gewünschte Entgasungs-Temperatur vorgewärmt wurden.
Die stabile Emulsion ist kombiniert mit jeglichen Verstärkungsmaterialien,
Zähigkeit verbessernden Materialien, Füllmaterialien,
Keimbildungsmaterialien oder -mitteln oder dergleichen, und die Temperatur wird
erhöht, um Härten zu initiieren.
Geeigneterweise wird Härten ausgeführt bei erhöhter
Temperatur bis zu 200°C, vorzugsweise im Bereich von 60 bis 200°C, stärker
bevorzugt bei etwa 70 bis 190°C, und unter Verwendung von erhöhtem Druck,
um Verformungseffekte entweichender Gase zu beschränken oder um Hohlraumbildung
zu beschränken, geeigneterweise bei einem Druck von bis zu 10 bar, vorzugsweise
im Bereich von 3 bis 7 bar abs. Geeigneterweise wird die Härt-Temperatur erreicht
durch Erwärmen auf bis zu 5°C/Min., beispielsweise 2°C bis 3°C/Min.
und wird gehalten während des erforderlichen Zeitraums von bis zu 18 Stunden,
vorzugsweise bis zu 9 Stunden, stärker bevorzugt bis zu 6 Stunden, beispielsweise
3 bis 4 Stunden. Druckentlastung findet immer statt und Temperaturreduktion erfolgt
durch Kühlen bei bis zu 5°C/Min., beispielsweise bis zu 3°C/Min.
Nach-Härtung bei Temperaturen im Bereich von 150°C bis 200°C kann
bei atmosphärischem Druck durchgeführt werden, unter Anwendung geeigneter
Wärmeraten, um die Glasübergangstemperatur des Produktes oder anderweitig
(otherwise) zu verbessern.
Härten kann in einem einzigen Schritt oder in zwei Schritten
erfolgen, in Abhängigkeit von der ausgewählten Härt-Temperatur und
den Erfordernissen von Verarbeitung (processing) und Produkt. Beispielsweise kann
Härten in einem Autoklaven während der gesamten Prozedur, oder nur während
des Vorhärtungs-Zeitraums durchgeführt werden. In einer ersten Ausführungsform
umfasst das Verfahren zum Härten einer Zusammensetzung, wie hierin zuvor definiert,
in einem einzelnen Schritt, Behandeln der Zusammensetzung mit erhöhter Temperatur
und erhöhtem Druck, während eines Zeitraums von über einer Stunde,
wobei die Temperatur im Bereich von 150 bis 200°C, vorzugsweise 170 bis 190°C
während eines Zeitraums im Bereich von 4 bis 7 Stunden, liegt.
In einer weiteren Ausführungsform umfasst das Verfahren zum Härten
einer Zusammensetzung, wie hierin zuvor definiert, Vor-Härten bei einer erhöhten
Temperatur und einem erhöhten Druck, während eines Zeitraums von über
einer Stunde, wobei die Vor-Härtungs-Temperatur im Bereich von 60 bis 150°C,
vorzugsweise 70 bis 145°C, stärker bevorzugt 80 bis 135°C liegt.
Die Vor-Härtung wird vorzugsweise durch anfängliches Verwenden
einer Zeit-Temperatur-Rampe (ramp) erzielt, was auf dem technischen Gebiet bekannt
ist, um eine gewünschte Vor-Härtungs-Temperatur zu erzielen.
Es wurde überraschend gefunden, dass unter diesen Bedingungen
der Vor-Härtung die Zusammensetzung selektiv reagiert, um Kettenverlängerungsreaktionen,
wie hierin zuvor beschrieben, zu fördern.
Die Vor-Härtung wird geeigneterweise während eines Zeitraums
von 1 bis 18 Stunden, vorzugsweise von 10 bis 18 Stunden, stärker bevorzugt
von 12 bis 5 Stunden ausgeführt.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird eine vorgehärtete
Zusammensetzung oder ein Prepreg eines polyaromatischen Thermoplasten und eines
wärmehärtbaren Harzes bereitgestellt, umfassend einen kettenverlängerten
Thermoplasten, wie hierin zuvor definiert, mit einem anzahlgemittelten Molekukargewicht
im Bereich von 3.000 bis 30.000, nicht-umgesetztes wärmehärtbares Harz,
wie hierin zuvor definiert, und einen Katalysator, wie hierin zuvor definiert, und
optional eine Verstärkung, wobei die gehärtete Zusammensetzung eine Glasübergangstemperatur
im Bereich von 50 bis 70°C aufweist, und wobei das nicht-umgesetzte wärmehärtbare
Harz in einer Menge von bis zu 50 Gewichtsteile, beispielsweise 30 bis 50 Gewichtsteile
vorhanden ist.
Die gehärtete Zusammensetzung ist überraschenderweise geeignet
zur Nach-Härtungs-Reaktion des verbleibenden wärmehärtbaren Harzes
in der Form einer Selbstreaktion (self reaction). Es wurde gefunden, dass bei einigen
herkömmlichen Zusammensetzungen, weiteres Härten nicht zu einer Verbesserung
der Eigenschaften des Materials führt.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren bereitgestellt
zum Nach-Härten eines vor-gehärteten Harzes oder Pre-pregs, wie hierin
zuvor definiert, bei einer erhöhten Temperatur, während eines Zeitraums
über eine Stunde, wobei die Temperatur im Bereich von 150 bis 200°C, vorzugsweise
170 bis 190°C liegt.
Nach-Härten kann bei Umgebungsdruck oder einem erhöhtem
Druck erfolgen und erfolgt vorzugsweise bei Umgebungsdruck oder bei leicht erhöhtem
Druck, was die Verwendung eines Autoklaven nicht erfordert.
Ohne sich auf eine Theorie festlegen zu wollen, wird angenommen, dass
der Katalysator während der Nach-Härtung Selbstreaktion fördert,
wie etwa eine Veretherungsreaktion, beispielsweise mit einem wärmehärtbaren
Epoxy-Harz, was die thermischen und Umwelteigenschaften des Harzes festlegt. Diese
können Compositematerialen mit herausragenden mechanischen Eigenschaften, eine
verbesserte Umweltbeständigkeit gegenüber den Materialien des Stands der
Technik und herausragende thermische Eigenschaften herstellen. Es ist besonders
überraschend, dass die Zusammensetzungen der Erfindungen für verschiedenene
Vor-Härtungs- und Nach-Härtungs-Reaktionen unter geeigneten Bedingungen
geeignet sind, wobei die entsprechenden Reaktionen bei jenen Bedingungen selektiv
sind und eine Produktarchitektur bereitstellen, die gut definiert ist, und gut kontrolliert
ist und mit spezifischen vorteilhaften Eigenschaften verbunden ist.
Die Nach-Härtungs-Reaktion wird ausgeführt unter Verwendung
einer herkömmlichen auf dem technischen Gebiet bekannten Zeit-Temperatur-Rampe
und beginnend bei einer Temperatur, welche den Tg-Wert (Tg = Glasübergangstemperatur)
der vor-gehärteten Zusammensetzung oder des Prepregs nicht überschreitet.
Die Nach-Härtung wird geeigneterweise während eines Zeitraums von 1 bis
8 Stunden, vorzugsweise 1 bis 5 Stunden, stärker bevorzugt von 1 bis 3 Stunden
ausgeführt.
Es wurde überraschend gefunden, dass die vorgehärtete Zusammensetzung
oder das Prepreg der Erfindung eine ausreichende dimensionelle Stabilität aufweist,
um Nach-Härten ohne Verwendung eines Autoklaven oder von Formen oder Werkzeugen,
welche in der Anfangsreaktion verwendet werden, zu ermöglichen. Dies führt
zu der Freiheit, Nach-Härten bei höheren Temperaturen durchzuführen,
ohne dass das Belegen von Autoklavenplatz während weiterer Zeiträume
erforderlich wäre und ohne die Notwendigkeit Formen oder Werkzeuge mit weiter
höheren Temperaturen zu behandeln.
Es ist ein besonderer Vorteil der Erfindung, dass Härtung bei
niedriger Temperatur die Verwendung von Werkzeugen und Formen für Composite
ermöglicht, welche ohne Weiteres und kostengünstig hergestellt werden
können, und geeignet sind den niedrigeren Härtungs-Temperaturen standzuhalten,
welche beim Vor-Härten verwendet wurden.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren zum Härten
einer härtbaren Zusammensetzung, wie hierin zuvor definiert, bereitgestellt,
wobei die Zusammensetzung in einem Compositewerkzeug oder einer -form in dem Vor-Härtungsschritt
geformt wird und anschliessend aus dem Werkzeug oder der Form zur Nach-Härtung
entfernt wird.
Eine weitere Methode umfasst das Bilden einer unvollständig gehärteten
Zusammensetzung zu einem Film, beispielsweise durch Formpressen, Extrudieren, Schmelzguss
oder Bandguss, Laminieren solcher Filme auf Faserverstärkungsmittel in der
Form von beispielsweise einer Vliesmatte aus relativ kurzen Fasern, eines gewebten
Tuchs oder im Wesentlichen kontinuierlicher Faser unter Temperatur- und Druckbedingungen,
die ausreichend sind, um das Gemisch fliessen zu lassen und die Fasern zu imprägnieren,
und das Härten des erhaltenen Laminats.
Lagen von imprägniertem Faserverstärkungsmittel, das insbesondere
durch die Methode von einem oder mehreren von EP-A-56703, 102158 und 102159 hergestellt
wurde, können durch Wärme und Druck zusammenlaminiert werden, beispielsweise
durch einen Autoklaven, durch Vakuum oder Formpressen oder durch erwärmte Walzen,
bei einer Temperatur über der Härtungs-Temperatur des wärmehärtbaren
Harzes, oder, wenn Härtung bereits stattgefunden hat, über der Glasübergangstemperatur
des Gemisches, geeigneterweise bei wenigstens 180°C und typischerweise bei
bis zu 200°C und bei einem Druck von insbesondere über 1 bar, vorzugsweise
im Bereich von 1 bis 10 bar.
Das erhaltene mehrlagige Laminat kann anisotrop sein, wobei die Fasern
kontinuierlich und unidirektional sind, im Wesentlichen parallel zueinander orientiert
sind, oder quasi-isotrop in jeder Lage sind, wobei die Fasern in einem Winkel, geeigneterweise
45°, wie bei den meisten quasi-isotropen Laminaten, aber möglicherweise
beispielsweise 30° oder 60° oder 90° oder dazwischen, zu jenen in
den darüber und darunter liegenden Lagen orientiert sind. Orientierungen zwischen
anisotrop und quasi-isotrop und eine Kombination aus Laminaten können verwendet
werden. Geeignete Laminate enthalten wenigstens 4, vorzugsweise wenigstens 8 Lagen.
Die Anzahl von Lagen hängt von der Anwendung für das Laminat ab, beispielsweise
der erforderlichen Festigkeit (strength), und Laminate, die 32 oder noch mehr, beispielsweise
mehrere hundert Lagen enthalten, können wünschenswert sein. las können
Aggregate, wie oben erwähnt, in interlaminaren Bereichen vorliegen. Gewebte
Stoffe sind ein Beispiel für quasi-isotrope oder zwischen anisotrop und quasi-isotrop.
Es wurde auch gefunden, dass die gehärteten Materialien eine
genau definierte kontinuierliche Morphologie aufweisen. Die Materialien
weisen auch aussergewöhnliche Bruchzähigkeitseigenschaften (fracture toughness)
auf (die sich auf Composite übertragen lasen). Diese Werte sind höher
als das herkömmliche bei hoher Temperatur gehärtete Material und werden
erreicht durch Verwendung geringerer Mengen Thermoplast, beispielsweise bis zu 15%
weniger Thermoplast. Ein weiteres überraschendes Merkmal sind Lösungsmittelbeständigkeits-Eigenschaften
der Materialien. In Dichlormethan bei Raumtemperatur eingetauchte (immersed) reine
Harzproben absorbieren weniger als 0,5% nach 100 Tagen. Das herkömmliche bei
hoher Temperatur gehärtete Harz würde mehr als 4% nach einem solchen Zeitraum
absorbiert haben.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird ein gehärtetes reines
Harz bereitgestellt, umfassend einen kettenverlängerten polyaromatischen, durch
Reaktion von reaktiven Endgruppen innerhalb eines wärmehärtbaren Netzwerkes
verankerten Thermoplasten, wobei das Harz einen Tg-Wert höher als 150°C,
beispielsweise im Bereich von 150 bis 185°C, stärker bevorzugt im Bereich
von 170 bis 185°C aufweist, wobei bis zu 100% der wärmshärtbaren
Komponente in der Reaktion verbraucht wird, beispielsweise 60 bis 90% verbraucht
wird.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren für
ein Design für einen Härtungszyklus, zum Härten einer Zusammensetzung,
wie hierin zuvor definiert, in einem einzelnen Härtschritt, oder in einem Vor-Härtschritt
und einem Nach-Härtschritt, bereitgestellt. Das Design für einen Härtungszyklus
kann ausgewählt werden unter Verwendung bekannter Prinzipien, welche in diesem
Fall für die Zusammensetzungen der Erfindung gelten, und welche durch eine
exponentielle Beziehung von Zeit und Temperatur dargestellt sind.
Tabelle – anschauliche Härtungszyklen
Das Verfahren für ein Design für einen Härtungszyklus
kann Gesichtspunkte umfassen, wie etwa die Gelzeit der Zusammensetzung, das Risiko
von Vakuum-Bag-Creep oder Bruch (rupture) bei Strukturen innerhalb des Autoklaven
während längerer Zeiträume, Autoklavenvorbereitungszeit, insbesondere
in Industrien, welche hohe Produktionsraten erfordern, und Autoklavenoptimierung
in Fällen, in denen das Autoklavieren verhindert, dass andere Komponenten gleichzeitig
autoklaviert werden.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird ein Composite bereitgestellt,
umfassend ein nachgehärtetes Pre-preg, wie hierin zuvor definiert. Das Composite
kann in der Form eines geformten Artikels bereitgestellt werden.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird die Verwendung eines Werkzeugs
oder einer -form aus einem Composite in einem Verfahren, wie hierin zuvor definiert,
bereitgestellt.
In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird die Verwendung einer Zusammensetzung,
eines gehärteten Harzes, eines Composites oder eines geformten Produktes, wie
hierin zuvor definiert, im Bereich der Luft- und Raumfahrt, Seefahrt oder Bauwirtschaft
als ein Composite oder Klebstoff (adhesive), oder bei der Herstellung eines Luft-,
Land- oder Wasserfahrzeugs, einem Gebäude oder kommerziellem Produkt oder einer Komponente
davon, bereitgestellt.
Die Erfindung wird nun, in nicht einschränkender Weise, unter
Bezugnahme auf die folgenden Beispiele veranschaulicht.
BEISPIEL 1 – HÄRTBARE ZUSAMMENSETZUNGEN
Die verwendeten Epoxy-Verbindungen waren die folgenden:
MY0510
– Trifunktionales Epoxy auf Aminophenol basierend
PY306
– ein difunktionales Epoxy auf Oligomeren von Bisphenol F basierend
Das hauptsächlich verwendete Härtungsmittel war 3,3'-Diaminodiphenylsulfon,
welches mit-gehärtet wurde mit einer Anzahl von LTC-Katalysatoren, diese waren
die folgenden:
BF3 (mea), BF3 (dma), BF3 (Benzylamin), BF3
(Piperidin) Diuron, Chlorotoluron, Fenuron, CA150
Curamid CN
DICY
Das Härtungsmittel ist kommerziell erhältlich als DDES (3,3'-Bis(diaminodiphenylether)sulfon.
Der Thermoplast, welcher zur Verbesserung der Zähigkeit des Systems verwendet
wurde, basiert auf einem Copolymer mit 40:60 PES:PEES – Copolymer mit primärem
Amin als Endgruppe, synthetisiert durch Umsetzen von 1 Mol DCDPS mit zwei Molen
m-Aminophenol unter Verwendung von Kaliumcarbonat als der Katalysator und Sulfolan
als das Reaktionslösungsmittel.
BEISPIEL 2 – HERSTELLUNG DER ZUSAMMENSETZUNGEN X99 + 0,5 BF3(dma)
Harzformulierungen wurden hergestellt durch Erwärmen der zwei
Epoxy-Verbindungen. Die Temperatur der Epoxy-Verbindungen durfte 60°C nicht
übersteigen. Das themoplastische Harz, zuvor in einer kleinen Menge Dichlormethan
aufgelöst, wurde danach zugegeben. Sobald die Harze erwärmt waren und
deren Viskosität reduziert war, wurde das Diaminodiphenylsulfon danach zugegeben.
Das Lösungsmittel wurde danach bei 60°C entfernt. Das DDS wurde durch
kräftiges Rühren dispergiert. Vor dem Vor-Härten wurde der Härtungs-Katalysator
bei niedriger Temperatur, BF3(dma), zugegeben und innerhalb des Harzes
sorgfältig dispergiert, was als reine Harzplatten in eine Form, unter Verdampfung
von Lösungsmittel, gegossen wurde. Die Proben wurden danach bei 85°C während
eines Zeitraums von 1 bis 18 Stunden gehärtet. Die Proben wurden danach durch
FTIR charakterisiert, um den verbleibenden Epoxidgehalt und die Menge gebildeten
Ethers in den Systemen zu bestimmen. Eine begrenzte Anzahl dieser Proben wurde danach
bei 175°C während eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtet. Um
die Temperaturfluktuation des nur Heizens des Ofens auf 175°C zu eliminieren,
wurde eine Rampen-Rate von 2°C pro Minute eingestellt, und verschiedene andere
Effekte bezogen auf die Rampenrate wurden untersucht.
BEISPIEL 2.1 – HERSTELLUNG DER PROBEN ZUR BESTIMMUNG VON Tg
(GLASÜBERGANGSTEMPERATUR)
Die für die FTIR-Untersuchung verwendeten Proben wurden auch
zur Bestimmung des Tg-Wertes (Glasübergangstemperatur) des entsprechenden Systems
verwendet. In einigen Fällen bedeutete dies die Verwendung von DSC (im Fall
von flüssigen oder weichen Materialien). In Fällen, in denen Testproben
bei Raumtemperatur hart (hard) waren, wurde Tortional-Rheometrie verwendet. Probemuster
wurden aus den FTIR-Proben ausgeschnitten, deren Abmessungen 5 cm Länge, 1
cm Breite und < 2 mm Dicke betrugen. In einigen Fällen wurde Dynamic-Mechanical-Thermal-Analysis
(DMTA) zur Bestimmung der Glasübergangstemperatur (Tg) des Materials verwendet.
BEISPIEL 2.2 -VERWENDETE FTIR-AUSSTATTUNG
Standard-FTIR-Ausstattung wurde verwendet, mit welcher man Spektren
überlappen lassen konnte und die Menge Ether und Epoxid aus der Peakintensität
berechnen konnte. Für die Ethergruppen wurde der Peak bei 1115 cm–1
bestimmt und für das Epoxid wurde der Peak bei 912 cm–1 bestimmt.
BEISPIEL 2.3 – MECHANISCHE EIGENSCHAFTEN DES REINEN HARZES
Ein Screen wurde mit einem reinen Harz ausgeführt, um eine Anzahl
mechanischer Eigenschaften zu bestimmen.
Reine Harzplatten (6'' × 4'' × 3 mm) wurden entsprechend
Beispiel 2 hergestellt.
BEISPIEL 2.4 – MORPHOLOGIE DES REINEN HARZES
Proben von unter 2.3 hergestellten Platten wurden durch TEM (transmission
electron microscopy) untersucht, um die Morphologie des entsprechenden Systems zu
bestimmen.
BEISPIEL 2.5 – LÖSUNGSAUFNAHME-EXPERIMENTE
Gehärtete Proben wurden als reine Harzscheiben mit einem Durchmesser
von etwa 2'' und einer Dicke von etwa 3 mm hergestellt. Die reinen Harzproben wurden
vor-getrocknet, vor Eintauchen (immersion) in Lösungsmittel bei 135°C
während eines Zeitraums von etwa 6 Stunden.
BEISPIEL 3.1 – HERSTELLUNG DES ZUSAMMENSETZUNGEN X99 + 0,5 BF3(mea)
Die Formulierungen wurden unter Verwendung der Methode von Beispiel
2 hergestellt.
BEISPIEL 3.1.1 – MECHANISCHE EIGENSCHAFTEN DES REINEN HARZES
Für die obige Formulierung wurden Platten mit 6'' × 4''
× 3 mm hergestellt durch Härten der Harzsysteme bei 85°C während
eines Zeitraums von 18 Stunden. Nach Kühlen wurden die Platten in einen frei
stehenden Umluftofen platziert: und bei 175°C während eines Zeitraums
von 2 Stunden gehärtet unter Verwendung einer Rampen-Rate von 2°C pro
Minute.
Die vollständig gehärteten Platten wurden danach ausgewertet
unter Verwendung der folgenden Tests;
Bruchzähigkeit (fracture toughness) (G1c)
Bruchfestigkeit (fracture strength) (K1c)
Modul (modulus)
Dehngrenze (tensile yield strength)
Duktilitätsfaktor (ductility factor)
Tabelle I gibt ausführlich die Ergebnisse der Bewertung der mechanischen Eigenschaften
des reinen Harzes an und umfasst die Ergebnisse eines herkömmlichen bei hoher
Temperatur gehärteten Systems. Tabelle I
* Bei 175°C während eines Zeitraums von 3 Stunden gehärtet (20%
Amin-endständiger Thermoplast)
** Bei 85°C während eines Zeitraums von 18 Stunden gehärtet und
bei 175°C während eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtet (20%
Amin-endständiger Thermoplast)
*** Bei 85°C während eines Zeitraums von 18 Stunden gehärtet
und bei 175°C während eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtet
(23% Amin-endständiger Thermoplast)
Wie aus Tabelle I ersichtlich ist, produzieren die herkömmlichen
bei hoher Temperatur gehärteten Systeme die Art von Brucheigenschaften von
reinem Harz, welche typisch für diese Menge (level) an Thermoplast sind. Wenn
jedoch dasselbe Material während eines Zeitraums von 18 Stunden bei 85°C
vor-gehärtet wird, und danach während eines Zeitraums von 2 Stunden bei
175°C nach-gehärtet wird, sind die Brucheigenschaften beträchtlich
geringer.
Wenn dasselbe Material bei 85°C wiederholt gehärtet wird
und danach bei 175°C nach-gehärtet wird, aber ein Katalysator (BF3(mea))
bei niedriger Temperatur eingearbeitet wird, nehmen die Brucheigenschaften zu und
das Material scheint tatsächlich eine höhere Zähigkeit aufzuweisen
als das herkömmliche HTC-System. Dies nimmt weiter zu, wenn zusätzlicher
Thermoplast zur Formulierung zugegeben wird.
BEISPIEL 3.1.2 MORPHOLOGIE DES REINEN HARZES (TRANSMISSIONSELEKTRONENMIKROSKOPIE)
– TEM
Anlage I enthält die TEM-Mikrographen für alle in Tabelle
I angegebenen Formulierungen.
Im Fall des X99** liegt kein sichtbarer Nachweis für eine Morphologie
einer getrennten Phase vor. Die Brucheigenschaften des reinen Harzes deuten darauf
hin, dass das System ein Zweiphasen-Trennungssystem eingegangen ist. Im Fall von
X99* ist die Grösse der Morphologie der getrennten Phase unterhalb der Detektionsgrenze
der TEM-Technik. Jedoch weisen die Brucheigenschaften des Materials tatsächlich
darauf hin, dass ein Zweiphasensystem vorliegt.
Bei Beobachtung X99** + 0,5 BF3(mea) und X99TB*** + 0,5 BF3(mea) kann
gesehen werden, dass in beiden Proben eine co-kontinuierliche Morphologie existiert.
BEISPIEL 3.1.3 FTIR
Proben wurden hergestellt, wie unter Beispiel 2 ausführlich beschrieben
und danach unter Verwendung von FTIR charakterisiert, um die Menge an verbleibendem
Epoxy und die produzierte Menge Ether zu bestimmen als Funktion der Zeit, wobei
die Ergebnisse davon in den folgenden Tabellen aufgeführt sind:
Tabelle II – X99 (Bei 85°C während eines Zeitraums
von x Stunden gehärtet)
Bei 175°C während eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtete
Proben von Tabelle II unter Verwendung einer Rampen-Rate von 2°C/Min.
Tabelle III – X99 (Bei 175°C während eines Zeitraums
von 3 Stunden gehärtet)
Tabelle IV – X99 + 0,5 BF3(mea) Bei 85°C gehärtet
als Funktion der Zeit.
Bei 175°C während eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtete
Proben von Tabelle IV unter Verwendung einer Rampen-Rate von 2°C/Min..
Die Proben wurden bei verschiedenen Temperaturen vorgehärtet
und die Ergebnisse werden in den I und II
gezeigt.
Als Hinweis auf eine Umsetzung wurden Isotherm-Sweep und Gelzeit bestimmt,
und die Ergebnisse werden in den IIIa und
IIIb gezeigt.
BEISPIEL 3.1.4 Glasübergangstemperaturen Tg von sowohl vor-gehärteten
als auch nach-gehärteten Systemen
Proben zur Bestimmung von Tg wurden hergestellt – wie unter
2.1 beschrieben – und wurden unter Verwendung von entweder DSC oder Tortional-Rheometrie
in Abhängigkeit von der physikalischen Natur der Testproben bestimmt.
Die HTC-Version von X99 wurde bei 175°C während eines Zeitraums
von 3 Stunden gehärtet und Tg davon wurde bestimmt unter Verwendung von [both]
Tortional-Rheometrie. Der Wert für die Tg lag im Bereich von 170°C bis
180°C – durch DMTA, und 170°C bis 180°C, unter Verwendung
des Wertes für G', durch Tortional Rheometrie-Methoden (tortional rheometrics).
X99 und X99 + 0,5 BF3(mea) wurden vor-gehärtet bei 85°C
als Funktion der Zeit und Tg-Daten wurden gesammelt. Diese Proben wurden auch bei
175°C während eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtet unter Verwendung
einer Rampen-Rate von 2°C/Min. Tabelle V enthält die Tg-Daten für
sowohl die vor-gehärteten als auch die nach-gehärteten Testproben.
Tabelle V
[...] wurde vor-gehärtet bei 85°C als Funktion der Zeit
und Tg-Daten wurden gesammelt. Diese Proben wurden auch bei 175°C während
eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtet unter Verwendung einer Rampen-Rate
von 2°C/Min.
Wie aus der obigen Tabelle ersichtlich ist, hatte die Zugabe des 0,5
BF3(mea) einen signifikanten Effekt auf die Tg des vor-gehärteten Systems und
hatte auch einen geringen Effekt auf die Tg des nach-gehärteten Systems, welche
immer noch im Bereich von 175°C liegt, wie für das HTC-gehärtete
System beobachtet wurde.
Proben wurden auch vor-gehärtet in einem Bereich von Temperaturen
als Funktion der Zeit und Tg-Daten gesammelt. Die Ergebnisse werden in Tabelle VI
gezeigt.
IV zeigt Ergebnisse für Dichlormethan bei 25°C
– X99 + 0,6 BF3(mea).
IV umfasst auch die Ergebnisse hinsichtlich der Lösungsmittelaufnahme
für das bei 175°C während eines Zeitraums von 3 Stunden gehärtete
X99-System. Wie aus den in dieser Figur gezeigten Ergebnissen ersichtlich ist, produzierten
die Zugabe des BF3(mea) und die Inklusion des vor-gehärteten Systems (hold)
eine nach-gehärtete Harzprobe, welche eine aussergewöhnliche Beständigkeit
(resistance) gegenüber Dichlormethan bei 25°C aufweist.
V zeigt Ergebnisse für Wasser bei 25°C –
X99 + 0,5 BF3(mea).
In ähnlicher Weise zeigt VI Ergebnisse
für Methyl-Ethyl-Keton (MEK) bei 25°C – X99 + 0,5 BF3(mea).
Die Lösungsmittelaufnahme bei allen drei Lösungsmitteln
war für das – X99TB + 0,5 BF3(mea) identisch. Lösungsmittelaufnahme
wurde auch mit Dichlormethan, Methylethylketon und Wasser für Scheiben (discs)
und Prepregs untersucht, umfassend verschiedene Prepreg-Lay-Ups: [0]16, [(0,90)4]s,
[(+45,0, –45,90)2]s und mit kommerziellen Härtungssystemen bei niedriger
Temperatur unter Verwendung eines Curimid-Katalysators verglichen. Es wurde gefunden,
dass die Erfindung in allen Fällen eine geringere Lösungsmittelaufnahme
zeigt und zusätzlich Beständigkeit gegenüber MEK zeigt, welches scheinbar
das Curimid-Vergleichssystem chemisch angreift.
BEIPIEL 3.2 – HERSTELLUNG DER ZUSAMMENSETZUNGEN X99 + alternative
Bortrifluorid-Katalysatoren
Die in Betracht gezogenen alternativen BF3-Katalysatoren waren die
folgenden;
BF3(dma)
BF3(bea)
BF3(pip)
BEISPIEL 3.2.1 – Mechanische Eigenschaften der reinen Harze
Unter Verwendung der Methode von Beispiel 2 wurden vollständig
gehärtete Platten (panels) bewertet unter Verwendung der in Beispiel 3.1.1.
angegebenen Tests; Tabelle VII gibt die Ergebnisse der Bewertung der mechanischen
Eigenschaften des reinen Harzes an und umfasst auch die Ergebnisse von Beispiel
3.1.1. und auch die eines herkömmlich bei hoher Temperatur gehärteten
Systems. Tabelle VII
* Bei 175°C während eines Zeitraums von 3 Stunden gehärtet (20%
Amin-endständiger Thermoplast)
** Bei 85°C während eines Zeitraums von 18 Stunden gehärtet und
bei 175°C während eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtet (20%
Amin-endständiger Thermoplast)
Wie aus der obigen Tabelle ersichtlich ist, sind im Fall aller drei
verschiedenen BF3-Katalysatortypen die Brucheigenschaften des reinen Harzes gleich.
Es wurden auch Tests durchgeführt, welche die nach-gehärteten
Systeme der Erfindung mit unterschiedlichen Mengen Thermoplast, von bis zu 35 Gewichtsprozent,
vergleichen. Es wurde gefunden, dass Zähigkeit (toughness) bei einer höheren
Rate über 15 Gewichtsprozent Thermoplast zunimmt, und dies weist darauf hin,
dass ein Umsetzungseffekt mit dem Katalysator stattfindet, zusätzlich zur erwarteten
Zunahme aufgrund des zusätzlichen Zähigkeitverbessernden Thermoplasten.
Es wurde gefunden, dass bei dieser Menge sich die Zähigkeitsverbesserung auch
als besser als in herkömmlichen Härtungssystemen bei hoher Temperatur
erweist.
BEISPIEL 3.2.2. Morphologie des reinen Harzes (Transmissionselektronenmikroskopie)
– TEM
Anhang 6 enthält die TEM-Micrographen für alle in Tabelle
VII einzeln aufgeführten Formulierungen. Beim Beobachten von X99** + 0,5 BF3(mea),
X99** + 0,5 BF3(dma) und BF3(pip) kann man sehen, dass in allen drei Proben eine
co-kontinuierliche Morphologie existiert.
BEISPIEL 3.2.3 FTIR
Proben wurden hergestellt wie ausführlich in Beispiel 2 beschrieben
und danach unter Verwendung von FTIR charakterisiert, um die Menge von verbleibendem
Epoxy und die Menge von produziertem Ether als Funktion der Zeit zu bestimmen, wobei
die Ergebnisse davon in den folgenden Tabellen angegeben sind.
Tabelle VIII – X99 + 0,5 BF3(dma) (Bei 85°C während
eines Zeitraums von x Stunden gehärtet)
Tabelle IX – X99 + 0,5 BF3(bea) (Bei 85°C während
eines Zeitraums von x Stunden gehärtet)
BEISPIEL 3.2.4 Tg-Daten von sowohl vor-gehärteten als auch nach-gehärteten
Systemen
Proben zur Bestimmung von Tg wurden hergestellt – wie unter
2.1 beschrieben – und wurden unter Verwendung von entweder DSC oder Tortional-Rheometrie
in Abhängigkeit von der physikalischen Natur der Testproben bestimmt.
VIII stellt die Tg-Werte der vor-gehärteten Systeme
dar, unter Verwendung der Bortrifluorid-Katalysatoren zur Härtung von X99.
Die Tg-Werte sind als Funktion der Vor-Härtungs-Zeit in Stunden dargestellt.
Wie aus VIII ersichtlich ist, produzieren
nach etwa 12 Stunden alle der BF3-basierten Katalysatoren Tg-Werte der vorgehärteten
Systeme über 60°C.
IX stellt die Tg-Werte der nach-gehärteten Systeme
der in VIII beschriebenen Materialien dar. Wie aus
dieser Figur ersichtlich ist, produziert jeder der BF3-Systeme aufgrund der Nach-Härtung
Tg-Werte über 170°C.
VERGLEICHSBEISPIEL 3.3 – HERSTELLUNG VON ZUSAMMENSETZUNGENMit Curamid CN (Imidazol) gehärtetes X99BEISPIEL 3.3.1 – Mechanische Eigenschaften der reinen Harze
Unter Verwendung der Methode von Beispiel 2 wurden vollständig
gehärtete Platten bewertet unter Verwendung der in Beispiel 3.1.1. angegebenen
Tests; Tabelle X gibt die Ergebnisse der Bewertung der mechanischen Eigenschaften
des reinen Harzes an und umfasst auch die Ergebnisse von Beispiel 3.1.1. und die
eines herkömmlich bei hoher Temperatur gehärteten Systems. Tabelle X
* Bei 175°C während eines Zeitraums von 3 Stunden gehärtet (20%
Amin-endständiges KM180)
** Bei 85°C während eines Zeitraums von 18 Stunden gehärtet und
bei 175°C während eines Zeitraums von 2 Stunden nach-gehärtet (20%
Amin-endständiges KM180)
Die Ergebnisse der obigen Tabelle zeigen, dass die Zugabe des Curamid
CN zu einer Verbesserung der Zähigkeit des LTC-X99-Systems führt, welche
jedoch immer noch nur halb so gross wie die des mit 0,55 BF3(mea) gehärteten
X99-Systems ist.
3.3.2 Morphologie von mit Curamid CN gehärtetem X99
Der TEM-Mikrograph in Anhang 7 zeigt deutlich, dass es unter Verwendung
dieser bestimmten Technik, einen sichtbaren Hinweis auf ein Zweiphasensystem gibt,
welches verschieden von dem ist, welches für das mit einer der beschriebenen
BF3-Lewis-Säuren gehärteten X99-System beobachtet worden ist.
BEISPIEL 3.3.3 FTIR
Proben wurden hergestellt wie ausführlich in Beispiel 2 beschrieben
und danach unter Verwendung von FTIR charakterisiert, um die Menge von verbleibendem
Epoxy und die Menge von produziertem Ether, als Funktion der Zeit zu bestimmen,
wobei die Ergebnisse davon in den folgenden Tabellen angegeben sind.
Tabelle XI – X99 + 0,5 Curamid CN (Bei 85°C während
eines Zeitraums von x Stunden gehärtet)
Tabelle XII – X99 + 1,0 Curamid CN (Bei 85°C während
eines Zeitraums von x Stunden gehärtet)
Der unmittelbare Unterschied zwischen den Daten in den beiden Tabellen
oben, verglichen mit den Daten in den Tabellen II, III, VIII und IX (X99 mit BF3-basierten
Katalysatoren gehärtet) liegt in der Menge an Ether, welche produziert wird.
Diese ist fast doppelt so hoch in dem Curamid-System. Das Auftreten grösserer
Mengen von Ether weist darauf hin, dass die Epoxy-Baugruppen mit einander reagiert
haben. Dies führt zu einer hohen Vernetzung (crosslinked network).
Die X und XI
zeigen die Menge des Verbrauchs von Epoxid und die Menge von Ether – generiert
aus den Daten in Tabelle XI beziehungsweise Tabelle XII.
X zeigt Ergebnisse für den Verbrauch von Epoxid
als Funktion der Zeit bei 85°C.
XI zeigt Ergebnisse für die Bildung von Ether
als Funktion der Zeit bei 85°C.
BEISPIEL 3.3.4 Tg-Daten von sowohl vor-gehärteten als auch nach-gehärteten
Systemen
Proben zur Bestimmung von Tg wurden hergestellt – wie unter
2.3 beschrieben – und wurden unter Verwendung von entweder DSC oder Tortional-Rheometrie
in Abhängigkeit von der physikalischen Natur der Testproben bestimmt.
Tabelle VIII stellt die Tg-Werte der vor-gehärteten Systeme für
das mit 0,5 und 1,0 pbw Curamid CN gehärteten X99-Systems dar.
Tabelle XIV stellt die Tg-Werte der nach-gehärteten Systeme für
das mit 0,5 und 1,0 pbw Curamid CN gehärteten X99-Systems dar.
Wie aus den beiden Tabellen oben ersichtlich ist, führen beide
Mengen Curamid CN zu Tg-Werten der vor-gehärteten Systeme über 30°C.
Jedoch steigen die Tg-Werte ihrer nach-gehärteten Systeme nicht über 160°C.
Der mögliche Grund dafür liegt darin, dass die Imidazole über Veretherungsreaktionen
reagieren, d.h. ohne Aminverbrauch und Kettenwachstum und daher sehr starke Vernetzungen
(crosslinked networks) produzieren. Wenn dies unter den Bedingungen der Vor-Härtung
auftritt, wird das System rasch sehr unbeweglich, und ist buchstäblich „eingefroren"
im Hinblick auf weitere chemische Reaktionen. Während das System nach-härtet,
dauert der „eingefrorene" Zustand an und verhindert so einen nur minimalen
Anstieg des Tg-Wertes. Dies ist das genaue Gegenteil von dem, was im Fall von BF3(mea)
gefunden wurde, wo Vor-Härten zu einem Tg-Wert über 50°C führt,
jedoch mit der Minimalmenge an Veretherung. Aufgrund von Nach-Härtung ist es
immer noch verhältnismässig beweglich (mobile) und kann weiterreagieren
um viel höhere Tg-Werte des nach-gehärteten Systems zu liefern.
BEISPIEL 3.4 VERGLEICHSBEISPIEL – ALTERNATIVE KATALYSATOREN FÜR
CURAMID CN
Eine Reihe Imidazol- und Harnstoff-basierter Katalysatoren bei niedriger
Temperatur wurden verglichen, um zu sehen, ob sie sich wie der Curamid CN-Katalysator
oder wie die Bortrifluorid-Katalysatoren verhielten.
Die ausgewählten Katalysatoren waren die folgenden:
Die alternativen Katalysatoren wurden zuerst durch FTIR untersucht, um die Rate
an Verbrauch von Epoxid und die Bildung von Ether festzustellen.
Das FTIR zeigte, dass jeder der Harnstoff-basierten Katalysatoren
sich genau gleich wie die Imidazol-Katalysatoren verhalten, und zwar darin, dass
sie bei niedrigen Temperaturen sehr rasch reagieren, um Epoxid zu verbrauchen, jedoch
deren Mechanismus dabei so ist, dass Veretherung erzeugt wird. Dies führt zu
einer starken Vernetzung, unter Vor-Härtungs-Bedingungen und führt zu
einer schlechten Übersetzung hoher Tg-Werte während Nach-Härtung.
Diese Bemerkungen werden bestätigt durch den folgenden Datensatz,
abgeleitet von der Härtung von X99 mit den obigen alternativen Harnstoff-basierten
Katalysatoren.
Tg-Werte des vor-gehärteten Systems des X99-Systems, gehärtet
mit Diuron, Chlorotoluron, Fenuron und CA150.
XII zeigt Ergebnisse für Tg-Werte der vor-gehärteten
Systeme als Funktion der Zeit bei 85°C.
Ähnlich zeigt XIII Ergebnisse für
Tg-Werte der nach-gehärteten Systeme der obigen vor-gehärteten Systeme.
BEISPIEL 4 – HERSTELLUNG VON HARZ FÜR HEISSSCHMELZIMPRÄGNIERUNG
Die Epoxyharze MY0510 und Rutapox 0158 wurden zusammengemischt und
erwärmt. Als die Harztemperatur 100 bis 110°C erreichte, wurde mit einer
langsamen, portionsweisen Zugabe von Thermoplast-Polymer von Beispiel 2 begonnen,
unter kräftigem Bewegen, um Klumpenbildung zu verhindern. Das Erwärmen
des Gemisches wurde unter Rühren fortgesetzt bis 130 bis 135°C, bis alles
Polymer aufgelöst war, etwa 30 bis 45 Minuten lang. Das Gemisch wurde danach
auf 75°C gekühlt und der LTC-Katalysator, BF3·mea wurde
portionsweise unter wirksamem Rühren zugegeben. Mischen wurde ein paar weitere
Minuten lang fortgesetzt bis der Katalysator aufgelöst war. Vorgesiebtes 3,3'-DDS
wurde portionsweise unter Mischen 5 bis 10 Minuten lang zugegeben, bis das Harz
homogen war. Das Harz wurde vom Gemisch getrennt (drained), sofort auf Abkühlplatten
gekühlt und in einem Gefrierschrank bei – 18°C aufbewahrt.
Die Epoxy-Harz-Precursor umfassten 0,05% eines Silikonöl-Entschäumer/Luftfreisetzungsmittel,
wie etwa Foamkill.
Das Harz war geeignet für Heissschmelzimprägnierung zur
Bildung von Composites, welche getestet wurden und wobei gefunden wurde, dass sie
äquivalente Eigenschaften oder bessere Eigenschaften als jene, welche herkömmliche
Katalysatoren verwenden, aufweisen.
Anspruch[de]
Verfahren zum Herstellen und Vor-Härten einer härtbaren Zusammensetzung,
welche wenigstens eine polyaromatische Verbindung mit reaktiven Endgruppen, wenigstens
ein wärmehärtbares Harz und einen reaktiven Katalysator umfasst, wobei
der Katalysator eine Lewis-Säure mit Aminfunktionalität umfasst, welche
die reaktiven Endgruppen des Thermoplasten mit dem wärmehärtbaren Harz
bei einer Vor-Härtungs-Temperatur im Bereich von 60 bis 150°C koordiniert,
und
wobei das wenigstens eine wärmehärtbare Harz ein Epoxy-Harz ist und
wobei die wenigstens eine polyaromatische Verbindung wenigstens ein Polyarylsulfon
umfasst, welches über Etherbindungen verknüpfte, sich wiederholende Einheiten
umfasst, und optional zusätzlich über Thioether-Bindungen verknüpfte,
sich wiederholende Einheiten umfasst, wobei die Einheiten ausgewählt sind aus
der Gruppe bestehend aus
-(PhSO2Ph)n
und optional zusätzlich -(Ph)a
wobei Ph Phenylen ist und n = 1 bis 2 ist und eine gebrochene Zahl sein kann; a
= 1 bis 3 ist und eine gebrochene Zahl sein kann, und wenn a über 1 ist, die
Phenylene linear durch eine einzelne chemische Bindung oder eine andere bivalente
Gruppe als -SO2- verbunden sind, oder sie miteinander verschmolzen sind,
vorausgesetzt, dass die sich wiederholende Einheit -(PhSO2Ph)n-
in dem wenigstens einen Polyarylsulfon immer in einem solchen Anteil vorliegt, dass
durchschnittlich mindestens zwei der Einheiten -(PhSO2Ph)n-
in einer Sequenz in jeder Polymerkette vorhanden sind,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren umfasst:
Vermischen der reaktiven polyaromatischen Komponente und der wärmehärtbaren
Komponente wie hierin zuvor definiert, optional in Gegenwart von Lösungsmittel,
Entfernen von verbleibendem Lösungsmittel durch Verdampfung bei 50 bis 200°C
und anschließend Zumischen des Katalysators und Vor-Härten in einem ersten
Schritt durch Erwärmen der Zusammensetzung in einem ersten Temperaturschritt
im Bereich von 60 bis 150°C unter Verwendung von erhöhtem Druck von bis
zu 10 bar, um Verformungseffekte entweichender Gase zu beschränken oder um
Hohlraumbildung zu beschränken.Verfahren gemäß Anspruch 1, zusätzlich umfassend Nach-Härten
in einem zweiten Schritt durch Erwärmen der vorgehärteten Zusammensetzung
auf eine Temperatur im Bereich von 150 bis 200°C bei atmospärischem Druck,
um die Glasübergangstemperatur des Produkts zu verbessern.Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, wobei Nach-Härten
ohne Verwendung eines Autoklaven oder Formen oder Werkzeuge durchgeführt wird,
welche bei der Vor-Härtungs-Reaktion eingesetzt wurden.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei der
Katalysator die Formel:
LXn·R
hat, wobei LXn eines Lewis-Säure und R ein Amin ist, und wobei L ausgewählt
ist aus Gruppen IIb, IIIb, VIII des Periodensystems des Elemente, und X Halogen
ist.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei der
Katalysator ausgewählt ist aus BF3, AlF3, FeF3, ZnF2
als Lewis-Säure-Komponente und primärem oder sekundärem aliphatischem
oder aromatischem Amin, wie etwa Monoethylamin (mea), Dimethylamin (dma), Benzylamin
(bea) oder Piperidin.Verfahren gemäß Anspruch 5, wobei der Katalysator BF3·Monoethylamin
umfasst.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6, welches
ein zusätzliches Härtungsmittel umfasst, welches ausgewählt ist aus
einer Aminoverbindung mit einem Molekulargewicht von bis zu 500 pro Aminogruppe,
zum Beispiel ein aromatisches Amin oder ein Guanidinderivat, wie etwa 3,3'- und
4,4'-Diaminodiphenylsulfon, Methylendianilin, Bis(4-amino-3,5-dimethylphenyl)-1,4-diisopropylbenzol,
Bis(4-aminophenyl)-1,4-diisopropylbenzol, 4-Chlorphenyl-N,N-dimethylharnstoff, 3,4-Dichlorphenyl-N,N-dimethylharnstoff
und Dicyandiamid.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei die
wenigstens eine polyaromatische Verbindung sich wiederholende Einheiten der Formel
-R-Ph-A-Ph-R
umfasst, wobei
jedes A unabhängig ausgewählt ist aus einer direkten Bindung, 502,
Sauerstoff, Schwefel, -CO- oder einem bivalenten Kohlenwasserstoffradikal;
R ein oder mehrere Substituenten der aromatischen Ringe ist/sind, und jedes unabhängig
ausgewählt ist aus Wasserstoff, C1-8 verzweigten oder geradkettigen,
aliphatischen, gesättigten oder ungesättigten aliphatischen Gruppen oder
Baugruppen, welche optional ein oder mehrere Heteroatome umfassen, welche ausgewählt
sind aus O, S, N oder Halogen, zum Beispiel Cl oder F; und Gruppen, welche aktiven
Wasserstoff zur Verfügung stellen, insbesondere OH, NH2, NHR- oder
-SH, wobei R- eine Kohlenwasserstoffgruppe ist, welche bis zu acht Kohlenstoffatome
enthält, oder welche eine andere vernetzende Aktivität bereitstellt, insbesondere
Epoxy, (Meth)acrylat, Cyanat, Isocyanat, Acetylen oder Ethylen, wie in Vinyl, Allyl,
oder Maleimid, Anhydrid, Oxazolin und Monomeren, welche Sättigung enthalten,
und
wobei die wenigstens eine polyaromatische Verbindung reaktive Seiten- und/oder Endgruppen
enthält.Verfahren gemäß Anspruch 8, wobei reaktive Endgruppen NH2
oder NHR Aminendgruppen sind.Verfahren gemäß Anspruch 8, in welchem die Einheiten sind:
I X Ph SO2 Ph X Ph SO2 Ph ("PES") und
II X (Ph)a X Ph SO2 Ph ("PEES") wobei X gleich O oder S ist und sich von Einheit zu Einheit unterscheiden
kann; und wobei das Verhältnis I zu II vorzugsweise zwischen 10:90 und 80:20
liegt, insbesondere zwischen 10:90 und 55:45.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 8 bis 10, wobei das
Poyarylsulfon bis zu 50 Mol%, insbesondere bis zu 25 Mol% anderer sich wiederholender
Einheiten enthalten kann.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 11, wobei das
anzahlgemittelte Molekulargewicht der polyaromatischen Verbindung im Bereich von
2000 bis 60000 liegt.Verfahren gemäß Anspruch 12, wobei das wenigstens eine wärmehärtbare
Epoxy-Harz ein Epoxy-Harz ist, welches abgeleitet ist von dem Mono- oder Poly-Glycidyl-Derivat
von einer oder mehreren der Gruppe von Verbindungen, welche besteht aus aromatischen
Diaminen, aromatischen monoprimären Aminen, Aminophenolen, mehrwertigen Phenolen,
mehrwertigen Alkoholen, Polycarbonsäuren und dergleichen, oder einem Gemisch
von diesen.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 13, wobei die
polyaromatische Verbindung in einer Menge von 5 bis 40 Gew% vorliegt.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 14, wobei der
Lewis-Säure-Katalysator in einer katalytisch wirksamen Menge im Bereich von
0,1 bis 5,0 Gewichtsteilen vorliegt.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 15, wobei der
Katalysator in einer Menge von 0,2 bis 3,0 Gewichtsteilen vorliegt.Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 16, zusätzlich
umfassend:
Einarbeiten von Faserverstärkungen, Zähigkeit verbessernden Mitteln, wie
etwa flüssigen Gummen/Kautschuken mit reaktiven Gruppen, Aggregaten wie etwa
Glasperlen, Gummi/Kautschukpartikel und mit Gummi/Kautschuk beschichteten Glasperlen,
Füllmittel, wie etwa Polytetrafluorethylen, Silica, Graphit, Bornitrid, Mika,
Talk und Vermiculit, Pigmenten, Keimbildungsmitteln und Stabilisatoren wie etwa
Phosphaten, wobei die Gesamtheit solcher Materialein und eines jeglichen Faserverstärkungsmittels
in der Zusammensetzung wenigstens 20 Vol% beträgt, als ein Prozentsatz des
Gesamtvolumens des Gemischs polyaromatische Verbindung/wärmehärtbares
Harz.Verfahren gemäß Anspruch 17, wobei das Einarbeiten von Faserverstärkung
zum Herstellen einer Prepreg-Zusammensetzung dient.Vor-gehärtete Zusammensetzung oder Prepreg, hergestellt durch das
Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 oder 4 bis 18, umfassend einen
kettenverlängerten Thermoplasten, in welchem reaktive Endgruppen mit dem wärmehärtbaren
Harz wie hierin zuvor definiert koordiniert werden.Vor-gehärtete Zusammensetzung oder Prepreg, hergestellt durch das
Verfahren wie in einem der Ansprüche 2 oder 3 und optional 17 oder 18 definiert,
umfassend einen kettenverlängerten, polyaromatischen Thermoplasten, welcher
durch Reaktion von reaktiven Endgruppen in einem Netzwerk aus wärmehärtbarem
Harz verankert ist.Composite, umfassend ein gehärtetes oder nachgehärtetes Prepreg
wie hierin zuvor in Anspruch 20 definiert, bereitgestellt in der Form eines geformten
Artikels.Verwendung einer vor-gehärteten Zusammensetzung oder eines Prepregs,
welche(r) hergestellt ist durch das Verfahren wie hierin zuvor in einem der Ansprüche
1 bis 18 definiert, oder eines Composites oder geformten Produkts davon, im Bereich
der Luft- und Raumfahrt, Seefahrt und Bauwirtschaft als ein Composite oder Klebstoff,
oder bei der Herstellung eines Luft-, Land- oder Wasserfahrzeugs, einem Gebäude
oder kommerziellem Produkt oder einer Komponente davon.