Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von
Aerogelen, das eine Phase des Austausches der in dem nassen Gel vorliegenden Flüssigkeit
durch Xenon und eine anschließende Extraktion dieses Xenons beinhaltet.
Aerogele sind eines der möglichen Produkte eines Sol-Gel-Verfahrens.
Aerogele sind bislang vorwiegend in der thermoakustischen Isolierung und in der
chemischen Katalyse sowie als Intermediärmaterialien zur Herstellung von Gläsern
und Glaskeramiken verwendet worden; eine derzeit untersuchte neue Anwendung ist
als Isolierschicht mit sehr niedriger Dielektrizitätskonstante bei der Herstellung
integrierter Schaltkreise.
Bekanntermaßen sind Sol-Gel-Verfahren chemische Verfahren, nach
denen ein Material aus einer Mischung geeigneter Vorläufer (die als Sol bezeichnet
werden) hergestellt wird, wobei ein derartiges Material in der Regel ein einfaches
oder Mischoxid ist, das entweder als solches oder als Dünnschicht auf einem
Träger vorliegt.
Sol-Gel-Verfahren sind das Thema wichtiger veröffentlichter Patentdokumente
und sind beispielsweise in den folgenden Patenten beschrieben: US-A-4,574,063, US-A-4,680,048,
US-A-4,810,674, US-A-4,961,767 und US-A-5,207,814.
Wasser, Alkohole und Wasser/Alkohol-Mischungen werden üblicherweise
als Lösungsmittel/Verdünnungsmittel für die Ausgangslösung verwendet,
wobei die Vorläufer lösliche Salze von Metallen und/oder Metalloiden sein
können, beispielsweise Nitrate, Chloride und Acetate, oder vorzugsweise Verbindungen
mit der allgemeinen Formel M(OR)n sein können, wobei M das Metall-
oder Metalloidatom ist, O-R ein Alkoholrest ist (in der Regel von einem Alkohol,
der ein bis vier Kohlenstoffatome enthält) und n die Wertigkeit von M ist.
Tetramethoxysilan (als TMOS bekannt) mit der Formel Si(OCH3)4
und Tetraethoxysilan (als TEOS bekannt) mit der Formel Si(OCH2CH3)4
gehören zu den am häufigsten verwendeten Vorläufern in Sol-Gel-Verfahren.
Die erste Phase eines Sol-Gel-Verfahrens ist die Hydrolyse des Vorläufers
mit Wasser, das als Lösungsmittel vorhanden sein kann oder im Fall von alkoholischen
Lösungen absichtlich zugesetzt werden kann, gemäß der Reaktion:
M(-OR)n + n H2O → M(OH)n + n ROH(I)
Diese Phase wird allgemein durch niedrige pH-Werte begünstigt,
in der Regel zwischen 0 und 3, vorzugsweise zwischen etwa 1 und 2.
Die zweite Phase in dem Sol-Gel-Verfahren ist die Kondensation der
M(OH)n-Spezies gemäß dem folgenden Schema:
M(OH)n + M(OH)n → (OH)n-1M-O-M(OH)n-1
+ H2O(II)
Diese Reaktion, die sich auf alle ursprünglich in Lösung
vorhandenen M(OH)n-Spezies erstreckt, führt zu einem anorganischen
oxidischen Polymer mit einer offenen Struktur, das in seiner Porosität alles
Lösungsmittel aufnimmt, das ursprünglich vorhanden war oder während
der Hydrolyse erzeugt wurde. Das so produzierte anorganische oxidische Polymer wird
als Gel bezeichnet.
Damit das Gel praktische Anwendung finden kann, muss es durch vorsichtige
Extraktion der gesamten Flüssigkeit aus seinen Poren getrocknet werden.
Ein mögliches Verfahren zum Trocknen eines Gels ist durch einfaches
Verdampfen des Lösungsmittels; das so produzierte trockene Gel ist als "Xerogel"
bekannt. Wie Fachleuten auf diesem Sektor bekannt ist, ist die Produktion von Xerogelen
wegen der starken Kapillarkräfte, die das Lösungsmittel während des
Verdampfens auf die Porenwand ausübt, extrem schwierig und führt normalerweise
zur Zerstörung des Gels.
Ein alternatives Verfahren zur Herstellung trockener Gele ist die
superkritische (oder hyperkritische) Extraktion des Lösungsmittels. Nach dieser
Technik hergestellte trockene Gele sind als "Aerogele" bekannt.
Während des hyperkritischen Trocknens in geeigneten Autoklaven
wird die in dem Gel vorhandene Flüssigkeit Temperatur- und Druckwerten ausgesetzt,
die die für jene Flüssigkeit spezifischen kritischen Werte überschreiten.
In diesem Moment geht das gesamte Flüssigkeitsvolumen von der flüssigen
Phase in die Phase des superkritischen Fluids über, und die damit zusammenhängenden
Kapillarkräfte im Inneren der Poren nehmen von dem Anfangswert zu dem reduzierten
Wert ab, der dem superkritischen Fluid entspricht. Es wird so die destruktive Phase
der Meniskuspräsenz im Inneren der Poren vermieden, die immer durch Verdampfungen
während der Herstellung von Xerogelen erzeugt wird. Die Technik der hyperkritischen
Extraktion einer Flüssigkeit aus einem Gel ist beispielsweise in US-A-4,432,956
und US-A-5,395,805 beschrieben. Das Hauptproblem bei dieser Technik liegt darin,
dass Alkohole, die normalerweise in den Gelporen vorhanden sind, einen kritischen
Druck Pc von typischerweise mehr als 60 bis 70 bar und kritische Temperaturen Tc
von über 250°C haben. Derartige kritische Werte erfordern die Verwendung
hochbeständiger Autoklaven, die relativ teuer sind. Wenn das Gelprodukt außerdem
in Form eines Films auf einem Träger vorliegt (beispielsweise
im Fall eines dielektrisch isolierenden Films auf einem integrierten Schaltkreis),
sind die kritischen Temperaturen von Alkoholen und Estern möglicherweise zu
hoch und mit dem Träger oder mit anderen darauf vorliegenden Materialien nicht
kompatibel.
Eine wohl bekannte Technik zur Überwindung des Problems ist durch
den Flüssigkeitsaustausch des nassen Gels vor der hyperkritischen Extraktion
mit einer Flüssigkeit mit günstigeren kritischen Konstanten, insbesondere
mit niedrigerer Tc. Es können beispielsweise Kohlenwasserstoffe, wie Pentan
und Hexan, verwendet werden, die eine kritische Temperatur im Bereich von 200°C
haben. Der Tc-Wert ist jedoch selbst in diesem Fall möglicherweise nicht mit
allen Anwendungen verträglich, die für Aerogele vorstellbar sind; der
Austausch einer hydroalkoholischen Flüssigkeit mit einem Kohlenwasserstoff
würde jedoch aufgrund der fehlenden Mischbarkeit dieser Flüssigkeiten
einen zusätzlichen Austausch mit einer Intermediärflüssigkeit, wie
beispielsweise Aceton, erfordern, wodurch die Verfahrenszeit sich verlängert
und die Kosten der Rückführung der organischen Lösungsmittel ansteigen.
Eine weitere Möglichkeit ist der Austausch der hydroalkoholischen
Flüssigkeit mit flüssigem CO2, das einen sehr günstigen
Tc-Wert (etwa 35°C) hat; diese Flüssigkeit ist jedoch ebenfalls nicht
mit Wasser mischbar und erfordert die Verwendung einer intermediären Austauschflüssigkeit.
In diesem Fall ist Aceton nicht geeignet, weil es, wenn es mit flüssigem CO2
gemischt wird, nicht in den hyperkritischen Übergang kommt; als intermediäre
Austauschflüssigkeit kann Isoamylacetat verwendet werden, in diesem Fall erfordert
der doppelte Austausch (zuerst Aceton, danach Amylacetat) jedoch auch Verfahrenszeit,
die für ein industrielles Verfahren zu lang ist, und bringt unerwünschte
Lösungsmittelrückführungskosten mit sich.
Die Anmelderin hat nun gefunden, dass die Herstellung von Aerogelen
ohne die in der Technik bekannten Nachteile und gemäß einer bevorzugten
Ausführungsform durch eine hyperkritische Extraktionsstufe möglich ist,
die mit mäßigem Druck und mäßigen Temperaturwerten durchgeführt
wird, wodurch ferner keine langen Zeiten in dem vorhergehenden Flüssigkeitsaustausch
in dem nassen Gel erforderlich sind.
In der Tat ist ein Ziel der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zur
Herstellung von Aerogelen, umfassend den Austausch der flüssigen Phase des
Aquagels mit Xenon, die Extraktion von Xenon und die mögliche Rückgewinnung
desselben, wobei besondere Vorteile erreichbar sind, indem der Austausch mit flüssigem
Xenon bewirkt wird und die Extraktion desselben unter superkritischen Bedingungen
bewirkt wird.
Die Aquagelherstellung kann nach einem der im Stand der Technik bekannten
präparativen Verfahren erfolgen, beispielsweise durch Hydrolyse eines geeigneten
Vorläufers. Das Verfahren beinhaltet in diesem Fall eine Vorstufe der Hydrolyse/Kondensation,
die von dem geeigneten Vorläufer ausgeht.
Eine spezielle Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist
die Herstellung der Aerogele, umfassend:
- a) Hydrolyse/Kondensation, ausgehend von einem Vorläufer,
- b) Austausch der Flüssigkeit in dem Gel mit Xenon,
- c) superkritische Extraktion von Xenon,
- d) mögliche Xenonrückgewinnung.
Der Metallvorläufer, welcher die Hydrolysereaktion eingeht, kann
eine beliebige in der Technik bekannte Verbindung sein. Es können daher lösliche
Salze verwendet werden, wie beispielsweise Nitrate, Chloride und Acetat; es können
gemäß der bevorzugten Durchführungsweise außerdem Alkoxide oder
Alkoxidmischungen verwendet werden, die die folgende allgemeine Formel haben:
X-Me-(OR)n-1
wobei Me ein Metall ist, das zu der dritten, vierten und fünften Gruppe des
Periodensystems der Elemente gehört, n die Wertigkeit von Me ist, X entweder
-R oder -OR ist, wobei R ein linearer oder verzweigter, Säure/Alkohol-Rest
mit einer Anzahl von Kohlenstoffatomen bis zu 10 ist.
Die Hydrolyse wird in Gegenwart eines Katalysators durchgeführt,
der vorzugsweise vom Säuretyp ist, und das Lösungsmittel kann Wasser sein,
oder es kann der alkoholischen Vorläuferlösung zugefügt werden, wobei
die relevanten Bedingungen und das Verfahren im Stand der Technik beschrieben sind,
wie beispielsweise dasjenige, welches US-A-5,207,814 entspricht, nach der die Hydrolyse
bei Raumtemperatur durchgeführt wird und die bevorzugten Säurekatalysatoren
Salzsäure, Salpetersäure und Essigsäure sind. Dem hergestellten Sol
können Metalloxide, vorwiegend Siliziumoxid, zugefügt werden, um seine
Eigenschaften zu modifizieren, beispielsweise gemäß US-A-5,207,814.
Die in dem nassen Gel vorhandene Flüssigkeit wird in sehr kurzen
Zeiträumen mit Xenon mit einer kritischen Temperatur Tc = 16,6°C und einem
kritischen Druck Pc = 58,4 bar ausgetauscht. Nachdem der Austausch vollbracht ist,
wird das Xenon leicht ohne Verwendung eines für hohe Temperatur und hohen Druck
geeigneten Autoklaven extrahiert.
Xenon ist bekanntermaßen bei atmosphärischem Druck und atmosphärischer
Temperatur ein Gas; es gehört zu der Klasse der sogenannten Edelgase und wird
traditionell in Entladungslampen, in Solarlampen, in Lichtbogenlampen zur Herstellung
von UV-Strahlungen, zum Anregen von Laser-Hohlräumen, für Ionisierungskammern,
in den Blasenkammern zur Detektierung von Elementarteilchen verwendet.
Das Xenon wird für die Zwecke der vorliegenden Erfindung mit
einem Druck über 58,4 bar und einer Temperatur unter 16,6°C, vorzugsweise
unter 10°C, flüssig gehalten. Um Interdiffusionsprozesse in der flüssigen
Phase in der Porenstruktur zu begünstigen, sollte die Temperatur des Xenons
nicht so niedrig sein, üblicherweise nicht niedriger als 0°C.
Wenn man die hohen Kosten des Xenons berücksichtigt, wird das
erfindungsgemäße Verfahren vorzugsweise mit Systemen verwendet, bei denen
sich das Xenon am Ende des Extraktionsverfahrens zurückgewinnen lässt.
Ein mögliches Schema für diesen Systemtyp ist in
1 gezeigt, welches wir lediglich als Beispiel zeigen,
ohne dass irgendeine Einschränkung beabsichtigt ist.
System A von 1 ist ein Beispiel für
ein Verfahren zum hyperkritischen Trocknen eines Aquagels unter Verwendung von ausschließlich
Xenon. Das System weist ein Reservoir aus flüssigem Xenon 1 auf, das
über eine Leitung 2 mit mindestens einer, vorzugsweise jedoch mehreren
Formen 3 verbunden ist (1 zeigt ein System
mit drei Formen), die die ursprünglichen Aquagele enthalten. Die Formen sind
mit Ablaufleitungen 4 für die in den Poren ausgetauschte Flüssigkeit
(Wasser und/oder Alkohol) und gasförmiges Xenon am Ende des superkritischen
Extraktionsverfahrens verbunden. Alle Leitungen 4 konvergieren in einem
geeigneten Sammler 5 mit einer geeigneten Temperatur, bei der Wasser und
Alkohol fest sind, während Xenon sich in der flüssigen Phase befindet,
beispielsweise bei einer Temperatur zwischen etwa -30°C und -40°C. Sammler
5 ist schließlich mit einem Reservoir 6 für das zurückgewonnene
Xenon verbunden, das in bestimmten Modellen das gleiche Reservoir 1 sein
kann. Das System wird mit einem Ventil zum Öffnen und Schließen versehen,
welches in 1 mit V bezeichnet ist, welches für
selektive Isolierung jeglicher Komponente des Systems sorgt. Die Leitung
2 vor jeder Form 3 kann zudem mit Durchflussmessgeräten F
ausgestattet sein, um den Xenonfluss zu jeder Form zu regeln; jede Form ist mit
einem Manometer P verbunden, um den Druck in jeder Form zu kontrollieren.
Flüssiges Xenon mit Temperaturen zwischen 0°C und 16°C
kann allgemeiner in die Aquagele fließen gelassen werden, um die ursprünglich
enthaltene Flüssigkeit zu ersetzen, so dass ein Xenongel erhalten wird. Das
Xenongel wird danach bei einer Temperatur über 16,6°C und einem Druck
über 58,4 bar hyperkritischem oder superkritischem Trocknen unterzogen.