| Dokumentenidentifikation |
DE10320397B4 29.11.2007 |
| Titel |
Gusseisenlegierung für Zylinderkurbelgehäuse |
| Anmelder |
Halberg Guss GmbH, 66130 Saarbrücken, DE |
| Erfinder |
Kleine, Andreas, Dr., 66130 Saarbrücken, DE |
| Vertreter |
Grosse, Bockhorni, Schumacher, 80687 München |
| DE-Anmeldedatum |
06.05.2003 |
| DE-Aktenzeichen |
10320397 |
| Offenlegungstag |
02.12.2004 |
| Veröffentlichungstag der Patenterteilung |
29.11.2007 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
29.11.2007 |
| IPC-Hauptklasse |
C22C 33/08(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
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| IPC-Nebenklasse |
C22C 37/10(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE
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| Beschreibung[de] |
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Die vorliegende Erfindung betrifft eine Gusseisenlegierung zur Herstellung
von Zylinderkurbelgehäusen nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bzw. 5 sowie
entsprechende Zylinderkurbelgehäuse.
Motorblöcke beziehungsweise Zylinderkurbelgehäuse werden
nach dem Stand der Technik in großem Umfang aus Eisengusswerkstoffen hergestellt.
So ist es beispielsweise aus der DE 197
80 253 C2 bekannt, Motorkolbenringe aus Lamellengrauguss herzustellen.
Da an die Zylinderbereiche von Hubkolbenmotoren besondere Anforderungen insbesondere
hinsichtlich der tribologischen Eigenschaften der Zylinderlauffläche gestellt
werden, ist es bekannt insbesondere bei hochbelasteten Dieselmotoren harte, kubusförmige
Titancarbid-, Titannitrid- und Titan-Carbonitrid-Einschlüsse in Gusseisenwerkstoffen
vorzusehen, um den Reibungsbeiwert und den Zylinderverschleiß zu verringern.
Ferner bilden die Titancarbid-, Titannitrid- und Titan-Carbonitrid-Einschlüsse
beim Herausbrechen aus der Zylinderlauffläche Mikroöltaschen aus, in denen
Schmieröl aufgenommen werden kann. Dies trägt ebenfalls zur Reduzierung
des Verschleißes aber auch des Ölverbrauchs bei. Diese Mikroöltaschen
entstehen beispielsweise auch bei der Bearbeitung der Zylinderlauffläche durch
Hohnen durch Mikroausbrüche, die durch kubische Mikroeinschlüsse mitverursacht
werden.
Der dafür erforderliche Titangehalt von 0,03 bis 0,06 % liegt
normaler Weise teilweise in der Basisschmelze mit 0,01 bis 0,02 % im Gleichgewicht
mit dem Siliziumgehalt 1,8 bis 2,3 % als Spurenelement vor; der Rest wird durch
Zugabe von geeigneten Titanträgern zulegiert.
Auch der Stickstoff liegt in der Basisschmelze als Spurenelement vor,
meistens in Gehalten von 60 bis 90 ppm. Der Endgehalt muß mit geeigneten Stickstoffträgern
auf einen solchen Wert gebracht werden, der eine ausreichende Bildung TiN, TiC/N
und Eisennitrid sichert.
Bei den gegenwärtig verwendeten Gusseisenwerkstoffen, bei denen
Titancarbid-, Titannitrid- und Titan-Carbonitrid-Einschlüsse vorgesehen sind,
ist jedoch nachteilhaft, dass durch die chemische Reaktion von Titan mit Stickstoff
zur Bildung der Titannitrid- und Titan-Carbonitrid-Einschlüsse dem Eisengusswerkstoff
Stickstoff entzogen wird. Dies wirkt sich jedoch bei Titangehalten von über
0,03 Gew.-% sehr negativ auf die Festigkeit der Gusseisenwerkstoffe aus, da durch
den Entzug des im Gefüge gelösten Stickstoffs und der Verhinderung der
Bildung von Eisennitriden an den Korngrenzen die Festigkeit stark herabgesetzt werden
kann. Nach dem Stand der Technik wird versucht dem entgegenzuwirken, indem festigkeitssteigernde
Legierungselemente, wie zum Beispiel Chrom zulegiert werden. Dies erhöht jedoch
die Gefahr der Lunkerbildung und führt zu einer schlechteren Bearbeitbarkeit
des Gusseisenwerkstoffs.
Schließlich sind aus der DE
196 29 970 C1 Gusseisenlegierungen für Motorkolbenringe bekannt, die
sich zur Erzielung hoher Festigkeitswerte durch eine perlitische Grundstruktur mit
kugelförmigen oder vermikularförmigen Graphitausscheidungen auszeichnet.
Zur weiteren Perlitisierung können der Legierung unter anderem Titan, Niob
und Tantal bis zu 4,0 Gew.-% zugegeben werden.
Es ist deshalb Aufgabe der vorliegenden Erfindung einen Gusseisenwerkstoff
für die Herstellung von Zylinderkurbelgehäusen bzw. entsprechende Motorblöcke
bereitzustellen, die auf einfache Weise die Eigenschaften Festigkeit, Verschleißbeständigkeit
und gute Zerspanbarkeit vereinen.
Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Gusseisenlegierung mit den
Merkmalen des Anspruchs 1 beziehungsweise des Anspruchs 5 Vorteilhafte Ausgestaltungen
sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
Die Erfindung geht aus von der Erkenntnis, dass den Nachteilen des
Titangehalts in Gusseisenlegierungen hinsichtlich der Festigkeitsminderung durch
Bildung von Titannitriden dadurch begegnet werden kann, dass anstelle des Titans
Niob und Tantal als Legierungszusätze verwendet werden, wobei die tribologischen
Eigenschaften der Gusseisenlegierung, die insbesondere im Zylinderbereich bei den
bekannten Legierungen durch die harten, kubus-förmigen Titancarbid-, Titannitrid-
und Titan-Carbonitrid-Einschlüsse erreicht werden, beibehalten werden können.
Dies ergibt sich aus den Eigenschaften von Niob und Tantal, welche eine niedrigere
Affinität zum Stickstoff und eine höhere Affinität zu Kohlenstoff
und Schwefel aufweisen und mit diesen Elementen kubische Mikroeinschlüsse bilden.
Aufgrund dieser Eigenschaften wird durch Niob und/oder Tantal weniger Stickstoff,
zur Bildung von Titannitriden bzw. Niob- oder Tantalnitriden entzogen, was für
die Festigkeitseigenschaften der Gusseisenlegierung wichtig ist. Gleichzeitig bilden
aber Niob und/oder Tantal durch die höhere Affinität zu Kohlenstoff und
Schwefel harte Einschlüsse aus, zum Beispiel salzartige Carbide, beispielsweise
in eckiger, insbesondere in kubischer Form, welche die Rolle der Titancarbid-, Titannitrid
und Titan-Carbonnitrid-Einschlüsse für die tribologischen Eigenschaften
übernehmen können. Außerdem weisen Niob und Tantal, die als Mikrolegierungsbestandteile
in Anteilen von jeweils 0,01 bis 5 Gew.-%, vorzugsweise 0,3 bis 0,9 %, beziehungsweise
vorzugsweise mit Werten von zusammen maximal 5 Gew.-% zugegeben werden, eine solche Dichte
auf, die ein Ausflotieren aus der Schmelze zu vermeidet. Darüber hinaus besitzen
Niob und Tantal eine geringe Neigung zur Verschlackung der Gusseisenschmelzen, so
dass auch dies die Verarbeitbarkeit der Legierung mit einer höheren Treffsicherheit
gegünstigt.
Die Niob- und Tantalanteile, die normalerweise einen höheren
Schmelzpunkt als die Gusseisenlegierung aufweisen, können in bekannter Weise
über Trägerlegierungen, zum Beispiel Ferroniob, Ferrotantal oder Ferroniobtantal
in die Schmelze eingeführt werden, wie zum Beispiel in der DE
19 728 771 C2 beschrieben.
Obwohl bereits die Vorteile der vorliegenden Erfindung erreicht werden,
wenn Titan nur teilweise durch Niob und/oder Tantal ersetzt wird, ist es bevorzugt
den Titangehalt ≤ 0,02 Gew.-% zu halten, also Titan im Wesentlichen über
den Spurenelementgehalt hinaus vollständig zu ersetzen.
Um eine ausreichende Festigkeit der Gusseisenlegierung zu erreichen,
ist es bevorzugt den Stickstoffanteil in einem Bereich von 0,01 bis 0,025 Gew.-%
zu wählen. Mit diesem Stickstoffgehalt können die gewünschten Festigkeitswerte
in besonders günstiger Weise erzielt werden.
Eine bevorzugte untereutektische Gusseisenlegierung weist gemäß
der Erfindung folgende Zusammensetzung in Gew.-% auf:
Kohlenstoff 2 bis 4 %, insbesondere 2,5 bis 3,4 %, vorzugsweise 2,8 bis 3,3 %
Silicium 0,5 bis 3 %, insbesondere 1,7 bis 2,6 %, vorzugsweise 1,8 bis 2,3 %
Niob 0,3 bis 5 %, insbesondere 0,5 bis 5,0 %, vorzugsweise 0,3 bis 1,0 %
Tantal 0,3 bis 5 %, insbesondere 0,5 bis 5,0 %, vorzugsweise 0,3 bis 1,0 %
Titan 0,01 bis 0,02 % (Spurenpegel)
Chrom 0,15 bis 0,35 %
Schwefel 0,10 bis 0,17 %
Rest Eisen, Eisenbegleiter, Spurenelemente und unvermeidbare Verunreinigungen.
Nach einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung werden die oben
beschriebenen Gusseisenlegierungen zur Herstellung von Zylinderkurbelgehäusen
für Hubkolbenmotoren, insbesondere für Dieselmotoren eingesetzt. Durch
die Ausbildung der harten, vorzugsweise eckigen, insbesondere kubischen Einschlüsse
aus Niob- und/oder Tantal-Carbiden kommt es bei der Bearbeitung der Zylinderlauffläche
in Nähe der vorliegenden Graphitlamellen zu kleinen Ausbrüchen der harten
Partikel, so dass sich Mikroöltaschen ausbilden. Dies vermindert den Ölverbrauch
und verbessert die Verschleißbeständigkeit. Außerdem werden durch
die harten Partikel in der Zylinderlauffläche niedrige Reibungsbeiwerte und
damit ebenfalls eine erhöhte Verschleißbeständigkeit gewährleistet.
Ausführungsbeispiel für dir Herstellung von Zylinderkurbelgehäusen
aus der erfindungsgemäßen Legierung:
Solche Teile werden nach dem Stand der Technik im Sandgussverfahren
mit Kunstharz gebundenen Kernen und Außenformen aus Kunstharz- oder Bentonith-gebundenem
Sand hergestellt. Diese Formstoffe und die Sanddicke legen die Erstarrungs- und
Abkühlverhältnisse und damit wesentlich die Gefügeausbildung fest.
Auch die mechanischen Eigenschaften werden durch diese Verhältnisse charakterisiert.
Für Zylinderkurbelgehäuse mit einem Rohteilgewicht von 35 bis 250 kg und
Wanddicken von 7 bis 15 mm im Zylinderrohrbereich im Gusszustand werden mit der
erfindungsgemäßen Legierung bei Wahrung der Tribologischen Vorteile und
guter Zerspanbarkeit Zugfestigkeiten von 260 bis 320 MPa erreicht.
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| Anspruch[de] |
Gusseisenlegierung für Lamellengrauguss zur Herstellung von Zylinderkurbelgehäusen
mit Stickstoff und einem Titan-, Niob- und/oder Tantalanteil und mit einer Struktur
mit Mikroeinschlüssen aus Niob- und/oder Tantalcarbiden, bei der der Titan-Anteil
über dem Spurengehalt durch Zugabe von Niob und/oder Tantal mit jeweils oder
gesamt 0,01, insbesondere 0,3 bis 5 Gew.-% zumindest teilweise ersetzt ist.
Gusseisenlegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der
Titan-Gehalt ≤ 0,02 Gew.-% ist.
Gusseisenlegierung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
der Stickstoff-Anteil 0,01 bis 0,025 Gew.-% beträgt.
Gusseisenlegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass der Niob- und Tantal-Anteil zusammen maximal 5 Gew.-% beträgt.
Gusseisenlegierung für Lamellengrauguss zur Herstellung von Zylinderkurbelgehäusen,
gekennzeichnet, durch
folgende Zusammensetzung in Gew.-%:
Kohlenstoff 2 bis 4 %, insbesondere 2,5 bis 3,4 %, vorzugsweise 2,8 bis 3,3 %
Silicium 0,5 bis 3 %, insbesondere 1,7 bis 2,6 %, vorzugsweise 1,8 bis 2,3 %
Niob 0,3 bis 5 %, insbesondere 0,5 bis 5,0 %, vorzugsweise 0,3 bis 1,0 %
Tantal 0,3 bis 5 %, insbesondere 0,5 bis 5,0 %, vorzugsweise 0,3 bis 1,0 %
Titan 0,01 bis 0,02 % (Spurenpegel)
Chrom 0,15 bis 0,35 %
Schwefel 0,10 bis 0,17 %
Rest Eisen, Eisenbegleiter, Spurenelemente und unvermeidbare Verunreinigungen.
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