| Dokumentenidentifikation |
DE102006021888B3 29.11.2007 |
| Titel |
Anordnung und Verfahren zur Kompensation eines Fehlerstromes bei einem Erdschluss |
| Anmelder |
H. Kleinknecht GmbH & Co. KG, 98693 Ilmenau, DE; E.ON edis AG, 15517 Fürstenwalde, DE; KEMA-IEV Ingenieurunternehmen für Energieversorgung GmbH, 01217 Dresden, DE |
| Erfinder |
Schäfer, Helge, 06295 Lutherstadt Eisleben, DE; Stade, Dietrich, 98693 Ilmenau, DE; Gorgas, Paul-Dieter, 14480 Potsdam, DE; Dorendorf, Stefan, 14552 Michendorf, DE; Ventzke, Uwe, 15517 Fürstenwalde, DE; Pietzsch, Hermann, 01069 Dresden, DE; Prinz, Steffen, 01217 Dresden, DE |
| Vertreter |
Patentanwälte Liedtke & Partner, 99096 Erfurt |
| DE-Anmeldedatum |
11.05.2006 |
| DE-Aktenzeichen |
102006021888 |
| Veröffentlichungstag der Patenterteilung |
29.11.2007 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
29.11.2007 |
| IPC-Hauptklasse |
H02H 9/08(2006.01)A, F, I, 20060511, B, H, DE
|
| IPC-Nebenklasse |
H03H 7/01(2006.01)A, L, I, 20060511, B, H, DE
H03H 11/04(2006.01)A, L, I, 20060511, B, H, DE
H02J 1/02(2006.01)A, L, I, 20060511, B, H, DE
|
| Zusammenfassung |
Die Erfindung betrifft eine Anordnung zur Kompensation eines Fehlerstromes bei einem einpoligen Erdschluss (E), insbesondere in einem elektrischen Drehstromnetz (1) mit drei Leitern (L1, L2, L3), bei dem ein Sternpunkt (3) eines Einspeisetransformators (2) oder ein Sternpunktbildner zumindest über eine Erdschlussdrossel (4) mit einem Erdpunkt (5.1) verbunden ist, wobei eine Einrichtung zur zumindest partiellen Kompensation mindestens einer von einer Grundfrequenz einer Netzspannung abweichenden Frequenzkomponente des Fehlerstromes vorgesehen ist und wobei die Einrichtung mindestens drei Schalter (7.L1, 7.L2, 7.L3) und einen Filterkreis (6) umfasst und wobei die Leiter (L1, L2, L3) mit je einem Schalter (7.L1, 7.L2, 7.L3) verbunden sind und wobei die Schalter (7.L1, 7.L2, 7.L3) mit dem Filterkreis (6) verbunden sind und wobei der Filterkreis (6) mit einem Erdpunkt (5.1, 5.3) verbunden ist, wobei jeder der Schalter (7.L1, 7.L2, 7.L3) manuell und/oder automatisch mittels einer Erdschlusserfassungseinrichtung, welche den Erdschluss (E) erkennt, betätigbar ist.
|
| Beschreibung[de] |
|
Die Erfindung betrifft eine Anordnung und ein Verfahren zur Kompensation
eines einpoligen Fehlerstromes bei einem Erdschluss in einem Drehstromnetz beliebiger
Frequenz.
Öffentliche und industrielle Drehstromnetze, insbesondere dreiphasige
Mittelspannungsnetze im Bereich von 1 kV bis 30 kV und Hochspannungsnetze mit Nennspannungen
kleiner/gleich 110 kV, die der regionalen Versorgung dienen, werden überwiegend
mit Resonanzsternpunkterdung betrieben. Das bedeutet, dass der mittelspannungsseitige
Sternpunkt eines Einspeisetransformators oder der Sternpunkt eines Sternpunktbildners
über eine veränderliche Erdschlussdrossel mit einem Erdpunkt verbunden
ist. Hat ein so ausgebildetes Mittelspannungsnetz einen Erdschluss in einem der
drei Leiter, soll dieser Fehlerzustand im Hinblick auf die Versorgungszuverlässigkeit
nicht zur sofortigen Abschaltung der fehlerhaften Leitung führen. Der bei einem
Erdschluss fließende kapazitive Fehlerstrom ist durch die Erdkapazitäten
des Mittelspannungsnetzes bedingt. Kapazitäten treten auch zwischen den Leitern
untereinander auf, deren Beitrag zum Fehlerstrom im Falle eines einpoligen Erdschlusses
ist jedoch vernachlässigbar. Im Falle eines Erdschlusses in einem Leiter wird
die Erdkapazität dieses Leiters kurzgeschlossen, während sich die Spannungen
an den Erdkapazitäten der beiden anderen, nicht vom Erdschluss betroffenen
Leiter um den Faktor √3 erhöht und der kapazitive Fehlerstrom in den
beiden anderen Leitern zum Fließen kommt. Die Erdschlussdrossel ist so abgestimmt,
dass sie diesen kapazitiven Fehlerstrom durch einen induktiven Strom an der Erdfehlerstelle
kompensiert. Das gilt jedoch nur bei Netzfrequenz, einer Grundfrequenz von meist
50 Hz, auf die die Erdschlussdrossel abgestimmt ist. Der vermehrte Einsatz von stromrichtergespeisten
Anlagen und Geräten mit Schaltnetzteilen in Haushalten und Industrie führt
zu Netzrückwirkungen, die sich u. a. als harmonische Verzerrung der Netzspannung
äußern. Insbesondere treten dabei Frequenzkomponenten der fünften
und der siebten Harmonischen der Grundfrequenz (250 Hz und 350 Hz) auf. Diese harmonischen
Frequenzkomponenten der Netzspannung tragen zu einem erheblichen Teil zu den bei
Erdschlüssen fließenden Fehlerströmen bei, umso mehr da in den letzten
Jahren Mittelspannungsnetze zunehmend als Kabelnetze ausgebaut wurden und der Anteil
an Freileitungen zurückgeht und da die Erdkapazität eines Kabels bei gleicher
Länge etwa zwanzig- bis vierzigfach so groß ist, wie die einer Freileitung.
Der Anteil dieser von der Grundfrequenz verschiedenen Frequenzkomponenten am Fehlerstrom
kann mit der Erdschlussdrossel nicht kompensiert werden, da deren Resonanz so abgestimmt
ist, dass sie nur die 50 Hz Komponente kompensiert. Dieser Sachverhalt hat eine
Vergrößerung des verbleibenden Fehlerstromes an der Stelle des Erdschlusses
zur Folge und es können in der Umgebung des Erdfehlers Gefährdungsspannungen
(Berührungs- und Schrittspannungen) entstehen, die für Menschen oder Tiere
lebens- oder gesundheitsgefährdend sind. In der DE
195 25 417 C2 ist ein Lösungsweg zur Kompensation ohmscher Anteile
des Fehlerstromes im Erdfehlerfall mittels eines gesteuerten, passiven Reaktanzelements
angegeben. Die von der Grundfrequenz abweichenden Frequenzkomponenten werden jedoch
nicht berücksichtigt. Aus AT 11 35 89,
US 1 983 085 und GB
279 841 sind Anordnungen bekannt, bei denen Erdfehlerströme durch
passive Filter kompensiert werden, die in Reihe oder parallel zur Erdschlussdrossel
geschaltet sind. Dabei werden auch harmonische Anteile der Erdfehlerströme
kompensiert. In DE 198 27 755 A1
ist eine Anordnung beschrieben, bei der ein Hybridfilter, das aus einem passiven
und einem aktiven Filter besteht, zwischen ein Wechselspannungsnetz und Erde geschaltet
ist, wobei höhere harmonische Komponenten durch das aktive Filter unterdrückt
werden. Aus der Publikation WINTER, Klaus M.: Swedish Distribution Networks –
a New Method for Earthfault Protection in Cable – and Overhead Systems. In:
Proceedings of the Fifth International Conference on Developments in Power System
Protection – DPSP '93 York/UK, IEE Conference Publication No. 368, S. 268–270
und aus der Publikation KRÄMER, Stephan; SCHMIDT, Rainer; WINTER, Klaus: Erdschluss-Vollschutzanlage
für das 110-kV-Bahnstromnetz. In: Elektrische Bahnen, H.8, 2003, S. 353–362
sind jeweils Anordnungen bekannt, bei denen ein Kompensationsstrom mit einer Hilfswicklung
in die Erdschlussdrossel eingespeist wird.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, eine Anordnung und
ein Verfahren zur automatischen Erkennung und Kompensation eines Fehlerstromes bei
einem Erdschluss anzugeben.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Anordnung mit
den Merkmalen des Anspruchs 1 und durch ein Verfahren nach Anspruch 10 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
Die erfindungsgemäße Anordnung weist ein elektrisches Drehstromnetz
mit drei Leitern auf. Bei dem Drehstromnetz handelt es sich insbesondere um ein
Mittelspannungsnetz, dass aus einem Hochspannungsnetz mit einem Einspeisetransformator
mit einer Netzspannung versorgt wird. Der Einspeisetransformator weist eine Sekundärseite,
speziell eine Mittelspannungsseite mit einem Sternpunkt auf, der über eine
Erdschlussdrossel mit einem Erdpunkt verbunden ist. Alternativ kann die Erdschlussdrossel
auch über einen Sternpunktbildner angeschlossen sein. Der Erdpunkt ist im allgemeinen
eine Erdungsanlage. Die Erdschlussdrossel kann in Ihrer Induktivität
veränderbar sein. Weiterhin ist eine Einrichtung zur zumindest partiellen Kompensation
mindestens einer von einer Grundfrequenz der Netzspannung abweichenden Frequenzkomponente
eines infolge eines einpoligen Erdschlusses auftretenden Fehlerstromes vorgesehen.
Die Einrichtung umfasst mindestens drei Schalter und einen Filterkreis, die insbesondere
in der Nähe des Einspeisetransformators angeordnet sind. Die Leiter L1, L2
und L3 sind mit je einem Schalter verbunden. Die Schalter sind mit dem Filterkreis
verbunden und dieser mit einem Erdpunkt, so dass sich eine Serienschaltung von jedem
Leiter über den Schalter und den Filterkreis zum Erdpunkt ergibt. Auf diese
Weise wird für einen nur an einem beliebigen der drei Leiter L1, L2 oder L3
auftretenden Erdschluss nur ein gemeinsamer Filterkreis benötigt, unabhängig
davon, welcher der Leiter L1, L2 oder L3 betroffen ist. Auf diese Weise lassen sich
mit der Verwendung nur eines Filterkreises, der wahlweise mit allen Leitern L1,
L2 und L3 verbunden werden kann, erheblich die Kosten für die Einrichtung reduzieren.
Hierzu kann insbesondere ein dreipoliger Leistungsschalter, der einpolig schaltbar
ist, zum Einsatz kommen, so dass sichergestellt ist, dass jeweils nur einer der
darin enthaltenen Schalterpole geschlossen ist. Ein solcher dreipoliger Leistungsschalter
enthält drei Schalter (auch Schalterpole genannt), die unabhängig voneinander
geschaltet werden können. Der Schalter kann manuell, insbesondere jedoch automatisch
bedient werden. Hierzu kommt insbesondere eine Erdschlusserfassungseinrichtung,
z.B. ein Erdschlussmelderelais, zum Einsatz, welches den vom Erdschluss betroffenen
Leiter L1, L2 oder L3 erkennt und infolgedessen den Schalter zwischen dem betroffenen
Leiter und dem Filterkreis schließt. Auf diese Weise kann erreicht werden,
dass an einer Erdschlussstelle, an der ein Leiter eine leitfähige Verbindung
zur Erde besitzt, der von der Grundfrequenz abweichende Anteil des Fehlerstroms
so verringert wird, dass ein gegebenenfalls auftretender Lichtbogen verlöscht,
der ohne die Kompensation der von der Grundfrequenz abweichenden Frequenzkomponente
aufrecht erhalten würde. Damit wird auch eine zu hohe, für Menschen und
Tiere lebens- und gesundheitsgefährdende, Berührungs- und Schrittspannung
in der Umgebung des Erdschlusses vermieden.
Die zu kompensierende Frequenzkomponente ist vorzugsweise eine Harmonische
der Grundfrequenz, insbesondere die fünfte oder die siebte Harmonische, da
deren Anteil an dem Fehlerstrom besonders hoch ist. Beispielsweise bei einer Grundfrequenz
von 50 Hz, wie in Europa und weiten Teilen der Welt üblich, entspricht die
fünfte Harmonische 250 Hz und die siebte Harmonische 350 Hz. Der Filterkreis
ist vorzugsweise auf die dominante Harmonische im Fehlerstrom abgestimmt, so dass
diese im Filterkreis weitgehend nach Erde kurzgeschlossen und somit an der Erdfehlerstelle
weitgehend kompensiert wird. Der Filterkreis kann jedoch auch mehrfrequent sein,
so dass Frequenzkomponenten des Fehlerstromes in einem Frequenzband kompensiert
werden. Beispielsweise kann das Frequenzband durch den Aufbau des Filterkreises
so gestaltet sein, dass Frequenzkomponenten im Bereich von 220 Hz bis 380 Hz und
somit sowohl die fünfte als auch die siebte Harmonische kompensiert werden.
In einer bevorzugten Ausführungsform weist die Einrichtung mindestens
einen Stromrichter auf, der mit einer Steuereinheit verbunden ist, die den Fehlerstrom
erkennt. Die Steuereinheit übernimmt Steuer- und Regelungsaufgaben.
Der Stromrichter wird dabei so gesteuert und/oder geregelt, dass er
einen Strom erzeugt, dessen Frequenz und Phasenlage den Fehlerstrom bei einem einpoligen
Erdschluss wenigstens teilweise kompensiert. Hierzu werden zum Beispiel die von
der Grundfrequenz abweichenden Komponenten vom Stromrichter gegenphasig zum Fehlerstrom
erzeugt und eingespeist, wobei der gegenphasige Strom etwa die gleiche Größe
wie der Fehlerstrom hat.
Der Stromrichter kann hierzu in Serie zu der Erdschlussdrossel geschaltet
sein. Alternativ ist der Stromrichter parallel zu der Erdschlussdrossel geschaltet.
Vorzugsweise umfasst die Einrichtung einen in Serie zu der Erdschlussdrossel
geschalteten Parallelschwingkreis. Auf diese Weise ergibt sich ein mehrfrequentes
Filter, das mit einer gegebenenfalls angepassten oder modifizierten Erdschlussdrossel
sowohl den Fehlerstrom der Grundfrequenz als auch den der von der Grundfrequenz
abweichenden Frequenzkomponente im Falle eines Erdschlusses kompensiert.
Der Parallelschwingkreis kann verstellbare Komponenten, z.B. verstellbare
Drosseln und/oder Kondensatoren enthalten, um ihn auf die im Drehstromnetz vorhandenen
und gegebenenfalls veränderlichen Erdkapazitäten abstimmen zu können.
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden im Folgenden anhand
einer Zeichnung näher erläutert.
Darin zeigen:
1 eine Anordnung zur Kompensation eines Fehlerstromes
an einer Erdschlussstelle bei einem einpoligen Erdschluss in einem Drehstromnetz
mit einem Filterkreis,
2 eine Anordnung zur Kompensation eines Fehlerstromes
an einer Erdschlussstelle bei einem einpoligen Erdschluss in einem
Drehstromnetz mit einem in Serie zu einer Erdschlussdrossel geschalteten Stromrichter,
3 eine Anordnung zur Kompensation eines Fehlerstromes
an einer Erdschlussstelle bei einem einpoligen Erdschluss in einem Drehstromnetz
mit einem parallel zu einer Erdschlussdrossel geschalteten Stromrichter und
4 eine Anordnung zur Kompensation eines Fehlerstromes
an einer Erdschlussstelle bei einem einpoligen Erdschluss in einem Drehstromnetz
mit einem in Serie zu einer Erdschlussdrossel geschalteten Parallelschwingkreis.
Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen
Bezugszeichen versehen.
1 zeigt eine Anordnung zur Kompensation eines Fehlerstromes
bei einem einpoligen Erdschluss E. Ein Drehstromnetz 1 mit den Leitern
L1, L2 und L3 ist als Mittelspannungsnetz mit Freileitungen und/oder Erdkabeln ausgeführt.
Die Spannung des Drehstromnetzes 1 beträgt 20 kV bei einer Grundfrequenz
von 50 Hz und wird über einen Einspeisetransformator 2, der mit einer
Hochspannungsseite H an ein nicht dargestelltes Hochspannungsnetz und mit einer
Mittelspannungsseite M an das Drehstromnetz 1 angeschlossen ist, eingespeist.
Ein auf der Mittelspannungsseite M gelegener Sternpunkt 3 des Einspeisetransformators
2 ist über eine Erdschlussdrossel 4 geerdet, d.h. mit einem
Erdpunkt 5.1 verbunden. Bei dem Erdpunkt 5.1 handelt es sich gewöhnlich
um eine Erdungsanlage, bei der ein großflächiger Kontakt zur Erde hergestellt
wird. Da die Erdschlussdrossel 4 ein reales und kein ideales Betriebsmittel
ist, weist sie nicht nur eine Induktivität 4.L auf, sondern ist auch
mit einem ohmschen Widerstand 4.R behaftet. Die Leiter L1, L2 und L3 des
Drehstromnetzes 1 besitzen jeweils eine Erdkapazität CL1, CL2 und
CL3, deren Größe mit der Länge des Drehstromnetzes 1 bzw.
mit seiner flächenmäßigen Ausdehnung steigt. Die gezeigten Erdkapazitäten
CL1, CL2, CL3 repräsentieren die kapazitive Verkettung der Leiter L1, L2 und
L3 mit der Erde. Bei Verwendung von Erdkabeln ist die Erdkapazität CL1, CL2,
CL3 bei gleicher Länge etwa um den Faktor 20...40 größer als bei
Freileitungen. Am Leiter L3 tritt im gezeigten Ausführungsbeispiel ein Erdschluss
E auf, beispielsweise in Form eines Lichtbogens vom Leiter L3 zu einem Erdpunkt
5.2. Der Erdschluss E kann in der Nähe des Einspeisetransformators
2 oder in einem beliebigen Bereich des Drehstromnetzes 1 auftreten.
Die Erdkapazität CL3 des Leiters L3 wird dabei nach Erde kurzgeschlossen und
ist somit 0. Dabei erhöhen sich die Spannungen an den Erdkapazitäten CL1
und CL2 jeweils um den Faktor √3. Über den Erdschluss E an der Erdschlussstelle
fließt daher eine kapazitive Fehlerstromkomponente. Ist die Netzspannung unverzerrt,
d.h. nahezu ideal sinusförmig, wird diese kapazitive Fehlerstromkomponente
durch die Erdschlussdrossel 4 kompensiert. Es bleibt an der Erdschlussstelle
lediglich ein Reststrom, der aus einer Wirkstrom- und einer Blindstromkomponente
besteht. Die Blindstromkomponente ergibt sich aus einer nicht exakten Abstimmung
eines aus der Erdschlussdrossel 4 und den Erdkapazitäten CL1, CL2
gebildeten Schwingkreises. Die Wirkstromkomponente resultiert auch aus den ohmschen
Verlusten der Erdschlussdrossel 4. Die Netzspannung in Drehstromnetzen
ist jedoch infolge von Netzrückwirkungen moderner, mit Schaltnetzteilen ausgestatteter
Geräte und stromrichtergespeister Anlagen in Industrie und Haushalten nicht
ideal sinusförmig, sondern enthält harmonische Frequenzkomponenten der
Grundfrequenz, insbesondere die fünfte und siebte Harmonische, d.h. Oberschwingungen
mit Frequenzen von 250 Hz und 350 Hz. Die in Drehstromnetzen 1 mit so verzerrter
Netzspannung im Falle eines Erdschlusses E auftretenden harmonische Anteile der
Fehlerströme machen einen erheblichen Anteil des Effektivwertes des Gesamtfehlerstromes
(auch Reststrom genannt) aus. Diese harmonischen Anteile des Fehlerstroms können
von der Erdschlussdrossel 4 nicht kompensiert werden, da diese nur auf
die Grundfrequenz abgestimmt ist und erhöhen damit den Reststrom. Zum Kompensieren
dieser harmonischen Anteile des Fehlerstroms an der Erdschlussstelle dient ein Filterkreis
6, der in der Art eines Reihenschwingkreises ausgebildet sein kann. Jeder
Leiter L1, L2, L3 ist mit einem Schalter 7.L1, 7.L2,
7.L3 mit dem Filterkreis 6 verbunden, der seinerseits mit einem
Erdpunkt 5.3 verbunden ist, der mit dem Erdpunkt 5.1 identisch
sein kann. Im Fall eines Erdschlusses E am Leiter L3 wird der Schalter
7.L3 geschlossen und der Fehlerstrom der harmonischen Frequenzkomponente
im auf diese Frequenz abgestimmten Filterkreis gegen Erde kurzgeschlossen, so dass
er an der Stelle des Erdschlusses E reduziert wird. Ein dort gegebenenfalls auftretender
Lichtbogen verlischt und eine Berührungs- und Schrittspannung in der Umgebung
des Erdschlusses E fällt unter einen Wert, der für Menschen oder Tiere
lebens- oder gesundheitsgefährlich ist. Der Filterkreis 6 ist hierzu
auf die dominante Harmonische, im Allgemeinen die fünfte Harmonische des Fehlerstromes
abgestimmt. Der Filterkreis 6 kann jedoch auch mehrfrequent sein, so dass
Frequenzkomponenten des Fehlerstromes in einem Frequenzband kompensiert werden.
Beispielsweise kann das Frequenzband durch den Aufbau des Filterkreises
6 so gestaltet sein, dass Frequenzkomponenten im Bereich von 220 Hz bis
380 Hz und somit sowohl die fünfte als auch die siebte Harmonische kompensiert
werden. Die Schalter 7.L1, 7.L2, 7.L3 können manuell
oder vorzugsweise automatisch bedient werden. Hierzu kann eine nicht dargestellte
Erdschlusserfassungseinrichtung zum Einsatz kommen, welche den Erdschluss erkennt
und den Schalter 7.L3 zwischen dem betroffenen Leiter
L3 und dem Filterkreis schließt. Die Erkennung des Erdschlusses E ist zum Beispiel
möglich, indem die Effektivwerte der Spannungen der Leiter L1, L2, L3 gegenüber
Erde gemessen werden. Im fehlerfreien Betrieb sind diese Spannungen einander betragsmäßig
in etwa gleich, aber um 2&pgr;/3 phasenverschoben. Im Falle eines Erdschlusses
E wird die Spannung des betroffenen Leiters L3 jedoch gegenüber Erde Null und
die Spannung der anderen Leiter L1, L2 steigt um den Faktor √3. Auf diese
Weise kann die Erdschlusserfassungseinrichtung den jeweils betroffenen Leiter L1,
L2 oder L3 identifizieren und den entsprechenden Schalter 7.L1,
7.L2, 7.L3 schließen.
2 zeigt eine Ausführungsform einer Anordnung zur
Kompensation eines Fehlerstromes bei einem einpoligen Erdschluss E gemäß
dem Stand der Technik, die mit der in 1 gezeigten Anordnung
kombinierbar ist. Die Anordnung umfasst die Elemente des in 1
gezeigten Ausführungsbeispiels ausgenommen die dort gezeigten Schalter
7R, 7S, 7T und den Filterkreis 6. Stattdessen
ist ein Stromrichter 8 vorgesehen, der in Serie zu der Erdschlussdrossel
4 geschaltet ist. Dabei ist es für seine Funktion unerheblich ob er
sich zwischen der Erdschlussdrossel 4 und dem Erdpunkt 5.1 oder
zwischen der Erdschlussdrossel 4 und dem Sternpunkt 3 befindet.
Eine mit dem Stromrichter 8 verbundene, nicht gezeigte Steuereinheit erkennt
den Erdschluss E und steuert und/oder regelt den Stromrichter 8 bei Vorliegen
eines Erdschlusses E so, dass er einen Strom erzeugt, dessen Frequenz und Phasenlage
den Fehlerstrom wenigstens teilweise kompensiert. Hierzu werden zum Beispiel die
von der Grundfrequenz abweichenden Frequenzkomponenten vom Stromrichter gegenphasig
zum Fehlerstrom erzeugt und eingespeist. Der Stromrichter kann als Umrichter mit
Gleichspannungszwischenkreis ausgebildet sein.
3 zeigt eine weitere Ausführungsform einer Anordnung
zur Kompensation eines Fehlerstromes bei einem Erdschluss E gemäß dem
Stand der Technik, die mit der in 1 gezeigten Anordnung
kombinierbar ist. Die Anordnung stimmt weitgehend mit der in 2
gezeigten überein, unterscheidet sich von dieser jedoch dadurch, dass der Stromrichter
8 parallel zu der Erdschlussdrossel 4 statt seriell geschaltet
ist. In diesem Fall steuert der Stromrichter 8 die über der Erdschlussdrossel
4 abfallende Spannung so, dass ein dadurch durch sie fließender Strom
den Fehlerstrom kompensiert.
4 zeigt eine weitere Ausführungsform einer Anordnung
zur Kompensation eines Fehlerstromes bei einem Erdschluss E gemäß dem
Stand der Technik, die mit der in 1 gezeigten Anordnung
kombinierbar ist. Die Anordnung stimmt weitgehend mit der in 2
gezeigten überein, unterscheidet sich von dieser jedoch dadurch, dass statt
eines Stromrichters 8 ein Parallelschwingkreis 9 in Serie zu der
Erdschlussdrossel 4 geschaltet ist. Zusammen mit der zu diesem Zweck in
ihrer Induktivität 4.L angepassten Erdschlussdrossel 4 ergibt
sich so ein mehrfrequentes Filter, das sowohl den Fehlerstrom der Grundfrequenz
als auch den der von der Grundfrequenz abweichenden Frequenzkomponente kompensiert.
Der Parallelschwingkreis kann verstellbare Komponenten, z.B. verstellbare Drosseln
und/oder Kondensatoren enthalten, um ihn auf die im Drehstromnetz vorhandenen und
gegebenenfalls veränderlichen Kapazitäten abstimmen zu können.
Das Drehstromnetz 1 kann auch andere Netzspannungen aufweisen.
Eine Sternpunkterdung kann statt an einem Einspeisetransformator auch
an einem Sternpunktbildner vorgenommen werden. Die in den Ausführungsbeispielen
gezeigten Lösungen zur Kompensation eines Fehlerstromes können auch am
Sternpunkt 3 dieses Sternpunktbildners angewandt werden.
Die in den Ausführungsbeispielen gezeigten Anordnungen zur Kompensation
eines Fehlerstromes bei einem Erdschluss E sind miteinander kombinierbar.
- 1
- Drehstromnetz
- 2
- Einspeisetransformator
- 3
- Sternpunkt
- 4
- Erdschlussdrossel
- 4.L
- Induktivität der Erdschlussdrossel
- 4.R
- ohmscher Widerstand der Erdschlussdrossel
- 5
- Erdpunkt
- 6
- Filterkreis
- 7
- Schalter
- 8
- Stromrichter
- 9
- Parallelschwingkreis
- CL1, CL2, CL3
- parasitäre Kapazität
- E
- Erdschluss
- H
- Hochspannungsseite
- M
- Mittelspannungsseite
- L1, L2, L3
- Leiter
|
| Anspruch[de] |
|
Anordnung zur Kompensation eines Fehlerstromes bei einem einpoligen
Erdschluss (E), insbesondere in einem elektrischen Drehstromnetz (1) mit
drei Leitern (L1, L2, L3), bei der mindestens ein Sternpunkt (3) auf einer
Sekundärseite mindestens eines Einspeisetransformators (2) oder an
einem Sternpunktbildner zumindest über eine Erdschlussdrossel (4)
mit einem Erdpunkt (5.1) verbunden ist, wobei mindestens
eine Einrichtung zur zumindest partiellen Kompensation mindestens einer von einer
Grundfrequenz einer Netzspannung abweichenden Frequenzkomponente des Fehlerstromes
vorgesehen ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Einrichtung mindestens drei
Schalter (7.L1, 7.L2, 7.L3) und einen Filterkreis (6)
umfasst, dass die Leiter (L1, L2, L3) mit je einem Schalter (7.L1,
7.L2, 7.L3) verbunden sind, dass die Schalter (7.L1,
7.L2, 7.L3) mit dem Filterkreis (6) verbunden sind und
dass der Filterkreis (6) mit einem Erdpunkt (5.1, 5.3)
verbunden ist, wobei jeder der Schalter (7.L1, 7.L2,
7.L3) manuell und/oder automatisch mittels einer Erdschlusserfassungseinrichtung,
welche den Erdschluss (E) erkennt, betätigbar ist.
Anordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Frequenzkomponente
des Fehlerstromes eine Harmonische der Grundfrequenz ist.
Anordnung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Frequenzkomponente
des Fehlerstromes die fünfte und/oder siebte Harmonische der Grundfrequenz
ist.
Anordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass die Einrichtung mindestens einen Stromrichter (8) umfasst.
Anordnung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Stromrichter
(8) in Serie zu der Erdschlussdrossel (4) geschaltet ist.
Anordnung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Stromrichter
(8) parallel zu der Erdschlussdrossel (4) geschaltet ist.
Anordnung nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
dass für den Stromrichter (4) eine Steuereinheit vorgesehen ist, die
das elektrische Drehstromnetz (1) überwacht und den Stromrichter (8)
zumindest bezüglich Frequenz und Phasenlage eines Stromes und/oder einer Spannung
steuert und/oder regelt.
Anordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass die Einrichtung einen in Serie zu der Erdschlussdrossel (4) geschalteten
Parallelschwingkreis (9) umfasst.
Anordnung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Parallelschwingkreis
(9) verstellbare Komponenten enthält.
Verfahren zur Kompensation eines Fehlerstromes bei einem einpoligen
Erdschluss (E) mit einer Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, dass ein Drehstromnetz auf Erdschlüsse überwacht wird
und dass bei Vorliegen eines einpoligen Erdschlusses eines Leiters (L1, L2, L3)
ein Schalter (7.L1, 7.L2, 7.L3) zum Verbinden des Leiters
(L1, L2, L3) mit einem Filterkreis (6), der mit einem Erdpunkt (5.1,
5.3) verbunden ist, manuell oder automatisch betätigt wird.
|
|
|