Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Warmwalzen nahtloser Rohre
mit einem oder mehreren hintereinander angeordneten Längs- oder Schrägwalzgerüsten
und einem im Inneren des Walzguts verwendeten Innenwerkzeug in Form einer Dorn-
bzw. Walzstange, wie durch die DE 21 31 713
A1 bekannt geworden.
Die Innenwerkzeuge/Dornstangen bei der Umformung nahtloser Rohre sind
je nach Fertigungsverfahren hohen mechanischen und thermischen Belastungen ausgesetzt.
Dementsprechend tritt ein hoher Verschleiß der Werkzeugoberfläche auf,
wobei es zu Abrasion, Adhäsion und Zerrüttung kommt und bei relativ geringer
Standzeit zu Oberflächenbeschädigungen am Umformgut sowie zum Ausfall
des Werkzeuges. Daher wird versucht, in den hochbelasteten Werkzeugbereichen möglichst
harte, verschleißfeste Materialien einzusetzen.
Üblicherweise kommen für Umformwerkzeuge Warmarbeitsstähle,
aber zunehmend auch Sonderwerkstoffe (z. B. Hartmetalle, Nickel-Kobald-Legierungen,
Cermets) und Keramik zum Einsatz. Keramik, Cermet und andere hochverschleißfeste
Materialien haben die für diese Zwecke besonders nachteiligen Eigenschaften
geringer Thermoschockresistenz, geringer Biegebruchfestigkeit und hoher Rissempfindlichkeit
beim Auftreten von Zugspannungen.
Verwendet man Innenwerkzeuge, z. B. Walzstangen, die Ringe oder Ringsegmente
mit oder ohne axiale Vorspannung enthalten, kommt es bei Belastung durch das Walzgut
zu lokalen Zugspannungen, die das Entstehen von Rissen und das Versagen des Werkzeuges
zur Folge haben. Aus diesem Grund ist der Einsatz von verschleißfesten Werkstoffen
an den im Innern des Walzgutes verwendeten Werkzeugen bislang nicht erfolgreich.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes
Verfahren und ein gattungsgemäßes Innenwerkzeug zu schaffen, die eine
Nahtlosrohrfertigung ohne die beim Einsatz von Sonderwerkstoffen für das Innenwerkzeug
beschriebenen Nachteile ermöglichen.
Diese Aufgabe wird verfahrensmäßig mit den im Anspruch 1
und hinsichtlich des Innenwerkzeugs mit den im Anspruch 4 angegebenen Merkmalen
gelöst.
Vorteilhafte und zweckmäßige Ausgestaltungen der Erfindung
sind in den abhängigen Ansprüchen enthalten.
Nach vorliegender Erfindung wird das Auftreten von Zugspannungen vermieden,
indem im Umfang verteilt Werkzeugeinsätze verwendet werden, mit denen Werkzeugteile,
z. B. Segmente aus hochverschleißfestem Material, unter hohen tangentialen
Druckspannungen vorgespannt werden. Damit wird zusammen mit einer axialen Vorspannung
ein Spannungszustand mit hohen Druckspannungen erzeugt, der bei Belastung durch
das Walzgut zu einem dreidimensionalen Druckspannungszustand führt und dadurch
eine Vermeidung des Auftretens von Zugspannungen ermöglicht. Damit wird der
Einsatz von verschleißfesten aber spröden Materialien an den Innenwerkzeugen
in Walzstraßen der Nahtlosrohrfertigung ermöglicht.
Die Anzahl der Werkzeugteile bzw. -segmente richtet sich nach der
Anzahl der Walzen, so daß die Dorn-/Walzstange, d. h. das Innenwerkzeug zwei,
drei oder mehr Segmente mit jeweils dazwischen lückenlos angeordneten Werkzeugeinsätzen
aufweisen kann.
Die Werkstückeinsätze sind so angeordnet, daß diese
im Belastungsfall im Bereich ohne Walzgutkontakt oder im Bereich nur geringer mechanischer
und thermischer Belastung liegen. Beim Längswalzen wird das Innenwerkzeug so
ausgerichtet, daß die Werkstückeinsätze in den Bereichen zwischen
den Walzen positioniert sind. Beim Schrägwalzen sollte die Walzstange bzw.
das Innenwerkzeug ebenfalls so positioniert sein und nicht rotieren.
Auch beim Einsatz von Sonderwerkstoffen, wie Keramik, die eine geringe
Affinität zu Stahl aufweisen, und bis zu Einsatztemperaturen von über
1.000 °C verschleißbeständig sind, ist es vorteilhaft, daß ein
Kühl-, Schmier- und Trennmittel in die Kontaktzone Rohr-Innenwerkzeug eingebracht
wird. Hierzu ist der Werkzeuggrundkörper mit einer zentralen Längsbohrung
sowie mit radialen, schrägen Zuführbohrungen versehen, durch die das Medium
unter Druck und Anhaften an der Innenoberfläche des Rohres an die Kontaktzone
gefördert wird. Bei mehreren hintereinander angeordneten Walzgerüsten
wird jedes Walzgerüst in dieser Weise mit dem Medium versorgt. Auch bei Schrägwalzanlagen
erfolgt die Versorgung in gleicher Weise.
Weitere Einzelheiten und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den
Ansprüchen und der nachfolgenden Beschreibung eines in den Zeichnungen schematisch
dargestellten Ausführungsbeispiels der Erfindung. Es zeigen:
1 in einem Längsschnitt als Einzelheit einen Teilabschnitt
eines Innenwerkzeugs zur Herstellung nahtloser Rohre, und zwar dargestellt im Kontaktbereich
des rohrförmigen Walzguts mit einer Walze eines Walzgerüstes, und
2 als Einzelheit einen Querschnitt des Innenwerkzeugs
(Walz-/Dornstange) entlang der Linie II-II von 1.
Vor einer als solche hinlänglich bekannten Kontiwalzanlage
1 zur Herstellung von nahtlosen Rohren zeit die 1
auszugsweise einen Bereich, in dem sich ein in Walzrichtung 2 durchlaufendes
Walzgut 3 in Kontakt mit einer Walze 4 befindet. Das gelochte,
rohrförmige Walzgut 3 wird zwischen, aufeinanderfolgenden Walzen
4 der Kontiwalzanlage 1 auf einem Innenwerkzeug 5, ausgeführt
als Walz- bzw. Dornstange ausgewalzt, wobei die Kontiwalzanlage 1 vorteilhaft
mit gehaltenem Innenwerkzeug 5 betrieben werden kann, so daß der Vorschubweg
zwischen minus 1 Gerüstabstand bis plus 1 Gerüstabstand beträgt.
Das Innenwerkzeug 5 besteht aus einem eine zentrale Längsbohrung
6 aufweisenden Grundkörper 7 und auf diesem angeordneten
Werkzeugsegmenten 8 aus einem hochverschleißfesten, hitzebeständigen
Material sowie zwischen diesen vorgesehenen, gemäß Pfeil 9 (vgl.
2) radial anstellbaren Werkzeugeinsätzen
10. Die Werkzeugsegmente 8 und – einsätze
10 werden von einer den Grundkörper 7 umschließenden
Hülse 11 aufgenommen.
Durch die Hülse 11 werden die darin angeordneten Werkzeugsegmente
8 und – einsätze 10 axial vorgespannt, wie in
1 mit den Pfeilen 12 angedeutet. Da die Werkzeugsegmente
8 durch die Radialanstellbarkeit (Pfeile 9 in 2)
der Werkzeugeinsätze 10 gleichzeitig einer tangentialen Druck- bzw.
Vorspanndung gemäß den in 2 eingetragenen
Doppelpfeilen 13 unterliegen, tritt in den Werkzeugsegmenten
8 keine Zugspannung auf, was insbesondere bei sprödem Material, wie
Keramik, der Werkzeugsegmente 8 sehr wichtig ist. Beim Walzen wird eine
allseitige Druckspannung erreicht. Zur besseren Wirksamkeit beim Einleiten der tangentialen
und axialen Druckspannungen liegen einerseits die Hülse 11 mit den
Werkzeugsegmenten 8 und – einsätzen 10 und andererseits
die Werkzeugeinsätze 10 mit den Werkzeugsegmenten 8 mit Keilflächen
14 aneinander an.
Von der Längsbohrung 6 des Innenwerkzeugs
5 ausgehend und sich durch den Grundkörper 7 und die Hülse
11 hindurch verlaufend sind radial, schräg ausgebildet mehrere Zuführbohrungen
15 vorgesehen. Ein in die Längsbohrung 6 von einer nicht
dargestellten Versorgungsquelle eingeleitetes Kühl-, Schmier- und Trennmittel
wird über die Zuführbohrungen 15 unter Druck direkt in die Kontaktzone
zwischen dem Walzgut 3 und dem Innenwerkzeug 5 eingebracht. Dort
kommt es zu der gewünschten Anhaftung an der Innenmantelfläche des Walzguts
3.
- 1
- Kontiwalzanlage
- 2
- Walzrichtung (Pfeil)
- 3
- Walzgut
- 4
- Walze
- 5
- Innenwerkzeug (Dorn-/Walzstange)
- 6
- Längsbohrung
- 7
- Grundkörper
- 8
- Werkzeugsegmente
- 9
- Pfeil (Radialanstellbarkeit)
- 10
- Werkzeugeinsatz
- 11
- Hülse
- 12
- Pfeil (Axialvorspannung)
- 13
- Doppelpfeil (Tangential-Druck-Norspannung)
- 14
- Keilflächen
- 15
- Zuführbohrung