Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von cellulosischen Formkörpern mit feinstverteilten stabilisierten Einschlüssen unpolarer organischer Verbindungen und Gemische nach dem Trocken-Nassextrusionsverfahren. Dieses Verfahren führt zu cellulosischen Formkörpern, die gegenüber unmodifizierten Cellulosefasern eine wesentlich gesteigerte Speicherkapazität für Wärme und/oder unpolare Wirksubstanzen aufweisen. Die entsprechend des erfindungsgemäß beschriebenen Verfahrens hergestellten cellulosischen Funktionsformkörper eignen sich speziell für den Einsatz in Textilien für Bekleidung, technische Textilien, Freizeit, Medizin und Kosmetik. Die funktionale Wirkung kann sich dabei auf den physikalischen Effekt der Wärmespeicherung und/oder auf die gleichmäßige und feindosierbare Speicherung und Freisetzung von unpolaren Wirkstoffen und Pflanzenextrakten aus dem Faserinneren beziehen. Durch geeignete Wahl des unpolaren Anteils, können nach diesem Verfahren auch Fasern hergestellt werden, die als Absorptionsmedium für flüssige oder gasförmige unpolare Substanzen dienen können.
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von cellulosischen
Formkörpern mit feinstverteilten stabilisierten Einschlüssen unpolarer
organischer Verbindungen und Gemische nach dem Trocken-Nassextrusionsverfahren.
Dieses Verfahren führt zu cellulosischen Formkörpern, die gegenüber
unmodifizierten Cellulosefasern eine wesentlich gesteigerte Speicherkapazität
für Wärme und/oder unpolare Wirksubstanzen aufweisen.
Die entsprechend des erfindungsgemäß beschriebenen Verfahren
hergestellten cellulosischen Funktionsformkörper eigenen sich speziell für
den Einsatz in Textilien für Bekleidung, technische Textilien, Freizeit, Medizin
und Kosmetik.
Die funktionale Wirkung kann sich dabei auf den physikalischen Effekt
der Wärmespeicherung und/oder auf die gleichmäßige und feindosierbare
Speicherung und Freisetzung von unpolaren Wirkstoffen und Pflanzenextrakten aus
dem Faserinneren beziehen. Durch geeignete Wahl des unpolaren Anteils, können
nach diesem Verfahren auch Fasern hergestellt werden, die als Absorbtionsmedium
für flüssige oder gasförmige unpolare Substanzen dienen können.
[Stand der Technik]
Es ist bekannt, dass die Wärmespeicherkapazität von textilen
Fasern und Formkörpern erhöht werden kann, indem das formgebende Polymer
mit einem organischen Phasenwechselmaterial kombiniert wird, das durch Schmelz/Erstarrungsübergang,
Konformationsübergang oder Entorientierung/Kristallisation Energie mit der
Umgebung austauschen kann. Die Höhe des Energieaustauschs und der wirksame
Temperaturbereich korrelieren mit der chemischen Struktur, der Änderung der
physikalischen Enthalpie und der Konzentration des Phasenwechselmaterials. Entscheidend
ist in erster Linie, dass der Energieaustauscheffekt in der Faser durch die molekulare
Nahorientierung des Phasenwechselmaterials in oder auf dem Formkörper erhalten
bleibt. Die Literatur weist folgende Lösungen auf: In erster Linie werden Phasenwechselmaterialien
mit einer organischen Polymerschicht verkapselt und anschließend die Kapseln
in eine Polymerfaser ein- oder auf ein Gewebe aufgebracht EP0306202US4756958, WO03027365, EP1430169,
WO03062513, WO02024992, US6689466,
US6217993, EP1028846,
US6077597, WO9925549, CN1317602,
CN1264760, WO9324241, EP611330,
US5366801, WO9941067, EP975462,
US5804297, WO0212607, WO05017247,
EP1658395.
Nachteilig erweist sich dabei, dass die Verkapselung des Phasenwechselmaterials
von der Formgebung, bzw. von der Verarbeitung getrennt erfolgt. Zwangsläufig
ist ein Kompromiss zwischen verfügbaren Kapselchargen hinsichtlich Material
und Eignung für das Formgebungsverfahren erforderlich. Bei Trocken-Nassextrusionsverfahren
werden unter anderem Anforderungen, wie Feinheit und Korngrößenverteilung,
mechanische und chemische Stabilität, Eignung des Phasenwechselmaterials für
das Einsatzgebiet, Verfügbarkeit und Preis, an Mikrokapseln gestellt.
Weiterhin können Phasenwechselmaterialien in eine Polyolefinmatrix
US5885475, WO9812366, EP0747431,
US5053446 oder eine Polymersuspension WO02095314,
EP1387995, CH692574
eingearbeitet werden.
US5885475 beschreibt die Herstellung von
schmelzegesponnenen Polyolefinfasern.
Ein direktes Einarbeiten eines Phasenwechselmaterials (z.B. Polyethylenglycol)
in eine Hohlfaser wurde in EP0311642, WO8707854,
US4908238 beschrieben. In dieser Beschreibungen
wurde jedoch auf eine Stabilisierung des Phasenwechselmaterials im Formkörper
verzichtet. Von der Struktur her ähnelt es einer Mikrosandwich Konstruktion.
Weiterhin wurden einfache Sandwichstrukturen beschrieben US2003124278,
WO03059614, US2003124318, WO03057474,
CN1211605.
Bekannt ist die Verdickung von Lösungen durch pyrogene Kieselsäure
EP0745372, DE3221946.
Auch die Stabilisierung von Wasser in Öl oder Öl in Wasser-Emulsionen
gegen Separation der dispersen Phase durch Anlagerung der pyrogenen Kieselsäure
an der Grenzfläche Öl/Wasser ist bekannt (DE102004014704A1)
und kann für „controlled release"-Systeme verwendet werden.
Es besteht ein Interesse, Wirkstoffe aus einem Gewebe oder einer Cellulosefaser
freizusetzen. Es ist auch bekannt, dass verkapselte, Wirkstoff enthaltende Materialien
an der Oberfläche verankert werden (WO0173188), oder in die Faser eingebracht
werden (WO2006066291, Lenzing). Die Möglichkeit Riechstoffe und
Wirkstoffe als Mikrokapseln herzustellen wurde in EP1243326,
WO9921532, EP1024785, DE10063428
beschrieben. Wiederum erweist sich die Mikrokapsel durch die begrenzte Verfügbarkeit
als Nachteil für eine großtechnische Anwendung, da die Verkapselung von
der Formgebung getrennt wurde. Aus der Literatur sind jedoch keine Ansätze
bekannt, dass die Erzeugung von permanenten unpolaren organischen Mikroeinschlüssen
in ein hydrophiles netzwerkbildendes Polymer, wie Cellulose, durch Zugabe der Rohstoffe
(Lösungsmittel, Cellulose, unpolare organische Verbindungen und Gemische, Verdickungsmittel
und Phasenvermittler) zur Spinnlösung und anschließender Formgebung in
einem Verfahren realisiert wurde. Bisher wurde auch nicht beschrieben, dass organische
Verbindungen, die in den unpolaren organischen Verbindungen und Gemischen gelöst
oder suspendiert werden können, als Modifikatoren (Veränderung des Schmelzbereichs
von Phasenwechselmaterialien durch z.B. Schmelzpunkterniedrigung) oder freisetzbare
Wirkstoffe genutzt werden können, wenn sie über das erfindungsgemäße
Verfahren als permanente unpolare organische Mikroeinschlüsse in ein hydrophiles
netzwerkbildendes Polymer, wie Cellulose, eingebracht werden.
Der Einbau von nanoskaligen Wirkstoffen in Pulverform bzw. von Carbon-Nanotubes
wird auch in WO2004081267A1 beschrieben, eine Lehre in Bezug auf die Einarbeitung
von lipophilen Substanzen in eine polare Celluloselösung kann daraus nicht
abgeleitet werden.
[Aufgabe der Erfindung]
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein direktes Verfahren zur
Herstellung von cellulosischen Formkörpern mit Einschlüssen unpolarer
organischer Verbindungen und Gemische unter Nutzung der in-situ Kapselung dieser
organischen unpolaren Verbindungen und Gemische zu entwickeln. Eine weitere Aufgabe
war, den Wirkbereich von eingebrachten Phasenwechselmaterialien regelbar zu gestalten.
Die erhaltenen cellulosischen Fasern sollten unter anderem eine deutlich erhöhte
Wärmespeicherkapazität gegenüber unmodifizierten cellulosischen Fasern
aufweisen, ohne nach dem Stand der Technik vorgefertigte Kapseln oder Phasenwechselmaterial
in Schichtstrukturen zu verwenden. Eine weitere Aufgabe war, ein Verfahren zu entwickeln,
nach dem auch unpolare Wirkstoffe in cellulosischen Formkörpern gelöst
und/oder gespeichert werden können und kontrolliert, über einen längeren
Zeitraum, an die Umgebung abgegeben werden können. Zusätzlich kann der
Wirkbereich durch Erniedrigung des Schmelzpunktes der Phasenwechselmaterialien regelbar
eingestellt werden. Ferner eignen sich die unpolaren organischen Verbindungen und
Gemische als Lösungsmittel und/oder Speichermedium für unpolare organische
Wirkstoffe, so dass die nach dem Verfahren hergestellten cellulosischen Formkörper
eine Wirkstofffreisetzung aus den Einschlüssen unpolarer organischer Verbindungen
aufweisen. Ferner kann dieser Effekt genutzt werden, um Fasern mit Einschlüssen
unpolarer organischer Verbindungen als Absorptionsmedium für gasförmige
und flüssige unpolare Verbindungen (Schadstoffe) zu nutzen. Die Vorteile ergeben
sich aus der folgenden Beschreibung und den Erfindungsansprüchen.
Diese Aufgabe wird bei dem eingangs genannten Verfahren erfindungsgemäß
dadurch gelöst, indem man eine cellulosische Form- und Spinnlösung, die
durch Lösen von Cellulose in tertiärem Aminoxid, vorzugsweise N-Methylmorpholin-N-oxid,
und einem Nichtlösungsmittel, vorzugsweise Wasser, hergestellt werden kann,
mit einem unpolaren organischen Material versetzt. Dabei sind Kohlenwasserstoffe,
Wachse, Bienenwachs, Öle, Fettsäuren, Fettsäureester, Stearinanhydrid,
und langkettige Alkohole und deren Mischungen zu bevorzugen. Eine nanoskalige pyrogene
Kieselsäure wird genutzt, um die Viskosität der gelösten unpolaren
Materialien so weit zu erhöhen, dass diese in der cellulosischen Form- und
Spinnlösung emulgiert werden können. Überraschenderweise reicht das
Verdickungsmittel in einer Konzentration von 1–50 % des Celluloseanteils
in der Formlösung aus, die im Vergleich von Kohlenwasserstoff in Wasser-Emulsionen
viel größeren Dichte- und Viskositätsunterschiede einer Emulsion
von Kohlenwasserstoffen in einer cellulosischen Form- und Spinnlösung zu überbrücken.
Nach Zugabe von nanoskaligen, flächigen, hydrophobierten Partikeln,
vorzugsweise modifizierten Schichtsilikaten, zum Beispiel hydrophobiertes Bentonit,
in einer Konzentration von 1–50 % des Celluloseanteils werden die organischen
Materialmikrophasen von einer Schicht nanodisperser Strukturen umgeben. Dieses Material
hat die überraschende Eigenschaft, dass es die Emulsion während der Formgebung
stabilisiert und anschließend als Phasenvermittler zwischen Cellulosematrix
und eingeschlossenem unpolaren organischen Material fungiert. Die eingeschlossenen
unpolaren organischen Materialien lassen sich auch mit Wirkstoffen beladen. Dabei
handelt es sich um unpolare Wirkstoffe, die mit den unpolaren organischen Verbindungen
Lösungen oder Suspensionen bilden. Bei den Wirkstoffen handelt es sich um unpolare
Wirkstoffe, unter anderen um Pflanzenprodukte, wie Jojobaöl, Monoi-Öl,
Nachtkerzen-Öl, Avocado-Öl Kakaobutter, ätherische Pflanzenextrakte
oder unpolare Pflanzenauszüge, um fettlösliche Vitamine, wie Vitamine
A, D und E, oder um Insektizide, wie Pyrethroide speziell Permethrin oder um Repellents.
Die Wirkstoffkonzentrationen können bis zu 0,001 g Wirkstoff/kg Formkörper
bis >500 g Wirkstoff/kg Formkörper betragen. Bei den unpolaren organischen
Verbindungen, die mit den Wirkstoffen Lösungen oder Suspensionen bilden, handelt
es sich um Alkane, oxidierte Alkane, wie z.B. Wachse, Bienenwachs, Öle, Ester
und Gemische daraus, die einen Schmelzpunkt unterhalb von 100 °C aufweisen.
Die Wirkstoffe können über einen längeren Zeitraum kontrolliert an
die Umgebung abgegeben werden. Dieser Effekt lässt sich zum Beispiel mit der
Waschpermanenz der Funktions- faser belegen. Durch die Zugabe von unpolaren organischen
Verbindungen und Gemischen in einer Konzentration kleiner 200% w/w bezogen auf die
gelöste Cellulose der Spinnlösung entstehen Formkörper mit weniger
als 66 % w/w unpolaren organischen Substanzen oder Gemischen.
Mit diesem Verfahren lassen sich cellulosische Formkörper mit
bereits beschriebenen Effekten, wie z.B. erhöhte Wärmespeicherkapazität
und „controlled-release"-Funktionen viel effizienter und kostengünstiger,
herstellen, da Bulkmaterialien verarbeit werden und die konventionelle Kapselung
und die Einarbeitung dieser Mikrokapseln entfällt. Das erfindungsgemäß
beschriebene Verfahren ist variabel. So kann zum Beispiel die Schmelzpunkterniedrigung
von Gemischen genutzt werden, um ein industrielles Standard-Phasenwechselmaterial
exakt an eine Anwendungstemperatur anzupassen, bzw. den Schmelz/Erstarrungsbereich
zu verbreitern.
[Beispiele]Beispiel 1
15765 g einer 60%-igen Lösung von N-Methylmorpholin-N-oxid werden
mit 1160 g Zellstoff von einem Durchschnittspolymerisationsgrad 500 unter Zusatz
von 6,8 g Propylgallat in ein Lösegefäß mit Rührwerk von 37
l Volumen eingebracht. Das Lösegefäß wird bis auf 20 mbar evakuiert
und im Verlauf von 6 Stunden von 2°C auf 94 °C bei einer Rührerdrehzahl
von 18 min–1 erwärmt und das verdampfende Wasser in einem
angeschlossenen Kühler kondensiert. Kurz vor Abschluss des Lösevorgangs
wird 350 g Paraffin RT 27 zugegeben. Anschließend werden 116 g nanoskalige
pyrogene Kieselsäure eingearbeitet und eine Emulsion von Paraffin in der Spinnlösung
gebildet. Nach Zugabe und Verteilung von 116 g hydrophobiertem Bentonit wird das
Gemisch durch eine Spinndüse über einen Luftspalt in ein wässriges
Fällbad gesponnen. Die Fasern weisen ein erhöhtes Wärmeaufnahmevermögen
von ca. 80 J/g gegenüber 7 J/g bei unmodifizierten Fasern auf.
Beispiel 2
15759 g einer 60%-igen Lösung von N-Methylmorpholin-N-oxid werden
mit 1160 g Zellstoff von einem Durchschnittspolymerisationsgrad 500 unter Zusatz
von 6,8 g Propylgallat in ein Lösegefäß mit Rührwerk von 37
1 Volumen eingebracht. Das Lösegefäß wird bis auf 20 mbar evakuiert
und im Verlauf von 6 Stunden von 2°C auf 94 °C bei einer Rührerdrehzahl
von 18 min–1 erwärmt und das verdampfende Wasser in einem
angeschlossenen Kühler kondensiert. Kurz vor Abschluss des Lösevorgangs
wird 350 g Paraffin RT 27 mit einem Modifiergehalt von 10 % w/w zugegeben. Anschließend
werden 116 g nanoskalige pyrogene Kieselsäure eingearbeitet und eine Emulsion
von Paraffin in der Spinnlösung gebildet. Nach-Zugabe und Verteilung von 116
g hydrophobiertem Bentonit wird das Gemisch, wie im Beispiel 1 beschrieben, ausgesponnen.
Die Fasern weisen gegenüber dem in Beispiel 1 beschriebenen Wärmetauschverhalten
ein um 4 °C abgesenktes Schmelzmaximum auf, dieses lässt sich mit einer
Schmelzpunkterniedrigung erklären, die nachfolgend beispielhaft beschrieben
ist.
Schmelzpunktserniedrigung von Paraffin
1) Probe 10 % Cyclohexan in Paraffin; Einwaage von 9 g Paraffin RT 27. Danach
Aufschmelzen des Paraffins und Dotierung mit 1. g Cyclohexan. Anschließend
DSC-Messung (Zeichnung 2).
2) Probe 5 % Cyclohexan in Paraffin: Einwaage von 9,5 g Paraffin RT 27. Danach
Aufschmelzen des Paraffins und Dotierung mit 0,5 g Cyclohexan. Anschließend
DSC-Messung (Zeichnung 3).
3) DSC-Messung an reinem RT 27 als Vergleich (Zeichnung 1).
Beispiel 3
15759 g einer 60%-igen Lösung von N-Methylmorpholin-N-oxid werden
mit 1160 g Zellstoff von einem Durchschnittspolymerisationsgrad 500 unter Zusatz
von 6,8 g Propylgallat in ein Lösegefäß mit Rührwerk von 37
1 Volumen eingebracht. Das Lösegefäß wird bis auf 20 mbar evakuiert
und im Verlauf von 6 Stunden von 2°C auf 94 °C bei einer Rührerdrehzahl
von 18 min–1 erwärmt und das verdampfende Wasser in einem
angeschlossenen Kühler kondensiert. Kurz vor Abschluss des Lösevorgangs
wird 350 g Paraffin RT 27 mit einem Permethringehalt von 10 % w/w zugegeben. Anschließend
werden 116 g nanoskalige pyrogene Kieselsäure eingearbeitet und eine Emulsion
von Paraffin in der Spinnlösung gebildet. Nach Zugabe und Verteilung von 116
g hydrophobiertem Bentonit wird das Gemisch, wie im Beispiel 1 beschrieben, ausgesponnen.
Die erhaltene Faser wirkt permanent Insektizid und ist waschbar.
Beispiel 4
15759 g einer 60%-igen Lösung von N-Methylmorpholin-N-oxid werden
mit 1160 g Zellstoff von einem Durchschnittspolymerisationsgrad 500 unter Zusatz
von 6,8 g Propylgallat in ein Lösegefäß mit Rührwerk von 37
1 Volumen eingebracht. Das Lösegefäß wird bis auf 20 mbar evakuiert
und im Verlauf von 6 Stunden von 2°C auf 94 °C bei einer Rührerdrehzahl
von 18 min–1 erwärmt und das verdampfende Wasser in einem
angeschlossenen Kühler kondensiert. Kurz vor Abschluss des Lösevorgangs
wird 175 g Paraffin RT 27 und 175 g Jojobaöl (natürliches Wachs) zugegeben.
Anschließend werden 116 g nanoskalige pyrogene Kieselsäure eingearbeitet
und eine Emulsion von Paraffin/Jojobaöl in der Spinnlösung gebildet. Nach
Zugabe und Verteilung von 116 g hydrophobiertem Bentonit wird das Gemisch, wie im
Beispiel 1 beschrieben, ausgesponnen. Die erhaltene Faser weist ein waschpermanentes
Depot an Jojobaöl auf und kann in kosmetischen Produkten verarbeitet werden.
Beispiel 5
15759 g einer 60%-igen Lösung von N-Methylmorpholin-N-oxid werden
mit 1160 g Zellstoff von einem Durchschnittspolymerisationsgrad 500 unter Zusatz
von 6,8 g Propylgallat in ein Lösegefäß mit Rührwerk von 37
1 Volumen eingebracht. Das Lösegefäß wird bis auf 20 mbar evakuiert
und im Verlauf von 6 Stunden von 2°C auf 94 °C bei einer Rührerdrehzahl
von 18 min–1 erwärmt und das verdampfende Wasser in einem
angeschlossenen Kühler kondensiert. Kurz vor Abschluss des Lösevorgangs
wird 350 g Alkangemisch mit einem Schmelzmaximum von 18 °C zugegeben. Anschließend
werden 116 g nanoskalige pyrogene Kieselsäure eingearbeitet und eine Emulsion
von Paraffin in der Spinnlösung gebildet. Nach Zugabe und Verteilung von 116
g hydrophobiertem Bentonit wird das Gemisch, wie im Beispiel 1 beschrieben, ausgesponnen.
Das Material weist ein Depot eines unpolaren Lösungsmittels auf, dass unter
Tragebedingungen flüssig ist und in der Lage ist, migrationsfähige unpolare
organische Verbindungen aufzunehmen.
Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung von cellulosischen Formkörpern mit Einschlüssen
unpolarer organischer Verbindungen und Gemische, dadurch gekennzeichnet,
dass eine Emulsion von unpolaren organischen Verbindungen und Gemischen, die auch
mit Wirkstoffen beladen sein kann, in einer Lösung von Cellulose in N-Methylmorpholin-N-oxid
durch Zugabe von hydrophoben Verdickungsmitteln hergestellt und stabilisiert wird
und die unpolaren organischen Verbindungen und Gemische durch Zugabe von nanoskaligen,
flächigen hydrophobierten Partikeln umhüllt werden und gegebenenfalls
durch Zugabe weiterer Substanzen der Schmelzpunkt der unpolaren organischen Verbindungen
eingestellt werden kann und eine Formgebung einschließlich der Rekristallisation
der Cellulose nach dem Lyocell-Verfahren erfolgt, wobei die unpolaren organischen
Verbindungen und Gemische dispers in der Cellulosematrix eingelagert verbleiben.Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als hydrophobe
Verdickungsmittel zur Erzeugung und Stabilisierung der Emulsion entsprechend nanoskalig
strukturierte pyrogene Kieselsäuren verwendet werden.Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass diese Verdickungsmittel
in einer Konzentration von 1–50 % des Celluloseanteils eingesetzt werden.Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die nanoskaligen,
flächigen hydrophobierten Partikel zur Umhüllung der feinverteilten Tröpfchen
unpolarer organischer Verbindungen und Gemische und zur Verbesserung der Phasenanhaftung
modifizierte Schichtsilikate sind.Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die modifizierten
Schichtsilikate hydrophobierte Bentonite sindVerfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die nanoskaligen,
flächigen hydrophobierten Partikel in einer Konzentration von 1–50 %
des Celluloseanteils zugesetzt werden.Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Kohlenwasserstoffe,
Wachse, Bienenwachs, Öle, Fettsäuren, Fettsäureester, Stearinanhydrid,
und langkettige Alkohole und deren Mischungen als unpolare organische Verbindungen
oder Gemische eingearbeitet werden.Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass mit Hilfe von
organischen Substanzen der Schmelzbereich der unpolaren organischen Verbindung durch
Schmelzpunkterniedrigung verändert und damit Fasern mit einem regelbaren Phasenwechselverhalten
hergestellt werden können.Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Einschlüsse
unpolarer organischer Verbindungen und Gemische aus Lösungen oder Suspensionen
von Wirkstoffen in einem unpolaren organischen Lösungsmittel erzeugt werden.Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei
den Wirkstoffen um unpolare Wirkstoffe handelt.Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Wirkstoffkonzentrationen
0,001 g Wirkstoff/kg Formkörper bis >500 g Wirkstoff/kg Formkörper
betragen.Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass als unpolare
organische Lösungsmittel Alkane, oxidierte Alkane, Bienenwachs, Öle, Ester
und Gemische daraus verwendet werden, die einen Schmelzpunkt unterhalb von 100 °C
aufweisen.Cellulosische Formkörper, hergestellt nach dem Verfahren nach den
Ansprüchen 1–12.Verwendung der cellulosischen Formkörper nach Anspruch 13 in textilen
Flächengebilden gegebenenfalls unter Abmischung mit textilen Fasern.Verwendung der cellulosischen Formlörper nach Anspruch 13 zur Herstellung
von Spezialpapieren.Verwendung der cellulosischen Formlörper nach Anspruch 13 in mit
Wirkstoff beladenen Folien.