Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Luftzerlegungsanlage
zur Gewinnung von Sauerstoff an Bord eines Flugzeugs mit den im Oberbegriff des
Anspruchs 1 angegebenen Merkmalen sowie eine Luftzerlegungsanlage zum Ausführen
dieses Verfahrens.
Zur Gewinnung von Sauerstoff an Bord von Flugzeugen werden üblicherweise
Luftzerlegungsanlagen verwendet, die nach dem Prinzip der Druckwechseladsorption
die Luftbestandteile Stickstoff und Sauerstoff voneinander trennen.
Dabei erfolgt die Luftzerlegung so, dass Luft bei erhöhtem Druck
durch ein Molekularsieb geleitet wird, wobei sich der leicht adsorbierbare Stickstoff
an der Oberfläche eines Molekularsiebs anreichert, während der aufgrund
seiner geringeren Molekülgröße nicht adsorbierbare Sauerstoff das
Molekularsieb passiert.
Die Beladung des Molekularsiebs kann bis zum Erreichen eines Gleichgewichtszustands
erfolgen. Danach ist dessen Adsorptionsvermögen erschöpft. Um den Prozess
der Luftzerlegung erneut durchführen zu können, ist die Regeneration des
beladenen Adsorbers, d.h. eine Desorption des Adsorbers erforderlich, die durch
eine Druckabsenkung und anschließende Spülung erfolgt.
Um eine Luftzerlegung mit quasi-kontinuierlicher Gewinnung von Sauerstoff
gewährleisten zu können, sind mindestens zwei parallel betriebene Molekularsiebkammern
erforderlich, von denen sich jeweils eine im Adsorptionstakt befindet, während
die andere zeitgleich regeneriert wird.
Zum Spülen der zu regenerierenden Molekularsiebkammer wird dem
Produktgasstrom der adsorbierenden Molekularsiebkammer üblicherweise ein Teilgasstrom
entzogen und der desorbierenden Molekularsiebkammer zugeführt.
Aus DE 693 23 481 T2
ist ein Verfahren zur Erzeugung eines Produktgases, insbesondere Sauerstoffs, aus
einem Speisegasgemisch mittels Druckwechseladsorption bekannt, bei dem ein Teilmassenstrom
des Produktgases der desorbierenden Molekularsiebkammer zum Spülen zugeführt
wird. Dabei wird die Menge des zugeführten Spülgases gesteuert, indem
die Produktgaskonzentration des Spülgases nach dem Spülen der desorbierenden
Molekularsiebkammer gemessen wird und die Spülgaszufuhr bei Erreichen einer
bestimmten Produktgaskonzentration gestoppt wird.
Die Spülung der desorbierenden Molekularsiebkammer erfolgt bei
bekannten Luftzerlegungsanlagen an Bord von Flugzeugen, indem den adsorbierenden
Molekularsiebkammern während deren gesamten Adsorptionszyklen ein Teil des
Produktgasstroms entzogen wird und als Spülgas der desorbierenden Molekularsiebkammer
zugeführt wird. Dabei erfolgt die Begrenzung der Spülgasmenge über
eine starre Drosselvorrichtung.
Diese Vorgehensweise führt beispielsweise bei der Luftzerlegung
in großer Flughöhe, in der sich die Adsorptionszyklen aufgrund des dort
herrschenden geringeren Luftdrucks verlängern, dazu, dass die zum Spülen
der desorbierenden Molekularsiebkammer zur Verfügung gestellte Spülgasmenge
größer als eigentlich erforderlich ist. Dies verringert den Wirkungsgrad
der Luftzerlegungsanlage und wirkt sich negativ auf deren Energiebedarf, Größe
und Gewicht aus.
Die Aufgabe dieser Erfindung ist es, das Verfahren zum Betreiben einer
Luftzerlegungsanlage zur Gewinnung von Sauerstoff an Bord von Flugzeugen so zu modifizieren,
dass die oben genannten Nachteile nicht auftreten und die Wirtschaftlichkeit des
Verfahrens verbessert wird. Darüber hinaus soll eine entsprechende Luftzerlegungsanlage
geschaffen werden.
Der verfahrensmäßige Teil dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß
mit den im Anspruch 1 angegebenen Merkmalen gelöst. Eine Luftzerlegungsanlage
zur Ausführung dieses Verfahrens ist in Anspruch 4 definiert. Bevorzugte Ausführungsformen
der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen, der nachfolgenden Beschreibung
und der Zeichnung.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Betreiben einer
Luftzerlegungsanlage zur Gewinnung von Sauerstoff an Bord eines Flugzeugs mit mindestens
zwei Molekularsiebkammern wird ein Teilmassenstrom des in der jeweils adsorbierenden
Molekularsiebkammer gewonnen Sauerstoffs zum Spülen einer desorbierenden Molekularsiebkammer
zugeführt. Dabei wird die Menge des der desorbierenden Molekularsiebkammer
zugeführten Spülsauerstoffs in Abhängigkeit von der Sauerstoffkonzentration
und von dem Massenstrom des Produktgases gesteuert, um nur so viel Sauerstoff abzuzweigen
wie zur Desorption erforderlich ist.
Wie beim Betreiben von Luftzerlegungsanlagen mit mehreren, zumindest
zwei, parallel geschalteten Molekularsiebkammern üblich, wird ein Teil des
von den adsorbierenden Molekularsiebkammern erzeugten Produktgases abgezweigt und
der desorbierenden Molekularsiebkammer als Spülgas zugeführt. Während
der Adsorption einer Molekularsiebkammer wird die Sauerstoffkonzentration und der
Massenstrom des gewonnenen Produktgases gemessen und bei Erreichen
von minimal zulässigen Werten von der Adsorption zur Desorption umgeschaltet,
d.h. die zuvor adsorbierende Molekularsiebkammer wird regeneriert.
Abweichend von dem Stand der Technik wird bei dem erfindungsgemäßen
Verfahren zum Betreiben einer Luftzerlegungsanlage darauf verzichtet, der desorbierenden
Molekularsiebkammer während der gesamten Adsorptionsphase einen immer gleichen
Spülgasmassenstrom zukommen zu lassen. Stattdessen wird der der desorbierenden
Molekularsiebkammer zugeführte Spülgasmassenstrom derart gesteuert, dass
nur die zur Regenerierung des Molekularsiebs erforderliche Menge an Spülsauerstoff
bzw. Spülgas von dem Produktgasstrom entnommen wird.
Auf diese Weise wird der Wirkungsgrad der Luftzerlegungsanlage, d.h.
das Verhältnis von Produktgas, das der Sauerstoffversorgung des Flugzeugs zugeführt
wird und von Produktgas, welches als Spülgas wieder in die Luftzerlegungsanlage
rückgeführt wird, bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens
über alle Flug-, Einsatz- und Betriebszustände deutlich verbessert. So
wird der Sauerstoffversorgung des Flugzeugs von der Luftzerlegungsanlage immer die
größtmögliche Sauerstoffmenge zur Verfügung gestellt. Dies wirkt
sich auch positiv auf den Energiebedarf der Luftzerlegungsanlage aus. Des Weiteren
kann die Größe und das Gewicht der Luftzerlegungsanlagen gegenüber
den bekannten Luftzerlegungsanlagen an Bord von Flugzeugen verringert werden.
Die Mengensteuerung des der desorbierenden Molekularsiebkammer zugeführten
Spülsauerstoffs erfolgt bei dem erfindungsgemäßen Verfahren vorteilhaft
durch Steuern des Zuflussquerschnitts, also beispielsweise mittels eines Proportionalventils.
Hierbei wird der Querschnitt der Zuflussleitung zu der desorbierenden
Molekularsiebkammer und damit einhergehend der Spülgasmassenstrom entsprechend
den Flug- und Betriebsbedingungen verändert. Die Größe des Zuflussquerschnitts
wird so eingestellt, dass nur die zum Regenerieren der Molekularsiebkammer erforderliche
Spülgasmenge der entsprechenden Molekularsiebkammer zugeführt wird.
So kann zum Beispiel in großer Flughöhe der Zuflussquerschnitt
verringert werden. Da sich mit zunehmender Flughöhe die Adsorptionsphasen verlängern,
vergrößert sich auch die Zeitspanne, in der einer desorbierenden Molekularsiebkammer
Spülgas zugeführt wird. Diese längere Spülphase wird durch die
aus der Verringerung des Zuflussquerschnitts resultierende Verringerung des Spülgasmassenstroms
ausgeglichen, so dass nur die zum Spülen erforderliche Menge an Spülgas
dem Produktgas entnommen wird.
Es kann aber auch zweckmäßig sein, die Mengensteuerung des
Spülsauerstoffs, welcher der desorbierenden Molekularsiebkammer zugeführten
wird, durch ein Ändern der Zuflusszeiten vorzunehmen.
In diesem Fall wird vorteilhaft der von dem Produktgasstrom zum Spülen
der desorbierenden Molekularsiebkammer abgeleitete Spülgasmassenstrom ermittelt
und die Zuflussleitung zu der desorbierenden Molekularsiebkammer bei Erreichen der
zur Regeneration des Molekularsiebs erforderlichen Spülgasmenge verschlossen.
Um den Wirkungsgrad der Luftzerlegungsanlage zu verbessern, kann es
auch von Vorteil sein, die oben beschriebene Mengensteuerung des Spülgases
durch ein kombiniertes Steuern des Querschnitts der Zuflussleitung und der Zuflusszeit
vorzunehmen.
Zur Durchführung des oben beschriebenen Verfahrens sind an der
Luftzerlegungsanlage zur Gewinnung von Sauerstoff an Bord eines Flugzeugs Mittel
zum Steuern der Spülsauerstoffmenge in Abhängigkeit von der Sauerstoffkonzentration
und von dem Massenstrom des Produktgases vorgesehen.
Bevorzugt zählen hierzu neben einer Sensorik, die die Sauerstoffkonzentration
und den Massenstrom des Produktgases ermittelt, eine Auswerteeinheit, welche die
Messergebnisse der Sensorik verarbeitet und eine mit dieser Auswerteinheit verbundene
Steuerungseinheit, die auf der Grundlage der Auswertung eine in der Spülgaszufuhr
angeordnete variable Drosselvorrichtung ansteuert.
Zur variablen Drosselung der Spülgaszufuhr weisen die Mittel
zum Steuern der Spülsauerstoffmenge zweckmäßigerweise zumindest ein
Ventil auf, dessen Durchflussquerschnitt steuerbar ist.
Das Ventil, bei dem es sich beispielsweise um ein Proportionalventil
oder ein Digitalventil handeln kann, wird von der Steuerungseinheit angesteuert,
wobei durch entsprechende Steuerimpulse der Durchflussquerschnitt entsprechend des
zum Regenerieren der desorbierenden Molekularsiebkammer benötigten Spülgasmassenstroms
vergrößert oder verringert werden kann.
In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Luftzerlegungsanlage weisen die Mittel zum Steuern der Spülsauerstoffmenge
eine Zeitsteuerung auf, durch die die Öffnungszeit des zuführenden Ventils
steuerbar ist.
Die Zeitsteuerung steuert die Öffnungszeit des in der Zuflussleitung
angeordneten Ventils in Abhängigkeit des von der Sensorik gemessenen zur Verfügung
stehenden Spülgasmassenstroms. Nach Ablauf einer ermittelten Durchflusszeit
veranlasst die Zeitsteuerung das Verschließen der Zufuhrleitung.
Die Erfindung ist nachfolgend anhand eines in einer Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels erläutert. Die Figur zeigt ein Blockschaltbild einer
erfindungsgemäßen Luftzerlegungsanlage zur Gewinnung von Sauerstoff an
Bord eines Flugzeugs.
Einer Luftzerlegungsanlage 2 wird über eine Zufuhrleitung
4 Luft zugeführt, die in der Umgebung des Flugzeugs angesaugt wird.
Die Luftzerlegungsanlage 2 arbeitet nach dem Prinzip der Druckwechseladsorption
und weist zumindest zwei Molekularsiebkammern 4 u. 6 auf, die
wechselweise aus der angesaugten Luft Sauerstoff gewinnen oder regeneriert werden.
Die dargestellte Molekularsiebkammer 4 befindet sich in einer Adsorptionsphase,
während die Molekularsiebkammer 6 regeneriert wird.
In der sauerstoffgewinnenden, d.h. adsorbierenden Molekularsiebkammer
4 wird die angesaugte Luft verdichtet und durchströmt unter Druck
ein Molekularsieb. An diesem Molekularsieb wird der in der Luft enthaltende Stickstoff
adsorptiv gebunden, während das Produktgas, bei dem es im Wesentlichen um Sauerstoff
handelt, das Molekularsieb durchdringt und über eine Versorgungsleitung
10 einer nicht dargestellten Sauerstoffversorgung des Flugzeuges zur Verfügung
gestellt wird.
Während der Sauerstoffgewinnung setzen sich in der adsorbierenden
Molekularsiebkammer 4 immer mehr Stickstoffmoleküle an dem Molekularsieb
fest, so dass dessen Adsorptionsvermögen nach einer gewissen Zeit erschöpft
ist. Um wieder Luft zerlegen zu können, muss dieses Molekularsieb regeneriert,
d. h. desorbiert werden.
Die Desorption des beladenen Molekularsiebs erfolgt durch einen Druckabbau
und ein anschließendes Spülen der Molekularsiebkammer 6 mit Produktgas.
Das zum Spülen erforderliche Produktgas wird der desorbierenden Molekularsiebkammer
6 von der zu diesem Zeitpunkt Produktgas erzeugenden Molekularsiebkammer
4, zur Verfügung gestellt. Hierzu wird ein Teil des Produktgasmassenstroms
der adsorbierenden Molekularsiebkammer 4 von diesem abgezweigt und über
eine Zufuhrleitung 12 der desorbierenden Molekularsiebkammer
6 zugeführt.
Die Sauerstoffkonzentration und der Massenstrom des Produktgases werden
ausgangsseitig der Luftzerlegungsanlage 2 mit Hilfe einer Sensorik
14 ermittelt. Zum Verarbeiten der Messwerte der Sensorik 14 ist
die Sensorik 14 mit einer Auswert- und Steuerungseinheit 16 verbunden.
Die Auswert- und Steuerungseinheit 16 steuert auf der Grundlage der von
der Sensorik 14 gelieferten Messwerte den Spülgasstrom, der von der
adsorbierenden Molekularsiebkammer 4 über die Zufuhrleitung
12 der desorbierenden Molekularsiebkammer 6 zugeführt wird.
Hierfür ist in der Zufuhrleitung 12 ein variables Drosselventil
18 angeordnet, welches über eine Steuerleitung 20 von der
Auswert- und Steuerungseinheit 16 ansteuerbar ist. Bei dem Drosselventil
18 handelt es sich um ein stellbares Proportionalventil, alternativ kann
auch ein Digitalventil oder anderes geeignetes Ventil eingesetzt werden.
In Abhängigkeit von den von der Sensorik 14 aufgenommenen
Werten für die Sauerstoffkonzentration und den Massenstrom des Produktgases,
veranlasst die Auswert- und Steuerungseinheit 16 über die Steuerungsleitung
20 über das Drosselventil 18 eine Vergrößerung
oder Verringerung des Zuflussquerschnitts der Zufuhrleitung 12 bzw. das
Schließen dieser Zufuhrleitung 12.
Das Schließen der Zufuhrleitung 12 kann auch zeitgesteuert
erfolgen. In Abhängigkeit von dem Drosselquerschnitt des Drosselventils
18 ermittelt die Auswert- und Steuerungseinheit 16 die Öffnungszeit
des Drosselventils 18, sodass dieses Drosselventil 18 bei Erreichen
der für die Desorption erforderlichen Spülgasmenge geschlossen wird. Dabei
werden in der Auswert- und Steuerungseinheit 16 neben dem Drosselquerschnitt
des Drosselventils 18 auch der die adsorbierenden Molekularsiebkammern
4 verlassende Produktgasstrom sowie Flug-, Einsatz- und Betriebsgrößen
wie beispielsweise die Flughöhe bei der Ermittlung der Ventilöffnungszeit
berücksichtigt. Auf diese Weise kann die Auswert- und Steuerungseinheit
16 ein optimales, den Betriebsbedingungen angepasstes Zeitfenster für
die Spülgaszufuhr zur Verfügung stellen.
- 2
- Luftzerlegungsanlage
- 4
- Molekularsieb
- 6
- Molekularsieb
- 8
- Zufuhrleitung
- 10
- Versorgungsleitung
- 12
- Zufuhrleitung
- 14
- Sensorik
- 16
- Auswert- und Steuerungseinheit
- 18
- Drosselventil
- 20
- Steuerleitung