Eine Magnesium- oder Aluminiumlegierung hoher spezifischer Steifigkeit weist Verstärkungspartikel mit einer Dichte von weniger als 2,5 g/cm3 und einem E-Modul von vorzugweise mindestens 440 GPa auf.
Beschreibung[de]
In der Fahrzeugtechnik besteht Bedarf nach besonders leichten Konstruktionsmetallen,
wie Aluminium und Magnesium. Besonders interessant ist dabei Magnesium, das mit
einer Dichte von 1,74 g/cm3 das leichteste aller Konstruktionsmetalle
ist. Häufig sind bislang allerdings die mechanischen Eigenschaften im Vergleich
zu Stählen noch nicht konkurrenzfähig.
Um die mechanischen Eigenschaften von Magnesiumlegierungen zu verbessern,
ist es aus EP 0 409 966 B1 bekannt,
der Legierung Verstärkungspartikel aus Aluminiumoxid (Al2O3),
Siliziumcarbid (SiC) oder Borcarbid (B4C) zuzusetzen. Durch die Verstärkungspartikel
soll vor allem eine höhere spezifische Steifigkeit bei gleicher oder deutlich
verbesserten Festigkeiten des Verbundwerkstoffs erzielt werden. Dieses Ziel wird
mit den bekannten Verstärkungspartikeln jedoch nicht in dem gewünschten
Ausmaß erreicht.
Aufgabe der Erfindung ist es, eine partikelverstärkte Magnesium-
oder Aluminiumlegierung bereitzustellen, die sich durch hervorragende mechanische
Eigenschaften, insbesondere eine hohe spezifische Steifigkeit, auszeichnet.
Dies wird erfindungsgemäß durch Verstärkungspartikel
mit einer Dichte von weniger als 2,50 g/cm3 und einem E-Modul von mindestens
400 GPa, vorzugsweise von mehr als 440 GPa erreicht.
Grundlage der Erfindung bildet die Überlegung, dass der relevante
Kennwert für die spezifische Steifigkeit eines Werkstoffs vom jeweiligen Belastungsfall
abhängt. D.h., er ist unterschiedlich, ob er beispielsweise für einen
Stab unter Zug- oder Druckbelastung, einen Balken unter Biegung oder eine Platte
unter Biegung ermittelt wird.
Nach Ashby, M.F., „Performance Indices" in: ASM Handbook, Bd.
20, Material Selections and Design, ASM International, Ohio 1997, Seiten 281–290,
hängt der Kennwert für die spezifische Steifigkeit eines Werkstoffs von
dessen Dichte &rgr; und Elastizitätsmodul E ab, und zwar je nach Belastungsfall
beispielsweise für:
– Stab unter Zug- oder Druckbelastung: E/&rgr;
– Balken unter Biegung: E1/2/&rgr;
– Platte unter Biegung: E1/3/&rgr;
Dabei spielt in der Praxis der Belastungsfall „Balken unter
Biegung" und insbesondere „Platte unter Biegung" eine größere Rolle
als der „Stab unter Zug- und Druckbelastung".
Die Dichte der Verstärkungspartikel von weniger als 2,50 g/cm3
bei einem Elastizitätsmodul von mindestens 400 GPa, insbesondere mehr als 440
GPa, nach der Erfindung und die bevorzugte Verwendung von Verstärkungspartikeln
mit einer Kennzahl E1/3/&rgr; von mindestens 3,05 ergibt sich im Hinblick
auf den Artikel von M.F. Ashby wie folgt:
Die Dichte des Verbundwerkstoffs kann aus der Mischungsregel berechnet werden. Für
partikelverstärkte Werkstoffe ist eine Abschätzung des E-Moduls beispielsweise
über folgende Gleichungen möglich:
mit:
EC
= E-Modul des Verbundwerkstoffs
EM
= E-Modul der Matrix
EP
= E-Modul der Verstärkungsphase
&PHgr;P
= Volumenanteil der Verstärkungsphase
S
= Verhältnis von Länge zu Breite der Verstärkungsphase
EM beträgt für die Magnesiumlegierung AZ91 45
GPa. Für S wird ein üblicher Wert von 2 zugrundegelegt. EC
ergibt sich aus folgender Tabelle:
Die mit der vorstehend genannten Gleichung rechnerisch erhaltenen
Ergebnisse sind in den beigefügten 1 bis
3 für die Magnesiumlegierung AZ91 für die
in vorstehender Tabelle angegebenen Verstärkungspartikel mit unterschiedlicher
Dichte und E-Modul wiedergegeben.
Wie dem Diagramm der 1 entnommen werden
kann, wird im Belastungsfall „Stab unter Zug- und Druckbelastung" bei allen
in der vorstehenden Tabelle angegebenen Verstärkungspartikeln eine deutliche
Erhöhung der spezifischen Steifigkeit ermittelt. Demgegenüber ist beim
Belastungsfall „Balken unter Biegung" (2) die
spezifische Steifigkeit der mit TiN- und TiC-Partikeln verstärkten Legierung
geringer als bei der unverstärkten Magnesiumlegierung. Im Belastungsfall „Platte
unter Biegung" (3) ergibt sich lediglich für die
CaB6-partikelverstärkte Legierung eine deutliche Verbesserung der spezifischen
Steifigkeit, während sich bei einer Verstärkung mit Partikeln aus SiC
oder AlN praktisch keine Erhöhung der spezifischen Steifigkeit ermitteln lässt,
und bei einer Verstärkung mit den übrigen Verstärkungspartikeln sogar
ein z.T. erheblicher Abfall der spezifischen Steifigkeit.
D.h., um auch im Belastungsfall „Platte unter Biegung" eine
Erhöhung der spezifischen Steifigkeit zu erzielen, sollte die Dichte der Verstärkungspartikel
und vorzugsweise auch deren E-Modul möglichst der Dichte und dem E-Modul von
CaB6 entsprechen. Vorzugweise sollte der E-Modul noch höher und die Dichte
geringer als der E-Modul bzw. die Dichte von CaB6 sein. Demgemäß weisen
erfindungsgemäß die Verstärkungspartikel eine Dichte von weniger
als 2,50 g/cm3 und vorzugsweise einen E-Modul von mindestens 440 GPa
auf. Weiterhin weisen die Verstärkungspartikel erfindungsgemäß vorzugsweise
eine Kennzahl von E1/3/&rgr; von mindestens 3,05 auf, die deutlich
über der von SiC liegt, welche 2,35 beträgt.
Die mittlere Teilchengröße der Verstärkungspartikel
beträgt vorzugsweise 0,5 bis 100 &mgr;m, insbesondere 1 bis 30 &mgr;m.
Bei einer zu geringen Teilchengröße ist es aufgrund von Agglomeratbildung
schwierig, eine gleichmäßige Verteilung der Verstärkungspartikel
zu erzielen. Eine zu große Teilchengröße der Verstärkungspartikel
führt andererseits beim Gießen zu einer Konzentration der Verstärkungspartikel
vom Randbereich zur Mitte des Gussstücks hin.
Das Verhältnis von Länge zu Breite der Verstärkungspartikel
beträgt vorzugsweise 1:1 bis 100:1, insbesondere 1:1 bis 3:1. Bei einem zu
großen Länge/Breite-Verhältnis treten anisotrope Effekte auf.
Der Anteil der Verstärkungspartikel beträgt, bezogen auf
die partikelverstärkte Legierung, vorzugsweise 5 bis 50 Vol.-%. Bei einem zu
hohen Volumenanteil wird der Werkstoff spröde und die Verarbeitbarkeit wird
schlechter.
Die gleichen Ergebnisse, wie sie vorstehend für eine Magnesiumlegierung
erhalten werden, werden für eine Aluminiumlegierung ermittelt. Auch dort zeigen
CaB6-Verstärkungspartikel den größten Effekt in allen drei Belastungsfällen
hinsichtlich der spezifischen Steifigkeit gegenüber den übrigen Verstärkungspartikeln
gemäß Tabelle 1.
Die erfindungsgemäß partikelverstärkte Magnesium- oder
Aluminiumlegierung kann im Druckguss eingesetzt werden. Sie ist insbesondere zum
Thixo-Spritzgießen verwendbar, bei dem die partikelverstärkte Legierung
in einer inerten Atmosphäre in einem Schneckenextruder auf eine Temperatur
zwischen der Solidus- und der Liquidustemperatur erwärmt und in einem thixotropen
Zustand einer Speicherzone zugeführt wird, aus der sie ausgestoßen wird.
BeispieleBeispiel 1
In eine Schmelze von AZ91D (90,00 % Mg, 8,5–9,5 % Al, 0,5–1,0
% Zn mit Reinheitsgrad „D") in einem Tiegel mit einem Durchmesser von etwa
70 mm und einer Höhe von etwa 100 mm werden unter Argon-Schutzgas bei 250 U/min
10 min CaB6-Partikel mit einer mittleren Teilchengröße von 4,5 &mgr;m
und einem mittleren Längen/Breiten-Verhältnis von ca. 2 in unterschiedlichen
Volumenanteilen eingerührt. Die Schmelze wird in eine auf 150 °C erwärmte
Kokille abgegossen und der E-Modul nach dem Abkühlen auf Raumtemperatur nach
ASTM E 1876-01 bestimmt.
Vergleichsbeispiel 1
Das Beispiel 1 wurde wiederholt, außer dass statt CaB6-Partikel
SiC-Partikel mit der gleichen mittleren Teilchengröße und dem gleichen
mittleren Längen/Breiten-Verhältnis verwendet wurden.
Beispiel 2
Das Beispiel 1 wurde wiederholt, außer dass CaB6-Partikel mit
einer mittleren Teilchengröße von 9,3 &mgr;m verwendet wurden.
Vergleichsbeispiel 2
Das Vergleichsbeispiel 1 wurde wiederholt, außer dass SiC-Partikel
mit einer mittleren Teilchengröße von 9,3 &mgr;m verwendet wurden.
Die Ergebnisse der Beispiele 1 und 2 und der Vergleichsbeispiele 1
und 2 sind in 4 für die Verstärkungspartikel
mit einer mittleren Teilchengröße von 4,5 &mgr;m (F1000) und
5 für Verstärkungspartikel mit einer mittleren
Teilchengröße von 9,3 &mgr;m (F600) dargestellt. Es ist ersichtlich,
dass der E-Modul, der mit der mit CaB6-Partikeln und der mit der mit SiC-Partikeln
verstärkten Legierung erhalten wird, mit zunehmendem Volumenanteil der Verstärkungspartikel
in gleichem Ausmaß ansteigt. Unter Berücksichtigung der geringeren Dichte
von CaB6 von 2,45 g/cm3 gegenüber der Dichte von SiC von 3,21 g/cm3
resultiert daraus eine deutlich stärkere Erhöhung der spezifischen Steifigkeit
bei Verstärkung mit CaB6-Partikeln gegenüber SiC-Partikeln. Die gemäß
den 1 bis 3 rechnerisch
ermittelten Werte der spezifischen Steifigkeit werden damit experimentell im Wesentlichen
bestätigt.
Mit Proben mit einem Durchmesser 5 mm und einer Höhe von 7 mm
aus den partikelverstärkten Legierungen der Beispiele 1 und 2 und der Vergleichsbeispiele
1 und 2 wurden jeweils Druckversuche nach DIN 50106 bei Raumtemperatur und 150 °C
durchgeführt. Die Ergebnisse sind in 6 bis
13 dargestellt.
Aus 6 und 7
ist ersichtlich, dass bei Raumtemperatur die Stauchgrenze der Proben mit CaB6 tendenziell
größer ist als die Stauchgrenze der SiC-Proben, während gemäß
8 und 9 bei 150 °C
die Stauchgrenze der Proben mit CaB6 im gleichen Bereich wie bei den SiC-Proben
liegt.
10 und 11 ist zu entnehmen,
dass die Bruchstauchung der Proben mit CaB6 bei Raumtemperatur tendenziell geringer
ist als bei Proben mit SiC, jedoch gemäß 12
und 13 bei 150 °C im gleichen Bereich mit den
SiC-Proben liegt.
Ferner zeigt die Bestimmung der Vickershärte HV1 gemäß
14 und 15, dass die Proben
mit CaB6 eine Härte aufweisen, die im gleichen Bereich liegt wie die der Proben
mit SiC.
16 und 17 stellen Schliffbilder
dar, die die Mikrostruktur einer AZ91-Legierung mit CaB6-Partikeln bzw. SiC-Partikeln
zeigen. Wie daraus ersichtlich, sind in beiden Fällen die Verstärkungspartikel
gleichmäßig verteilt.
Anspruch[de]
Partikelverstärkte Magnesium- oder Aluminiumlegierung, gekennzeichnet
durch Verstärkungspartikel mit einer Dichte von weniger als 2,50 g/cm3
und einem E-Modul von mindestens 400 GPa.Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der E-Modul
der Verstärkungspartikel mehr als 440 GPa beträgt.Legierung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Verstärkungspartikel
eine Kennzahl von E1/3/&rgr; von mindestens 3,05 aufweisen, wobei E
der E-Modul und &rgr; die Dichte der Verstärkungspartikel ist.Legierung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass die Verstärkungspartikel zumindest teilweise aus Calciumborid (CaB6)
bestehen.Legierung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass der Anteil der Verstärkungspartikel 5 bis 50 Vol.-% beträgt.Legierung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass die mittlere Teilchengröße der Verstärkungspartikel 0,5 bis
100 &mgr;m beträgt.Legierung nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass das mittlere Verhältnis von Länge zu Breite der Verstärkungspartikel
1:1 bis 100:1 beträgt.