| Dokumentenidentifikation |
EP1840235 15.11.2007 |
| EP-Veröffentlichungsnummer |
0001840235 |
| Titel |
Magnesiumlegierung und dazugehöriges Herstellungsverfahren |
| Anmelder |
BIOTRONIK VI PATENT AG, Baar, CH |
| Erfinder |
Gerold, Bodo Dr., 91225 Zellingen, DE; Hänzi, Anja, 5400 Baden, CH; Löffler, Jörg Prof. Dr., 8049 Zürich, CH; Müller, Heinz Dr., 91052 Erlangen, DE; Uggowitzer, Peter Prof. Dr., 8913 Ottenbach, CH |
| Vertreter |
derzeit kein Vertreter bestellt |
| Vertragsstaaten |
AT, BE, BG, CH, CY, CZ, DE, DK, EE, ES, FI, FR, GB, GR, HU, IE, IS, IT, LI, LT, LU, LV, MC, MT, NL, PL, PT, RO, SE, SI, SK, TR |
| Sprache des Dokument |
DE |
| EP-Anmeldetag |
22.03.2007 |
| EP-Aktenzeichen |
070058771 |
| EP-Offenlegungsdatum |
03.10.2007 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
15.11.2007 |
| IPC-Hauptklasse |
C22C 23/04(2006.01)A, F, I, 20070904, B, H, EP
|
| IPC-Nebenklasse |
C22C 23/00(2006.01)A, L, I, 20070904, B, H, EP
|
| Beschreibung[de] |
|
Die Erfindung betrifft eine neue Magnesiumlegierung und
seine Verwendung sowie ein dazugehöriges Herstellungsverfahren für die
Magnesiumlegierung.
Technologischer Hintergrund und Stand der Technik
Bekannt sind zahlreiche Magnesiumlegierungen unterschiedlichster
Zusammensetzung und Verwendbarkeit. Vorliegend wird unter dem Begriff Magnesiumlegierung
eine Gruppe von Legierungen verstanden, die neben Magnesium als Hauptbestandteil
Zusätze (gewöhnlich bis ca. 10%) an Aluminium, Mangan, Zink, Kupfer, Nickel,
Cer-Mischmetall und anderen Seltenerdmetallen, Silber, Zirconium, Silizium usw.
enthalten. Magnesiumlegierungen werden eingeteilt in Mg-Knetlegierungen (Basis üblicherweise
Mg-Mn, Mg-Al-Zn) und Mg-Gusslegierungen; letztere werden ihrerseits in Sandguss,
Kokillenguss und Druckguss oder nach Legierungsbestandteilen untergliedert. Magnesiumlegierungen
können nach den meisten bekannten metallurgischen Urform- und Umformverfahren
verarbeitet werden.
Die Legierungszusätze bestimmen maßgeblich die
Eigenschaften des metallischen Werkstoffs. Bekannt ist beispielsweise, dass Aluminium-Gehalte
über ca. 10 Gew.% zum Verspröden der Legierungen führen. Zink und
besonders Zirconium erhöhen die Zähigkeit, während Mangan die Korrosionsbeständigkeit
verbessert. Beryllium-Zusätze von einigen ppm verringern merklich die Oxidationsneigung
des schmelzflüssigen Metalls, sind jedoch aufgrund ihrer Toxizität unerwünscht.
Seltenerdmetalle und Thorium steigern die Warmfestigkeit. Der Schmelzpunkt der Legierungen
liegt üblicherweise zwischen 590° und 650°C.
Haupteinsatzgebiete von Magnesiumlegierungen sind Luftfahrt,
Maschinenbau aller Art, optische Geräte, Elektrotechnik, Elektronik, Transportmittel,
Büromaschinen und Haushaltsmaschinen, und zwar generell in Bereichen, bei denen
es auf Festigkeit und Steifigkeit bei möglichst geringem Gewicht ankommt sowie
niedrige Fertigungskosten bei großen Serien gefordert werden. Zunehmende Bedeutung
erhalten Magnesiumlegierungen im Motorenbau für Kraftfahrzeuge. Eine Spezialanwendung
betrifft die Verwendung von biodegradierbaren Magnesiumlegierungen in der Medizintechnik,
insbesondere für vaskuläre und orthopädische Implantate.
Eine Limitierung bekannter Magnesiumlegierungen besteht
insbesondere in der für bestimmte Verarbeitungsverfahren und Einsatzzwecke
unzureichenden Duktilität des Werkstoffs. Ein Ansatzpunkt zur Verbesserung
könnte in der Verminderung der Korngröße des metallischen Gefüges
liegen (Feinen). Das Feinen umfasst alle metallurgischen Maßnahmen, die zu
einer kleinen Korngröße einer Legierung führen. Allgemein setzt dies
die Erhöhung der Keimzahl in der Schmelze beim Erstarren oder im Festkörper
durch feindisperse Ausscheidungen voraus. Feinen wirkt sich vorteilhaft auf die
mechanischen Eigenschaften, insbesondere die Duktilität der Legierung aus.
Im Bereich der Magnesiumlegierungen wurden sehr geringe Korngrößen bisher
nur im kleinpräparativem Maßstab erzielt, etwa durch ECAP/ECAE-Verfahren
(ECAP: equal channel angular pressing; ECAE: equal channel angular extrusion). Die
genannten Verfahren lassen sich jedoch nicht großtechnisch umsetzen; bisher
wurden nur kleine Volumina (wenige cm3) hoch-feinkörniger Legierungen
vorwiegend mit der technischen Magnesiumlegierung AZ31 erzeugt. Erkenntnisse allgemeingültiger
Natur über die für das Feinen notwendigen Legierungskomponenten oder gar
deren Anteil in Magnesiumlegierungen liegen bisher nur in unzureichender Form vor.
Es besteht daher ein anhaltender Bedarf an Magnesiumlegierungen,
die ein Feinen auch unter Rückgriff herkömmlicher großtechnischer
Verfahren erlauben. Weiterhin besteht Bedarf an einer Magnesiumlegierung, deren
Korngröße mit Hinsicht auf eine verbesserte Duktilität gegenüber
herkömmlichen Legierungen verringert ist. Ferner besteht Bedarf an einem technisch
im größeren Maßstab umsetzbaren Darstellungsverfahren für eine
feinkörnige Magnesiumlegierung. Schließlich ist es mit Hinsicht auf ökologische
Aspekte als auch eine medizintechnische Verwendung der Legierungen notwendig die
Legierungskomponenten unter toxikologischen bzw. biokompatiblen Gesichtspunkten
auszuwählen; letzteres insbesondere unter Vermeidung des in vielen Magnesiumlegierungen
präsenten Aluminiums.
Erfindungsgemäße Lösung
Ein erster Aspekt der Erfindung betrifft eine neue Magnesiumlegierung
der Zusammensetzung
- Y: 0,5 - 10
- Zn: 0,5-6
- Ca: 0,05 - 1
- Mn: 0-0,5
- Ag: 0 - 1
- Ce: 0 - 1
- Zr: 0 - 1 oder Si: 0 - 0,4
wobei sich die Angaben auf Gew.% an der Legierung beziehen und Mg sowie herstellungsbedingte
Verunreinigungen den auf 100 Gew.% verbleibenden Restanteil an der Legierung einnehmen.
Die Legierung zeichnet sich dadurch aus, dass sie - bei geeigneter Behandlung -
in ein sehr feinkörniges Gefüge (insbesondere mit Korngrößen
< 20 µm) überführbar ist. Ferner sind die Legierungskomponenten
toxikologisch nicht oder kaum relevant, so dass insbesondere eine medizintechnische
Anwendung prädestiniert erscheint. Vorzugsweise liegt der Anteil von Mn im
Bereich von 0,05 bis 0,5 Gew.%.
Der Erfindung liegt unter anderem die Erkenntnis zu Grunde,
dass die genannten Legierungselemente mit den genannten Anteilen einerseits beim
Erstarren aus der Schmelze durch ihre Anreicherung an der Erstarrungsfront und andererseits
bei der Warmumformung durch die Bildung intermetallischer Phasen das Kornwachstum
hemmen. Bei grobkörniger Gefügestruktur wird die plastische Verformung
dominiert durch Versetzungsbewegungen auf der Basalebene und durch Zwillingsbildung;
feinkörnige Magnesiumgefüge erlauben dagegen schon bei Raumtemperatur
die Aktivierung von Prismen- und Pyramidalgleitung, was die Duktilität des
Werkstoffs wesentlich verbessert. Die während der Erstarrung an der Erstarrungsfront
angereicherten Legierungselemente mit hohem Q-Faktor (grain growth restriction factor)
verzögern das Kornwachstum und tragen somit bei zu einer geringen Korngröße
des Gussgefüges. Die in der erstarrten Magnesiumlegierung vorliegenden sehr
kleinen intermetallischen Phasen der weiter unten noch näher erläuterten
Zusammensetzung beeinflussen die Rekristallisation bei der Warmumformung des Gussgefüges
und tragen ebenfalls wesentlich zur feinen Gefügeausbildung bei. Die Gegenwart
der intermetallischen Phasen verbessert dabei nicht nur die Duktilität des
Werkstoffs, sondern beeinflusst auch maßgeblich dessen Korrosionseigenschaften.
Letzteres hat insbesondere Bedeutung, wenn die Magnesiumlegierung zur Herstellung
biodegradierbarer Implantate (bevorzugt Stents) eingesetzt wird. In der Regel wird
die Gegenwart feiner intermetallischer Phasen (anstelle grobkörniger Phasen)
mit spezieller Stöchiometrie den Korrosionswiderstand weniger reduzieren. Ziel
ist es, ein annähernd einphasiges Gefüge herzustellen und grob mehrphasige
Gefüge zu vermeiden.
Bevorzugte Magnesiumlegierung ergeben sich durch die nachfolgenden
Beschränkungen der Anteile des angegebenen Legierungsbestandteils oder mehrerer
dieser Legierungsbestandteile (Angaben in Gew.%):
- Y: 0,5 - 4;
- Zn: 0,5 - 3,0; insbesondere 0,8 - 2,5;
- Ca: 0,05 - 0,3; insbesondere 0,05 - 0,2;
- Mn: 0 - 0,25; insbesondere 0,05 - 0,25;
- Ag: 0,05 - 0,6;
- Ce: 0 - 0,5;
- Zr: 0 - 0,7; insbesondere 0,3 - 0,7 oder Si: 0 - 0,25; insbesondere 0,05 - 0,25.
Die genannten Legierungszusammensetzungen scheinen ersten
Vorversuchen und theoretischen Überlegungen zu Folge besonders geeignet hoch-feinkörnige
Werkstoffe auf Magnesiumbasis zu liefern (insbesondere mit Korngrößen
< 20 µm). Zu beachten ist, dass ein Nebeneinander von Zirconium und Silizium
zu vermeiden ist, da sich für die Zwecke des Feinens ungeeignete intermetallische
Phasen aus den beiden Elementen bilden.
Eine Legierung im erfindungsgemäßen Sinne bezieht
sich auf einen metallischen ein- oder mehrphasigen Werkstoff eines Zwei- oder Mehrstoffsystems,
dessen Ausgangskomponenten (Legierungselemente) metallurgisch miteinander in Wechselwirkung
treten und dabei zur Bildung neuer Phasen führen (Mischkristalle, intermetallische
Verbindungen, Überstrukturen). Die Magnesiumlegierung enthält als Hauptbestandteil
Magnesium.
Bevorzugt ist - insbesondere auch im Zusammenspiel mit
den vorgenannten bevorzugten Zusammensetzungsvarianten der Magnesiumlegierung -,
dass die Magnesiumlegierung ein oder mehrere intermetallische Phasen bestehend aus
- (i) Mg und einem oder mehreren Elementen ausgewählt aus der Gruppe: Zn,
Ca, Mn, Ag, Ce, Zr, Si und Y; oder
- (ii) 2 oder mehr Elementen ausgewählt aus der Gruppe: Zn, Ca, Mn, Ag, Ce,
Zr, Si und Y
enthält. Das Vorhandensein einer oder mehrerer intermetallischer Phasen der
genannten Zusammensetzungen ist ein wesentliches Indiz für die Eignung der
Legierung zur Herstellung eines feinkörnigen Werkstoffs (mit vorzugsweise einer
Korngröße < 20 µm), sofern diese Legierung nicht bereits als feinkörniger
Werkstoff vorliegt. Besonders bevorzugt sind ein oder mehrere intermetallische Phasen
ausgewählt aus der Gruppe: Ca2M96Zn3, AgMg4,
Mn2Zr, ZnZr, Zn2Zr, MgZn, MgZn2, Mg2Si,
M93Y2Zn3, Mg3YZn6, Mg12YZn
und M924Y5 vorhanden.
Intermetallische Phasen (Verbindungen) sind im Gefüge
von Legierungen vorhandene chemische Verbindungen aus zwei oder mehr metallischen
Elementen, deren Struktur sich von jener der sie bildenden Metalle deutlich unterscheidet.
Neben kubischen treten auch tetragonale und komplexere Strukturen auf. Im Gitter
liegen außer metallischen auch Atom- und Ionenbindungsanteile vor. Neben intermetallischen
Phasen mit stöchiometrischer Zusammensetzung entsprechend den vorhandenen Valenzen
gibt es solche, bei denen diese exakte Zusammensetzung nur einen Sonderfall in einem
breiten Homogenitätsbereich darstellt. Dies folgt aus dem Bestreben der beteiligten
Metalle, bei den gegebenen Bindungsverhältnissen ein Gitter mit möglichst
hoher Koordinationszahl und Packungsdichte auszubilden. Metallbindung und -eigenschaften
sind dabei umso stärker ausgeprägt, je höher die Koordinationszahl
ist, z.B. bei der Gruppe der Laves-Phasen. Hume-Rothery-Phasen bilden breite Homogenitätsbereiche,
ebenso intermetallische Phasen mit Einlagerungsstrukturen. Bei Anwachsen der homöopolaren
bzw. heteropolaren Bindungsanteile kristallisieren die intermetallischen Phasen
in Gittern mit niederer Koordinationszahl, wie z.B. die Zintl-Phasen. Die Schmelzpunkte
der intermetallischen Phasen liegen deutlich über denen der Metallkomponenten,
ihre elektrische Leitfähigkeit ist erheblich niedriger. In metallischen Gefügen
als Phasen auftretende intermetallische Verbindungen können in feindisperser
Form die Festigkeit steigern oder in gröberer Form zu einer Versprödung
der Legierung führen, darüber hinaus können sie die Korrosionsbeständigkeit
beeinträchtigen.
Bevorzugt ist - insbesondere im Zusammenhang mit den vorherig
beschriebenen Ausführungsvarianten - ein Volumenanteil der intermetallischen
Phasen an der Magnesiumlegierung < 3 Vol.%, insbesondere < 2 Vol.%, besonders
bevorzugt < 1 Vol.%. Alternativ oder ergänzend hierzu ist vorzugsweise:
- (i) eine Korngröße der intermetallischen Phasen < 3 µm, insbesondere
< 1 µm; und /oder
- (ii) eine Korngröße der Legierung < 20 µm, insbesondere <
10 µm.
Unter dem Begriff "Korngröße" wird vorliegend
der Durchschnittswert des Durchmessers der in einem metallographischen Schliffbild
vorliegenden Kristallite verstanden.
Magnesiumlegierungen der vorgenannten Ausführungsformen
weisen für die Verarbeitung und ihre spätere Zweckbestimmung besonders
günstige Eigenschaften gegenüber herkömmlichen Magnesiumlegierungen
auf: ihre Duktilität ist deutlich erhöht. Unter Duktilität (oder
auch Zähigkeit, Verformungsvermögen) wird allgemein die Fähigkeit
eines metallischen Werkstoffes verstanden, sich unter gegebenen Bedingungen bei
hinreichend hohen mechanischen Beanspruchungen bleibend zu verformen, bevor Rissbildung
eintritt. Diese Fähigkeit ist für viele Bauteile von großer Bedeutung,
da örtlich auftretende mechanische Spannungshöchstwerte nur von einem
duktilen Werkstoff rissfrei durch bleibende Verformung unter gleichzeitiger Kaltverfestigung
abgebaut werden können. Gerade dieser Aspekt macht den Einsatz der erfindungsgemäßen
Magnesiumlegierungen als Werkstoff der Wahl für biodegradierbare Implantate,
insbesondere Stents besonders vorteilhaft. Bei einem gegebenen Werkstoff ist die
Duktilität abhängig von der Temperatur, der Beanspruchungsgeschwindigkeit,
der Mehrachsigkeit des wirkenden mechanischen Spannungszustands und der Umgebung.
Kennwerte der Duktilität sind z.B. die Bruchdehnung und -einschnürung,
die Kerbschlagzähigkeit und die Bruchzähigkeit.
Bevorzugt weist die erfindungsgemäße Magnesiumlegierung
eine Bruchdehnung von A5-Normproben bei Raumtemperatur von > 20 % auf. Die Bruchdehnung
(Reißdehnung, Formelzeichen ER oder A5) ist die Bezeichnung für
das prozentuale Verhältnis der Längenänderung &Dgr;L (im Moment
des Reißens) unter einer Zugbeanspruchung zur Ausgangslänge L0.
Ein zweiter Aspekt der Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren
zur Herstellung einer feinkörnigen Magnesiumlegierung. Das Verfahren umfasst
die Schritte:
- (i) Bereitstellen eines Gemenges der Zusammensetzung
- Y: 0,5 - 10
- Zn: 0,5-6
- Ca: 0,05 - 1
- Mn: 0-0,5
- Ag: 0-1
- Ce: 0-1
- Zr: 0-1 oder Si: 0-0,4
wobei sich die Angaben auf Gew.% am Gemenge beziehen und Mg sowie herstellungsbedingte
Verunreinigungen den auf 100 Gew.% verbleibenden Restanteil am Gemenge einnehmen;
- (ii) Urformen einer Magnesiumlegierung aus dem Gemenge durch Gießen; und
- (iii) Umformen der Magnesiumlegierung durch Pressen.
Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens ist
es erstmalig möglich, sehr feinkörnige Magnesiumlegierungen im industriellen
Maßstab herzustellen. Der Ansatz zeichnet sich schon dadurch aus, dass Rückgriff
auf Erfahrungswerte aus an sich bekannten metallurgischen Verfahren genommen werden
kann und so die Entwicklung eines industriellen Fertigungsprozesses wesentlich vereinfacht
ist. Besonders bevorzugt erfolgt das Urformen im Schritt (ii) durch Stranggießen,
da dieses Verfahren zu Werkstoffen hoher Homogenität führt. Ferner ist
bevorzugt, wenn das Umformen im Schritt (iii) durch Strangpressen, insbesondere
bei einer Temperatur im Bereich von 280°C - 420°C, besonders bevorzugt
bei einer Temperatur im Bereich von 300°C - 400°C, erfolgt. Hinsichtlich
der Gemengezusammensetzung ist gegebenenfalls an die gleichen, schon im Zusammenhang
mit der Beschreibung der Magnesiumlegierung bevorzugten Zusammensetzungen anzupassen.
Gießen im Sinne der Erfindung bezieht sich auf ein
Fertigungsverfahren, bei dem Werkstoffe in flüssigem oder breiigem Zustand
in eine vorbereitete Hohlform (Gießform) gegossen werden, die das Negativ des
abzugießenden Gussstücks bildet. Die Werkstoffe verfestigen sich in der
Gießform und bilden diese als Positiv ab. Die Verfestigung erfolgt durch Erstarrung
der metallischen Schmelze. Wenn druckloses Gießen zur Formfüllung nicht
ausreicht, kann das Füllen unter Druck (Druckguss, Spritzguss) oder durch Nutzen
der Fliehkraft (Schleuderguss) gegebenenfalls mit zusätzlicher Evakuierung
der Gießform (Vakuumguss) erfolgen. Gießen im engeren Sinne der Erfindung
bezieht sich auf Strangguss. Im Gegensatz zum Blockguss wird das Verfahren kontinuierlich
durchgeführt. Dafür wird eine bodenlose gekühlte Kokille verwendet,
in die das flüssige Metall gegossen wird. Innerhalb der Kokille erstarrt die
Strangschale, die dann in Gießrichtung abgezogen wird und den flüssigen
Kern umschließt. Nach dem Verlassen der Kokille wird die Strangschale weiter
mit Wasser gekühlt, bis der Strang vollständig erstarrt ist.
Umformen (oder Verformen) ist die in der Metallbearbeitung
gängige Bezeichnung für die plastische Deformation von metallischem Halbzeug
unter dem Einfluss mechanischer Kräfte. Pressen bedeutet vorliegend das Zusammendrücken
und Formen von Festkörpern, insbesondere die spanlose Umformung von Werkstoffen
durch Druck in zumeist hydraulisch arbeitenden Maschinen. Die Bezeichnung Strangpressen
bezieht sich auf ein Pressverfahren, bei dem ein Metallbolzen mit einem Stempel
durch eine Matrize gedrückt wird. Dabei wird der Bolzen durch einen Aufnehmer
umschlossen. Die äußere Form des Pressstrangs wird dabei durch die Matrize
bestimmt. Durch das Einbringen verschieden geformter Dorne können auch Hohlräume
erzeugt werden. Durch Strangpressen können Drähte, Rohre und Profile hergestellt
werden.
Ein dritter Aspekt der Erfindung richtet sich auf eine
nach dem zuvor beschriebenen Verfahren hergestellte Magnesiumlegierung.
Ein vierter Aspekt der Erfindung liegt in der Verwendung
der nach dem Verfahren hergestellten Magnesiumlegierung oder einer auf andere Weise
hergestellten feinkörnigen Magnesiumlegierung mit den obig genannten bevorzugten
Gefügeeigenschaften in der Medizintechnik, insbesondere zur Herstellung eines
biodegradierbaren Implantats. Letzteres ist vorzugsweise ein Stent.
Ausführungsbeispiel 1
Ein Gemenge der Zusammensetzung (in Gew.%):
- Y: 3,5
- Zn: 0,85
- Ca: 0,25
- Ag: 0,5
- Mn: 0,15
- Rest: Mg und herstellungsbedingte Verunreinigungen
wird bei 700° C in einem Tiegel unter Schutzatmosphäre geschmolzen und
in eine zylindrische Werkzeugform mit einem Durchmesser von 25 mm gegossen. Das
Gussstück mit einer Korngröße von etwa 150 Mikrometer wird anschließend
auf 300° C erhitzt und durch eine Matrize auf einen Durchmesser von 5 mm extrudiert
(Extrusionsverhältnis 25). Die dadurch erzielte Korngröße beträgt
etwa 10 Mikrometer. Die vorliegenden intermetallischen Phasen sind unter anderem
vom Typ Ca2M96Zn3, Mg3YZZn3,
Mg3YZn6 und AgMg4 mit einer mittleren Größe
von kleiner 3 Mikrometer und einer Gesamtmenge von weniger als 3 Volumenprozent.
Die dadurch erzielte Duktilität gemessen in Bruchdehnungsprozent beträgt
24%, die Festigkeit (Zugfestigkeit) ergibt sich zu 270 MPa.
Ausführungsbeispiel 2
Magnesiumlegierung der Zusammensetzung (in Gew.:):
- Y: 6,5
- Zn: 1,5
- Ca: 0,25
- Ag: 0,5
- Mn: 0,15
- Zr: 0,5
- Rest: Mg und herstellungsbedingte Verunreinigungen
wird bei 700° C in einem Tiegel unter Schutzatmosphäre geschmolzen und
in eine zylindrische Werkzeugform mit einem Durchmesser von 25 mm gegossen. Das
Gussstück mit einer Korngröße von etwa 50 Mikrometer wird anschließend
auf 300° C erhitzt und durch eine Matrize auf einen Durchmesser von 5 mm extrudiert
(Extrusionsverhältnis 25). Die dadurch erzielte Korngröße beträgt
etwa 4 Mikrometer. Die vorliegenden intermetallischen Phasen sind vorwiegend vom
Typ Ca2Mg6Zn3, AgMg4 und Zn2Zr
mit einer mittleren Größe von kleiner 1 Mikrometer und einer Gesamtmenge
von weniger als 1 Volumenprozent. Die dadurch erzielte Duktilität gemessen
in Bruchdehnungsprozent beträgt 26%, die Festigkeit (Streckgrenze) ergibt sich
zu 190 MPa.
Ausführungsbeispiel 3
Eine Magnesiumlegierung der Zusammensetzung (in Gew.:):
- Y: 0,8
- Zn: 2,0
- Ca: 0,25
- Mn: 0,15
- Rest: Mg und herstellungsbedingte Verunreinigungen
wurde bei 690° C in einem Magnesium-Ofen unter Schutzatmosphäre geschmolzen
und in zylindrische Pressbolzen mit einem Durchmesser von 180 mm unter Wasserkühlung
stranggegossen. Pressbolzen mit einer Korngröße von etwa 200 Mikrometer
wurden anschließend auf 360° C erhitzt und durch eine Matrize auf einen
Durchmesser von 20 mm extrudiert (Extrusionsverhältnis 30). Die dadurch erzielte
Korngröße betrug etwa 7 Mikrometer. Die intermetallischen Phasen waren
unter anderem vom Typ Ca2Mg6Zn3, , Mg3Y2Zn3
und Mg3YZn6 mit einer mittleren Größe von kleiner
3 Mikrometer und einer Gesamtmenge von weniger als 3 Volumenprozent. Die dadurch
erzielte Duktilität gemessen in Bruchdehnungsprozent betrug 28%, die Festigkeit
(Zugefestigkeit) ergab sich zu 260 MPa.
Ausführungsbeispiel 4
Ein Gemenge der Zusammensetzung (in Gew.%):
- Y: 2,0
- Zn: 0,9
- Ca: 0,25
- Mn: 0,15
- Rest: Mg und herstellungsbedingte Verunreinigungen
wurde bei 690°C in einem Magnesium-Ofen unter Schutzatmosphäre geschmolzen
und in zylindrische Pressbolzen mit einem Durchmesser von 180 mm unter Wasserkühlung
stranggegossen (Verfahren gemäß erfindungsgemäße Lösung,
zweiter Aspekt, (ii) Urformen). Pressbolzen mit einer Korngröße von etwa
250 Mikrometer wurden anschließend auf 380°C erhitzt und durch eine Matrize
auf einen Durchmesser von 20 mm extrudiert (Extrusionsverhältnis 30, Verfahren
gemäß erfindungsgemäße Lösung, zweiter Aspekt, (iii) Umformen).
Die dadurch erzielte Korngröße betrug etwa 11 Mikrometer. Die vorliegenden
intermetallischen Phasen sind unter anderem vom Typ Ca2Mg6Zn3,
Mg3YZZn3 und Mg3YZn6 mit
einer mittleren Größe von kleiner 3 Mikrometer und einer Gesamtmenge von
weniger als 3 Volumenprozent. Die dadurch erzielte Duktilität gemessen in Bruchdehnungsprozent
betrug 28%, die Festigkeit (Zugfestigkeit) ergab sich zu 250 MPa.
Ausführungsbeispiel 5
Ein Gemenge der Zusammensetzung (in Gew.%):
- Y: 2,0
- Zn: 0,9
- Ca: 0,25
- Mn: 0,15
- Zr: 0,5
- Rest: Mg und herstellungsbedingte Verunreinigungen
wurde bei 690°C in einem Magnesium-Ofen unter Schutzatmosphäre geschmolzen
und in zylindrische Pressbolzen mit einem Durchmesser von 180 mm unter Wasserkühlung
stranggegossen (Verfahren gemäß erfindungsgemäße Lösung,
zweiter Aspekt, (ii) Urformen). Pressbolzen mit einer Korngröße von etwa
120 Mikrometer wurden anschließend auf 400°C erhitzt und durch eine Matrize
auf einen Durchmesser von 20 mm extrudiert (Extrusionsverhältnis 30, Verfahren
gemäß erfindungsgemäße Lösung, zweiter Aspekt, (iii) Umformen).
Die dadurch erzielte Korngröße betrug etwa 5 Mikrometer. Die vorliegenden
intermetallischen Phasen sind unter anderem vom Typ Ca2M96Zn3,
Mg3Y2Zn3, Mg3YZn6, Zn2Zr
und Mn2Zr mit einer mittleren Größe von kleiner 3 Mikrometer
und einer Gesamtmenge von weniger als 3 Volumenprozent. Die dadurch erzielte Duktilität
gemessen in Bruchdehnungsprozent betrug 22%, die Festigkeit (Zugfestigkeit) ergab
sich zu 300 MPa.
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| Anspruch[de] |
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Magnesiumlegierung der Zusammensetzung
Y: 0,5-10
Zn: 0,5-6
Ca: 0,05 - 1
Mn: 0-0,5
Ag: 0 - 1
Ce: 0 - 1
Zr: 0 - 1 oder Si : 0 - 0,4
wobei sich die Angaben auf Gew.% an der Legierung beziehen und Mg sowie herstellungsbedingte
Verunreinigungen den auf 100 Gew.% verbleibenden Restanteil an der Legierung einnehmen.
Magnesiumlegierung nach Anspruch 1, bei der die Magnesiumlegierung ein
oder mehrere intermetallische Phasen bestehend aus
(i) Mg und einem oder mehreren Elementen ausgewählt aus der Gruppe:
Zn, Ca, Mn, Ag, Ce, Zr, Si und Y; oder
(ii) 2 oder mehr Elementen ausgewählt aus der Gruppe: Zn, Ca, Mn,
Ag, Ce, Zr, Si und Y
enthält.
Magnesiumlegierung nach Anspruch 2, enthaltend ein oder mehrere intermetallische
Phasen ausgewählt aus der Gruppe:
Ca2Mg6Zn3, AgMg4, Mn2Zr,
ZnZr, Zn2Zr, MgZn, MgZn2, Mg2Si, Mg3Y2Zn3,
Mg3YZn6, Mg12YZn und Mg24Y5.
Magnesiumlegierung nach Anspruch 2, bei der ein Volumenanteil der intermetallischen
Phasen an der Magnesiumlegierung < 3 Vol.% ist.
Magnesiumlegierung nach Anspruch 4, bei der der Volumenanteil der intermetallischen
Phasen an der Magnesiumlegierung < 2 Vol.% ist.
Magnesiumlegierung nach Anspruch 2, bei der eine Korngröße
der intermetallischen Phasen < 3 µm ist.
Magnesiumlegierung nach Anspruch 2, bei der eine Korngröße
der Legierung < 20 µm ist.
Magnesiumlegierung nach Anspruch 7, bei der die Korngröße
der Legierung < 10 µm ist.
Magnesiumlegierung nach Anspruch 2, mit einer Bruchdehnung von A5-Normproben
bei Raumtemperatur von > 20%.
Magnesiumlegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
der
Y: 0,5 - 4
ist.
Magnesiumlegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
der
Zn: 0,5 - 3,0
ist.
Magnesiumlegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
der
Ca: 0,05 - 0,3
ist.
Magnesiumlegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
der
Mn: 0-0,25
ist.
Magnesiumlegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
der
Ag: 0,05 - 0,6
ist.
Magnesiumlegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
der
Ce: 0 - 0,5
ist.
Magnesiumlegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
der
Zr: 0 - 0,7
ist.
Magnesiumlegierung nach einem der Ansprüche 1 - 15, bei der
Si: 0 - 0,25
ist.
Verfahren zur Herstellung einer feinkörnigen Magnesiumlegierung,
umfassend die Schritte:
(i) Bereitstellen eines Gemenges der Zusammensetzung
Y: 0,5 - 10
Zn: 0,5 - 6
Ca: 0,05 - 1
Mn: 0-0,5
Ag: 0 - 1
Ce: 0 - 1
Zr: 0 - 1 oder Si: 0 - 0,4
wobei sich die Angaben auf Gew.% am Gemenge beziehen und Mg sowie herstellungsbedingte
Verunreinigungen den auf 100 Gew.% verbleibenden Restanteil am Gemenge einnehmen;
(ii) Urformen einer Magnesiumlegierung aus dem Gemenge durch Gießen;
und
(iii) Umformen der Magnesiumlegierung durch Pressen.
Verfahren nach Anspruch 18, bei dem das Urformen im Schritt (ii) durch
Stranggießen erfolgt.
Verfahren nach Anspruch 18, bei dem das Umformen im Schritt (iii) durch
Strangpressen erfolgt.
Verfahren nach Anspruch 20, bei dem das Strangpressen bei einer Temperatur
im Bereich von 280°C - 420°C erfolgt.
Verfahren nach Anspruch 21, bei dem das Strangpressen bei einer Temperatur
im Bereich von 300°C - 400°C erfolgt.
Magnesiumlegierung, hergestellt nach dem Verfahren gemäß einem
der Ansprüche 18 - 22.
Verwendung einer nach dem Verfahren gemäß einem der Ansprüche
18 - 22 hergestellten Magnesiumlegierung oder einer Magnesiumlegierung nach Anspruch
1-17 zur Herstellung eines biodegradierbaren Implantats.
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Patent Zeichnungen (PDF)
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