Türschlösser und ihre technische Entwicklung sind Teil der
menschlichen Zivilisation schlechthin. Sie reichen vom einfachen Schwenkhebel gegen
tierische Eindringlinge über das Kirchentürschloss mit den bekannt schweren
Schlüsseln bis zum modernen Nummernschloss oder Fingerabdruck-Schloss.
Erfüllten Schlösser anfangs vornehmlich Zuhaltefunktionen,
so ist die heutige Technik bestrebt, Ungebetenen das Öffnen mehr oder weniger
gewaltsam zu verwehren.
Der dafür getriebene technische Aufwand ist enorm, ebenfalls
die Variantenvielfalt von immer raffinierteren Öffnungs-Sperren.
Im vorliegenden Fall geht es im wesentlichen um den (bisher unerwarteten)
Einsatz von Nachleuchtpigmenten als Datenträger in einem Schließsystem,
dem etwas entgegenzusetzen einem Eindringling vorerst aus mehreren Gründen
schwerfallen wird.
Ausgehend von einem üblichen Schlüssel mit den üblichen
Zuhaltungen, wird an einer genau zu definierenden Stelle ein Nachleucht-Pigment
von nur kleinen Abmessungen – nachfolgend mit NLP bezeichnet – integriert
mit der besonderen Eigenschaft, nur im Bereich einer Sekunde nachzuleuchten, nachdem
es einem Lichtstrahl, vorzugsweise UV-Licht, ausgesetzt wurde.
Es ist nicht anzunehmen, dass ein Unbedarfter zufällig dieses
NLP innerhalb der äußerst kurzen Nachleuchtzeit entdeckt und dazu noch
seine Wirkungsweise entschlüsselt.
Beim Einführen dieses Schlüssels in eine Schlüsselloch-Öffnung
erfolgt an einer genau zu definierenden Stelle der Belichtungs-Vorgang, d.h. das
NLP wird durch ein Blitzlicht – vorzugsweise UV-Licht – „aufgeladen".
Das NLP ist bei der Herstellung so konzipiert, dass es nur im Bereich einer Sekunde
oder kürzer nachleuchtet.
Anschließend wird der Schlüssel normal weiter eingeführt
und in der Endstellung wird das NLP auf „Nachleuchten" abgefragt, damit ggf.
die Schließfunktion freigegeben wird.
Das Nachleuchten des NLP dauert lange genug an, dass bei normaler
Schlüsseleinführ-Geschwindigkeit die Abfrage erfolgen kann. Lediglich
ein Unterbrechen des Einführvorgangs würde eine Sperrung bewirken und
nach dem Herausziehen des Schlüssels ein erneutes Einführen erforderlich
machen.
Sofern sich das zum Nachleuchten bestimmte NLP nicht an dem Abfrage-Punkt
befindet, oder nicht nachleuchtend ist, bleibt/wird die Schließfunktion versperrt.
Diese Sperrfunktion kann beispielsweise mechatronisch erfolgen oder
auch mittels eines Piezos.
Hier ist die Schaltung einer Alarm-Funktion denkbar.
Das NLP ist so eingestellt, dass seine Nachleuchtfunktion schon nach
einer Sekunde endet, also beim Herausziehen des Schlüssels aus dem Schlüsselloch
nicht mehr wahrnehmbar ist.
Die Vorgänge von Blitzlicht und Schließ-Sperre können
elektrisch gespeist werden von einem (in der Tür bzw. im Schloss) eingebauten
Kondensator, der intermittierend, bei Bedarf oder ständig mit schwachem Strom
auf-/nachgeladen wird. Der Ladestrom kann Netzstrom sein, er kann aber auch geliefert
werden von einem Akku, aber auch vpn einem Dynamo, der durch das Schwenken der Tür
oder die Klinkenbewegung betätigt wird, letztere beiden Möglichkeiten
nur, wenn die Tür ständig benutzt wird.
Durch Verändern oder Ausschalten des (geometrischen oder des
zeitlichen) Blitz-Punktes ist es möglich, die Schließfunktion für
den betreffenden Schlüssel zu sperren.
Sinnvoll ist eine solche Maßnahme, wenn andere Schlüssel
zwei oder mehrere NLPs haben mit entsprechenden Abfrageplätzen im Schloss so
dass deren Schließung nicht beeinträchtigt wird.
Zur Verhinderung unbefugten Treibens durch Verwendung unbefugt kopierter
Schlüssel, die im Gegensatz zu den kurzzeitig nachleuchtenden NLPs etwa mit
lange nachleuchtenden NLPs bestückt und in bereits belichtetem, d. h. „aufgeladenen"
Zustand eingeführt werden sollen, werden Schloss oder Schließzylinder
mit einer Prüfstation versehen, die ein Schließen oder auch bereits das
weitere Einführen verhindert.
Das Beschaffen nur kurzzeitig nachleuchtender Pigmente ist nämlich
aus Sicherheitsgründen nicht jedermann möglich.
Die Prüfstation kann eine Alarm- oder Registrier-Funktion haben.
Das Abfragen der NLP-Punkte auf Nachleuchten und die Auswertung dieser
Abfrage erfolgt durch einen Fotosensor in Verbindung mit einem in einem Chip untergebrachten
Steuerprogramm. Mechatronisch erfolgt die Freigabe des Schließvorgangs
oder das Sperren bzw. schon das Verhindern des weitere Einführen des Schlüssels.
Der kurzzeitige Strombedarf kann ebenfalls dem erwähnten Kondensator
entnommen werden bzw. erfolgt nach einem der oben erwähnten Stromversorgungs-Konzepte.
Es liegt nahe, beide Seiten eines Schlüssels mit einem oder mehreren
NLPs zu versehen und dabei auch ein beiderseitiges Belichten beim Einführen
des Schlüssels und Abtasten mittels Sensoren einzurichten.
Es ist selbstverständlich denkbar, die Anordnung der Funktions-Elemente
so zu vertauschen, dass die NLPs im Innern von Schloss bzw. Schließzylinder
verankert werden, während Blitzlicht, Fotosensor und Steuerung zusammen mit
einer Stromquelle im Schlüssel untergebracht sind.
Aus baulichen Gründen kann es erforderlich sein, Blitzlichtgenerator,
Fotosensor und Programm-Chip außerhalb des Schlossbereichs im Innern des Türblattes
unterzubringen.
Die Signalübertragung erfolgt dann mittels Glasfaserkabel bzw.
Glasfasertechnik.
Die Steuerung wird so ausgelegt, dass im Falle von Stromausfall eine
Sperrung nicht erfolgt bzw. falls sie besteht, so aufgehoben wird, dass das Schloss
mit dem passenden Schlüssel schließbar bleibt.
Für den Notfall, etwa bei einer durch Kondensator-Langzeitentladung
ausgefallener Stromversorgung ist als Vorsorge-Maßnahme vorgesehen, die Stromzufuhr
zu sichern mittels Induktion durch einen bestimmten Bereich des Türblatts hindurch,
oder durch mehrmaliges Betätigen der Türklinke oder durch versteckt angebrachte
Kontakte, denen eine Fremdstromquelle angelegt werden kann.
Des weiteren ist bei Türen eine Stromversorgung durch Solarzellen
an deren Außenseite denkbar, die bei Tageslicht Strom für Akku und/oder
Kondensator liefern.
Die Positionierung erfolgt vorzugsweise so, dass die Zellen für
den unvoreingenommenen Betrachter außerhalb seines normalen Blickfeldes sind,
beispielsweise an Türflächen, die nach unten weisen.
Bei der Türkonstruktion kann das berücksichtigt werden.
Denkbar ist aber auch, die Solarzellen ohne direkten Kontakt nach
außen innerhalb des Türblattes unterzubringen und das Tageslicht über
Glasfaserkabel oder ein entsprechend angeordnetes Spiegelsystem zu den Zellen zu
leiten.