Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Walzanlage
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Aus der EP 775 536 B1
ist eine Vorrichtung bekannt, mit deren Hilfe die gesamte Steuerung und Regelung
einer Walzanlage durchgeführt wird. Ebenfalls ist dort ein Simulationsmodell
vorhanden, mit dem die technologischen Zusammenhänge der einzelnen Walzgerüste
insbesondere in der Inbetriebnahmephase der Walzanlage nachgebildet werden.
Weiterhin ist es allgemein bekannt, einen technologischen Prozess,
beispielsweise die vorstehend genannte Walzanlage, mit Hilfe eines Beobachters zu
überwachen.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zum Betreiben einer Walzanlage
mit einer möglichst einfachen und trotzdem effektiven Prozessüberwachung
zu schaffen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren zum
Betreiben einer Walzanlage nach dem Anspruch 1 gelöst. Die Aufgabe wird ebenfalls
durch eine Vorrichtung nach dem Anspruch 11 gelöst.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren weist die Walzanlage
mindestens ein Walzgerüst sowie mindestens ein Messgerät zum Messen einer
Betriebsgröße der Walzanlage auf. Ein gemessener Istwert wird mit einem
zugehörigen Sollwert einer Betriebsgröße der Walzanlage verglichen
und es wird in Abhängigkeit davon eine Stellgröße ermittelt. Ein
berechneter Istwert wird in Abhängigkeit von der Stellgröße sowie
in Abhängigkeit von weiteren Betriebsgrößen der Walzanlage ermittelt.
Der gemessene Istwert wird mit dem berechneten Istwert verglichen und es wird das
Vergleichsergebnis als Fehlersignal verwendet.
Das Fehlersignal kann als Ausgangssignal einer Prozessüberwachung
verwendet werden. Mit Hilfe des Fehlersignals ist es damit möglich, Fehlfunktionen
oder Störungen der Walzanlage zu erkennen. Die Erzeugung des Fehlersignals
ist dabei einfach, aber trotzdem zuverlässig. Insbesondere kann das Fehlersignal
in Echtzeit ermittelt werden, so dass bei einem Fehler oder einer Störung gegebenenfalls
auch in Echtzeit auf die Steuerung und/oder Regelung der Walzanlage frühzeitig
eingewirkt werden kann.
Bei einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird der berechnete
Istwert mit Hilfe einer rechnerischen Modellierung zumindest von Bereichen der Walzanlage
ermittelt. Diese Modellierung stellt insbesondere eine Umkehrung der beim Stand
der Technik vorhandenen Simulation der Walzanlage dar. Damit kann die Modellierung
auf einfache, aber trotzdem genaue Art und Weise durchgeführt werden.
Bei einer anderen Weiterbildung der Erfindung wird der berechnete
Istwert hinsichtlich seines absoluten Werts an den Sollwert angepasst. Dies kann
mit Hilfe einer automatischen Tarierung erfolgen. Auf diese Weise wird erreicht,
dass das Fehlersignal nicht nur dynamische Fehler anzeigt, sondern auch auf statische
Störungen oder Fehler reagiert. Das erfindungsgemäße Verfahren wird
damit nicht nur wesentlich breiter in seiner Anwendung, sondern gleichzeitig auch
wesentlich genauer.
Vorzugsweise wird die Anpassung des berechneten Istwerts in Abhängigkeit
von dem Sollwert durchgeführt. Dies stellt eine weitere Vereinfachung des Verfahrens
dar, da der Sollwert bereits vorhanden ist und nicht zusätzlich erzeugt werden
muss.
Weitere Merkmale, Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile der Erfindung
ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen der
Erfindung, die in den Figuren der Zeichnung dargestellt sind. Dabei bilden alle
beschriebenen oder dargestellten Merkmale für sich oder in beliebiger Kombination
den Gegenstand der Erfindung, unabhängig von ihrer Zusammenfassung in den Patentansprüchen
oder deren Rückbeziehung sowie unabhängig von ihrer Formulierung bzw.
Darstellung in der Beschreibung bzw. in der Zeichnung.
Die einzige Figur der Zeichnung zeigt ein schematisches Blockschaltbild
eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Verfahrens zum
Betreiben einer Walzanlage.
Das in der Figur dargestellte Verfahren ist für den Betrieb einer
Walzanlage vorgesehen. Dabei kann es sich um eine Kaltwalzstraße oder um ein
Warmwalzwerk handeln. Die in der Figur angegebenen allgemeinen Größen
können dabei durch unterschiedliche spezielle Betriebsgrößen der
Walzanlage realisiert werden.
So wird in der Figur ein gemessener Istwert IWG und ein zugehöriger
Sollwert SW mit Hilfe einer Subtraktion 11 miteinander verglichen. Bei
dem gemessenen Istwert IWG kann es sich dabei beispielsweise um einen gemessenen
Banddickenistwert oder um einen gemessenen Bandzugistwert oder um einen anderen
Istwert der Walzanlage handeln. Entsprechend kann es sich bei dem Sollwert SW um
einen zugehörigen Banddickensollwert oder Bandzugsollwert handeln. Der gemessene
Istwert IWG und der Sollwert beziehen sich dabei auf ein bestimmtes Walzgerüst.
Die Differenz des gemessenen Istwerts IWG und des Sollwerts SW ist
einem Regler 12 zugeführt, der unter anderem in Abhängigkeit
von diesen beiden Betriebsgrößen eine Stellgröße SG erzeugt.
Mit dieser Stellgröße SG kann beispielsweise die Walzenposition des zugehörigen
Walzgerüsts beeinflusst werden, um damit wiederum auf die Banddicke oder den
Bandzug einzuwirken. Auf diese Weise kann eine Steuerung und/oder Regelung von Betriebsgrößen
der Walzanlage realisiert werden. Es versteht sich, dass auch andere Einflussnahmen
auf die Walzanlage möglich sind.
Unabhängig von diesen Einflussnahmen ist die Stellgröße
SG einem Modell 13 zugeführt, das weiterhin von einer Mehrzahl von
Betriebsgrößen der Walzanlage beaufschlagt ist. Bei diesen Betriebsgrößen
kann es sich um beliebige Istwerte, Sollwerte und/oder Stellgrößen handeln,
die innerhalb der Walzanlage auftreten. In Abhängigkeit von diesen Eingangsgrößen
werden von dem Modell 13 einzelne Bereiche der Walzanlage oder die gesamte
Walzanlage rechnerisch nachgebildet. Es wird also beispielsweise versucht, die Verformung
des Walzguts bei einem Durchlauf durch ein Walzgerüst rechnerisch darzustellen,
um auf dieser Grundlage einen Istwert zu derselben Betriebsgröße ermitteln
zu können, zu der bereits der gemessene Istwert IWG vorhanden ist. Dieser von
dem Modell 13 ermittelte Istwert wird nachfolgend als berechneter Istwert
IWB bezeichnet. Es liegen damit zwei Istwerte z.B. für die Banddicke oder den
Bandzug vor, nämlich der gemessene Istwert IWG und der berechnete Istwert IWB.
Verallgemeinert ist also das Modell 13 dazu vorgesehen, den
berechneten Istwert IWB für dieselbe Betriebsgröße der Walzanlage
zu ermitteln, für die bereits der gemessene Istwert IWG vorliegt.
Es ist nunmehr möglich, dass der zeitliche Verlauf des gemessenen
Istwerts IWG und des berechneten Istwerts IWB bei einem fehlerfreien Betrieb weitgehend
übereinstimmen, dass aber der berechnete Istwert IWB in seinem absoluten Wert
von dem Sollwert SW abweicht. So ist es beispielsweise möglich, dass ein auf
dem Band oder den Walzen vorhandener Ölfilm von dem Modell 13 nicht
berücksichtigt werden kann, mit der Folge, dass der gemessene Istwert IWG und
der berechnete Istwert IWB absolut – aufgrund des Ölfilms – voneinander
abweichen, relativ jedoch im wesentlichen denselben zeitlichen Verlauf haben.
Zur Kompensation derartiger Abweichungen kann eine Anpassung
14 vorgesehen sein, der der berechnete Istwert IWB zugeführt ist,
und die weiterhin von dem Sollwert SW beaufschlagt wird.
Von der Anpassung 14 kann der berechnete Istwert IWB hinsichtlich
seines absoluten Wertes an den Sollwert SW angepasst werden. Zu diesem Zweck kann
der Sollwert SW beispielsweise als Größe für den absoluten Wert des
gemessenen Istwerts IWG herangezogen werden. Der berechnete Istwert IWB kann dann
von der Anpassung 14 auf diese Größe und damit auf den absoluten
Wert des gemessenen Istwerts IWG angehoben oder abgesenkt werden.
Diese Anpassung des berechneten Istwerts IWB an den absoluten Wert
des zugehörigen Sollwerts SW kann auch als Tarierung bezeichnet werden, so
dass am Ausgang der Anpassung 14 ein sogenannter berechneter und tarierter
Istwert IWBT zur Verfügung steht.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Anpassung 14 nicht zwingend
notwendig ist. Gegebenenfalls kann das Modell 13 bereits derart ausgebildet
sein, dass eine Anpassung des berechneten Istwerts IWB an den absoluten Wert des
zugehörigen Sollwerts SW nicht erforderlich ist.
Der berechnete und gegebenenfalls tarierte Istwert IWB bzw. IWBT wird
dann mit dem gemessenen Istwert IWG verglichen. Hierzu werden die beiden Größen
einer Subtraktion 15 zugeführt. Ausgangsseitig ergibt sich ein Fehlersignal
FS, das im wesentlichen gleich Null ist, wenn der berechnete und gegebenenfalls
tarierte Istwert IWB bzw. IWBT etwa gleich ist dem gemessenen Istwert IWG, das jedoch
von Null abweicht, wenn der berechnete und gegebenenfalls tarierte Istwert IWB bzw.
IWBT und der gemessene Istwert IWG wesentlich voneinander abweichen.
Ist die Anpassung 14 nicht vorhanden, so ist das Fehlersignal
FS von dem Unterschied des gemessenen und des berechneten Istwerts IWG, IWB abhängig.
In diesem Fall können mit dem Fehlersignal FS zumindest dynamische Fehler erkannt
werden, also Abweichungen des Verlaufs des gemessenen von dem berechneten Istwert
IWG, IWB über der Zeit. Ist die Anpassung jedoch vorhanden, so können
auch statische Fehler erkannt werden, also auch absolute Abweichungen des gemessenen
von dem berechneten und tarierten Istwert IWG, IWBT.
Im fehlerfreien Betrieb der Walzanlage wird der berechnete und tarierte
Istwert IWBT weitgehend mit dem gemessenen Istwert IWG übereinstimmen. Dies
ergibt sich daraus, dass in diesem Fall keine Störung vorliegt und somit die
von dem Modell 13 vorgenommenen rechnerischen Ermittlungen im wesentlichen
dem tatsächlichen Betrieb der Walzanlage entsprechen.
Liegt jedoch irgend eine Störung des Betriebs der Walzanlage
vor, tritt zum Beispiel ein Rutschen des Walzguts beim Durchlauf
durch die Walzen eines Gerüstes vor, so weicht der tatsächliche Betrieb
der Walzanlage aufgrund dieser Störung von demjenigen Verhalten ab, das dem
Modell 13 rechnerisch zugrunde gelegt ist. Dies hat zur Folge, dass bei
dem von dem Modell 13 berechneten und nachfolgend gegebenenfalls tarierten
Istwert IMB bzw. IWBT die vorgenannte Störung nicht berücksichtigt ist,
so dass er von dem tatsächlich in der Walzanlage gemessenen Istwert IWG, bei
dem die Störung zur Wirkung kommt, mit großer Wahrscheinlichkeit abweicht.
Es ergibt sich damit ein Fehlersignal FS, das ungleich Null ist.
Entsprechendes gilt beispielsweise für einen Fehler in einem
Dickemessgerät, mit dem die tatsächliche Banddicke des Walzguts innerhalb
eines Walzgerüstes gemessen wird. Tritt bei diesem Dickemessgerät beispielsweise
ein Kabelbruch oder dergleichen auf, so hat dies zur Folge, dass der gemessene Istwert
IWG sich zeitlich stark verändert. Im Unterschied dazu wird sich der berechnete
und gegebenenfalls tarierte Istwert IWB bzw. IWBT im wesentlichen nicht verändern,
zumindest nicht aufgrund des Fehlers des Dickemessgeräts. Daraus ergibt sich
ein Fehlersignal FS, das aufgrund der Abweichung der vorgenannten Istwerte ungleich
Null ist.
Das Fehlersignal FS stellt damit das Ergebnissignal eines Prozessbeobachters
dar, das im fehlerfreien Betrieb im wesentlichen gleich Null ist, das jedoch einen
fehlerbehafteten Betrieb durch ein von Null verschiedenes Ausgangssignal anzeigt.
Das Fehlersignal FS hat einen zeitlichen Verlauf, der abhängig
ist von der Art der in der Walzanlage auftretenden Störung. Liegt beispielsweise
ein Rutschen des Walzguts beim Durchlauf durch die Walzen eines Gerüstes vor,
so hat dies eher kontinuierliche Abweichungen des Fehlersignal FS von Null zur Folge.
Liegt hingegen beispielsweise ein Kabelbruch des Dickemessgeräts vor, so hat
dies eher eine sprungartige Änderung des Fehlersignals FS zur Folge.
Mögliche Verläufe des Fehlersignals FS können vorab
ermittelt und ihren jeweiligen Ursachen zugeordnet werden. Tritt dann im Betrieb
der Walzanlage ein entsprechender Verlauf des Fehlersignals FS auf, so kann aus
diesem Verlauf auf die Ursache des Fehlers geschlossen werden. Es ist damit möglich,
aus dem Fehlersignal FS die Art der aufgetretenen Störung in der Walzanlage
zu ermitteln.
Die Ermittlung des Fehlersignals erfolgt in Echtzeit, also im wesentlichen
gleichzeitig mit der jeweils aktuellen Ermittlung des gemessenen Istwerts IWG. Damit
ist es möglich, insbesondere bei einem von Null verschiedenen Fehlersignal
FS sofort, also insbesondere ebenfalls in Echtzeit, in die Steuerung und/oder Regelung
der Walzanlage einzugreifen.
Zur Ausführung des beschriebenen Verfahrens ist eine Vorrichtung
zur Steuerung und/oder Regelung der Walzanlage vorgesehen. Dabei kann es sich vorzugsweise
um ein digitales Rechengerät handeln, das mit einem elektronischen Speicher
versehen ist, auf dem ein Programm abgespeichert ist, das auf dem Rechengerät
ablaufen kann, und das dann zur Durchführung des Verfahrens geeignet ist.