Die Erfindung geht aus von einem Verfahren zur Durchführung eines
gegebenenfalls katalysatorgestützten Chlorwasserstoff-Oxidationsprozesses a)
mittels Sauerstoff. Das Verfahren umfasst die b) ein- oder mehrstufige Abkühlung
der Prozessgase und c) Abtrennung von nicht umgesetzten Chlorwasserstoff und Reaktionswasser
aus dem Prozessgas, d) Trocknung der Produktgase und e) Abtrennung von Chlor vom
Gemisch. Die Erfindung betrifft insbesondere die Auskleidung der vom Reaktionsgemisch
berührten Anlagenteile.
Bei vielen großtechnischen chemischen Prozessen wie der Herstellung
von Isocyanaten, insbesondere MDI und TDI, sowie bei Chlorierverfahren von organischen
Stoffen wird Chlor als Rohstoff eingesetzt, wobei als Nebenprodukt in der Regel
ein HCl-Gastrom anfällt.
Für die Produktion von Chlor und insbesondere die Verwertung
der z.B. als Zwangsanfall in einem Isocyanat-Produktionsprozess anfallenden Salzsäure
werden hier beispielhaft die folgenden verschiedenen grundsätzlich bekannten
Verfahren erwähnt:
Die Produktion von Chlor in NaCl-Elektrolysen und Verwertung von HCl entweder durch
Verkauf oder durch Weiterverarbeitung in Oxychlorierungsprozessen, z.B. bei der
Herstellung von Vinylchlorid.
Die Umwandlung von HCl zu Chlor durch Elektrolyse von wässriger
HCl mit Diaphragmen oder Membranen als Trennmedium zwischen Anoden- und Kathodenraum.
Das Koppelprodukt ist hierbei Wasserstoff.
Die Umwandlung von HCl zu Chlor durch Elektrolyse von wässriger
HCl in Gegenwart von Sauerstoff in Elektrolysezellen mit Sauerstoff-Verzehr-Kathode
(ODC, Oxygen Depletion Cathode). Das Koppelprodukt ist hierbei Wasser.
Die Umwandlung von HCl-Gas zu Chlor durch Gasphasenoxidation von HCl
mit Sauerstoff bei erhöhten Temperaturen an einem Katalysator. Das Koppelprodukt
ist hierbei ebenfalls Wasser. Dieses Verfahren ist als „Deacon Verfahren"
seit über einem Jahrhundert bekannt und in Benutzung.
All diese Verfahren haben abhängig von den Marktbedingungen der
Koppelprodukte (z.B. Natronlauge, Wasserstoff, Vinylchlorid im ersten Fall, von
den Randbedingungen am jeweiligen Standort (z.B. Energiepreise, Integration in eine
Chlorinfrastruktur), und vom Investitions- und Betriebskostenaufwand unterschiedlich
große Vorteile für die Isocyanatherstellung. Von größer werdender
Bedeutung ist das letztgenannte Deacon-Verfahren.
Bei Deacon-Prozessen stellt sich das Problem, dass sich im Reaktor
ein chemisches Gleichgewicht zwischen HCl Chlor und Sauerstoff einstellt, welches
in Abhängigkeit von Druck, Temperatur, Sauerstoff-Überschuss, Verweilzeit
und anderen Parametern nur einen HCl-Umsatz von üblicherweise etwa 70-90 %
zulässt, d.h. das Prozessgas enthält neben dem Zielprodukt Chlor signifikante
Anteile nicht umgesetzter HCl und signifikante Mengen des im Überschuss eingesetzten
Sauerstoffs.
Ein größeres technisches Problem bei Deacon Prozessen stellt
die Auswahl der in den verschiedenen Anlagenzonen zu verwendenden Werkstoffe dar,
da die an der Reaktion beteiligten Stoffe insbesondere unter erhöhtem Druck
produktberührte Teile der Anlagen korrosiv angreifen Aufgabe der Erfindung
ist es, Chlor durch HCl-Oxidation herzustellen und einen langfristigen Betrieb dadurch
zu sichern, dass speziell angepasste Werkstoffe verwendet werden und eine Betriebsunterbrechung
aufgrund vorzeitiger Korrosion zu vermeiden.
Gegenstand der Erfindung, durch die die vorstehende Aufgabe gelöst
wird, ist ein Verfahren zur Durchführung eines gegebenenfalls katalysatorgestützten
Chlorwasserstoff-Oxidationsprozesses a) mittels Sauerstoff, b) ein- oder mehrstufige
Abkühlung der Prozessgase und c) Abtrennung von nicht umgesetzten Chlorwasserstoff
und Reaktionswasser aus dem Prozessgas, d) Trocknung der Produktgase und e) Abtrennung
von Chlor vom Gemisch, dadurch gekennzeichnet, dass
die Chlorwasserstoff-Oxidation a) in einem Reaktor durchgeführt wird, dessen
vom Reaktionsgemisch berührten Konstruktionsteile aus Nickel oder einer Nickel
enthaltenden Legierung hergestellt sind, wobei der Anteil von Nickel mindestens
60 Gew.-% beträgt. Nickel-Legierungen mit Hauptanteilen von unabhängig
voneinander: Eisen, Chrom und Molybdän sind bevorzugt. Im Falle der Verwendung
von bloßem Nickel beträgt der Nickelanteil besonders bevorzugt mindestens
99,5 Gew.-%. Insbesondere werden Werkstoffe aus der Reihe: Hastelloy®
C-Typen, Hastelloy® B-Typen, Inconel® 600, Inconel®
625 besonders bevorzugt. Zu den Konstruktionsteilen zählen insbesondere nicht
Funktionsteile wie Katalysatormaterial und -träger oder Messeinbauten.
Bevorzugt wird die Abkühlung b) der Prozessgase in einem ersten
Wärmetauscher ausgehend von der Reaktor-Austritts-Temperatur bis auf eine Temperatur
größer oder gleich 250°C durchgeführt, wobei die vom Reaktionsgemisch
berührten Konstruktionsteile des Wärmetauschers aus Nickel oder einer
Nickel enthaltenden Legierung hergestellt sind, wobei der Anteil von Nickel mindestens
60 Gew.-% beträgt. Nickel-Legierungen mit Hauptanteilen von unabhängig
voneinander: Eisen, Chrom und Molybdän sind bevorzugt. Insbesondere werden Werkstoffe
ausgewählt aus der Reihe: Hastelloy® C-Typen, Hastelloy®
B-Typen, Inconel® 600, Inconel® 625 besonders bevorzugt.
Weiter bevorzugt ist ein Verfahren, das dadurch gekennzeichnet ist,
dass die Abkühlung b) der Prozessgase in einem zweiten Wärmetauscher ausgehend
von der Austritts-Temperatur des ersten Wärmetauschers bis auf eine Temperatur
größer oder gleich 100°C weiter durchgeführt wird, und wobei
mindestens die vom Reaktionsgemisch berührten Konstruktionsteile des zweiten
Wärmetauschers aus einem Werkstoff ausgewählt aus der Reihe: Stahl/Fluorpolymere
(PFA, PVDF, PTFE) und Keramik, insbesondere Siliziumcarbid oder Siliziumnitrid,
insbesondere als Rohrmaterial insbesondere bevorzugt jeweils als Rohr in Rohrböden
aus beschichtetem Stahl gefertigt sind.
Besonders bevorzugt ist der zweite Wärmetauscher als Rohrbündelwärmetauscher
ausgeführt, bei dem der Mantel aus mit Fluorpolymer beschichtetem Stahl gefertigt
ist und die Rohre des Rohrbündels aus einem keramischen Werkstoff, vorzugsweise
Siliziumcarbid oder Siliziumnitrid bestehen.
Ganz besonders bevorzugt ist ein Verfahren, dadurch gekennzeichnet,
dass der zweite Wärmetauscher so betrieben wird, dass das abzukühlende
Prozessgas in den Mantel des Wärmetauschers eingespeist wird und das Kühlmedium
durch die Rohre des Wärmetauschers geleitet wird.
In einem besonders bevorzugten Verfahren wird die Abkühlung b)
der Prozessgase in einem dritten Wärmetauscher ausgehend von der Austritts-Temperatur
des zweiten Wärmetauschers bis zur Kondensation flüssiger Salzsäure,
insbesondere auf eine Temperatur größer oder gleich 5°C weiter durchgeführt,
wobei mindestens die vom Reaktionsgemisch berührten Konstruktionsteile des
dritten Wärmetauschers aus einem Werkstoff ausgewählt aus der Reihe: Fluorpolymere
(PFA, PVDF, PTFE) und Keramik, insbesondere Siliciumcarbid oder Siliziumnitrid,
insbesondere jeweils als Rohr in Rohrböden auf beschichtetem Stahl, gefertigt
sind.
In einem alternativen besonders bevorzugten Verfahren wird das Prozessgas
in der Abkühlung b) auf bis zu kleiner oder gleich 100°C abgekühlt
und dann zur Abtrennung c) in eine HCl-Absorption eingebracht, die mit Wasser oder
einer wässrigen Lösung von Chlorwasserstoff einer Konzentration von bis
30 Gew.% betrieben wird, und wobei mindestens die vom Reaktionsgemisch berührten
Konstruktionsteile der HCl-Absorptionsanlage aus einem Werkstoff ausgewählt
aus der Reihe: emaillierter Stahl, Graphit, Siliziumcarbid, Glasfaser verstärkter
Kunststoff (GFK), insbesondere auf Basis von Polyestern oder Polyvinylharzen, beschichteter
Stahl oder mit Fluorpolymeren beschichteter Stahl gefertigt sind.
Die Trocknung d) des insbesondere weitgehend HCl-freien Chlor- und
Sauerstoffgemisches wird in Trockenapparaten vorzugsweise mittels konz. Schwefelsäure
durchgeführt, in denen mindestens die vom Reaktionsgemisch berührten Konstruktionsteile
der Trockenapparate aus einem Werkstoff ausgewählt aus der Reihe: Stahl vom
Typ Hastelloy® C 2000 oder Hastelloy® B, Si-haltige
nichtrostende Stähle oder Graphit gefertigt sind.
Besonders bevorzugt wird die Abtrennung e) des Chlors vom Chlor- und
Sauerstoffgemisch in Trennapparaten durchgeführt wird, in denen mindestens
die vom Gasgemisch berührten Konstruktionsteile der Trennapparate aus Kohlenstoff
Stahl gefertigt sind.
Besonders bevorzugt ist auch eine Variante des Verfahrens, dadurch
gekennzeichnet, dass die aus der Abtrennung e) des Chlors vom Chlor- und Sauerstoffgemisch
erhaltene flüssige Phase von Chlor wieder verdampft wird, in einer Verdampfungsapparatur,
in der mindestens die vom Produkt berührten Konstruktionsteile der Verdampfungsapparatur
aus Kohlenstoff Stahl gefertigt sind
In einer besonders bevorzugten Erweiterung des Verfahrens stammt der
Chlorwasserstoff des HCl-Oxidationsprozesses aus einem Isocyanat-Herstellungsverfahren
und das gereinigte Chlor in das Isocyanat-Herstellungsverfahren zurückgeführt
wird.
Ein alternatives bevorzugtes Verfahren ist dadurch gekennzeichnet,
dass der Chlorwasserstoff des HCl-Oxidationsprozesses aus einem Chlorierungsverfahren
organischer Verbindungen von chlorierten Aromaten stammt und das gereinigte Chlor
in das Chlorierungsverfahren zurückgeführt wird.
Das neue Verfahren wird besonders bevorzugt so betrieben, dass der
HCl-Oxidationsprozess a) bei einem Druck von 3 bis 30 bar abläuft.
Ein bevorzugtes Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass der HCl-Oxidationsprozess
ein Deacon – Prozess ist, d.h. eine katalysierte Gasphasenoxidation von HCl
mittels Sauerstoff.
In einem ersten Schritt eines besonders bevorzugten Verfahrens, das
die Integration des neuen kombinierten Chlor-Herstellungsverfahrens in eine Isocyanat-Herstellung
zum Gegenstand hat, erfolgt die Herstellung von Phosgen durch Umsetzung von Chlor
mit Kohlenmonoxid. Die Synthese von Phosgen ist hinlänglich bekannt und ist
z.B. in Ullmanns Enzyklopädie der industriellen Chemie, 3. Auflage, Band 13,
Seite 494-500 dargestellt. Im technischen Maßstab wird Phosgen überwiegend
durch Umsetzung von Kohlenmonoxid mit Chlor bevorzugt an Aktivkohle
als Katalysator hergestellt. Die stark exotherme Gasphasenreaktion erfolgt typischerweise
bei einer Temperatur von mindestens 250°C bis maximal 600°C in der Regel
in Rohrbündelreaktoren. Die Abführung der Reaktionswärme kann auf
unterschiedliche Weise erfolgen, beispielsweise durch ein flüssiges Wärmetauschmittel,
wie z.B. in der Schrift WO 03/072237 A1 beschrieben, oder durch Siedekühlung
über einen Sekundärkühlkreislauf unter gleichzeitiger Nutzung der
Reaktionswärme zur Dampferzeugung, wie z.B. in der US-A 4764308 offenbart.
Aus dem im ersten Schritt gebildeten Phosgen wird durch Umsetzung
mit wenigstens einem organischen Amin oder einem Gemisch aus zwei oder mehreren
Aminen in einem nächsten Verfahrensschritt wenigstens ein Isocyanat gebildet.
Dieser zweite Verfahrensschritt wird nachfolgend auch als Phosgenierung bezeichnet.
Die Umsetzung erfolgt unter Bildung von Chlorwasserstoff als Nebenprodukt, das als
Gemisch mit dem Isocyanat anfällt.
Die Synthese von Isocyanaten ist ebenfalls aus dem Stand der Technik
grundsätzlich bekannt, wobei in der Regel Phosgen in einem stöchiometrischen
Überschuss, bezogen auf das Amin, eingesetzt wird. Üblicherweise findet
die Phosgenierung gemäß in der Flüssigphase statt, wobei das Phosgen
und das Amin in einem Lösemittel gelöst sein können. Bevorzugte für
die Phosgenierung Lösemittel sind chlorierte aromatische Kohlenwasserstoffe,
wie Chlorbenzol, o-Dichlorbenzol, p-Dichlorbenzol, Trichlorbenzole, die entsprechenden
Chlortoluole oder Chlorxylole, Chlorethylbenzol, Monochlordiphenyl, &agr;- bzw.
&bgr;-Naphthylchlorid, Benzoesäureethylester, Phthalsäuredialkylester,
Diisodiethylphthalat, Toluol und Xylole. Weitere Beispiele für geeignete Lösemittel
sind aus dem Stand der Technik grundsätzlich bekannt. Wie außerdem aus
dem Stand der Technik, z.B. nach der Schrift WO 96/16028, bekannt, kann als Lösemittel
für Phosgen ebenso das gebildete Isocyanat selbst fungieren. In einer anderen,
bevorzugten Ausführungsform findet die Phosgenierung, insbesondere geeigneter
aromatischer und aliphatischer Diamine, in der Gasphase, d.h. oberhalb des Siedepunktes
des Amins, statt. Die Gasphasenphosgenierung ist z.B. in der EP
570 799 A1 beschrieben. Vorteile dieses Verfahrens gegenüber der ansonsten
üblichen Flüssigphasenphosgenierung liegen in der Energieeinsparung, bedingt
durch die Minimierung eines aufwändigen Lösemittel- und Phosgenkreislaufs.
Als organische Amine eignen sich prinzipiell alle primären Amine
mit einer oder mehreren primären Aminogruppen, die mit Phosgen unter Bildung
einer oder mehrerer Isocyanate mit einer oder mehreren Isocyanatgruppen reagieren
können. Die Amine weisen mindestens eine, bevorzugt zwei, oder gegebenenfalls
drei und mehr primäre Aminogruppen auf. So kommen als organische primäre
Amine aliphatische, cycloaliphatische, aliphatisch-aromatische, aromatische Amine,
Di- und/oder Polyamine in Frage, wie Anilin, Halogen-substituierte Phenylamine,
z.B. 4-Chlorphenylamin, 1,6-Diaminohexan, 1-Amino-3,3,5-trimethyl-5-amino-cyclohexan,
2,4-, 2,6-Diaminotoluol oder deren Gemische, 4,4'-, 2,4'- oder 2,2'-Diphenylmethandiamin
oder deren Gemische, wie auch höhermolekulare isomere, oligomere oder polymere
Derivate der genannten Amine und Polyamine. Weitere mögliche Amine sind aus
dem Stand der Technik grundsätzlich bekannt. Bevorzugte Amine für die
vorliegende Erfindung sind die Amine der Diphenylmethandiamin-Reihe (monomere, oligomere
und polymere Amine), 2,4-, 2,6-Diaminotoluol, Isophorondiamin und Hexamethylendiamin.
Bei der Phosgenierung erhält man die entsprechenden Isocyanate Diisocyanatodiphenylmethan
(MDI, monomere, oligomere und polymere Derivate), Toluylendiisocyanat (TDI), Hexamethylendiisocyanat
(HDI) und Isophorondiisocyanat (IPDI).
Die Amine können mit Phosgen in einer einstufigen oder zweistufigen
oder ggf. mehrstufigen Reaktion umgesetzt werden. Dabei ist eine kontinuierliche
wie auch diskontinuierliche Betriebsweise möglich.
Wird eine einstufige Phosgenierung in der Gasphase gewählt, so
erfolgt die Umsetzung oberhalb der Siedetemperatur des Amins bevorzugt innerhalb
einer mittleren Kontaktzeit von 0,5 bis 5 s und bei einer Temperatur von 200 bis
600°C.
Die Phosgenierung in der Flüssigphase wird üblicherweise
bei einer Temperatur von 20 bis 240°C und einem Druck von 1 bis ca. 50 bar
durchgeführt. Die Phosgenierung in der Flüssigphase kann einstufig oder
mehrstufig durchgeführt werden, wobei Phosgen im stöchiometrischen Überschuss
eingesetzt werden kann. Dabei werden die Aminlösung und die Phosgenlösung
über ein statisches Mischelement vereinigt und anschließend beispielsweise
von unten nach oben durch einen oder mehrere Reaktionstürme geführt, wo
das Gemisch zum gewünschten Isocyanat ausreagiert. Neben Reaktionstürmen,
die mit geeigneten Mischelementen versehen sind, können auch Reaktionsbehälter
mit Rührvorrichtung eingesetzt werden. Außer statischen Mischelementen
können auch spezielle dynamische Mischelemente Anwendung finden. Geeignete
statische und dynamische Mischelemente sind aus dem Stand der Technik grundsätzlich
bekannt.
In der Regel wird die kontinuierliche Flüssigphasen-Isocyanatherstellung
im industriellen Maßstab zweistufig durchgeführt. Dabei wird in der ersten
Stufe im Allgemeinen bei einer Temperatur von maximal 220°C, bevorzugt maximal
160°C aus Amin und Phosgen das Carbamoylchlorid sowie aus
Amin und abgespaltenem Chlorwasserstoff Aminhydrochlorid gebildet. Diese erste Stufe
ist stark exotherm. In der zweiten Stufe wird sowohl das Carbamoylchlorid zu Isocyanat
und Chlorwasserstoff gespalten als auch das Aminhydrochlorid zum Carbamoylchlorid
umgesetzt. Die zweite Stufe wird in der Regel bei einer Temperatur von mindestens
90°C, vorzugsweise von 100 bis 240°C, durchgeführt.
Nach der Phosgenierung erfolgt in einem dritten Schritt die Abtrennung
der bei der Phosgenierung gebildeten Isocyanate. Dies geschieht dadurch, dass zunächst
das Reaktionsgemisch der Phosgenierung in einen flüssigen und einen gasförmigen
Produktstrom in einer dem Fachmann grundsätzlich bekannten Weise aufgetrennt
wird. Der flüssige Produktstrom enthält im Wesentlichen das Isocyanat
bzw. Isocyanatgemisch, das Lösemittel sowie einen geringen Teil an nicht umgesetztem
Phosgen. Der gasförmige Produktstrom besteht im Wesentlichen aus Chlorwasserstoffgas,
stöchiometrisch überschüssigem Phosgen, sowie geringfügigen
Mengen an Lösemittel und Inertgasen, wie zum Beispiel Stickstoff und Kohlenmonoxid.
Ferner wird der Flüssigstrom anschließend einer Aufarbeitung zugeführt,
vorzugsweise einer destillativen Aufarbeitung, wobei nacheinander Phosgen sowie
das Lösemittel für die Phosgenierung abgetrennt werden. Gegebenenfalls
erfolgt außerdem eine weitere Aufarbeitung der gebildeten Isocyanate. Dies
geschieht beispielsweise, indem das erhaltene Isocyanatprodukt in einer dem Fachmann
bekannten Weise fraktioniert wird.
Der bei der Reaktion von Phosgen mit einem organischen Amin erhaltene
Chlorwasserstoff enthält im Allgemeinen organische Nebenbestandteile, welche
sowohl bei der thermischen katalysierten oder nicht-thermischen aktivierten HCl-Oxidation
stören können. Zu diesen organischen Bestandteilen zählen beispielsweise
die bei der Isocyanatherstellung eingesetzten Lösungsmittel wie Chlorbenzol,
o-Dichlorbenzol oder p-Dichlorbenzol.
Dementsprechend erfolgt bevorzugt in einem weiteren Verfahrensschritt
die Abtrennung des bei der Phosgenierung erzeugten Chlorwasserstoffs aus dem gasförmigen
Produktstrom. Der gasförmige Produktstrom der bei der Abtrennung des Isocyanats
erhalten wird, wird so behandelt, dass das Phosgen wieder der Phosgenierung und
der Chlorwasserstoff einer elektrochemischen Oxidation zugeführt werden kann.
Die Abtrennung des Chlorwasserstoffs erfolgt bevorzugt zunächst,
indem Phosgen aus dem gasförmigen Produktstrom abgetrennt wird. Die Abtrennung
des Phosgens gelingt durch Verflüssigung von Phosgen, beispielsweise an einem
oder mehreren in Reihe geschalteten Kondensatoren. Die Verflüssigung erfolgt
vorzugsweise bei einer Temperatur im Bereich von –15 bis –40°C
in Abhängigkeit des eingesetzten Lösemittels. Durch diese Tiefkühlung
können außerdem Teile der Lösemittelreste aus dem gasförmigen
Produktstrom entfernt werden. Zusätzlich oder alternativ kann das Phosgen mit
einem kalten Lösemittel oder Lösemittel-Phosgen-Gemisch aus dem Gasstrom
in einer oder mehreren Stufen ausgewaschen werden. Als Lösemittel hierfür
eignen sich beispielsweise die bereits in der Phosgenierung eingesetzten Lösemittel
Chlorbenzol und o-Dichlorbenzol. Die Temperatur des Lösemittels oder des Lösemittel-Phosgen-Gemischs
hierfür liegt im Bereich von –15 bis –46°C.
Das aus dem gasförmigen Produktstrom abgetrennte Phosgen kann
wieder der Phosgenierung zugeführt werden. Der nach Abtrennung des Phosgens
und eines Teils des Lösungsmittelrestes erhaltene Chlorwasserstoff kann neben
den Inertgasen wie Stickstoff und Kohlenmonoxid noch 0,1 bis 1 Gew.% Lösungsmittel
und 0,1 bis 2 Gew.% Phosgen enthalten.
Gegebenenfalls erfolgt anschließend eine Reinigung des Chlorwasserstoffs,
um den Anteil an Spuren von Lösungsmittel zu verringern. Dies kann beispielsweise
mittels Ausfrieren erfolgen, indem in Abhängigkeit von den physikalischen Eigenschaften
des Lösemittels der Chlorwasserstoff zum Beispiel durch eine oder mehrere Kühlfallen
geleitet wird.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der gegebenenfalls
vorgesehenen Reinigung des Chlorwasserstoffs werden zwei in Serie geschaltete Wärmetauscher
von dem Chlorwasserstoff strom durchströmt, wobei das abzutrennende Lösemittel
in Abhängigkeit des Festpunktes zum Beispiel bei –40°C ausgefroren
wird. Die Wärmetauscher werden bevorzugt wechselweise betrieben, wobei im jeweils
zuerst durchströmten Wärmetauscher der Gasstrom das zuvor ausgefrorene
Lösemittel auftaut. Das Lösemittel kann wieder für die Herstellung
einer Phosgenlösung eingesetzt werden. Im nachgeschalteten zweiten Wärmetauscher,
der mit einem üblichen Wärmeträgermedium für Kältemaschinen,
z.B. eine Verbindung aus der Reihe der Frigene, beaufschlagt ist, wird das Gas bevorzugt
unter den Festpunkt des Lösemittels abgekühlt, sodass dieses auskristallisiert.
Nach abgeschlossenem Auftau- und Kristallisationsvorgang werden der Gasstrom und
der Kühlmittelstrom umgeschaltet, sodass sich die Funktion der Wärmetauscher
umkehrt. Der chlorwasserstoffhaltige Gasstrom kann auf diese Weise auf vorzugsweise
maximal 500 ppm, besonders bevorzugt maximal 50 ppm, ganz besonders bevorzugt auf
maximal 20 ppm Lösemittelgehalt abgereichert werden.
Alternativ kann die Reinigung des Chlorwasserstoffs bevorzugt in zwei
in Serie geschalteten Wärmetauschern z.B. gemäß
US-A-6 719 957 erfolgen. Bevorzugt wird dabei der Chlorwasserstoff auf einen Druck
von 5 bis 20 bar, bevorzugt 10 bis 15 bar, verdichtet und der komprimierte gasförmige
Chlorwasserstoff mit einer Temperatur von 20 bis 60°C, bevorzugt 30 bis 50°C,
einem ersten Wärmeaustauscher zugeführt. In diesem wird der Chlorwasserstoff
mit einem kalten Chlorwasserstoff einer Temperatur von –10 bis –30°C,
der aus einem zweiten Wärmetauscher stammt, gekühlt. Dabei kondensieren
organische Bestandteile, die einer Entsorgung oder Wiederverwertung zugeführt
werden können. Der in den ersten Wärmetauscher geleitete Chlorwasserstoff
verlässt diesen mit einer Temperatur von –20 bis 0°C und wird in
dem zweiten Wärmetauscher auf eine Temperatur von –10 bis –30°C
gekühlt. Das im zweiten Wärmetauscher anfallende Kondensat besteht aus
weiteren organischen Bestandteilen sowie geringen Mengen Chlorwasserstoff. Zur Vermeidung
eines Chlorwasserstoffverlustes wird das aus dem zweiten Wärmetauscher ablaufende
Kondensat einer Abtrenn- und Verdampfereinheit zugeführt. Dies kann beispielsweise
eine Destillationskolonne sein, in der aus dem Kondensat der Chlorwasserstoff ausgetrieben
und in den zweiten Wärmetauscher zurückgeführt wird. Es ist auch
möglich, den ausgetriebenen Chlorwasserstoff in den ersten Wärmetauscher
zurückzuführen. Der in dem zweiten Wärmetauscher abgekühlte
und von organischen Bestandteilen befreite Chlorwasserstoff wird bei einer Temperatur
von –10 bis –30°C in den ersten Wärmetauscher geleitet.
Nach Erwärmung auf 10 bis 30°C verlässt der von organischen Bestandteilen
befreite Chlorwasserstoff den ersten Wärmetauscher.
In einem ebenso bevorzugten, alternativen Verfahren erfolgt die gegebenenfalls
vorgesehene Reinigung des Chlorwasserstoffs von organischen Verunreinigungen, wie
Lösemittelreste, an Aktivkohle mittels Adsorption. Dabei wird beispielsweise
der Chlorwasserstoff nach Entfernung von überschüssigem Phosgen bei einer
Druckdifferenz von 0 bis 5 bar, vorzugsweise von 0,2 und 2 bar, über oder durch
eine Aktivkohleschüttung geleitet. Die Strömungsgeschwindigkeit und Verweilzeit
wird dabei in einer dem Fachmann bekannten Weise dem Gehalt an Verunreinigungen
angepasst. Die Adsorption von organischen Verunreinigungen ist ebenso an anderen
geeigneten Adsorptionsmitteln möglich, z.B. an Zeolithen.
In einem weiteren auch bevorzugten, alternativen Verfahren kann für
die gegebenenfalls vorgesehene Reinigung des Chlorwasserstoffs aus der Phosgenierung,
eine Destillation des Chlorwasserstoffes vorgesehen sein. Diese erfolgt nach Kondensation
des gasförmigen Chlorwasserstoffes aus der Phosgenierung. Bei der Destillation
des kondensierten Chlorwasserstoffes wird der gereinigte Chlorwasserstoff als Kopfprodukt
der Destillation entnommen, wobei die Destillation unter dem Fachmann bekannte,
für eine solche Destillation übliche Bedingungen von Druck, Temperatur
u.ä. erfolgt.
Der nach den oben dargestellten Verfahren abgetrennte und ggf. gereinigte
Chlorwasserstoff kann danach der HCl-Oxidation mit Sauerstoff zugeführt werden.
Bevorzugt wird wie oben bereits beschrieben das als Deacon-Prozess
bekannte katalytische Verfahren eingesetzt. Hierbei wird Chlorwasserstoff mit Sauerstoff
in einer exothermen Gleichgewichtsreaktion zu Chlor oxidiert, wobei Wasserdampf
anfällt.. Die Reaktionstemperatur beträgt üblicherweise 150 bis 500°C,
der übliche Reaktionsdruck beträgt 1 bis 25 bar. Da es sich um eine Gleichgewichtsreaktion
handelt, ist es zweckmäßig, bei möglichst niedrigen Temperaturen
zu arbeiten, bei denen der Katalysator noch eine ausreichende Aktivität aufweist.
Ferner ist es zweckmäßig, Sauerstoff in überstöchiometrischen
Mengen zum Chlorwasserstoff einzusetzen. Üblich ist beispielsweise ein zwei-
bis vierfacher Sauerstoff Überschuss. Da keine Selektivitätsverluste zu
befürchten sind, kann es wirtschaftlich vorteilhaft sein, bei relativ hohem
Druck und dementsprechend bei gegenüber Normaldruck längerer Verweilzeit
zu arbeiten.
Geeignete bevorzugte Katalysatoren für das Deacon-Verfahren enthalten
Rutheniumoxid, Rutheniumchlorid oder andere Rutheniumverbindungen auf Siliziumdioxid,
Aluminiumoxid, Titandioxid oder Zirkondioxid als Träger. Geeignete Katalysatoren
können beispielsweise durch Aufbringen von Rutheniumchlorid auf den Träger
und anschließendes Trocknen oder Trocknen und Calcinieren erhalten werden.
Geeignete Katalysatoren können ergänzend zu oder an Stelle einer Rutheniumverbindung
auch Verbindungen anderer Edelmetalle, beispielsweise Gold, Palladium, Platin, Osmium,
Iridium, Silber, Kupfer oder Rhenium enthalten. Geeignete Katalysatoren können
ferner Chrom(III)oxid enthalten.
Die katalytische Chlorwasserstoff- Oxidation kann adiabatisch oder
bevorzugt isotherm oder annähernd isotherm, diskontinuierlich, bevorzugt aber
kontinuierlich als Fließ- oder Festbettverfahren, bevorzugt als Festbettverfahren,
besonders bevorzugt in Rohrbündelreaktoren an Heterogenkatalysatoren bei einer
Reaktortemperatur von 180 bis 500°C, bevorzugt 200 bis 400°C, besonders
bevorzugt 220 bis 350°C und einem Druck von 1 bis 25 bar (1000 bis 25000 hPa),
bevorzugt 1,2 bis 20 bar, besonders bevorzugt 1,5 bis 17 bar und insbesondere 2,0
bis 15 bar durchgeführt werden.
Übliche Reaktionsapparate, in denen die katalytische Chlorwasserstoff-Oxidation
durchgeführt wird, sind Festbett- oder Wirbelbettreaktoren. Die katalytische
Chlorwasserstoff Oxidation kann bevorzugt auch mehrstufig durchgeführt werden.
Bei der isothermen oder annähernd isothermen Fahrweise können
auch mehrere, also 2 bis 10, bevorzugt 2 bis 6, besonders bevorzugt 2 bis 5, insbesondere
2 bis 3, in Reihe geschaltete Reaktoren mit zusätzlicher Zwischenkühlung
eingesetzt werden. Der Sauerstoff kann entweder vollständig zusammen mit dem
Chlorwasserstoff vor dem ersten Reaktor oder über die verschiedenen Reaktoren
verteilt zugegeben werden. Diese Reihenschaltung einzelner Reaktoren kann auch in
einem Apparat zusammengeführt werden.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform einer für das Verfahren
geeigneten Vorrichtung besteht darin, dass man eine strukturierte Katalysatorschüttung
einsetzt, bei der die Katalysatoraktivität in Strömungsrichtung ansteigt.
Eine solche Strukturierung der Katalysatorschüttung kann durch unterschiedliche
Tränkung der Katalysatorträger mit Aktivmasse oder durch unterschiedliche
Verdünnung des Katalysators mit einem Inertmaterial erfolgen. Als Inertmaterial
können beispielsweise Ringe, Zylinder oder Kugeln aus Titandioxid, Zirkondioxid
oder deren Gemischen, Aluminiumoxid, Steatit, Keramik, Glas, Graphit oder Edelstahl
eingesetzt werden. Beim bevorzugten Einsatz von Katalysatorformkörpern sollte
das Inertmaterial bevorzugt ähnliche äußeren Abmessungen haben.
Als Katalysatorformkörper eignen sich Formkörper mit beliebigen
Formen, bevorzugt sind Tabletten, Ringe, Zylinder, Sterne, Wagenräder oder
Kugeln, besonders bevorzugt sind Ringe, Zylinder oder Sternstränge als Form.
Als Heterogenkatalysatoren eignen sich insbesondere Rutheniumverbindungen
oder Kupferverbindungen auf Trägermaterialen, die auch dotiert sein können,
bevorzugt sind gegebenenfalls dotierte Rutheniumkatalysatoren. Als Trägermaterialen
eignen sich beispielsweise Siliziumdioxid, Graphit, Titandioxid mit Rutil- oder
Anatas-Struktur, Zirkondioxid, Aluminiumoxid oder deren Gemische, bevorzugt Titandioxid,
Zirkondioxid, Aluminiumoxid oder deren Gemische, besonders bevorzugt g- oder d-Aluminiumoxid
oder deren Gemische.
Die Kupfer- bzw. die Rutheniumträgerkatalysatoren können
beispielsweise durch Tränkung des Trägermaterials mit wässrigen Lösungen
von CuCl2 bzw. RuCl3 und gegebenenfalls eines Promotors zur
Dotierung, bevorzugt in Form ihrer Chloride, erhalten werden. Die Formgebung des
Katalysators kann nach oder bevorzugt vor der Tränkung des Trägermaterials
erfolgen.
Zur Dotierung der Katalysatoren eignen sich als Promotoren Alkalimetalle
wie Lithium, Natrium, Kalium, Rubidium und Cäsium, bevorzugt Lithium, Natrium
und Kalium, besonders bevorzugt Kalium, Erdalkalimetalle wie Magnesium, Calcium,
Strontium und Barium, bevorzugt Magnesium und Calcium, besonders bevorzugt Magnesium,
Seltenerdmetalle wie Scandium, Yttrium, Lanthan, Cer, Praseodym und Neodym, bevorzugt
Scandium, Yttrium, Lanthan und Cer, besonders bevorzugt Lanthan und Cer, oder deren
Gemische.
Die Formkörper können anschließend bei einer Temperatur
von 100 bis 400°C, bevorzugt 100 bis 300°C beispielsweise unter einer
Stickstoff-, Argon- oder Luftatmosphäre getrocknet und gegebenenfalls calciniert
werden. Bevorzugt werden die Formkörper zunächst bei 100 bis 150°C
getrocknet und anschließend bei 200 bis 400°C calciniert.
Der Umsatz an Chlorwasserstoff im einfachen Durchgang kann bevorzugt
auf 15 bis 90 %, bevorzugt 40 bis 85%, besonders bevorzugt 50 bis 70% begrenzt werden.
Nicht umgesetzter Chlorwasserstoff kann nach Abtrennung teilweise oder vollständig
in die katalytische Chlorwasserstoff-Oxidation zurückgeführt werden. Das
Volumenverhältnis von Chlorwasserstoff zu Sauerstoff am Reaktoreintritt beträgt
bevorzugt 1:1 und 20:1, bevorzugt 2:1 und 8:1, besonders bevorzugt 2:1 und 5:1.
Die Reaktionswärme der katalytischen Chlorwasserstoff-Oxidation
kann in vorteilhafter Weise zur Erzeugung von Hochdruck-Wasserdampf genutzt werden.
Dieser kann zum Betrieb eines Phosgenierungsreaktors und oder von Destillationskolonnen,
insbesondere von Isocyanat-Destillationskolonnen genutzt werden.
Die Erfindung wird nachfolgend durch die Beispiele, welche jedoch
keine Beschränkung der Erfindung darstellen, näher erläutert.
Beispiele
Beispiel 1
In dem Beispiel werden nur die Hauptkomponenten der Prozessströme
genannt.
Zur Oxidation von Chlorwasserstoff wird ein Gemisch aus
Stickstoff
1,3 t/h
Sauerstoff
15,7 t/h
Chlorwasserstoff
35,9 t/h
Kohlendioxid
1,6 t/h
mit einer Temperatur von 320°C und bei einem Druck von 4,3 bar einem Reaktor
zugeführt, in dem der Chlorwasserstoff mit Sauerstoff zu Chlor und Wasser an
einem Katalysator umgesetzt wird. Im Reaktor sind alle konstruktionsbedingte Teile
aus dem Werkstoff Kohlenstoffstahl, der durch Auflagen und Plattierungen aus Nickel
(Reinheit 99,5 Gew.-% Ni) gefertigt ist. Aus dem Reaktor tritt ein Prozessgas mit
einer Temperatur von 333°C und 3,4 bar mit folgender Zusammensetzung aus
Stickstoff
1,3 t/h
Sauerstoff
9,0 t/h
Chlorwasserstoff
5,4 t/h
Kohlendioxid
1,7 t/h
Chlor
30,4 t/h
Wasser
8,3 t/h
Dieser Prozessgasstrom wird auf einen ersten Wärmetauscher geleitet,
dessen von Produkt berührten Konstruktionsteile aus Nickel (Reinheit 99,5 Gew.-%
Ni) gefertigt sind. Hierbei liegt der Werkstoff teils als Auskleidung und teils
in massiver Form vor. Das Prozessgas wird dabei auf 250°C abgekühlt.
In einem zweiten Wärmetauscher, dessen produktberührte Konstruktionsteile
aus Siliziumcarbidgefertigt sind. Weiterhin werden keramische Rohre (aus Siliziumcarbid)
vorgesehen, die mit PTFE verkleideten Rohrplatten verbunden sind und als Wärmeaustauscher
gebaut sind. Hierin wird der Prozessgasstrom auf 100°C abgekühlt, der
Druck beträgt 3,15 bar.
Dieses Prozessgas wird zur Entfernung von Chlorwasserstoff und Wasser
auf eine HCl-Absorptionsanlage geleitet. Diese ist wie folgt beschrieben aufgebaut:
HCl und H2O im Roh-Gas werden in einer Absorptionskolonne entfernt. Dazu
wird das Rohgas oberhalb des Sumpfes eingeleitet. Am Kopf der Kolonne wird Wasser
aufgegeben. HCl und H2O werden als 25 gew.-%ige Salzsäure im Sumpf
gewonnen, das gereinigt Roh-Gas am Kopf der Kolonne enthält 02 und Cl2 und
ist mit Wasserdampf gesättigt.
Zur Erhöhung des Stoffüberganges und zur Abfuhr der anfallenden
Absorptionswärme wird aus dem Sumpf 25 gew.-%ige Salzsäure auf den Kopf
der Kolonne gepumpt. Die umgewälzte Salzsäure wird mit Hilfe eines Wärmetauschers
gekühlt.
Die von Produkt berührten Teile der Chlorwasserstoff-Absorptionsanlage
bestehen aus mit Kunststoff (PVDF) ausgekleideten Bauteilen.
Der Chlorwasserstoff-Absorption kann ein Gasstrom mit folgender Zusammensetzung
entnommen werden:
Stickstoff
1,3 t/h
Sauerstoff
9,0 t/h
Kohlendioxid
1,7 t/h
Chlor
30,4 t/h.
Die Temperatur beträgt 25°C, der Druck 3,0 bar. Zur Entfernung
von Spuren Wasser wird dieses Prozessgas mit Schwefelsäure getrocknet. Die
Trocknung erfolgt dabei mittels einer Trocknungskolonne. Das mit Wasserdampf gesättigte
Cl2/O2-Gasgemisch wird oberhalb des Sumpfes in die Kolonne
geleitet. Am Kopf der Kolonne wird 98 gew.-%ige Schwefelsäure aufgegeben. In
der Kolonne erfolgt der Stofftransport des Wasserdampfes in die Schwefelsäure.
Die auf ca. 75-78 Gew.-% verdünnte Schwefelsäure wird am Sumpf der Kolonne
ausgeschleust.
Die Produkt berührten Konstruktionsteile der Trocknungseinrichtung
sind aus Kohlenstoffstahl (Carbon Steel) aufgebaut.
Dieser getrocknete Prozessgasstrom wird auf 11,9 bar verdichtet und
das darin befindliche Chlorgas verflüssigt.
Nach der Verdichtung wird das Gas rekuperativ bis auf –45 °C
abgekühlt. In einer Destillationskolonne werden Inerte (O2, CO2)
abgestrippt. Am Sumpf wird flüssiges Chlor gewonnen. Chlor wird anschließend
verdampft und kühlt dabei das verdichtete Cl2/O2-Gasgemisch
ab.
Alle produktberührten Teile der Chlorverflüssigung sind
dabei aus Kohlenstoffstahl (Carbon Steel) gefertigt. Das der Chlorverflüssigung
entnommene Chlor, 29,4 t/h, 11,6 bar, 35°C, das noch geringe Mengen Kohlendioxid
enthält (0,15 t/h) wird einem Lagertank zugeführt. Ein Teil des verbleibende
Restgases, bestehend aus
Stickstoff
1,3 t/h
Sauerstoff
9,0 t/h
Kohlendioxid
1,55 t/h
Chlor
1,0 t/h
wird verworfen und der Rest, bestehend aus
Stickstoff
096 t/h
Sauerstoff
6,4 t/h
Kohlendioxid
1,1 t/h
Chlor
0,73 t/h
den dem Reaktor zugeführten Gasen zugegeben. Mit der hier gewählten Kombination
von Apparatewerkstoffen in den verschiedenen Prozesszonen wird die Korrosion und
der Apparateverschleiß vermindert.