Die Erfindung betrifft einen Axialkompressor, insbesondere
einen Hochdruckkompressor, einen Mitteldruckkompressor oder einen Niederdruckkompressor
für ein Gasturbinentriebwerk, bestehend aus einer von der Turbine angetriebenen
Rotortrommel mit an deren Außenumfang in der jeweiligen Kompressorstufe
vorgesehenen Rotorschaufeln und auf diese folgenden Statorschaufeln.
Ein Axialkompressor umfasst einen oder mehrere Rotoren,
die aus am Umfang einer von der Turbine angetriebenen Welle angebrachten Rotorschaufeln
bestehen, sowie einen dem Rotor in jeder Kompressorstufe folgenden Statorschaufelkranz.
Bei einem aus mehreren - jeweils von einem Rotorschaufelkranz und einem feststehenden
Leitschaufelkranz gebildeten - Stufen bestehenden Kompressor sind die aufeinander
folgenden Rotoren, beispielsweise durch Schweißen, zu einer Trommel verbunden.
Abgesehen von einer so genannten "Blisk", bei der die Schaufeln integral an die
Rotorwelle angeformt sind, werden die Rotorschaufeln üblicherweise entweder
in einer gemeinsamen, am Umfang der Rotorwelle umlaufenden Nut oder in einzelnen,
nebeneinander axial angeordneten Nuten befestigt. Auf die an einer hohlen Rotorwelle
und mithin im Abstand von der Mittelachse des Kompressors angeordneten, mit hoher
Geschwindigkeit umlaufenden Rotorschaufeln wirken hohe Zentrifugalkräfte. Der
Belastung der Schaufeln durch Zentrifugalkräfte wird durch die Ausbildung der
Rotorwelle als Rotorscheibe, deren größter Masseanteil sich nahe der Kompressorachse
befindet, begegnet. Eine Mehrzahl aufeinander folgender Rotorscheiben wird, vorzugsweise
durch Schweißen, an der Peripherie zu einer - bereits oben erwähnten -
Trommel verbunden.
Der wesentliche Nachteil eines derart ausgebildeten Kompressors
resultiert aus der zur Kompensation der Fliehkraftbelastung erforderlichen Anordnung
der Rotorscheiben, die einen erheblichen Anteil am Gesamtgewicht des Kompressors
und letztlich auch des Triebwerks haben und außerdem viel Bauraum beanspruchen,
der nicht für andere Zwecke zur Verfügung steht. Schließlich sind
der durch die Rotorscheiben verursachte Material- und Fertigungsaufwand und damit
auch der Kostenaufwand hoch.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Rotor für
den Kompressor eines Gasturbinentriebwerks anzugeben, der ein geringes Gewicht aufweist
und mit vermindertem Kostenaufwand hergestellt werden kann.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe mit einem gemäß
den Merkmalen des Patentanspruchs 1 ausgebildeten Rotor gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
Kern der Erfindung ist die Ausbildung des Rotors bzw. der
Rotortrommel mit den daran gehaltenen Rotorschaufeln als Rotorring, und zwar unter
Verzicht auf die üblichen - platz-, gewichts- und kostenaufwendigen - Rotorscheiben.
Mehrere Rotorringe können durch Schraub- oder Schweißverbindungen zu einer
Rotortrommel aneinander gefügt sein oder auch eine einstückig gefertigte
Rotortrommel bilden. Zum Ausgleich der hohen Fliehkraftbelastung sind auf den Rotorring
bzw. die Rotortrommel Fasergurte gewickelt, die aus in eine hochtemperaturbeständige
Polymermatrix eingebundenen Kohlefasern bestehen, wobei Hochtemperatur die jeweils
herrschende Bauteiltemperatur bedeutet. Der im Innern der Rotortrommel nunmehr freie
Raum kann vorteilhaft zum Einbau eines Generators oder anderer Aggregate genutzt
werden.
In Ausgestaltung der Erfindung besteht die Polymermatrix
aus einem Epoxidharz, in das ein Estercyanid oder ein Polybismaimid oder ein Polyamidimid
oder ein anderes hochtemperaturbeständiges Harz, das gleichzeitig eine Korrosion
der Kohlefasern verhindert, eingebunden ist.
Die Fasergurte, die sowohl bei in Axialnuten oder in einer
Ringnut gehaltenen Rotorschaufeln und auch bei an die Rotorring bzw. die Rotortrommel
einstückig angeformten Rotorschaufeln eingesetzt werden können, werden
in eine unterhalb der Axialnuten ausgebildete Gurtaufnahmenut oder in eine vertiefte
Ringnut oder - bei einstückig angeformter Rotorschaufel - nahe dem Schaufelhals
auf den Rotorring oder in eine in diesem ausgebildete Nut gewickelt.
Bei den in Axialnuten oder in einer Ringnut gehaltenen
Rotorschaufeln können auf den Rotorring nahe dem Schaufelhals zusätzliche
Fasergurte gewickelt werden.
An die Innenfläche der Rotortrommel bzw. des Rotorringes
kann unterhalb der Schaufelbefestigung ein eine Auflagefläche aufweisendes
Verlängerungsstück angeformt sein. Auf diese Aufnahmefläche können
weitere Fasergurte gewickelt sein.
In weiterer Ausbildung der Erfindung kann ein zusätzlicher
Fasergurt auch auf den dem Rotorschaufelkranz folgenden Bereich der Rotortrommel,
in dem sich die Statorschaufeln des Kompressors befinden, gewickelt werden. Die
Fliehkraftaufnahmegurte können hier gleichzeitig als Dichtung gegenüber
den Leitschaufeln fungieren.
Die Kohlefasern werden nach vorhergehender Benetzung mit
der Polymermatrix auf die Außenfläche bzw. in die Nuten gewickelt. Sie
können auch trocken aufgewickelt werden, wobei in das Wickelgut anschließend
ein Polymer infiltriert wird. Die polymeren Matrixwerkstoffe können sowohl
Duromere wie auch Thermoplaste sein.
Bei einem Kompressor für ein Triebwerk sind die Fasergurte
vorzugsweise in den ersten vier Kompressorstufen angeordnet, in denen die Polymermatrix
der Fasergurte gegenüber den dort herrschenden Temperaturen beständig
ist. Bei Verfügbarkeit von bei höherer Temperatur beständigen Matrixwerkstoffen
können auch weitere Stufen in dieser Bauweise ausgeführt werden. In weiterer
Ausbildung der Erfindung weisen die Fasern über die Höhe des Fasergurtes
eine zur Rotortrommel hin allmählich steigende Elastizität auf, um so
die herrschenden Kräfte und Spannungen am besten ausgleichen zu können.
Ein nahe der Rotoroberfläche höherer Polymeranteil
dient zum Ausgleich der infolge der Wärmedehnung der Rotortrommel im Betrieb
auf die Fasern wirkenden Kräfte. Die Fasern können aber auch auf eine
erwärmte Rotortrommel und/oder unter verminderter Vorspannung aufgewickelt
werden.
Für das so genannte "health monitoring", das heißt,
die Überwachung des Zustands der Rotors, können in den Fasergurt an einen
Sensor zur Widerstandsmessung angeschlossene Piezofasern integriert sein.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand
der Zeichnung, in deren einziger Figur eine Teilansicht einer fiktiven Rotortrommel
mit unterschiedlichen Schaufel- und Fasergurtvarianten eines vierstufigen Kompressors
im Schnitt wiedergegeben ist, näher erläutert.
In der Zeichnung sind anhand ein und derselben, von einer
Turbine angetriebenen und um eine Mittelachse 1 rotierenden - hier für vier
verschiedene Schaufelanordnungen fiktiven - Rotortrommel 2 in vier Stufen eines
Kompressors, jedoch ohne Leitschaufelkränze, unterschiedliche Ausführungsformen
von Fasergurtversteifungen dargestellt.
Die einzelnen Kompressorstufen 3 bis 6 der Rotortrommel
2, die jeweils einen geschmiedeten Rotorring 7 bis 10 mit an dessen Umfang angeordneten
Rotorschaufeln 11 bis 14 umfassen, können durch eine - nur zwischen den Rotorringen
9 und 10 dargestellte - Schweißnaht 15 verbunden sein. Vorzugsweise können
jedoch, wie in der Zeichnung dargestellt, mehrere Rotorringe aus einem Stück
geschmiedet werden, so dass kostenaufwendige und störanfällige Schraub-
oder Schweißverbindungen entfallen können und die Lebensdauer der so ausgeführten
Rotortrommel 2 erhöht wird.
In einer ersten Ausführungsvariante sind die Rotorschaufeln
11 der ersten Kompressorstufe 3 jeweils in am Umfang des Rotorringes 7 ausgebildeten
Axialnuten 16 gehalten. Unterhalb der Axialnuten 16 ist in den Rotorring 7 eine
umlaufende Gurtaufnahmenut 17 eingeformt, in der sich ein Fasergurt 18, bestehend
aus in ein Hochtemperaturpolymer eingebundenen Kohlefasern, befindet.
In der zweiten Ausführungsvariante bilden der Rotorring
8 und die Rotorschaufel 12 in der zweiten Kompressorstufe 4 einen einstückigen
- entsprechend einer Blisk integral gefertigten - Rotor. In diesem Beispiel sind
auf dem Rotorring 8 zu beiden Seiten des Schaufelfußes der Rotorschaufeln 12
Fasergurte 18 vorgesehen, die unmittelbar auf den Rotorring 8 oder in eine umlaufende
Nut des Rotorringes 8 gewickelt sein können.
In den Rotorring 9 gemäß der dritten Ausführungsvariante
eines Rotors der dritten Kompressorstufe 5 ist eine den Schaufelfuß 13a der
Rotorschaufel 13 aufnehmende vertiefte Ringnut 19 eingeformt, in deren unteren Teil
zusätzlich, und zwar unterhalb des Schaufelfußes 13a, ein umlaufender
Fasergurt 18 aus in eine Polymermatrix eingebetteten Kohlefasern eingelegt ist.
Eine vierte Ausführungsvariante eines Rotors in der
vierten Kompressorstufe 6 verkörpert der Rotorring 10, der ebenfalls eine vertiefte
Ringnut 19 gemäß der dritten Ausführungsvariante aufweist, aber zusätzlich
auf ein T-förmiges Verlängerungsstück 20 aufgebrachte Fasergurte
18 hat. Des weiteren sind, wie in der zweiten Ausführungsvariante, auf dem
Rotorring 10 weitere Fasergurte 18 angebracht.
Eine fünfte Ausführungsvariante ist in dem auf
die Rotorschaufeln 11 und 12 folgenden Teil der Rotortrommel 2, in dem sich der
Leitschaufelkranz (nicht dargestellt) der ersten und der zweiten Kompressorstufe
befindet, dargestellt. In diesem Bereich der Rotortrommel 2, das heißt, der
Rotorringe 7/8 und 8/9 ist ein weiterer Fasergurt 21 bündig oder leicht über
die Umfangsfläche überstehend angeordnet, der zusätzlich auch als
Einlaufdichtung zwischen der Rotortrommel 2 und der Leitschaufeloberkante dienen
kann. Darüber hinaus können die Fasergurte 21 auch als Schleifringe ausgebildet
sein und zur Informationsübertragung genutzt werden.
Die Fasergurte 18, 21 bestehen aus in die Gurtaufnahmenuten
17 bzw. die vertieften Ringnuten 19 und/oder auf die Rotorringe 7 bis 10 in einem
Wickelprozess aufgebrachten Kohlefasern, die - abgestimmt auf die Temperatur in
den ersten vier Stufen eines Hochdruckkompressors - in eine bis 350°C wärmebeständige
Polymermatrix, hier ein Estercyanid, eingebunden sind. Die Kohlefasern können
- nach einer Polymerbenetzung - entweder nass aufgewickelt werden, oder sie werden
trocken aufgewickelt und das Polymer wird nach dem Wickelprozess in das Wickelgut
infiltriert. Bei einem Hochdruckkompressor für ein Gasturbinentriebwerk ist
die Anwendung der Fasergurte auf die ersten Stufen beschränkt, in denen die
dort herrschende Temperatur nicht die für die maximale Wärmebelastung
der Polymermatrix zulässige Temperatur überschreitet.
Die Fasergurte 18 sind im Bereich des Schaufelfußes
angeordnet, und somit am Ort der Entstehung der Kräfte und der größten
Spannungen. Die Kräfte können - ohne die üblicherweise notwendigen
Scheiben - unmittelbar von der Fasergurten aufgenommen werden.
Entsprechend dem an der Innenseite der Rotorringe 7 bis
10 bzw. der Rotortrommel 2 größeren Spannungseintrag ist ein hinsichtlich
der mechanischen Eigenschaften gradueller Faseraufbau in den Versteifungsgurten
18, 21 vorgesehen. Das heißt beispielsweise, die Kohlefasern werden nach innen,
zum kleineren Wickelradius hin, allmählich elastischer bzw. nach außen,
zum größeren Wickelradius hin, allmählich steifer, um so den unterschiedlichen
Spannungseintrag auszugleichen.
Die im Betrieb des Kompressors auftretende Wärmedehnung
der metallischen Rotorringe 7 bis 10 bzw. der Rotortrommel 2 wird bei der Ausbildung
der Versteifungsgurte 18, 21 insofern berücksichtigt, als die Fasern entweder
unter verminderter Vorspannung oder auf eine erwärmte Rotortrommel gewickelt
werden. Des Weiteren ist es auch denkbar, mit einem hohen Thermoplastanteil eine
erste - wei che - Wickellage als Platzhalter für die Wärmedehnung der
metallischen Rotorringe zu schaffen. Der metallische Rotorring kann dadurch sein
Festigkeitspotential ausschöpfen und der Versteifungsgurt aus Fasermaterial
muss die Spannungen nicht in voller Höhe aufnehmen.
In Verbindung mit dem so genannten "health monitoring"
können in die Fasergurte 18, 21 an einen Sensor (nicht dargestellt) angeschlossene
Piezofasern eingewickelt sein. Aufgrund einer von dem Sensor erfassten Widerstandsänderung
der Piezofasern bei elastischer Dehnung kann der Qualitätszustand der Rotorringe
überwacht werden.
Bezugszeichenliste
- 1
- Mittelachse des Kompressors
- 2
- Rotortrommel
- 3 bis 6
- erste bis vierte Kompressorstufe
- 7 bis 10
- Rotorringe von Rotortrommel
- 11 bis 14
- Rotorschaufeln
- 13a
- Schaufelfuß von Rotorschaufel 13
- 15
- Schweißnaht
- 16
- Axialnuten
- 17
- Gurtaufnahmenut
- 18
- Fasergurt
- 19
- vertiefte Ringnut
- 20
- T-förmiges Verlängerungsstück
- 21
- Fasergurt/Dichtung