Die Erfindung betrifft ein Streckwerk zum Verziehen eines Faserverbandes
mit wenigstens einer Unterwalze, wobei die Unterwalze in einem auf einer Stanze
verschiebbaren Lagerschlitten gelagert ist, und wobei eine changierbare Vorgarnführerschiene
mit wenigstens einem daran angebrachten Vorgarnführer vorgesehen ist, die am
Lagerschlitten beweglich gelagert ist.
In den heute vielfach in der Praxis eingesetzten Streckwerken der
eingangs genannten Art ist es üblich, dass eine Vorgarnführerschiene mit
einem rechteckigen Querschnitt in einer schlitzförmigen Aussparung eines Lagerschlittens
einer Eingangsunterwalze gelagert ist. Die Vorgarnführerschiene liegt dabei
ohne besondere Lagerungsmittel in der Aussparung und gleitet im Lagerschlitten hin
und her. Diese bekannte Aufnahme der Vorgarnführerschiene im Lagerschlitten
ist sehr unpräzise und stark reibungsbehaftet.
Außerdem ist durch die EP
1 749 909 A2 eine changierbare Vorgarnführerschiene bekannt, die mit
Blattfedern an einem feststehenden Teil der Spinnmaschine gelagert ist. Bei einer
Verschiebung des Lagerschlittens der Eingangsunterwalze des Streckwerks in Transportrichtung,
die zur Anpassung der Abstände der Walzenpaare im Streckwerk an die Art des
verarbeiteten Fasermaterials vorgenommen wird, verschiebt sich die Vorgarnführerschiene
nicht mit dem Lagerschlitten, so dass sich die Position der Vorgarnführer in
Bezug auf das Eingangswalzenpaar ändert.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, die Lagerung einer Vorgarnführerschiene
an einem Lagerschlitten zu verbessern.
Die Aufgabe wird dadurch gelöst, dass die Vorgarnführerschiene
mit wenigstens einer Blattfeder am Lagerschlitten gelagert ist.
Die Befestigung der Vorgarnführerschiene über eine Blattfeder
unmittelbar am Lagerschlitten der Eingangsunterwalze hat den Vorteil, dass die Vorgarnführerschiene
stabil und präzise geführt ist und dass bei der Changierbewegung der Vorgarnführerschiene
keinerlei Reibung mehr auftritt. Die Vorgarnführerschiene lässt sich dadurch
auch mit extrem langsamen Geschwindigkeiten hin und her changieren, beispielsweise
so langsam, dass eine Hin- und Herbewegung 24 Stunden dauert. Derart langsame Changiergeschwindigkeiten
sind mit den bekannten Vorgarnführerschienen, die lediglich in einem Schlitz
des Lagerschlittens gleitend geführt sind, nicht möglich, da dort die
Reibung zu ruckartigen Bewegungen führen würde.
Gleitzeitig hat die erfindungsgemäße Befestigung der Vorgarnführerschiene
mit wenigstens einer Blattfeder am Lagerschlitten den Vorteil, dass sich die Position
des Vorgarnführers in Bezug auf die Unterwalze nicht ändert, wenn die
Unterwalze auf der Stanze verschoben wird, um die Feldweiten in den Verzugszonen
des Streckwerks an das Fasermaterial anzupassen. Neben der Verschiebung der Unterwalze
sind keine weiteren Einstellarbeiten an Vorgarnführerschiene oder Vorgarnführer
notwendig.
Die Erfindung betrifft ferner eine Baugruppe für ein Streckwerk
zum Verziehen eines Faserverbandes mit einem Lagerschlitten für eine Unterwalze
und einer Aufnahme für eine Vorgarnführerschiene, wobei die Aufnahme für
die Vorgarnführerschiene mit wenigstens einer Blattfeder am Lagerschlitten
befestigt ist. Es kann vorteilhaft sein, den Lagerschlitten vormontiert mit der
Blattfeder und einer Aufnahme für die Vorgarnführerschiene auszuliefern,
um Montageaufwand bei der Erstinstallation des Streckwerks einzusparen.
In Ausgestaltung der Erfindung ist es vorteilhaft, dass die Blattfeder
im Wesentlichen U-förmig ausgebildet ist. Bevorzugt ist die Blattfeder mit
ihren beiden parallelen Schenkeln am Lagerschlitten befestigt. Eine im Wesentlichen
U-förmig geformte Blattfeder hat den Vorteil, dass sie eine hohe Stabilität
gegen Torsion der Vorgarnführerschiene bietet.
Die Erfindung betrifft außerdem einen Lagerschlitten für
eine Unterwalze eines Streckwerks mit einer Lageraufnahme für das Unterwalzenlager
und einer Auflagefläche für eine Stanze. Der Lagerschlitten weist eine
Aufnahme für eine Blattfeder zur Befestigung einer Vorgarnführerschiene
auf. Es ist vorteilhaft, dass in Bezug auf eine durch die Auflagefläche für
eine Stanze gebildete Ebene am Lagerschlitten, die Aufnahme für eine Blattfeder
und die Lageraufnahme auf gegenüberliegenden Seiten angeordnet sind, so dass
also die Aufnahme für eine Blattfeder auf der der Lageraufnahme abgewandten
Seite der Auflagefläche für eine Stanze angeordnet ist. Diese Anordnung
hat den Vorteil, dass ein genügend großer Abstand zwischen der Aufnahme
für die Blattfeder und der Position für die Vorgarnführerschiene
vorliegt, so dass eine Blattfeder mit der erforderlichen Länge zwischen Lagerschlitten
und Aufnahme für die Vorgarnführerschiene vorgesehen werden kann. Eine
Blattfeder mit einer gewissen Länge ist vorteilhaft, damit die Blattfeder der
Changierbewegung der Vorgarnführerschiene möglichst wenig Widerstand entgegensetzt.
Bevorzugt ist die Aufnahme für eine Blattfeder an einem auskragenden
Arm des Lagerschlittens angeordnet. Der auskragende Arm ragt über die Auflagefläche
für die Stanze auf der der Lageraufnahme abgewandten Seite heraus. Für
eine im Wesentlichen U-förmige Blattfeder ist es vorteilhaft,
dass der Lagerschlitten zwei auskragende Arme mit Aufnahmen für die Blattfeder
aufweist. Insbesondere aufgrund der auskragenden Arme ist es vorteilhaft, wenn der
Lagerschlitten spanlos hergestellt ist. Der Lagerschlitten wird bevorzugt als Spritzgussteil,
insbesondere aus Kunststoff, hergestellt.
Es ist oftmals vorgesehen, dass dem Streckwerk eine Coregarn-Einrichtung
zur Zuführung eines Filaments zugeordnet wird. Das Filament wird mit dem im
Streckwerk verzogenen Faserverband vereinigt und gemeinsam zu einem Coregarn verdreht.
Bei Vorhandensein einer Coregarn-Einrichtung im Streckwerk ist es vorteilhaft, dass
an der Vorgarnführerschiene ein Tragarm für eine Führungsrolle zum
Zuführen eines Filaments befestigt ist. Die Führungsrolle zum Zuführen
des Filaments ist dadurch an die Changierbewegung des Vorgarnführers gekoppelt
und bewegt sich synchron mit diesem. Es wird dadurch trotz Changierbewegung sichergestellt,
dass das Filament immer an der richtigen Position zum verzogenen Faserverband zugeführt
wird und optimal in den Faserverband eingebunden wird. Durch die Möglichkeit
der extrem geringen Changiergeschwindigkeit entspricht die Position des Faserverbandes
im gesamten Streckwerk der Position des Vorgarnführers.
Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung eines Ausführungsbeispiels.
Es zeigen:
1 eine teilweise geschnittene und schematisch dargestellte
Seitenansicht auf ein Streckwerk,
2 eine Draufsicht in Richtung des Pfeiles II der
1 auf das Streckwerk im Bereich der Vorgarnführerschiene,
3 bis 5 eine vergrößert
dargestellte Baugruppe mit einem Lagerschlitten und einer über eine Blattfeder
befestigten Aufnahme für eine Vorgarnführerschiene in drei Ansichten,
6 und 7 perspektivische
Ansichten der Baugruppe nach den 3 bis 5,
8 und 9 perspektivische
Ansichten des Lagerschlittens der Baugruppe nach den 3
bis 7.
In den 1 und 2
ist ein Streckwerk 1 einer Textilmaschine dargestellt. Das Streckwerk
1 kann beispielsweise an einer Ringspinnmaschine angeordnet sein. Das Streckwerk
1 besteht im Wesentlichen aus mehreren Walzenpaaren, die aus antreibbaren
Unterwalzen 2, 4 und 6 und daran angedrückten Oberwalzen
3, 5 und 7 mit elastischen Bezügen bestehen. Die
Walzenpaare 2, 3 sowie 4, 5 und 6,
7 verziehen eine Faserlunte oder ein Vorgarn 8 in Transportrichtung
A zu einem Faserverband 9 der gewünschten Feinheit. Das Vorgarn
8 aus Stapelfasern wird dem Eingangswalzenpaar 2, 3 des
Streckwerks 1 über einen Vorgarnführer 10 zugeführt.
Die Unterwalze 2 ist in gewissen Abständen über Unterwalzenlager
11 in Lagerschlitten 12 gelagert. Der Lagerschlitten
12 ist seinerseits auf einer Stanze 13 gelagert und ist in Transportrichtung
A verschiebbar, so dass der Abstand der Unterwalze 2 zu der nachfolgenden
Unterwalze 4 einstellbar ist. Die Unterwalzen 4 und
6 können in nicht dargestellter Weise analog gelagert sein. Die Oberwalzen
5 zweier benachbarter Streckwerke 1 können – wie in
2 angedeutet – mit einer gemeinsamen Achse
14 zu einem sogenannten Oberwalzenzwilling zusammengefasst und von einem
nicht dargestellten Belastungsträger durch eine Belastungsfeder gegen die Unterwalze
2 angedrückt werden.
Im Anschluss an das Streckwerk 1 wird der Faserverband
9 in Abzugsrichtung B einem nicht dargestellten Drallorgan, beispielsweise
einer Ringspindel, zugeführt und es entsteht der fertige Faden 15.
In nicht dargestellter Ausgestaltung können im Anschluss an das Ausgangswalzenpaar
6, 7 des Streckwerks 1 jedoch noch pneumatische und/oder
mechanische Kompaktiereinrichtungen vorgesehen sein, die den verstreckten Faserverband
9 in einer Verdichtungszone kompaktieren, bevor ihm die Spinndrehung erteilt
wird und der Faden 15 entsteht.
Zur Verminderung des Verschleißes der Oberwalzen 3,
7 sind die Vorgarnführer 10 an einer Vorgarnführerschiene
16 angebracht, die von einem Changierantrieb 17 in Changierrichtung
C hin und her bewegt wird. Die Vorgarnführerschiene 16 ist mit einer
Blattfeder 18 am Lagerschlitten 12 gelagert. Die Befestigung der
Vorgarnführerschiene 16 mit der Blattfeder 18 wird weiter
unten mit Hilfe der 3 bis 7
noch näher erläutert werden. Durch die bewegliche Lagerung der Vorgarnführerschiene
17 am Lagerschlitten 12 haben die Vorgarnführer
10 auch bei Verschiebung des Lagerschlittens 12 in Transportrichtung
A stets dieselbe Position zur Unterwalze 2. Es wird eine gleichbleibende
Zuführung des Vorgarnes 8 zum Eingangswalzenpaar 2,
3 gewährleistet, auch wenn die Feldweite zwischen dem Eingangswalzenpaar
2, 3 und dem nachfolgenden Walzenpaar 4, 5 verändert
wird.
Die Lagerung der Vorgarnführerschiene 16 mit Hilfe der
Blattfeder 18 am Lagerschlitten 12 wird vorteilhafterweise durch
eine Baugruppe 19 realisiert, die im Detail in den 3
bis 7 dargestellt ist. Die Baugruppe 19 besteht
aus dem Lagerschlitten 12, der Blattfeder 18 und einer Aufnahme
20 für die Vorgarnführerschiene 16.
Der Lagerschlitten 12 kann als Kunststoffspritzgussteil ausgebildet sein
und enthält als wesentliche Bestandteile eine Lageraufnahme 21 für
das Unterwalzenlager 11 und eine Auflagefläche 22 für
die Stanze 13. Des Weiteren enthält der Lagerschlitten 12
eine Aufnahme 23 für die Blattfeder 18. Die Blattfeder
18 ist im Wesentlichen U-förmig ausgebildet und ist mit ihren beiden
parallelen Schenkeln mit Hilfe der Schrauben 24 an den Aufnahmen
23 befestigt. Über die Schrauben 25 ist eine Aufnahme
20 für die Vorgarnführerschiene 16 an der Blattfeder
18 befestigt. Die Aufnahme 20 für die Vorgarnführerschiene
16 berührt den Lagerschlitten 12 nicht. Die Blattfeder
18 ist in Dickenrichtung sehr leicht verformbar, in alle anderen Richtungen
jedoch sehr steif. Hierdurch wird die Aufnahme 20 und die daran befestigte
Vorgarnführerschiene 16 in Changierrichtung C sehr leicht und ohne
großen Widerstand beweglich und gleitzeitig jedoch ist die Vorgarnführerschiene
16 in alle anderen Richtungen präzise und stabil positioniert.
Damit die Blattfeder 18 der Changierbewegung C nur wenig
Widerstand entgegensetzt, ist es vorteilhaft, dass die Aufnahme 23 der
Blattfeder 18 – wie beispielsweise in 4
erkennbar – auf der der Lageraufnahme 21 abgewandten Seite der Auflagefläche
22 für die Stanze 13 angeordnet ist. In Bezug auf eine durch
die Auflagefläche 22 für die Stanze 13 gebildete Ebene
am Lagerschlitten 12 liegen also die Aufnahme 23 für die
Blattfeder 18 und die Lageraufnahme 21 auf gegenüberliegenden
Seiten. Der Lagerschlitten 12 weist hierzu zwei auskragende Arme
26 auf – wie sie insbesondere in 3
erkennbar sind – und an deren Ende die Aufnahmen 23 für die
Blattfeder 18 angeordnet sind. Zur Verdeutlichung ist der Lagerschlitten
12 in den 8 und 9
noch einmal alleine dargestellt.
Optional kann dem Streckwerk 1 eine Coregarn-Einrichtung
27 zugeordnet sein, wie sie in 1 angedeutet
ist. Die Coregarn-Einrichtung dient zur Zuführung eines Filaments
28 zu dem Streckwerk 1. Das Filament 28 wird in der Coregarn-Einrichtung
27 von einer Filamentspule 29 über eine antreibbare Abwickelwalze
30 abgewickelt und in Zuführrichtung D über eine Führungsrolle
31 dem Streckwerk 1 zugeführt. Das Filament 28 kann
beispielsweise dem Ausgangswalzenpaar 6, 7 des Streckwerks
1 zugeführt werden, an dem der verstreckte Faserverband
9 vorliegt. In nicht dargestellter Ausgestaltung kann bei Vorhandensein
einer pneumatischen und/oder mechanischen Kompaktiereinrichtung auch vorgesehen
sein, das Filament 28 erst nach der Verdichtungszone dem Stapelfaserverband
9 zuzuführen. Im Anschluss an das Streckwerk 1 wird der Faserverband
9 zusammen mit dem Filament 28 zu dem fertigen Faden
15 verdreht.
Damit das Filament 28 auch bei der sich in Changierrichtung
C ändernden Position des Faserverbandes 9 immer exakt zu dem Faserverband
9 zugeführt wird, ist die Führungsrolle 31 über
einen Tragarm 32 an der Vorgarnführerschiene 16 befestigt.
Wie in 2 erkennbar, bewegt sich dadurch die Führungsrolle
31 synchron mit dem Vorgarnführer 10 hin und her, und das
Filament 28 wird immer exakt dem Faserverband 9 zugeführt.