Die Erfindung betrifft eine Kaltgas-Spritzdüse zur Beschleunigung
von Gas und Spritzpartikel, wobei die Düse in Strömungsrichtung von einem
konvergenten Abschnitt im Düsenhals in einen divergenten Abschnitt übergeht.
Ferner betrifft die Erfindung eine Kaltgasspritzpistole mit einer Kaltgas-Spritzdüse.
Es ist bekannt, auf Werkstoffe unterschiedlichster Art Beschichtungen
mittels thermischen Spritzens aufzubringen. Bekannte Verfahren hierfür sind
beispielsweise Flammspritzen, Lichtbogenspritzen, Plasmaspritzen oder Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen.
In jüngerer Zeit wurde ein Verfahren entwickelt, das sog. Kaltgasspritzen,
bei welchem die Spritzpartikel in einem "kalten" Gasstrahl auf hohe Geschwindigkeiten
beschleunigt werden. Die Beschichtung wird durch das Auftreffen der Partikel auf
dem Werkstück mit hoher kinetischer Energie gebildet. Beim Aufprall bilden
die Partikel, die in dem "kalten" Gasstrahl nicht schmelzen, eine dichte und fest
haftende Schicht, wobei plastische Verformung und daraus resultierende lokale Wärmefreigabe
für Kohäsion und Haftung der Spritzschicht auf dem Werkstück sorgen.
Ein Aufheizen des Gasstrahls erwärmt die Partikel zur besseren plastischen
Verformung beim Aufprall und erhöht die Strömungsgeschwindigkeit des Gases
und somit auch die Partikelgeschwindigkeit. Die damit verbundene Gastemperatur beträgt
bis hin zu 800 °C (und mehr), liegt aber deutlich unterhalb der Schmelztemperatur
des Beschichtungswerkstoffs, so dass ein Schmelzen der Partikel im Gasstrahl nicht
stattfindet. Eine Oxidation und/oder Phasenumwandlungen des Beschichtungswerkstoffes
lassen sich somit weitgehend vermeiden. Die Spritzpartikel werden als Pulver zugegeben,
wobei das Pulver üblicherweise zumindest teilweise Partikel mit einer Größe
von 1 bis 50 &mgr;m umfasst. Ein solches Verfahren und eine Vorrichtung zum Kaltgasspritzen
sind in der europäischen Patentschrift EP
0 484 533 B1 im einzelnen beschrieben. Als Düse wird dabei eine de
Laval'sche Düse benutzt, im Folgenden kurz Lavaldüse genannt. Lavaldüsen
sind axialsymmetrisch und bestehen aus einem konvergenten und einem sich in Stromrichtung
daran anschließenden divergenten Abschnitt. Die Kontur der Düse muss im
divergenten Bereich in bestimmter Weise geformt sein, damit es nicht zu Strömungsablösungen
kommt und keine Verdichtungsstöße auftreten und die Gasströmung den
Gesetzen nach de Laval gehorcht. Charakterisiert sind Lavaldüsen durch diese
Kontur und die Länge des divergenten Abschnitts und des weiteren durch das
Verhältnis des Austrittquerschnitts zum engsten Querschnitt. Der engste Querschnitt
der Lavaldüse heißt Düsenhals. Derzeit übliche Vorrichtungen
zum Kaltgasspritzen sind auf Drücke von etwa 1 MPa bis zu einem Maximaldruck
von 3,5 MPa und Gastemperaturen bis zu etwa 800 °C ausgelegt. Das erhitzte
Gas wird zusammen mit den Spritzpartikeln in einer Lavaldüse entspannt. Während
der Druck in der Lavaldüse abfällt, steigt die Gasgeschwindigkeit auf
Werte bis zu 3000m/s und die Partikelgeschwindigkeit auf Werte bis zu 2000 m/s.
Als Prozessgas werden Stickstoff, Helium, Argon, Luft oder deren Gemische verwendet.
Meist kommt jedoch Stickstoff zur Anwendung, höhere Partikelgeschwindigkeiten
werden mit Helium oder Helium-Stickstoff-Gemischen erreicht.
In der Praxis ist es jedoch nicht möglich, das Gas und die Partikel
bis auf die gewünschte, für das Kaltgasspritzen maximal mögliche
Temperatur aufzuwärmen, da die Partikel bei zu hoher Temperatur an der Düseninnenwand
anbacken. Durch das Anbacken der Partikel an der Düseninnenwand setzt sich
die Düse innerhalb kurzer Zeit zu und ist dann nicht mehr zu verwenden. Auch
ändern sich durch das Anbacken die Kontur und damit die Eigenschaften der Düse.
Die Neigung, an der Düseninnenwand anzubacken ist für die kleineren Partikel
des Spritzpulvers besonders ausgeprägt. Jedoch ist eine gewisse Größenverteilung
innerhalb des Spritzpartikelpulvers bei der Herstellung nicht zu vermeiden. Zudem
erhöht sich mit steigender Anforderung an die Größenselektion der
Preis des Spritzpulvers wesentlich.
Die Geschwindigkeiten, welche Gas und Spritzpartikel beim Austreten
aus der Lavaldüse aufweisen, sind jedoch in erster Linie durch die geometrische
Dimensionierung der Lavaldüse bestimmt. Aus den charakteristischen Größen
der Lavaldüse folgt, dass der Innendurchmesser am Düsenhals möglichst
klein sein muss, da die beiden Größen Austrittsquerschnitt und Länge
des divergenten Abschnitts aufgrund von Erfordernissen an die äußeren
Abmessungen festgelegt sind. Derzeit werden Düsen mit einem Durchmesser am
Düsenhals zwischen 2 und 3 mm gefertigt. Da die Konturen für die Lavaldüse
im Innenkörper entstehen müssen und es folglich um eine Bohrung handelt,
ist die Fertigung aufgrund der notwendigen Dimensionen äußert problematisch.
Beispielsweise geschieht die Fertigung durch Senkerodieren in einen Rundling oder
durch ein Feingussverfahren, bei welchem die Kontur der Düse mit Hilfe eines
Modells angefertigt wird. Um Düsen mit komplexer Kontur, mit beliebigem Expansionsverhältnis
und ausreichender Länge herstellen zu können, ist es bekannt, Düsen
aus zwei Halbschalen zu fertigen. Die Düsenkontur wird dabei mit hoher Präzision
durch Fräsen in die jeweiligen Halbschalen eingebracht und die beiden fertig
bearbeiteten Halbschalen werden zu einer Düse zusammengesetzt. Als Düsenwerkstoff
wird üblicherweise Stahl verwendet, da Stahl ein gut zu bearbeitendes Material
ist. In manchen Fällen wird als Düsenwerkstoff auch das bestimmte Vorteile
aufweisende Hartmetall Wolframkarbid-Kobalt verwendet, da die Neigung der Partikel
an der Düseninnenwand anzubacken bei Düsen aus Wolframkarbid-Kobalt
sehr viel geringer ist als bei Düsen aus Stahl. Wolframkarbid-Kobalt ist jedoch
ein schwierig zu bearbeitender Werkstoff, so dass die Fertigung einer Düse
aus diesem Hartmetall sehr schwierig und aufwendig ist. Auch ist es aus fertigungstechnischen
Gründen für Wolframkarbid-Kobalt nicht möglich, den divergierenden
Abschnitt der Lavaldüse bei gegebenen Düsenhalsdurchmesser in der gewünschten
Länge herzustellen.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Kaltgas-Spritzdüse
anzugeben, bei welcher das Anbacken der Partikel an der Düseninnenwand keine
Rolle spielt und welche einfach zu fertigen ist. Auch soll mit der anzugebenden
Düse die Temperaturen, auf welche sich Gas beziehungsweise Spritzpartikel erwärmen
lassen, zu den gewünschten höheren Temperaturen hin erweitern lassen,
ohne dass die Partikel aufgrund der vorliegenden Partikelgrößezusammensetzung
des Pulvers an der Düsenwand anbacken.
Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass die Düse an ihrer
Innenwand zumindest teilweise beschichtet ist. Durch die Beschichtung der Düse
an ihrer Innenwand steht eine Kaltgas-Spritzpistole zur Verfügung, bei welcher
das Anbacken der Partikel an der Düseninnenwand wirkungsvoll unterbunden ist.
Die Beschichtung erfolgt somit mit einem Material, welches eine geringe Neigung
zur Reaktion mit dem Werkstoff der Spritzpartikel aufweist. Zudem ist die erfindungsgemäße
Düse einfach zu fertigen, da der Düsenkörper aus einem gut zu bearbeitenden
Material, wie beispielsweise Stahl, ist und die Beschichtung das Anbacken der Spritzpartikel
unterbindet. Folglich ist auch das Problem des leichten Zusetzens der Düse
durch die erfindungsgemäße Düse gelöst. Zudem ist es möglich,
die erfindungsgemäße Düse mit jeder gewünschten Kontur sowie
in allen wünschenswerten Abmessungen und Abmessungsverhältnissen herzustellen.
insbesondere ist auch die Länge des divergenten Düsenabschnitts nahezu
beliebig groß herstellbar, und dies auch bei kleinem Düsenhals. Da mit
der erfindungsgemäßen Düse das Anbacken wirkungsvoll unterbunden
wird, sind im Vergleich zu unbeschichteten Düsen höhere Temperaturen für
Gas und Spritzpartikel möglich. Dies verbessert sowohl die Eigenschaft der
Spitzschicht als auch die Auftragsrate. Ferner sind nun auch Spritzwerkstoffe einsetzbar,
die bisher nicht verwendet werden konnten, und auch eine Verwendung von gröberen
Pulvern als bisher üblich ist möglich. So können mit der erfindungsgemäßen
Düse nicht nur, wie bisher üblich Partikel mit bis zu 50 &mgr;m gespritzt
werden, sondern Partikel mit bis zu 100 &mgr;m, teilweise sogar mit Partikelgrößen
von bis zu 250 &mgr;m. Weiterhin ist es von Vorteil, dass, wenn die Düse
Verschleißerscheinungen zeigt, die Beschichtung auf einfache Weise ausgebessert
oder nach einer Reparatur der Düsenkörpers erneuert werden kann.
Vorteilhafterweise enthält die Beschichtung ein hartes, erosions-
und verschleißbeständiges Material. Ein derartiges Material geht bei den
in der Düse vorliegenden Temperatur (durch das Gas- und die Spritzpartikelerwärmung
heizt sich auch die Düse auf) keine oder zumindest nahezu keine Reaktion mit
den Spritzpartikeln ein. Es tritt keine Reaktion ein bei einer Temperatur, die größer
als das 0,5-fache der Schmelztemperatur des Spritzwerkstoffes in Kelvin ist. Das
keine Reaktion erfolgt ist beispielsweise erkennbar an den in Tabellenwerken zusammengestellten
Zustandsschaubildern, die z.B. „Binary alloy Phase diagrams" von T.B. Massalski,
H. Okamoto, ASM International, 1992 zu finden sind, oder den positiven Mischungsenthalpien,
die Tabellenwerken zu thermochemischen Daten, z.B. „Thermochemical data of
pure substances", von I. Karin, G. Platzki, VCH, Weinheim, New York, 1995 (ISBN:
3527287450) entnommen werden können. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die
Beschichtung besondere Vorteile aufweist, wenn sie sehr hart ist, gut auf dem Düsenwerkstoff
haftet und eine glatte Oberfläche besitzt. Eine glatte Oberfläche wird
erreicht, indem entweder die Düsenkontur vor dem Aufbringen der Beschichtung
poliert wird und anschließend mit sehr gleichmäßigem Auftrag beschichtet
wird oder indem nach dem Beschichtungsauftrag poliert wird.
Mit Vorteil ist die Düse zumindest im Bereich des Düsenhalses
beschichtet. Vom Anbacken ist vor allem der Bereich um den Düsenhals betroffen,
da dieser die Engstelle für Gas- und Spritzpartikel bildet. Zumindest in diesem
Bereich um den Düsenhals ist nun vorteilhafterweise die Beschichtung angebracht.
Dadurch wird das Anbacken wirkungsvoll unterbunden.
In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist die Düse aus
zwei Halbschalen gefertigt. Durch Zusammensetzen der beiden Halbschalen mit entsprechender
Kontur entsteht die Düse. Vorteilhafterweise werden die beiden Halbschalen
im zerlegten Zustand beschichtet und nach dem Aufbringen der Beschichtung passgenau
zusammengefügt. Durch die Aufteilung der Düse in zwei Halbschalen ist
die Fertigung der Düsen und insbesondere die Fertigung von Düsen mit sehr
langem divergenten Abschnitt gut zu bewerkstelligen.
Mit besonderem Vorteil enthält die Beschichtung ein Metall, insbesondere
Chrom oder eine Metallverbindung oder eine Oxitkeramik. Von den Metallverbindungen
eignen sich besonders die Karbide, Nitride und Boride, also die Verbindungen von
Metallen mit Kohlenstoff, Stickstoff oder Bor, wie beispielsweise TiB2,
TiC, TiN, TiCN, TiB2, TiBN, TiAlN, CrN, CrCN, ZrC, ZrN, oder auch MiSi2
und WSi2 und auch die Metalloidverbindungen, wie beispielsweise Bornitrid
oder Borkarbid. Auch die sogenannten diamond-like-carbon oder DLC-Schichten sind
geeignet. Von den Oxitkeramiken sind besonders TiO2,
ZrO2 oder Al2O3 geeignet. Auch Phosphidbeschichtungen,
wie beispielsweise NiP, sind möglich. Derartige Beschichtungen zeichnen sich
dadurch aus, dass sie sehr hart, erosions- und verschleißbeständig sind.
Mit besonderen Vorteilen ist die Beschichtung eine elektrolytisch
oder durch Abscheidung aus der Gasphase aufgebrachte Beschichtung. Eine elektrolytisch
aufgebrachte Beschichtung heißt auch galvanisch. Als Beschichtungsverfahren
aus der Gasphase können dafür beispielsweise das PVD-Verfahren (Physical
Vapour Deposition) und das CVD-Verfahren (Chemical Vapour Deposition) angewandt
werden. Ferner kann es auch möglich sein, die Beschichtung durch thermisches
Spritzen aufzubringen.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Beschichtung
aus zwei oder mehreren Lagen aufgebaut. Durch einen Lagenaufbau der Beschichtung
kann in bestimmten Fällen die Haftung der Beschichtung auf dem Grundwerkstoff
verbessert werden. Die untere Lage dient dabei als Haftvermittler. Auch auf die
Eigenschaften der Beschichtung kann durch den Schichtaufbau Einfluss genommen werden.
Mit besonderem Vorteil weist die Düse eine Gas-/Luft- oder Wasserkühlung
und/oder Kühlrippen auf. Mit einer Düsenkühlung wird die beim Betrieb
der Kaltgas-Spritzdüse entstehende Wärme sofort abgeführt, so dass
die Temperaturen für Gas und Spritzpartikel weiter erhöht werden können,
ohne dass es zu Anbackungen kommt. Die Anbringung einer Düsenkühlung unterstützt
somit die Vorteile der Erfindung.
Vorteilhafterweise weist die Düse einen Durchmesser am Düsenhals
von 1 bis 6 mm und ein Expansionsverhältnis, welches durch das Verhältnis
von Fläche am Düsenaustritt zu Fläche am Düsenhals definiert
ist, von 3 bis 15 und weiterhin eine das 30- bis 100-fache des Durchmessers am Düsenhals
aufweisende Länge auf. Durch eine Beschichtung derartig dimensionierter Kaltgas-Spritzdüsen
werden die Vorteile hinsichtlich des Kaltgas-Spritzverfahrens in besonderer Weise
unterstützt.
Ferner wird die Aufgabe durch eine Kaltgasspritzpistole mit einer
Kaltgas-Spritzdüse nach einem der Ansprüche 1 bis 9 gelöst.
Die Erfindung sowie weitere Einzelheiten der Erfindung werden im Folgenden
anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert. Gemäß
diesem Ausführungsbeispiel wird eine Kaltgas-Spritzdüse, welche aus zwei
Halbschalen besteht, beschichtet. Die beiden Halbschalen der Düse sind aus
einem Stahl gefertigt und die Innenfläche der beiden Hälften mit Chrom
beschichtet. Dabei kann Nickel als Haftvermittler eingesetzt werden. Die Aufbringung
des Chroms als sog. Hartchrom mit einer Härte nach Vickers von typischerweise
800 HV und mehr erfolgt durch elektrolytische (galvanische) Abscheidung. Die Dicke
der Chromschicht kann dabei 2 bis 100 &mgr;m betragen. Im Falle von Kupfer als
Spritzwerkstoff zeigt eine solche mit Hartchrom beschichtete Stahldüse eine
ähnlich geringe Neigung zu Anbackungen wie eine Düse, die aus einem Hartmetall
gefertigt wurde. Durch Verwendung einer erfindungsgemäßen Kaltgas-Spritzdüse
kann die Aufprallgeschwindigkeit eines 20 &mgr;m Kupferpartikels von 630 m/s auf
700 m/s weiter gesteigert werden, da die erfindungsgemäße Düse mit
sehr langem divergenten Abschnitt gefertigt werden kann und das Anbacken der Spritzpartikel
wirkungsvoll unterbunden ist. Die Vorteile zeigen sich nicht nur beim Spritzen von
Pulver aus Kupfer sondern beispielsweise auch beim Spritzen mit Pulvern aus Stahl,
Aluminium oder Aluminiumlegierungen.