Die Erfindung betrifft ein Werkzeug zum Entgraten und/oder Rückwärtssenken
von Bohrungsenden mit einem Durchmesser < 4 mm nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs
1.
Aus dem Stand der Technik ist durch DE
43 07 084 C2 ein Entgratwerkzeug zum Entgraten von Stoßkanten an Bohrungen
bekannt. Das Werkzeug wird beim Einsatz rotatorisch und/oder translatorisch bewegt,
hat einen Werkzeugschaft, der ein Einspannende und ein Ende mit einem innenliegenden
Stützkörper und mindestens einem in einem Durchbruch beweglich angeordneten
Schneidenkörper mit Schneide aufweist. Für dieses Entgratwerkzeug ist
kennzeichnend, dass die Schneide durch einen in der zentralen Ausnehmung sitzenden,
aus einem Elastomerwerkstoff bestehenden Stützkörper mit einer radial
aufgebrachten Federkraft beaufschlagt wird, wobei der in einem Durchbruch beweglich
geführte Schneidenkörper mit einer Stützfläche versehen ist,
mit der er am Stützkörper abgestützt ist. Bei Überschreitung
einer bestimmten Beaufschlagungskraft gibt die Schneide federnd nach. Es ist auch
möglich, den Stützkörper mit einer Vorspannung in der Ausnehmung
aufzunehmen. Durch die Abstützung auf dem Stützkörper werden Bewegungen
des Schneidenkörpers zugelassen, die ein wirksames Entgraten auch von im Raum
liegenden Stoßkanten ermöglichen sollen. Nachteilig ist, dass bei einer
Änderung des zu bearbeitenden Werkstoffs von Werkstücken stets der Stützkörper
des Entgratwerkzeuges auszutauschen ist. Dieser Stützkörperaustausch ist
aber bei Werkzeugdurchmessern von < 4 mm schwierig durchzuführen. Genannte
Nachteile werden durch ein in DE 102 15
004 B4 dargestelltes Entgratwerkzeug beseitigt, in dem der Stützkörper
am werkzeugseitigen Schaftende als festes Lager angeordnet ist, ein rohrförmiges
Schaftstück, das durch ein oder mehrere Verbindungselemente mit dem Werkzeugschaft
verbunden ist, den im Durchbruch beweglich gelagerten Schneidenkörper hält,
welcher lose mit einem Spiel an der Oberfläche des Stützkörpers,
die in Form und Abmessungen von der Oberfläche des Schneidenkörpers stets
geometrisch unterschiedlich ist, aufliegt und ein unter Druck in eine Durchgangsbohrung
des Werkzeugschaftes gepresster Stoff die Schneide nach außen bewegt. Zum Entgraten
von beispielsweise Stoßkanten an einer Querbohrung in einem Motorblock ist
vor dem Einführen des Entgratwerkzeuges in die Bohrung ein Druck p von 0,3
MPa an der Werkzeugmaschinensteuerung zu programmieren. Fährt das Entgratwerkzeug
in die Bohrung, so werden die außerhalb des Werkzeugschaftes liegenden Schneiden
nach innen bewegt, wodurch Teilbereiche des Durchbruches frei werden und der in
die Durchgangsbohrung des Entgratwerkzeuges gepresste flüssige oder gasförmige
Stoff abfließen kann. Tritt die Schneide in die Querbohrung ein, bewegt sich
diese durch den anliegenden Druck, welcher durch die vorhandene Flächendifferenz
zwischen Stützkörper und Schneidenkörper entsteht, nach außen.
Jetzt liegt eine bestimmte Kraft an, die zum Entgraten nutzbar ist. Der Druck p
kann in Abhängigkeit vom Werkstoff und der gebohrten Menge mit durch den Verschleiss
des Bohrers zunehmend entstehenden Gratabmessungen programmiert erhöht werden.
Ebenfalls soll es möglich sein, drucklos bis zur Gratbasis der zu entgratenden
Querbohrung heranzufahren. Das in DE 102
15 004 B1 dargestellte Entgratwerkzeug hat aber den Nachteil, dass die
Zuführung des Druckmittels durch eine im Werkzeug liegende Durchgangsbohrung
kurzzeitig keine ausreichenden Kräfte an der bzw. an den Schneidkanten erzeugt,
um den Grat an den Bohrungsenden zu entfernen oder ein Aufbohren der Bohrungsenden
zu ermöglichen.
Bekannt ist weiterhin durch EP
1 356 884 A1 ein Werkzeug zum Senken, Entgraten und Ausspindeln von Bohrungen,
das aus einem um seine Längsachse rotierend angetriebenen Messerhalter besteht,
in dem im Winkel zu seiner Längsachse mindestens eine aus im wesentlichen ineinander
übergehenden Radien gebildete Ausnehmung angeordnet ist, in der ein oder mehrere
Schneidmesser oder deren Halter auswechselbar und/oder verschiebbar lastübertragend
gehalten sind, wodurch ein besserer Schutz gegen Verkanten und Ausbrechen des Schneidmessers
aus der Ausnehmung im Messerhalter gegeben sein soll. Für das Schneidmesser
ist kennzeichnend, dass es aus einem Körper besteht, in dem in Umfangsrichtung
eine Nut für den Eingriff einer Nocke des Antriebsstabes eingearbeitet ist.
An der Vorderkante des Körpers ist abgesetzt eine Schneidkante angeordnet,
die die spanabhebende Bearbeitung der Bohrung sichert. Die Schneidkante geht in
eine Freifläche über und unterhalb der Schneidkante ist bekannterweise
eine Spannut angeordnet, die die abgehobenen Späne abführt. Das Schneidmesser
ist in der Ausnehmung quer zur Achse des Antriebsstabs verschiebbar geführt
und die auf das Schneidmesser wirkenden Verkantungskräfte werden von zwei diametral
gegenüber liegenden Positionsflächen des Schneidmessers auf die zugeordneten
Führungs- und Abstützflächen in der Ausnehmung übertragen. Nachteilig
ist die komplizierte konstruktive Ausführung des Werkzeuges, insbesondere die
des Schneidmessers, zur Gewährleistung der Funktion des Werkzeuges. Damit ist
dieses Werkzeug zum Entgraten und/oder Rückwärtssenken von Bohrungsenden
mit einem Durchmesser von < 4 mm nur mit einem nicht vertretbaren Aufwand oder
generell nicht einsetzbar. Andere Werkzeuge zum Rückwärtssenken, wie beispielsweise
das in DE 34 29 971 C2 dargestellte
Werkzeug zum Ansenken des rückwärtigen Endes von Durchgangsbohrungen oder
das durch DE 39 10 426 A1 bekannte
Werkzeug zum Rückwärtssenken und -abflächen von Durchgangsbohrungen,
sind ebenfalls auf Grund ihrer komplizierten konstruktiven Ausführungen nicht
für das Rückwärtssenken von kleinsten Bohrungen handhabbar und damit
einsetzbar.
Das Problem der Erfindung besteht deshalb darin, ein Werkzeug zum
Entgraten und/oder Rückwärtssenken von Bohrungsenden mit einem Durchmesser
von < 4 mm vorzuschlagen, das konstruktiv einfach ausgeführt ist, eine einfache
Handhabung garantiert und die erforderlichen Kräfte an der bzw. an den Schneidkanten
zur Gratentfernung oder zum Aufbohren der Bohrungsenden erzeugt.
Die Lösung des vorhandenen Problems besteht in einem Werkzeug
mit den Merkmalen der Patentansprüche 1 bis 13. Die Vorteile der Erfindung
sind darin zu sehen, dass das Werkzeug trotz extrem kleiner Größe und
durch die geringe Anzahl der Einzelteile kostengünstig herstellbar und auch
gut handhabbar ist und eine Hochgeschwindigkeitsbearbeitung der Bohrungsenden in
der geforderten Qualität ermöglicht. Eine vorteilhafte Anwendung dieses
Werkzeuges ist beispielsweise beim Entgraten und/oder Rückwärtssenken
der Bohrungsenden in Werkzeugteilen zur Fertigung von Teigwaren gegeben.
Die Erfindung soll an Ausführungsbeispielen näher erläutert
werden. Hierzu zeigen die zugehörigen Zeichnungen in
1: ein zweiteiliges Werkzeug zum Entgraten und/oder
Rückwärtssenken von Bohrungsenden in der Seitenansicht im Schnitt,
2: eine weitere Ausführungsform des zweiteiligen
Werkzeuges in der Seitenansicht im Schnitt,
3: ein einteiliges Werkzeug mit zwei Schneiden zum
Entgraten und/oder Rückwärtssenken von Bohrungsenden mit kleineren Durchmessern
bis zu 1,5 mm in der Seitenansicht im Schnitt,
4: eine Schneide zum Rückwärtssenken in der
Vorder-, Seiten- und Draufsicht,
5: eine Schneide zum Entgraten in der Vorder- und Seitenansicht,
6: einen Stützkörper in der Vorder- und Seitenansicht,
7: einen Stützkörper mit Formräumen,
8: einen Stützkörper für ein einteiliges
Werkzeug mit zwei Schneiden in der Seiten- und Draufsicht und
9: einen zweiteiligen Stützkörper in der
Seitenansicht
1 zeigt ein zweiteiliges Werkzeug zum Entgraten und/oder
Rückwärtssenken von Bohrungsenden in der Seitenansicht im Schnitt. Erkennbar
ist, dass ein rohrförmiger, druckaufnehmender Schaft (Einspannende)
1 durch einen druckabbauenden Spiralspannstift 3 mit einem werkzeugseitigen
Schaftende 2 verbunden ist. Das Schaftende 2 hat einen Durchbruch
4 zur Aufnahme eines beweglichen Schneidenkörpers 5 mit einer
Schneide 6 und einen innenliegenden elastischen Stützkörper
7. Der elastische Stützkörper 7 ist ein silizium-organischer
Kunststoff (Silikon) oder besteht aus Naturkautschuk oder einem anderen Elastomer
mit einer Härte von 30 bis 80 Shore und wird bei der Montage des Werkzeuges
ohne wesentliche Vorspannung bis zum Ende in das Schaftende 2 eingeschoben,
wobei der Schneidenkörper 5 am abgeflachten Teilbereich der Stützkörperoberfläche
16 anliegt. Wird der rohrförmige Schaft 1 maschinenseitig
mit einem Druck p von 1,5 MPa beaufschlagt, verliert der im werkzeugseitigen Schaftende
2 lose liegende Stützkörper 7 seine Elastizität.
Zur Erzeugung des Druckes p sind unterschiedliche Druckmittel, wie
beispielsweise Luft, Öl, Bohremulsion oder ein Gemisch einsetzbar. Das Werkzeug
kann in dieser Stellung zurück bewegend als Senker mit starrer Schneide benutzt
werden. Bei einer Druckbeaufschlagung von 0,1 bis zu 20 Sekunden ist so ein Bohrungsende
durch Rückwärtssenken (Aufbohren) bearbeitbar. Der impulsartige Druckaufbau
und -abbau erfordern aber eine spezielle Ausführungsform der Schneide
6 gemäß 4. Wird das Werkzeug beispielsweise
0,1 bis zu 3 Sekunden mit einem Druck p von 1,5 MPa beaufschlagt und danach der
Druck p auf Null zurückgeführt, stellt sich in weniger als 5 Sekunden
im gesamten Druckmittelzuführungssystem und im Werkzeug ein Druckabbau auf
Null ein. Erreicht wird dies durch die Anordnung eines oder mehrerer Spiralspannstifte,
Spannstifte oder Spannhülsen 3 und durch die Anordnung einer zusätzlichen
Querbohrung 8 zur besseren Steuerung der Druckabbauzeit. In dieser Druckabbauzeit
ist die Schneide 6 ebenfalls zurück bewegend zum Entgraten eines Bohrungsendes
einsetzbar. Am werkzeugseitigen Schaftende 2 sind weiterhin Vorentgrater
9 angeordnet, die für das Entgraten gleichbleibende Gratabmessungen
realisieren. Nach ca. 5 Sekunden kann das Werkzeug in der Bohrung ohne Beschädigungen
zurückgeführt werden.
2 zeigt eine weitere Ausführungsform des zweiteiligen
Werkzeuges in der Seitenansicht im Schnitt. Das Ende des werkzeugseitigen Schaftendes
2 mit einem Innendurchmesser D1 ist hier ein Verschluss-Stift, Spiralspannstift
oder eine Spannhülse 10 mit einem Durchmesser D2. Der im Bereich des
Schneidenkörpers 5 angeordnete elastische Stützkörper
7 liegt werkzeugseitig am Verschluss-Stift 10 an und einspannseitig
ist im Abstand a zum Stützkörper 7 ein Spiralspannstift oder
ein Spannstift oder eine Spannhülse 3 mit einem Durchmesser D3 im
rohrförmigen Schaft 1 angeordnet, wobei das Druckmittel zur Erzeugung
des Druckes p durch die gewählten Durchmesserverhältnisse D1-D2-D3 optimal
auf den Stützkörper 7 wirkt und so die erforderlichen Kräfte
an der bzw. an den Schneidkanten zur Gratentfernung oder zum Aufbohren der Bohrungsenden
erzeugt. Auch diese Ausführungsform des zweiteiligen Werkzeuges hat entsprechende
Vorentgrater 9.
3 zeigt ein einteiliges Werkzeug mit zwei Schneiden
zum Entgraten und/oder Rückwärtssenken von Bohrungsenden mit kleineren
Durchmessern bis zu 1,5 mm in der Seitenansicht im Schnitt. Kennzeichnend ist, dass
das Einspannende und das werkzeugseitige Schaftende ein einteiliger rohrförmiger
Schaft 1 sind. Die Anordnung des Spiralspannstiftes 3, des Stützkörpers
7 und des Verschluss-Stiftes 10 erfolgt analog 2.
Zwei Schneidenkörper 5 mit einer Schneide 6 sind in den Durchbrüchen
4 angeordnet. Dieses zweischneidige Werkzeug senkt die Bearbeitungszeiten
erheblich und steigert somit die Wirtschaftlickkeit.
4 zeigt eine Schneide zum Rückwärtsenken
in der Vorder-, Seiten- und Draufsicht. Es ist dargestellt, dass der Schneidenkörper
5 zur effizienten Übertragung der erzeugten Schneidenkräfte eine
Schulter 11 und eine Schneidenkörperoberfläche 19 aufweist,
wobei die Schneidenkörperoberfläche 19 und der abgeflachte Teilbereich
der Stützkörperoberfläche 16 gleich oder annähernd
gleich sind. Der Schneidenkörper 5 mit der Schneidenfläche
12 ist durch übliche Spanungswinkel &agr;, &bgr;, &ggr; und
einen Spitzenwinkel &dgr; sowie durch eine Spanfläche 13, eine Freifläche
14 und einer Hauptschneidenfläche 15 gekennzeichnet, wodurch
die Schnittkräfte zum Aufbohren der Bohrungsenden minimiert werden.
5 zeigt eine Schneide zum Entgraten in der Vorder-
und Seitenansicht. Der Stützkörper 5 weist wie in 4
dargestellt ebenfalls eine Schulter 11 und eine Schneidenkörperoberfläche
19 auf. Zur Gewährleistung des Entgratens von Bohrungsenden ist die
Schneidenecke 18 der Schneide 6 keine Schräge. Die Schneidenecke
18 ist linear oder kegelschnittförmig ausgeführt oder durch Teilbereiche
eines Kreises oder durch Evolventenbereiche gekennzeichnet. Diese Schneidenkonstruktion
sichert problemlos die Funktionsfähigkeit des Werkzeuges für einen impulsartigen
Druckaufbau und -abbau, insbesondere beim Entgratens von Bohrungsenden mit einem
Durchmesser von < 1,5 mm.
6 zeigt einen Stützkörper in der Vorder-
und Seitenansicht. Es ist dargestellt, dass der Stützkörper
7 mit einem Durchmesser D4 zylindrisch ist und mindestens einen abgeflachten
Teilbereich der Stützkörperoberfläche 16 hat. Kennzeichnend
ist weiterhin, dass der Durchmesser D4 des Stützkörpers 7 kleiner
als der Durchmesser D1 des rohrförmigen Schaftes 1 ist. Es ist auch
möglich, dass die Durchmesser D1 und D4 gleich oder annähernd gleich sind.
7 zeigt einen Stützkörper mit Formräumen.
Der Stützkörper 7 weist an den Enden Formräume
17 auf, die der geometrischen Form der anliegenden Spiralspannstifte, der
Verschluss-Stifte, Spannstifte oder Spannhülsen 3; 10 entsprechen.
Diese Ausführung des Stützkörpers ist wesentlich für die Funktionsfähigkeit
des Werkzeuges.
8 zeigt einen Stützkörper für ein einteiliges
Werkzeug mit zwei Schneiden in der Seiten- und Draufsicht. Der Stützkörper
7 hat zur wirksamen Kraftübertragung auf die jeweilige Schneidenkörperoberfläche
des Schneidenkörpers abgeflachte Teilbereiche der Stützkörperfläche
16.
9 zeigt einen zweiteiligen Stützkörper in
der Seitenansicht. Dieser zweiteilige Stützkörper 7 mit seinen
abgeflachten Teilbereichen der Stützkörperoberfläche 16
ist vorrangig in einteiligen Werkzeugen mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 mm
vorteilhaft einsetzbar.
- 1
- Einspannende, rohrförmiger Schaft
- 2
- werkzeugseitiges Schaftende
- 3
- Spiralspannstift, Spannstift, Spannhülse
- 4
- Durchbruch
- 5
- Schneidenkörper
- 6
- Schneide
- 7
- elastischer Stützkörper
- 8
- Querbohrung
- 9
- Vorentgrater
- 10
- Verschluss-Stift, Spiralspannstift, Spannhülse
- 11
- Schulter
- 12
- Schneidefläche
- 13
- Spanfläche
- 14
- Freifläche
- 15
- Hauptschneidenfläche, Aufbohren
- 16
- abgeflachter Teilbereich der Stützkörperoberfläche
- 17
- Formraum
- 18
- Schneidenecke, Entgraten
- 19
- Schneidenkörperoberfläche
- D1
- Innendurchmesser von 2
- D2
- Durchmesser von 10
- D3
- Durchmesser von 3
- D4
- Durchmesser von 7