Die vorliegende Erfindung betrifft einen Arbeitsstuhl mit verbesserter
Einstellmechanik, insbesondere für die Neigungseinstellung einer Rückenlehne,
nach dem Oberbegriff des Anspruches 1.
Derartige Arbeitsstühle nach dem Stand der Technik besitzen zahlreiche
Einstellmöglichkeiten wie z.B. der Höhen-, Tiefen- oder Neigungseinstellung
der Sitzfläche und/oder der Rückenlehne. Als auslösende Betätigungsmittel
für diese Einstellungen sind bereits Handhebel oder Handräder bekannt,
welche die Handkraft des Nutzers über Kraftübertragungsmittel auf Stellorgane
übertragen.
Die Betätigungsmittel sind in ihrer Funktion entweder als „Schalter"
oder als „Taster" ausgebildet. Die Schalter selbst besitzen mindestens zwei
unterschiedliche Schaltstellungen und bewirken mindestens zwei unterschiedliche
Funktionen, z.B. Rasten/Entrasten oder Klemmen/Lösen. Die Taster selbst hingegen
besitzen nur eine einzige Taststellung, bewirken aber ebenfalls mindestens zwei
unterschiedliche Funktionen, wie z.B. Rasten/Entrasten oder Klemmen/Lösen.
Nachteil der Schalter ist, dass der Nutzer zwei entgegengesetzte Auslösebewegungen
(z.B. Ziehen/Schieben oder Links-/Rechtsdrehen) vollziehen muss und zudem den Schalter
an unterschiedlichen Orten ergreifen muss, je nach dem welche Funktion (z.B. Rasten
oder Entrasten) bewirkt werden soll. Dies führt insbesondere dann zu Unbequemlichkeiten,
wenn der Schalter nicht eingesehen werden kann, also kein Blickkontakt möglich
ist, so dass der Nutzer lange mit den Händen danach suchen muss, oder sich
aus seiner Sitzposition heraus seitlich hinunterbeugen muss um den Schalter und
seinen Schaltzustand sehen zu können. Weiterer Nachteil der Schalter ist, dass
diese nur in Kombination mit Zug-/Druckstäben gut funktionieren, nicht aber
mit Seilzügen, so dass die Position des Schalters und der eigentlichen Einstellmechanik
(z.B. Rasten oder Entrasten) relativ dicht beieinander liegen müssen.
Nachteil der Taster ist, dass diese zwar immer durch Rückführmittel
in ihre Ausgangslage zurück gebracht werden, jedoch damit auch wieder von der
zweiten Funktion (z.B. Entrasten) in die erste Funktion (z.B. Rasten) zurückgesprungen
wird. Mit anderen Worten muss ein Nutzer solange die Taste per Handkraft halten,
bis die richtige Einstellposition z.B. der Rückenlehne, gefunden wurde, um
danach dann die Taste wieder loszulassen und die richtige Einstellposition dauerhaft
festzulegen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, einen gattungsgemäßen
Arbeitsstuhl mit einer verbesserten Einstellmechanik, insbesondere für die
Neigungseinstellung einer Rückenlehne derart weiter zu bilden, dass das Betätigungsmittel
des Arbeitsstuhls einfacher, bequemer und schneller erreichbar und zu bedienen ist
und damit der Arbeitsstuhl besser an unterschiedliche Nutzer anpassbar ist.
Zur Lösung dieser Aufgabe dienen die Merkmale des unabhängigen
Anspruches 1.
Wesentlich dabei ist, dass die Tastenmechanik in der Art einer „Kugelschreibermechanik"
arbeitet die Arretiermechanik in ihrer jeweiligen Funktionsposition (z.B. arretiert/gelöst)
solange selbsttätig festhält, bis das Betätigungselement erneut in
der gleichen Betätigungsrichtung durch den Nutzer betätigt wird.
Vorteil dieser Maßnahmen ist, dass damit ein Nutzer während
des individuellen Einstellens auf seine Körpermaße, auf dem Arbeitsstuhl
sitzen bleiben kann und nur durch seitliches nach unten oder hinten führender
Hände das Betätigungselement erreichen und bedienen kann, ohne großen
Kraftaufwand für das Halten des Betätigungselements und ohne dass das
Betätigungselement wieder in seine Ausgangslage zurückgeführt werden
muss. Damit sind die Betätigungselemente einfacher, bequemer und schneller
erreichbar und zu bedienen und damit ist der Arbeitsstuhl besser an unterschiedliche
Nutzer anpassbar.
Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
Die Funktionspositionen der Arretiermechanik beinhalten mindestens
eine Verrast- und mindestens eine Entrastfunktion und/oder mindestens eine Klemm-
und mindestens eine Lösefunktion. Die Arretiermechanik kann also eine rein
formschlüssige Mechanik vorsehen, oder aber eine kraftschlüssige Mechanik,
oder aber eine Kombination zwischen Form- und Kraftschluss.
Für die Tastenmechanik in der Art einer „Kugelschreibermechanik"
wird bevorzugt, dass diese eine dreidimensionalen Zwangs-Kulissenführung aufweist,
mit mindestens einem federbelasteten elastischen Rasthaken, der nach Betätigen
der Taste in einer ersten Funktionsstellung (z.B. Entriegelt) formschlüssig
in eine Rastausnehmung eingreift und der nach nochmaligem Betätigen der Taste
in eine zweite Funktionsstellung (z.B. Verriegelt) fährt. Wird die Taste wiederum
betätigt, so wird erneut die erste Funktionsstellung erreicht u.s.w., so dass
durch das jeweilige Betätigen der Taste ständig zwischen den beiden Funktionsstellungen
alternierend gewechselt wird.
Bevorzugt wird, dass die Einstellmechanik, beinhaltend das Betätigungselement,
die Tastenmechanik und die Arretiermechanik, für die Neigungseinstellung
der Rückenlehne in Sitzrichtung des Nutzers vorgesehen ist, wobei die Rückenlehne
zusammen mit einem Lehnenbügel und einem Arretierblech um eine, mit einem Sitzträger
verbundenen Schwenkachse, durch den Nutzer verschwenkbar ist und das Arretierblech
mittels eines Stellorgans (z.B. Bolzen) der Arretiermechanik form- und/oder kraftschlüssig
arretierbar ist.
Insbesondere ist das Betätigungselement als sogenannte „Zugtaste"
ausgebildet, die nur nach oben gezogen werden muss und dadurch die Funktionsart
der Einstellmechanik geändert wird, wobei nach nochmaliger Betätigung
die „Zugtaste" automatisch wieder in ihre untere Ursprungslage zurückkehrt.
Alternativ können die Betätigungselemente als nach unten zu schiebende
„Drucktaste" oder auch als drehbares Handrade mit analoger Funktion wie die
„Tasten" ausgebildet sein.
Für das Rückholen in die Ursprungslage nach Betätigung
der Betätigungselemente ist bevorzugt ein Elastomer oder eine andere Rückholfeder
aus Metall oder Kunststoff vorgesehen, die z.B. als Schenkelfeder, als Zug- oder
Druck-Schraubenfeder oder ale Blattfeder ausgebildet sein kann und auf das Betätigungselement,
das Kraftübertragungsmittel, oder das Stellorgan der Arretiermechanik wirken
kann. Auch kann ein Teil des Betätigungselements, des Kraftübertragungsmittels
oder des Stellorgans der Arretiermechanik selbst elastisch federnd ausgebildet sein,
so dass eine separate Rückholfeder entfallen kann.
Als Kraftübertragungsmittel wird ein Bowdenzug bevorzugt, der
aus einem flexiblen Stahldraht oder aus einem flexiblen Kunststoffkabel oder Glasfaserkabel
oder ähnlichen flexiblen Zug- und Druckkräfte übertragenden Materialien
bestehen kann.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand von einen Ausführungsweg
darstellende Zeichnungen näher erläutert. Hierbei gehen aus den Zeichnungen
und ihrer Beschreibung weitere erfindungswesentliche Merkmale und Vorteile der Erfindung
hervor.
Es zeigt:
1: Seitenansicht des erfindungsgemäßen Arbeitsstuhles
im Schnitt durch die Längsmittenachse des Arbeitsstuhles;
2: Rückansicht der 1
im Schnitt durch die Längsmittenachse des Arretierbolzens;
3a: Eine Draufsicht auf die Arretiertaste mit Tastenmechanik
und Seilzug in einer ersten oberen Stellung der Arretiertaste bei entrastetem Arretierbolzen
und Rückenlehne;
3b: Eine Draufsicht auf die Arretiertaste mit Tastenmechanik
und Seilzug in einer zweiten abgesenkten Stellung der Arretiertaste bei verrastetem
Arretierbolzen und Rückenlehne.
Die Sitzplatte 9 ist auf einer nicht näher dargestellten
höhenverstellbaren Säule eines Fußgestells (z.B. Fußkreuz mit
Rollen) befestigt, wobei an der Sitzplatte 9 der in den Schwenkrichtungen
„e, f" neigungsverstellbare Schwenkbügel 5 mit Arretierblech
10 über das auf der Oberseite der Sitzplatte 9 angeordnete
Schwenkgelenk 11 befestigt ist.
Auslösemechanismus für die Arretierung der am Schwenkbügel
5 befestigten Rückenlehne ist die Taste 4, welche in Heberichtung
„b" durch den Nutzer hochgezogen wird, wenn die Funktion von „Arretieren"
in „Lösen" oder umgekehrt gewechselt werden soll. Nach jedem Betätigen
der Taste 4 durch einen Nutzer in Heberichtung „b" wird die Taste
4 selbsttätig in Absenkrichtung „a" aufgrund einer Schenkelfeder
(nicht gezeigt) zurückverschwenkt.
Die Taste 4 ist im vorderen seitlichen Bereich des Arbeitsstuhles
angeordnet, und dort an der Sitzplatte 12 angelenkt und um das Schwenklager
4a schwenkbar, und ist damit für einen auf dem Stuhl sitzenden Benutzer
sehr bequem erreichbar und bedienbar.
In 2 ist zu erkennen, dass die Taste
4 mit ihrem unteren Teil mit einem Schieber 3 der Tastenmechanik
verbunden ist, der in einer Lagerung 2, die an der Sitzplatte
12 festliegt, längsverschieblich geführt ist. Ebenfalls mit diesem
Schieber 3 ist ein freies Ende eines Seilzuges 1 verbunden, dessen
anderes freies Ende mit einem Federflügel der Auslösefeder 6
verbunden ist.
Der Grundkörper der Auslösefeder 6 ist mit einem
weiter unten im Stuhl befindlichen Arretierbolzen 8 verbunden und kann
diesen in horizontalen Richtungen „c, d" verschieben, wenn die Taste nach
oben in Pfeilrichtung „b" gezogen wird und damit der Seilzug 1 in
den horizontalen Richtungen „c, d" verschoben wird.
In 1 ist zu erkennen, dass das am Lehnenbügel
5 befestigte Arretierblech 10 drei hintereinander liegende Rastlöcher
10a aufweist, in welche der Rastbolzen 8 eingreifen kann und damit
die am Lehnenbügel 5 befestigte Rückenlehne (nicht dargestellt)
in der Längsneigung auf den Nutzer zu oder von diesem weg (in Tiefenrichtung
des Stuhles) verstellen kann. Damit der Rastbolzen 8 nach der Verstellung
auch immer zuverlässig in sein zugeordnetes Rastloch 10a eingeführt
wird und dort auch verbleibt, ist der Rastbolzen 8 in seiner Längserstreckung
federbelastet und erfährt eine Kraft einer Druckfeder 7 in Horizontalrichtung
„c".
Das Vorsehen der Auslösefeder 6 als Blattfeder hat den
Vorteil, dass eine Einstellung der Rückenlehnenneigung und damit ein Herausziehen
des Rastbolzen 8 aus dem Rastloch 10a, nur erfolgen kann, wenn
keine wesentliche Last auf der Rückenlehne ruht, d.h. wenn der Nutzer sich
nicht anlehnt, was zur Sicherheit für den Nutzer dient.
In den 3 ist nun die Tastenmechanik 1,
2, 3 der Taste 4 in Draufsicht dargestellt, in
3a in Funktionsstellung „Entriegelt" (Bolzen
8 greift in Loch 10a nicht ein – siehe 1,
2) und in 3b in Funktionsstellung
„Verriegelt" (Bolzen 8 greift in Loch 10a ein –
siehe 1, 2). In der Funktionsstellung
„Entriegelt" nach 3a kann der Lehnenbügel
5 mitsamt Rückenlehne gegen die Kraft einer nicht gezeigten Feder
arbeiten.
Der Schieber 3 ist in seinem Lager 2 längsverschieblich
in Horizontalrichtungen „c, d" geführt und sowohl verbunden mit der
Taste 4, als auch mit dem Seilzug 1, der wiederum an der Auslösefeder
6 befestigt ist. Der Schieber 3 kann in seinem Lager
2 in zwei verschiedenen Stellungen gehalten werden, nämlich in der
Funktionsstellung „Entriegelt" nach 3a und in
der Funktionsstellung „Verriegelt" nach 3b.
In Funktionsstellung „Entriegelt" nach 3a
sind die Rasthaken 3a des Schiebers 3 in Eingriff mit etwa mittigen
Anschlägen 2a des Lagers 2 und somit liegt der gesamte Schieber
3 mitsamt Seilzug 1, Federblech 6 und Arretierbolzen
8 etwas weiter am Außenrand des Sitzträgers 9, wobei
der Arretierbolzen 8 dann außer Eingriff mit den Rastlöchern
10a ist.
In Funktionsstellung „Verriegelt" nach 3b
sind die Rasthaken 3a des Schiebers 3 außer Eingriff mit
den etwa mittigen Anschlägen 2a des Lagers 2 und somit liegt
der gesamte Schieber 3 mitsamt Seilzug 1, Federblech
6 und Arretierbolzen 8 etwas weiter innen vom Außenrand des
Sitzträgers 9, wobei der Arretierbolzen 8 dann voll in Eingriff
mit einem zugeordneten Rastloch 10a ist, welches der Nutzer dadurch auswählte,
dass er die Rückenlehne nach hinten oder vorn in den Neigungsrichtungen „e,
f" unter der Last seines Nutzergewichtes mit oder entgegen der Kraft einer Rückenlehenfeder
(nicht gezeigt) drückte.
Wird nun die Taste 4 von ihrer entriegelten Stellung der
3a nach oben in Schwenkrichtung „b" (2)
durch den Nutzer gezogen, dann wird der gesamte Schieber 3 relativ zum
sitzfesten Lager 2 in Horizontalrichtung „d" (2)
gezogen und die Rasthaken 3a des Schiebers 3 kommen außer
Eingriff mit den zugeordneten Anschlägen 2a des Lagers 2.
Lässt nun der Nutzer die Taste 4 los, so kehrt diese
nicht in ihre Ursprungslage nach 3a zurück, sondern
in eine geringfügig abgesenkte Position nach 3b
selbsttätig ohne Handkraft des Nutzers, aufgrund der Zugkraft der Auslösefeder
6, die auch den Schieber 3, den Seilzug 1, die Feder
6 und den Bolzen 8 in Verschieberichtung „c" (2)
zurückzieht.
Die dreidimensional elastisch federnden Rasthaken 3a des
Schiebers 3 kommen jedoch nicht wieder in Eingriff mit den zugeordneten
Anschlägen 2a des Lagers 2, sondern über eine dreidimensionale
Zwangs-Kulissenführung außer Eingriff mit diesen Anschlägen
2a und werden an diesen vorbei über diese hinaus in Richtung Mitte
des Sitzträgers 9 geführt, so dass die verriegelte Stellung der
3a erreicht wird und der Arretierbolzen 8
in ein gewähltes Rastloch 10a eingreift und den Lehnenbügel
5 mitsamt Rückenlehne dort fixiert.
Um wieder von der Verriegelungsstellung nach 3b
in die Entriegelungsstellung nach 3a zu gelangen, zieht
der Nutzer die Taste 4 ein zweites mal in die gleiche Richtung „b"
(2), so dass die Bewegungen der übrigen Bauteile
analog umgehrt wie oben beschrieben erfolgen, wobei die pfeilförmigen Rasthaken
3a des Schiebers 3 beim Überfahren der pfeilförmigen
Anschläge 2a des Lagers 2 nurmehr zweidimensional in der
Horizontalen sich elastisch verformen und wieder in die Anschläge
2a des Lagers 2 einschnappen und dort mit diesen in Eingriff stehen.
Ein Nutzer muss daher weder die Taste 4 drücken, drehen,
kippen oder auf eine andere Art als ausschließlich „ziehen" betätigen
und muss während des Einstellvorganges der Rückenlehne (über den
Lehnenbügel), die Taste nicht unter Aufwand seiner Handkraft betätigen
bzw. gezogen lassen. Da die Taste 4 vorn seitlich am Sitzträger
9 in Reichweite für einen sitzenden Nutzer befestigt ist, wird der
wesentliche Vorteil erzielt, dass die Taste einfacher, bequemer und schneller erreichbar
und zu bedienen ist und damit der Arbeitsstuhl besser an unterschiedliche Nutzer
anpassbar ist.
Der Schieber 3 und sein Lager 2 sind im Übrigen
bevorzugt aus einem Kunststoff-Material gefertigt, ebenso wie die Taste
4, und die Auslösefeder 6 ist bevorzugt aus einem Metall-Material
gefertigt, ebenso wie der Seilzug 1 und der Arretierbolzen 8 und
dessen Feder 7.
Figurenlegende
- 1
- Seilzug
- 2
- Lagerung, 2a Anschläge für 3a
- 3
- Schieber, 3a Rasthaken für 2a
- 4
- Arretiertaste; 4a Schwenklager
- 5
- Lehnenbügel
- 6
- Auslösefeder
- 7
- Druckfeder für 8
- 8
- Arretierbolzen
- 9
- Sitzträger
- 10
- Arretierblech; 10a Rastlöcher
- 11
- Schwenkgelenk zwischen 5 und 9
- 12
- Sitzplatte
- a, b
- Verschwenkrichtungen von 4
- c, d
- Verschieberichtungen von 3, 1, 6 und 8
- e, f
- Verschwenkrichtungen von 5