Die vorliegende Erfindung betrifft eine Signalverarbeitungseinheit
zum Verarbeiten von Telekommunikationssignalen, eine mit einer derartigen Signalverarbeitungseinheit
ausgerüstete Signalverarbeitungsvorrichtung sowie ein Verfahren zum Betreiben
einer derartigen Signalverarbeitungsvorrichtung.
Unter Signalverarbeitungseinheit ist dabei im Rahmen der vorliegenden
Erfindung ein zur Verarbeitung von Signalen ausgerüsteter Chip bzw. eine integrierte
Schaltung oder auch eine zusammengehörende Gruppe von mehreren Chips und/oder
anderen Bauelementen zu verstehen, wobei derartige Signalverarbeitungseinheiten
in Signalverarbeitungsvorrichtungen wie beispielsweise auf Linecards oder in anderen
Kommunikationseinrichtungen Verwendung finden.
Eine herkömmliche Linecard 40 für POTS-Kommunikation
(Plain Old Telephone Service), das heißt für herkömmlichen Telefondienst,
ist in 3 dargestellt. Ähnlich aufgebaute Linecards
existieren auch für andere Dienste wie DSL (Digital Subscriber Line).
Die in 3 dargestellte Linecard
40 weist dabei eine Vielzahl von Teilnehmeranschlussschnittstellen
41 (SLIC, Subscriber Line Interface Circuit) auf, welche jeweils mit einer
Teilnehmerleitung verschaltet sind. Die Teilnehmeranschlussschnittstellen
41 empfangen jeweils über die Teilnehmerleitung gesendete Daten und
geben die Daten an eine Signalverarbeitungseinheit 42, welche beispielsweise
als ein Chip bzw. eine integrierte Schaltung ausgestaltet sein kann, weiter, wobei
die empfangenen analogen Signale digitalisiert werden. Über eine Backplaneschnittstelle
49 werden die verarbeiteten Daten dann ausgegeben.
Zu bemerken ist dabei, dass Linecards in der Praxis häufig eine
Vielzahl von Signalverarbeitungseinheiten 42 und entsprechend auch mehr
SLICs als dargestellt umfassen. Zur Vereinfachung ist in 3
lediglich eine Signalverarbeitungseinheit 42 dargestellt.
Die Signalverarbeitungseinheit 42 umfasst eine Mehrzahl von
digitalen Frontends (DFE) 43, 44, 45, welchen jeweils
ein digitaler Signalprozessor (DSP) 46, 47, 48 nachgeschaltet
ist. Die Anzahl von parallelen Signalverarbeitungspfaden, jeweils bestehend aus
einem digitalen Frontend 43, 44, 45 und dem jeweils nachgeschalteten
digitalen Signalprozessor 46, 47, 48 bestimmt, wie viele
eingehende Signale parallel in der Signalverarbeitungseinheit 42 verarbeitet
werden können. Dabei ist die Anzahl der parallelen Signalverarbeitungspfade
im Regelfall geringer als die Anzahl der SLICs, da zwar für jede Teilnehmerleitung
ein SLIC nötig ist, andererseits aber in den seltensten Fällen alle Teilnehmerleitungen
gleichzeitig aktiv sind, so dass eine geringere Anzahl von Signalverarbeitungspfaden
ausreichend ist.
Die digitalen Frontends 43, 44, 45 stellen
im Wesentlichen Filterfunktionen bereit, während in den digitalen Signalprozessoren
46, 47, 48 komplexere Verarbeitungen der digitalen Signale
durchgeführt werden.
Dabei hängt die Art der Verarbeitung und somit die Anforderungen
an die Leistungsfähigkeit der digitalen Signalprozessoren 46,
47, 48 stark von den zu empfangenen Signalen ab. Handelt es sich
beispielsweise um über das Internet zu übertragende Sprachdaten (Voice-Over-IP),
so ist eine relativ aufwändige Codierung und Komprimierung nötig, was
entsprechend große Rechenleistung der digitalen Signalprozessoren
46, 47, 48 erfordert, während in anderen Fällen
beispielsweise lediglich ein Gebührenimpuls ausgewertet werden muss, was wesentlich
geringere Signalverarbeitungskapazitäten erfordert.
Da andererseits aber die digitalen Signalprozessoren 46,
47, 48 aufgrund ihrer Komplexität den größten Teil
der Chipfläche der Signalverarbeitungseinheit 42 benötigen und
somit für einen großen Anteil der Kosten der Signalverarbeitungseinheit
42 verantwortlich sind, werden herkömmlicherweise eine Vielzahl verschiedener
Signalverarbeitungseinheiten für verschiedene Anwendungen hergestellt, um entsprechend
Linecards für verschiedene Anwendungen jeweils möglichst kostengünstig
herstellen zu können.
Andererseits werden vielfach Linecards benötigt, welche verschiedene
Arten von Signalen, beispielsweise sowohl die oben angesprochenen Voice-Over-IP-Signale
als auch herkömmliche analoge Telefonsignale, verarbeiten können. Wie
unschwer zu erkennen ist, müssen in diesem Fall die digitalen Signalprozessoren
46, 47, 48 so ausgelegt sein, dass auch für die
komplexesten nötigen Signalverarbeitungen die entsprechende Kapazität
bereitsteht, was die Kosten erhöht.
Herkömmlicherweise wird versucht, dieses Problem etwas zu entschärfen,
indem die digitalen Signalprozessoren 46, 47, 48 durch
einen einzigen digitalen Signalverarbeitungsprozessor ersetzt werden, auf welchen
alle digitalen Frontends der jeweiligen Signalverarbeitungseinheit zugreifen können.
Dies erlaubt zwar eine etwas flexiblere Aufteilung der Rechenleistung des digitalen
Signalprozessors, dieser muss aber immer noch relativ groß dimensioniert werden,
um auch komplexe Aufgaben bewältigen zu können.
Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Signalverarbeitungseinheit,
eine entsprechend ausgerüstete Signalverarbeitungsvorrichtung sowie ein Verfahren
zum Steuern der Signalverarbeitungsvorrichtung bereitzustellen, wodurch Kosten gesenkt
werden können und gleichzeitig eine flexible leistungsfähige Verarbeitung
einer Vielzahl von verschiedenen Signaltypen, welche in unterschiedlichem Umfang
Signalverarbeitung benötigen, bereitzustellen.
Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Signalverarbeitungseinheit
nach Anspruch 1 oder 31, eine Signalverarbeitungsvorrichtung nach Anspruch 23 oder
40 sowie ein Verfahren nach Anspruch 50 oder 52. Die abhängigen Ansprüche
definieren jeweils Ausführungsbeispiele der Signalverarbeitungseinheit, der
Signalverarbeitungsvorrichtung sowie des Verfahrens.
Erfindungsgemäß wird eine Signalverarbeitungseinheit mit
einer Mehrzahl von Signalverarbeitungsmitteln zum Verarbeiten von Telekommunikationssignalen
und mit Schnittstellenmitteln, welche derart ausgestaltet sind, dass über die
Schnittstellenmittel ein oder mehrere ausgewählte Signalverarbeitungsmittel
der Mehrzahl von Signalverarbeitungsmitteln von einer weiteren Signalverarbeitungseinheit
zur Signalverarbeitung benutzbar sind und/oder ein oder mehrere ausgewählte
Signalverarbeitungsmittel einer weiteren Signalverarbeitungseinheit zur Signalverarbeitung
in der Signalverarbeitungseinheit nutzbar sind, bereitgestellt.
Aus mehreren derartigen Signalverarbeitungseinheiten kann dann eine
Signalverarbeitungsvorrichtung wie beispielsweise eine Linecard aufgebaut werden.
Durch die Schnittstellenmittel ist es möglich, dass Ressourcen wie beispielsweise
digitale Signalprozessoren einer Signalverarbeitungseinheit von einer anderen Signalverarbeitungseinheit
mitbenutzt werden.
Hierdurch ist es beispielsweise möglich, eine Signalverarbeitungsvorrichtung
wie beispielsweise eine Linecard aus nur wenigen verschiedenen Signalverarbeitungseinheiten
für jede benötigte Leistung angepasst aufzubauen.
Gemäß einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung wird
eine Signalverarbeitungsvorrichtung mit mehreren erfindungsgemäßen Signalverarbeitungseinheiten
derart gesteuert, dass abhängig von einem eingehenden Signal Signalverarbeitungsmittel
der Signalverarbeitungseinheiten ausgewählt und über die Schnittstellenmittel
zu einem Signalverarbeitungspfad für das Signal verschaltet werden.
Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die beigefügte
Zeichnung anhand eines Ausführungsbeispiels, welches lediglich als beispielhaft
für die vorliegende Erfindung zu verstehen ist, näher erläutert.
Es zeigen:
1 eine Linecard gemäß einem Ausführungsbeispiel
der vorliegenden Erfindung,
2 ein Blockdiagramm einer Steuereinrichtung der Linecard
von 1, und
3 eine herkömmliche Linecard.
In 1 ist eine Linecard für POTS-(Plain
Old Telephone Service)-Dienste als Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung
dargestellt. Zu bemerken ist jedoch, dass die vorliegende Erfindung nicht auf Linecards
beschränkt ist. Vielmehr können Signalverarbeitungseinheiten der vorliegenden
Erfindung sowie der in 1 gezeigte Schaltungsaufbau
auch außerhalb einer Linecard in anderen Telekommunikationsvorrichtungen zum
Einsatz kommen.
Die in 1 dargestellte Linecard
1 umfasst eine Mehrzahl von Teilnehmerleitungsschnittstellen (SLIC)
2, 3, 4, 5, wobei die vier dargestellten SLICs
repräsentativ für eine im Allgemeinen größere Anzahl von SLICs
steht, welche auf der Linecard vorhanden sind. Die Anzahl der SLICs bestimmt sich
in der Praxis danach, wie viele einzelne Teilnehmerleitungen an die Linecard anschließbar
sein sollen.
Bei einem Ausführungsbeispiel sind SLICs dabei derart ausgestaltet,
dass sie ein von der Teilnehmerleitung geliefertes Signal pegelwandeln und vorverarbeiten
und ein entsprechendes analoges Ausgangssignal bereitstellen.
Die SLICs 2, 3 sind über eine Verbindungsleitung
6 mit einer SLIC-Schnittstelle 10 einer ersten Signalverarbeitungseinheit
8 verbunden. Entsprechend sind die SLICs 4, 5 über
eine Verbindungsleitung 7 mit einer SLIC-Schnittstelle 11 einer
zweiten Signalverarbeitungseinheit 9 verbunden. Die Signalverarbeitungseinheit
8 und 9 stellen dabei Ausführungsbeispiele einer erfindungsgemäßen
Signalverarbeitungseinheit dar.
Die Signalverarbeitungseinheit 8 umfasst eine Mehrzahl von
digitalen Frontends 12–15. Diese digitalen Frontends umfassen
bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel einen Analog-Digital-Wandler zur
Digitalisierung der von den SLICs 2, 3 gelieferten analogen Ausgangssignale,
digitale Filter zur Filterung der über die SLICs 2 und 3
und die SLIC-Schnittstelle 10 empfangenen digitalen Daten. Die digitale
Filterung ist bei einem Ausführungsbeispiel der Erfindung programmierbar oder
anhand von Parametern anpassbar ausgestaltet, so dass verschiedenartige Signale
entsprechend einem jeweiligen Standard gefiltert werden können,
beispielsweise herkömmliche Telefonsignale, Voice-Over-IP-Signale und dergleichen.
Die nötigen Filterparameter sind dabei aus dem jeweiligen Standard für
die Übertragung abzuleiten. Des Weiteren findet in dem dargestellten Ausführungsbeispiel
in den digitalen Frontends 12–15 eine Kompandierung der
Daten statt. Unter Kompandierung wird dabei entsprechend dem üblichen Fachgebrauch
dieses Wortes eine nichtlineare Quantisierung verstanden, bei welcher Signale mit
großer Amplitude in vergleichsweise groben Stufen quantisiert werden, während
Signale mit geringer Amplitude bzw. schwächere Signale in feineren Stufen quantisiert
werden. Dies führt dazu, dass ein Signal-Störabstand ausreichend groß
gehalten werden kann, ohne dass zu viele Quantisierungsstufen, welche die Datenmenge
erhöhen und somit die Bitrate erniedrigen würden, benötigt würden.
Zu bemerken ist, dass der oben angesprochene Analog-Digital-Wandler
bei anderen Ausführungsbeispielen der Erfindung auch in der SLIC-Schnittstelle
11 oder den SLICs 2, 3 integriert sein kann oder als
separater Signalverarbeitungsblock vorgesehen sein kann.
Weiterhin umfasst die erste Signalverarbeitungseinheit 8
einen digitalen Signalprozessor 20, welcher beispielsweise zur Verarbeitung
und Codierung von Voice-Over-IP-Daten oder zur Datenkompression dient. Der digitale
Signalprozessor 20 kann dabei im Rahmen der vorliegenden Erfindung ein
speziell für die Signalverarbeitung ausgelegter Prozessor, ein entsprechend
programmierter Standardprozessor, beispielsweise ein RISC-Prozessor („Reduced
Instruction Set Computing") oder eine Mischform dieser Möglichkeiten sein.
Über eine Systemschnittstelle 28 ist die erste Signalverarbeitungseinheit
8 mit einem Bus 30, welcher beispielsweise ein Ethernet-Bus sein
kann, verbunden, um in der Signalverarbeitungseinheit 8 verarbeitete Daten
auszugeben. Insbesondere können diese Daten paketbasierte Daten beispielsweise
nach dem IP-Protokoll sein.
Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel können über
die SLIC-Schnittstelle 10 aufgenommenen Daten von einem der digitalen Frontends
12–15 und darauf folgend von dem digitalen Signalprozessor
20 verarbeitet werden, um dann durch die Systemschnittstelle
28 ausgegeben zu werden.
Zudem umfasst die erste Signalverarbeitungseinheit 8 eine
interne Steuereinrichtung 27, welche später erläutert wird.
Zu bemerken ist, dass aus Gründen der Übersichtlichkeit
die Verbindungen zwischen den einzelnen Einrichtungen der ersten Signalverarbeitungseinheit
8, beispielsweise die Verbindungen zwischen der SLIC-Schnittstelle
10 und den digitalen Frontends 12–15, nicht eingezeichnet
sind.
Schließlich umfasst die erste Signalverarbeitungseinheit
8 eine Share-Schnittstelle 22, welche in dem dargestellten Ausführungsbeispiel
wie durch Pfeile 24–26 angedeutet drei einzelne Schnittstellen
umfasst. Über eine erste Einzelschnittstelle entsprechend dem Pfeil
24 können über die SLIC-Schnittstelle 10 empfangene
Daten, statt sie einem der digitalen Frontends 12–15 zuzuleiten,
nach außen ausgegeben werden. Ebenso können über die erste Einzelschnittstelle
Daten von außerhalb einem der digitalen Frontends 12–15
zugeführt werden. Diese erste Einzelschnittstelle kann beispielsweise als serielle
digitale Schnittstelle ausgestaltet werden, mit welcher auch unkompandierte Daten
übertragen werden können. Ein Beispiel für eine digitale serielle
Schnittstelle ist beispielsweise die USB-Schnittstelle (Universal Serial Bus).
Eine zweite Einzelschnittstelle entsprechend Pfeil 25 der
Share-Schnittstelle 22 ermöglicht es, von den digitalen Frontends
12–15 ausgegebene Daten nach außen zu geben bzw. Daten
einzulesen, um sie dem digitalen Signalprozessor 20 zuzuführen.
Die zweite Einzelschnittstelle der ersten Share-Schnittstelle
22 kann beispielsweise nach dem Verfahren der Pulscodemodulation (PCM)
arbeiten, wofür die kompandierten Daten, welche von den digitalen Frontends
12–15 ausgegeben werden, geeignet sind. Bei diesem Verfahren
werden Daten insbesondere in mehreren Timeslots, beispielsweise 128 Timeslots, übertragen,
das heißt es handelt sich um eine Zeitmultiplextechnik. Zur Erhöhung der
Kapazität einer Übertragung können dabei mehrere Timeslots zusammengefasst
werden, um eine höhere Übertragungsrate zu erzielen. Prinzipiell ist es
durch Zusammenfassung einer hinreichenden Anzahl von Timeslots auch möglich,
unkompandierte Daten zu übertragen.
Über eine dritte Einzelschnittstelle der Share-Schnittstelle
22 entsprechend dem Pfeil 26 ist es schließlich möglich,
ein von dem digitalen Signalprozessor 20 ausgegebenes Signal auszugeben
bzw. der ersten Signalverarbeitungseinheit 8 ein Signal zur Ausgabe über
die Systemschnittstelle 28 zuzuführen.
Die dritte Einzelschnittstelle der Share-Schnittstelle 22
ist in einem Ausführungsbeispiel der Erfindung eine Ethernet-Schnittstelle,
da, wie bereits erläutert, der digitale Signalprozessor 20 üblicherweise
paketbasierte Daten ausgibt und Ethernet-Schnittstellen für derartige paketbasierte
Daten gut geeignet sind.
Die genaue Funktionsweise der Share-Schnittstelle 22 wird
später noch anhand von Beispielen erläutert.
Die zweite Signalverarbeitungseinheit 9 ist ähnlich
der Signalverarbeitungseinheit 8 aufgebaut, auf deren Beschreibung wird
Bezug genommen. Insbesondere umfasst die zweite Signalverarbeitungseinheit
9 eine SLIC-Schnittstelle 11 entsprechend der SLIC-Schnittstelle
10 sowie digitale Frontends 16–19 entsprechend
den digitalen Frontends 12–15. Der SLIC-Schnittstelle
11 der zweiten Signalverarbeitungseinheit 9 werden über eine
Leitung 7 Daten der SLICs 4 und 5 zugeführt. Schließlich
umfasst auch die zweite Signalverarbeitungseinheit 9 eine Systemschnittstelle
29 zur Anbindung an den Bus 30.
Im Gegensatz zu der ersten Signalverarbeitungseinheit 8 umfasst
die zweite Signalverarbeitungseinheit 9 bei einem Ausführungsbeispiel
keinen digitalen Signalprozessor. Bei einem anderen Ausführungsbeispiel kann
ein digitaler Signalprozessor 21, welcher eine geringere Leistung als der
digitale Signalprozessor 20 der ersten Signalverarbeitungseinheit
8 aufweist, vorgesehen sein. Der digitale Signalprozessor 21 kann
beispielsweise einfache Funktionen wie einen Gebührenimpuls bereitstellen.
Zudem umfasst die zweite Signalverarbeitungseinheit 9 in dem dargestellten
Beispiel keine interne Steuereinrichtung.
Wie die erste Signalverarbeitungseinheit 8 umfasst auch die
zweite Signalverarbeitungseinheit 9 eine Share-Schnittstelle
23 mit drei Einzelschnittstellen entsprechend den Pfeilen 24,
25 und 26. Die erste Signalverarbeitungseinheit 8 und
die zweite Signalverarbeitungseinheit 9 können über die Share-Schnittstellen
22 und 23 kommunizieren und Daten austauschen.
Dabei kann die Anzahl der digitalen Frontends 12–19
in den Signalverarbeitungseinheiten 8 und 9 kleiner sein als die
Anzahl der SLICs 2–5. In diesem Fall wird davon ausgegangen,
dass zu einem Zeitpunkt nicht alle an den SLICs 2–5 angeschlossenen
Teilnehmeranschlussleitungen aktiv sind. Die Anzahl der Frontends 12–19
kann aber auch größer oder gleich der Anzahl der SLICs 2–5
sein, um in jedem Fall genügend Reserve zur Bedienung aller Teilnehmeranschlussleitungen
zu haben.
Des Weiteren umfasst die Linecard 1 aus 1
eine Backplane-Schnittstelle 33, mit welcher die auf der Linecard
1 verarbeiteten Daten zur weiteren Verarbeitung ausgegeben werden. Zudem
ist eine externe Steuereinrichtung 31, welcher ein Speicher 32
zugeordnet ist, vorgesehen.
Zu bemerken ist, dass die dargestellte Linecard mit einer ersten Signalverarbeitungseinheit
8 und einer zweiten Signalverarbeitungseinheit 9 lediglich als
Beispiel zu verstehen ist. Es ist auch möglich, dass eine Linecard mehr erste
und zweite Signalverarbeitungseinheiten aufweist. Wie im Folgenden beschrieben werden
wird, kann mittels der ersten Signalverarbeitungseinheit 8 und der zweiten
Signalverarbeitungseinheit 9, ggf. mit einem digitalen Signalprozessor
geringerer Leistung 21, eine Linecard flexibel auf Bedürfnisse einer
jeweiligen Anwendung zugeschnitten werden.
Die grundlegende Funktionsweise der Linecard 1 und ihre Merkmale
sollen nun erläutert werden.
Bei dem Ausführungsbeispiel aus 1
ist es möglich, ein Signal beispielsweise über den SLIC 3 zu
empfangen, über die SLIC-Schnittstelle 10 der ersten Signalverarbeitungseinheit
8 zuzuführen, dort in einem der digitalen Frontends, beispielsweise
in dem digitalen Frontend 12 sowie in dem digitalen Signalprozessor
20 zu verarbeiten und über die Systemschnittstelle 28 auszugeben.
Gleiches ist für Daten, deren Verarbeitung keinen digitalen Signalprozessor
benötigt bzw. zu deren Verarbeitung der digitale Signalprozessor
21 ausreicht, mit der zweiten Signalverarbeitungseinheit 9 möglich.
Durch die Share-Schnittstellen 22 und 23 ergeben
sich jedoch zusätzliche Möglichkeiten, durch welche die Linecard
1 flexibel auf jeweilige Anforderungen reagieren kann. Beispielsweise können,
wie durch eine gestrichelte Linie 50 angedeutet, Daten über den SLIC
2 und die SLIC-Schnittstelle 10 der ersten Signalverarbeitungseinheit
8 zugeführt werden. Wird nun festgestellt, dass sämtliche digitale
Frontends 12–15 belegt sind, jedoch in der zweiten Signalverarbeitungseinheit
9 noch ein digitales Frontend verfügbar ist, kann durch die Share-Schnittstelle
22 und 23entsprechend dem Pfeil 24, das heißt über
die ersten Einzelschnittstellen, die Daten beispielsweise dem digitalen Frontend
16 der zweiten Signalverarbeitungseinheit 9 zugeführt werden.
Handelt es sich um Daten, bei welchen eine aufwändige digitale
Signalverarbeitung nötig ist, können die in dem digitalen Frontend
16 verarbeiteten Daten dann entsprechend dem Pfeil 25 über
die zweiten Einzelschnittstellen der Share-Schnittstellen 22 und
23 dem digitalen Signalprozessor 20 der ersten Signalverarbeitungseinheit
8 zugeführt werden. Wird dann beispielsweise wiederum festgestellt,
dass die Systemschnittstelle 28 bereits ausgelastet ist, können die
Daten nun über die dritte Einzelschnittstelle der Share-Schnittstellen
22 und 23 entsprechend dem Pfeil 26 der Systemschnittstelle
29 der zweiten Signalverarbeitungseinheit 9 zugeführt werden
und von dort über die Backplane-Schnittstelle 33 ausgegeben werden.
In einem anderen Beispiel werden entsprechend der gepunkteten Linie
51 Daten bzw. ein Signal über den SLIC 4 und die SLIC-Schnittstelle
11 der zweiten Signalverarbeitungseinheit 9 zugeführt und
dort in dem digitalen Frontend 18 verarbeitet. Wenn es sich um Daten handelt,
die eine aufwändige Signalverarbeitung benötigen, beispielsweise um Voice-Over-IP-Daten,
können die Daten dann über die zweite Einzelschnittstelle der Share-Schnittstellen
22 und 23 entsprechend dem Pfeil 25 dem digitalen Signalprozessor
20 zugeführt werden. In diesem Beispiel werden die Daten dann nicht
erneut zu der zweiten Signalverarbeitungseinheit zurückgegeben, sondern über
die Systemschnittstelle 28 der ersten Signalverarbeitungseinheit
8 auf den Bus 30 ausgegeben und dann über die Backplane-Schnittstelle
33 an weitere Einheiten weitergegeben.
Wie diese beiden beispielhaften Signalverarbeitungspfade zeigen, ist
es durch die Share-Schnittstellen 22 und 23möglich, Ressourcen
wie digitale Frontends und digitale Signalprozessoren der ersten Signalverarbeitungseinheit
8 und der zweiten Signalverarbeitungseinheit 9 wechselseitig zu
nutzen, so dass die erste Signalverarbeitungseinheit 8 und die zweite Signalverarbeitungseinheit
9 praktisch wie eine einzige Signalverarbeitungseinheit betrieben werden
können. Hierdurch ist eine erhöhte Flexibilität gegenüber herkömmlichen
Linecards mit herkömmlichen Signalverarbeitungseinheiten gegeben.
Wie bereits erwähnt, können Linecards auch mehr Signalverarbeitungseinheiten
als die erste Signalverarbeitungseinheit 8 und die zweite Signalverarbeitungseinheit
9 umfassen. Durch das dargestellte Konzept ist es möglich, derartige
Linecards für verschiedene Bedürfnisse herzustellen, wobei nur wenige
verschiedene Komponenten benötigt werden, was Herstellungskosten reduziert.
Beispielsweise ist es denkbar, bei Linecards, welche für Vermittlungsstellen
vorgesehen sind, in welchen nur wenige verarbeitungsintensive Daten empfangen werden,
eine Signalverarbeitungseinheit entsprechend der ersten Signalverarbeitungseinheit
8 und vier Signalverarbeitungseinheiten entsprechend der zweiten Signalverarbeitungseinheit
9 vorzusehen. Andererseits können für Linecards, bei welchen
viele Daten anfallen, welche aufwändig verarbeitet werden müssen, beispielsweise
drei Signalverarbeitungseinheiten entsprechend der ersten Signalverarbeitungseinheit
8 und zwei Verarbeitungseinheiten entsprechend der zweiten Signalverarbeitungseinheit
9 vorgesehen sein. Somit wird insgesamt eine höhere Kapazität
für die digitale Signalverarbeitung bereitgestellt, wobei nach wie vor nur
zwei Typen von Signalverarbeitungseinheiten nötig sind.
Falls regelmäßig Daten anfallen, bei welchen in geringem
Maße digitale Signalverarbeitung nötig ist, kann der optionale digitale
Signalprozessor geringere Leistung 21 auf den den zweiten digitalen Signalverarbeitungseinheiten
entsprechenden Signalverarbeitungseinheiten vorgesehen sein.
Die erste Signalverarbeitungseinheit 8 und die zweite Signalverarbeitungseinheit
9 können jeweils als ein Chip ausgestaltet sein und somit einen einzigen
Baustein bilden. Somit müssen für eine Vielzahl von verschiedenen Linecards
nur zwei, ggf. drei (mit optionalem digitalen Signalprozessor 21) Bausteine
bereitgestellt werden, um Linecards für die verschiedensten Anwendungen bilden
zu können. Es ist jedoch auch möglich, dass die erste Signalverarbeitungseinheit
8 und die zweite Signalverarbeitungseinheit 9 jeweils durch mehrere
zusammengehörige Chips gebildet werden.
Die obigen Zahlenbeispiele sind jedoch lediglich beispielhaft zu verstehen,
für eine bestimmte Anwendung richtet sich die Anzahl der ersten Signalverarbeitungseinheiten
8 und zweiten Signalverarbeitungseinheiten 9 nach der Anzahl der
anzuschließenden Teilnehmeranschlussleitungen und der Art der zu übertragenden
Daten.
Im Übrigen ist es auch möglich, die dritte Einzelschnittstelle
direkt mit dem Bus 30 zu verbinden, um so eine zusätzliche Möglichkeit
zum Ausgeben von Daten zu erhalten.
Im Folgenden soll nun die Steuerung der Share-Schnittstellen
22 und 23 noch genauer erläutert werden. Hierzu sind die
externe Steuereinrichtung 31 mit ihrem Speicher 32 sowie die interne
Steuereinrichtung 27 vorgesehen. Der Aufbau der externen Steuereinrichtung
31 ist dabei schematisch in 2 dargestellt.
Auf die externe Steuereinrichtung 31 kann über die Backplane-Schnittstelle
33 zugegriffen werden, insbesondere können ihr von einer übergeordneten
Einheit, in welcher die Linecard integriert ist, Steuerbefehle zugeführt werden.
Die externe Steuereinheit 34 stellt dabei eine Applikationsschnittstelle
(API, Application Programmable Interface) 34 bereit. Diese Schnittstelle
34 dient dazu, unabhängig vom internen Aufbau der Linecard aus der
ersten Signalverarbeitungseinheit 8 und der zweiten Signalverarbeitungseinheit
9 eine einheitliche Schnittstelle bereitzustellen. Insbesondere ist es
für eine übergeordnete Einheit nicht nötig, den genauen Aufbau der
Linecard 1 zu kennen. Es werden lediglich, wie durch Pfeile 37
und 38 angedeutet, nötige Informationen zum Empfang von Daten an die
Schnittstelle 34 übergeben. Dabei handelt es sich insbesondere um
die Information, welche Art von Daten auf welchem SLIC empfangen werden bzw. auf
welchem logischen Port die empfangenen Daten auf der Backplane-Schnittstelle
33 ausgegeben werden sollen. Zudem können selbstverständlich
weitere Informationen, wie beispielsweise eine gewünschte Kompression, übermittelt
werden.
Die externe Steuereinrichtung umfasst dann einen Zustandsautomaten
35 und einen Ressourcenmanager 36, um die gewünschten Anforderungen
bereitzustellen. Der Ressourcenmanager 36 speichert hierzu in dem Speicher
32 die momentan vorhandenen Signalpfade sowie die Belegung der einzelnen
Ressourcen wie der digitalen Frontends 12–19 oder des digitalen
Signalprozessors 20. Unter Signalpfad ist dabei ein Pfad von einem SLIC
zu der Backplane-Schnittstelle 33 zu verstehen, über welchen Daten
verarbeitet werden. Beispielswiese kennzeichnen die gestrichelte Linie
50 und die gepunktete Linie 51 derartige Signalpfade.
Der Zustandsautomat 35 bestimmt dann bei einer neuen Anforderung
zur Verarbeitung eines eingehenden Signals auf einem SLIC anhand der Informationen
des Ressourcenmanagers 36 bezüglich freier Ressourcen, über welchen
Signalpfad dieses Signal verarbeitet werden soll, und teilt dies wie durch einen
Pfeil 39 angedeutet über das Systeminterface 28 der internen
Steuereinheit 27 mit. Die interne Steuereinheit 27 übernimmt
dann die entsprechende Verschaltung der Ressourcen auf der ersten Signaleinheit
8 und der zweiten Signalverarbeitungseinheit 9, wozu auch die
entsprechende Verschaltung über die Share-Schnittstellen 22 und
23 gehört. Die Steuerung der Verschaltung auf den zweiten Signalverarbeitungseinheit
9 erfolgt dann ebenfalls über die Share-Schnittstellen 22
und 23. Alternativ kann auch auf der zweiten Signalverarbeitungseinheit
9 eine interne Steuereinheit 27 vorgesehen sein. Es ist aber auch
möglich, die interne Steuereinheit 27 wegzulassen und die Verschaltung
direkt über die Systemschnittstellen 28 und 29 durch die
externen Steuereinrichtung 31 zu steuern.
Zur Vereinfachung der Zuteilung von Ressourcen ist es vorteilhaft,
wenn die Kapazität der Share-Schnittstellen 22 und 23 größer
ist als eigentlich benötigt, da dann nicht in jedem Fall die optimale Nutzung
der Ressourcen vorgenommen werden muss und somit die Zuteilung vereinfacht wird.
Der Ressourcenmanager 36 und die Zustandsmaschine
35 können zusätzlich bei bestimmten Verbindungen ggf. entscheiden,
gemäß welchem Standard bzw. welchem Verbindungstyp eine Verbindung aufgebaut
wird. Beispielsweise sind bestimmte Verbindungstypen wie beispielsweise nach dem
G.729-Standard lizenzpflichtig, so dass nur eine bestimmte Anzahl von Verbindungen
dieses Typs gleichzeitig aufgebaut werden kann. Sollten diese Lizenzen bereits ausgeschöpft
sein, kann entschieden werden, dass weitere Verbindungen nach dem G.711-Standard
aufgebaut werden.
Die externe Steuereinrichtung 31 kann auch anders als in
2 beschrieben aufgebaut sein. Beispielsweise können
die Funktionalitäten des Zustandsautomaten 35 und des Ressourcenmanagers
36 zusammengefasst sein. Auch ist es prinzipiell möglich, keine programmierbare
Benutzerschnittstelle 34 bereitzustellen, so dass direkt von extern entschieden
wird, über welchen Signalpfad eine Signalverarbeitung erfolgen soll.
Selbstverständlich ist die dargestellte Linecard nur als Beispiel
für die Anwendung der vorliegenden Erfindung zu verstehen. Insbesondere kann
die Anzahl der vorgesehenen SLICS, digitalen Frontends und digitalen Signalprozessoren
variieren und ist lediglich als Beispiel zu verstehen. Weiterhin ist es prinzipiell
auch möglich, die externe Steuereinrichtung 31 und den Speicher
32 außerhalb der Linecard anzuordnen. Auch können anstelle der
erläuterten bidirektionalen Einzelschnittstellen getrennte Einzelschnittstellen
zum Einlesen und Ausgeben von Daten in den Signalverarbeitungseinheiten
8, 9 vorgesehen sein. Schließlich ist die vorliegende Erfindung
nicht auf POTS-Signale beschränkt, vielmehr ist die Erfindung auf alle Arten
von Telekommunikationssignalen anwendbar. Beispielsweise können mit dem gleichen
Konzept Signalverarbeitungseinheiten für die Verarbeitung von DSL-Signalen
bereitgestellt werden, welche ebenfalls Share-Schnittstellen aufweisen und somit
einen flexiblen Aufbau von entsprechenden Linecards ermöglichen.