Es wird ein Verfahren zur Herstellung von Chlor durch thermische Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff unter Einsatz von Katalysatoren und/oder durch nichtthermische aktivierte Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff beschrieben, bei dem a) das bei der Umsetzung entstehende Gasgemisch, bestehend wenigstens aus den Zielprodukten Chlor und Wasser, nicht umgesetztem Chlorwasserstoff und Sauerstoff sowie weiteren Nebenbestandteilen wie Kohlendioxid und Stickstoff, und gegebenenfalls Phosgen zur Kondensation von Salzsäure abgekühlt wird, b) die entstandene flüssige Salzsäure vom Gasgemisch abgetrennt wird, c) die im Gasgemisch verbliebenen Reste an Wasser, insbesondere durch Wäsche mit konzentrierter Schwefelsäure, entfernt werden, und das dadurch gekennzeichnet ist, dass d) das entstehende chlorhaltige Gasgemisch mittels Gaspermeation von Sauerstoff und gegebenenfalls zusätzlich von Nebenbestandteilen, insbesondere von CO2 und/oder N2, befreit wird.
Beschreibung[de]
Die Erfindung geht aus von einem Verfahren zur Herstellung von Chlor
durch thermische Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff unter Einsatz von
Katalysatoren, und/oder durch nichtthermische aktivierte Umsetzung von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff, bei dem das bei der Umsetzung entstehende Gasgemisch, bestehend
wenigstens aus den Zielprodukten Chlor und Wasser, nicht umgesetztem Chlorwasserstoff
und Sauerstoff sowie weiteren Nebenbestandteilen wie Kohlendioxid und Stickstoff,
und gegebenenfalls Phosgen zur Kondensation von Salzsäure abgekühlt wird,
die entstandene flüssige Salzsäure vom Gasgemisch abgetrennt wird, die
im Gasgemisch verbliebenen Reste an Wasser, insbesondere durch Wäsche mit konzentrierter
Schwefelsäure entfernt werden. Die Erfindung betrifft speziell die Abtrennung
des gebildeten Chlorgases.
Bei der Herstellung von einer Vielzahl von chemischen Umsetzungen
mit Chlor und oder Phosgen, beispielsweise der Herstellung von Isocyanaten oder
der Chlorierung von Aromaten, fällt als Nebenprodukt Chlorwasserstoff an. Dieser
Chlorwasserstoff kann durch Elektrolyse oder durch Oxidation mit Sauerstoff wieder
in Chlor überführt werden, das erneut bei den chemischen Umsetzungen eingesetzt
wird. Die Oxidation von Chlorwasserstoff (HCl) zu Chlor (Cl2) erfolgt
durch Umsetzung von Chlorwasserstoff und Sauerstoff (O2) gemäß
4 HCl + O2 → 2 Cl2 + 2 H2O
Die Reaktion kann in Gegenwart von Katalysatoren bei Temperaturen
von ca. 250 bis 450°C durchgeführt werden. Geeignete Katalysatoren für
diese thermische Reaktion, allgemein bekannt als Deacon-Reaktion, sind beispielsweise
in DE 1 567 788 A1, EP
251 731 A2, EP 936 184 A2,
EP 761 593 A1, EP
711 599 A1 und DE 102 50 131 A1
beschrieben.
Alternativ dazu sind Verfahren bekannt, bei denen die Reaktion von
Chlorwasserstoff mit Sauerstoff nichtthermisch aktiviert wird. Solche Verfahren
sind in „W. Stiller, Nichtthermische aktivierte Chemie, Birkhäuser Verlag,
Basel, Boston, 1987, S. 33-34, S. 45-49, S. 122-124, S. 138-145" beschrieben. Spezielle
Ausführungsformen sind beispielsweise in den Schriften RU
2253607, JP-A-59073405, DD-A-88 309, SU
1801943 A1 offenbart. Unter nichtthermisch aktivierten Reaktionen versteht
man beispielsweise Anregungen der Reaktion mit folgenden Mitteln oder Verfahren:
– energiereiche Strahlung, z.B. Laserstrahlung oder andere photochemische
Strahlungsquellen, UV-Strahlung, Infrarotstrahlung u. a.
– einem Niedertemperaturplasma, z.B. erzeugt durch elektrische Entladungen
– Magnetfeldanregung
– Tribomechanische Aktivierung, z.B. Anregung durch Stoßwellen
– Ionisierende Strahlung, z.B. Gamma- und Roentgenstrahlung, &agr;-
und &bgr;-Strahlen aus Kernzerfällen, hochenergetische Elektronen, Protonen,
Neutronen und schwere Ionen
– Mikrowellenbestrahlung
Sauerstoff wird in der Regel als reines Gas mit einem O2-Gehalt
von > 98 Vol-%, eingesetzt.
Allen bekannten Verfahren gemein ist, dass bei der Reaktion von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff ein Gasgemisch erhalten wird, das neben dem Zielprodukt Chlor auch
Wasser, nicht umgesetzten Chlorwasserstoff und Sauerstoff, sowie weitere Nebenbestandteile
wie Kohlendioxid enthält. Zur Gewinnung von reinem Chlor wird das Produktgasgemisch
nach der Reaktion soweit abgekühlt, dass Reaktionswasser und Chlorwasserstoff
in Form von konzentrierter Salzsäure auskondensieren. Die entstehende Salzsäure
wird abgetrennt und das verbleibende gasförmige Reaktionsgemisch wird durch
Wäsche mit Schwefelsäure oder anderen Methoden wie Trocknung mit Zeolithen
von restlichem Wasser befreit. Das nunmehr wasserfreie Reaktionsgasgemisch wird
anschließend verdichtet, wobei Sauerstoff und andere Gasbestandteile in der
Gasphase verbleiben und vom verflüssigten Chlor abgetrennt werden können.
Derartige Verfahren zur Gewinnung von reinem Chlor aus Gasgemischen sind beispielsweise
in den Offenlegungsschriften DE 195 35 716
A1 und DE 102 35 476 A1
beschrieben. Das nunmehr gereinigte Chlor wird dann der Verwendung, beispielsweise
bei der Herstellung von Isocyanaten, zugeführt.
Ein wesentlicher Nachteil der vorgenannten Chlorherstellungsverfahren
ist der vergleichsweise hohe Energieaufwand für die Verflüssigung des
Chlorgasstroms.
Ein weiterer besonderer Nachteil der bekannten Verfahren besteht in
dem aus der Chlorverflüssigung resultierenden Verlusten an Chlor, die beim
Verwerfen oder Vernichten von Teilströmen des üblicherweise in die HCl-Oxidation
zurückgeführten und Restchlor enthaltenden Sauerstoffstromes auftreten.
Da der üblicherweise eingesetzte reine Sauerstoff aufwändig herzustellen
und daher teuer ist, besteht Bedarf für eine Verfahrensverbesserung.
Es wurde gefunden, dass diese Nachteile überwunden werden können,
wenn das chlorhaltige Gasgemisch nach der Trocknung anstelle einer Chlorverflüssigung
mittels Gaspermeation von Sauerstoff und anderen Nebenbestandteilen befreit wird.
Unter dem Begriff Gaspermeation versteht man allgemein die selektive
Trennung eines Gasgemisches mittels Membranen. Verfahren zur Gaspermeation sind
grundsätzlich bekannt und beispielsweise in „T. Melin, R. Rautenbach;
Membranverfahren – Grundlagen der Modul- und Anlagenauslegung; 2. Auflage;
Springer Verlag 2004", Kapitel 1 S. 1-17 und Kapitel 14, S. 437-493 oder "Ullmann,
Encyclopedia of Industrial Chemistry; Seventh Release 2006; Wiley-VCH Verlag" beschrieben.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von Chlor
durch thermische Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff unter Einsatz von
Katalysatoren und/oder durch nichtthermische aktivierte Umsetzung von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff, bei dem
a) das bei der Umsetzung entstehende Gasgemisch, bestehend aus den Zielprodukten
Chlor und Wasser, nicht umgesetztem Chlorwasserstoff und Sauerstoff sowie weiteren
Nebenbestandteilen wie Kohlendioxid und Stickstoff und gegebenenfalls Phosgen zur
Kondensation von Salzsäure abgekühlt wird,
b) die entstandene flüssige Salzsäure vom verbleibenden Gasgemisch
abgetrennt wird,
c) die im abgetrennten Gasgemisch verbliebenen Reste an Wasser, insbesondere
durch Wäsche mit konzentrierter Schwefelsäure, entfernt werden, dadurch
gekennzeichnet, dass
d) das entstehende chlorhaltige Gasgemisch mittels Gaspermeation von Sauerstoff
und gegebenenfalls zusätzlich von Nebenbestandteilen, insbesondere von Kohlendioxid
und/oder Stickstoff und/oder von Phosgen befreit wird.
Das Verfahren wird vorzugsweise kontinuierlich durchgeführt,
da ein gleichfalls möglicher Batch- oder Semibatchbetrieb etwas technisch aufwändiger
ist als das kontinuierliche Verfahren.
Die im neuen Verfahren vorgesehene Trennung d) mittels Gaspermeation
wird vorzugsweise mit Membranen durchgeführt, die nach dem Molekularsieb-Prinzip
arbeiten, die beispielsweise im Kapitel 3.4 von T. Melin, R. Rautenbach; Membranverfahren
– Grundlagen der Modul- und Anlagenauslegung; 2. Auflage; Springer Verlag
2004, S. 96-105 beschrieben werden. Bevorzugt zum Einsatz kommende Membrane sind
Molekularsieb-Membranen auf Basis von Kohlenstoff und/oder SiO2 und/oder
Zeolithe. Bei der Trennung nach dem Molekularsieb-Prinzip werden beispielsweise
die Nebenkomponenten abgetrennt, die einen kleineren Lennard-Jones (d.h. einen kleineren
kinetischen) Durchmesser haben als die Hauptkomponente Chlor.
Bevorzugt ist daher ein Verfahren in dem die wirksame Porengröße
des Molekularsiebes für die Stufe d) 0,2 bis 1 nm, bevorzugt 0,3 bis 0,5 nm
beträgt.
Bei Einsatz der Gaspermeation zur Abtrennung von Sauerstoff und ggf.
Nebenbestandteilen im chlorhaltigen Gasgemisch wird ein sehr reines Chlorgas erhalten,
wobei der Energiebedarf für die nach den erfindungsgemäßen Verfahren
vorgenommene Chlorgasreinigung im Vergleich zu den bisher bekannten Verfahren deutlich
reduziert ist. Das als weiterer Gasstrom anfallende Gasgemisch enthält im Wesentlichen
Sauerstoff, sowie als Nebenbestandteile Kohlendioxid und ggf. Stickstoff und ist
im Wesentlichen frei von Chlor.
Im Wesentlichen frei von Chlor meint hier ein Gasgemisch mit einem
Gehalt von höchstens 1 Gew.-% Chlor, bezogen auf das anfallende Gasgemisch.
In einem bevorzugten Verfahren wird ein Gehalt von höchstens 1000 ppm Chlor,
besonders bevorzugt von höchstens 100 ppm Chlor in anfallendem Gasgemisch erreicht.
Die Gaspermeation wird vorzugsweise unter Einsatz von sogenannten
Carbonmembranen durchgeführt. Bekannte Carbonmembranen bestehen aus pyrolysierten
Polymeren, z.B. pyrolysierten Polymeren aus der Reihe: Phenolharze, Furfurylalkohole,
Cellulose, Polyacrylnitrile und Polyimide. Solche sind beispielsweise im Kapitel
2.4 von T. Melin, R. Rautenbach; Membranverfahren – Grundlagen der Modul-
und Anlagenauslegung; 2. Auflage; Springer Verlag 2004, S. 47-59, beschrieben.
In einem besonders bevorzugten Verfahren wird die Gaspermeation gemäß
Schritt d) bei einer Druckdifferenz zwischen Eingangsstrom und Ausgangstrom (Chlor)
von bis zu 105 hPa (100 bar), besonders bevorzugt von 500 bis 4104
hPa (0,5 bis 40 bar) betrieben, Typische Betriebsdrücke nach dem derzeitigen
Stand der Technik für die Behandlung chlorhaltiger Gasströme liegen im
Bereich von 7.000 bis 12.000 hPa (7 bis 12 bar).
In einer bevorzugten Ausführung wird die Gaspermeation gemäß
Schritt d) bei einer Temperatur des einlaufenden, zu trennenden Gasgemisches von
bis zu 400°C, besonders bevorzugt bis 200°C, ganz besonders bevorzugt
bis 120°C, durchgeführt.
Ein weiterer bevorzugter Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren
zur Herstellung von Chlor durch thermische Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff
unter Einsatz von Katalysatoren und/oder durch nichtthermische aktivierte Umsetzung
von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass das
bei der Abtrennung von Sauerstoff und den Nebenbestandteilen aus dem chlorhaltigem
Gasgemisch durch Gaspermeation (Schritt d) anfallende Gasgemisch aus Sauerstoff
und Nebenbestandteilen in einer weiteren Gaspermeationsstufe e) in einen im Wesentlichen
Sauerstoff enthaltenden Teilstrom und einen im Wesentlichen Kohlendioxid enthaltenden
Teilstrom aufgetrennt wird.
Besonders bevorzugt wird der im Wesentlichen Sauerstoff enthaltende
Teilstrom aus Schritt e) in die Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff wenigstens
teilweise zurückgeführt.
Vorzugsweise werden in der weiteren Gaspermeationsstufe e) Polymermembranen
eingesetzt, die nach dem Lösungsdiffusions-Prinzip arbeiten. Derartige Polymermembranen
sind beispielsweise in „T. Melin, R. Rautenbach; Membranverfahren –
Grundlagen der Modul- und Anlagenauslegung; 2. Auflage; Springer Verlag 2004, Kapitel
14.2 S. 438-451", beschrieben. Besonders bevorzugt einzusetzende Polymermembranen
für Schritt e) sind Membranen aus Polysulfon, Polyimid, Polyaramid, Polycarbonat,
Celluloseacetat und Polysiloxan, insbesondere solche basierend auf Polydimethylsiloxan
(PDMS) oder Polyoctylmethylsiloxan (PDMS). Die zur Gaspermeation e) besonders bevorzugt
eingesetzten PDMS Membranen weisen vorzugsweise eine vernetzte Struktur auf.
Das bevorzugte Verfahren mit einer Rückführung des Sauerstoffs
hat den besonderen Vorteil, dass es zu keiner starken Anreicherung von Nebenkomponenten
wie Kohlendioxid im Anlagenkreislauf kommt, was eine signifikante Ausschleusung
des zurückgeführten sauerstoffhaltigen Gasstroms nötig machen würde.
Diese Ausschleusung führt zu erheblichen Verlusten an Sauerstoff, was die Wirtschaftlichkeit
des Gesamtverfahrens zur Herstellung von Chlor durch Umsetzung von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff beeinträchtigt. Das bevorzugte neue Verfahren ermöglicht
dagegen durch die Rückführung des im Wesentlichen Sauerstoff enthaltenden
Teilstroms eine sehr hohe Ausnutzung des eingesetzten Sauerstoffs.
Eine weitere bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist dadurch gekennzeichnet, dass für die Umsetzung von Chlorwasserstoff mit
Sauerstoff als Sauerstoffquelle Luft oder mit Sauerstoff angereicherte Luft eingesetzt
wird und dass das in Schritt d) anfallende Gasgemisch enthaltend Sauerstoff und
gegebenenfalls Nebenbestandteile wie Kohlendioxid und Stickstoff ggf. verworfen
wird. Beispielsweise kann das Sauerstoff enthaltende Gasgemisch gegebenenfalls nach
einer Vorreinigung direkt kontrolliert an die Umgebungsluft abgegeben werden.
Ein weiterer Nachteil der bekannten HCl-Oxidationsverfahren ist, dass
bei der Oxidation von Chlorwasserstoff reiner Sauerstoff mit einem O2-Gehalt
von zumeist mindestens 98 Vol. % eingesetzt werden muss.
Mit der vorgenannten Variante ist es möglich, auf den Einsatz
von reinem Sauerstoff zu verzichten.
Eine weitere bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist dadurch gekennzeichnet, dass die für die Umsetzung von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff als Sauerstoffquelle Luft oder mit Sauerstoff angereicherte Luft
eingesetzt wird.
Ein mit Luft oder durch mit Sauerstoff angereicherter Luft betriebenes
Verfahren weist weitere Vorteile auf. Einerseits entfällt durch das Benutzen
von Luft statt reinem Sauerstoff ein erheblicher Kostenfaktor, da die Aufarbeitung
der Luft wesentlich weniger technisch aufwändig ist. Da ein Erhöhen des
Sauerstoffgehalts das Reaktionsgleichgewicht in Richtung der Chlorherstellung treibt,
kann ohne weitere Bedenken bedarfsweise die Menge an preiswerter Luft oder sauerstoffangereicherter
Luft vergrößert werden.
Weiterhin ist ein großes Problem der bekannten Deacon Verfahren
und Deacon Katalysatoren das Entstehen von Hot-Spots an der Oberfläche des
Katalysators, das sehr schwierig zu kontrollieren ist. Ein Überhitzen des Katalysators
führt leicht zu irreversiblen Schäden, die das Oxidationsverfahren beeinträchtigen.
Verschiedene Ansätze zur Vermeidung dieser lokalen Überhitzungen (z.B.
durch Verdünnung der Katalysatorschüttung) wurden verfolgt, allerdings
ohne zufriedenstellende Lösungen vorzustellen. Ein Luftgemisch, das beispielsweise
bis zu 80% inerte Gase enthält, ermöglicht nun eine Verdünnung der
Feedgase (Reaktanden) und somit auch einen kontrollierteren Reaktionsablauf
durch Vermeidung der lokalen Überhitzung des Katalysators. Die Hitzeentfaltung
wird durch Anwendung dieser bevorzugten Maßnahme gehemmt und folglich die Standzeit
des Katalysators erhöht (durch Verringerung der volumenbezogenen Aktivität
des Katalysators). Weiterhin wird der Einsatz von inerten Gasanteilen zu einer besseren
Wärmeabfuhr (Wärmeaufnahme durch die Inertgase) führen, der zusätzlich
zur Vermeidung von Hot-Spots beiträgt.
Aus dem Stand der Technik gemäß FR1497776,
US2602021, NL112095,
NL276976, NL6404460,
DE888386, US2577808,
GB689370, EP184413,
DE 12 52 180 ist zwar grundsätzlich
bekannt, dass eine HCl-Oxidation unter Verwendung von Luft oder von mit Sauerstoff
angereicherter Luft durchaus möglich ist. Allerdings scheitert diese Vorgehensweise
technisch an der aufwendigen und kostspieligen Aufarbeitung der Deacon-Reaktionsprodukte,
die diese bekannten Methoden mit den herkömmlich bekannten Aufreinigungsschritten
hervorruft. Zudem scheitern diese Verfahren an der unzureichenden Abtrennung des
Restgases vom Chlor, einem kostbaren Wertstoff, der mehrheitlich durch eine hohe
Ausschleusung von Abgasen verloren geht, den das Verwenden von Luft oder von mit
Sauerstoff angereicherter Luft bedingt. Bei einem Inertgasgehalt von beispielsweise
bis zu 80 Vol.-% kann in den bekannten Verfahren keine Rückführung der
Restchlor enthaltenden Inertgase zur Rückgewinnung von Restchlor, dessen Gehalt
bis zu 10% im Restgas erreichen kann (DE-10235476-A1), sinnvoll durchgeführt
werden. Somit muss das gereinigte Prozessgas mindestens teilweise entsorgt werden,
was einen großen Chlorverlust und hohe Vernichtungskosten der Restgase bedeutet
und folglich die Wirtschaftlichkeit des bekannten Verfahrens stark beeinträchtigt.
Das Betreiben z.B. des Deacon-Verfahrens mit technischem Saurestoff
niederer Reinheit oder mit Luft oder mit mit Sauerstoff angereicherter Luft wird
infolge einer effizienten Prozessgasaufarbeitung die mit dieser Erfindung gegeben
ist, erst ermöglicht. Durch das Benützen von Membranen kann das Chlor
im Schritt d) erfolgreich von Sauerstoff, ggf. Stickstoff und weiteren Nebenkomponenten
abgetrennt werden. Das nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhaltene
Chlor kann anschließend nach den aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren
z.B. mit Kohlenmonoxid zu Phosgen umgesetzt werden, welches für die Herstellung
von MDI oder TDI aus MDA beziehungsweise TDA eingesetzt werden kann.
Bevorzugt wird wie oben bereits beschrieben das als Deacon-Prozess
bekannte katalytische Verfahren eingesetzt. Hierbei wird Chlorwasserstoff mit Sauerstoff
in einer exothermen Gleichgewichtsreaktion zu Chlor oxidiert, wobei Wasserdampf
anfällt. Die Reaktionstemperatur beträgt üblicherweise 150 bis 500°C,
der übliche Reaktionsdruck beträgt 1 bis 25 bar. Da es sich um eine Gleichgewichtsreaktion
handelt, ist es zweckmäßig, bei möglichst niedrigen Temperaturen
zu arbeiten, bei denen der Katalysator noch eine ausreichende Aktivität aufweist.
Ferner ist es zweckmäßig, Sauerstoff in überstöchiometrischen
Mengen einzusetzen. Üblich ist beispielsweise ein zwei- bis vierfacher Sauerstoff-Überschuss.
Da keine Selektivitätsverluste zu befürchten sind, kann es wirtschaftlich
vorteilhaft sein, bei relativ hohem Druck und dementsprechend bei gegenüber
Normaldruck längerer Verweilzeit zu arbeiten.
Geeignete bevorzugte Katalysatoren für das Deacon-Verfahren enthalten
Rutheniumoxid, Rutheniumchlorid oder andere Rutheniumverbindungen auf Siliziumdioxid,
Aluminiumoxid, Titandioxid oder Zirkondioxid als Träger. Geeignete Katalysatoren
können beispielsweise durch Aufbringen von Rutheniumchlorid auf den Träger
und anschließendes Trocknen oder Trocknen und Calcinieren erhalten werden.
Geeignete Katalysatoren können ergänzend zu oder an Stelle einer Rutheniumverbindung
auch Verbindungen anderer Edelmetalle, beispielsweise Gold, Palladium, Platin, Osmium,
Iridium, Silber, Kupfer oder Rhenium enthalten. Geeignete Katalysatoren können
ferner Chrom(III)oxid enthalten.
Die katalytische Chlorwasserstoff-Oxidation kann adiabatisch oder
bevorzugt isotherm oder annähernd isotherm, diskontinuierlich, bevorzugt aber
kontinuierlich als Fließ- oder Festbettverfahren, bevorzugt als Festbettverfahren,
besonders bevorzugt in Rohrbündelreaktoren an Heterogenkatalysatoren bei einer
Reaktortemperatur von 180 bis 500°C, bevorzugt 200 bis 400°C, besonders
bevorzugt 220 bis 350°C und einem Druck von 1 bis 25 bar (1000 bis 25000 hPa),
bevorzugt 1,2 bis 20 bar, besonders bevorzugt 1,5 bis 17 bar und insbesondere 2,0
bis 15 bar durchgeführt werden.
Übliche Reaktionsapparate, in denen die katalytische Chlorwasserstoff-Oxidation
durchgeführt wird, sind Festbett- oder Wirbelbettreaktoren. Die katalytische
Chlorwasserstoff-Oxidation kann bevorzugt auch mehrstufig durchgeführt werden.
Bei der isothermen oder annähernd isothermen Fahrweise können
auch mehrere, also 2 bis 10, bevorzugt 2 bis 6, besonders bevorzugt 2 bis 5, insbesondere
2 bis 3, in Reihe geschaltete Reaktoren mit zusätzlicher Zwischenkühlung
eingesetzt werden. Der Sauerstoff kann entweder vollständig zusammen mit dem Chlorwasserstoff
vor dem ersten Reaktor oder über die verschiedenen Reaktoren verteilt zugegeben
werden. Diese Reihenschaltung einzelner Reaktoren kann auch in einem Apparat zusammengeführt
werden.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform einer für das Verfahren
geeigneten Vorrichtung besteht darin, dass man eine strukturierte Katalysatorschüttung
einsetzt, bei der die Katalysatoraktivität in Strömungsrichtung ansteigt.
Eine solche Strukturierung der Katalysatorschüttung kann durch unterschiedliche
Tränkung der Katalysatorträger mit Aktivmasse oder durch unterschiedliche
Verdünnung des Katalysators mit einem Inertmaterial erfolgen. Als Inertmaterial
können beispielsweise Ringe, Zylinder oder Kugeln aus Titandioxid, Zirkondioxid
oder deren Gemischen, Aluminiumoxid, Steatit, Keramik, Glas, Graphit oder Edelstahl
eingesetzt werden. Beim bevorzugten Einsatz von Katalysatorformkörpern sollte
das Inertmaterial bevorzugt ähnliche äußere Abmessungen haben.
Als Katalysatorformkörper eignen sich Formkörper mit beliebigen
Formen, bevorzugt sind Tabletten, Ringe, Zylinder, Sterne, Wagenräder oder
Kugeln, besonders bevorzugt sind Ringe, Zylinder oder Sternstränge als Form.
Als Heterogenkatalysatoren eignen sich insbesondere Rutheniumverbindungen
oder Kupferverbindungen auf Trägermaterialen, die auch dotiert sein können,
bevorzugt sind gegebenenfalls dotierte Rutheniumkatalysatoren. Als Trägermaterialen
eignen sich beispielsweise Siliziumdioxid, Graphit, Titandioxid mit Rutil- oder
Anatas-Struktur, Zirkondioxid, Aluminiumoxid oder deren Gemische, bevorzugt Titandioxid,
Zirkondioxid, Aluminiumoxid oder deren Gemische, besonders bevorzugt &ggr;- oder
&dgr;-Aluminiumoxid oder deren Gemische.
Die Kupfer- bzw. die Rutheniumträgerkatalysatoren können
beispielsweise durch Tränkung des Trägermaterials mit wässrigen Lösungen
von CuCl2 bzw. RuCl3 und gegebenenfalls eines Promotors zur
Dotierung, bevorzugt in Form ihrer Chloride, erhalten werden. Die Formgebung des
Katalysators kann nach oder bevorzugt vor der Tränkung des Trägermaterials
erfolgen.
Zur Dotierung der Katalysatoren eignen sich als Promotoren Alkalimetalle
wie Lithium, Natrium, Kalium, Rubidium und Cäsium, bevorzugt Lithium, Natrium
und Kalium, besonders bevorzugt Kalium, Erdalkalimetalle wie Magnesium, Calcium,
Strontium und Barium, bevorzugt Magnesium und Calcium, besonders bevorzugt Magnesium,
Seltenerdmetalle wie Scandium, Yttrium, Lanthan, Cer, Praseodym und Neodym, bevorzugt
Scandium, Yttrium, Lanthan und Cer, besonders bevorzugt Lanthan und Cer, oder deren
Gemische.
Die Formkörper können anschließend bei einer Temperatur
von 100 bis 400°C, bevorzugt 100 bis 300°C beispielsweise unter einer
Stickstoff-, Argon- oder Luftatmosphäre getrocknet und gegebenenfalls calciniert
werden. Bevorzugt werden die Formkörper zunächst bei 100 bis 150°C
getrocknet und anschließend bei 200 bis 400°C calciniert.
Der Umsatz an Chlorwasserstoff im einfachen Durchgang kann bevorzugt
auf 15 bis 90 %, bevorzugt 40 bis 85%, besonders bevorzugt 50 bis 70% begrenzt werden.
Nicht umgesetzter Chlorwasserstoff kann nach Abtrennung teilweise oder vollständig
in die katalytische Chlorwasserstoff-Oxidation zurückgeführt werden. Das
Volumenverhältnis von Chlorwasserstoff zu Sauerstoff am Reaktoreintritt beträgt
bevorzugt 1:1 und 20:1, bevorzugt 2:1 und 8:1, besonders bevorzugt 2:1 und 5:1.
Die Reaktionswärme der katalytischen Chlorwasserstoff-Oxidation
kann in vorteilhafter Weise zur Erzeugung von Hochdruck-Wasserdampf genutzt werden.
Dieser kann zum Betrieb eines Phosgenierungsreaktors und oder von Destillationskolonnen,
insbesondere von Isocyanat-Destillationskolonnen genutzt werden.
In den Schritten a) bis d) des neuen Verfahrens wird das bei der Deacon-Oxidation
gebildete Chlor abgetrennt. Der Abtrennschritt umfasst üblicherweise mehrere
Stufen, nämlich die Abtrennung und gegebenenfalls Rückführung von
nicht umgesetztem Chlorwasserstoff aus dem Produktgasstrom der katalytischen Chlorwasserstoff-Oxidation,
die Trocknung des erhaltenen, im wesentlichen Chlor und Sauerstoff enthaltenden
Stroms sowie die Abtrennung von Chlor aus dem getrockneten Strom.
Die Abtrennung von nicht umgesetztem Chlorwasserstoff und von gebildetem
Wasserdampf kann durch Auskondensieren von wässriger Salzsäure aus dem
Produktgasstrom der Chlorwasserstoffoxidation durch Abkühlung erfolgen. Chlorwasserstoff
kann auch in verdünnter Salzsäure oder Wasser absorbiert werden.
Ein weiteres bevorzugtes Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass
der als Ausgangsprodukt für das neue Verfahren eingesetzte Chlorwasserstoff
das Produkt eines Herstellungsverfahrens von Isocyanaten ist und dass das gereinigte
von Sauerstoff und gegebenenfalls von Nebenbestandteilen befreite Chlorgas bei der
Herstellung von Isocyanaten eingesetzt, insbesondere als Teil eines Stoffkreislaufs
wieder eingesetzt wird.
Ein besonderer Vorteil eines solchen kombinierten Verfahrens ist,
dass auf die übliche Chlorverflüssigung verzichtet werden kann und dass
das Chlor zur Rückführung in das Isocyanatherstellungsverfahren auf annähernd
gleichem Druckniveau zur Verfügung steht wie die Eingangsstufe des Isocyanatherstellungsverfahrens.
Das erfindungsgemäße kombinierte Verfahren ist somit ein
integriertes Verfahren zur Herstellung von Isocyanaten und der Oxidation von Chlorwasserstoff
zur Rückgewinnung von Chlor für die Synthese von Phosgen als Ausgangsprodukt
für die Isocyanatherstellung.
Im ersten Schritt des bevorzugten Verfahrens erfolgt die Herstellung
von Phosgen durch Umsetzung von Chlor mit Kohlenmonoxid. Die Synthese von Phosgen
ist hinlänglich bekannt und ist z.B. in Ullmanns Enzyklopädie der industriellen
Chemie, 3. Auflage, Band 13, Seite 494-500 dargestellt. Weitere Verfahren zur Herstellung
von Isocyanaten sind z.B. in US 4764308
und WO 03/072237 beschrieben. Im technischen Maßstab wird Phosgen überwiegend
durch Umsetzung von Kohlenmonoxid mit Chlor bevorzugt an Aktivkohle als Katalysator
hergestellt. Die stark exotherme Gasphasenreaktion erfolgt bei Temperaturen von
mindestens 250°C bis maximal 600°C in der Regel in Rohrbündelreaktoren.
Die Abführung der Reaktionswärme kann auf unterschiedliche Weise erfolgen,
beispielsweise durch ein flüssiges Wärmetauschmittel, wie z.B. in WO 03/072237
beschrieben, oder durch Siedekühlung über einen Sekundärkühlkreislauf
unter gleichzeitiger Nutzung der Reaktionswärme zur Dampferzeugung, wie z.B.
in US 4764308 offenbart.
Aus dem gemäß Schritt gebildeten Phosgen wird durch Umsetzung
mit wenigstens einem organischen Amin oder einem Gemisch aus zwei oder mehreren
Aminen in einem nächsten Verfahrensschritt wenigstens ein Isocyanat gebildet.
Der Verfahrensschritt wird nachfolgend auch als Phosgenierung bezeichnet. Die Umsetzung
erfolgt unter Bildung von Chlorwasserstoff als Nebenprodukt.
Die Synthese von Isocyanaten ist ebenfalls aus dem Stand der Technik
hinlänglich bekannt, wobei in der Regel Phosgen in einem stöchiometrischen
Überschuss, bezogen auf das Amin, eingesetzt wird. Üblicherweise findet
die Phosgenierung in der Flüssigphase statt, wobei das Phosgen und das Amin
in einem Lösemittel gelöst sein können. Bevorzugte Lösemittel
sind chlorierte aromatische Kohlenwasserstoffe, wie beispielsweise Chlorbenzol,
o-Dichlorbenzol, p-Dichlorbenzol, Trichlorbenzole, die entsprechenden Chlortoluole
oder Chlorxylole, Chlorethylbenzol, Monochlordiphenyl, &agr;- bzw. &bgr;-Naphthylchlorid,
Benzoesäureethylester, Phthalsäuredialkylester, Diisodiethylphthalat,
Toluol und Xylole. Weitere Beispiele für geeignete Lösemittel sind aus
dem Stand der Technik bekannt. Wie außerdem aus dem Stand der Technik, z.B.
WO 96/16028, bekannt, kann als Lösemittel für Phosgen ebenso das gebildete
Isocyanat selbst fungieren. In einer anderen, bevorzugten Ausführungsform findet
die Phosgenierung, insbesondere geeigneter aromatischer und aliphatischer Diamine,
in der Gasphase, d.h. oberhalb des Siedepunktes des Amins, statt. Die Gasphasenphosgenierung
ist z.B. in EP 570 799 A beschrieben.
Vorteile dieses Verfahrens gegenüber der ansonsten üblichen Flüssigphasenphosgenierung
liegen in der Energieeinsparung, bedingt durch die Minimierung eines aufwändigen
Lösemittel- und Phosgenkreislaufs.
Als organische Amine eignen sich prinzipiell alle primären Amine
mit einer oder mehreren primären Aminogruppen, die mit Phosgen unter Bildung
einer oder mehrerer Isocyanate mit einer oder mehreren Isocyanatgruppen reagieren
können. Die Amine weisen mindestens eine, bevorzugt zwei, oder gegebenenfalls
drei und mehr primäre Aminogruppen auf. So kommen als organische primäre
Amine aliphatische, cycloaliphatische, aliphatisch-aromatische, aromatische Amine,
Di- und/oder Polyamine in Frage, wie Anilin, Halogen-substituierte Phenylamine,
z.B. 4-Chlorphenylamin, 1,6-Diaminohexan, 1-Amino-3,3,5-trimethyl-5-amino-cyclohexan,
2,4-, 2,6-Diaminotoluol oder deren Gemische, 4,4'-, 2,4'- oder 2,2'-Diphenylmethandiamin
oder deren Gemische, wie auch höhermolekulare isomere, oligomere oder polymere
Derivate der genannten Amine und Polyamine. Weitere mögliche Amine sind aus
dem Stand der Technik bekannt. Bevorzugte Amine für die vorliegende Erfindung
sind die Amine der Diphenylmethandiamin-Reihe (monomere, oligomere und polymere
Amine), 2,4-, 2,6-Diaminotoluol, Isophorondiamin und Hexamethylendiamin. Bei der
Phosgenierung erhält man die entsprechenden Isocyanate Diisocyanatodiphenylmethan
(MDI, monomere, oligomere und polymere Derivate), Toluylendiisocyanat (TDI), Hexamethylendiisocyanat
(HDI) und Isophorondiisocyanat (IPDI).
Die Amine können mit Phosgen in einer einstufigen oder zweistufigen
oder ggf. mehrstufigen Reaktion umgesetzt werden. Dabei ist eine
kontinuierliche wie auch diskontinuierliche Betriebsweise möglich.
Wird eine einstufige Phosgenierung in der Gasphase gewählt, so
erfolgt die Umsetzung oberhalb der Siedetemperatur des Amins bevorzugt innerhalb
einer mittleren Kontaktzeit von 0,5 bis 5 Sekunden und bei Temperaturen von 200
bis 600°C.
Bei der Phosgenierung in der Flüssigphase werden üblicherweise
Temperaturen von 20 bis 240°C und Drücke von 1 bis ca. 50 bar eingesetzt.
Die Phosgenierung in der Flüssigphase kann einstufig oder mehrstufig durchgeführt
werden, wobei Phosgen im stöchiometrischen Überschuss eingesetzt werden
kann. Dabei werden die Aminlösung und die Phosgenlösung über ein
statisches Mischelement vereinigt und anschließend beispielsweise von unten
nach oben durch einen oder mehrere Reaktionstürme geführt, wo das Gemisch
zum gewünschten Isocyanat ausreagiert. Neben Reaktionstürmen, die mit
geeigneten Mischelementen versehen sind, können auch Reaktionsbehälter
mit Rührvorrichtung eingesetzt werden. Außer statischen Mischelementen
können auch spezielle dynamische Mischelemente Anwendung finden. Geeignete
statische und dynamische Mischelemente sind aus dem Stand der Technik bekannt.
In der Regel wird die kontinuierliche Flüssigphasen-Isocyanatherstellung
im industriellen Maßstab zweistufig durchgeführt. Dabei wird in der ersten
Stufe im Allgemeinen bei Temperaturen von maximal 220°C, bevorzugt maximal
160°C aus Amin und Phosgen das Carbamoylchlorid sowie aus Amin und abgespaltenem
Chlorwasserstoff Aminhydrochlorid gebildet. Diese erste Stufe ist stark exotherm.
In der zweiten Stufe wird sowohl das Carbamoylchlorid zu Isocyanat und Chlorwasserstoff
gespalten als auch das Aminhydrochlorid zum Carbamoylchlorid umgesetzt. Die zweite
Stufe wird in der Regel bei Temperaturen von mindestens 90°C, vorzugsweise
von 100 bis 240°C, durchgeführt.
Nach der Phosgenierung gemäß Schritt erfolgt in Schritt
die Abtrennung der bei der Phosgenierung gebildeten Isocyanate. Dies geschieht dadurch,
dass zunächst das Reaktionsgemisch der Phosgenierung in einen flüssigen
und einen gasförmigen Produktstrom in einer dem Fachmann bekannten Weise aufgetrennt
wird. Der flüssige Produktstrom enthält im Wesentlichen das Isocyanat
bzw. Isocyanatgemisch, das Lösemittel sowie einen geringen Teil an nicht umgesetztem
Phosgen. Der gasförmige Produktstrom besteht im Wesentlichen aus Chlorwasserstoffgas,
stöchiometrisch überschüssigem Phosgen, sowie geringfügigen
Mengen an Lösemittel und Inertgasen, wie zum Beispiel Stickstoff und Kohlenmonoxid.
Ferner wird der Flüssigstrom gemäß der Isocyanatabtrennung anschließend
einer Aufarbeitung zugeführt, vorzugsweise einer destillativen Aufarbeitung,
wobei nacheinander Phosgen sowie das Lösemittel abgetrennt werden. Gegebenenfalls
erfolgt außerdem eine weitere Aufarbeitung der gebildeten Isocyanate. Dies
geschieht beispielsweise, indem das erhaltene Isocyanatprodukt in einer dem Fachmann
bekannten Weise fraktioniert wird.
Der bei der Reaktion von Phosgen mit einem organischen Amin erhaltene
Chlorwasserstoff enthält im Allgemeinen organische Bestandteile, welche bei
der Weiterverarbeitung stören können. Zu diesen organischen Bestandteilen
zählen beispielsweise die bei der Isocyanatherstellung eingesetzten Lösungsmittel
wie Chlorbenzol, o-Dichlorbenzol oder p-Dichlorbenzol.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird anhand der Figuren nachstehend
beispielhaft näher erläutert.
Es zeigen
1 ein Schema einer Chloroxidation mit doppelstufiger
Gaspermeation
2 ein Schema der Gaspermeation nach Schritt d) zur
Abtrennung von Chlor
Beispiele
In 1 ist ein Beispiel für den Einsatz
des Verfahrens als Ergänzung und Teil einer Isocyanatproduktion dargestellt.
In einer ersten Stufe 11 der Isocyanatherstellung wird Chlor
mit Kohlenmonooxid zu Phosgen umgesetzt. In der folgenden Stufe 12 wird
Phosgen aus Stufe 11 mit einem Amin (z.B. Toluol-diamin) zu einem Isocyanat
(z.B. Toluoldiisocyanat, TDI) und Chlorwasserstoff eingesetzt, das Isocyanat wird
abgetrennt (Stufe 13) und verwertet und das HCl-Gas einer Reinigung
14 unterzogen. Das gereinigte HCl-Gas wird in dem HCl-Oxidationsverfahren
15 mit Sauerstoff umgesetzt (z.B. in einem Deacon-Prozess mittels Katalysator).
Das Reaktionsgemisch aus 15 wird abgekühlt (Schritt
16). Wässrige Salzsäure, die dabei gegebenenfalls mit Wasser
oder verdünnter Salzsäure vermischt hierbei anfällt, wird ausgeschleust.
Das so erhaltene Gasgemisch bestehend wenigstens aus Chlor, Sauerstoff
und Nebenbestandteilen wie Stickstoff, Kohlendioxid etc. und wird mit konz. Schwefelsäure
(96 %ig) getrocknet (Schritt 17).
In einer ersten Gaspermeationsstufe 18 wird Chlor vom Gasgemisch
aus Stufe 17 getrennt. Der Sauerstoff und Nebenbestandteile aufweisende
Reststrom wird in einer zweiten Gaspermeationsstufe 19 von Nebenbestandteilen
wie Kohlendioxid gereinigt.
Der aus Stufe 19 resultierende Sauerstoffstrom wird der HCl-Oxidation
15 wieder zugeführt.
Das aus der ersten Gaspermeation 18 erhaltene Chlorgas kann
direkt in der Phosgensynthese 11 wieder eingesetzt werden.
In einer nicht dargestellten Alternative kann in der Oxidationsstufe
15 anstelle des zurückgeführten Sauerstoffs Umgebungsluft verwendet
werden. Es wird dann auf die zusätzliche Gaspermeationstrennung 19
verzichtet und das Gasgemisch aus Stufe 18 unter Schadstoffkontrolle an
die Umgebung abgegeben.
Versuche zur HCl-Oxidation mit Stickstoffanteil
Ein geträgerter Katalysator wurde nach folgendem Verfahren hergestellt.
10 g Titandioxid mit der Rutilstruktur (Sachtleben) wurden in 250 ml Wasser durch
Rühren suspendiert. 1,2 g Ruthenium(III)chlorid-Hydrat (4,65 mmol Ru) wurden
in 25 ml Wasser gelöst. Die erhaltene wässrige Rutheniumchlorid Lösung
wurde der Träger-Suspension beigefügt. Diese Suspension wurde innerhalb
von 30 Minuten in 8,5 g 10 %ige Natronlauge zugetropft und im Anschluss 60 Minuten
bei Raumtemperatur gerührt. Anschließend wurde die Reaktionsmischung auf
70°C erhitzt und 2 Stunden weitergerührt. Der Feststoff wurde dann durch
Zentrifugieren abgetrennt und mit 4 × 50 ml Wasser neutral gewaschen. Der Feststoff
wurde dann bei 80°C im Vakuumtrockenschrank 24 h getrocknet und anschließend
4 Stunden bei 300°C in Luft kalziniert.
0,5 g des erhaltenen Katalysators wurden für Aktivitätsuntersuchungen
bei der HCl-Oxidation in Anwesenheit verschiedener Konzentrationen an Sauerstoff
und Stickstoff eingesetzt. Die Versuche wurden mit reinem Sauerstoff, mit einer
Sauerstoff- und Stickstoffmischung (50 % 02), sowie mit synthetischer
Luft (20 % O2 + 80 % N2) betrieben. Die Aktivitäten wurden
in der Tabelle 1 aufgelistet.
Tabelle 1
Versuchsanlagenbeschreibung zur Permeationsmessung:
Zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Membranen dienen sogenannte
Permeationstests mit Chlor und Sauerstoff und anderen Nebenkomponenten. Die Membranen
werden in geeigneten Membrantestzellen 1 für Carbonmembranen und wahlweise
für Polymermembranen getestet. In 2 ist das Fließbild der Testapparatur
dargestellt. Die Feed-Gasversorgung erfolgt aus Druckgasflaschen und wird über
Durchflussmesser Typ Bronkhorst eingestellt. Die Trans-Membrane-Druckdifferenz wird
entweder mittels Überdruck auf der Zustromseite und/oder mittels Anschluss
einer Vakuumpumpe 4 auf der Permeatseite eingestellt. Mit Hilfe eines Durchflussmessers
auf der Permeatseite wird durch Normierung auf die Membranfläche der Permeatfluss
(m3/m2h) durch die Membran bestimmt. Die Bestimmung der Gas-Konzentrationen
erfolgt mittels Probennahme 2, 3 durch Gaschromatographie (GC).
Beispiel
Zur Bestimmung der Permeabilität werden zunächst die Einzelpermeabilitäten
der Gase Sauerstoff und Chlor bei unterschiedlichen Transmembrandruck gemessen.
Zum Einsatz kommen Carbonmembranen (Hersteller: Hermsdorfer Institut für Technische
Keramik e.V.), Einkanalrohr Länge 250mm, Rohrdurchmesser innen 7 mm, Membranfläche
0,0047 m2. Die Permeatflüsse und Selektivitäten, berechnet
aus Einzelpermeabilitäten werden tabellarisch dargestellt. Alle Messungen werden
bei Raumtemperatur durchgeführt.
Tabelle 2: Einzelgaspermeationen Membran Nr 1.
Messungen mit Gasgemischen von Cl2 und O2. Die Analyse
erfolgte per Gaschromatographie.
Tabelle 3: Permeationsmessungen Gemisch
Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung von Chlor durch thermische Umsetzung von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff unter Einsatz von Katalysatoren, und/oder durch nichtthermische aktivierte
Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff, bei dem
a) das bei der Umsetzung entstehende Gasgemisch, bestehend wenigstens aus den Zielprodukten
Chlor und Wasser, nicht umgesetztem Chlorwasserstoff und Sauerstoff sowie weiteren
Nebenbestandteilen wie Kohlendioxid und Stickstoff, und gegebenenfalls Phosgen zur
Kondensation von Salzsäure abgekühlt wird,
b) die entstandene flüssige Salzsäure vom Gasgemisch abgetrennt wird,
c) die im Gasgemisch verbliebenen Reste an Wasser, insbesondere durch Wäsche
mit konzentrierter Schwefelsäure entfernt werden,
dadurch gekennzeichnet, dass
d) das entstehende chlorhaltige Gasgemisch mittels Gaspermeation von Sauerstoff
und gegebenenfalls zusätzlich von Nebenbestandteilen, insbesondere von Kohlendioxid
und/oder Stickstoff befreit wird.Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die
Gaspermeation gemäß Schritt d) nach dem Molekularsieb-Prinzip erfolgt.Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die wirksamen
Porengröße des Molekularsiebes von 0,2 bis 1 nm, bevorzugt 0,3 bis 0,5
nm beträgt.Verfahren gemäß Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet,
dass die Gaspermeation mittels Carbonmembranen, Siliciumoxidmembranen (SiO2)
oder Zeolithmembranen erfolgt.Verfahren gemäß einer der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, dass die Gaspermeation bei einer Druckdifferenz von bis zu 105
hPa (100 bar), bevorzugt bei einer Druckdifferenz von 500 bis 4·104
hPa (0,5 bis 40 bar) durchgeführt wird.Verfahren gemäß wenigstens einer der Ansprüche 1 bis
5, dadurch gekennzeichnet, dass die Gaspermeation gemäß Schritt d) bei
einer Temperatur des einlaufenden, zu trennenden Gasgemisches von bis zu 400°C,
bevorzugt bis 200°C, besonders bevorzugt bis 120°C, durchgeführt
wird.Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch
gekennzeichnet, dass das bei der Abtrennung von Sauerstoff und den Nebenbestandteilen
aus dem chlorreichen Gasgemisch durch Gaspermeation (Stufe d) anfallende Gasgemisch
aus Sauerstoff und Nebenbestandteilen in einer weiteren Gaspermeationsstufe e) in
einen im Wesentlichen Sauerstoff enthaltenden Teilstrom und einen im Wesentlichen
Nebenbestandteile enthaltenden Teilstrom aufgetrennt wird.Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, dass der Sauerstoff enthaltende Teilstrom aus Schritt d) in die
Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff wenigstens teilweise zurückgeführt
wird.Verfahren gemäß Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die
weitere Gaspermeationsstufe e) nach dem Lösungsdiffusions-Prinzip mit Polymermembranen,
vorzugsweise mittels Polysiloxanmembranen erfolgt.Verfahren gemäß wenigstens einer der Ansprüche 1 bis
6, dadurch gekennzeichnet, dass für die Umsetzung von Chlorwasserstoff mit
Sauerstoff als Sauerstoffquelle Luft oder mit Sauerstoff angereicherte Luft eingesetzt
wird und dass das in Schritt d) anfallende Gasgemisch, Sauerstoff und gegebenenfalls
Nebenbestandteile wie Kohlendioxid und Stickstoff erhaltene Gasgemisch entsorgt
wird.Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 10, dadurch
gekennzeichnet, dass der als Ausgangsprodukt eingesetzte Chlorwasserstoff Produkt
eines Herstellungsver fahrens von Isocyanaten ist und dass das gereinigte von Sauerstoff
und gegebenenfalls von Nebenbestandteilen befreite Chlorgas bei der Herstellung
von Isocyanaten eingesetzt, insbesondere als Teil eines Stoffkreislaufs wieder eingesetzt
wird.