Die Erfindung betrifft eine Schutzschaltung für einen Umrichter
gemäß Anspruch 1. Die Schutzschaltung dient dazu, den Umrichter oder auch
einen daran angeschlossenen Motor vor einer Zerstörung durch thermische Überlastung
zu bewahren.
Elektromotoren und deren Ansteuerelektroniken (Umrichter) werden häufig
an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit betrieben, um mit gegebenem Aufwand
(Gewicht, Volumen, Kosten) ein Maximum an Leistung zu erhalten. Dabei ist es wichtig,
den Elektromotor und seinen Umrichter nicht zu überhitzen. Steigt die Temperatur
über einen gewissen Grenzwert, so werden entweder die Isolation der Windungen
des Elektromotors oder auch die Leistungshalbleiter im Umrichter in Mitleidenschaft
gezogen. Dies führt unmittelbar oder auch erst nach einer gewissen Zeit zur
Zerstörung des Motors oder seiner Ansteuerelektronik.
Es sind daher bereits Vorrichtungen bekannt, mit denen die Temperatur
der Windungen eines Elektromotors bzw. der Leistungshalbleiter im Umrichter überwacht
werden können. Steigt die Temperatur über einen Grenzwert, so kann die
Leistung des Motors verringert und eine Beschädigung vermieden werden.
Eine solche Temperaturüberwachung kann mittels eines Temperatursensors
durchgeführt werden. Temperatursensoren weisen jedoch eine gewisse Trägheit
auf, so dass mit kurzen und starken Stromspitzen ein Motor bzw. Umrichter zerstört
werden kann, noch bevor ein Temperatursensor anspricht. Zudem sitzt der Temperatursensor
nicht unmittelbar auf den Chips der Leistungshalbleiter, so dass deren tatsächliche
Sperrschichttemperatur nicht gemessen werden kann.
Es sind auch Vorrichtungen bekannt, die ohne einen Temperatursensor
auskommen. Zum Betreiben eines Elektromotors wird häufig mittels eines Stromsensors
der in den jeweiligen Motorphasen fließende Strom gemessen. Bei bekanntem Innenwiderstand
der Motorphasen bzw. der Leistungshalbleiter lässt sich aus den gemessenen
Strömen die Verlustleistung in den Windungen bzw. der Leistungshalbleiter berechnen.
Mit einem thermischen Modell kann dann auf die jeweilige Temperatur geschlossen
werden. Durch das Setzen einer Grenze für die pro Zeitintervall erzeugte Verlustenergie
kann der Motor und seine Ansteuerelektronik zuverlässig vor Überhitzung
geschützt werden.
Eine solche Vorrichtung ist in der DE
10 2004 022 005 A1 näher beschrieben. In dem dort verwendeten Modell
wird berücksichtigt, dass bei einem Stillstand des Motors oder bei sehr niedrigen
Drehfrequenzen die in jeder Phase maximal erlaubten Ströme deutlich niedriger
sind als bei höheren Drehfrequenzen. Das verwendete Modell lässt sich
aber nur in solchen Umrichtern einfach umsetzen, die eine gewisse Rechenleistung
erbringen können.
Aufgabe der Erfindung ist es, eine besonders einfach realisierbare
Schutzschaltung für einen Umrichter zu schaffen, die die unterschiedlichen
Grenzwerte für die Phasenströme des Umrichters bei verschiedenen Drehfrequenzen
berücksichtigt.
Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen
des Anspruches 1. Vorteilhafte Ausführungsformen ergeben sich aus den Merkmalen,
die in den von Anspruch 1 abhängigen Ansprüchen aufgeführt sind.
Es wird eine Schutzschaltung für einen Umrichter mit mehreren
Phasen beschrieben, bei der für jeden Phasenstrom ein dem jeweiligen Phasenstrom
proportionales Signal einer Übertragerschaltung aufgeschaltet ist, die unterhalb
und im Bereich einer Grenzfrequenz als Tiefpassfilter mit der Grenzfrequenz und
oberhalb der Grenzfrequenz als Teiler wirkt. Die Ausgänge dieser Übertragerschaltung
sind einem Maximumbildner zum Bilden des betragsmäßigen Maximums aufgeschaltet.
Dieses Maximum ist auf einen Vergleicher geschaltet, in dem das Maximum mit einem
Referenzwert verglichen wird.
Liegt das Maximum über dem Referenzwert, so erzeugt der Vergleicher
ein Signal, das z.B. als Abschaltsignal zum Abschalten des Umrichters dienen kann.
Obwohl die Schutzschaltung mit einer recht einfachen Elektronik aufgebaut
werden kann, so ist sie doch in der Lage, die Phasenströme abhängig von
deren Frequenz (und damit abhängig von der Drehfrequenz des Motors, die bis
auf einen Faktor mit der Frequenz der Phasenströme übereinstimmt) zu bewerten.
Für recht niedrige Frequenzen unterhalb der Grenzfrequenz werden die den Phasenströmen
proportionalen Signale dank der Tiefpasswirkung der Übertragerschaltung unvermindert
dem Maximumbildner zugeführt, während oberhalb der Grenzfrequenz die den
Phasenströmen proportionalen Signale um ein bestimmtes Verhältnis reduziert
(heruntergeteilt) werden. Legt man die Übertragerschaltung geeignet aus, so
ist sichergestellt, dass bei hohen Frequenzen oberhalb der Grenzfrequenz deutlich
höhere maximale Phasenströme erlaubt sind als bei Frequenzen unterhalb
der Grenzfrequenz. Die Grenzfrequenz liegt dabei typischerweise bei wenigen Hertz,
z.B. bei ungefähr 3 Hz.
Weitere Vorteile sowie Einzelheiten der vorliegenden Erfindung ergeben
sich aus der nachfolgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsformen
anhand der Figuren. Dabei zeigt
1a eine schematische Darstellung einer Schutzschaltung,
1b eine schematische Darstellung einer vereinfachten
Schutzschaltung,
2 frequenzabhängige Maximalströme und eine
Übertragungsfunktion der Übertragerschaltung,
3 ein erstes konkretes Ausführungsbeispiel, und
4 ein zweites konkretes Ausführungsbeispiel.
1a stellt schematisch eine Schutzschaltung für
einen Umrichter dar. An deren Eingang liegen den Phasenströmen I1, I2, I3 proportionale
Signale U1, U2, U3 an. Diese Signale U1, U2, U3 können beispielsweise mit Stromsensoren
ermittelt werden, die den Phasenströmen I1, I2, I3 proportionale Spannungen
erzeugen.
Jedes der Signale U1, U2, U3 wird nun parallel einem Tiefpassfilter
1 und einem Teiler 2 zugeleitet. Je ein Tiefpassfilter
1 und ein Teiler 2 bilden daher zusammen eine Übertragerschaltung.
Alle Tiefpassfilter 1 und Teiler 2 sind ausgangsseitig
mit einem Maximumbildner 3 verbunden, der von allen Ausgängen den
betragsmäßig größten Wert als Maximum Max ermittelt und dieses
an einen Vergleicher 4 weiterleitet. Da die Tiefpassfilter 1 bei
Frequenzen unterhalb einer Grenzfrequenz die proportionalen Signale U1, U2, U3 unvermindert
weiterleiten, während die Teiler 2 auch in diesem Bereich die proportionalen
Signale U1, U2, U3 entsprechend ihrem Teilerverhältnis vermindern, wirkt die
Parallelschaltung aus je einem Tiefpass 1 und einem Teiler 2 bezüglich
der Maximumbildung im Maximumbildner 3 im Bereich niedriger Frequenzen
wie ein Tiefpass. Bei Frequenzen deutlich oberhalb der Grenzfrequenz eines Tiefpasses
werden die proportionalen Signale U1, U2, U3 sehr stark gedämpft, so dass bezüglich
der Maximumbildung im Maximumbildner 3 die Teiler 2 wirksam sind.
Betrachtet man die Parallelschaltung aus Tiefpass 1 und Teiler
2 als Übertragerschaltung, so wirkt diese daher bezüglich der
Maximumbildung unterhalb und im Bereich einer Grenzfrequenz als Tiefpassfilter und
oberhalb der Grenzfrequenz als Teiler.
Der Vergleicher 4 vergleicht das Maximum Max mit einem Referenzwert
Ref. Sobald das Maximum über dem Referenzwert liegt, gibt der Vergleicher
4 ein Abschaltsignal S ab, das z.B. zum Abschalten des Umrichters dienen
kann, oder auch zu einer Reduzierung der vom Umrichter abgegeben Leistung, so dass
der Referenzwert Ref wieder unterschritten wird.
Vorzugsweise wird der Referenzwert Ref noch um einen einer Temperatur
proportionalen Wert Temp vermindert. Diese Temperatur kann beispielsweise die Temperatur
der Leistungshalbleiter im Umrichter oder von deren Kühlkörpern sein.
Es kann auch die Temperatur eines an den Umrichter angeschlossenen Motors bzw. der
Spulen eines solchen Motors herangezogen werden. So lässt sich berücksichtigen,
dass der maximal erlaubte Phasenstrom I1, I2, I3 auch von der bereits erreichten
Temperatur im Umrichter oder im angeschlossenen Motor abhängt.
Der Referenzwert Ref kann außerdem noch um einen der PWM-Frequenz
(mit der der Umrichter betrieben wird) proportionalen Wert FPWM erniedrigt
werden, denn je höher diese PWM-Frequenz ist, desto höhere Schaltverluste
ergeben sich in den Leistungshalbleitern des Umrichters. Damit erhitzen sich die
Leistungshalbleiter im Umrichter bei höheren PWM-Frequenzen schneller, ein
erniedrigter Referenzwert Ref ist damit sinnvoll.
Durch die Berücksichtigung sowohl der bereits erreichten Temperatur
als auch der PWM-Frequenz kann jederzeit ein maximal hoher Grenzwert im Vergleicher
4 berücksichtigt werden. Dieser Grenzwert müsste ansonsten für
den schlechtesten Fall ausgelegt werden, also z.B. für Halbleiterschalter,
die bereits nahe der Grenztemperatur mit hoher PWM-Frequenz betrieben werden.
Die Schutzschaltung lässt sich auch vereinfacht wie in der
1b darstellen. Hier sind sozusagen ein Tiefpassfilter
1 und ein Teiler 2 in einer einzigen Übertragerschaltung
10 zusammengefasst. Diese Übertragerschaltung 10 wirkt für
tiefe Frequenzen unterhalb und im Bereich der oben erwähnten Grenzfrequenz
wie ein Tiefpassfilter 1 mit eben dieser Grenzfrequenz, für hohe Frequenzen
deutlich oberhalb der Grenzfrequenz jedoch als Teiler 2. Je eine konkrete
schaltungstechnische Realisierung für eine Schutzschaltung gemäß
der 1a und 1b wird weiter
unten bzw. in den 3 und 4
angegeben.
In 2 ist anhand eines realen Beispiels
der Verlauf des in einer Phase maximal erlaubten Stromes I abhängig von der
Frequenz des Phasenstromes I1, I2, I3 dargestellt. Man erkennt, dass deutlich unterhalb
einer Grenzfrequenz fg nur ein gewisser Anteil (60 Ampere) des Stromes I erlaubt
ist, der deutlich oberhalb der Grenzfrequenz fg möglich ist (120 A). Dies liegt
wie oben bereits erwähnt daran, dass bei hohen Frequenzen die Belastung aller
Phasen in etwa gleich ist, während bei niedrigen Frequenzen
oder gar bei Stillstand des Motors unter Last eine sehr ungleichmäßige
Verteilung der thermischen Verluste in den einzelnen Leistungshalbleitern des Umrichters
bzw. in den Motorphasen vorliegt. Im Beispiel liegt zwischen den beiden Grenzwerten
ungefähr ein Faktor zwei. Dieser Faktor hängt sehr von den Randbedingungen
(Anzahl der Phasen, verwendete Leistungshalbleiter, etc.) ab, das Beispiel betrifft
aber einen realen dreiphasigen Umrichter und eignet sich gut, um das Prinzip der
Schutzschaltung zu erklären.
Der Tiefpassfilter 1 bzw. die Übertragerschaltung
10 wird nun so ausgelegt, dass es eine Grenzfrequenz gibt, die der Grenzfrequenz
fg der gezeigten Stromcharakteristik in etwa entspricht. Deutlich unterhalb der
Grenzfrequenz fg lässt die Übertragerschaltung 10 wie ein Tiefpass
100% des proportionalen Signals U1, U2, U3 durch, wie die Übertragungsfunktion
TP in 2 zeigt. Deutlich oberhalb der Grenzfrequenz
fg liegt dieser Wert konstant bei ca. 50%, entsprechend einem Teilerverhältnis
von 1:2. Man erkennt, dass die Übertragerschaltung 10 unterhalb und
im Bereich der Grenzfrequenz fg als Tiefpassfilter 1 mit der Grenzfrequenz
fg und oberhalb der Grenzfrequenz fg als Teiler mit dem Teilerverhältnis 1:2
wirkt.
Im in der in 2 dargestellten Fall ist
es dann möglich, den Referenzwert Ref auf 60 Ampere zu setzen. Phasenströme
I1, I2, I3 von mehr als 60 Ampere mit einer Frequenz deutlich unterhalb der Grenzfrequenz
fg (z.B. kleiner als 0.1 Hz) führen dann zu einem Abschaltsignal S, da das
entsprechende Signal U1, U2, U3 ungedämpft im Maximumbildner 3 ankommt.
Bei höheren Frequenzen (z.B. ab 100 Hz) sind durchaus auch höhere Ströme
bis 120 Ampere erlaubt, da die den Phasenströmen I1, I2, I3 proportionalen
Signale U1, U2, U3 den Maximumbildner 3 durch die teilende Wirkung nur
um den Faktor 2 reduziert erreichen.
Man erkennt aus dieser Beschreibung, dass das Tellerverhältnis
der Übertragerschaltung für hohe Frequenzen in etwa dem Verhältnis
zwischen den erlaubten Strömen bei niedrigen und hohen Frequenzen entsprechen
sollte.
Ein erstes konkretes Ausführungsbeispiel zeigt 3.
Hier wird eine Schaltung gemäß der 1a realisiert.
Ein Umrichter 5 versorgt drei Phasen U, V, W eines Motors 6 mit
Phasenströmen I1, I2, I3. Über Stromsensoren 9 wird dieser Strom
erfasst.
Man macht sich in der Schaltung gemäß 3
zu nutze, dass die Summe der Phasenströme I1, I2, I3 immer Null sein muss und
erfasst lediglich zwei der drei Phasenströme mit Stromsensoren 9.
Der dritte Phasenstrom ist dann die Summe der beiden anderen, multipliziert mit
–1. Dies wird dadurch berücksichtigt, dass die Signale der beiden Stromsensoren
9 zur Bildung der proportionalen Signale U1, U2 Verstärkerschaltungen
7 zugeführt werden, während zur Bildung des proportionalen Signals
U3 die Summe der beiden Sensorsignale einer invertierenden Verstärkerschaltung
8 zugeführt wird.
Die Ausgänge dieser drei Verstärkerschaltungen
7, 8 sind nun jeweils einem Tiefpass bestehend aus einer Reihenschaltung
aus einem Widerstand R1, einem Kondensator C1 und einem Widerstand R2, sowie einem
Teiler bestehend aus einem Widerstand R3 und einem Widerstand R4 zugeführt.
Die genaue Verschaltung dieser Bauelemente kann problemlos dem Schaltplan der
3 entnommen werden.
Die Ausgänge der Tiefpässe R1, C1, R2 und der Teiler R3,
R4 sind einerseits direkt auf Dioden D1 geführt, und andererseits über
invertierende Verstärker 8 mit Verstärkungsfaktor 1
auf weitere Dioden D1.
Durch das Verschalten aller Ausgänge der Dioden D1 ist somit
ein Maximumbildner 3 entstanden, der das betragsmäßige Maximum
Max aller Tiefpässe R1, C1, R2 und Teiler R3, R4 dem Vergleicher
4 (hier eine Komparatorschaltung) zuführt. Am zweiten Eingang des
Komparators oder Vergleichers 4 liegt wie schon zur 1a
beschrieben ein um einen einer Temperatur proportionalen Wert Temp und um einen
der PWM-Frequenz des Umrichters 5 proportionalen Wert FPWM verminderter
Referenzwert Ref an. Liegt das Maximum Max über einem Grenzwert, nämlich
dem so verminderten Referenzwert Ref, so erzeugt der Komparator 4 ein Abschaltsignal
S.
Die Schaltung gemäß 3 wird
mit drei Tiefpässen R1, C1, R2, drei Teilern R3, R4 und sechs invertierenden
Verstärkerschaltungen 8 realisiert.
Invertiert man bereits unmittelbar die proportionalen Signale U1,
U2, U3, so kommt man mit drei invertierenden Verstärkerschaltungen
8 aus, benötigt aber jeweils sechs Tiefpässe R1, C1, R2 und Teiler
R3, R4.
Eine wesentlich vereinfachte Schutzschaltung zeigt 4.
Gemäß diesem Ausführungsbeispiel erfolgt nun die Invertierung der
proportionalen Signale U1, U2, U3 in drei invertierenden Verstärken
8. Die so erhaltenen sechs Signale U1, U2, U3, Û1, Û2, Û3
sind dann sechs Übertragerschaltungen 10 zugeführt. Durch geeignete
Dimensionierung der Bauelemente R1, C1, R2 des Tiefpasses aus der 3
kann dieser alleine als Übertragerschaltung 10 wirken. Indem man den
beiden Widerständen R1, R2 den gleichen Wert von beispielsweise 10 kOhm gibt,
und den Kondensator C1 mit beispielsweise mit 8.2 &mgr;F auslegt, erhält
man für die Übertragerschaltung 10 eine Übertragungsfunktion
TP wie in der 2 gezeigt. Wie schon
in der 3 sind die Ausgänge aller Übertragerschaltungen
10 über Dioden D1 einem Komparator 4 zugeführt, der
das so gebildete Maximum Max mit einem wie oben beschrieben verminderten Referenzwert
Ref vergleicht und ein Abschaltsignal S erzeugt, wenn das Maximum Max über
diesem Grenzwert bzw. verminderten Referenzwert Ref liegt.
Mit den hier beschriebenen Schutzschaltungen wird auf einfache Weise
ein effektiver Schutz des Umrichters 5 oder des Motors 6 vor thermischer
Überlastung möglich.