Die vorliegende Erfindung betrifft einen Arbeitsstuhl mit stufenloser
Sitzneigungsverstellung nach dem Oberbegriff des Anspruches 1.
Derartige stufenlose Sitzneigungsverstellungen für Arbeitsstühle
nach dem Stand der Technik haben den Nachteil einer relativ komplizierten und damit
herstellungswartungs- und reparaturaufwändigen Konstruktion und sind daher
relativ kostspielig.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine gattungsgemäße
Sitzneigungsverstellung derart weiter zu bilden, dass eine wesentlich einfachere
Konstruktion bereit gestellt wird, die hinsichtlich der Herstellung, Wartung und
Reparatur wesentlich kostengünstiger ausgeführt ist.
Zur Lösung dieser Aufgabe dienen die Merkmale des unabhängigen
Anspruches 1.
Wesentlich dabei ist, dass zwischen Sitzplatte und Schwenkplatte mindestens
ein vom Schwenkgelenk beabstandeter Schwenkhebel angeordnet ist, der mit seinem
ortsfesten Endgelenk schwenkbar an der Schwenkplatte angelenkt ist und mit seinem
ortsveränderbaren Endgelenk schwenkbar an einem sich an der Sitzplatte abstützenden
Kraftübertragungsmittel angelenkt ist, durch welches, ausgelöst durch
die Betätigungsmittel, dieses ortsveränderbare Endgelenk in seiner Position
derart veränderbar ist, dass sich der vertikale Abstand H zwischen den beiden
Endgelenken verändert und damit der Neigungsverstellwinkel &phgr; der Schwenkplatte.
Vorteil dieser Maßnahmen ist, dass zusätzlich zur vorderen
Schwenkachse lediglich nur noch ein einziger davon beabstandeter hinterer Schwenkhebel
zwischen Sitzplatte und Schwenkplatte nötig ist; welcher mit einer Seite an
der Schwenkplatte drehbar festliegt und seine andere Seite durch einfache Kraftübertragungsmittel
wie z.B. eine Schraubspindel oder eine Gasdruckfeder, ortsverschiebbar ist und damit
ein Aufstellen und Absenken der Schwenkplatte relativ zur Sitzplatte einfach, schnell
und sicher möglich ist.
Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
In einer ersten Ausführungsform der Erfindung ist das Kraftübertragungsmittel
als ortsfeste Gewindestange ausgebildet, die durch Betätigen eines Handrades
gedreht wird. Insbesondere weist hierbei das Handrad ein Kegelrad auf, das mit einem
Ritzel kämmt, das wiederum drehfest mit der Gewindestange verbunden ist, auf
dem der untere Gewindebolzen des Schwenkhebels aufgeschraubt ist und durch Betätigen
eines Handrades längsverschoben wird.
Natürlich können auch sämtliche anderen Zahnradverbindungen
zwischen dem Handrad und der Gewindestange vorgesehen sein, oder aber auch eine
Reibradverbindung. Wichtig ist immer nur, dass die Drehbewegung des Handrades in
eine Drehbewegung der Gewindestange und in eine Längsbewegung des unteren Gewindebolzens
des Schwenkhebels übertragen wird.
Alternativ kann die Gewindestange auch nicht fest mit dem Ritzel verbunden
sein, sondern in einer Gewindebohrung des Ritzels aufgenommen sein und durch Drehen
des Handrades und damit des Ritzels in der Gewindebohrung des Ritzels längsverschoben
werden. Hier müsste dann der untere Gelenkbolzen des Schwenkhebels ortsfest
aber drehbar mit der Gewindestange verbunden sein.
In einer zweiten Ausführungsform der Erfindung ist das Kraftübertragungsmittel
als Gasdruckfeder-Element ausgebildet, mit einem Zylinder und einem darin befindlichen
gegen Gasdruck arbeitenden Kolben, an dem eine Kolbenstange nach aussen führt,
wobei das Gasdruckfeder-Element durch einen Handhebel (bevorzugt eine Zugtaste)
ent- und verriegelt wird. Insbesondere ist der Zylinder über ein Gelenk mit
der Sitzplatte gelenkig verbunden und die Kolbenstange an dem unteren ortsveränderlichen
Bolzen des Schwenkhebels, wobei aber auch die mechanische Umkehrung vorliegen kann.
Das entriegelte Gasdruckfeder-Element speichert die Energie aus der Gewichtskraft
des Nutzers über die Sitzplatte beim Draufsitzen, wobei diese Energie durch
Ziehen der Auslösetaste und somit Entriegeln des Gasdruckfeder-Elements wieder
an die Sitzneigungsverstellungs-Mechanik und damit an die Sitzplatte abgegeben wird.
Der untere ortsveränderliche Bolzen des Schwenkhebels ist derart
ausgeführt, dass dieser zusätzlich zu seiner horizontalen Bewegung auch
eine vertikale Bewegung vollführt. Bevorzugt wird hierbei, dass an dem ortsveränderlichen
Bolzen des Schwenkhebels ein unterer Hebel angelenkt ist, der gelenkig an der Sitzplatte
befestigt ist. Durch diese Doppelhebel-Konstruktion kann der nötige Hub des
Gasdruckfeder-Elements sehr klein gehalten werden und das Gasdruckfeder-Element
klein dimensioniert werden, mit geringem Gewicht, und daher kostengünstig ausfallen.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand von mehrere Ausführungswege
darstellende Zeichnungen näher erläutert. Hierbei gehen aus den Zeichnungen
und ihrer Beschreibung weitere erfindungswesentliche Merkmale und Vorteile der Erfindung
hervor.
Es zeigt:
1: Eine Draufsicht auf den erfindungsgemäßen
Arbeitsstuhl gemäß einer ersten Ausführungsform, mit abgenommenem
Polster, wobei die Schwenkplatte und Sitzplatte zu sehen sind;
2: Seitenansicht der 1
im Schnitt, mit auf die Sitzplatte abgesenkter Schwenkplatte;
3: Seitenansicht der 1,
mit von der Sitzplatte hochgestellter Schwenkplatte;
4: Eine Draufsicht auf den erfindungsgemäßen
Arbeitsstuhl gemäß einer zweiten Ausführungsform, mit abgenommenem
Polster, wobei die Schwenkplatte und Sitzplatte zu sehen sind;
5: Seitenansicht der 4
im Schnitt, mit auf die Sitzplatte abgesenkter Schwenkplatte;
6: Seitenansicht der 5,
mit von der Sitzplatte hochgestellter Schwenkplatte.
1-3 zeigen eine erste
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung, 4-6
eine zweite Ausführungsform, die sich im Wesentlichen durch den Auslösemechanismus
und die Kraftübertragungsmittel der Sitzneigungsverstellung unterscheiden.
Auslösemechanismus für die Sitzneigungsverstellung ist in
den 1-3 ein Handrad
3 im Rückenbereich des Arbeitsstuhles, welches durch einfaches Drehen
betätigt werden kann und damit auf die Kraftübertragungsmittel der Sitzneigungsverstellung
wirkt.
Auslösemechanismus für die Sitzneigungsverstellung ist in
den 4-6 eine Auslösetaste
13, die durch einfaches Ziehen betätigt werden kann und damit auf
die Kraftübertragungsmittel der Sitzneigungsverstellung wirkt. Die Auslösetaste
13 ist im vorderen seitlichen Bereich des Arbeitsstuhles angeordnet ist,
und damit für einen auf dem Stuhl sitzenden Benutzer sehr bequem erreichbar
und bedienbar.
Die Sitzplatte 1, 11 ist auf einer nicht näher
dargestellten höhenverstellbaren Säule eines Fußgestells befestigt,
wobei an der Sitzplatte 1, 11 die neigungsverstellbare Schwenkplatte
4, 14 über das am vorderen Rand des Stuhles angeordnete Schwenkgelenk
10, 16 befestigt ist.
Im Ruhezustand nach den 2 und
5 liegt die Schwenkplatte 4, 14 auf
der Sitzplatte 1, 11 auf, so dass der Neigungsverstellwinkel &phgr;
gleich Null ist.
Für das Verschwenken der Schwenkplatte 4,
14 relativ zur Sitzplatte 1, 11 sind nun die erfindungsgemäßen
Verschwenkmittel vorgesehen, welche einen Verschwenkhebel 2,
12 beinhalten, der zwischen der Schwenkplatte 4, 14 und
der Sitzplatte 1, 11 angeordnet ist, unter Zwischenschaltung eines
Kraftübertragungsmittels.
Dieses Kraftübertragungsmittel ist in der ersten Ausführung
nach 1-3 als ortsfeste
aber drehbare Gewindestange 8 ausgebildet, die mittels eines damit verbundenen
Ritzels 7 gedreht werden kann, wenn ein Nutzer das Handrad 3 dreht,
da dessen stirnseitiges Kegelrad mit dem Ritzel 7 in Eingriff steht.
Dieses Kraftübertragungsmittel ist in der zweiten Ausführung
nach 4-6 als Kolbenstange
15a der Gasdruckfeder 15 ausgebildet, welche auf ihrer einen Seite
in den Zylinder 15b der Gasdruckfeder 15 eintaucht und gegen ein
Gasmedium arbeitet und auf ihrer anderen Seite über das Gelenk 18
mit dem unteren Ende des Verschwenkhebels 12 verbunden, der wiederum mit
seinem oberen Ende über das Gelenk 17 mit der Schwenkplatte
14 in Verbindung steht. Weiterhin ist an dem Gelenk 18 ein oberes
Ende eines unteren Hebels 20 angelenkt, der mit seinem unteren Ende über
ein Gelenk 19 mit der Sitzplatte 11 verbunden ist. Damit das Gasdruckfeder-Element
15 insgesamt nicht nur eine horizontale, sondern auch eine vertikale Bewegung
durchführen kann, ist das der Kolbenstange 15a gegenüberliegende
Ende des Zylinders 15b über das Gelenk 21 mit der Sitzplatte
11 gelenkig verbunden. Ausgelöst und Geklemmt wird die Gasdruckfeder
15 bzw. die Kolbenstange 15a im Zylinder 15b durch einen
seitlich im Vorderbereich angeordnete Auslösetaste, die auf eine nicht näher
dargestellte Ver- und Entriegelmechanik wirkt.
Durch die gelenkigen Anbindungen 5, 9 und
17, 18 des Verschwenkhebels 2, 12 sowohl an
der Sitzplatte 1, 11, als auch an dem Kraftübertragungsmittel
(Gewindestange 8 oder Kolbenstange 15a), wird ein Verschwenken
der Schwenkplatte 4, 14 relativ zur Sitzplatte 1,
11 möglich. 3 und 6
zeigen die Erfindung im nach oben um den Neigungsverstellwinkel &phgr; = ca. 6°
verschwenkten Zustand. Der vertikale Abstand H zwischen den Gelenken 5
und 9 bzw. 17 und 18 in den 2
und 5 vergrößert sich zur vertikalen Höhe
H' in den 3 und 6, wenn
die Schwenkplatte 4, 14 nach oben von der Sitzplatte
1, 11 weg um den Neigungsverstellwinkel &phgr; verschwenkt wird.
Die verschwenkte Position nach den 3 und
6 bringen einen Nutzer in eine etwas nach vorn in Richtung
auf einen Tisch (nicht dargestellt) vorgebeugte Sitzhaltung.
Wird nun in der ersten Ausführung der 1-3
das Handrad 3 gedreht, dann dreht sich das Ritzel
7 in der kegeligen Stirnverzahnung des Handrads 3 und mit dem
Ritzel 7 dreht sich die Gewindestange 8, die in einem dem Ritzel
7 gegenüberliegenden Auflager in der Sitzplatte 1 lagert.
Da der Gewindebolzen 9 auf der Gewindestange 8 aufgeschraubt ist,
verschiebt sich der Gewindebolzen 9 durch die Drehung der Gewindestange
8, z.B. in Richtung der Mitte des Sitzes, wenn die Schwenkplatte
4 von der Position nach 2 in die
3 hochverschwenkt werden soll. Da der Gewindebolzen
9 gelenkig mit dem Schwenkhebel 2 verbunden ist und das obere
Gelenk 5 des Schwenkhebels 2 ortsfest aber drehbar mit der Schwenkplatte
4 verbunden ist, wird der Schwenkhebel um den Neigungsverstellwinkel &phgr;
(z.B. 6°) aufgerichtet, so dass sich der Vertikalabstand H der 2
zum Vertikalabstand H' der 3 vergrößert hat.
Damit sich ein auf der Schwenkplatte 4 sitzender Nutzer bei der Betätigung
des Handrads 3 nicht verletzen kann, ist das Ritzel 7 durch eine
Ritzelabdeckung 6 verdeckt.
Wird nun in der zweiten Ausführung der 4-6
die Auslösetaste 13 in Position nach 5
nach oben gezogen, dann wird das (mittels Gewichtskraft des Nutzers) vorgespannte
Gasdruckfeder-Element 15 entriegelt und der Nutzer kann durch Entlasten
der Schwenkplatte 14 die gespeicherte Energie des Gasdruckfeder-Elements
15 über dessen Kolbenstange 15a auf den Gelenkpunkt
18 wirken lassen, der sich in Richtung Sitzrand verschiebt, so dass sich
wiederum der Vertikalabstand H der 5 zum Vertikalabstand
H' der 6 vergrößert hat. Hierbei wurde der
spitze Winkel &agr; (ca. 80°) nach 5 zwischen
den Hebeln 12 und 20 in den spitzen Winkel &agr;' (ca. 170°)
nach 6 vergrößert. In 5
befindet sich das Gasdruckfeder-Element 15 im gespannten Zustand, in
6 im teilweise oder völlig entspannten Zustand.
Nach Löslassen der Auslösetaste 13 wird das Gasdruckfeder-Element
15 wieder verriegelt und die Schwenkplatte 14 in ihrer momentanen
Position gehalten, wobei immer noch ein geringfügiges Federn der Schwenkplatte
14 unter der Last eines Nutzers erfolgt, da die Schwenkplatte
14 immer gegen die Kraft des komprimierten Gases im Gasdruckfeder-Element
15 arbeitet.
Figurenlegende
- 1
- Sitzplatte
- 2
- Schwenkhebel
- 3
- Handrad für Sitzneigung
- 4
- Schwenkplatte
- 5
- ortsfeste Schwenkhebelwelle
- 6
- Abdeckung Sitzneigung
- 7
- Ritzel
- 8
- Gewindestange
- 9
- ortsveränderlicher Gewindebolzen
- 10
- Schwenkachse
- 11
- Sitzplatte
- 12
- Schwenkhebel
- 13
- Auslösetaste für Sitzneigung
- 14
- Schwenkplatte
- 15
- Gasfeder
- 15a
- Kolbenstange
- 15b
- Zylinder
- 16
- Schwenkachse
- 17
- ortsfeste Schwenkhebelwelle
- 18
- ortsveränderlicher Bolzen
- 19
- ortsfester Bolzen
- 20
- unterer Schwenkhebel
- 21
- Gelenk von 15 auf 11
- H
- vertikaler Abstand der Bolzen des Schwenkhebels
- &phgr;
- Neigungsverstellwinkel von 4, 14
- &agr;
- Winkel zwischen Hebeln 12 und 20