Die Erfindung betrifft wässrige Dispersionen, dadurch gekennzeichnet, dass sie c) mindestens eine wässrige Siliciumdioxid-Dispersion mit einem mittleren Partikeldurchmesser der SiO2-Partikel von 1 bis 400 nm und d) mindestens eine wasserlösliche hydroxylgruppenhaltige organische Verbindung enthält, ein Verfahren zu deren Herstellung sowie deren Verwendung in Klebstoff- bzw. Beschichtungsformulierungen.
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft wässrige Dispersionen auf Basis von Siliciumdioxid
und hydroxylgruppenhaltigen wasserlöslichen Verbindungen, ein Verfahren zu
deren Herstellung sowie deren Verwendung als Komponente bei der Herstellung von
Dicht- bzw. Klebstoffen und Beschichtungen – besonders zur Herstellung von
klebenden Beschichtungen – sowie die resultierenden Dicht- bzw. Klebstoffformulierungen
und ein Verfahren zum Verbinden der einseitig oder beidseitig beschichteten Substrate
unter Verwendung dieser Formulierungen.
Für wässrige Siliciumdioxid – Dispersionen besteht
ein breiter Einsatzbereich, z.B. als Bindemittel im Gießerei- und Stahlsektor
im Bereich Feingußformen, als Zusatzstoff zur Modifizierung von Oberflächen,
d.h. Herstellung rutschfester Papiersäcke und Beschichtung von Spezialpapieren,
Antiblocking von Folien, im Bausektor als Additiv für Spritzbeton und für
die Imprägnierung. (vgl.: Levasil Broschüre der Fa. H. C. Starck, Goslar
Deutschland, www.hcstarck.com). Weiterhin ist der Einsatz von Siliciumdioxid Dispersionen
in wässrigen Klebstoffsystemen bekannt (Ganster et al., Neue Rohstoffe für
lösemittelfreie Kleb- und Dichtstoffe in Zeitschrift „Kleben und Dichten",
3/2003).
Aus dem Stand der Technik ist der Einsatz von Kieselsäure-Produkten
für unterschiedliche Anwendungen bekannt. Während feste SiO2-Produkte
vielfach zur Steuerung rheologischer Eigenschaften, als Füllstoffe oder Adsorbentien
eingesetzt werden, dominiert bei Siliciumdioxid-Dispersionen (beispielsweise Kieselsolen)
die Anwendung als Bindemittel diverser anorganischer Materialien, als Poliermittel
von Halbleitern oder als Flockungspartner in kolloidchemischen Reaktionen. Beispielsweise
wird in EP-A 0 332 928 der Einsatz von Polychloropren-Latices in Gegenwart von Kieselsolen
als Imprägnierschicht bei der Herstellung von Brandschutzelementen offenbart.
In FR-A 2 341 537 und FR-A 2 210 699 werden pyrogene Kieselsäuren in Kombination
mit Polychloroprenlatices zur Herstellung flammfester Schaumzurichtungen oder zur
Bitumenvergütung und in der JP-A 06 256 738 in Kombination mit Chloropren-Acrylsäure-Copolymeren
beschrieben.
Weiterhin ist der Einsatz von Siliciumdioxid Dispersionen bei der
Herstellung von Klebstoff-Formulierungen auf Basis von Polychloropren-Dispersionen
bekannt (WO 03/102066 A2).
Wichtige Kenngrößen für solche Formulierungen sind
„offene Zeit" und „Topfzeit" der Dispersionen, sowie „Wärmebeständigkeit"
und „Wasserfestigkeit", der resultierenden trockenen Beschichtungs- oder
Klebstoff-Filme. Bei Klebstoffen versteht man unter der „offenen Zeit" nach
DIN 16920 die Zeitspanne nach dem Klebstoffauftrag, innerhalb der ein Nasskleben
möglich ist. Dies ist die Zeit vom Auftrag des Klebstoffs bis zum Einsetzen
des Pressdrucks. Üblicherweise werden der Formulierung Harze zugesetzt wie
z.B. Terpenphenolharze oder Cumaronindenharze, um die Verarbeitungszeit (offene
Zeit) zu verlängern. Der Ersatz dieser Harze durch Siliciumdioxid Dispersionen
erhöht zwar die Temperaturbeständigkeit der Verklebungen, reduziert jedoch
die „offene Zeit". Der Zusatz von Siliciumdioxid Dispersionen zu wässrigen
harzhaltigen Polychloropren Dispersionen verlängert zwar die „offene
Zeit", reduziert jedoch die Temperaturbeständigkeit der Verklebungen.
Unter der „Topfzeit" versteht man die Zeit, in der man die
Formulierung nach dem Einmischen mindestens einer weiteren Dispersion verarbeiten
kann. Nach dem Stand der Technik, (Ullmann, Encyklopädie der technischen Chemie
Bd. 14, 4. Auflage, S. 250) lässt sich durch Zusatz von Lösemitteln und/oder
Weichmachern die Abbindgeschwindigkeit beschleunigen und die Filmbildungstemperatur
absenken. Durch diese Maßnahme wird jedoch der Wärmestand der Beschichtung
bzw. der Klebstoffnaht reduziert. Einen höheren Wärmstand kann man durch
Zusatz einer zweiten Dispersion auf der Basis von Resorcin- oder Melaminharz oder
anorganische Salzen wie z.B. Chromnitrat erreichen. Diese Zwei-Komponenten-Dispersionsformulierungen
sind jedoch in ihrer „Topfzeit" auf einige Stunden beschränkt.
Beschichtungen bzw. Verklebungen mit hoher Wasserfestigkeit und Wärmebeständigkeit
erhält man durch das sogenannte „EPI System" (Emulsion-Polymer-Isocyanat).
Erreicht wird dies durch Zusatz von ca. 15% Isocyanat – meist MDI (Diphenylmethan-4,4'-Diisocyanat)
– zur Polymer-Dispersion. Aufgrund der sehr kurzen Topfzeit ist hier nur
ein maschineller Auftrag der Zwei-Komponenten-Formulierung (2K-Formulierung) möglich.
Darüber hinaus werden bei diesen 2K-Formulierungen verschiedene
Metallsalz-Vernetzer als ätzend oder brandfördernd eingestuft. Bei isocyanat-basierenden
Vernetzern sind – abhängig vom Isocyanattyp – ihre Reizwirkung
und ihr sensibilisierendes Potential auf Haut und Atemwege zu berücksichtigen.
(vgl. Merkblatt TKH-3 „Dispersions-Holzleime" Ausgabe 2004, vom Industrieverband
Klebstoffe eV, Düsseldorf (www.klebstoffe.com)).
Auf Grund gestiegener ökologischer Anforderungen an die Begrenzung
von Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen ist es zudem wünschenswert
auch den Restgehalt an freiem Monomer – im Folgenden auch als Restmonomergehalt
bezeichnet – von Polymer Dispersionen vor ihrer Weiterverarbeitung in einer
Klebstoff Formulierung zu senken.
Es bestand somit weiterhin Bedarf an wässrigen Beschichtungs-
und Klebstsoff-Dispersionen, die die beschriebenen Nachteile nicht aufweisen, d.h.
in Formulierungen die Topfzeit verlängern, den Restmonomergehalt der verwendeten
Polymerdispersionen reduzieren und Verklebungen mit hohem Wärmestand und hoher
Wasserfestigkeit erzeugen.
Der vorliegenden Erfindung lag somit die Aufgabe zugrunde, wässrige
Siliciumdioxid Dispersionen bereitzustellen, die in wässrigen polymerhaltigen
Klebstoff – Dispersionen nach der Applikation auf den zu beschichtenden oder
verklebenden Substraten je nach Bedarf eine schnelle Abbindung und/oder eine lange
offene Zeit sowie hohe Anfangsfestigkeit aufweisen. Vorteilhaft wäre dabei
zudem, wenn die resultierenden trockenen Beschichtungs- oder Klebstoff-Filme eine
hohe Wasserfestigkeit und Wärmebeständigkeit aufweisen. Weiterhin wäre
ein reduzierter Restmonomergehalt vorteilhaft.
Überraschend wurde gefunden, dass Dispersionen enthaltend Siliciumdioxid-Dispersion
und bestimmte wasserlösliche organische Verbindungen diese Eigenschaften aufweisen.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind somit wässrige Dispersionen,
dadurch gekennzeichnet, dass sie
(a) mindestens eine wässrige Siliciumdioxid-Dispersion mit einem mittleren
Partikeldurchmesser der SiO2-Partikel von 1 bis 400 nm, bevorzugt 1 bis
200 nm und
(b) mindestens eine wasserlösliche hydroxylgruppenhaltige organische Verbindung
enthalten.
Die wasserlöslichen hydroxylgruppenhaltigen organischen Verbindungen
liegen erfindungsgemäß in der Siliciumdioxid-Dispersion gelöst vor.
Nichtgelöste Anteile werden vor dem Einsatz abgetrennt. Diese Dispersionen
enthaltend die Komponenten (a) und (b) werden im Folgenden auch kurz als erfindungsgemäße
Dispersionen bezeichnet.
Wässrige Siliciumdioxid-Dispersionen sind seit langem bekannt.
Je nach Herstellprozess liegen sie in unterschiedlichen Formen vor.
Erfindungsgemäß geeignete Siliciumdioxid-Dispersionen (a)
können auf Basis von Kieselsol, Kieselgel, pyrogenen Kieselsäuren, Fällungskieselsäuren
oder Mischungen der genannten erhalten werden.
Kieselsäuresole sind kolloidale Lösungen von amorphem Siliciumdioxid
in Wasser, die auch als Siliciumdioxidsole meist aber kurz als Kieselsole bezeichnet
werden. Das Siliciumdioxid liegt dabei in Form von kugelförmigen und an der
Oberfläche hydroxilierten Partikeln vor. Der Partikeldurchmesser der Kolloidteilchen
beträgt in der Regel 1 bis 200 nm, wobei die zur Teilchengröße korrelierende
spezifische BET-Oberfläche (bestimmt nach der Methode von G. N. Sears, Analytical
Chemistry Vol. 28, N. 12, 1981–1983, Dezember 1956) bei 15 bis 2000 m2/g
liegt. Diese Korrelation lässt sich wie folgt darstellen: Unter der Annahme,
dass Kieselsole als kugelförmige Primärpartikel vorliegen und eine Dichte
von 2,2 g/cm3 haben, ergibt sich ein Faktor von 2750. Dieser Faktor dividiert
durch die spezifische Oberfläche ergibt die Teilchengröße in nm.
(Zur Ermittlung des Faktors siehe Ralph K. Iler, The Chemistry of Silica, John Wiley
& Sons New York 1979 S. 465 f.). Die Oberfläche der SiO2-Teilchen
weist eine Ladung auf, die durch ein entsprechendes Gegenion ausgeglichen wird,
das zur Stabilisierung der kolloidalen Lösung führt. Die alkalisch stabilisierten
Kieselsole besitzen einen pH-Wert von 7 bis 11,5 und enthalten als Alkalisierungsmittel
beispielsweise geringe Mengen Na2O, K2O, Li2O,
Ammoniak, organische Stickstoffbasen, Tetraalkylammoniumhydroxide oder Alkali- oder
Ammoniumaluminate. Kieselsole können auch als semistabile kolloidale Lösungen
schwach sauer vorliegen. Ferner ist es möglich, durch Beschichtung der Oberfläche
mit Al2(OH)5Cl kationisch eingestellte Kieselsole herzustellen.
Die Feststoff-Konzentrationen der Kieselsole liegen bevorzugt bei 5 bis 60 Gew.-%
SiO2.
Der Herstellprozess für Kieselsole durchläuft im wesentlichen
die Produktionsschritte Entalkalisierung von Wasserglas mittels Ionenaustausch,
Einstellung und Stabilisierung der jeweils gewünschten Teilchengrößen(verteilung)
der SiO2-Partikel, Einstellung der jeweils gewünschten SiO2-Konzentration
und gegebenenfalls einer Oberflächenmodifikation der SiO2-Partikel,
wie beispielsweise mit Al2(OH)5Cl. In keinem dieser Schritte
verlassen die SiO2-Partikel den kolloidal gelösten Zustand. Dadurch
erklärt sich das Vorliegen der diskreten Primärpartikel.
Unter Kieselgelen versteht man kolloidal geformte oder ungeformte
Kieselsäuren von elastischer bis fester Konsistenz mit lockerer bis dichter
Porenstruktur. Die Kieselsäure liegt in Form von hochkondensierter Polykieselsäure
vor. Auf der Oberfläche befinden sich Siloxan und/oder Silanol-Gruppen. Die
Herstellung der Kieselgele erfolgt aus Wasserglas durch Umsetzung mit Mineralsäuren.
Des Weiteren wird zwischen pyrogener Kieselsäure und Fällungskieselsäure
unterschieden. Beim Fällungsverfahren wird Wasser vorgelegt und anschließend
Wasserglas und Säure, wie H2SO4, simultan zugegeben.
Dabei entstehen kolloidale Primärteilchen, die mit fortschreitender Reaktion
agglomerieren und zu Agglomeraten verwachsen. Die spezifische Oberfläche liegt
in der Regel bei 30 bis 800 m2/g (ermittelt nach Meßvorschrift:
DIN 66131) und die Primärpartikelgröße bei 5 bis 100 nm. Die Primärpartikel
von diesen als Feststoff vorliegenden Kieselsäuren sind in der Regel zu Sekundäragglomeraten
fest vernetzt. Bei den Partikelgrößenangaben handelt es sich um mittlere
Teilchengrößen.
Pyrogene Kieselsäure kann durch Flammenhydrolyse oder mit Hilfe
des Lichtbogenverfahrens hergestellt werden. Das dominierende Syntheseverfahren
für pyrogene Kieselsäuren ist die Flammenhydrolyse, bei der Tetrachlorsilan
in einer Knallgasflamme zersetzt wird. Die dabei gebildete Kieselsäure ist
röntgenamorph. Pyrogene Kieselsäuren besitzen an ihrer nahezu porenfreien
Oberfläche deutlich weniger OH-Gruppen als Fällungskieselsäure. Die
über Flammhydrolyse hergestellte pyrogenen Kieselsäure hat in der Regel
eine spezifische Oberfläche von 50 bis 600 m2/g (ermittelt nach
DIN 66131) und eine Partikelgröße von 5 bis 50 nm, die über das Lichtbogenverfahren
hergestellte Kieselsäure eine spezifischen Oberfläche von 25 bis 300 m2/g
(ermittelt nach DIN 66131) und eine Partikelgröße von 5 bis 500 nm. Auch
hier werden die Primärpartikel von diesen als Feststoff vorliegenden Kieselsäuren
in der Regel zu Sekundäragglomeraten fest vernetzt. Bei den Partikelgrößenangaben
handelt es sich um mittlere Teilchengrößen, die die Größe von
Primärpartikeln und gegebenenfalls vorhandenen Agglomeraten daraus einschließt.
Weitere Angaben zu Synthese und Eigenschaften von Kieselsäuren
in fester Form sind beispielsweise K. H. Büchel, H.-H. Moretto, P. Woditsch
„Industrielle Anorganische Chemie", Wiley VCH Verlag 1999, Kap. 5.8 zu entnehmen.
Werden für die erfindungsgemäßen Dispersionen ein als
isolierter Feststoff vorliegender SiO2-Rohstoff, wie beispielsweise pyrogene
oder gefällte Kieselsäure, eingesetzt, so wird dieser in eine wässrige
SiO2-Dispersion durch Dispergieren überführt.
Zur Herstellung der Siliciumdioxid-Dispersionen werden Dispergatoren
des Standes der Technik eingesetzt, bevorzugt solche, die zur Erzeugung hoher Scherraten
geeignet sind, wie z.B. Ultratorrax oder Dissolverscheiben.
Bevorzugt werden solche wässrigen Siliciumdioxid-Dispersionen
(a) eingesetzt, deren SiO2-Partikel eine Primärpartikelgröße
von 1 bis 400 nm, bevorzugt 5 bis 100 nm und besonders bevorzugt 8 bis 60 nm aufweisen.
Für den Fall das gefällte Kieselsäuren eingesetzt werden, werden
diese zwecks Teilchenverkleinerung gemahlen.
Die Partikelgröße von Kieselsolenpartikeln kann –
wie weiter vorne beschrieben – aus der BET-Oberfläche berechnet werden.
Bei Fällungskieselsäuren und pyrogenen Kieselsäuren
können die Partikel sowohl als sogenannte Primärpartikel als auch in der
Form von Agglomeraten vorliegen. Der Ausdruck „mittlere Partikelgröße"
bedeutet erfindungsgemäß die mittels Ultrazentrifugation bestimmte mittlere
Partikelgröße und schließt die Größe von Primärpartikeln
und gegebenenfalls vorhandenen Agglomeraten daraus ein (vgl.: H. G. Müller,
Progr. Colloid Polym. Sci. 107, 180–188 (1997)). Es wird das Massenmittel
angegeben).
Bevorzugte erfindungsgemäße Dispersionen sind solche, in
denen die SiO2-Partikel der Siliciumdioxid-Dispersion (a) als diskrete
unvernetzte Primärpartikel vorliegen. Solche bevorzugten erfindungsgemäßen
Dispersionen enthaltend diskrete unvernetzte Primärpartikel sind insbesondere
Kieselsole.
Es ist ebenfalls bevorzugt, dass die SiO2-Partikel über
Hydroxylgruppen an der Partikel-Oberfläche verfügen.
Besonders bevorzugt werden als wässrige Siliciumdioxid-Dispersionen
wässrige Kieselsäuresole eingesetzt. Geeignete Kieselsäuresole sind
unter anderem auch kommerziell erhältlich, beispielsweise bei der Firma
H. C. Starck GmbH (Levasil®).
Unter wasserlöslichen Hydroxylgruppenhaltigen organischen Verbindungen
sind im Rahmen der Erfindung alle linearen oder cyclischen Oligomere oder Polymere
zu verstehen, die in der Oligomer- oder Polymerkette Hydroxylgruppen enthalten und
wasserlöslich sind. Unter Oligomeren sind im Rahmen der Erfindung solche Verbindungen
mit bis zu 10 Wiederholungseinheiten und einem Molekulargewicht unter 1000 zu verstehen,
unter Polymeren solche mit mehr als 10 Wiederholungseinheiten, wobei in beiden Fällen
die Wiederholungseinheiten gleich oder verschieden sein können. Bevorzugte
Beispiele für OH-gruppenhaltige Polymere sind Hydroxyalkylcellulosen, Polyvinylalkohole
oder polymere Cyclodextrine. Bevorzugte OH-gruppenhaltige Oligomere oder Polymere
sind im Rahmen der Erfindung Cyclodextrine.
Cyclodextrine als wasserlösliche Hydroxylgruppenhaltige organische
Verbindungen in den erfindungsgemäßen Zusammensetzungen bieten den Vorteil,
dass der Restmonomergehalt in den resultierenden Dispersionen deutlich reduziert
werden kann.
Geeignete Cyclodextrine sind unsubstituierte und substituierte Cyclodextrine.
Bevorzugte Cyclodextrine sind ἀ-, &bgr;- und &ggr;-Cyclodextrine
und deren Ester-, Alkylether-, Hydroxyalkylether-, Alkoxycarbonylalkylether-, Carboxyalkylether-Derivate
oder deren Salze.
Besonders bevorzugt sind Methyl-ἀ-cyclodextrin, Methyl-&bgr;-cyclodextrin,
Methyl-&ggr;-cyclodextrin, Ethyl-&bgr;-cyclodextrin, Butyl-ἀ-cyclodextrin,
Butyl-&bgr;-cyclodextrin, Butyl-&ggr;-cyclodextrin, 2,6-Dimethyl-ἀ-cyclodextrin,
2,6-Dimethyl-&bgr;-cyclodextrin, 2,6-Dimethyl-&ggr;-cyclodextrin, 2,6-Diethyl-&bgr;-cyclodextrin,
2,6-Dibutyl-&bgr;-cyclodextrin, 2,3,6-Trimethyl-ἀ-cyclodextrin, 2,3,6-Trimethyl-&bgr;-cyclodextrin,
2,3,6-Trimethyl-&bgr;-cyclodextrin, 2,3,6-Trimethyl-ἀ-cyclodextrin, 2,3,6-Trioctyl-&bgr;-cyclodextrin,
2,3,6-Triacetyl-ἀ-cyclodextrin, 2,3,6-Triacetyl-&bgr;-cyclodextrin, 2,3,6-Triacetyl-&ggr;-cyclodextrin,
(2-Hydroxy)propyl-ἀ-cyclodextrin, (2-Hydroxy)propyl-&bgr;-cyclodextrin,
(2-Hydroxy)propyl-&ggr;-cyclodextrin, teilweise oder vollständig acetyliertes,
methyliertes und succinyliertes ἀ-, &bgr;- und &ggr;-Cyclodextrin, 2,6-Dimethyl-3-acetyl-&bgr;-cyclodextrin
und 2,6-Dibutyl-3-acetyl-&bgr;-cyclodextrin.
Die Mono-, Di- oder Triether-substituierten, Mono-, Di- oder Triester-substituierten
oder Monoester/-diether substituierten Derivate werden in der Regel durch Veretherung
von ἀ-, &bgr;- und &ggr;-Cyclodextrinen mit Alkylierungsmitteln wie beispielsweise
Dimethylsulfat oder Alkylhalogeniden mit 1 bis 30 C-Atomen wie beispielsweise Methyl-,
Ethyl-, Propyl-, Butyl-, Pentyl-, Hexyl-, Heptyl-, Octylchlorid, -bromid oder -iodid
und/oder Veresterung mit Essigsäure oder Bernsteinsäure in Gegenwart von
Säuren erhalten.
Cyclodextrine sind ebenfalls kommerziell erhältlich, beispielsweise
bei der Firma Wacker (Cavamax® und Cavasol®).
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung der erfindungsgemäßen
Dispersionen als Komponente bei der Herstellung von Kleb- und Dichtstoffen unter
Verwendung von Polymerdispersionen (c) sowie die resultierenden Kleb- und Dichtstoffe.
Insbesondere können die erfindungsgemäßen Dispersionen
als Komponente bei der Herstellung von Dichtstoffen und Beschichtungen –
besonders zur Herstellung von klebenden Beschichtungen – unter Zusatz von
mindestens einer Polymerdispersion (c) verwendet werden.
Bei der Verwendung der erfindungsgemäßen Dispersionen als
Komponente bei der Herstellung von Kleb- und Dichtstoffen sind alle Polymerdispersionen
(c) geeignet, in welchen der Feststoff in einer flüssigen Phase gelöst
ist und diese Phase wiederum mit einer weiteren flüssigen Phase eine Emulsion
bildet oder solche Polymerdispersionen (c), bei denen Polymere mit Hilfe von Emulgatoren
oder Dispergatoren in Wasser dispergiert sind. Beispiele sind Latices von Polymeren
aus Dienen oder olefinisch ungesättigten Monomeren und deren Copolymeren, wie
Polystyrol-Butadien-Latex, Acrylnitril-Butadien-Latex, Polychloropren-Latex, Latex
eines Copolymeren aus Chloropren und Dichlorbutadien, Latex von chloriertem Polyisopren
oder (Meth)acrylat-Latex.
Die Polymerdispersionen (c) können ein oder mehrere solcher Polymerdispersionen
enthalten.
Bevorzugt sind natürliche und synthetische Polymerdispersionen,
die im Klebstoffbereich eingesetzt werden, beschrieben in: Irving Skeist, Handbook
of Adhesives 2. Auflage 1977, Van Nostrand Reinhold New York.
Besonders bevorzugt sind Polymerdispersionen (c) deren viskoelastischen
Eigenschaften der trockenen Filme in oder im Bereich des Haftklebebereichs liegen.
Die Filmherstellung erfolgte aus den Dispersionen bei Raumtemperatur. Aus den Filmen
wurden für die Messung Platten bei 100°C gepresst und im Rotationsrheometer
der Speichermodul G' bei Temperaturen von 30°C bis 100°C bestimmt. Der
Speichermodul soll im Bereich von 0,02 bis 2 MPa liegen. Liegt der Speichermodul
G' unter 0,02 MPa, dann wird durch Zusatz der erfindungsgemäßen Dispersion
der Speichmodul zwar angehoben, die innere Festigkeit des Polymerdispersion c (Cohäsion)
ist jedoch zu niedrig, so dass der Klebstofffilm im Test cohäsiv versagt. Liegt
der Speichermodul G' über 2 MPa, dann ist der Klebstofffilm zu hart und die
Adhäsion zum Substrat nicht ausreichend.
Ganz besonders bevorzugt sind Polymerdispersionen (c) enthaltend Polymere,
die Hydroxylgruppen in der Polymerkette tragen. Der daraus resultierende höhere
Hydroxylgruppengehalt kann hinsichtlich eines besseren Vernetzungsverhaltens von
besonderem Vorteil sein.
Die erfindungsgemäßen Dispersionen enthaltend die Komponenten
(a) und (b) besitzen bevorzugt einen Gehalt an dispergiertem Siliciumdioxid (a)
von 98 Gew.-% bis 25 Gew.-%, bevorzugt von 93 Gew.-% bis 45 Gew.-%. Die Anteile
der wasserlöslichen Polymere oder Oligomere (b) in den Dispersionen liegen
bei 2 Gew.-% bis 75 Gew.-%, bevorzugt 7 Gew.-% bis 55 Gew.-%., wobei sich die Prozentangaben
auf das Gewicht nichtflüchtiger Anteile beziehen und zu 100 Gew.-% addieren.
Bei der Verwendung der erfindungsgemäßen Dispersionen –
enthaltend die Komponenten (a) und (b) – als Komponente in Klebstoff- und
Dichtstoff-Formulierungen enthalten die Formulierungen die erfindungsgemäßen
Dispersionen im Bereich von 3 Gew.-% bis 45 Gew.-%, bevorzugt 5 Gew.-%. bis 30 Gew.-%.
Die Polymer-Dispersionen (c) sind in den Formulierungen zu 97 Gew.-% bis 55 Gew.-%
enthalten, bevorzugt zu 95 Gew.-% bis 70 Gew.-%, wobei sich die Prozentangaben auf
das Gewicht nichtflüchtiger Anteile beziehen und zu 100 Gew.-% addieren.
Die resultierenden Kleb- und Dichtstoffe sind solche Formulierungen
enthaltend
(a) mindestens eine wässrige Siliciumdioxid-Dispersion mit einem mittleren
Partikeldurchmesser der SiO2-Partikel von 1 bis 400 nm, bevorzugt 1 bis
200 nm,
(b) mindestens eine wasserlösliche Hydroxylgruppenhaltige organische Verbindung
und
mindestens eine Polymerdispersion (c).
Die erfindungsgemäßen Klebstoff- und Dichtstoffformulierungen
können weitere Zusatzmittel und gegebenenfalls Beschichtungs- und Klebstoffhilfsstoffe
enthalten.
Beispielsweise können Füllstoffe wie Quarzmehl, Quarzsand,
Schwerspat, Calciumcarbonat, Kreide, Dolomit oder Talkum, gegebenenfalls zusammen
mit Netzmitteln, beispielsweise Polyphosphaten, wie Natriumhexametaphosphat, Naphthalinsulfonsäure,
Ammonium- oder Natriumpolyacryl-Säuresalze zugesetzt werden, wobei die Füllstoffe
in Mengen von 10 bis 60 Gew.-%, bevorzugt von 20 bis 50 Gew.-%, und die Netzmittel
in Mengen von 0,2 bis 0,6 Gew.-%, alle Angaben bezogen auf die nichtflüchtigen
Anteile, zugesetzt werden. Weitere geeignete, gegebenenfalls einzusetzende Hilfsmittel
sind beispielsweise in Mengen von 0,01 bis 1 Gew.-%, bezogen auf nichtflüchtige
Anteile, einzusetzende organische Verdickungsmittel, wie Cellulosederivate, Alginate,
Stärke, Stärkederivate, Polyurethan-Verdickungsmittel oder Polyacrylsäure
oder in Mengen von 0,05 bis 5 Gew.-%, bezogen auf nichtflüchtige Anteile, einzusetzende
anorganische Verdickungsmittel, wie beispielsweise Bentonite. Zur Konservierung
können der erfindungsgemäßen Dispersion auch Fungizide zugesetzt
werden. Diese kommen in Mengen von 0,02 bis 1 Gew.-%, bezogen auf nichtflüchtige
Anteile, zum Einsatz. Geeignete Fungizide sind beispielsweise Phenol- und Kresolderivate
oder zinnorganische Verbindungen. Gegebenenfalls können auch klebrigmachende
Harze, so genannte Klebharze, wie z.B. unmodifizierte oder modifizierte Naturharze
wie Kollophoniumester, Kohlenwasserstoffharze oder synthetische Harze wie Phthalatharze
der erfindungsgemäßen Polymer-Dispersion in dispergierter Form zugesetzt
werden (siehe z.B. in „Klebharze" R. Jordan, R. Hinterwaldner, S. 75–115,
Hinterwaldner Verlag München 1994). Bevorzugt sind Alkylphenolharz- und Terpenphenolharz-Dispersionen
mit Erweichungspunkten größer 70°C, besonders bevorzugt größer
110°C. Auch Weichmacher, wie beispielsweise solche auf Adipat-, Phthalat- oder
Phosphatbasis können den erfindungsgemäßen Dispersionen in Mengen
von 0,5 bis 10 Gew.-Teile, bezogen auf nichtflüchtige Anteile zugesetzt werden.
Ebenfalls möglich ist ein Einsatz organischer Lösungsmittel,
wie beispielsweise aromatischer Kohlenwasserstoffe, wie z.B. Toluol oder Xylol,
Ether, wie z.B. Dioxan, Ketone, wie z.B. Aceton, oder Methylethylketon, Ester, wie
z.B. Butylacetat oder Ethylacetat, oder deren Gemische in Mengen von bis zu Gew.
10% bezogen auf die gesamte Klebstoff-Formulierung Solche Zusätze
organischer Lösungsmittel können beispielsweise die Haftung zum zu beschichtenden
oder verklebenden Substrat verbessern oder der Lösung der vorangehend beschriebenen
gegebenenfalls enthaltenen weiteren Zusatzmittel oder gegebenenfalls Beschichtungs-
und Klebstoffhilfsstoffe dienen.
Zur Herstellung der erfindungsgemäßen Klebstoff- und Dichtstoffformulierungen
werden die Mengenverhältnisse der einzelnen Komponenten so gewählt, dass
die resultierende erfindungsgemäße Formulierung die Komponenten (a), (b)
und (c) sowie gegebenenfalls weitere Zusatzmittel oder Beschichtungs- oder Klebstoffhilfsstoffe
in den vorangehend angegebenen Mengen enthält.
Die einzelnen Komponenten können grundsätzlich in beliebiger
Reihenfolge zusammengegeben werden.
Die erfindungsgemäßen Dispersionen eignen sich hervorragend
als Klebstoffe oder Beschichtungsmittel für diverse Substrate. Beispielsweise
können Substrate wie Holz, Papier, Kunststoffe, Textilien, Leder, Gummi oder
aus anorganischen Materialien wie Keramik, Steingut, Glasfaser oder Zement beschichtet
oder verklebt werden. Beim Verkleben von Substraten können Substrate gleicher
oder verschiedener Art verklebt werden. Die erfindungsgemäßen Klebstoff-
und Dichtstoffformulierungen zeigen gegenüber bekannten Klebstoffformulierungen
trotz des hohen Wassergehaltes eine hohe Anfangsfestigkeit und die resultierenden
trockenen Beschichtungs- oder Klebstoff-Filme eine hohe Wasserfestigkeit und Wärmebeständigkeit.
Weiterhin Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit die Verwendung
der erfindungsgemäßen Klebstoff- und Dichtstoffformulierungen als Klebstoffe
oder Beschichtungsmittel.
Die Auftragung der erfindungsgemäßen Polymer-Dispersionen
kann auf bekannte Weisen, z.B. durch Streichen, Gießen, Rakeln, Spritzen, Walzen
oder Tauchen durchgeführt werden. Die Trocknung des Beschichtungs- bzw. Klebstofffilms
kann bei Raumtemperatur oder erhöhter Temperatur erfolgen, wobei eine Erwärmung
der trockenen Klebstoffschicht auf 80°C bis 200°C über eine Zeitraum
von 10 Sekunden bis 20 Minuten vorteilhaft ist um einen höheren Wärmestand
der Klebnaht zu erreichen.
Ebenfalls Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Substrate die
mit einer erfindungsgemäßen Formulierung beschichtet oder verklebt sind
sowie ein Verfahren zum Verbinden der einseitig oder beidseitig beschichteten Substrate
unter Verwendung der Formulierungen.
Die folgenden Beispiele dienen der beispielhaften Erläuterung
der Erfindung und sind nicht als Beschränkung aufzufassen.
Beispiele1.1. Eingesetzte SubstanzenTab. A: Siliziumdioxid-Dispersionen (Kieselsole) der Firma H. C. Starck
GmbH (wässrige Siliciumdioxid-Dispersion (a))
(*) Mittelwerte, berechnet aus der spezifischen Oberfläche
Tab. B: Cyclodextrine der Firma Wacker Burghausen Deutschland (wasserlösliche
hydroxylgruppenhaltige Verbindung (b))
Die Dispersionen werden in einer Teflonschale als Film getrocknet
und zwar 3 Tage bei Raumtemperatur, 1 Stunde bei 80°C und danach noch einmal
3 Tage bei Raumtemperatur, wobei ein Film mit einer Dicke von 1,0 mm bis 1,5 mm
entstehen soll. Gemessen wird mit einem Gerät der Firma Perkin Elmer DMA 7
bei einer Belastung von 500 mN und einem Temperaturprogramm von –100°C
bis +240°C, Steigerungsrate 5°/min. Gemessen wird die Eindringtiefe des
Messkopfes bei der entsprechenden Temperatur. Je weicher der Film wird, umso tiefer
dringt der Messkopf in das Substrat ein. Diese Messung korreliert mit der Ermittlung
der Wärmebeständigkeit der Klebungen im Heizschrank. Beispiel für
eine solche Wärmebeständigkeitsprüfung: Die Prüfkörper
werden mit 4 kg belastet und in einem Heizschrank innerhalb von 30 min. auf 40°C
temperiert. Anschließend werden die Prüfkörper mit einer linearen
Heizrate von 0,5°C/min. auf 150°C aufgeheizt. Die Erweichungstemperatur,
d.h. die Temperatur in °C bei der die Klebung unter der 4 kg Last versagt,
wird registriert.
1.2.2. Bestimmung der Schälfestigkeit
Die Prüfung erfolgt gemäß EN 1392. Auf zwei Prüfkörper
aus Leinen mit den Maßen 100 × 30 mm, wird ein 100 &mgr;m dicker Nassfilm
der Formulierung aufgetragen und bei Raumtemperatur gelüftet. Anschließend
werden die Prüflinge 10 Sekunden lang Schockaktiviert und mit 4 bar zusammengefügt.
Es erfolgt eine Reißprüfung auf einer handelsüblichen Zugprüfmaschine
bei Raumtemperatur. Es werden die Festigkeitswerte nach einem Tag ermittelt.
1.2.3. Abkühlversuch im Rotationsrheometer (Bohlin)
Die Untersuchungen der viskoelastischen Eigenschaften erfolgten mit
einem Rotationsrheometer der Fa. Bohlin mittels oszillierende Deformation in der
Platte/Platte-Geometrie. Die Filmherstellung erfolgte aus den Dispersionen bei Raumtemperatur.
Aus den Filmen wurden für die Messung Platten bei 100°C gepresst.
Die viskoelastischen Eigenschaften werden in Abhängigkeit der
Temperatur von 100°C bis 20°C mit einer Abkühlgeschwindigkeit von
4°C/min bei einer Meßfrequenz von 1 Hz und einer Deformation von 0,05
bestimmt.
1.2.4. Bestimmung des Vernetzungsverhaltens der Klebstoff-Formulierungen
20 g der wässrigen Formulierungen werden 4 Tage bei Raumtemperatur
(RT) getrocknet. Die Ermittlung des Vernetzungsverhaltens erfolgt an einem Moving
Die Rheometer der Fa. Alpha Technologies. Die Prüfung erfolgt nach der Methode
ASTM D 5289-95. Diese Norm ist äquivalent zu ISO 6502-1991 und DIN 53529 Teil
3. Die Messung erfolgt üblicherweise bei Temperaturen von 100°C bis 200°C.
Gemessen wird der Verformungswiderstand der durch die zunehmende Vernetzung ansteigt
als Schubkraft bzw. Drehmoment. Angegeben wird die minimale Kraft bei Beginn der
Messung (S'min in dNm) und die maximale Kraft (S'max in dNm) beim Erreichen des
Vernetzungsplateaus.
1.2.5. Bestimmung des Restmonomergehaltes in der Klebstoff-Formulierung
10 g Klebstoff-Formulierung werden in einer 20 ml Rollrandflasche
eingewogen, gasdicht verschlossen und mittels Headspacetechnik kapillargaschromatographisch
analysiert. Gerät: Gaschromatograph Typ Perkin Elmer 8420; Quarzkapillarsäule.
Die Probe wird 30 min bei 70°C thermostatisiert, danach der Restmonomergehalt
in der Gasphase ermittelt.
1.3. Allgemeine Vorschriften für die Herstellung der erfindungsgemäßen
Dispersionen und Formulierungen1.3.1 Herstellung der erfindungsgemäßen Dispersionen enthaltend
die Komponenten (a) und (b)
Für die Herstellung der erfindungsgemäßen Dispersionen
wurde die Siliciumdioxid-Dispersion (a) in verschließbaren Glasflaschen vorgelegt
und das wasserlösliche hydroxylgruppenhaltige Polymer- bzw. Oligomer (b) unter
Rühren zugesetzt. Nach einer Rührzeit von 1 Stunde wurden die Glasflaschen
verschlossen und gelagert.
1.3.2. Herstellung der erfindungsgemäßen Klebstoff-Formulierungen
Für die Herstellung der erfindungsgemäßen Klebstoff-Formulierungen
wurde die Polymer-Dispersion (c) in einem Becherglas vorgelegt. Nacheinander wurden
dann die erfindungsgemäße Dispersion und bei Bedarf Zusatzmittel und gegebenenfalls
Klebstoffhilfsstoffe unter Rühren zugesetzt. Nach einer Lagerzeit von 24 Stunden
wurde die Formulierung für die Versuche verwendet.
Die Angaben in den Tabellen 2a, 3a, 4a und 5a sind Gewichtsteile der
jeweiligen Dispersionen (sofern nicht anders angegeben).
1.4. Beispiele1.4.1. Herstellung der erfindungsgemäßen Dispersionen aus Siliciumdioxid-Dispersionen
und CyclodextrinTab. 1a: Zusatz von Cyclodextrin gemäß Tab. B in fester Form
zu jeweils 100 g der Siliciumdioxid-Dispersion gemäß Tab. A
Die Bewertung erfolgte nach Lagerung von 7 Tagen.
+
= vollständig löslich
B
= Bodensatz von Cylodextrin
*) Vergleichsbeispiele
Tab 1b: Zusatz von Cyclodextrin gemäß Tab. B in fester Form zu
jeweils 100 g der Siliciumdioxid-Dispersion gemäß Tab. A
Die Bewertung nach Lagerung von 12 Monaten.
*) Vergleichsbeispiele
Die erfindungsgemäßen Siliciumdioxid Dispersionen enthalten
nur gelöste organische Oligomere oder Polymere und sind mindestens 1 Jahr ohne
Ausscheidungen und Gelbildung beständig.
1.4.2. Ermittlung des Vernetzungsverhaltens und des Wärmestandes von
Klebstoff Formulierungen bei Einsatz der erfindungsgemäßen Siliciumdioxid
Dispersion I und PolychloroprenEingesetzte Substanzen:
Tab 2c: Thermomechanische Eigenschaften der Formulierung (Wärmestand)
Gegenüber der Verwendung der Standardformulierungen –
mit und ohne Zusatz von Cyclodextrin – (Ansatz 15, 16, 18) zeigen die erfindungsgemäßen
Formulierungen 17 und 19 eine deutlich höhere Beständigkeit bei thermischer
Belastung und das beste Vernetzungsverhalten. Der Kurvenverlauf ist in
und gezeigt.
: Verlauf der Messungen der Beständigkeit
bei thermischer Belastung von Filmen aus Dispersionen gemäß Tab. 2a–c,
Ansätze 15–17
: Verlauf der Messungen der Beständigkeit
bei thermischer Belastung von Filmen aus Dispersionen gemäß Tab. 2a–c,
Ansätze 15, 18, 19
1.4.3.: Ermittlung des Vernetzungsverhaltens und des Wärmestandes
von Klebstoff Formulierungen bei Einsatz der erfindungsgemäßen Siliciumdioxid
Dispersion I und II und PolychloroprenEingesetzte Substanzen:
– Dispersion II: Silicasol D + 5 Gew.-% Cyclodextrin F (Tab. 1 Ansatz
4)
– Polychloropren Dispersion L.
Tab 3a: Rezepturen
*) Vergleichsbeispiele
Tab 3b: Vulkameterdaten, maximale Kraft (S'max)
Tab 3c: Thermomechanische Eigenschaften der Formulierung (Wärmestand)
Gegenüber den harzhaltigen und harzfreien Standardformulierung
15, 20, 22 zeigen die erfindungsgemäßen harzfreien Formulierungen 21 und
23 eine deutlich höhere Beständigkeit bei thermischer Belastung und das
beste Vernetzungsverhalten. Der Kurvenverlauf ist in
und gezeigt.
: Verlauf der Messungen der Beständigkeit
bei thermischer Belastung von Filmen aus Dispersionen gemäß Tab. 3, Ansätze
15, 22, 21
: Verlauf der Messungen der Beständigkeit
bei thermischer Belastung von Filmen aus Dispersionen gemäß Tab. 3, Ansätze
15, 22, 23
1.4.4.: Ermittlung des Vernetzungsverhaltens von Klebstoff Formulierungen
bei Einsatz der erfindungsgemäßen Siliciumdioxid Dispersion I und II und
Polychloropren mit Unterschiedlichen Gehalt an Hydroxylgruppen an der PolymerketteEingesetzte Stoffe:
– Dispersion II: Silicasol D + 5 Gew.-% Cyclodextrin F (Tab. 1 Ansatz
4)
– Polychloropren Dispersion L und K.
Tab 4a: Rezepturen
*) Vergleichsbeispiele
Tab 4b: Vulkameterdaten, maximale Kraft (S'max)
In allen Kombinationen zeigt die Polymerdispersionen L mit höherem
Gehalt an Hydroxylgruppen ein besseres Vernetzungsverhalten als die gleiche Polymerdispersion
K mit niedrigerem Gehalt an Hydroxylgruppen.
1.4.5.: Viskoelastische Eigenschaften der Polymerdispersionen C
Die viskoelastischen Eigenschaften der eingesetzten Polymerdispersionen,
bestimmt am Bohlin Rheometer, sind in –
dargestellt.
: Abkühlversuch mit Polymerdispersionen
S, T, N und U Bohlin VOR: 100°C > 20°C, 4°C/min, Frequenz: 1 Hz
: Abkühlversuch mit Polymerdispersionen
W, X und V Bohlin VOR: 100°C > 20°C, 4°C/min, Frequenz: 1 Hz
: Abkühlversuch mit Polymerdispersionen
O, P und M Bohlin VOR: 100°C > 20°C, 4°C/min, Frequenz: 1 Hz
: Abkühlversuch Bohlin mit Polymerdispersionen
K und L VOR: 100°C > 20°C, 4°C/min, Frequenz: 1 Hz
Wie man in sieht, erfüllen
die Abkühlkurven der Polymerdispersionen S, T und N die erfindungsgemäßen
Kriterien, d.h. bei der Bestimmung der viskoelastischen Eigenschaften liegt der
Speichermodul G' liegt bei Temperaturen von 30°C bis 100°C im Bereich
von 0,02 bis 2 MPa, während der Speichermodul der Dispersion U im niederen
Temperaturbereich für den Einsatzbereich Klebstoff zu hoch ist.
Gemäß erfüllen
die Dispersionen W und X die erfindungsgemäßen Kriterien, während
die Dispersion V für den Klebstoffeinsatz zu weich ist, d.h. die Kurve liegt
unterhalb des gewünschten Bereichs von 0,2 MPa.
Gemäß erfüllen
die Dispersionen O und P die erfindungsgemäßen Kriterien, während
die Dispersion M für den Klebstoffeinsatz zu weich ist, d.h. der Speichermodul
des Polymers sinkt bei steigender Temperatur sehr schnell ab und liegt schon bei
Temperaturen über 50°C unterhalb des gewünschten Bereichs von 0,2
MPa.
Gemäß erfüllen
beide Dispersionen K und L die erfindungsgemäßen Kriterien. 4.1.6.: Thermomechanische Eigenschaften (Wärmestand) an den Beispielen
Polymerdispersion N und ZTab 5a: Rezepturen
*) Vergleichsbeispiele
Tab 5b: Thermomechanische Eigenschaften der Formulierung (Wärmestand).
Bei Einsatz der erfindungsgemäßen Siliciumdioxid Dispersion
in den Versuchen 36 und 40 werden Formulierungen mit dem höchsten Wärmestand
erreicht.
1.4.7.: Bestimmung der Schälfestigkeit und des Vernetzungsverhaltens
von Formulierungen auf der Basis verschiedener PolymerdispersionenAnteile der eingesetzte Produkte:
+ = Formulierung enthält neben der Polymerdispersion diese Siliciumdioxid-Dispersion
Tab 6b: Schälfestigkeit und Vernetzungsverhalten.
N
= Speichermodul G' bei Temperaturen von 30°C bis 100°C außerhalb
des Bereichs von 0,02 bis 2 MPas
P
= Speichermodul G' bei Temperaturen von 30°C bis 100°C im Bereich
von 0,02 bis 2 MPas;
n.b
= nicht bestimmt
Tab. 7a: Rezepturen
+ = Formulierung enthält neben der Polymerdispersion diese Siliciumdioxid
Dispersion
Tab 7b: Schälfestigkeit und Vernetzungsverhalten.
N
= Speichermodul G' bei Temperaturen von 30°C bis 100°C außerhalb
des Bereichs von 0,02 bis 2 MPas
P
= Speichermodul G' bei Temperaturen von 30°C bis 100°C im Bereich
von 0,02 bis 2 MPas;
n.b
= nicht bestimmt.
Tab. 8a: Rezepturen
+ = Formulierung enthält neben der Polymerdispersion diese Siliciumdioxid
Dispersion
Tab 8b: Schälfestigkeit und Vernetzungsverhalten.
N
= Speichermodul G bei Temperaturen von 30°C bis 100°C außerhalb
des Bereichs von 0,02 bis 2 MPas
P
= Speichermodul G' bei Temperaturen von 30°C bis 100°C im Bereich
von 0,02 bis 2 MPas;
n.b
= nicht bestimmt.
Besonders bevorzugte Polymerdispersionen, deren viskoelastische Eigenschaften
(Speichermodul G') bei Temperaturen von 30°C bis 100°C im Bereich von
0,02 bis 2 MPas liegen zeigen in Kombination mit der erfindungsgemäßen
Siliciumdioxid Dispersion die besten Schälfestigkeiten der verklebten Substrate,
bzw. zeigen die höchste Vernetzung (S'max), vgl. insbesondere Versuche 42,
48, 57, 60, 69, 72. Dies gilt auch für die Versuche 45 und
51, von denen die entsprechenden Speichermodul-Kurven nicht vorliegen.
4.1.7 Bestimmung des RestmonomergehaltesTab 9a: Rezepturen
*) Vergleichsbeispiele
Tab 9b: Restmonomergehalt (freies Monomer) der Dispersion in ppm
*) Vergleichsbeispiele
Wie Versuch 75 zeigt, wird durch Zusatz der erfindungsgemäßen
Dispersion der Gehalt an freiem Restmonomer, gezeigt am Beispiel Polychloropren-Latex,
deutlich erniedrigt.
Anspruch[de]
Wässrige Dispersionen, dadurch gekennzeichnet, dass sie
(a) mindestens eine wässrige Siliciumdioxid-Dispersion mit einem mittleren
Partikeldurchmesser der SiO2-Partikel von 1 bis 400 nm und
(b) mindestens eine wasserlösliche Hydroxylgruppenhaltige organische Verbindung
enthalten
und die wasserlöslichen hydroxylgruppenhaltigen organischen Verbindungen in
der Siliciumdioxid-Dispersion gelöst sind.Wässrige Dispersionen gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die SiO2-Partikel einen Partikeldurchmesser von 1 bis 200 nm, bevorzugt
von 5 bis 100 nm, besonders bevorzugt von 8 bis 60 nm aufweisen.Wässrige Dispersionen gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch
gekennzeichnet, dass die wässrige Siliciumdioxid-Dispersion ein wässriges
Kieselsol ist.Wässrige Dispersionen gemäß wenigstens einem der Ansprüche
1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die wasserlösliche(n) Hydroxylgruppenhaltige(n)
organische(n) Verbindung(en) ein oder mehrere Cyclodextrin(e) ist (sind).Verwendung der Dispersionen gemäß wenigstens einem der Ansprüche
1 bis 4 bei der Herstellung von Kleb- und Dichtstoffen.Formulierungen enthaltend
(a) mindestens eine wässrige Siliciumdioxid-Dispersion mit einem mittleren
Partikeldurchmesser der SiO2-Partikel von 1 bis 200 nm,
(b) mindestens eine wasserlösliche Hydroxylgruppenhaltige organische Verbindung
und
mindestens eine Polymerdispersion (c).Formulierungen gemäß Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass
die Polymerdispersion(en) (c) Latices von Polymeren aus Dienen oder olefinisch ungesättigten
Monomeren und deren Copolymeren sind.Formulierungen gemäß Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet,
dass die Polymerdispersion(en) (c) Polymere enthalten, die Hydroxylgruppen in der
Polymerkette tragen.Verwendung der Formulierungen gemäß wenigstens einem der Ansprüche
6 bis 8 als Klebstoffe oder Beschichtungsmittel.Substrate, dadurch gekennzeichnet, dass sie mit einer Formulierung gemäß
wenigstens einem der Ansprüche 6 bis 8 beschichtet oder verklebt sind.Verfahren zum Verbinden der einseitig oder beidseitig beschichteten
Substrate gemäß Anspruch 10.