Die Erfindung geht aus von einem Verfahren zur Herstellung von Chlor
durch thermische Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff unter Einsatz von
Katalysatoren, und/oder durch nichtthermische aktivierte Umsetzung von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff, bei dem das bei der Umsetzung entstehende Gasgemisch, bestehend
wenigstens aus den Zielprodukten Chlor und Wasser, nicht umgesetztem Chlorwasserstoff
und Sauerstoff sowie weiteren Nebenbestandteilen wie Kohlendioxid und Stickstoff,
und gegebenenfalls Phosgen zur Kondensation von Salzsäure abgekühlt wird,
die entstandene flüssige Salzsäure vom Gasgemisch abgetrennt wird. Die
Erfindung betrifft speziell die Abtrennung des gebildeten Chlorgases.
Bei der Herstellung von einer Vielzahl von chemischen Umsetzungen
mit Chlor oder Phosgen, beispielsweise der Herstellung von Isocyanaten oder der
Chlorierung von Aromaten, fällt als Nebenprodukt Chlorwasserstoff an. Dieser
Chlorwasserstoff kann durch Elektrolyse oder durch Oxidation mit Sauerstoff wieder
in Chlor überführt werden, das erneut bei den chemischen Umsetzungen eingesetzt
wird. Die Oxidation von Chlorwasserstoff (HCl) zu Chlor (Cl2) erfolgt
durch Umsetzung von Chlorwasserstoff und Sauerstoff (O2) gemäß
4 HCl + O2 → 2 Cl2 + 2 H2O
Die Reaktion kann in Gegenwart von Katalysatoren bei Temperaturen
von ca. 250 bis 450°C durchgeführt werden. Geeignete Katalysatoren für
diese thermische Reaktion, allgemein bekannt als Deacon-Reaktion, sind beispielsweise
in der Offenlegungsschrift DE 1 567 788 A1
beschrieben.
Alternativ dazu sind Verfahren bekannt, bei denen die Reaktion von
Chlorwasserstoff mit Sauerstoff nichtthermisch aktiviert wird. Solche Verfahren
sind in „W. Stiller, Nichtthermische aktivierte Chemie, Birkhäuser Verlag,
Basel, Boston, 1987" S. 33-34, S. 45-49, S. 122-124, S. 138-145 beschrieben. Spezielle
Ausführungsformen sind beispielsweise in den Schriften RU-A 2253607, JP-A-59073405,
DD-A-88 309, SU 1801943 A1 offenbart.
Unter nichtthermisch aktivierten Reaktionen versteht man beispielsweise Anregungen
der Reaktion mit folgenden Mitteln oder Verfahren: Die Energieträger einer
nichtthermischen Anregung können Photonen, Elektronen, Ionen und Rückstoßkerne
sein, wobei der mögliche Energiebereich im Bereich von 0,01 eV bis zu 108
eV reicht. JP 59073405 beschreibt die Photoxidation
von gasförmigem Chlorwasserstoff bei Drücken zwischen 0,5 und 10 atm und
Temperaturen von 0 bis 400°C., wobei zur Anregung der Reaktanden unter anderem
gepulste kohärente Laserstrahlung (3 × 10–15 s Pulsdauer
und 0.01-100 J Energie, z.B. KrF Laser (Wellenlänge 249 nm, 10 W Leistung)
oder eine Hochspannungs-Quecksilberlampe (100 W Leistung) oder auch eine Kombination
der beiden genannten Strahlquellen eingesetzt wird. Die nichtthermische Anregung
erfolgt bei beiden Strahlquellen durch UV-Strahlung.
RU-A 2253607 beschreibt ein bei 25 bis 30°C durchgeführtes
Verfahren zur Chlorherstellung, bei dem ein gasförmiges Chlorwasserstoff-Luft-Gemisch
mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 30 m/s durch einen Rohrreaktor strömt und
die Aktivierung der Reaktanden in einer Reaktionszone durch eine Quecksilber-Dampf-Lampe
mit einer volumetrischen Strahlungsdichte im Bereich von 10 × 10–4
bis 40 × 10–4 W/cm3 und einem Druck von 0,1 MPa
erfolgt. Dem Fachmann ist geläufig dass Quecksilber-Dampf-Lampen je nach Fülldruck
in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen Strahlung emittieren.
Niederdruck-Quecksilber-Dampf-Lampen arbeiten bei einem Druck unterhalb
von 150 Pa und emittieren Strahlung der Wellenlänge 185 nm und 254 nm, also
im UV-Bereich.
Allen bekannten Verfahren gemein ist, dass bei der Reaktion von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff ein Gasgemisch erhalten wird, das neben dem Zielprodukt Chlor auch
Wasser, nicht umgesetzten Chlorwasserstoff und Sauerstoff, sowie gegebenenfalls
weitere Nebenbestandteile wie Kohlendioxid enthält. Zur Gewinnung von reinem
Chlor wird das Produktgasgemisch nach der Reaktion soweit abgekühlt, dass Reaktionswasser
und Chlorwasserstoff in Form von konzentrierter Salzsäure auskondensieren.
Die entstehende Salzsäure wird abgetrennt und das verbleibende gasförmige
Reaktionsgemisch wird durch Wäsche mit Schwefelsäure oder anderen Methoden
wie Trocknung mit Zeolithen von restlichem Wasser befreit. Das nunmehr wasserfreie
Reaktionsgasgemisch wird anschließend verdichtet, wobei Sauerstoff und andere
Gasbestandteile in der Gasphase verbleiben und vom verflüssigten Chlor abgetrennt
werden können. Derartige Verfahren zur Gewinnung von reinem Chlor aus Gasgemischen
sind beispielsweise in den Offenlegungsschriften DE
195 35 716 A1 und DE 102 35 476
A1 beschrieben. Das nunmehr gereinigte Chlor wird dann der Verwendung,
beispielsweise bei der Herstellung von Isocyanaten, zugeführt.
Ein wesentlicher Nachteil der vorgenannten Chlorherstellungsverfahren
ist der vergleichsweise hohe Energieaufwand für die Verflüssigung des
Chlorgasstroms.
Ein weiterer besonderer Nachteil der bekannten Verfahren besteht in
dem aus der Chlorverflüssigung resultierenden Verlust an Chlor, der beim Verwerfen
oder Vernichten von Teilströmen des üblicherweise in die HCl-Oxidation
zurückgeführten und Restchlor enthaltenden Sauerstoffstromes auftritt. Da
der üblicherweise eingesetzte reine Sauerstoff aufwändig herzustellen
und daher teuer ist, besteht Bedarf für eine Verfahrensverbesserung.
Es wurde gefunden, dass die oben beschriebenen Nachteile überwunden
werden können, wenn das chlorhaltige Gasgemisch nach Abtrennung des nicht umgesetzten
Chlorwasserstoffs mit Wasser oder einer wässrigen Lösung in Kontakt gebracht
und auf eine Temperatur und auf einen Druck eingestellt wird, dass sich Chlor-Hydrat
bildet, insbesondere Chlor-Hydrat als Feststoff ausfällt.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von Chlor
durch thermische Umsetzung von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff unter Einsatz von
Katalysatoren und/oder durch nichtthermische aktivierte Umsetzung von Chlorwasserstoff
mit Sauerstoff, bei dem
- a) das bei der Umsetzung entstehende Gasgemisch, bestehend wenigstens aus den
Zielprodukten Chlor und Wasser, gegebenenfalls aus nicht umgesetztem Chlorwasserstoff
und Sauerstoff sowie gegebenenfalls weiteren Bestandteilen wie Kohlendioxid und
Stickstoff, und gegebenenfalls Phosgen abgekühlt wird, insbesondere zur Kondensation
von Salzsäure,
- b) gegebenenfalls die entstandene flüssige Salzsäure mindestens teilweise
vom Gasgemisch abgetrennt wird, dadurch gekennzeichnet dass,
- c) das entstehende chlorhaltige Gasgemisch mit einer Wasser enthaltenden Phase
in Kontakt gebracht und auf eine Temperatur und/oder auf einen Druck eingestellt
wird, dass sich Chlor-Hydrat bildet, wobei Sauerstoff und gegebenenfalls weitere
Bestandteile wie Kohlendioxid und Stickstoff in der Gasphase verbleiben und von
der Chlor-Hydrat enthaltenden Phase getrennt werden,
- d) die dabei anfallende von den verbleibenden Gasen abgetrennte Chlor-Hydrat
enthaltende Fraktion erwärmt und/oder druckentspannt wird, sodass Chlor aus
dem Chlor-Hydrat als Gas freigesetzt oder als separate flüssige Phase erhalten
wird,
- e) das Chlor von der Wasser enthaltenden Phase getrennt und anschließend
weiterverwendet wird.
Die in c) eingesetzte Wasser enthaltende Phase ist entweder Wasser
oder eine wässrige Lösung oder eine (verdünnte) wässrige Dispersion
von Chlor-Hydrat, insbesondere im Falle der Rückführung der von Chlor
abgereicherten Chlor-Hydrat-Suspension.
Bei dem Verfahren kann der Wasserzusatz so eingestellt werden, dass
Chlor-Hydrat als Feststoff in der Gasphase anfällt oder sich an gekühlten
Oberflächen abscheidet oder Wasser kann im Überschuss zugegeben werden
so dass neben der Gasphase eine Suspension von Chlor-Hydrat in Wasser entsteht.
Andere Gasbestandteile die, nach gegebenenfalls vorheriger Abtrennung des Chlorwasserstoffs,
neben dem Chlorgas eingehen verbleiben in der Gasphase und können durch eine
Gas-/Feststofftrennung oder Gas-/Flüssigtrennung in einer, dem Fachmann grundsätzlich
bekannten Weise von dem erzielten das Chlor-Hydrat enthaltenden Produkt abgetrennt
werden. Zur Gewinnung von reinem Chlor wird das Chlor-Hydrat enthaltende Produkt
anschließend auf eine Temperatur, sowie einen Druck eingestellt, so dass sich
bei diesen Bedingungen das Chlor-Hydrat unter Freisetzung von Chlorgases in Wasser
löst oder zu Wasserdampf und Chlorgas sublimiert oder als Zweiphasensystem
von flüssigem Chlor und Wasser anfällt, das wiederum trennbar ist. Das
Chlorgas kann so in einfacher Weise in gereinigter Form als Gasstrom gewonnen werden.
In einer bevorzugten Ausführungsform wird in Schritt c) die Menge
Wasser oder wässrige Lösung oder verdünnte wässrige Chlor-Hydrat-Dispersion
im Überschuss zugegeben, sodass eine Suspension aus Chlor-Hydrat in Wasser
entsteht.
In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform wird
aus der in Schritt c) entsprechend der zuvor beschriebenen Variante anfallenden
Chlor-Hydrat-Suspension Chlor-Hydrat als Feststoff von der zurückbleibenden
Mutterlauge getrennt, und dann das Chlor aus dem Chlor-Hydrat-Feststoff gewonnen.
In dem oben bezeichneten bevorzugten Verfahren kann die in einer Variante
anfallende wässrige Chlor-Hydrat Suspension in einfacher dem Fachmann bekannter
Weise einer Fest-Flüssigtrennung zugeführt werden und dadurch das Chlor-Hydrat
von der wässrigen Phase getrennt werden. Auf diese Art muss nur eine Teilmenge
des Gemisches aus Stufe c) auf die zur Gewinnung des Chlors notwendigen Bedingungen
hinsichtlich Druck und Temperatur eingestellt werden (energetischer Vorteil) und
es wird eine höhere Reinheit des Chlors erzielt.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird in Schritt
c) die Wasser enthaltende Phase so zudosiert, dass Chlor-Hydrat als trockener Feststoff
im Gasstrom entsteht.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform fällt das in
Schritt c) gebildete Chlor-Hydrat als kristalliner Feststoff an, der vom Restgas
getrennt wird.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird in Schritt
c) die Bildung des Chlor-Hydrats durch Absenken der Temperatur bei konstantem oder
bei zunehmendem Druck erreicht.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform wird in Schritt
c) die Bildung des Chlor-Hydrats durch Anheben des Drucks bei konstanter Temperatur
erreicht.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird in Schritt
d) die Rückbildung des Chlors aus dem Chlor-Hydrat durch Anheben der Temperatur
bei konstantem oder abnehmendem Druck erreicht.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform wird in Schritt
d) die Rückbildung des Chlors aus dem Chlor-Hydrat durch Absenken des Drucks
bei konstanter Temperatur erreicht.
In einer besonders bevorzugten Variante des oben bezeichneten Verfahrens
kann das erhaltene gereinigte Chlor in einer Stufe f) anschließend an Stufe
e) zusätzlich von ggf. darin verbliebenem restlichem Wasser getrennt werden.
Dazu kann in dem Fachmann bekannter Weise z.B. das aus e) erhaltene Chlor durch
Adsorption, Kondensation oder besonders bevorzugt durch Absorption des ggf. darin
enthaltenen Wasserdampfs, insbesondere mit konzentrierter Schwefelsäure weiter
aufgereinigt werden.
Bevorzugt ist ein Verfahren, dadurch gekennzeichnet, dass die in Stufe
e) freiwerdende, Wasser enthaltenden Phase zur Bildung des Chlor-Hydrates gemäß
Schritt c) wenigstens teilweise zurückgeführt wird.
Bevorzugt wird mindestens die Chlor-Hydratbildung c) bei erhöhtem
Druck insbesondere bei einem Druck von 3 bis 30 bar (3000 bis 30000 hPa) durchgeführt.
Bevorzugt ist ein Verfahren, bei dem die Chlor-Hydratbildung c) bei
einer Temperatur unterhalb von 30°C erfolgt. Besonders bevorzugt erfolgt die
Chlor-Hydratbildung c) bei einer Temperatur von höchstens 28°C. Der Druck
beträgt hierbei insbesondere mindestens 8,4 bar (8400 HPa).
Bei bevorzugter kontinuierlicher Verfahrensweise wird bei der Chlor-Hydratbildung
c) der zugeführte Massenstrom der Wasser enthaltenden Phase bevorzugt so vorgekühlt,
dass sich die für die Chlor-Hydratbildung gewünschte Temperatur einstellt.
In dem neuen Verfahren können in einer bevorzugten Variante der
Wasserphase zur Bildung einer wässrigen Lösung Zusatzstoffe zugegeben
werden mit dem Ziel die Temperatur unter die Solidus-Linie des Wassereises abzusenken.
Dazu werden insbesondere Zusatzstoffe ausgewählt, die den Schmelzpunkt des
Wassereises herabsenken. Zu solchen Zusatzstoffen zählen organische in Wasser
lösliche Verbindungen, die bei den gewählten Bedingungen keine spontan
irreversible Reaktion mit dem Chlor eingehen. Bevorzugt sind jedoch anorganische
in Wasser lösliche Verbindungen, besonders bevorzugt vollständig dissoziierende
Salze oder Chlorwasserstoff.
Für den Fall der Verwendung einer Chlorwasserstoff enthaltenden,
wässrigen Lösung in Stufe c) kann z.B. auf die (teilweise) Abtrennung
von flüssiger Salzsäure nach Schritt b) verzichtet werden.
In einer besonders bevorzugten Ausführung der Erfindung ist der
Zusatzstoff ein Chlorid und/oder Hypochlorit und/oder Chlorwasserstoff, insbesondere
ein Alkali oder Erdalkalichlorid und/oder -hypochlorit, besonders bevorzugt Natriumchlorid,
Kaliumchlorid oder Kalziumchlorid.
In einer Variante des oben bezeichneten neuen Verfahrens kann das
Chlor enthaltende Gasgemisch in Schritt c) mit dem Wasser oder mit der wässrigen
Lösung oder mit einer wässrigen bereits Chlor-Hydrat enthaltenden Suspension
durch blasenförmiges Einleiten in Kontakt gebracht werden. Dies kann beispielsweise
diskontinuierlich durch Einleiten des Gasgemischs in eine entsprechende Vorlage
von Wasser oder der wässrigen Lösung oder der wässrigen Chlor-Hydrat
Suspension erfolgen. Dies kann auch beispielsweise teilkontinuierlich durch Einleiten
des Gasgemischs in eine entsprechende Vorlage mit stetiger Nachdosierung von Wasser/wässriger
Lösung oder wässriger Chlor-Hydrat Suspension erfolgen. Besonders bevorzugt
wird das eingehende Gasgemisch kontinuierlich durch blasenförmiges Einleiten
in das Wasser oder in die wässrige Lösung oder in die wässrige Chlor-Hydrat
Suspension in Kontakt gebracht wobei kontinuierlich eine wässrige Chlor-Hydrat
enthaltende Suspension abgezogen und kontinuierlich Wasser oder gesättigte
Mutterlauge nachdosiert wird. Als geeignete Apparate kommen Blasensäulen ebenso
wie gerührte Kristallisatoren und Zwangsumlaufkristallisatoren mit und ohne
weiteren Einbauten zur Abtrennung von feststoffreichen wie feststoffarmen Fraktionen
in Betracht. Solche Apparate sind beipielsweise in Mersmann „Crystallization
Technology Handbook", Marcel Decker, New York, 2001, S. 323-392 beschrieben.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform erfolgt das blasenförmige
Einleiten des chlorhaltigen Gasgemischs gemäß Stufe c) in Blasensäulen,
bevorzugt in kontinuierlichen Blasensäulen, besonders bevorzugt im Gegenstrom
zur kontinuierlichen wässrigen Phase. Das Verhältnis der zudosierten wässrigen
Phase zum eingehenden Chlorgas, Temperatur und Druck werden so eingestellt, dass
der Feststoffgehalt der Suspension von 1 bis 50 Volumenanteile, bevorzugt 3 bis
30 Volumenanteile, besonders bevorzugt 10 bis 20 Volumenanteile beträgt.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens erfolgt
das blasenförmige Einleiten des chlorhaltigen Gasgemischs in Stufe c) in gerührten
Kristallisatoren, bevorzugt in Zwangsumlaufkristallisatoren, insbesondere bevorzugt
in Kristallisatoren ohne Rührorgane unter Heranziehung des eingeleiteten Gasstroms
für einen internen oder externen Umlauf, besonders bevorzugt in Kristallisatoren
mit zusätzlichen Einbauten zur Abtrennung von feststoffreichen Fraktion. Das
Verhältnis der zudosierten wässrigen Phase zum eingehenden Chlorgas, Temperatur
und Druck werden insbesondere so eingestellt, dass der Feststoffgehalt im Mittel
bezogen auf das Volumen des Kristallisators 1 bis 50 Volumenanteile, bevorzugt 5
bis 40 Volumenanteile, besonders bevorzugt 10 bis 30 Volumenanteile beträgt.
Besonders bevorzugt wird der Produktstrom in einer durch Einbauten abgetrennten
Sedimentationszone mit einem Feststoffanteil von 30 bis 60 Volumenanteilen, bevorzugt
40 bis 50 Volumenanteilen abgeführt.
In einer besonders bevorzugten Variante des oben bezeichneten Verfahrens
wird das Gasgemisch in Schritt c) nicht blasenförmig in die wässrige Phase
eingeleitet, sondern dem über der wässrigen Phase befindlichen Gasraum
zugeleitet. Diese Variante ist in weiten Grenzen möglich, da das Chlorgas vergleichsweise
schnell und effizient von der wässrigen Phase absorbiert wird.
In einer anderen bevorzugten Variante kann das Chlorgas enthaltende
Gasgemisch in Stufe c) kontinuierlich im Gegenstrom zu einem tropfenförmig
oder in anderer Form diskret vorliegenden Strom der wässrigen Phase geführt
werden. Dabei kann die wässrige Phase Wasser, eine wässrige Lösung
oder eine Chlor-Hydrat enthaltende Suspension sein. Diese Variante ist besonders
vorteilhaft, wenn der Anteil der inerten Gase gegenüber dem Anteil des Chlorgases
im eingehenden Gasgemisch überwiegt, z.B. wenn das Chlor enthaltende Gasgemisch
einer Chlorwasserstoffoxidation entstammt, die mit Luft betrieben wird.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform wird die Menge des
in diskreter Form im Gegenstrom geführten Wassers so eingestellt, dass das
Wasser vollständig in das gebildete Chlorhydrat aufgeht und vom Gasstrom abgetrennt
werden kann. Zur Abführung der Kristallisationswärme wird das Wasser gekühlt
und/oder der chlorhaltige Gasstrom abgekühlt.
Besonders bevorzugt wird ein Teil der erhaltenen Chlor-Hydrat Suspension
im Kreis geführt und wieder dem Gasgemisch im Gegenstrom zugeführt.
Die Anwendung einer besonderen Wärmekopplung im neuen Verfahren
ist ebenso besonders vorteilhaft. So kann z.B. die Hydratationswärme der Chlorwasserstoff-Wasser
Lösung aus der optionalen Chlorwasserstoffabtrennung für die Zersetzung
des Chlor-Hydrates eingesetzt werden. Ebenso ist bevorzugt eine Verschaltung von
erwärmtem Kühlwasser aus der Kristallisation bei der Chlor-Hydrat-Zersetzung
möglich. Hierdurch wird das neue Verfahren besonders wirtschaftlich durchgeführt.
Unter Chlor-Hydrat im Sinne der Erfindung werden alle Formen von Chlor-Hydraten
verstanden, insbesondere solche die unterhalb von 30°C bei unterschiedlichem
Druck aus Chlor und Wasser realisierbar sind, bevorzugt Chlor-Hydrate mit folgenden
molaren Verhältnis von Chlor zu Wasser: 1:1, 1:4; 1:5,75, 1:5,91 bis 1:6,12;
1:6, 1:6,12; 1:7, 1:8; 1:10, 1:12, 1:99, besonders bevorzugt Chlorhexahydrat sowie
Chlorheptahydrat.
Chlor-Hydrate sind aus dem Stand der Technik grundsätzlich bekannt
und beispielsweise beschrieben in der Schrift: A.T. Bozzo; Hsia-Sheng Chen, J.R.
Kass, A.J. Barduhn DESALINATION, 16(1975), S. 303-320 "The Properties of the Hydrates
of Chlorine and Carbondioxide" in: GMELIN, Handbuch der anorganischen Chemie, Band
1, Abteilung 2, "Fluor, Chlor Brom Jod", Heidelberg 1909, 5.66-73 sowie in: J.A.A.
Ketelaar; Eleetrochemical Technology (1967), Vol.5, No.3-5, S 143-147 "The Drying
and Liquefaction of Chlorine and the Phase Diagram Cl2-H2O"
In dem oben bezeichneten bevorzugten Verfahren kann das in fester
Form vorliegende Chlor-Hydrat amorph, teilkristallin oder kristallin vorliegen.
Entsprechend der Kristallinität sowie den unterschiedlichen kristallinen Erscheinungsformen
kann der Feststoff Wasser in unterschiedlichen Mengen gebunden haben. Das Wasser
kann in regelmäßiger Form in das Kristallgitter eingebaut wie auch amorph
assoziiert sein. Die Kristallinität und die kristalline Erscheinungsform können
in einfacher dem Fachmann bekannter Weise z.B. durch Röntgendiffraktometrie
bestimmt werden.
Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
zum Abtrennung von Sauerstoff und ggf. Nebenbestandteilen im chlorhaltigen Gasgemisch
wird ein sehr reines Chlorgas erhalten, wobei der Energiebedarf für die nach
den erfindungsgemäßen Verfahren vorgenommene Chlorgasreinigung im Vergleich
zu den bisher bekannten Verfahren deutlich reduziert ist. Das als weiterer Gasstrom
anfallende Gasgemisch enthält im Wesentlichen Sauerstoff, sowie als Nebenbestandteile
Kohlendioxid und ggf. Stickstoff und ist im Wesentlichen frei von Chlor.
Ein wesentlicher Nachteil der bekannten gängigen HCl-Oxidationsverfahren
ist, dass bei der Oxidation von Chlorwasserstoff reiner Sauerstoff mit einem O2-Gehalt
von zumeist mindestens 98 Vol.-% eingesetzt werden muss.
Mit einer Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens ist
es möglich, auf den Einsatz von reinem Sauerstoff zu verzichten.
Eine weitere bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist dadurch gekennzeichnet, dass für die Umsetzung von Chlorwasserstoff mit
Sauerstoff als Sauerstoffquelle Luft oder mit Sauerstoff angereicherte Luft eingesetzt
wird und dass das in Schritt c) anfallende Gasgemisch enthaltend Sauerstoff und
gegebenenfalls Bestandteile wie Kohlendioxid und Stickstoff ggf. verworfen wird.
Beispielsweise kann das Sauerstoff enthaltende Gasgemisch gegebenenfalls nach einer
Vorreinigung direkt kontrolliert an die Umgebungsluft abgegeben werden.
Ein mit Luft oder durch mit Sauerstoff angereicherter Luft betriebenes
Verfahren weist weitere Vorteile auf. Einerseits entfällt durch das Benutzen
von Luft statt reinem Sauerstoff ein erheblicher Kostenfaktor, da die Aufarbeitung
der Luft wesentlich weniger technisch aufwändig ist. Da ein Erhöhen des
Sauerstoffgehalts das Reaktionsgleichgewicht in Richtung der Chlorherstellung treibt,
kann ohne weitere Bedenken bedarfsweise die Menge an preiswerter Luft oder sauerstoffangereicherter
Luft vergrößert werden. Weiterhin ist ein großes Problem der bekannten
Deacon Verfahren und Deacon Katalysatoren das Entstehen von Hot-Spots an der Oberfläche
des Katalysators, das sehr schwierig zu kontrollieren ist. Ein Überhitzen des
Katalysators führt leicht zu irreversiblen Schäden, die das Oxidationsverfahren
beeinträchtigen. Verschiedene Ansätze zur Vermeidung dieser lokalen Überhitzungen
(z.B. durch Verdünnung der Katalysatorschüttung) wurden verfolgt, allerdings
ohne zufriedenstellende Lösungen vorzustellen. Ein Luftgemisch, das beispielsweise
bis zu 80 % inerte Gase enthält, ermöglicht nun eine Verdünnung der
Feedgase (Reaktanden) und somit auch einen kontrollierteren Reaktionsablauf durch
Vermeidung der lokalen Überhitzung des Katalysators. Die Hitzeentfaltung wird
durch Anwendung dieser bevorzugten Maßnahme gehemmt und folglich die Standzeit
des Katalysators erhöht (durch Verringerung der volumenbezogenen Aktivität
des Katalysators). Weiterhin wird der Einsatz von inerten Gasanteilen zu einer besseren
Wärmeabfuhr (Wärmeaufnahme durch die Inertgase) führen, der zusätzlich
zur Vermeidung von Hot-Spots beiträgt.
Aus dem Stand der Technik gemäß FR1497776,
US2602021, NL112095,
NL276976, NL6404460,
DE888386, US2577808,
GB689370, EP184413,
DE 12 52 180 ist zwar grundsätzlich
bekannt, dass eine HCl-Oxidation unter Verwendung von Luft oder von mit Sauerstoff
angereicherter Luft durchaus möglich ist. Allerdings scheitert diese Vorgehensweise
technisch an der aufwendigen und kostspieligen Aufarbeitung der Deacon-Reaktionsprodukte,
die diese bekannten Methoden mit den herkömmlich bekannten Aufreinigungsschritten
hervorruft. Zudem scheitern diese Verfahren an der unzureichenden Abtrennung des
Restgases vom Chlor, einem kostbaren Wertstoff, der mehrheitlich durch eine hohe
Ausschleusung von Abgasen verloren geht, den das Verwenden von Luft oder von mit
Sauerstoff angereicherter Luft bedingt. Bei einem Inertgasgehalt von beispielsweise
bis zu 80 Vol.-% kann in den bekannten Verfahren keine Rückführung der
Restchlor enthaltenden Inertgase zur Rückgewinnung von Restchlor, dessen Gehalt
bis zu 10 % im Restgas erreichen kann (DE-10235476-A1), sinnvoll durchgeführt
werden. Somit muss das gereinigte Prozessgas mindestens teilweise entsorgt werden,
was einen großen Chlorverlust und hohe Vernichtungskosten der Restgase bedeutet
und folglich die Wirtschaftlichkeit des bekannten Verfahrens stark beeinträchtigt.
Das Betreiben z.B. des Deacon-Verfahrens mit technischem Sauerstoff
niederer Reinheit oder mit Luft oder mit Sauerstoff angereicherter Luft wird infolge
einer effizienten Prozessgasaufarbeitung, die mit dieser Erfindung gegeben ist,
erst wirtschaftlich ermöglicht. Durch die Kristallisation wird Chlor aus dem
Prozessgasstrom erfolgreich von Sauerstoff, ggf. Stickstoff und weiteren Nebenkomponenten
abgetrennt. Das nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhaltene Chlor kann
anschließend nach den aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren z.B. mit
Kohlenmonoxid zu Phosgen umgesetzt werden, welches für die Herstellung von
MDI oder TDI aus MDA beziehungsweise TDA eingesetzt werden kann.
Bevorzugt wird wie oben bereits beschrieben das als Deacon-Prozess
bekannte katalytische Verfahren zur Chlorwasserstoff-Oxidationeingesetzt. Hierbei
wird Chlorwasserstoff mit Sauerstoff in einer exothermen Gleichgewichtsreaktion
zu Chlor oxidiert, wobei Wasserdampf anfällt. Die Reaktionstemperatur beträgt
üblicherweise 150 bis 500°C, der übliche Reaktionsdruck beträgt
1 bis 25 bar. Da es sich um eine Gleichgewichtsreaktion handelt, ist es zweckmäßig,
bei möglichst niedrigen Temperaturen zu arbeiten, bei denen der Katalysator
noch eine ausreichende Aktivität aufweist. Ferner ist es zweckmäßig,
Sauerstoff in überstöchiometrischen Mengen einzusetzen. Üblich ist
beispielsweise ein zwei- bis vierfacher Sauerstoff-Überschuss. Da keine Selektivitätsverluste
zu befürchten sind, kann es wirtschaftlich vorteilhaft sein, bei relativ hohem
Druck und dementsprechend bei gegenüber Normaldruck längerer Verweilzeit
zu arbeiten.
Geeignete bevorzugte Katalysatoren für das Deacon-Verfahren enthalten
Rutheniumoxid, Rutheniumchlorid oder andere Rutheniumverbindungen auf Siliziumdioxid,
Aluminiumoxid, Titandioxid oder Zirkondioxid als Träger. Geeignete Katalysatoren können
beispielsweise durch Aufbringen von Rutheniumchlorid auf den Träger und anschließendes
Trocknen oder Trocknen und Calcinieren erhalten werden. Geeignete Katalysatoren
können ergänzend zu oder an Stelle einer Rutheniumverbindung auch Verbindungen
anderer Edelmetalle, beispielsweise Gold, Palladium, Platin, Osmium, Iridium, Silber,
Kupfer oder Rhenium enthalten. Geeignete Katalysatoren können ferner Chrom(III)oxid
enthalten.
Die katalytische Chlorwasserstoff- Oxidation kann adiabatisch oder
bevorzugt isotherm oder annähernd isotherm, diskontinuierlich, bevorzugt aber
kontinuierlich als Fließ- oder Festbettverfahren, bevorzugt als Festbettverfahren,
besonders bevorzugt in Rohrbündelreaktoren an Heterogenkatalysatoren bei einer
Reaktortemperatur von 180 bis 500°C, bevorzugt 200 bis 400°C, besonders
bevorzugt 220 bis 350°C und einem Druck von 1 bis 25 bar (1000 bis 25000 hPa),
bevorzugt 1,2 bis 20 bar, besonders bevorzugt 1,5 bis 17 bar und insbesondere 2,0
bis 15 bar durchgeführt werden.
Übliche Reaktionsapparate, in denen die katalytische Chlorwasserstoff-Oxidation
durchgeführt wird, sind Festbett- oder Wirbelbettreaktoren. Die katalytische
Chlorwasserstoff- Oxidation kann bevorzugt auch mehrstufig durchgeführt werden.
Bei der isothermen oder annähernd isothermen Fahrweise können
auch mehrere, also 2 bis 10, bevorzugt 2 bis 6, besonders bevorzugt 2 bis 5, insbesondere
2 bis 3, in Reihe geschaltete Reaktoren mit zusätzlicher Zwischenkühlung
eingesetzt werden. Der Sauerstoff kann entweder vollständig zusammen mit dem
Chlorwasserstoff vor dem ersten Reaktor oder über die verschiedenen Reaktoren
verteilt zugegeben werden. Diese Reihenschaltung einzelner Reaktoren kann auch in
einem Apparat zusammengeführt werden.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform einer für das Verfahren
geeigneten Vorrichtung besteht darin, dass man eine strukturierte Katalysatorschüttung
einsetzt, bei der die Katalysatoraktivität in Strömungsrichtung ansteigt.
Eine solche Strukturierung der Katalysatorschüttung kann durch unterschiedliche
Tränkung der Katalysatorträger mit Aktivmasse oder durch unterschiedliche
Verdünnung des Katalysators mit einem Inertmaterial erfolgen. Als Inertmaterial
können beispielsweise Ringe, Zylinder oder Kugeln aus Titandioxid, Zirkondioxid
oder deren Gemischen, Aluminiumoxid, Steatit, Keramik, Glas, Graphit oder Edelstahl
eingesetzt werden. Beim bevorzugten Einsatz von Katalysatorformkörpern sollte
das Inertmaterial bevorzugt ähnliche äußere Abmessungen haben.
Als Katalysatorformkörper eignen sich Formkörper mit beliebigen
Formen, bevorzugt sind Tabletten, Ringe, Zylinder, Sterne, Wagenräder oder
Kugeln, besonders bevorzugt sind Ringe, Zylinder oder Sternstränge als Form.
Als Heterogenkatalysatoren eignen sich insbesondere Rutheniumverbindungen
oder Kupferverbindungen auf Trägermaterialen, die auch dotiert sein können,
bevorzugt sind gegebenenfalls dotierte Rutheniumkatalysatoren. Als Trägermaterialen
eignen sich beispielsweise Siliziumdioxid, Graphit, Titandioxid mit Rutil- oder
Anatas-Struktur, Zirkondioxid, Aluminiumoxid oder deren Gemische, bevorzugt Titandioxid,
Zirkondioxid, Aluminiumoxid oder deren Gemische, besonders bevorzugt &ggr;- oder
&dgr;-Aluminiumoxid oder deren Gemische.
Die Kupfer- bzw. die Rutheniumträgerkatalysatoren können
beispielsweise durch Tränkung des Trägermaterials mit wässrigen Lösungen
von CuCl2 bzw. RuCl3 und gegebenenfalls eines Promotors zur Dotierung, bevorzugt
in Form ihrer Chloride, erhalten werden. Die Formgebung des Katalysators kann nach
oder bevorzugt vor der Tränkung des Trägermaterials erfolgen.
Zur Dotierung der Katalysatoren eignen sich als Promotoren Alkalimetalle
wie Lithium, Natrium, Kalium, Rubidium und Cäsium, bevorzugt Lithium, Natrium
und Kalium, besonders bevorzugt Kalium, Erdalkalimetalle wie Magnesium, Calcium,
Strontium und Barium, bevorzugt Magnesium und Calcium, besonders bevorzugt Magnesium,
Seltenerdmetalle wie Scandium, Yttrium, Lanthan, Cer, Praseodym und Neodym, bevorzugt
Scandium, Yttrium, Lanthan und Cer, besonders bevorzugt Lanthan und Cer, oder deren
Gemische.
Die Formkörper können anschließend bei einer Temperatur
von 100 bis 400°C, bevorzugt 100 bis 300°C beispielsweise unter einer
Stickstoff-, Argon- oder Luftatmosphäre getrocknet und gegebenenfalls calciniert
werden. Bevorzugt werden die Formkörper zunächst bei 100 bis 150°C
getrocknet und anschließend bei 200 bis 400°C calciniert.
Der Umsatz an Chlorwasserstoff im einfachen Durchgang kann bevorzugt
auf 15 bis 90 %, bevorzugt 40 bis 85 %, besonders bevorzugt 50 bis 70% begrenzt
werden. Nicht umgesetzter Chlorwasserstoff kann nach Abtrennung teilweise oder vollständig
in die katalytische Chlorwasserstoff-Oxidation zurückgeführt werden. Die
Rückführung von Chlorwasserstoff kann aus der in Stufe 16 gewonnenen Salzsäure
beispielsweise durch Destillation mit Azeotrop-Punkt- Verschiebung erfolgen.
Das Volumenverhältnis von Chlorwasserstoff zu Sauerstoff am Reaktoreintritt
beträgt bevorzugt 1:1 und 20:1, bevorzugt 2:1 und 8:1, besonders bevorzugt
2:1 und 5:1.
Die Reaktionswärme der katalytischen Chlorwasserstoff-Oxidation
kann in vorteilhafter Weise zur Erzeugung von Hochdruck-Wasserdampf genutzt werden.
Dieser kann zum Betrieb eines Phosgenierungsreaktors und oder von Destillationskolonnen,
insbesondere von Isocyanat-Destillationskolonnen genutzt werden.
Die Abtrennung von nicht umgesetztem Chlorwasserstoff und von gebildetem
Wasserdampf kann durch Auskondensieren von wässriger Salzsäure aus dem
Produktgasstrom der Chlorwasserstoffoxidation durch Abkühlung erfolgen. Damit
der gesamte nicht umgesetzt Chlorwasserstoff entfernt werden kann, ist die Zugabe
von Wasser notwendig. Dies kann z.B. dadurch erfolgen, dass vor der Abkühlung
dem Prozessgasstrom Wasser zugegeben wird. Die Wasserzugabe kann beispielsweise
so erfolgen, dass das Wasser verdüst wird und durch die Verdampfung dem Prozessgasstrom
Wärme entzieht, wodurch Kühlenergie eingespart werden kann. Eine weitere
Variante ist, dass der nicht umgesetzte Chlorwasserstoff in verdünnter Salzsäure
oder Wasser absorbiert wird.
Eine weitere bevorzugte Variante des neuen Verfahren besteht darin,
dass die wässrige Lösung, die bei der Chlor-Hydrat-Zersetzung in Schritt
d) anfällt, mindestens teilweise für die Absorption von Chlorwasserstoff
eingesetzt wird. Ebenso kann diese wässrige Lösung vor der Abkühlung
des Prozessgases zugegeben werden. Ein weiterer Vorteil dieser Variante ist, dass
hierdurch immer ein Teil der wässrigen Lösung ausgeschleust wird, wodurch
die Ansammlung von Verunreinigungen vermieden werden kann.
Ein weiteres bevorzugtes Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass
der als Ausgangsprodukt für das neue Verfahren eingesetzte Chlorwasserstoff
das Produkt eines Herstellungsverfahrens von Isocyanaten ist und dass das gereinigte
von Sauerstoff und gegebenenfalls von Nebenbestandteilen befreite Chlorgas bei der
Herstellung von Isocyanaten eingesetzt, insbesondere als Teil eines Stoffkreislaufs
wieder eingesetzt wird.
Ein besonderer Vorteil eines solchen kombinierten Verfahrens ist,
dass auf die übliche Chlorverflüssigung verzichtet werden kann und dass
das Chlor zur Rückführung in das Isocyanatherstellungsverfahren auf annähernd
gleichem Druckniveau zur Verfügung steht wie die Eingangsstufe des Isocyanatherstellungsverfahrens.
Das bevorzugte kombinierte Verfahren ist somit ein integriertes Verfahren
zur Herstellung von Isocyanaten und der Oxidation von Chlorwasserstoff zur Rückgewinnung
von Chlor für die Synthese von Phosgen als Ausgangsprodukt für die Isocyanatherstellung.
Im ersten Schritt des bevorzugten Verfahrens erfolgt die Herstellung
von Phosgen durch Umsetzung von Chlor mit Kohlenmonoxid. Die Synthese von Phosgen
ist hinlänglich bekannt und ist z.B. in Ullmanns Enzyklopädie der industriellen
Chemie, 3. Auflage, Band 13, Seite 494-500 dargestellt. Weitere Verfahren zur Herstellung
von Isocyanaten sind z.B. in US 4764308
und WO 03/072237 beschrieben. Im technischen Maßstab wird Phosgen überwiegend
durch Umsetzung von Kohlenmonoxid mit Chlor bevorzugt an Aktivkohle als Katalysator
hergestellt. Die stark exotherme Gasphasenreaktion erfolgt bei Temperaturen von
mindestens 250°C bis maximal 600°C in der Regel in Rohrbündelreaktoren.
Die Abführung der Reaktionswärme kann auf unterschiedliche Weise erfolgen,
beispielsweise durch ein flüssiges Wärmetauschmittel, wie z.B. in WO 03/072237
beschrieben, oder durch Siedekühlung über einen Sekundärkühlkreislauf
unter gleichzeitiger Nutzung der Reaktionswärme zur Dampferzeugung, wie z.B.
in US 4764308 offenbart.
Aus dem gemäß dem ersten Schritt gebildeten Phosgen wird
durch Umsetzung mit wenigstens einem organischen Amin oder einem Gemisch aus zwei
oder mehreren Aminen in einem nächsten Verfahrensschritt wenigstens ein Isocyanat
gebildet. Dieser nächste Verfahrensschritt wird nachfolgend auch als Phosgenierung
bezeichnet. Die Umsetzung erfolgt unter Bildung von Chlorwasserstoff als Nebenprodukt.
Die Synthese von Isocyanaten ist ebenfalls aus dem Stand der Technik
hinlänglich bekannt, wobei in der Regel Phosgen in einem stöchiometrischen
Überschuss, bezogen auf das Amin, eingesetzt wird. Üblicherweise findet
die Phosgenierung in der Flüssigphase statt, wobei das Phosgen und das Amin
in einem Lösemittel gelöst sein können. Bevorzugte Lösemittel
sind chlorierte aromatische Kohlenwasserstoffe, wie beispielsweise Chlorbenzol,
o-Dichlorbenzol, p-Dichlorbenzol, Trichlorbenzole, die entsprechenden Chlortoluole
oder Chlorxylole, Chlorethylbenzol, Monochlordiphenyl, &agr;- bzw. &bgr;-Naphthylchlorid,
Benzoesäureethylester, Phthalsäuredialkylester, Diisodiethylphthalat,
Toluol und Xylole. Weitere Beispiele für geeignete Lösemittel sind aus
dem Stand der Technik bekannt. Wie außerdem aus dem Stand der Technik, z.B.
WO 96/16028, bekannt, kann als Lösemittel für Phosgen ebenso das gebildete
Isocyanat selbst fungieren. In einer anderen, bevorzugten Ausführungsform findet
die Phosgenierung, insbesondere geeigneter aromatischer und aliphatischer Diamine,
in der Gasphase, d.h. oberhalb des Siedepunktes des Amins, statt. Die Gasphasenphosgenierung
ist z.B. in EP 570 799 A beschrieben.
Vorteile dieses Verfahrens gegenüber der ansonsten üblichen Flüssigphasenphosgenierung
liegen in der Energieeinsparung, bedingt durch die Minimierung
eines aufwändigen Lösemittel- und Phosgenkreislaufs.
Als organische Amine eignen sich prinzipiell alle primären Amine
mit einer oder mehreren primären Aminogruppen, die mit Phosgen unter Bildung
einer oder mehrerer Isocyanate mit einer oder mehreren Isocyanatgruppen reagieren
können. Die Amine weisen mindestens eine, bevorzugt zwei, oder gegebenenfalls
drei und mehr primäre Aminogruppen auf. So kommen als organische primäre
Amine aliphatische, cycloaliphatische, aliphatisch-aromatische, aromatische Amine,
Di- und/oder Polyamine in Frage, wie Anilin, Halogen-substituierte Phenylamine,
z.B. 4-Chlorphenylamin, 1,6-Diaminohexan, 1-Amino-3,3,5-trimethyl-5-amino-cyclohexan,
2,4-, 2,6-Diaminotoluol oder deren Gemische, 4,4'-, 2,4'- oder 2,2'-Diphenylmethandiamin
oder deren Gemische, wie auch höhermolekulare isomere, oligomere oder polymere
Derivate der genannten Amine und Polyamine. Weitere mögliche Amine sind aus
dem Stand der Technik bekannt. Bevorzugte Amine für die vorliegende Erfindung
sind die Amine der Diphenylmethandiamin-Reihe (monomere, oligomere und polymere
Amine), 2,4-, 2,6-Diaminotoluol, Isophorondiamin und Hexamethylendiamin. Bei der
Phosgenierung erhält man die entsprechenden Isocyanate Diisocyanatodiphenylmethan
(MDI, monomere, oligomere und polymere Derivate), Toluylendiisocyanat (TDI), Hexamethylendiisocyanat
(HDI) und Isophorondiisocyanat (IPDI).
Die Amine können mit Phosgen in einer einstufigen oder zweistufigen
oder ggf. mehrstufigen Reaktion umgesetzt werden. Dabei ist eine kontinuierliche
wie auch diskontinuierliche Betriebsweise möglich.
Wird eine einstufige Phosgenierung in der Gasphase gewählt, so
erfolgt die Umsetzung oberhalb der Siedetemperatur des Amins bevorzugt innerhalb
einer mittleren Kontaktzeit von 0,5 bis 5 Sekunden und bei Temperaturen von 200
bis 600°C.
Bei der Phosgenierung in der Flüssigphase werden üblicherweise
Temperaturen von 20 bis 240°C und Drücke von 1 bis ca. 50 bar eingesetzt.
Die Phosgenierung in der Flüssigphase kann einstufig oder mehrstufig durchgeführt
werden, wobei Phosgen im stöchiometrischen Überschuss eingesetzt werden
kann. Dabei werden die Aminlösung und die Phosgenlösung über ein
statisches Mischelement vereinigt und anschließend beispielsweise von unten
nach oben durch einen oder mehrere Reaktionstürme geführt, wo das Gemisch
zum gewünschten Isocyanat ausreagiert. Neben Reaktionstürmen, die mit
geeigneten Mischelementen versehen sind, können auch Reaktionsbehälter
mit Rührvorrichtung eingesetzt werden. Außer statischen Mischelementen
können auch spezielle dynamische Mischelemente Anwendung finden. Geeignete
statische und dynamische Mischelemente sind aus dem Stand der Technik bekannt.
In der Regel wird die kontinuierliche Flüssigphasen-Isocyanatherstellung
im industriellen Maßstab zweistufig durchgeführt. Dabei wird in der ersten
Stufe im Allgemeinen bei Temperaturen von maximal 220°C, bevorzugt maximal
160°C aus Amin und Phosgen das Carbamoylchlorid sowie aus Amin und abgespaltenem
Chlorwasserstoff Aminhydrochlorid gebildet. Diese erste Stufe ist stark exotherm.
In der zweiten Stufe wird sowohl das Carbamoylchlorid zu Isocyanat und Chlorwasserstoff
gespalten als auch das Aminhydrochlorid zum Carbamoylchlorid umgesetzt. Die zweite
Stufe wird in der Regel bei Temperaturen von mindestens 90°C, vorzugsweise
von 100 bis 240°C, durchgeführt.
Nach der Phosgenierung erfolgt in einem dritten Schritt die Abtrennung
der bei der Phosgenierung gebildeten Isocyanate. Dies geschieht dadurch, dass zunächst
das Reaktionsgemisch der Phosgenierung in einen flüssigen und einen gasförmigen
Produktstrom in einer dem Fachmann bekannten Weise aufgetrennt wird. Der flüssige
Produktstrom enthält im Wesentlichen das Isocyanat bzw. Isocyanatgemisch, das
Lösemittel sowie einen geringen Teil an nicht umgesetztem Phosgen. Der gasförmige
Produktstrom besteht im Wesentlichen aus Chlorwasserstoffgas, stöchiometrisch
überschüssigem Phosgen, sowie geringfügigen Mengen an Lösemittel
und Inertgasen, wie zum Beispiel Stickstoff und Kohlenmonoxid. Ferner wird der Flüssigstrom
gemäß der Isocyanatabtrennung anschließend einer Aufarbeitung zugeführt,
vorzugsweise einer destillativen Aufarbeitung, wobei nacheinander Phosgen sowie
das Lösemittel abgetrennt werden. Gegebenenfalls erfolgt bei der Isocyanatabtrennung
außerdem eine weitere Aufarbeitung der gebildeten Isocyanate. Dies geschieht
beispielsweise, indem das erhaltene Isocyanatprodukt in einer dem Fachmann bekannten
Weise fraktioniert wird.
Der bei der Reaktion von Phosgen mit einem organischen Amin erhaltene
Chlorwasserstoff enthält im Allgemeinen organische Bestandteile, welche bei
der Weiterverarbeitung stören können. Zu diesen organischen Bestandteilen
zählen beispielsweise die bei der Isocyanatherstellung eingesetzten Lösungsmittel
wie Chlorbenzol, o-Dichlorbenzol oder p-Dichlorbenzol.
Ggf. kann die Reinigung des Chlorwasserstoffs in zwei in Serie geschalteten
Wärmetauschern gemäß US 6 719 957
erfolgen. Dabei wird der Chlorwasserstoff auf einen Druck von 5 bis 20 bar, bevorzugt
10 bis 15 bar, verdichtet und der komprimierte gasförmige Chlorwasserstoff
mit einer Temperatur von 20 bis 60°C, bevorzugt 30 bis 50°C, einem ersten Wärmeaustauscher
zugeführt. In diesem wird der Chlorwasserstoff mit einem kalten Chlorwasserstoff
einer Temperatur von –10 bis –30°C, der aus einem zweiten Wärmetauscher
stammt, gekühlt. Dabei kondensieren organische Bestandteile, die einer Entsorgung
oder Wiederverwertung zugeführt werden können. Der in den ersten Wärmetauscher
geleitete Chlorwasserstoff verlässt diesen mit einer Temperatur von –20
bis 0°C und wird in dem zweiten Wärmetauscher auf eine Temperatur von
–10 bis –30°C gekühlt. Das im zweiten Wärmetauscher
anfallende Kondensat besteht aus weiteren organischen Bestandteilen sowie geringen
Mengen Chlorwasserstoff. Zur Vermeidung eines Chlorwasserstoffverlustes wird das
aus dem zweiten Wärmetauscher ablaufende Kondensat einer Abtrenn- und Verdampfereinheit
zugeführt. Dies kann beispielsweise eine Destillationskolonne sein, in der
aus dem Kondensat der Chlorwasserstoff ausgetrieben und in den zweiten Wärmetauscher
zurückgeführt wird. Es ist auch möglich, den ausgetriebenen Chlorwasserstoff
in den ersten Wärmetauscher zurückzuführen. Der in dem zweiten Wärmetauscher
abgekühlte und von organischen Bestandteilen befreite Chlorwasserstoff wird
mit einer Temperatur von –10 bis –30°C in den ersten Wärmetauscher
geleitet. Nach Erwärmung auf 10 bis 30°C verlässt der von organischen
Bestandteilen befreite Chlorwasserstoff den ersten Wärmetauscher.
Es ist jedoch ebenfalls denkbar auf die HCl-Reinigung zu verzichten
und dafür die bei der Kristallisation im Kreis geführte wässrige
Lösung zu reinigen.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird anhand der Figuren nachstehend
beispielhaft näher erläutert.
Es zeigen
1 ein Verfahrensschema einer Chloroxidation mit Sauerstoff
2 ein Verfahrensschema einer Chloroxidation mit Luft
Beispiele
Beispiel 1 (HCl-Oxidation mit O2)
In 1 ist ein Beispiel für den Einsatz
des Verfahrens als Ergänzung und Teil einer Isocyanatproduktion schematisch
dargestellt.
In einer ersten Stufe 11 der Isocyanatherstellung wird Chlor
mit Kohlenmonoxid zu Phosgen umgesetzt. In der folgenden Stufe 12 wird
Phosgen aus Stufe 11 mit einem Amin (hier: Toluoldiamin) zu einem Isocyanat
(Toluoldiisocyanat, TDI) und Chlorwasserstoff umgesetzt, das Isocyanat wird abgetrennt
(Stufe 13) und verwertet und das HCl-Gas einer Reinigung 14 unterzogen.
Das gereinigte HCl-Gas wird in dem HCl-Oxidationsverfahren 15 mit Sauerstoff
umgesetzt (hier in einem Deacon-Prozess mittels Katalysator). Aus dem Reaktor gelangt
ein Prozessgastrom folgender Zusammensetzung:
Stickstoff:
1692,7 kg/h
Sauerstoff:
3068,0
Chlorwasserstoff:
1968,8 kg/h
Kohlendioxid
2807,8 kg/h
Chlor
15.430,3 kg/h
Wasser
2507 kg/h kg/h
Die Temperatur beträgt 333°C bei einem Druck von 2,8 bar.
Das Gasgemisch wird auf 100°C abgekühlt, der Druck beträgt
hiernach 2,6bar (Schritt 16). Dieses Prozessgas wird zur Entfernung von
Chlorwasserstoff und Wasser auf eine HCl-Absorption geleitet. Chlorwasserstoff und
Wasser des Prozessgases werden in einer Absorptionkolonne entfernt. Dazu wird das
Gas oberhalb des Sumpfes eingeleitet. Am Kopf der Kolonne wird Wasser aufgegeben.
Zur Erhöhung des Stoffüberganges und zur Abfuhr der anfallenden Absorptionwärme
wird aus dem Sumpf ca. 33 %ige Salzsäure auf den Kopf der Kolonne gepumpt.
Die umgewälzte Salzsäure wird mit Hilfe eines Wärmetauschers gekühlt.
Chlorwasserstoff und Wasser aus dem Prozessgas werden als ca. 33 Gew.%-ige Salzsäure
im Sumpf gewonnen, das von Wasser und Chlorwasserstoff befreite Restgas am Kopf
der Kolonne enthält folgende Zusammensetzung:
Stickstoff:
1692,7 kg/h
Sauerstoff:
3068,0 kg/h
Kohlendioxid
2807,7 kg/h
Chlor
15.408,3 kg/h
Wasser
118 kg/h
Die Temperatur beträgt 26,5°C bei einem Druck von 2,3 bar.
Das so erhaltene Gasgemisch und weitere Nebenbestandteile wie z.B.
Kohlenmonoxid, Argon etc. wird einer Kristallisations-Stufe zugeführt (Schritt
17), wobei Chlor-Hydrat überwiegend als Hexahydrat-Feststoff ausfällt.
Die Kristallisation (Stufe 17) kann in einer Blasensäule erfolgen.
Aus der Blasensäule wird ein Stoffstrom folgender Zusammensetzung auf eine
einen Vakuumtrommelfilter aufgegeben:
Stickstoff:
1,6 kg/h
Sauerstoff:
5,9 kg/h
Kohlendioxid
147,3 kg/h
Chlor
350,8 kg/h
Wasser
443.884 kg/h
Chlorhydrat
23.511,8 kg/h
Natriumchlorid
114.638 kg/h
Die Temperatur beträgt –5°C bei einem Druck von 1,35
bar.
Das Restgas bestehend aus:
Stickstoff
1692,6 kg/h
Sauerstoff:
3067,7 kg/h
Kohlendioxid
2801,6 kg/h
Chlor
6166,0 kg/h
Wasser
13,8 kg/h
Die Temperatur beträgt –5°C bei einem Druck von 1,35
bar.
Von dem Restgas werden ca. 10 % einer Entsorgung zugeführt:
Das verbleibende Gas wird der Chlorwasserstoff-Oxidation wieder zugeführt.
Aus der Filtration gelangt eine Mutterlauge mit folgender Zusammensetzung:
Stickstoff:
1,5 kg/h
Sauerstoff:
5,7 kg/h
Kohlendioxid
141,1 kg/h
Chlor
336 kg/h
Wasser
425.215 kg/h
Natriumchlorid
109.816 kg/h
Die Temperatur beträgt –5°C bei einem Druck von 1,35
bar.
Die Mutterlauge wird nach Abkühlung auf –10°C und
Zusatz von NaCl-haltigem Wasser, sowie ggf. NaCl-haltigem Wasser aus der Chlor-Hydratzersetzung
(Stufe 19) dem Kristallisationsapparat (z.B. Blasensäule) wieder zugeführt.
Zur Vermeidung von Akkumulation von Verunreinigungen wird ein Teilstrom verworfen.
Das abfiltrierte Chlorhydrat mit Resten von Mutterlauge hat folgende
Zusammensetzung und wird der Chlorhydrat-Zersetzung (Stufe 18) zugeführt.
Stickstoff
0,1 kg/h
Sauerstoff:
0,3 kg/h
Kohlendioxid
6,1 kg/h
Chlor
14,7 kg/h
Wasser
18.669 kg/h
Natriumchlorid
4.821,4 kg/h
Chlorhydrat
23.511,8 kg/h
Die Temperatur beträgt –5°C bei einem Druck von 1,35
bar.
Aus der Chlorhydrat-Zersetzung (Stufe 18) gelangt feuchtes
Chlorgas sowie die Nebenbestandteile und werden der Chlortrocknung (Stufe
19) zugeführt.
Der aus der Chlorhydrat-Zersetzung gelangende Gasstrom hat folgenden
Zusammensetzung:
Stickstoff
0,1 kg/h
Sauerstoff
0,3 kg/h
Kohlendioxid
6,1 kg/h
Chlor
9241,9 kg/h
Wasser
23,6 kg/h
Die Temperatur beträgt 11,5°C bei einem Druck von 1,2 bar.
Der aus der Chlorhydrat-Zersetzung gelangende flüssige Strom
hat folgende Zusammensetzung:
Chlor
87 kg/h
Wasser
32.843 kg/h
Natriumchlorid
4.821,5 kg/h
Die Temperatur beträgt 11,5°C bei einem Druck von 1,2 bar.
Dieser Strom kann der Chlorhydrat-Bildung (Stufe 17) wieder zugeführt
werden. Ggf. wird ein Teilstrom von Wasser aus der Zersetzung 18 der HCl-Abtrennung
(Stufe 16) zugeführt.
Das Chlor wird mit 96%iger Schwefelsäure getrocknet (Stufe
19) und in die Phosgensynthese 11 zurückgeführt.
Beispiel 2 (HCl-Oxidation mit Luft)
In 2 ist ein weiteres Beispiel für
den Einsatz des erfindungsgemäßen Verfahrens als Ergänzung und Teil
einer Isocyanatproduktion dargestellt.
In einer ersten Stufe 11 der Isocyanatherstellung wird Chlor
mit Kohlenmonoxid zu Phosgen umgesetzt. In der folgenden Stufe 12 wird
Phosgen aus Stufe 11 mit einem Amin (z.B. Toluoldiamin) zu einem Isocyanat
(z.B. Toluoldiisocyanat, TDI) und Chlorwasserstoff eingesetzt, das Isocyanat wird
abgetrennt (Stufe 13) und verwertet und das HCl-Gas einer Reinigung
14 unterzogen. Das gereinigte HCl-Gas wird in dem HCl-Oxidationsverfahren
15 mit Luft umgesetzt (in einem Deacon-Prozess mittels Katalysator).
Das Reaktionsgemisch aus 15 wird abgekühlt (Schritt
16). Wässrige Salzsäure, die dabei gegebenenfalls mit Wasser
oder verdünnter Salzsäure vermischt hierbei anfällt, wird ausgeschleust.
Das so erhaltene Gasgemisch bestehend wenigstens aus Chlor, Sauerstoff
und gegebenenfalls Nebenbestandteilen wie Stickstoff, Kohlendioxid etc. und einer
Kristallisations-Stufe zugeführt (Schritt 17), wobei Chlor-Hydrat
als Feststoff ausfällt. Luft, Stickstoff und die Nebenbestandteile werden ausgeschleust
und gegebenenfalls kontrolliert entsorgt. Das in der Kristallisationsstufe
17 erhaltene Chlor-Hydrat wird zersetzt (Stufe 18), wobei Chlor
und Wasser anfallen. Das Chlor wird mit 96 %iger Schwefelsäure getrocknet (Stufe
19) und in die Phosgensynthese 11 zurückgeführt. Das
Wasser aus der Chlor-Hydrat-Zersetzung und überschüssige wässrige
Phase wird der Kristallisationsstufe 17 zugeführt. Ggf. wird ein Teilstrom
von Wasser aus der Zersetzung 18 der HCl-Abtrennung (Stufe 16)
wieder zugeführt.
Beispiel 3: Kristallisation des Chlor-Hydrats (blasenförmiges Einleiten)
Zur Demonstration der Chlorreinigung über kristallisiertes Chlor-Hydrat
wird 800 g einfach destilliertes Wasser in einem gerührten doppelwandigen Glasbehälter
mit einem Durchmesser von 100 mm vorgelegt und bei Atmosphärendruck auf 0°C
thermostatisiert Die Vorlage wird bei 1000 Umdrehungen/Minute mit einem schräg
angestellten Rührer (Durchmesser von 70 mm) gerührt. 40g Chlorgas werden
aus einer Druckflasche entnommen und über 30 Minuten mit einem Druck von 5
mbar zugegeben. Die Einleitstelle liegt in Nähe des Rührers. Nach Überschreiten
der Löslichkeit bildet sich festes Chlor-Hydrat in Form eines gelblichen Niederschlags.
Die erhaltene Suspension wird nach abgeschlossener Dosierung für 40 Minuten
weitergerührt, anschließend über eine Nutsche filtriert und mit 500
g einer 10 g/100 g NaCl Lösung gewaschen. Es werden 32,4 g feuchter Feststoff
erhalten aus dem durch Aufheizen 5,4 g Chlorgas gewonnen werden. Die nach Aufschmelzen
und Ausgasen zurückbleibende Lösung wird eingedampft und ein Eindampfrückstand
von 1,7 g ermittelt. Daraus lässt sich mit der Konzentration der Waschlösung
eine Restfeuchte des feuchten Feststoffs von 17 g zurückermitteln. Die Ausbeute
trockenes Chlor-Hydrat berechnet sich so zu 15,4 g und das Molverhältnis des
gebundenen Kristallwassers zu N Cl2/H2O = 7,1
Beispiel 4: Demonstration der Kristallisation unter Zugabe von NaCl
640 g einfach destilliertes Wasser werden zusammen mit 160 g NaCl
in einem gerührten doppelwandigen Glasbehälter mit einem Durchmesser von
100 mm vorgelegt und bei Atmosphärendruck auf ca. –18°C thermostatisiert.
Die Vorlage wird bei 1000 Umdrehungen/Minute mit einem schräg angestellten
Rührer (Durchmesser von 70 mm) gerührt. 40 g Chlorgas werden aus einer
Druckflasche entnommen und über 30 Minuten mit einem Druck von 5 mbar zugegeben.
Die Einleitstelle liegt in Nähe des Rührers. Nach Überschreiten der
Löslichkeit bildet sich festes Chlor-Hydrat in Form eines gelblichen Niederschlags.
Die erhaltene Suspension wird nach abgeschlossener Dosierung für 30 Minuten
weitergerührt und anschließend über eine Nutsche filtriert. Es werden
80,6 g feuchter Feststoff erhalten aus dem durch Aufheizen 8,7 g Chlorgas gewonnen
werden. Die nach Aufschmelzen und Ausgasen zurückbleibende Lösung wird
eingedampft und ein Eindampfrückstand von 11,7 g ermittelt. Daraus lässt
sich mit der Konzentration der Salzlösung eine Restfeuchte des feuchten Feststoffs
von 58,5 g zurückermitteln. Die Ausbeute trockenes Chlor-Hydrat berechnet sich
so zu 22,1 g und das Molverhältnis des gebundenen Kristallwassers zu N Cl2/H2O
= 6,1
Beispiel 5: Demonstration der Kristallisation unter Zugabe von NaCl, Variation
der Temperatur
Es wird wie in Beispiel 4 verfahren jedoch wird die Temperatur auf
konstant –9°C eingestellt. Es werden 45,6 g feuchter Feststoff erhalten
aus dem durch Aufheizen 5,5 g Chlorgas gewonnen werden. Die nach Aufschmelzen und
Ausgasen zurückbleibende Lösung wird eingedampft und ein Eindampfrückstand
von 6,3 g ermittelt. Daraus lässt sich mit der Konzentration der Salzlösung
eine Restfeuchte des feuchten Feststoffs von 31,5 g zurückermitteln. Die Ausbeute
trockenes Chlor-Hydrat berechnet sich so zu 14,1 g und das Molverhältnis des
gebundenen Kristallwassers zu N Cl2/H2O = 6,2